Nr. 298 Fünftes Blatt. Sonntag den 19. December 1897 (Eichener Anzeiger Kenerat-Ztnzeiger. Amts- und Zlnzeigeblatt für den ICreis Gieren. Hratisbeikage: Gießener Jamilienökätter. Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Redaction, Expedition und Druckerei: -chvlfiraße 3k.7c Fernsprecher 6k. Vierteljähriger AvonnemcntspreiS! 2 Mark 20 Pfg. eti Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener AtamilienSkälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal brigelegt. Der euer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Hmtlid?er Theil. Local Polizei-Reglement, betreffend die Verwendung schulpflichtiger Kinder zum Kegelschubdieuste. Zur Abwehr der mannigfachen Nachtheile, welchen schulpflichtige Kinder, die beim Kegelschieben verwendet werden, au-gesetzt sind, wird hierdurch tu Gemäßheit deS Art. 56 der Ttädte-Ordnung, nach Anhörung der Ttadtverordueten-Ver« sammlung und mit Genehmigung deS Großherzoglichen Mi« ntsteriumS des Innern vom S. December l. I. zu Nr. M. I. 20 444, für den Bezirk der Gemarkung Gießen verordnet, wie folgt: § 1. Inhabern von Kegelbahnen ist es untersagt, schulpflichtige Kinder zum Kegelschubdieuste zu verwenden. § 2. Zuwiderhandlungen gegen § 1 werden mit einer Geldstrafe bis zu 80 Mark bestraft. Gießen, den 17. December 1897. GroßherzogltcheS Polizeiamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Die Inhaber von Kegelbahnen dahier machen wir auf vorstehendes Local-Poltzet-Reglement mit dem Anfügeu besonder- aufmerksam, daß daS Reglement alsbald in Kraft tritt. Gießen, den 17. December 1897. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v. Bechtold. Politische Wochenschau. Wie Recht hatten wir doch, als wir bereit» vor längerer Zeit auSführtrn, daß dieser Winter unS hervorragende, tief in unser nationale- Leben einschneidende Ereignisse bringen werde! Und zu einem hervorragenden Eretgniß ist vor Allem die deutsche Expedition nach China geworden, zu einem Wendepunkt in unserer Geschichte. Deutschland zieht auS, sich sein gutes Recht zu suchen, welches dario bf steht, daß es Theil haben will an dem, war andere Staaten für ihr gutes Recht halten, daß eS nicht mehr schüchtern beifeit« stehen will mit seiner Fülle von Macht und Ruhm. Der deutsche Handel hat Anspruch auf den Schutz dieses großen Reiche-, Anspruch auf größere Berücksichtigung, al- fie ihm bisher zu Theil wurden. Nicht unbillig ist diese Forderung und nicht unbillig der Wunsch deS Reichs, seine Pflichten jetzt zu erfüllen, wo das Aufblühen des Handels, sein immer mehr sichtbares Borwärtsdringen einen mächtigen Schutz bedingen. Der Kaiser steht auf der Wacht deS Reiche- und hat die Gefahr erkannt, welche dem deutschen Einfluß droht, und mit sicherer Hand steuert er da» Reich einem andern Kurse zu, der die Anerkennung unserer Ansprüche erreicht und Ansehen und Macht deutscher Cultur mehr al- bisher im AuSlande Geltung verschaffen soll. Zu einem nationale« Ereigntß haben sich die Vorgänge in Kiel vor und während der Abfahrt de- deutschen Geschwaders nach China gestaltet, und wir stehen noch immer unter dem Etn- fluffe der hochbedeutsamen Worte, die der Kaiser seinem Bruder mit auf den Weg gab, die ein Programm bilden für unsere Weltpolitik und im Jalaude wie im AuSlande voll gewürdigt werden. Und welche Freude mußte eS nicht bei allen Patrioten erregen, daß der Kaiser, nachdem er seinem Geschwader ein Stück Weg- das Geleit? gegeben hatte, htn- fuhr zu dem alten Kanzler, ihm Gruß und Handschlag zu bieten, der mitgearbeitet hat, an Deutschlands Ehr und Wehr! Wir verstehen diese Fahrt deS Kaisers und wissen sie wohl zu würdigen. Die ReichStagSoerhandlungen nehmen natürlich da- regste Interesse in Anspruch. Endlos war die Erat-- berathuog, aber wir haben sie nun doch glücklich hinter un-, die Parteien platzten vielfach heftig auf einander, aber im Allgemeinen ging es doch ruhig und ordnungsmäßig zu. Die Berathung der Milttärstrafprozeßorduuug nimmt ungleich mehr die Aufmerksamkeit gefangen, aber erst in und nach den CommtssionSnerhaodlungen wird sich da- Schicksal der Vorlage beurtheileu lassen. Vorläufig macht der Reichstag erst Ferien und tritt erst kurz vor Mitte Januar wieder zusammen. BtS dahin wird die hohe Politik wohl nicht ganz schweigen, aber ruhiger wird eS doch werden, und diese Ruhe wird un- wohlthun. Denn unsere Zeit wird gar zu leicht nervös, was mau am besten daran steht, daß so ost die unbegründetsten Nachrichten verbreitet werden und auch willig Glauben finden. Unser Covfliet mit Haiti ist beigelegt; da aber unter der schwarzen Bevölkerung noch immer einige Erregung herrschen muß, so hatte man sich schnell eine In- sultirung deutscher Marineoffiziere in Port-au-Prince zurechtgelegt, die aber niemals stattgrfimden hat. Man wittert eben überall „Ereignisse". Das Ausland hat nicht viele hervorragende Begebenheiten aufzuwetsea. In Italien ist die Mtntsterkrtfis endlich gelöst und am Montag tritt daselbst wieder die Kammer zusammen, in welcher das Ministerium gleich einer Probe auf seine Lebensfähigkeit unterzogen werden wird. Unseres Erachtens nach ist eS auf ziemlich losen Sand gebaut und wenig widerstandsfähig. In Ungarn hat da- Abgeordnetenhaus jetzt die Berathuog des AuSgletchSprovtsortumS begonnen,- alle versöhnlich gesinnten Kreise find bemüht, dasselbe zu verabschieden. ES ist höchst bedauerlich, daß die parlamentarischen Verhält- utffe Oesterreichs noch nicht wieder hergestellt find und daß vorläufig wenig Hoffnung auf einen Ausgleich der Gegensätze vorhanden ist. Der Ausnahmezustand in Prag und Umgegend besteht noch immer und Excesse find fortgesetzt an der Tagesordnung. Frankreich hat nun wieder seinenPanamaprozeß, der wohl noch vielen Schmutz auswühlen dürfte, was auch bei brr Untersuchung über die Esterhazy-Angrlegenhelt der Fall sein wird. DaS Cabinet Mvltne gibt schon Zeichen von Altersschwäche kund und der nächste schwere Sturm wird eS htnwegraffen. Die jetzige Regierung Spaniens muß auf ihrer Hut sein, will fie am Ruder bleiben, denn General Wehler hat ganz daS Zeug dazu, ein kleines Prononciamento Hervorzurusen. Seine Anhänger find die Carltstrn, Republikaner und, last not least, die Coaservativen. Jetzt wird wieder stark tu Entrüstung gemacht gegen die Botschaft Mc Kinley-- da die- feiten- der Generale geschieht, so ist e- um so gefährlicher. Im Orient stehen die Dinge noch auf dem allen Fleck. Griechenland will einen Aufschub haben zur defiaittvrn Annahme der FrtedenSbedtugungeu, worauf fich aber die Türket nicht etnlasien will. * Die schönste Partie. Freundin: „Welcher Partie gibst du den Vorzug, der Land- oder Wafferpartte?" — Dame: „Der Partie, die zu einer Partie führt." * Kindlich. „Der Student ist wohl schon recht all, Mama?" — „Weshalb?" — „Weil er schon so häufig geflickt ist!" Vermiethungen. 11392] Wohuung mit 4 Zimmern (8 Treppen hoch) an ruhige Ml ei her per 1. April 1898 abzugeben. Küche auch mit SochgaSetnrichtung SelterSweg DU "11403] Eine Wohn m. Bleichpl. und Grtanlh.j. 1- April 98 z. verm. Ludwigstr.46 10862] Die von Herrn Justizrath Dr. Schwarz bewohnte Bel-Etage, 6 bis 9 Zimmer, Bad, Veranda, ab 1. 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Trio in D-dur op. 70 Nr. 1...... 2. Ch3re a capella: a) Adoramus.......... b) Vilanella alla Napolitana 3. Sonate in A-dur für Violine und Clavier. . 4. Chöre a capella: a) Fliesset dahin b) Einstmals das Kind Cupido . . . . 6. Trio in F-dur op. 42 «DKrikgklDkttiil Gieße» Weihnachtsbescheerung u. Verloosung am ersten Feiertage, Abends pracis 8 Uhr, in Leibs Saal. Diejenigen Mitglieder, welche sich an der Verloosung betheiligcn wollen, haben bis längstens 2» Deeember mindestens 50 Pfg. bei dem Kassier, Herrn Kaufmann Dort, einzuzahlen. Rach diesem Termin werden Zahlungen nicht mehr angenommen. 11344 Rur Mitglieder mit ihren Familien haben Zutritt. Wohne von heute ab meiner früheren Wohnung gerade gegenüber (1 Bahnhofstrasse 54 II Zahnarzt Th. Frutlg. Sprechstunden: Norm. 8—12, Nschm. 2— Gesangbücher von 1 Mark an und höher in dauerhaften Einbänden. Lager in Geschäftsbüchern und eämmtl. Comptoirartikeln Zur Kenntniß des Publikums! Die Geschäfte sind h ute Sonntag den 19. Deeember bis 9 Uhr Abends geöffnet. Jer Borstand des Ketaissisten-Iereins. Erstes Concert des Vereins zur Förderung eines Saalbaues in Giessen in der grossen Aula der Vniveraität am Sonntag den 19. Decbr., 5 Uhr Nachm., unter gütiger Mitwirkung der Herren A. Herber (Violine) aus Frankfurt a. M. und Job. Hegar (Violoncello) aus Zürich, des Akademischen Gesangvereins und des Herrn Musikdirector G. Trautmann (Clavier). Programm: L Welz Seltersweg 2. Sonntag den 19. Deeember, Abends 8 Uhr: Vortrag über „Palmin", ein neues Haushaltungsmittel. Es ist sehr erwünscht, daß auch die Frauen unserer Mitglieder zahl- Kindergarten. Tie Weihnachtsfeier meiner Zöglinge findet Sonntag, den 19. Deeember, Nachm. Präcis 3 Uhr, in der Turnhalle des Turnvereins statt, wozu ich die geehrten Eltern, Familienangehörige und Verwandten höflichst einlade. Hochachtungsvoll 11276 Wittwe Rothe, Kindergärtnerin. 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