hol sse 1. rtMt btt 9622 mb. -Festes “ und $toi, '°men frei, « I ! i Giessen, j Baue 15. 6 0 ‘POOOOOOOC iren >bert, lalj apstW n 9283 Gah 22. Barstenwaaren. Frhirkämme, 2 i Parfümerie. Hübrrratt Gotd-Aortr Mtl» 86.1L 10b.« V.W »3« 1881 36(1 10Uj Ito* ß L .hl9O51O0K «•säsjs -AS^Z , Inte ' lAnfertigung aren-Eanünno nrg 16 r in 965^ ren-Wäsche emden. Kragen, Nanchetten ^en. Taschentücher etc. i Sweater, Strümpfe. Hl -Gamaschen. Schuhe. ^eMützen, Gürtel, Losen etc. rossen Lage** iet* das Seaestem: Handschuhen, Hosentraoem. hen. Hut- und Armflo en, lausschuhen.Regenschirmen. erhemaenMchl!as! takt üober 1897. i*‘ L2öbel« n. F»n,a9 st* R«. 244 Zweites Blatt. Soma«, dea 17. Octobn 1897 Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis t^iefzen Hratisöeikage: Hießener Kamitienktätter. Ulle Amwaecn-Bureaux beS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag evlckeinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Die Gießener SlamtkienStälier »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Die °Utb auf gelte Thtere deS Roth- und Damwildes, auch von Damhirschen kann bis Mitte deS Monats fortgesetzt rotrbm. Rehböcke und Sauen sangen jetzt an recht gut zu werden. Jetzt der Hauptabschutz von Rebhühnern und Fasanen, auch Becafstnen, Entm und Gänse werden geschossen. Der Dohnenstteg ist jetzt hn eoUcn Gange. Der Dachs ist nun gut und wird gegraben, eben Ja Füchse. Ende deS Monats kommen Marder zum Fang. Die Brunst deS RoihwildeS geht zu Ende und die deS Damwildes beginnt. Der #i**tt Anzei-er erscheint täglich, mit Ausnahme deS RontagS. » HvfbrauhanS ob Kmistiulstelluug. Man berichtet der „Frkf. Ztg." aus München vom 13. d. MtS.: DaS Preß- comttä der internationalen Kunstausstellung gibt et» EommuniquH in die Preste hinaus, das den künstlerischen Ersolg der Ausstellung feststellt, dann aber fortfährt: ,9hn eine befremdliche Lücke ist zu constatiren: der Besuch deS Münchener Publikums ist — mit Bedauern muß daS aus. gesprochen werden — bisher ein minimaler gewesen und covtrastirt mit dem Rufe Münchens alS Kunststadt in einer den aufrichtigen Kunstfreund tief betrübenden Weise .... Wer die Ueberfluthung unsere- neu eröffneten Hofbräu- hauseS mit dem absoluten Mangel an Münchener Publikum im GlaSpalaste vergleicht, der wird zugestehen müffen, daß die sich ergebende Schlußfolgerung für die Vertreter der Münchener Kunst keine sehr erfreuliche ist." Könnte man da die Kunstausstellung in einer Nachsaison nicht tnS Hof- brauhaus verlegen? Freilich dürfte man dann während dieser Zeit nicht im GlaSpalast Bier auSschänken. • Ist bei «schieben der Storche» strafbar aber nichts Diese Frage beschäftigte jüngst die zweite Strafkammer in Braunschweig als Berufsinstanz. Der Rittmeister a. D- DommeS, Pächter der BorSfelder Frldjagd, hatte im Mai in seinem Jagdreviere zwei Störche geschaffen. Hierfür hatte er einen Strafbefehl von 16 Mk. erhalten, welche Strafe daS Schöffengericht Borsfelde auf 6 Mk. ermäßigte. Vor der BerufuogSkammer legte Rittmeister DommeS dar, daß der Storch der Niederjagd ungemein gefährlich sei, indem er jungen Hasen, Rebhühnern 2c. nachstelle. In dem erpachteten Jagdrevier würde der durch die Störche angerichtete Schaden ganz besonders fühlbar, weil die Storchfamilten in der BorS- Was macht der Landwirth im Monat Oktober. Bon Dr. Agrtcola. (Nachdruck verboten.) 10. Die Wintersaat wird in der Aeldwirihschaft in diesem Monat fortgesetzt und wenn möglich beendet. Die Kartoffelernte beginnt. Die Knollen gräbt man möglichst trocken auS und bringe ste in frostfreie Keller und Mieten. DaS Kartoffelkraut aus dem Felde zu verbrennen, wie eS vielfach üblich ist, ist durchaus unzweck- rnStzig, man gewinnt hierdurch nur die wenigen in der Asche befindlichen mineralischen Pflanzennährstoffe, während daS Kartoffelkraut als solches untergepflügt den Boden an Humus bereichert, ihn also physikalisch verbessert. Mit dem Ernten der Rüben wartet man, wenn kein Frost zu erwarten steht, am besten biS Ende des Monats, da gerade die nun mehr kühlen Nächte das WachSthum der Rüben befördern. Vielfach pflegt man bereits vor der Ernte, besonders in futterarmen Jahren, die Rüden auf dem Acker zu enthielten. Da« ift aber sehr unrichtig, denn wenn der Wurzel die Blätter genommen werden, kann fie nicht asfimiliren, d. h. keine organische Substanz eu8 der in der Lust befindlichen Kohlensäure unter Mitwirkung von Blattgrün und Licht bilden. Es kommt auch hinzu, daß derartig entblattete Rüben selbst auch gegen den geringsten Frost nicht wider- standSsShig find und nach einem Frost gleich versüttert werden muffen, wenn fie nicht verfaulen sollen. Die abgeräumten Aecker, sowie event. noch vorhandene Stoppelselder werden umgepflügt oder geschält. Das Mistsahren wird fortgesetzt. Aus den Wiese« bringe man nun die Gräben tüchtig in tDrbnung und wässere ununterbrochen. Das Waffer ist jetzt am reichsten an Pflanzennährstoffen. Bemerkt man zunächst einen schwarzen Schlick auf der Oberfläche der Wiese und werden später die Stoppeln und die Gräser selbst schwarz, so kann man fest überzeugt fein, daß -Has Waffer seine Aufgabe erfüllt hat. Der Stzoftwirih zeichnet weiter die zu fallenden Holzer in fcen Verjüngungsschlägen und nimmt Fällungen vor namentlich in toen Brennholz- und Vorbereitungsschlägen. Nach dem Laubfall beginnt der Abtrieb im Niederwald und des Unterholze« im Mtttel- roalb. Durchforstungen, Stockrodung und Aufbereitung dürrer Hölzer noitb fortgesetzt. Grünästungen werden begonnen. Ebenso beginnt fcie lebhafte Abfuhr der Brennhölzer. Das Einsammeln von Eicheln, Buchen- und Ahornsamen mutz Ende des Monats beendet sein, ebenso Idas der Weißtannen- und Weymuthkiesern Zapsen bis Mitte des MonatS. Der Kiesernspanner (piniaria) gebt nun * *ur Verpuppung In das Winterlager. Die Raupen des Rothschwanzes (Orx^ia pudi- bnnda L.) steigen von den Bäumen und müffen an den Baumstämmen igetöbtet werden. Da die Flugzeit deS Frostspanners (^'^od.a Ira®ata L.) beginnt, so versäume man nicht, Theerringe um die Stämme zu legen. Das Bish wird jetzt immer später auf die Weide getrieben, lockere und nasse Wiesen und Weiden müssen aber gänzlich vermieden werden. Fohlen und junges Vieh können noch verschnitten werden. Hat Klee und Gras bereits bei GrünsÜtterung vom Froste in der Nacht gelitten, so muß solches gehörig mit Häcksel gemischt und wenn möglich mit heißem Waffer gebrüht werden. Da die Rüben- und Kohlernte begonnen hat, so hat man durch deren Blätter noch ein gutes Grünfutter. Da dieses Futter das Vieh aber sehr leicht auf- bliht, so zerstampfe man eS vor dem Verfüttern tüchtig und bestreue es von Zeit zu Zeit mit Salz. Man versäume aber nicht, die Thiere allmälig an die nun bald heranrückende Trockensütterung zu gewöhnen, da ein plötzlicher Uebergang von Grünfütterung zum Trockenfutter üble Folgen haben kann. Milchkühe f reff en bei einem solchen schroffen Uebergang sehr schlecht, geben infolge dessen auch weniger settreiche Milch. Von den geernteten Hackfrüchten kommen zuerst die Wasserrüben zur Verfütterung, da diese zuerst im Keller verderben In der Sitnewi«** fahre man fort, die Stöcke für den Winter einzurichten und den überflüssigen Honig fortzunehmen. Sind hier und da in den Stöcken noch Ritzen vorhanden, so muß man dieselben selbst verkitten, da die Bienen dies nicht mehr können. Das Vereinigen wird fortgesetzt und die Fluglöcher werden sorgfältig vor Mäusen bewahrt. Man hüte fich besonders davor, Schwächlinge einzuwintern. Der Zustand seiner Zuchtstöcke muß dem Imker genau bekannt sein. Mit dem Mästen des AedorvteHO wird sortgesahren. Man entiebige fich nach und nach der alten, nicht zur Nachzucht brauchbaren Thiere, da diese nur unnöthig viel Wintersulter brauchen. Die «ommooteiche können nun am Besten gefischt und die Streichteiche abgelaffen, sowie die Raubfische heraus- genommen werden. Für Lachse ist Laichzeit. Im Herbst gefischte Fluß- und Bachteiche bleiben bet genügendem Speisewaffer wahrend des Winters zur Entsäuerung trocken liegen, während HtmmelS- teiche gleich nach dem Ablassen wieder gestreckt werden. Man suche sich jetzt auch zeitig einige gute Rogener zu Streichkarpfen für das nächste Jahr au8. Diese müssen gut gewachsen und fünfjährig sein. In der -a«O- ««d Hofwirthschaft fahrt man fort, Flachs und Hanf durch Darren, Bläuen und Brechen rc. zum Spinnen vorzubereiten ober dadurch zum Verkauf zurecht zu machen. Brunnen können jetzt noch gegraben refp. gereinigt werden. Da in diesem Monat die Ernte des Winterobstes fällt, so versäume man nicht, wenn reichlich davon vorhanden, sich gut zu versorgen, und dasselbe zu trocknen, da ja bekanntlich die Obsternten unsicher find. Oefen und Schornsteine an Wohngebäuden und Stallungen müssen jetzt spätestens vorgenommen werden. Können Feldarbeiten nicht mehr vorgenommen werden, so lege man Composthaufen aus abgeschältem Rasen, Teichschlamm oder anderer guter Erde, auch aus Asche, Bauschutt ufw. an, die später von Zeit zu Zeit mit Jauche durchtränkt und zur Düngung von Wiese und Acker Verwendung finden. Aus der Scheune wird gedroschen. Gichmer Anzeiger W Kenerat-Anzeiger. ’Äir an, die sich in die geheiligten Räume des Selamlik gewagt hatten. Aber nur wenige Augenblicke dauerte das Erstaunen. Bald wurden wir erkannt, einige Freundinnen liefen auf uns zu und grüßten uns auf das Herzlichste. Wir mußten Platz nehmen; einige der Damen klatschten in die Hände, genau wie das in den arabischen Märchen der Scheherezade so hübsch beschrieben ist, circasfische Dienerinnen in seidenen Gewändern eilten herbei, brachten uns gleichfalls den duftenden Trank in kostbaren, mit Juwelen besetzten Täßchen, reichten uns Cigaretten und schnell waren wir zu Hause. Gespräch und munteres Lachen begann wieder, und wir hätten glauben können, uns in einer lustigen europäischen Hochzeitsgesellschaft zu befinden; denn ein großer Theil der türkischen Damen trug abendländische Toiletten. Unter den Anwesenden war auch die Mutter des Khe« dive, deren Tochter Emine, ihre Nichte Nimet Hanoum, und binnen Kurzem trafen die Frauen und Töchter der meisten Gesandten und Würdenträger ein. Es wurde fast ausschließlich französisch gesprochen, und die Unterhaltung war heiter und ungezwungen. Bald sollte es uns vergönnt sein, die Braut selbst zu sehen. Eine der nächsten Verwandten Munir Paschas, forderte uns auf, nachdem wir unsere „Erforschungen" beendet hatten, ihr zu folgen. Wahrlich, ohne diese gütige Führerin hätten wir uns wohl nie durch den Schwarm der Gäste hindurch zurecht gefunden. Ein Zimmer nach dem andern, bas wir zu durchschreiten hatten, war wahrhaft vollgepfropft mit Festgästen; wir konnten kaum durch das lustige Gewimmel unseren Weg bahnen. Küchenbeamte mit Schüsseln und Präsentirtellern liefen förmlich gegen uns an es war ein Festestrubel, wie in Tausend und Einer Nacht. Was da verzehrt wurde, war enorm, und wenn man bedenkt, daß der Jubel drei ganze Tage dauerte, so kann man sich eine Vorstellung von einem türkischen Hochzeitsfeste machen. Jetzt ging es die Treppen hinauf. Sklaven stürmten vor uns her und brachen uns Bahn durch den Wirwarr, der von Stufe zu Stufe immer toller wurde. Endlich ge- langten wir in den Salon, wo die Braut sich befand, thronend auf einem erhöhten Sessel in Prunkgewändern und in Staatsparade. Wie schön sie war, aber, ach, wie jung! Erst fünfzehn Lenze zählte sie. Das ist nach türkischen Anschauungen vollständig alt genug zum Heirathen. Sie sah so lieblich und glücklich aus! Und doch kannte fie ihren Bräutigam nur aus — Photographien und Beschreibungen, da die morgenländische Sitte ja dem künftigen „Mann und Weib" verbietet, einander zu sehen, ehe die letzte der feierlichen Zeremonien, die „Nicaja", bei welcher in Gegenwart des „Imam" Braut und Bräutigam den Ehecontract vollziehen, gefeiert worden ist. Dies reizende, junge Kind nahm mit holder Grazie unsere Glückwünsche entgegen und erlaubte uns, fröhlich lächelnd, ihre „Brauttoilette" in Augenschein zu nehmen und Stück für Stück zu prüfen. Es waren kostbare Gewänder: ein himmelblaues Seidenkleid mit Goldstickerei, etwa in der Art eines Morgencostüms, die Aermel weit und herabhängend. Die wundervollen Locken der Braut, schwarz wie Ebenholz, rollten auf ihre Schultern hernieder, Perlenschnüre und Edelsteine zogen sich blitzend und schimmernd hindurch. Auch ihr Kleid war von oben bis unten mit herrlichen Juwelen bedeckt, die bei jeder Bewegung der graziösen Trägerin in wahren Regenbogenfarben schillerten. Ja, selbst von den schön gestickten Schuhen herauf blitzten uns die diamanten entgegen. Nachdem wir uns von dem holden Geschöpf verabschiedet, wurden wir in das Brautgemach geführt. Dort waren die für den Bräutigam bestimmten Geschenke aufgespeichert: bas seidene, gestickte Hemde mit Perlen statt der Knöpfe, die Schuhe, das Bernstein Mundstück und der Cigaretten-Aschbecher. Hier in diesem Zimmer, so erzählte man uns, empfängt die Braut am Schluß des Festes ihren Bräutigam. Aber selbst hier noch, am Endstein der Verlobungszeit, wird es de« sehnsuchtsvollen Jüngling schwer gemacht, zu seiner „Au«, erwählten" zu gelangen. Schaaren von Frauen umschwirren unter Gelächter und Scherzen die Braut. Die Wächterinnen zu vertreiben, wirst der Gatte jetzt einen Stegen von Geldstücken unter die „Neidischen". Das lenkt ihre^ Aufmerksamkeit ab, denn die Münzen gelten als „porte bonheur*, und es entfpinnt sich schnell ein Kämpfen und Strngen um die „Andenken". Jetzt springt der Gatte auf feine junge Fran zu, lüftet ihren Schleier, und sie sinkt ihm in tiefer Unterwerfung zu Füßen. Er hebt fie gütig auf und setzt sie neben fich auf den Diwan; sie erhebt sich gleich wieder, bringt eine Cigarette, zündet fie an und reicht ihm die Schutzs In diesen verläßt der Gatte das Zimmer und begibt fich nach dem „Selamlik", wo ihm alle Verwandten entgegenkommen und ihm zur „Erlangung seines Weibes gratuhren. Feuilleton. Bit Vermählung der Tochter Munir Psschss. An den palmen- und orangengeschmücklen Gestaden des blauen Bosporus in der Nähe von Therapia auf bem „Jlali", dem Sommersitz des Dberceremonienmeijters des Groß ultans, fand die feierliche Vermählung der Tochter Mumr Pascha« mit dem Major Zia Bey nach streng türkischem Ritus statt. Die hohe Stellung des Vaters der Braut, sowie der Um- stand daß das Palais Munir Paschas mitten in dem Ge- sandtschaftsviertel gelegen ist, trugen dazu bei, eine große ^abl fremdländischer Residenten nach dem hochzeitlichen Hause m ziehen, um einer so interessanten Phase türkischen Familien- ebens als Zuschauer beizuwohnen. Denn nach türkischer Sitte werden besondere Einladungen zu Hochzeitsfeierlichkeiten nicht ausgegeben. Ein Jeder ist willkommen. Je mehr Gäste erscheinen, desto lustiger ist da« Fest, und glückbringend ist die große Zahl der Theilnehmer für das junge Paar. Daher machten wir uns denn — so berichtet die Gattin eines bekannten Diplomaten in Konstantinopel — mehrere Freundinnen und ich auf den Weg nach dem Lustschloß Mumr Paschas. Wir bestiegen eine „Gaique" und fuhren den Bosporus hinauf bis zu der Marmortreppe, die in den Garten des Oberceremonienmeisters führt. Dort schaukelte bereits eine so große Zahl von Booten und kleineren Dampfern bunt durcheinander, daß wir einige Mühe hatten, den Landungsplatz glücklich zu erreichen. An der Treppe waren zwei Reihen kostbar gekleideter Eunuchen aufgestellt. Wir nannten den Wächtern des Harem« unsere Namen, und die grimmigen, schwarzen Gesellen ließen uns mit ehrerbietigen Saalem« passiren. Nun schritten wir durch den wundervollen Garten des Paschas dem Hause zu. Dort wurden wir in einen Salon geführt, in welchem bereits eine große Zahl von türkischen Damen versammelt war. Alle waren in kostbare Festgewänder gekleidet und trugen eine Fülle von wahrhaft blendenden Juwelen. Die Damen faßen und ruhten in den bequemsten Stellungen und prächtigen Divans, rauchten ihre Ligaretten, tranken ihren Mokka aus winzigen Täßchen und lachten und schwatzten, daß man gleich sah, sie amüsirten sich auf das Köstlichste. Doch wurde es im Augenblicke, al« wir eintraten, mäuschenstill im Saal. Alle« starrte die „fränkischen Damen" felber Gegend sehr zahlreich Vorkommen. In Bor-felde selbst stad allein 30 Storchvester. Um die Jagd zu erhalten, hielt der Angeklagte eS für nothwendtg, die Störche durch Ab- schteßeu auf eine erträgliche Zahl zu reductren. Er har tu einem Gesuche au die ttret-dtreclion Helmstadt die Erlaubntß hierzu uachgesvcht, ist jedoch mit der Begründung, daß die Tclaubntß gesetzlich nicht zulässig sei, abschlägltch beschtedeu worden. Dommes wies auf § 5a deS Reichsvogelschutz- gesetzeS hin, wonach solche Vögel, welche jagbarem Haar- und Federwild nachstellen, gemäß näherer Anordnung der Landes« gesetzgebuog abgeschoffen werden dürfen. Den Umstand, daß daS in Frage stehende brauuschwetgtfche Gesetz den Storch nicht besonders erwähnt, hat der Verklagte um so weniger in Gegensatz zu der angeführten Reichsgesetzesstelle bringen könueu, als nicht anzunehmen stand, daß der Gesetzgeber dem größten Räuber der Jagd einen Freipaß ausstellen wollte. Außerdem behauptete Dommes, daß der Storch auf Grund b'6 JagdpolizeigefetzeS, das nach Aufzählung einer Reihe Bogelarteu besagt: „alle sonstigen Sumpf- und Waffervögel mit Ausnahme der Reiher — find jagdbar" für „vogelfrei" erklärt fei. — Oberförster Lagershausen erklärt ten Storch neben dem Fuchs als größten Räuber der Jagd,— Gerichts- Assessor Wirries beantragte Verwerfung der Berufung und legte besonders gegen die Auffaffung Verwahrung ein, daß »US der Nichterwähnung deS Storches in dem braunfchwetgi« scheu Gesetze ein Recht zu dessen Tödten hergeleitet werden könne. Die Verneinung der Frage, ob der Storch jagdbar sei, könne auch damit begründet werden, daß er nach Brehm eine besondere Vogelgattung bildet. • Der Kohlenvorralh der Welt am Sude der 19. Jahr- Hunderts. Bon dem englischen Gelehrten Edward Hüll ist soeben ein Buch erschienen, daß die Kohlervorräthe Englands am Ende des 19. Jahrhunderts behandelt, wobei aber auch die entsprechende Lage der übrigen kohlenerzeugenden Länder Europas in Betracht gezogen wird. Hüll berechnet, daß in ganz Großbritannien und Irland bi» zu einer Tiefe von 4000 Fuß unter der Erdobeifläche im Jahre 1900 noch 81 683 Millionen Tonnen (zu 20 Centner) Steinkohlen vor- banden fein werden. Davon besitzt an sichtbaren Kohlenfeldern Großbritannien 58275 Millionen Tonnen Kohle, an den noch verborgenen Gebieten 23 253 Millionen, dazu kommen ia Irland 155 Millionen Tonnen. Die Kohlenproductiou von Irland ist zu unbedeutend, um mehr als ein örtliches Jutereffe zu besitzen, jedoch har Hüll die Ueberzeugung, daß i« der nordir.schen Grafschaft Throne bis zu den Ufern des großen Sees Lough Reagh in der Tiefe ein beträchtliches Kohlenlager vorhanden ist. Hüll theilt weiterhin die großbritannischen Kohlenlager in solche, deren Ausbeute im Fortschritt begriffen ist, solche, die gegenwärtig sich auf gleicher Höhe der Ausbeute erhalten, und solche, deren Gewinn zurück« geht. Zu denen, deren Ausbeute sich nicht mehr verwehrt, rechnet Hüll die Kohlenbergwerke von Bristol, von Somerset und Dean; im Rückgang find begriffen die Bergwerke in Stafford, in Fliutidtre und Eoalbrook Tbal. Die übrigen Kohlenbergwerke sollen sich iämwtlich noch in einem aufblühendeu Zustande befinden. Die Meinung HullS von den Aussichten der eng'ifchen Kohlenproduction ist überhaupt recht optimistisch und verdient scharfe Kritik. Die Ausbeutung eine» Kohlenlagers hat in gewiffrn Tteien des Bodens ihre Grenze, da die Vermehrung der Temperatur und die Abnahme des Luftdrucks der menschlichen Arbeit in der Tiefe ein Ziel setzt. Freilich fird such in dieser Richtung durch die Technik der neuesten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht worden, dennoch darf eS -ichr oerschwieoen werden, daß der Betrieb gewiffer schottischer Kohlenbergwerke nur noch dadurch auf recht erhalten werden tirr, laß die Arbeiter alle zehn Minuien abgelöst werden, da fle die tu der T>efe herrschende H'tze nicht länger ertragen können. Hüll behauptet, daß trotz des gesteigerten Wettbewerbs die englische Kohle noch heute wegen ihrer vorzüglichen Qualität ihren alten Standpunkt auf dem Welrmarkt einnimmt. Gegen diese Behauptung läßt sich mit Rrcht vieles sagen. Iw Jahre 1840 erzeugte England Dreiviertel der gelammten Koblenprodvction der Welt, heute nur noch 34 Procent, also nur noch etwa ein Drittel Die großen traoSa.lautlichen Dampfer heizen heute sämmtlich nicht mehr mit englischer Kohle, sondern mit amerikanischer, wa- allein einen Verbrauch von 1^/, Millionen Tonnen jährlich darstellt. Hüll weist ganz richtig darauf hin, daß der Aufschwung der Eiscnp'oduciion auf die Kohlen« Production einen höchst bedeutenden und günstigen Einfluß auSübt, aber dieser Einfluß ist ganz und gar nicht etwa lediglich oder auch nur hauptsächlich zu Gunsten der englischen Kohle ausgefallen, im Gegenthtil. Die Weliproduction von Gußeisen ist in den letzten 25 Jahren von 12 aus 26 Millionen Tonnen gestiegen, der Änthril Englands an dieser Producuon aber ist von 48 Procent auf 29 Piocent gefallen, während fich der Anrhetl der Vereinigte^ Staaten von 14,1 auf 26,2, der von Deutschland von 11,4 auf 21 4 und der vonRußlsnd von 3auf4,7Procentgehoben hat. ES ist eine eigenthümlicheIronie deS Zufalls, daß, wie ein Mitarbeiter der Zeitschrift „Nature" erwähnt, die Eisenbahnstat on Middleboraugh, dem Mittelpunkt deS englischen Etsenbandils, aus belgischem Eisen erbaut ist. Die Behauptung, daß das englische Eisen und die englische Kohle heute noch denselben Rang auf dem Weltmarkt einnehmen ro e vor 25 Jahren, ist ganz unhaltbar, ebenso wie die Behauptung, daß die anderen Länder ganz in derselben Weise wie England auf die Entschöpfvng ihrer Kohlenschätze hinarbeitcn. Deutschland hat b!» zn einer Tiefe von 900 Mtr. einen Kohlenvorrath von 109000 Millionen Tonnen, also erheblich mehr als England bis zu einer um 300 Mtr. größeren Tiefe. Dabei ist die Production Deutsch- lands an Braunkohle nicht einmal mit eingereckuet, die jetzt schon 25 Millionen Tonnen jährlich erdicht. ___ Literatur unö Kwnft Soeben erschien im Berlage von M 4 H. Marcus in BreSIau : .Da» Reid« der HnndlunO-gehMse« «nd Handlunggiedr« Singe nach dem neue» Hnndets-esetzbnch^ von Rechtsanwall Dr. Moses. — Preis 75 Pfennige. — Die neuen Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs, welche das Berhäliniß Mischen Principal und Handlungsgebülfen resp. Handlungslehrlingen regeln, treten bereit» am 1. Januar 1898 in Kraft. Die große Bedeutung, welche der schon in Kürze in Kraft tretende Abschnitt des neuen H. G B für die Personen des Handelsgewerbes hat, macht es jedem Kaufmann und jedem kaufmännischen Angestellten zur Pflicht, sich schon jetzt über die durch das neue H. B vorgenommenen Aenderungen zu unterrichten. Diesem Bedürfniffe wird die uns vorliegende Broschüre im vollsten Maaße gereckt. In klarer, leicht faßlicher Weise stellt der Berfaffer die über das Recht der Handlungsgehilfen und HandlungS- lehrlinge getroffenen Bestimmungen dar, stets unter präcifer Hervor- Hebung derjenigen Vorschriften, welche von dem jetzt gellenden Reckte abweicken. So sind insbesondere die Füriorgepflickt des PrincivalS für das leibliche und moralische Wohl seiner Angestellten, die Neuregelung der sogenannten Concurreniklausel, die Kündigungsfristen, die Gründe, welche zur sofortigen Auflösung des Tienstverbältnisieii berechtigen, die Ausstellung des Zeugnisses eingehend übersicktlick und sachgemäß dargestellt. Die Reckte und Pflichten der Handlungslehrlinge sind in einem besonderen Kapitel behandelt. Die Streit- fragen, welche für die Uebergangszeit vom 1. Januar 1898 bis 1. Januar 1900, bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches entstehen, entfebeibet der Berfaffer mit kritischer Schärfe. Wir können somit die Broschüre, welche einen vollständigen Ueberbltd über die richtige gesetzliche Neuregelung des RecktS der kaufmännischen An gestellten gewährt, allen Interessenten aufs Wärmste empfehlen. Ter überaus billige Preis von 75 Pf. für die fckön ausgestattetc Broschüre erleichtert die Anschaffung noch ganz besonders. Soeben erschien in C. R. Drehers Verlag, Berlin s.W. 46, Königgrätzer Straße 79, die neueste Ausgabe von Armee- Etvtheiluvg und Dttotlier Liste des deutschen Reichsdeeres und der Kaiserlicken Marine für 1898. Herbst-Ausgabe 39. Jahrgang Abgeschlossen Anfang October 1897. Diese seit vielen Jahren regel mäßig erscheinde, nach amtlichen Quellen aufs Sorgfältigste bearbeitete kleine Armee-Liste enthält: Die Personalien der Kriegs-Ministerien und oberen Militär-Behörden, die Generalstäbe, fämmtlicbe Armee Jnspectionen, die Gouvernements und Commandanturen, Truppen Uebungs- und Schießplätze usw.; ferner die Chefs Inhaber und Commandeure aller Truppentheile, die Landwehr- und Territorial Bezirke der Armee-Corps, ein Berzeickniß fämmtlicker Truppentbetl, nach Waffengattung und Nummmernfolge und sämmtlickc Stande te des deutschen Heeres und der Marine in alphabetischer Ordnung Neu hinzugefügt sind die wicktigsten Uniform-Besckreibungen und ’■ Namenszüge der Regimenter. Die Abtheilung „Kaiserliche Manne enthält die Personalien der Ober-Commandos, des Reicks Marine Amts, die Commandos der Marine-Stationen, die Eckutz die Colonien, die Jnspectionen, auch der Küstenbezirke, Berwaltunas Behörden usw. usw Der Änzelpreis beträgt nur 60 Psg., >et Partiebezug treten noch erhebliche Preis-Ermäßigungen ein. Bekanntmachung. In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß die Fortbildungsschule Montag den 18. Oktober l. I., im Stadtkuabeuschnlhause beginnt und von da an wöchentlich zweimal abgehalten wird. Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen wurden und sich hier «rfhalten. Der Unterricht findet von 3 bis 5 Uhr Nachmittags, bezw. 5 bis 7 Uhr Abends, statt. Es habe« sich einzufinden: Montag den 18. October, Nachmittags 3 Uhr: Alle schulpflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker. Montag den 18. October, Nachmittags 5 Uhr. Alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackirer, Tapezirer, Mechaniker und alle sonstigen Bau'andwerker. DieuStag den 19. Oktober, Nachmittags 5 Uhr: Alle Adrigen Schulpflichtigen. Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksfchulgefetz s, wonach Lehrherren, Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nöthige Zeit bei Meldung polizeilicher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, sowie die betheiligten Eltern, Vormünder rc., den Schulpflichtigen von vorstehender Bekanntmachung rechtzeitig Kenntniß geben zu wollen. Gießen, den 12. October 1897. 9560 Für den Schulvorstand: ?nauth, Hahn, Fuhr, Oberbürgermeister. Oberlehrer. Erweiterte Handwerkerschule. Das Wintersemester 1897/98 der unter staatlicher Oberaus« Hcht stehenden gewerblichen Fachschule für Handwerker aller Berufszweige, insbesondere für Bauhandwerker, beginnt am SS. Oktober d. I, Bormittags 8'/, Uhr. Amneldungm sind spätestens bis zum 20. October d. I. an tie unterzeichnete Ansialtsleitung zu richten. Gießen, den 24. September 1897. 8904 56« «"ssichtsrath Di- Aoftaltsl-itoug - s. vetzligenSaedt, Vorsitzender. Trader, Großh. Hauptlehrer. Alice-Schule für Frauenbildung und Erwerb. Der Bügelcursus beginnt Donnerstag den 21. October. Die Stunden für Sticke«. Schnitze«, vreime« vrtwdwilerei auf Hol;, Leder u. s. w., sowie alle sonstige modernen Arbeiten beginnen Dienstag den 1». October. Aufnahme jederzeit. — Auch werden Bestellungen aus obige Arbeiten entgegengenommen. — Auskunft ertheilt 9522 Arl. 8. Moeser, Oberlehrerin. Bekanntmachung. Forderungen an die Nachlaßmasse der verstorbenen Wilh. Noll IV. Eheleute in Gießen sind längstens bis zum 30. Oktober 1897 bei i dem Unterzeichneten durch Vorlage specificirter Berechnungen anzumeldsn, als sonst diese Forderungen bei der Erbauseinandersetzung Berücksichtigung nicht finden können. Gießen, 9. October 1897. 9464 I. Boeck, Walltborsiraße 18 Bekanntmachung. Donnerstag. den 21. d. Vtts., VormtttagA 9 Uhr, kommen auf dem Güterbahnhof zu Lollar 550 gtr. Brauneisensteine öffentlich meistbietend gegen gleich haare Zahlung zur Versteigerung. 9595 Kaufliebhaber find eingeladen. Verjüngung und Verlängerung des Lebens werden erreicht durch Tragen deS berühmten Volta-Kreuzes. 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