Mr. 288 Viertes Blrrtt. Sonntag den 19. December 1897 Amts- unb JlttjcißcblaU für bett Ums (Stefjem | Hratisöeitage: Hießener Kamilienblätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für bee folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Lu«1ande« nehm« ' Anzeigen für de» „Gießener »"»tiger' entgeh». vierteljährig«* Aöouaemeuispret^ 2 Mar! 20 Pfg. ett Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. «edaction, dpxbttbm und Druckerei: Kchatstr-tzeAr.^. Fernsprecher 6L Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Regenschirm, 1 gelber Glacehandschuh, 1 Paar Schuhe, 1 Flanell, blöde, 1 Schürze, 1 Sträugchen Seide, 1 Sturmlaterne, 1 Hundehalsband und 1 gedrehter Holzknopf. Zugeflogen.: 1 Hahn. Gießen, am 18. December 1897. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v. Bechtold. TT VWHJ»* Wietze», den 18. December öffauvg der Angebote, sowie sür die Ausführung der Arbeireu und Lieferungen längere Fristen avzaberaumen ind u. A. m. Es ist die stete Fürsorge der betheiligten Ministerien, daß bei dem Submission-Wesen nach den ge. nannten Vorschriften verfahren wird- wenn ganz ausnahmsweise davon abgevichen wird, daun sind eö zwingende, t« cr^tereffe des Staates liegende Gründe. Die Ergebnisse äwmtlicher größerer Submissionen werden den ei», chlägigen Ministerien von den Localbaubehörden zur Ent. chließuug wegen der Vergebung der einzelnen Arbeiten vor- gelegt. Ein Exemplar, der das SubmisfionSwesen regelnde« Bestimmungen wird dem Vüreau zur Keantnißnahme über- Amtlichem Theil. Bekanntmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß unsere GerichtSschreibereien täglich, mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, von vormittags 10 bis 12 Uhr sür die Recht- suchenden geöffnet find. AlS Amtstage für die Einwohner deS Stadtbezirks Gießen werden außerdem Dienstag, für die Einwohner des Laudbezirks Mittwoch vorbestimmt. Gießen, am 15. December 1897. Großherzogliches Amtsgericht. Langermanv. Der Wietzener Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme de« Montag«. Die Gießener y-iudrunmtttr werden dem Anzeiger W-chentlich dreimal beigelegt. geben werden. •*H. Stadttheater. ES giebt Theaterstücke, bet welchen die Handlung eigens für einen dabet die Hauptrolle spielenden Darsteller geschrieben ist, tote daS Libretto für eine^Eompo^ fition. Ein solch »auf den Leib geschriebenes Stück ist „DerSclave oder der „Schwiegervater aus Sachsen, welches gestern Abend zum Benefiz de- Herrn Direcior Alfred Helm zur Aufführung gelangte. Der Verfasser dttfe- Lustspiels ist G. v. Mofer, deffrn oben angegebene löbliche Absicht und zugleich einen lachenden Theaterabend -u schaffen, darin nicht fehlschlug. Die Hauptrolle in dem Stück ist Tims Bär, sächsischer Gutsbesitzer, der beweine« Schwieger- sohn dem Advokaten Seeberg in Berlin Unterkunft sucht, da ihn Unglücksfälle um Hab und Gut brachten. Dieser Schwiegerpapa ist ein alter reizbarer Herr, bei de« die Gegensätze in Auffassung und Meinung sich berühren- will ihm Jemand Gutes, so argwohnt er Böse-, Alles, wa- za ihm gesagt oder sür ihn gethau wird, fordert fe neu Wider» spruch heraus. Da er, um feinem Schwiegerfohn nicht pecuniär zur Last zu fallen, sich diesem alS Secretär anbietet und u« des lieben Frieden, willen als solcher angenommen wird, glaubt er, dessen Sclave geworden zu fein, in Wirklichkeit aber beugt er seinen Schwiegersohn und macht ihn zu« Sclaven seiner schlechten Laune und seine. Widerspruch.' getsteS, bis zum Schluß die Beiden sich versöhnen und in Ueberetnstimwung ihrer Ansicht harmoutreu. Alle., wa. nun um diese Beiden gruppirt ist, beansprucht nicht besondere Erwähnung- es sind die gewohnten Lustspieltypen, die Moser in geschickter Weise gruppirt und durch sceotsche Mittel dcm Ganzen zu desto sicherer Wirkung gereichen läßt. — Die Wiedergabe war eine recht erfreuliche. Der Stern dr. Abends war der geschätzte Beueficiant, Herr Dtrtctor Helm, in seiner wirklich vorzüglichen Darstellung deS Titu. Bär, die er mit Berechtigung zu seinen Glanzrollen zählen kann. Wenn man im verlaus einer längeren Zett Gelegenheit hat, recht ost einen Künstler in seinem Schaffen und Wirken za verfolgen, verstehen und würdigen zu lernen, fo können wir unser Unheil dem verehrten und beliebten Benrfieianten gegenüber dahin fassen, daß er als Komiker Hervorragende, leistet, als Künstler in der Wiedergabe feiner Rollen stet, natürlich und verstävdntßvoll der idealen Auffassung und Verwirklichung gerecht wird. Dies bestätigte auch fein gest» riger Ehreuabeud und die ihm gewordenen stürmischen Bei» fallSkundgebungeu find wohlverdiente. Möge un. Herr Dtrector Helm noch recht oft mit seiner Kunst erfreuen, die Sympathien des hiesigen theaterliebendeu Publikum, hat er sich gewonnen, von den übrigen Mttwitkeudeu ist in erster Linie Herr F r i tz f ch l e r erwahuenSwerth, der al. Schwiegersohn des von ihm zum „Sclaven" gemachten Titu- Bar eine abgerundete treffliche Leistung bot, ferner Herr Janson, als Ingenieur Förster, Herr Doser, alS „Freund Engel- Hardt" und Herr Albrecht al. dessen dumm-naiver Sohn Eafimir. Recht gut war auch der Kutscher des Herrn Forsch, sowie der in wirksamer MaSke erschienene vr. Zapfer de. Herrn Liebscher. Die Damen, Frau Dir. Kruse (Fran Bär), Frl. Biotti (Frau Seeberg), Frl. v. Winterst ein (Backfisch Elise) und Frl. NatusiuS (Dienstmädchen Lotte) entledigten fich ihrer untergeordneten Ausgaben in ganz zufriedenstellender Weise. Der Besuch war in Berücksichtigung der schon nahe gerückten Weihnachtsfeiertage, wo viele in Erfüllung näher stehender Pflichten abgehalte« werden, ein recht guter. ** Historische Commiffiou für Hessen unb Waldeck. Unter dem Vorsitze des Professors von der Ropp traten am 11. d. M. in Marburg die Mitglieder des Vorstandes der Historischen Commission für Hessen und Waldeck zusammen, um den Arbeitsplan und die Finanzlage zu besprechen. Mit- getheilt wurde, daß die ergangenen Aufforderungen zur Ueber- nahme von Patronaten und Stiftungen recht erfreuliche Er- gebnisse gehabt haben. So haben u. A. Landgraf Alexander Friedrich von Hessen 1000 Mk. gestiftet, der Fürst von Waldeck-Pyrmont ein Patronat übernommen, der Communal- verband für den Regierungsbezirk Cassel einen jährlich« Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. entnehmen dieser Antwort Folgendes: Die dem Herrn Ab- , i geordneten Köhler aus seinem Wahlkreise zugegaugeue und mit „Anfrage" au die Großherzogliche Regierung übergebene Zuschrift über angeblich bei der Vergebung von staatlichen und gemeinhettlichen Bauarbeiteu stattgrfundeue Benach- : theiligungeu der kleinen Handwerker beehre ich mich im All« gemeinen dahin zu beantworten, daß bte zur Begründung in der Zuschrift angeführten Thatsacheu fast durchweg unrichtig dargestellt sind. Wenn zunächst bemängelt wird, daß die inneren Arbeiten für da. hygienische Institut zu Gießen, obwohl dieses bereits im Jahr 1895 im Rohbau fertig gestillt geweftn, erst im Mai 1896 und zwar mit der Bedingung der Fertigstellung der Arbeiten innerhalb vier Wochen vergeben worden seien, so ist zu bemerken, daß die Fertigstellung deS fraglichen Rohbaues der Hauptsache nach erst im Januar 1896 ersolgt ist und einzelne Arbeiten sogar erst im März und theilwetse noch später vollendet werden konnten. Eine frühere AuSschteibung der auf den inneren Ausbau bezüglichen Arbeiten konnte indkssen auch schon darum nicht erfolgen, weil daS mit den Arbeiten befaßte Perfonal durch die demselben gleichzeitig obgelegene Fertigstellung der sämmtlicheu Gebäude der Jrrenklinik, die im Januar 1896 dem Betrieb übergeben werden mußte, voll in Anspruch genommen war. Gleichwohl ist ein Theil der Arbeiten bereit- im Monat März ausgeschrieben worden, und war für deren Fertigstellung uiwt eine Frist von 4, sondern 8^, Wochen gegeben. Die Glaserarbeiten inS- besondere, zu 5400 Mk. veranschlagt, waren in drei Loose getheilt. Aber nur eine Gießener Firma hatte Gebote ein- gelegt, welche jedoch zu hoch besunden wurden, weshalb eine nochmalige Ausschreibung in engerer Submission erfolgt ist, wobei eine Frankfurter Firma den Zuschlag erhielt, deren Gebot 35 Prozent niedriger, als das der Gießener Firma war. Die zu 7400 Mk. veranschlagten Schreiner-Arbeiten waren schon am 4. April 1896, nicht erst im Mat, und zwar in fünf Loosen vergeben. Die Termine sür Fertigstellung der Arbeiten waren je nach der Größe der Loose auf 5 bi. 13 Wochen festge etzt worden. Die in der Zuschrift enthaltene Behauptung, daß die Arbeiten nach Frank- furt vergeben worden seien, ist unwahr, denn 87 Procent wurden an Meister in Gießen vergeben. Eine kürzere Frist von 4 bis 5 Wochen war nur für die MobiliarauSstattung, insoweit sie in Schreinerarbeit bestand, bedungen worden, weil hier auf die Eoncurrenz der Gießener Möbrlfabrikanteu gerechnet werden konnte. Auch hier erfolgte die Vergebung der in fünf Loose zerlegten, im Ganzen zu 6400 Mk. veranschlagten Arbeiten au vier Firmen in Gießen und eine F rma in Lollar. WaS den Schulhaus-Neubau in Ettings- Hausen bei Gtünberg anbelangt, so war dasselbe im Herbste 1894 im Rohbau fertig gestellt und der Voranschlag für den inneren Ausbau im Monat Januar soweit gediehen, daß die Arbeiten im Februar hätten au.geschrieben werden können. . DaS Ausschreiben konnte jedoch erst am 21. März erfolgen, weil der Gemeinderath in Ettingshausen fich über gewisse i bauliche Herstellungen nicht schlüsfig werden konnte und erst i am 20. März den Voranschlag genehmigte. Die Benach- > richtigung der Zuschlagsertheilung an die Accordanten erfolgte am 30. März. Die Angabe in der Interpellation, daß bona Alles in vier Wochen hätte fertiggestellt sein müssen, ist nicht zutreffend- für die Herstellung der Glaserarbeiten war eine Frist von elf Wochen, für die der Weißbinderarbeiten eine solche von ca. 24 Wochen, für die der Schreiner- und Schlofferarbeiten zu 20 Wochen vorgesehen. Hervorgehoben sei noch, daß kein Anlaß vorhanden war, einen Unternehmer wegen Nichteinhalten der Termine in Conventional- strafe zu nehmen. Im Allgemeinen ist bezüglich des Submissionswesen, noch das Nachstehende zu erwähnem Für alle Zweige der Staatsoerwaltung find bezüglich der Vergebung von Leistungen (Arbeiten) und Lieferungen allgemeine Bestimmungen eiuzuhalten, die in dem Erlaß des Großherzoglichen Ministeriums vom 16. Juni 1893 zusammengestellt und sämmtlichen Localbehörden zur Nachachtung mttgetheilt worden find. In diesen Bestimmungen find auch die Grundsätze oufgesührt, welche die Art der Vergebung von Leistungen und Lieferungen regeln, und feststen, in welchen Fällen öffentliche, oder entere Ausschreibung, oder fteihäudige Vergebung stattfindev muß oder kann. Durch Erlaß vom 25. März 1895 wurden die bestehenden Vorschriften einschärfende Bestimmungen erlaffen, welche insbesondere dem inländischen Kleingewerbe zu gute kommen sollen, indem u. A. vorgeschrieben wurde, daß größere Arbeiten im Loose zu theilen find, daß die Offen- legung der Verdingungsunterlagen nicht allein bet dem betreffenden Amt, sondern auch am Ort der Ausführung de. betreffenden Bauwesen- stattsinden soll und daß für die Er- •• Der Hessische HaubelSkammertag verhandelte in seiner am 16. d. Mte. in Mainz abgehaltenen Sitzung u. A. über Erhebungen überdieLage de-Kleinhandel-. ES handelt sich auf Anregung der hesfischen Regierung um die bekannte KletnhandelSenqaete und ihre Ausführung in Hessen. DaS Ministerium deS Innern hat einen Fragebogen auSarbetten lassen und die Hesfischen Handelskammern ersucht, ihn in ihren Bezirken au.zugebcn nud die Ergebnisse zusammen» zuftellen. Fast sämmtliche Redner erklärten, rS sei höchst zweifelhaft, ob die Handelskammern der richtige Factor seien, «it dem fich eine solche Enquete ersolgreich durchführen lasse. Die Enquete sei eigentlich Sache deS Staates. ES wurde beschlossen, die Fragebogen durch die Handelskammern auszugeben und zwar, ohne Rückficht auf die Branchen, nach den einzelnen HandelSkammerbezirken. Zugleich wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, der Eint Heilung der Handel.kammerbezirke derart zuzusttmmen, daß der Handelskammer Mainz die Kreise Mainz und Opprnhetm, der Handelskammer Bingen der Kreis Bingen, der Handelskammer WormS die Kreise WormS und Alzey, der Handelskammer Offenbach der Krei. Offenbach, der Handelskammer Darmstadt der übrige Theil oer Provinz Starkenburg und der Handels- kammer Gießen die Provinz Oberheffen zugetheilt wird. — ®ln Bericht über die hessische Steuerreform wurde von der Tagesordnung abgcsetzt. Ein von der Handelskammer Gießen gestellter Antrag, da- Reich-eisen- bahnamt um Gewährung von 25 Kilogramm Frei» gepäck auf combinirte Fahrscheinhefte auf den hessischen Bahnen zu ersuchen, wurde gegen die Stimmen von Gießen, Darmstadt und Bingen abgelehnt. — Ein Antrag Sch loh mach er-Offenbach, der Regierung die Ein- sührung der in Oesterreich bestehenden Vergünstigungen für Must er ko ff er als höchst wünschenSwerth zu be- zeichnen, wurde einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag Darmstadt beschäftigte fich mit den ungenügenden Telephon anschlü ssen in Hessen und der Herabsetzung der Telephongebühr in kleineren Städten. Man beschloß, das Reichspostamt und die Regierung zu ersuchen, so rasch als möglich den Anschluß der hesfischen an die baye» rischen, wÜritembergischen, badischen, elsässischen und nieder- rheinischen Telephonlinien und an Berlin auszuführen und auch die Verbindung mit Hamburg und den norddeutschen Handelsplätzen in Betracht zu ziehen, ebenso den Anschluß der kleineren Orte an das hessische Fernsprechnetz. Weiter wurde beschlossen, au maßgebender Stelle den Vorschlag zu machen, die jährliche TelephougebÜhr in Städten bis 30000 Einwohner aus 60 Mk. für Geschäfte und 40 Mk. «r%r®«U tn Btäbten von 30000 bis 100000 Anwohnern auf 75 Mk. für Geschäfte und 60 Mk. für Private, in Städten Über 101000 Einwohnern auf 150 Mk. für Geschäfte nud 100 Mk. für Private herabzusetzen und den Zuschlag nach auswärts in drei Tarifgrenzen auf 25, 50 und 100 Pfg. für das Gespräch herabzusetzen. Den Schluß des HandelSkammertageS bildete ein kurzer Bericht über die kürzlich in Berlin stattgehabte st-So ufere« z •• Bergebuug »ou öffeutticheu vauarbeite». Se. Exceüenz der Herr Staatsmintster vr. Finger hat die Anfrage des Abgeordneten Köhler in obigem Betreff beantwortet. Wir Beitrag von 1000 Mk. verwilligt; auch find als neue Patro- neu mit jährlichen Beiträgen von 50—250 Mk. beigetreten die Städte Eassel, Hanau, Fulda, Marburg, Gießen und Friedberg, ferner die Grafen Berlepsch, Solms-Rödelheim, Director der Trebergesellschaft, Ad. Schmidt in Cassel, Galleriedirector Dr. Eisenmann u. s. w. Die Berichte über de« Fortgang der begonnenen Untersuchungen lauten recht befriedigend; die Jnangriffe neuer Arbeiten wurden bis zu« Frühjahr verschoben. Der Plan für die Herausgabe der Chronik von Hessen und Waldeck wurde festgelegt. •• Die Leute» armedatlle kommt soeben tm Herzog- thum Sachseu-Alteaburg zur Verleihung- d ist bieder erste deutsche Bundesstaat nach Preußen, wo dies ge« schicht, und steht daher nunmehr zu erwarten, daß die anderen S -raren bald Nachfolgen. ** Vermehrung der Zehumarkstucke. Einem Beschlüsse des Bundesraths zu Folge sollen, um dem in neuerer Zeit fühlbar gewordenen Mangel an Kronen (Zehnmarkstücken) abzuhelfen, bei den nächsten für Rechnung der Reichsbank stattfindenden Goldausprägungen bis zur Höhe von 20 Mill. Mark unter Vertheilung auf sämmtliche deutsche Münzstätten Kronen ausgeprägt und die hierdurch entstehenden Mehrkosten auf die Reichskasse übernommen werden. Ferner sollen, um dem wachsenden Bedürfniß nach silbernen Scheidemünzen «achzukommen, etwa 16 Mill. Mk. in silbernen Fünfmark- ftücken, etwa 8 Mill, in Zweimarkstücken und etwa 41/, Mill, in Einmarkstücken geprägt werden. Worms, 17. Decrmber. Die Stadtverordneten Versammlung hat dea Antrag auf Eingemeindung der Gemeinde Pfiffltgheim unter den gleichen Bedingungen wie bet der Eingemeindung von Neuhausen einstimmig angenommen^ ♦ Dortmund, 17. Drcewber. Drei Bergleute wurden auf 3'dic »Monopol" durch Schlagwetter getödtet. * Straßburg, 17. Decewber. Heute Nachmittag fand zwischen Schlertstadt und EberShetm ein Zusammenstoß zwischen einem Güterzug und einem ArdettSzug statt. Neun Etsenbahnaogestellte wurden theilweise sehr erheblich verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Zwei Loco- motiven und mehrere Wagen wurde« zertrümmert. Der Verkehr erlitt eiue wesentliche Störung. Die Züge aus der Richtung Schlettstadt kommen in Straßburg mit mehr als etnstündtger Verspätung an. * Karlsruhe, 14. Deeember. Die „Bd. Ldp." berichtet: Dir vielfach verbreitete Ansicht, daß der durch die Blutthat im Tannhäuser" zu Karlsruhe bekannt gewordene ehemalige Lieutenant v. Brüsewitz tm Gesäugniß eine bevorzugte Behandlung erfahre, ist nicht richtig. Brüsewitz muß gleich den übrigen Gefangenen die ihm zugewteseneu Arbeiten verrichten und wurde in der letzten Zeit mit Düten- machen und mit Entrippen von Tabak beschäftigt. Auch fand er zeitweise tm Krankenzimmer und im Bureaudieust Verwendung. * Messung der Ermüdung bei Schulktuderu. Unter dem Titel Unterricht und Ermüdung (Berlin, Reuter und Reichard) hat Dr. L. Wagner die Ergebnisse einer Reihe sehr bemerkenswerther versuche veröffentlicht, in denen er den SrwüdungSgrad einiger Schüler aus verschiedenen Klaffen und zu verschiedenen Stunden festzustelleu sucht. Er legte die sogenannte Grtesbach'sche Methode zu Grunde, die nach seinen Ausführungen auf folgenden Thatsacheu beruht: Setzt «an über irgend einer Hautstelle (z. B. dem Jochbein) zwei Spitzen eines Zirkels unter mäßigem Druck auf, so werden im Allgemeinen auch zwei Spitzen empfunden, bet relativ geringem Spttzenabstand unter Umstanden aber nur eine, obwohl zwei Spitzen aufgesetzt sind. Da» Seusorinm vermag örtlich oder zeitlich nahe Eindrücke nicht von einander zu trennen. Dies ist längst bekannt, neu aber ist die von Griesbach gemachte Entdeckung, daß die Fähigkeit des Sen- sortumS, zwei aufgesetzte Spitzen der Empfindung nach zu trennen, nicht bloß von dem Abstand der Spitzen, sondern auch von dem Grade der Ermüdung des Empfindenden abhängt - ein auSgeruhter Mensch empfindet die Spitzen als zwei in viel geringerem Abstande, mit andern Worten, der Tastfinu ist ein ziemlich genauer Gradmeffer der Ermüdung überhaupt. Gemessen wurde tm vorliegenden Falle nicht mit allmählich fich verringernden oder fich vergrößernden, sondern mit wechselnden Spttzenabstäudeu, die nach Anficht des Verfasser- ein zuverlässiges Ergebutß liefern. Als geringster noch empfundener Abstand ergab fich fünf Millimeter, als größter nicht empfundener (bet einem Quartaner) 25 Millimeter, das arithmetische Mittel ergab 10 Millimeter. Interessant find die Schlußfolgerungen, die der Verfasser tm Einzelnen zteht. Wtr heben eine Tabelle Aber Stvffwirkung hervor, wonach die einzelnen Fächer in folgender Reihenfolge ermüdend wirken: Mathematik, Latein, Griechisch, Turnen, Geschichte, Geographie usw., am wenigsten ermüdete dir Religion. Wtr heben ferner noch folgende That- sachen hervor: Sehr aufmerksame Schüler find mehr ermüdet, als unaufmerksame, begabte Schüler weniger al» unbegabte- auswärtige und nervöse Schüler beginnen am Morgen häufig mit großer Ermüdung, erholen fich aber vielfach wieder- Turn» und Sptelstunden wirken nicht weniger ermüdend al- andere, wenigsten- nicht für die dtejeuigeu Schüler, die fich eifrig daran bethetligeu- der vormittag-noterricht hat große hygienische Borthrile vor dem Nachmittagsunterricht, der auch pädagogisch wegen starker Ermüdung der Schüler fast werth- lo- ist. So bestätigt auch dieser Versuch Ansichten, die aus praktischer pädagogischer Erfahrung heran» vielfach geäußert worden find. Wir begrüßen darin auch eine neue und zukunftsreiche Ausdehnung der Schulhygiene. ♦ Wie in einzelnen Thetlen in» Hannoverschen nach gefreit wird, ersehen wtr aus etuem Brief, den die »Magdeburger Zeitung" aus Scherßtel bet Rothenburg erhält: Hier zu Lande, besonder- in den umliegenden Dörfern, besteht noch vielfach die Sitte und der Brauch, daß, wenn der Junge oder da- Mädchen das heirath-fähige Alter erreicht haben, die Alten, Freemaaker- genannt, losziehea von Ort zu Ort, ausspüren und Nachfragen: (JBo väl Geld bat Htnnerk oder Trtua hat, wo väl Morgen und Land und Wischen und wat süß noch all iS." Da werden dann manchmal drollige Sachen erzählt, u. A. soll eine alte Frau, zu der auch die FreemaakerS gekommen find, gesagt haben: ,®ie heft HuS und Hof, wie heft Land und Wisch, Göö» und Anten, wie heppt to leben und to geben, «t dücht, see schüllen fick mau nehmen." Wenn die Alten daun die Sache abgemacht, gibt- bet den Jungen kein Wenn und Aber, und so kann es kommen, daß Braut und Bräutigam fich kaum kennen, tja fich manchmal in ihre« Leben noch nicht gesehen haben. Daß die- wirklich vorkommt, zeigt folgender Fall: Also der Vater deS Bräutigams und letzterer fahren zusammen, um die Braut zu besuchen. Im Hause der Braut geht der Bräutigam in die Döosen (Grube), da findet er ein Mädchen. Holt, denkt er, schöll see dütt woll wä'u, aber er getraut fich erst gar nicht. Schließlich rafft er fich zur Frage auf: »Bist Du de Brut?" — „Ja, Junge, dar bin ick, Du bist wohl de Brögam?" * Briefwechsel zwischen dentschen und franzöfischen Gywnafiasten. Seit einiger Zett besteht zwischen Schülern französischer und deutscher Gymnafien ein Briefwechsel, der den Zweck verfolgt, fich gegenseitig in der betreffenden Sprache zu vervollkommnen. Auf dem städtischen Gymuafium zu Danzig ist der Brief eines Schülers aus Le ManS eingetroffen, welcher die Adresse trug: »An den ersten Schüler der 4. Klaffe im Gymnasium zu Danzig." Der Brief lautet in der Uebersetzung: »Mein Herr! Seit mehreren Jahren lerne ich Deutsch, und in dem Wunsch, e- gut kennen zu lernen, fragte ich meinen Lehrer, was ich thun sollte. Er antwortete mir: ich solle mit einem deutschen Schüler in einen Briefwechsel treten. Ich wende mich nun an Sie, mein Herr, und wenn es Ihnen paßt, schreiben wir uns alle Donnerstage. DaS wird auch Ihnen nützen, weil Sie bei dieser Gelegenheit auch werden Französich lernen können. Seien Sie im voraus meiner Freundschaft versichert. Wollen Sie meine aufrichtigen Grüße genehmigen. E. Devanx, Schüler der 4. Klaffe vom Gymnasium in Le ManS an der Sarthe in Frankreich." * Die Ansichtspostkarten fesseln schon das Jntereffe hoher Staatsbehörden. Ein Preisausschreiben für Künstlrr- poftkarteu hatte da» König!, sächsische Ministerium des Innern im August erlassen. E» find nun nach den „Hamb. Nachr." in 221 Einsendungen zusammen 594 Entwürfe eingegangen. Die Entwürfe werden in dem König!. Kunstgewerbemuseum geordnet und man findet sämmtliche Entwürfe, die VolkS- bräuche oder Volkstrachten darstellen, sämmtliche Städte- bilder u. s. w. neben einander. Die Landschaften und Bauwerke wiegen vor. 12 Preise erster und 12 Preise zweiter Ordnung wurden zugesprochen, 16 Entwürfe find vom Ministerium angekauft, mehrere Serien von Künstlerpoft- karten mit Bildern aus dem Sachsenlande werden heraus- gegeben. • Der «oblitt wohnende Herr gedeiht von allen preußischen Großstädten am besten in Hannover. Dort kommen nach einer Zusammenstellung de» Statistischen Amts der Stadt Eharlottenburg nicht weniger als 122 „möblirte Herren" auf 1000 männliche Einwohner. Berlin, wo deren Zahl 49 auf 1000 beträgt, wird darin von der Mehrzahl der Städte übertroffen und kommt erst an f4. Stelle. Nächst Hannover hat am meisten Frankfurt o. M., nämlich 98, dann Dort- muub 87, Altona 86, Halle 78, Eharlottenburg 75, Stettin 74, Düffelborf 72, Königsberg 70, Danzig 65, Breslau unb Köln 61, sowie enblich Magdeburg 51. Nur in Elberfeld, Barmen, Aachen und Lrefeld wohnen weniger männliche Ein- wohner möblirt als in Berlin. Seine Erklärung findet dies darin, daß der Arbeiter in Berlin in der Regil in Schlafstelle wohnt, in Städten wie Hannover, Frankfurt a. M. uiw. mehr in besonderen Zimmern. Auch in Beziehung auf möblirt bei fremden Leuten wohnende Frauen und Mädchen steht Berlin hinter vielen der preußischen Großstädte zurück. An der Spitze steht Königsberg mit 45 »möblirten Damen" auf 1000 weibliche Einwohner, in Berlin nur 15. Mehr a!» Berlin zählen möblirt wohnende weibliche Einwohner außer Königsberg noch BreSlau, Frankfurt a. M., Hannover, Altona, Stettin und Danzig, weniger als Berlin haben Köln, Magdeburg, Düsseldorf, Elberfeld, Eharlottenburg, Bremen, Halle, Dortmund, Aachen und Erefeld. e Eine fechsliigige Rad-Wettfahrt. Am Samstag Abend ein viertel nach 10 Uhr kam die große sechst ägige Rad-Wettfahrt im RewyorkerMadison-Garten zum Abschluß. 10000 aufgeregte Zuschauer wohnten der Schluß- eene bei. Seit Stunden hatten sie die Wettfahrer durch wilde Rufe angespornt, auszuhalten. Charles Miller, der Ehampion von Chicago, errang den Sieg. Seit Montag )at er 2093 englische Meilen durchfahren unb auf biefe Weise leben bisherigen Recorb hinter fich gelassen, von seinen Eoncurreuten hatte Rice 2026, Schinneer 2000, Hele 1920 unb Weller 1883 englische Meilen durchstreift. Am Montag hatten 36 Rabsahrer die Wettfahrt begonnen, aber nicht die Hälfte hielt bi» zum Samstag au». Ein ohrenbetäubender Jubel brach au», al» die Wettfahrt für beendigt erklärt wurde. Al» die Radfahrer fich zurückgezogen, begann die ärztliche Untersuchung. M'ller und Rice befanden fich in erträglich gutem Zustande, obgleich auch ihre Nerven furcht bar gelitten hatten. Die Uebrtgen mußten ohnmächtig an» der Rennbahn fortgetragea werden. Fast Alle litten während deS letzten Theiles an Hallucinatiouen. Der Franzose Rivierre mußte am Freitag plötzlich die Fahrt aufgeben, weil er an Geistesstörung litt. Arn Samstag ober nahm er die Fahrt wieder auf unb errang bie zehnte Stelle. Der neue Champion- Rabsahrer bet Welt, Miller, ist 24 Jahre alt unb ein Deutscher. Er wiegt 160 Pfunb und ist mittelgroß. Währenb ber Wettfahrt hat Miller gänzlich von flüssiger Nahrung gelebt. In ber ganzen Woche hat er kaum fünf Stunden geschlafen. Außer dem Preise von 1800 Dollars erhält er eine Prämie, weil er den Record gebrochen hat. Der ©efammtbetrag ber Preise ist 35 000 Dollar». Die gesammte New Korker Presse, barunter auch bie Organe der Radfahrer - Bereinigungen, bespricht ohne Ausnahme bie Brutalität biefer Wettfahrt. Das Schauspiel würbe schließlich so abstoßenb, daß bie Anficht allgemein war, so etwas dürfte niemals wieder in New-Uork erlaubt werben. Wahr- schetnlich wird die Legislatur des Staates in ber nächsten Tagung eine Bill gegen solche Wettsahrten genehmigen. Eingesandt. vetr. Verlegung ve» viehmartt». Gieße«, 18. Deeember 1897. Herr Stadtverordneter Emmeliu» Hai in ber Sitzung vom 16. Deeember erklärt, daß die projeettrte Anlage des Viehmarkt» hinter dem Schlachthaus eine durchaus unrentable fein unb einen jährlichen Zuschuß ber Steuerzahler von mindestens 6000 Mk. erfordern werbe. Das Recht zur Abgabe einer Erklärung steht Herrn EmmeliuS unbeftritten zu; nicht so unbestritten barf ex aber Behauptungen anfstellen, welche geeignet finb, der Mehrheit der Stadtverordneten, die auS klargelegten Scünden jenen Beschluß befürwortete, durch eine solche Erklärung inbirect zu imputtren, daß sie auf den Säckel ber Steuerzahler hin sündigte. Zu letzterer Annahme muß jedoch ber Leser jener Erklärung bes Herrn EmmeliuS gelangen durch die positive Art seiner Aus- bruckswetse. Wer fich nun solcher positiven Behauptungen, gegenüber anberen wohlbegründeten Anschauungen, bedient, von dem kann man auch verlangen, daß er für seine Ausführungen eine Begründung beibringt; die zu den Akten gegebene Erklärung oeS Herrn EmmeliuS entt ehrt aber jeder Begründung. Verlangen müßte man deßhalb von Herrn EmmeliuS, daß er nachträglich eine solche Begründung gibt. Dankbarer noch würben wohl Steuerzahler und die Mehrbeit der Stadtverordneten sein, wenn Herr EmmeliuS mal nachweisen wollte, wie bei der von ihm geplanten Verlegung de» Vieh markt» hinter die Bahnhöfe eine Rentabilität zu ermöglichen sei gegenüber dem Anlage-Capital, das sich aus mindestens das Doppelte erhöht, also auf 480000 Mk. — gegen 200000 Mk., welche da» Project hinter dem Schlachthaus wahrscheinlich noch nicht einmal kosten dürste. Man ist gespannt, zu erfahren, aus was sich die Rentabilitätsberechnung deS Stadwerordneten EmmeliuS für die Anlage hinter den Bahnhöfen aufbaut. Noch gespannter darf man darauf sein, zu hören, wie jener Stadtverordnete, der den direkten Bahnanschluß al8 bas einzige Mittel zur Rentabilität ber Viehmarktanlage anzusehen scheint, ben Beweis bafür erbringen kann, baß bie Anlage hinter den Bahnhöfen, trotzdem sie mindestens 200000 Mk. mehr kosten würbe, lediglich durch den Bahnanschluß rentabel wird, daß dadurch zuerst jenes von ihm befürchtete, von den Steuerzahlern zu deckende Deficit von 6000 Mk. Dtrmieben bleibt, unb außerdem noch eine Rentabilität beS um 200000 Mk. höheren Anlage-Cap it als eintritt. Wenn Herr Stadtverorbneter EmmeliuS biefen Beweis erbringt, dann hat er Recht mit feiner Erklärung — sonst aber nicht. Einer für Biele. irtbkbafl — LebenSverfichervngS'SeseVschaft |« Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger). Ls sinb vom 1. Januar diS Ende November 1897 5867 Versicherungen über 46446300 Mk. beantragt worben, 2429250 Mk. mehr als im gleichen Zeitraum de» Vorjahres. Als gestorben wurden in betreiben Zeit angemdbet 762 Mitglieder, die mit 5556650 Mk. versichert waren. Der VerficherungS- destond stellte sich Ende November 1897 auf 69000 Personen mit 509 Millionen Mark Versicherungssumme, daS Vermögen auf 157 Millionen Mark. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine SegenseitigkeitSanstaU ist, stießen alle Ueberschüffe ben Versicherten wieder zu. »atttl. *?• 1897, ... d ? !?S ■*« 6000 Äf * kStt «6fe.Äa UDe «rt ftlntr M ?' Btflenübttanbtrti «■njaun man auch NMungbdbrlngt; cn. Amelius entuhrl , ittrs-Ul )trm EwmcliuS, daß und dir Mehrheit »US mal Nachweisen eMgdtiMhmE ögltchen sei gcgtnübtt 1 diS Doppelte eehSht, v welche bal Project »t einmal kostm dürste, si-h die Reniabiiitütr- ür die Anlage hinter zu hörm, wie jener uß als daS einjlg« anzusehm scheint, den 'Se hinter den Bahn, mehr kost« würde, id, daß dadurch zmist ern zu deckmdr Deficit noch eineNmtadtlttiit etntritt. dies« Beweis erbringt, onfi «der nicht. 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