Feuilleton. Federweißer. Von Willy Weder. (Nachdruck verboten.) Merkwürdig, — welche Wandlung mit ihm vorgegangeu war. Daheim tu seinem ostpreußischen Grenzstädtchen war er der „verschlossene Mensch", der Bücherwurm, der allezeit gestrenge Herr Professor. Und hier am User der Mosel . . Es war ganz gescheit von mir, dachte er, daß ich die Herbstferten zu einem Ausfluge an die Ufer der Mosel be- nutzt habe. 'S weht eine andere Luft hier, wie oben in preußisch Sibirien, 'S ist ein ganz anderer Menschenschlag hier, ein lustiger, leichtlebiger, gar nicht zu vergleichen mit den phlegmatischen, bedächtigen Ostpreußen. WaS war das doch für ein fröhliches Leben gewesen während der Tage der Weinlese! In den Weinbergen hatte eS gewimmelt von fleißigen Menschen, daS Städtchen war wie auSgestorbeu. Schüsse krachten, Mörser wurden abgefeuert, bet Einbruch der Dunkelheit sprühten Raketen, zischten Feuerräder und glühten Bunrfruer. Der Jahrgang 1897 würde ein guter werden, hatte man ihm versichert, obgleich die Rtesliugtraube nicht zur Reife gekommen war. Ueberhaupt diese Moselweine! Dieser „Bernkastler Doctor", von dem er eben den erstell Pokal geleert hatte, war wirklich eine Seelen- und Magenstärkung. Diese Blume, dieser zarte Geschmack, diese Wohlbrkömmlichkeit! Er schenkte ein zweites Glas voll und hielt es prüfend gegen das Licht. Die Sonnenstrahlen funkelten in der goldig grünen Flüssig« lkeit, er führte das GlaS zum Munde und . . . „Prooost," kam es unwillkürlich über feine Lippen. „Prost, Herr Professor," antwortete vom Nedeutisch eine Aare, Helle Frauenstimme. Nr. 27» Zweites Blatt. Mittwoch btn 17. Rodember 1897 Der erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montags. Die Gießener A«mirienö kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Meßmer Anzeig er Aenerak-Wnzeiger. Vierteljährig« Adouueme ntspret« t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expeditilm und Druckerei: -chutflraße Ar.7. Fernsprecher 5k Amts- und Airzeigeblatt für den Tkveis Gieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nnnnner bi» Lorm. 10 Uhr. ] Gratisöeikage: Gießener Kamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux be» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtfleye. Die Wehrsteuer. Allem Anschein nach wird sich der Reichstag trotz der günstigen Finanzlage des Reiches, welche die Beschäftigung mit Steuerplänen als ausgeschlosien erscheinen ließ, in seiner in Bälde beginnenden Tagung doch mit der Erörterung von Steuerprojecten befasien müssen. Von den vereinigten Veteranen vereinen wird an den Reichstag die Forderung gestellt, er solle zu Gunsten der Erhöhung der Invaliden. Pensionen die Einführung einer Wehrsteuer beschließen. Bei dieser Forderung sind unberechtigter Weise zwei grundverschiedene Dinge mit einander vermischt worden. Wenn der Reichstag zu der Ansicht kommt — und diese Frage ist in der That einer sehr ernsthaften Prüfung würdig, — daß unsere Jnvalidenpensionen unzureichend sind, so wird es, besonders Angesichts der günstigen Finanzlage des Reiches, nicht schwer halten, die hierzu erforderlichen, keineswegs übergroßen Mittel auf irgend einem Wege zu beschaffen. Welcher Weg hierzu gewählt wird, ist füglich Sache des Reichstags und der Negierungen. Die Veteranenvereine haben von ihrem Standpunkte aus gar nicht klug daran gehandelt, ihre Sache mit der Frage der Wehrsteuer zu verknüpfen, denn zweifellos überwiegen die Gegner dieser Steuer bei Weitem ihre Anhänger. In Bezug auf die Wehrsteuer treten einander zwei Auf. faflungen gegenüber, die beide vo i fehr idealen Grundsätzen ausgehen, aber zu dem völlig entgegengesetzten Standpunkt kommen. Die Einen stellen sich auf den Standpunkt, daß die Wehrsteuer einen Act ausgleichender Gerechtigkeit bilde. Zur Wehrsteuer, so erklärte Fürst Bismarck im Jahre 1881, hat nur das Gefühl Anlaß gegeben, welches sich des Musketen tragenden Soldaten bemächtigt, wenn er einen seiner Mei- nung nach auch diensttauglichen Nachbar zu Hause bleiben sieht. Die entgegengesetzte Anschauung, der vor Allem Treitschke Ausdruck gegeben hat, sieht dagegen in dieser Steuer nicht die Herstellung einer Rechtsgleichheit, sondern eine im Begriff verfehlte Gleichmacherei, ein unzulässige» Abwägen von Geld gegen Ehre. Das sind theoretische Erwägungen; noch entschiedener aber sprechen die practischen Erwägungen gegen die Ein- führung einer Wehrsteuer. Es wird gesagt, daß Derjenige, welcher dient, ein großes Opfer an Zeit bringe, dem eben der Nichtdienende das Opfer an Geld gegenüber stellen solle. Diese Beweisführung hat ein starkes Loch. Durch unsere neue Militärorganisation ist die Rekrutirung derart ausgedehnt worden, daß jeder völlig Gesunde unter allen Umständen zur Einstellung gelangt. Wer vom Militärdienst zurückgewiesen wird, leidet mithin an irgend einem, sei es auch noch so unbedeutenden körperlichen Gebrechen oder Fehler, oder an allgemeiner Körperschwäche. Es ist unseres Er- achtens eine Ungerechtigkeit, diese vom Militärdienst zurückgewiesenen Leute, die von der Natur gegenüber den Dienenden benachthetligt sind, und die in zahlreichen Fällen durch ihre körperlichen Mängel in ihrer Existenz direct benachthei- ligt werden, noch mit einer besonderen Steuer zu belasten. Es muß ferner erwogen werden, daß die für die Steuer in Frage Kommenden zum vielleicht größten Theile in Folge ihrer materiellen Verhältnisse thatsächlich von der Steuer befreit werden müßten, und daß ein weiterer Theil in die- sem Aller noch nicht erwerbsfähig ist, so daß die Steuer thatsächlich von den Eltern oder sonstigen Angehörigen getragen werden müßte, welche die Steuer gar nicht treffen sollte. Wie wenig praktischer Werth der Steuer innewohnt, hat sich in Frankreich gezeigt, wo man eben im Begriff ist, die Steuer, die bisher gegen sechs Millionen Francs brachte, erheblich einzuschränken, sodaß ihr Ertrag in Zukunft nur etwa die Hälfte betragen wird. In Deutschland hat die Regierung 1881 dem Reichstage den Entwurf eines Wehr« steuergesetzes vorgelegt. Der Reichstag gönnte dem Gesetz, entwurf nicht einmal ein Begräbniß erster Klasse, wie man die Commissionsberathung zu nennen pflegt. Als in der zweiten Lesung am 7. Mai 1881 die Abstimmung durch Aufstehen erfolgte, verkündete der Präsident unter Heiterkeit des Hause», soviel er zu sehen vermöge, erhebe sich Niemand. Die Anschauungen der überwiegenden Reichstagsmehrheit haben sich seitdem schwerlich geändert. Was die Anschauungen der jetzigen Regierung betrifft, so geben darüber die Erklärungen Auskunft, die der Finanzminister von Miquel in der Reichstagssitzung vom 15. Januar 1894 abgegeben hat. Er äußerte sich damals über die Wehrstetzer wie folgt: Eine Wehrsteuer ist zweierlei, Kopfsteuer und Einkommensteuer. Sehen Sie sich die Construction der Steuer an, so werden Sie finden, daß viele Bedenken, die gegen die Einführung einer Reichseinkommensteuer geltend gemacht sind, genau so gegen die Wehrsteuer sich richten, denn Sie können unmöglich die zum Dienen Befähigten mit einer gleichen Steuer belegen. Das wäre ja eine Kopfsteuer allerverwerflichster Art. Eine solche Kopfsteuer konnten wir nicht in den Emzelstaaten erheben, und mit einer solchen auf das Reich überzugehen, wäre ganz unmöglich. Sie müssen also neben der Kopfsteuer, die für Alle gleichmäßig zu erheben wäre, nach Maßgabe des Einkommens der Wehrpflichtigen bezw. der Eltern derselben Zuschläge erheben. Sie müssen das Einkommen constatiren und den ganzen colossalen Apparat anwenden, der zur Veranlagung der Einkommensteuer noth. wendig ist. Sie müssen sich vergegenwärtigen, daß in unserem Staatswesen nicht alles möglich ist, war in einem Einheits- staat möglich ist, wie in Frankreich und Italien. Wir müssen bei bcr Ordnung unseres Finanzwesens, bet der Art der Aufbringung von Lasten auf den bestehenden Zustand, wie ihn die Reichsverfassung festlegt und wie er dem deutschen Wesen entspricht, gebührend Rücksicht nehmen. Wir können nicht einfach darüber hinweggehen, als wenn wir einen Einheitsstaat hätten, und ich glaube nicht, daß sich für diese Gesichtspunkte eine Mehrheit im Hause finden wird. Also mit der Wehrsteuer ist es nichts. CtcoUs ttttfc provinzielles. •• Bo» Laudesgewerbevereiu. Anläßlich der Neubesetzung deS Präsidiums derGroßh. Centralftelle zu Darmstadt hat der Vorstand des Verbandes hessischer Handwerker und Gewerbetreibender durch seinen Vorfitzenden, Herrn Ober- meister Lautz in Darmstadt, folgendes Schreiben an den neuen Präfidenten der Centralstelle, Herrn RegierungSrath Noack, gerichtet: „Sehr geehrter Herr RegierungSrath! Wir beehren uns, Ihnen zur Ernennung zum Präfidenten der Großh. Centralstelle für die Gewerbe die herzlichsten Glückwünsche barzubringen. Wir geben zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, auf gemeinsamem Boden für da» Wohl und die Förderung des gefammten hessischen Handwerks eine gedeihliche Wirksamkeit zu entfalten, daß Innungen und Gewerbevereiue, jede in ihren berechtigten Stellungen, zu der gemeinsamen Arbeit ihr Theil beitragen können. Hochachtungsvoll rc." — Hierauf traf, lt. „Südwestdeutscher Ge- werbe Zeitung", folgende Antwort ein: „An den verehrltchen Vorstand deS Verbandes hessischer Handwerker und Gewerbetreibender! Für die mir erwiesene liebenswürdige Aufmerksamkeit der Beglückwünschung zu meinem neuen Amte spreche ich Ihnen den herzlichsten Dank aus. Ich btn mir wohl der großen Verantwortlichkeit bewußt, die mir aus meiner jetzigen Stellung erwächst, hoffe aber, meine Arbeitskraft zu stärken im regen persönlichen Verkehr mit den berufenen Vertretern des Handwerks. Ich glaube, bet dieser Gelegenheit die Ueber- zeugung aussprechen zu dürfen, daß seitens unserer Regierung die Ausführung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 in loyalster Weise zu erwarten steht. Auch die Vermuthung, die Centralstelle für die Gewerbe wolle die Handwerkskammer in ungeeigneter Weise beeinflussen oder in ihrer Selbstständig- kett beeinträchtigen, kann ich nicht theilen, ein solches Streben liegt mir ferne. Meiner Auffassung nach hat die Central- stelle durchaus einen objectiven und neutralen Standpunkt in der Handwerkerfrage etnzunehmeu und allen gesunden und berechtigten Erscheinungen in der neuen JnnungSbeweguug freundlich zu begegnen. Als Geschäftsstelle des LandeSgewerbe- verein- liegt ihr allerdings auch die Pflicht ob, dafür zu sorgen, daß die Gewerbevereine bei der Organisation des Handwerks die ihnen retchSgesetzlich eiogeräumten Befugnisse Hastig setzte der Professor daS Glas ab, der Schluck wäre ihm bald in der Kehle stecken geblieben. Er warf einen zürnenden Blick nach dem Nebentisch. Wie konnte man ihn denn in seinem Gedankenfluge stören! „Sie haben zu laut gedacht, Herr Professor," klang es wieder an sein Ohr, „ich hätte sonst wirklich nicht gewagt —" Er rückte die Brille zurecht und fixirte die Sprecherin. Hm — eh liebliches Kind, ein Moselblümchen. Haare blond, Augen blau, Nase und Kinn gewöhnlich, ohne besondere Kennzeichen .... Dummheit, dachte da der Professor wieder, wie prosaisch hier inmitten all der Poesie, da» klingt ja fast wie ein Steckbrief. „Der Herr Professor kennen mich nicht?" fragte sie von drüben wieder. „Nicht daß ich wüßte," gab er gedehnt zurück, — war doch sein Gedächtniß in Bezug auf da» Wtedererkenneu gleich Null. „Ich konnte mir» denken," lachte da» „Moselblümchen", „und doch wohnen wir seit zwei Wochen vis-A-vis . . . Adieu, Herr Professor!" Der blickte der Davoneilenden verblüfft nach. WaS ihm doch in diesem Bernkastel schon alle» pasfirt war! Bei der Ankunft hatte er den Koffer seines Nachbarn dem Gepäckträger übergeben, er war dann statt in daS Hotel „zur Sonne" in da» „zum Mond" gerathen, fein Mantel war bis Trier weitergefahren und gegen Abend hatte er den Hausdiener, das Stubenmädchen und zwei Kellner auf die Suche nach feiner Brille schicken müssen. Und merkwürdig! Zu Hause würde er sich über solche Sachen geärgert haben, — aber hier . . .? Er vertiefte sich nochmals gründlich tu seinen Pokal. Wer wohl die Dame gewesen sein mochte? „Gegenüber" wohnte er ihr, so lange er in dem Städtchen weilte. Pah, wa- hatte er sich um sein Gegenüber zu kümmern, wenus sein mußte, würde er es im Hotel schon erfahren, mit wem er da» Vergnügen gehabt hatte. „Drüben bet Klauß giebts heut den ersten Federwetßeu," sagte ihm Mittags der Kellner, „'S soll was besonderes Kräftige» sein, dieser 1897er. So 'ne Sorte, die'» intuS hat, ein Sauser erster Güte . ." Der Professor warf einen prüfenden Blick auf da» gegenüberliegende Haus. „Klauß, practischer Arzt," la» er auf dem blitzenden Mesfingschild. „Eine unglaubliche Stadt," murmelte er, „hier schenken sogar die «erzte Federweißeu aus." Aber warum sollte da» nicht möglich sein? Hier hatte ja jeder seine Weingärten, also auch seinen Wein, und wahrscheinlich hatte der Arzt feinen Schank verpachtet. Gegen Abend schlenderte der Professor hinüber, um den Federwetßen zu kosten. Er wunderte sich zuerst- da» sah nicht au» wie tu einem WirthShau». Dazu waren die Möbcl zu kostbar, die Tapeten zu hell, die Gemälde zu ächt. Aber da er die Stube schon gefüllt fand von einer winkenden, plaudernden und lachenden Gesellschaft, machte er sich'» auch in einer Ecke gemüthlich. Die Gäste schienen sich alle gut zu kennen, er hörte, daß sich die meisten duzten, den Wirth redete einer mit „Onkel" an. Nur daß man von seiner Anwesenheit so wenig Notiz nahm, ärgerte ihn, er saß nun schon geraume Zett da, ohne daß thn Jemand nach feinen Wünschen gefragt hatte. Tin junge» Mädchen mit langen blonden Zöpfen kehrte ihm den Rücken und unterhielt sich lachend mit einem anderen Gast. Endlich riß ihm der Geduld-faden. ^Fräulein," rief er ärgerlich, „ich fitze schon eine Ewig« kett hier, „eS wird Zett, daß Sie sich auch mal um mich kümmern, — Federwetßen möcht tch l" Blitzschnell war die Blonde herumgefahren, so ein Grobian . . . Aber al» sie den Professor sah, huschte ein fröhliche» Lächeln über ihr frische» Gesicht, sie knixte artig auSübrn. Da« Gesetz hat die Vereine neben den Innungen zur M'tarbrit berufen, welche aber nur dann ersprießlich sein kann, wenn die Vertreter der verschiedenen Richtungen tn gutem Einvernehmen stehen. Meine Ausgabe wird sein, nicht da» hervor zu suchen, wa» un» trennen tonn, sondern die Beziehungen zu pflegen, welche bei unserer Verantwortung»- reichen Arbeit auf gemeinsamem Wege unS zusammensühren. In diesem Ginne ergreife ich mit Freude die von Ihnen dargebotenr Hand und hoffe hierdurch, neben der Sache auch meinem Amre dienen zu können in dem mit Ihnen gemeinsamen Streben nach Frieden tn den Kreisen unseres einheimischen Handwerks, damit die tn der neuen Organisation gebotene Form mtt lebensfähigem und frischem Geiste erfüllt werde. Mit hochachtung-voller Begrüßung Ihr ergebener Noack." vutzbach, 13. November. Mit dem 1. December d. Js. wird in unserer Stadt neben dem „Wetterauer Voten" noch ein zweites Blatt im Verlage des Herrn Schneider aus Langenhain, seither GeschäflSsührer im „Wetterauer Bo^en", erscheinen. Wie e» heißt, soll da» neue Blatt wöchentlich sechsmal zur Ausgabe gelangen. Schotten, 11. November. Ein schweres Brand» nnglück hat, wie bereits gemeldet, da» eine halbe Stunde von hier gelegene Dörfchen Michelbach heimgesucht. Gestern Nachmittag kurz nach 4 Uhr gewahrte man ungeheuere Rauchwolken gen Himmel steigen, die auf einen größeren Brand schloßen ließen. DaS Feuer ist in der Scheune des Joh«. Fleischer, in welcher sein Kind spielte, entstanden. Man gewahrte daffelbe erst, als mächtige Flammen zum Dachstuhl htnau-schlugeo. Ein heftiger Ostwiud wehte ein Fuukenmeer auf die benachbarten, theil» mit Stroh gedeckten Gebäude und in kurzer Zeit standen fünf bi» sechs derselben in Hellen Flammen und eS hatte den Anschein, daß daS halbe Dorf dem verheerenden Elemente zum Opfer fallen wüffe, wenn nicht rasch thatkrästige Hilfe käme. Die benachbarten Feuer» wehren waren bald zur Stelle, aber eS konnte nicht ver- hindert werden, daß bi» gegen Abend schon zehn Gebäude dem fich wir rasender Schnelligkeit auSbreitendeu Feuer zum Opfer fielen. DaS Söhnchen des I. Fleischer, daS in der Scheuer seines Vater» gespielt, wird vermißt- man glaubt, daß daffelbe in den Flammen umgekommen, murhmaßltch hat es mit Feuer gespielt, wobei sich die in der Scheuer lagernden Strohmaffen entzündeten. Ludwig Rühl und Frau waren tn Schotten beschäftigt, als da» Feuer ausbrach - nachdem fie in Eile den HeimathSort erreicht, war ihr Häuschen mit Allem, wa- darinnen war, niedergebrannt. Die Gebäude find tn der Lande-brandkaffe, zum Theil wahrscheinlich sehr niedrig, ver» ficherr, Mobilien hat nur Forstwart Krämer versichert- den Anderen ist Alle» verbrannt, fie stehen von aller Habe entblöst da und haben nur da» nackte Leben gerettet, es ist Hilfe hier dringend geboten. — Der hiesige Turn» und Gesangverein hat für nächsten Sonntag bereits eine WohlthättgkeitS Vorstellung inS Auge gefaßt, zu welcher zahlreicher Besuch zu wünschen ist. Vad-Rauhelm, 11. November. Von der hiefigen Zweig» niederlaffang der Actiengesellschaft Fabrik feuerfester und fäurefefter Produkte find im vorigen Monat neunzig Waggons fertiggeftellter Maaren zum Versandt gekommen, die höchste Leistung seit Bestehen deS hiesigen Geschäft». Da» so mächtig emporblühende Etabltffement in Wirg e» ist dieser Tage von einem Unfall betroffen worden, indem die chemische Abtheilung durch Feuer zerstört wurde. Die Gesellschaft ist versichert. Bad-Nauheim, 13. November. Die schon seit langen Jahren erblindete und kranke Frau deS verstorbenen Herrn Bürgermeisters Hartmann in Rö)gen, ist jetzt auch thren Leiden erlegen. Der verunglückte Sohn derselben befindet fich noch immer in Lebensgefahr. Friedberg, 13. November. Ein schönes Intermezzo ereignete sich gestern Morgen auf der nördlichen Kaiserstraße. Von einer vorüberziehenden Hammelheerde hatte sich ein Metzger ein schönes Exemplar herauSgesucht und daffelbe, so lange er wettere Musterung hielt, in seinen Laden etngesperrt. Aber der gute Hammel muß außerordentliche Sehnsucht nach der Freiheit und seinen Lollegen gehabt haben, denn plötzlich mit kühnem Satze sprang er durch dte Erkerschelbe und verschwand unter der Menge. „Theure Hammel", sagte refiguirt der Metzgermetster. - t Friedberg t d Wetterau. 14. November. In der Nähe deS hiesigen Bahnhof» wurde vor wenigen Togen ein Arbeiter von zwei Stromern Abends überfallen und ihm von dem einen, während der andere ihn festhielt, die Uhr entriffen. Der Polizei gelang es, die Strolche einzuholen und zu verhaften. Die Uhr jedoch hatte der Betreffende während der Verfolgung weggrworfen. Den Handkoffer, den der eine trug, hatten die netten Burschen in der „Herberge zur Heimath" gestohlen. Am Tage nach der Vernehmung durch den Untersuchungsrichter fand man einen der Stromer tn dem Hafrlocal entleibt vor. Er hatte sich durch Erhängen am Handtuch den Folgen seiner vorauSgegangenen Tharen entzogen. Als hierauf bei der OrtSbehörde des angeblichen HeimathSortr» des Betreffenden telegraphisch angefragt wurde, ob die Angehörigen auf den Leichnam reflec- litten, stellte sich weiter heraus, daß der Gauuer ganz falsche Papiere bet fich führte- denn die Antwort lautete, eß müsse jedenfalls ein Jrrthum vorliegen, da die Person fraglichen NamenS fich noch wohl und munter befinde. Die Leiche wurde tnfolgedeffen der Anatomie tn Gießen übergeben. Berlin. 13. November. Ohne Arbeit find zur Zeit 8 7 00 Kellner nach einer Zählung der Gastwirthe Innung. Selbst vor einem Jahre, nach dem Schluffe der Ausstellung, war die Zahl der arbeitslosen Kellner nicht so groß, fie betrug nur 8000, nachdem mit dem Schluß der Ausstellung etwa 1000 htnzugekommen waren. * Berlin. 13. November. Gestern Nachmittag hat der 18jährige Z mmergeselle Ernst Roluß tn Friedrichshafen nach vorausgegangenem Streite feine 32 Jahre alte verehelichte Schwester Anna Krüger erschlagen. Der Mörder wurde gefeffelt tn da» AmtSgefängniß abgesührt. * Düren, 13. November. Der vor einigen Tagen verstorbene Rentner und frühere Thetlhaber der Firma Karl Schleicher & Söhne Erich Schleicher hat 600000 Mk. für wohlthätige Zwecke vermacht, darunter 100000 Mk. für die Epileptiker-Anstalt des Pastors v. Bodelfchwingh tn Bielefeld, 100 000 Mk. der Dürener Realschule und 25000 Mk. dem rheinischen Blindenverein. Die dem Verstorbenen gehörende Burg Ntddeggen wurde dem Kreise Düren vermacht. • Sinkende Schulkinder. In Weetfeld, Krei» Hamm tu Westfalen, gibt eß stnkende Schulkinder. Vor drei Jahren kündigte der dortige Lehrer Knoop aus GesuudhettSrückfichten die Heizung und Reinigung des SchulzimmerS, die ihm bi» dahin übertragen war. Der Schulvorstand übertrug die Arbeiten dem Schulvorsteher Bohnensack und dieser weiter einer alten Frau, die deS TagS über meist in dem eine Stunde entfernten Hamm bei Verwandten wohnt. Heizung und Reinigung wurden sehr mangelhaft besorgt. Der Lehrer Knoop war deshalb genöthigt, fich durch alle Instanzen zu beschweren- eS geschah dies aber ohne den geringsten Erfolg. Die Kgl. Regierung wie- ihn zurück auf die unteren Behörden - der Landrath Schulze-Petkum in Hamm wie» ihn ab und maß ihm alle Schuld bet, ebenso der Ehrenamtmann und eilte in da» Nebenzimmer, um da» Bestellte zu holen. Der Profrffor hatte fie sofort wiedererkannt: e» war sein „Moselblümchen" von gestern. Wie er fich doch geirrt hatte, gestern hatte er fie für eine verttable Dame gehalten und jetzt entpuppte fie fich al» Kellnerin. Na, da brauchte er ja nicht jede» Wort auf die Goldwaage zu legen. „Danke, Fräuleinchen," meinte er, al» er feinen Feder- weißen erhalten hatte, „aber etwa» mehr aufpaffen müffeu Sie schon, mit kommt'» .denn auch auf ein gute» Trinkgeld nicht an." Da» Mädchen wurde über und über roth, fie schien eine anzügliche Bemerkung auf den Lippen zu haben, unterbtütfte sie aber im letzten Augenblick und wandte fich an den Wirth. Diesem flüsterte fie wa» tu» Ohr, der warf einen Blick auf den Profeffor, dann lachten Beide. Dieser hatte inzwischen den Federweißen gekostet; hm, — ein etwa» sonderbarer Geschmack, nicht süß, nicht sauer, — er nahm noch einen kräftigen Zug, — ach, die» Zeug schmeckt eigentlich nach gar nicht». Da» sollte ein „Sauser" fein? „Unfinn", brummte er, „gefärbte» Wasser, nicht» weiter," — dann bestellte er einen neuen Schoppen. Diesmal brachte ihn der Wirth selbst. „Wenn Ihre Kellnerin weniger mit den Gästen schäkerte und beffer auf- paßte, könnte e» nicht» schaden," knurrte der Profeffor. „Sie würden außerdem beffere Geschäfte machen . . ." „ffiie schmeckt Ihnen unter Federweißer?" unterbrach ihn der Wirth und lupfte mit komischer Grandezza da» Käppchen, da» fein weiße» Haar bedeckte. „Ach," antwortete der Profeffor, „’ne schwache Nummer, fo wa» reißt kein Kind um." Dann that er wieder einen kräftigen Zug, dann noch einen. Er suchte nach seiner Eigarrentasche, .... natürlich im Mantel stecken laffen. Doch da stand ja eine ganze Kiste auf dem Tisch. Er langte zu--alle Achtung, war da» eia Kraut! So wa» gab'» bet ihm ja nur an hohen Fest- und Feiertagen. Uebrtgen» war» ein bodenloser Leichtsinn, solch theure Eigarrea ohne jede Controle den Gästen zur Verfügung zu stellen. Sein Blick heftete sich auf eine Photographie, die drüben unter einem Oelgemälde hing. Da» Gemälde, — da» schien ihm ein echter Defregger zu sein, er kannte sich au» in diesem Genre. Und die Photographie, .... nanu, da» war doch sein „Moselblümchen!" Ein reizendes Gesichtchen übrigen», — aber die Photographien von Kellnerinnen tn dem Gastzimmer aufzuhängen, da» fand er unpassend. Der Defregger aber schien plötzlich lebendig zu werden- die beiden Dirndl lachten ihn an, der -wischen ihnen sitzende Bua hob sein GlaS mit rothew Tiroler Wein .... „Prooost," machte der Profeffor und kam de« Bua nach. ES schien ihm, als ob man drüben am Tische die Köpfe zusammensteckte, man lachte, der W'rth schien eine heitere Geschichte zum Besten zu geben. Der Profeffor nahm den alten Herrn nochmals unter seine Brille - auf der rechten Backe entdeckte er zwei „Schmisse". Na ja, ein verbummelter Student, der e» glücklich bis zum Weinküfer gebracht hatte. Aber dieser Federwelße war wirklich nicht dazu angethan, den Ruhm de» Wirthe» zu verkünden, — „Zuckerwaffer, reineß Zuckerwaffer," murmelte der Profeffor und zündete eine frische Cigarre an au» der vor ihm stehenden „Upmann"- Kiste. Als er eben die ersten Rauchwölkchen vor fich hin blie», sah er fich die Wand gegenüber nochmal» an. Nein, aber so wa»: jetzt hing die Photographie öden, der Defregger unten! Im nächsten «ugenblin schien e» ihm, al» ob zwei Photographien oben hingen und al» ob der Bua ihm fein Gla» ganz besonder» herausfordernd entgegen halte. Die beiden Dirndln lachten höhnisch, — er hörte gan- deutlich ihr Gekicher. „Zu dumm", brummte er und stieg nochmal» in feinen Federweißen, „wer weiß denn, ob dieser Defregger wirklich echt ist, vorhin hätte ich darauf gewettet, aber jetzt . . . ." Er schob die Brille hoch und rückte fie wieder nieder. „Ich könnte ja mal nach den Initialen sehen, bann hätte ich'» gleich heran»." Er stand schnell auf und nahm die Richtung nach den Bildern. „Oho", stammelte er, „daS ist ja . . . .", dabei setzte er ein Bein über daS andere, — „’ne Art Zickzack- cur» .... Pardon, Verzeihung er war eben mit einem der Herren zusammengestoßeu . . . ., „ich wollte nur den Defregger —", damit nahm er einen Stuhl, erklomm den mtt großen Anstrengungen und wollte nun in der Ecke Schulze Pelkum in Pelkum, de» Landrath» Vater, und endlich ebenso der Kre-Sschuliufpkctor Zur Nleden in Dreschen, des EhieuamtmannS Schwager. Nunmehr hielt der Lehrer Rnoop als Vater seine eigenen K oder bei ungenügender Heizung au» der Schule, erstattete jedoch al» Lehrer tn der Dersäumuißliste Anzeige. Der Ort-schnUn'p ctor setzte dahinter den Vermerk: »Hier ist eine exemplarische Bestrafung am Platze!" Dem Lehrer Knoop wurden zwei Mark Ichul- versäumntßstrafe auferlegt. Er erhob Widerspruch. Da» Gericht sprach ihn mit wenig schmeichelhaften Bemerkungen für die Behörden glänzend frei. Sogar der ArnkSanwalt ergriff die Partei de» Lehrer» und sagte wörtlich: „Da sich der Lehrer Knoop alle Mühe gegeben hat, ein warme» Klaffen- z'.mmer zu bekommen, ihm dies aber nicht gelungen ist, wie die» durch die vernommenen Zeugen klargestellt worden ist, so beantrage ich hiermit seine Freisprechung- in eine solche Schule schickte ich meine Kinder selbst nicht." Nachdem nun durch diese gerichtliche Entscheidung die Väter und Mütker WeetseldS wiffen, daß fie ihre Kinder in der Schule nicht frieren zu laffen brauchen, haben fie ihnen anbefohlen, bei kaltem Schulzimmer nach Hause zu kommen, wa» denn auch schon in diesem Winter mehrere Male geschehen ist. Die Kinder hatten In den vorigen Jahren unzählige Male frierend und weinend in der Schule gesessen. Zur Beleuchtung der dortigen Zustände noch kurz Folgende»: Der Lehrer Knoop hat, seitdem er Heizung und Reinigung gekündigt hat, also seit drei Jahren Veranlaffung zu haben geglaubt, sich bei kgl. Regierung in Arnsberg über seine nächsten B-hörd-u zu beschweren. Er hatte immer negativen Ersolg: Verweise und Ordnungsstrafe. Nachdem er aber endlich, keinen anderen Ausweg mehr sehend, auS Nothwehr zur SelbsthÜlfe griff und die königlichen Gerichte in Anspruch nahm, hat die Sache ein andere» Gesicht bekommen. Bor dem Schiedsgericht wurde der erwachsene Sohn de» Schulvorstehers Bohnenfack verurtheilt, eine schwere Beleidigung gegen Knoop öffentlich zurückzunehmen. In dem ersten Prozeß ist der Ehrenamtmann Schulze-Pelkum sammt Schulvorstand unterlegen, in dem zweiten der Ehrenamtmann unb der OrtSschnl- iuspector. In dem dritten Proceß ist der OrlSschulinipector Pfarrer Coester in Bönen bei Hamm bereit» in zwei Instanzen wegen schwerer Beleidigung de» Lehrer» Knoop zu Geldstrafen etientl. Gefängniß verurtheilt worden. Die Acten liegen jetzt bei der dritten Instanz, beim Oberlande»' gericht in Hamm. Der Lehrer Knoop hat eine gründliche Untersuchung beantragt und da» nöthige Material durch feiner Anwalt eingereicht. In der Bewohnerschaft herrscht eine große Verstimmung wegen der Spannung zwischen den Behörden und dem Lehrer, auf dessen Seite fich die Bevölkerung stellt. • „Ick woll Luft hebbeu!" Gestern Nachmittag blieb plötzlich der Zug von Lengerich nach Osnabrück auf freien Felde stehen. Beängstigt schauten die Paffagiere an», wa» wohl vorgefallen wäre. E» stellte sich heran», baß ein Reisender die Nothbremse gezogen hatte Auf die Frag'- de» Zugführer», wie er dazu komme, erroieberte er ganz treuherzig : „Ick woll Lust Hedden. Ick hed meent, bet Ding» wör dato dar, um die Lustklappen uptomaken!" Mit einer viertelstündigen Verspätung fuhr der Zug weiter. In OSna drück bekam der Mann Lust — im Portemonnaie. • Die junge Königin von Holland wohnte während ihre» Aufenthalte» in Wien einem Radfahrerfeste bei unb fant solchen Gefallen an diesem Sport, daß sie daS verlangen äußerte, ein Bicycle zu besitzen. Eine Maschine war sofort angeschafft unb mit in die Heimath geführt. Dort sah fich aber die Mutter veranlaßt, den Wunsch ihrer Tochter dem M'Nisterrath zur endgültigen Entscheidung vorzutragen und der hat den dringenden Rath ertheilt, mit Rücksicht aut deS Gemälde» Nachsehen —, sapperlot, der Stuhl wankte nach recht», der Profeffor beugte sich nach lir.Fi .... oho, da schwankte das Bild ihm entgegen . . . ., der Bua wollte ihm da» Gla» an den Kopf werfen . . . ., er luchte nach der Lehne seine» Stuhles, er fand fie nicht, griff hilflos in die Luft unb — — kladderadatsch: Profeffor, Gemälde, Lampe, T'.sche, Stühle, Gläser, Feberweißer — ein Ehao»! * • Nächsten Mittag wurde Doctor Klauß an da» „Krankenbett" de» Profeffor- gerufen. ES mußte da eine sehr eingehende Consultation ftattgefunben haben, der Kellner wußte Selter», Thee, Hühnersuppe, Lach-brötchen, Roastbeef, Rothr wein bringen. Einige Stunden später war der „Kranke" wieder gesund. Er unternahm seinen ersten Ausflug hinüber zum Doctor. Hier mußten fich die Consultationen wiederholt haben, — Mißverständniß, Abbitten, nicht wieder thun, der Federweiße, ganz confu» gewesen, hatte Wirth-Hau» vermuthet .... Dann erfolgte eine gründliche An-sprache, die „Kellnerin" wurde hereingerufen, die that schämig, ver schüchtert .... „Sie müffen schon entschuldigen, gnädige» Fräulein," bat der Profeffor, „aber wirklich, — wenn ich gewußt hätte, daß der Federwelße ein fo tückischer Gesell' sei . . . ." 6t ergriff ihre Hand und drückte, wa» er plötzlich für Courage hatte! — einen Kuh darauf. Hab da» gnädige Fräulein entzog ihm ihre Hand nickt. daS war wohl auch eine Wirkung des Federweißen? Date blieb fie stumm wie ein Fisch, eine Blutwelle war ihr in’» Gesicht gestiegen. Da nahm er auch ihre andere Hand. Die hätte er eigentlich auch küssen müffen, er wollte fich nieder- beugen, al» er noch einen Blick in die blauen Augen de» holden Mädchens tauchte. Er mußte in diesem etwa» El- muthigende», etwa» Glückselige» gesehen haben. Er löste ihre Hände, breitete die Arme au«, — — da» „Mosel- blümchen" lehnte in hingebenoer Haltung an seiner Schulter „Welch' ein Glück", jubelte er auf, „ja, e» ist wa» Herrliche» um mein „Moselblümchen", da» ich dem tückischer Gesellen verdanke, dem hinreißenden, überschäumenden „Feder- weißen". S''‘«'i t,"1 1 bti «In« \ °" «fti* 'M'«. 2‘" Wntlfc » ?>■ ■Aa L,fr w »tia Nch b(r J «Men. fitlungen ist, wie 8fMt worden |ft A Ü"' l°ch » bcachdrin nun J«« unb Müt-rr ,n b« Schule nicht n,n bti ltn' ™at btnn auch Sesqrhru |h. Die flitze Male jtittenb Ul vclkuchtuuü bet Der Lehrer önooj SElldigr hat, a^ :n »erlaubt, sich de, uachften B-h^deu zu a Tchig: Verweise 1 erlich, leinen au. °ehr zur Telbfthüis! Spruch uohw, hat dl- Lor dem Schied-, der Schulvorsteher- iibiguug gegen Rooop rstru Prozeß ist der Tchulvorstand unter- n unb der DttlföuV 1» Oritschuiivipetiot bereit- In zwei - Lehrer- Knoop i leilt worden, b z, beim Oderian!^ hat eine gtünblii1. Material durch leint: erschast herrscht eint mg zwischen den 8t eite sich die BlvM n Nachmittag Miet abrütf auf freien 61t Passagiere ans, ich heraus, daß ein . auf die Frage eberte er ganz treu« meent, bet Ding- naten'.“ M eine- j z weiter. ^n£M riemonnaie. «ahnte während ihn« ersesie bei unb ton ß sie bas 8ttlan[t ine Maschine M le q gefügt. ®’“ - fflunid) **H W» alt W#;,J „ )n Kmhl ** mt lii« * b« 81« ®6^v ■1' „ int« ««« ? der Kellner «up W*S “ffS* * * t SM# , Atftnouw* । cPi ' bit 'h°> 145“; W« “"1% # ’j "l ti-«»'1"8 jglutlvtlle v* f ibre^eW 1 in bU,t” Ar >;■ da» Heil zahlloser Unterthanen, „tote gering auch die Gefahr sein mag*, keine Versuche tm Radfahren anzustellen. Ein Ponh'B'ergespann soll j-tzt die junge Königin trösten. • Der amerikanische Oelkonig Rockefeller war ein ^liederliche» Bürschchen" und sein höchste» Streben tu seiner Jugend war Trapezturner im Circu» zu werden- und jetzt besitzt der Manu ein Vermögen von 40 000000 Dollar! Universität- - Nachrichten. — Aus Jena wird der „Voss. Ztg." berichtet: Die philosophische Facultät der hiesigen Uaioersilät bat den Pater LeontiuS Alishan von den Mechitaristen in Venedig, den Angesehensten unter den gelehrten Armeniern der Gegenwart, zu ihrem Ehrendoktor ernannt. Ein tüchtiger Geograph und Historiker aus Ä. RitterS Schule, hat der jetzt 77jähriae Pater in einer Reihe reich mit Urkunden und Illustrationen versehen r Werke die einzelnen Provinzen seines Vaterlandes und eben <0 das in der Kreuzsahrer- zeit von Armeniern beherrschte und bevölkerte Königreich CUtcien geschildert. Auf seinen wissenschaftliche., Reisen besuchte er Paris, London und Berlin. A. v. Humboldt, mit dem er befreundet war, wollte ihn bet Hose einfübren und dem König Friedlich Wilhelm IV. vorstellen, allein der bescheidene Grlehrte wich aus. Pater Alishan ist eine der pop lörsten Persönlichkeiten bet allen Armeniern, den gregorianischen wie den katholischen. Er ist Dichter und als solcher sehr beliebt. Er hat auch Meisterwerke iremder Sprachen tn das Armenische übersetzt, so Schillers „Glocke". — Heidelberg. An unterer Hochschule haben sich für das Winter-Semestcr 20 Damen tnscrtbut. davon 2 bet der naturwissenschaftlich mathematischen, 18 bet der philosophischen Facultät. Don Letzteren stammen 7 aus Baden, 11 aus anderen deutschen und außerdeutschen Ländern. Literatur — Unter der U berschrift: ,$it Eultursvfgaben leide« Nicht" schreibt die „Köln. Ztg." und andere sonst regierungsfreundliche Blätter: „Wte eS mit d r Wahrheit dieses Wortes für Preußen aussieht, dasü, mag die 1 achftebende Thatsache einen Beweis liefern. Vor etwa l*/i Jahren bot der damals noch lebende und inzwischen leider allzu früh verstorbene G.-b. Reg.-Rath Pros. Dr. Jürgen Bona Meyer seine wcrthvolle pädagogische Bibliothek — ein vollkommenes Muster tn thrrr Art — dem preußischen Unterrichts- minister unter der Bedingung an, daß die B'bltothek in einem eigenen Raume aufgestellt, den Studenten als „Präsenz-Bibliothek" nutzbar gemacht unb durch einen jährlichen Zuschuß von 300 bi? 400 Mk. für Neuanschaffungen erhallen bleiben solle. Diese Bibliothek sollte in dieser Verwendung an der Universität Bonn die Gründung eines pädagogischen Seminars — entsprechend dem philologi'chen und theologischen — erleichtern und al» Seminarbibltothek gelten. Die Antwort des Ministers lautete, „er muss sich trU orienttren, ob eine solche E nrichtung an der Bonner U iv isilät zweckmäßig sei, und im Falle diese Frage bejah' werde, komme die wette, e Fraae, ob Mittel zu beschaffen wären." Mit bMem unbestimmten Bescheid mußte sich P,of. Meyer trotz aller Mühe die er sich gab, die Sache zu söidern, begnügen. In seinem h nterlassenen Testament hat er das Angebot unter denselben Bedingungen wiederhol,; seine Wtttwe hat dies dem Minister sofort mit der Bitte um schnellen unb bestimmten Bescheid mitgelhetlt, da ihr Haus verkauft werben solle und Unterhandlungen wegen der Bibliothek zu erwarten seien. Rach zweimonatigem Warten erfolgte ein ablehnender Bescheid; der Culturstaat Preußen hat also jährlich nicht 300 bis 400 Mk. übrig, um eine in ihrer Art unersctzl'che Bibliothek zusammen zu halten und eine für die Studenten unleugbar s hr nutzbringende Einrichtung zu schaffen. Das ist doch e ne lehr traur ge Thalsache, mit der sich hoffentlich das preußische Abgeordnetenhaus noch be- fchätttgen wird. Die Wittwe Meyers bat denn auch die Bibliothek veikiust (sie ging tn den Besitz bei I. Rtcker'ichen Buchhandlung in Gießen über); den Erlös ab-, bat sie, um dem Wollen ihres verstorbenen Mannes in anderer Weise gerecht zu werden, dem „Verband rheinisch west'ältscher Btldungsver-ine" überwiesen, die ihn zur Einrichtung von Wanderbüchereten, die den Namen „Jürgen Bona- Meyer-Bibltothck" tragen sollen, verwenden wird. Bekanntmachung. Aus der Friedrich Bücking'scheu Stiftung sind für das Jahr 1897 an zehn bedürftige und würdige Bewohner Gießens, Familienhäupter oder einzeln stehende Personen, Unterstützungen zu vergeben, und zwar zwei mit je löO Mk. und acht mit je 100 Mk. Bewerbungen haben bis längstens 30. November d. Js. bei der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 2 — zu geschehen. Gießen, den 10. November 1897. Großherzoqlicke Bürgermeisterei Gießen. _______________________I. B.: Wolff.___________________10493 BekaunnRachuug. Aus der Minus Keil-Vogt-Stiftuug sind für das Jahr 1897 drei Gaben von je 70 Mk an drei in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige Handwerker oder deren Wittwen, evangelischer Confession, zu vergeben. Bewerbungen haben bis längstens 30. November d. IS. bei der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 2 — zu geschehen. Gießen, den 13. November 1897. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen __I. B.: Wolff.___________________10492 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Mainzlar pro 1898/99 liegt acht Tage lang und zwar vom 18. bis einschließlich 25. November I. I. auf Großh. Bürgermeisterei-Bureau offen. Mainzlar, 15. November 1897. 10541 Großh. Bürgermeisterei Mainzlar. Koch. _____________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Lollar pro 1898/99 liegt vom 18. bis 26. lfd. Mts. auf der Bürgermeisterei dahier zur Einsicht offen. Lollar, den 15. November 1897. 10535 Großh. Bürgermeisterei Lollar. C Geißler._______________________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Trohe für 1898/99 liegt vom 18. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem hiesigen Bürgermeisterei-Bureau offen. Trohe, den 16. November 1897. 10536 Großh. Bürgermeisterei Trohe. Schmidt. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Heuchelheim für 1898/99 liegt vom 17. d. Mts. an acht Tage lang auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier zur Einsicht aller Interessenten offen. Heuchelheim, 15. November 1897. 10546 Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim. __________________Kreiling._________________________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Grünberg pro 1898/99 liegt vom 18. d. Mls. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf d-'m Bürgermeisterei-Bureau offen. Grünberg, am 15. November 1897. 10547 Großh. Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer___________________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Langd pro 1898/99 liegt vom 19. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen. Langd, den 15. November 1897. 10548 Großh. Bürgermeisterei Langd. _____Ronthaler______________________ Reichhaltiger Journallesezirkel von Mk. 1— ab. Journale nach eigener Auswahl. Nur gut erhaltene Hefte. — Prospecte gratis. 324 Ferber’sche Univ.-Buch-, Kunst-, Musikalien- Giessen. Handlung (C. Koch). Kirchenplatz II. Verein Jugendfreund. Wie in früheren Jahren so gestatten wir uns auch diesmal wieder die Bitte an die bekannte Mildthätigkeit der Einwohner Gießens, dieselbe wolle uns auch dieses Jahr wieder darin unterstützen, einer Anzahl Kinder unbemittelter hiesiger Familien eine Weihuachts- sreude zu bereiten. Cigarrenabschnitte, Staniolkapseln und Geldbeiträge werden gerne in Empfang genommen von unseren Vorstandsmitgliedern: Buchbinder meister Bourgeois, Rechner Doering, Schlossermeister Dörr, Mon teur Friedrich, Friseur Gerhardt, Bibliothekscustos Heuser, Bildhauer Kalbfleisch, Verwalter Keller, Quästor Di big, Verwalter Schneider. BehördlicheAnzeigen Bekanntmachung. Vom 22. November 1897 ob treten bei der Abfertigung deS Vieh-Eilgüter- und Güterverkehrs tn «letzen die folgenden Aenderungen ein: Die bisherige Güterabfertigung der Oberhessischcn Bahn wird geschloffen. Der ge-ammte ArachrHückgvtverkehr wird noch den neuen Schupperanlagen an der Westseite deS Bahnhofs verlegt. Die Aufgabe unb Abnahme der Eilgüter erfolgt in dem südlichen Thetle deS bisherigen Güterschuppen? der Main« Weser-Bohn, die Abfertigung mit den Kassengeschäften im Stationsgebäude in dem Zimmer links vom Haupteingang. Der Dtehverkehr w-rd nach der neuen Laderampe auf der Westseite des Bahnhofs oet legt, Abfertigung erfolgt tm Kassenlocal der neuen Güterabfertigung In den bishertgen Freiladegleisen der Matn-Weser-Babn (neben der Anatomie) und der Oberhesstschen Bahn wird nur noch derjenige LadttNgOoerkehr bedient, welcher in dem neuen Fretladegleise (vor der RÜsing'schen Wirthichaft) noch nickt untergebracht werden kann. 10553 Frankfurt a. M., den 10. Novbr. 1897. Königliche Eisenbahndirectton. g Versteigerungen. Mittwoch drn 1 DerrmbkrtI., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Marti« Müller in Gießen an nachbenannten Immobilien gehörigen ideellen Hälften Flur 17 Nr. 146"/ioo —144 gw Hofraithe in der Scheppeneck, Flur 17 Nr. 146’8/100 _ 183 qm Grab, garten daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 19. October 1897. Großh OrtSgericht Gießen. I. 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