Nr. 2S5 Erstes Blatt Donnerstag den 16. December 1897 Clints- und Anzeigeblatt für den Ureis <6iefzen. Hratisöeitage; Gießener Kamikienötatter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr. Alle Lnnoncen-Bureaox M In- und Auslandes nehm«» I Anzeigen für de» „Gießener Anzeiger" mfgtya. Nedaclion, Lxpeditio» und Druckerei: Zchutßraße Ar.»» Fernsprecher 6L Vierteljähriger AöonuementsprelL« 2 Mark 20 Pfg. cti vringerlohn. Durch die Post bezogeU 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener A'^mikieuVtLIIsr werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlrgt. Der Oieteuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de« Montags. Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Das Programm deS Grafen Pofadowsky. Der Ruf zur Sammlung, welcheu Herr v. Miquel im Laufe diese» Jahre» erschallen lieh, äußert seine Wirkung anscheinend erst bei der Regierung selbst. Dean uuter den Parteien ist von einem Bestreben, fich zusammrnzuschließen, noch nicht» zu bemerken- davon haben insbesondere die letzten RetchstagSersatzwahleu kein Zeuguiß abgelegt. Und wenn man einen Blick wirft auf die von allen Seiten bereit» tu Augr-ff genommenen Zurüstungen für die nächsten Wahlen zum Reichstage, so kann mau nicht umhin, die Wahrnehmung zu machen, datz der Kampf zwischen den einzelnen Parteien, die der Btcepräfident de» preußischen StaatSmtnisterium» im Auge hatte bei seinem Ruf zur Sammlung, eiu sehr heftiger werden wird, da die wtrthschaftlichen Interessen mehr als jemals die Kampfparole bilden werden. War schon das politische Interesse Grund genug, die vielseitige Spaltung der Wähler herbeizuführen, wie werden erst die wtrthschaft. ltcheu Rücksichten eine Eoncurrenz heraufbeschwören, welche eine Einigung kaum erhoffen läßt. Ob wir in dieser Hinsicht vielleicht etwa» zu trübe in die Zukunft blicken, wird die Zeit lehren, aber wir halten dafür, daß es richtiger ist, alle Schatten gleich vou vorn« herein mit in Rechnung zu ziehen, al» die Berhältuiffe zu rosig anzusehen, um dann nachher durch die tiefen Schatten, die fich dem Lichte in den Weg stellen, bitter enttäuscht zu werden. Schon jetzt stellen ja die Vorbereitungen für die im nächsten Jahre stattfindeudeu Neuwahlen die gegenwärtig aus der Tagesordnung stehenden Fragea vielfach in den Hintergrund, was mau bei deu verfchtedensteu Gelegenheiten beobachten kann. Wir haben oben gesagt, daß die Regierung anscheinend der Aufforderung nach Sammlung gefolgt ist. Diese Wahrnehmung zu machen, haben schon die ersten Tage der Reichs- tagSsrffton Stoff in Hülle und Fülle geboten. Schon die Thronrede war in dieser Beziehung ein unwiderlegbares Beispiel- und der Verlauf der bisherigen Reichstagsfitzangen hat uu» eine Eiumüthigkeit in den Anschauungen unserer Regie- runglmänuer gezeigt, daß füglich nicht mehr von Spaltungen innerhalb der Staat-regierung gesprochen werden kann. Wir haben schon bei anderer Gelegenheit ausgeführt, wie angenehm daS Bestreben der neuen Männer überrascht, einer den anderen zu ergänzen, wie fie es fich zur Aufgabe gestellt zu haben scheinen, nicht in dem kleinsten Punkte einen der Regierung gemachten Vorwurf unerwidert zu lassen und wie gründlich fie dabei zu Werke gehen. Jeder der neuen Männer will aber anscheinend sein Amt nicht nur „ausfüllen-, sondern er hat sich ein klares Programm vorgezeichnet, nach welchem er sein Amt verwalten und eS zum Besten des Staate» und im Interesse der Allgemeinheit führen will. Wir erwähnen im zweiten Blatt da» Programm, welche» der StaatSsecretär deS Reichsschatz- amte» in seiner Etatsrede entwickelte, nun wollen wir uns noch mit deu Ausführungen des Grafen PosadowSky beschäftigen, die dieser in Erwiderung de» Abgeordneten Bebel im Reichstage gab. Der neue StaatSsecretär des Innern war in seiner früheren Stellung als Leiter des ReichSschatzamt» recht de- liebt- seine Reden waren stets ruhig und gemessen, und die Opposition hatte kaum jemals Anlaß genommen, den Grafen anzugretfen. Sein neue» Amt hat aber die Position des StaatSsecretär» völlig geändert. DaS ReichSamt de» Innern hat ein so ausgedehntes Ressort, datz es fast in alle Der« hältntffe eingreift und deshalb von jeher heftigen Anfeindungen ausgesetzt ist, besonder» weil ihm die Ausführung unserer ganzen socialen Gesetzgebung untersteht, an der Millionen der Bevölkerung direct betheiligt find. Herr v. Bötticher, der langjährige Vorgänger de» Grafen PosadowSky, hatte fich so sehr in sein neues Amt hinein- gearbettet, daß er die Nadelstiche der Opposition kaum spürte, aber eS ging im Allgemeinen unter seiner Leitung in den letzten Jahren Alles gar zu schablonenhaft vor fich. Graf PosadowSky führte sich am Montag mit einer klaren und schaiftn Rede ein, deren Inhalt gewissermaßen ein Programm bildete, vor Allem auf socialem Gebiete. Er erklärte, die ewige GesetzeSmacherei sei vom Uebel, man müsse jetzt einhalteu, um da» bisher Geschaffene würdig auö- bauen zu können. Da» Wohl der Arbeiter werde der Regte- rung auch weiter am Herzen liegen, fie werde fich aber darin durch keinerlei Agitationen beeinflussen lassen. Mit seiner Er- klärung, daß zu viel regieren dem deutschen Volke schließlich auf die Nerven falle, kommt Graf PosadowSky den Wünschen Vieler nahe, die fich auf den Boden der vor Beginn dieser Tagung gemachten halbamtlichen Auslassungen stellen, daß die Regierung anstrebe, nur noch die allernothwendigsten ®e- sltzemwütfe emzubringen. (Sie sollte die« nur wahr machen, denn das deutsche Volk ist im Laufe dieses Vierteljahr- Hunderts thatsächlich durch allzuweitgehende Gesetzmacherei ermüdet worden. Wie schon oben gesagt, hat Graf PosadowSky ein ausgedehntes Ressort unter fich, er könnte deshalb ganz besonders seinen Einfluß ausüben, daß nach jenen Grnndlätzkn verfahren werde. Steht das mit in seinem Programm, so find wir sehr zufrieden damit, ohne daß wir natürlich die Gesetzgebung-Maschine still stehen zu sehen wünschen. Trägt Herr PosadowSky vor Allem dazu bet, die sociale Frage ihrer Lösung näher zu bringen und das bereits Geschaffene auszubauen, so können wir uns mit dem Programm, daS er fich vorgezeichnrt hat, nur einverstanden erklären, (xx) Deutscher Vekhsta-. Sitzung vom Dienstag bett 14. December 1897. Am BundesrathStische: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, SiaatssecretSr Graf PosadowSky, KriegSmtnister v. Goßler, StaatSsecretär v. Bülow u. A. Zunächst wird in dritter Lesung daS internationale Abkommen über einige Fragen deS internationalen Prioatrechts definttto genehmigt. Es folgt Fortsetzung der 1. Lesung des Etats. Abg. Rickert (srs. Vg.) wendet sich gegen den Abg. o. Leipziger, der behauptet habe, unter Caprivi sei das Ansehen des Reiches gesunken. Er drückt dabei seine Verwunderung darüber aus, daß auf diese Behauptung keine Antwort vom BundesrathStische erfolgt sei. Er erinnert sodann an die bleibenden historischen Verdienste deS Grafen Caprivi, den Abschluß der Handelsverträge. (Rus rechts: Wir haben dagegen gestimmt). Was die Ftnanzreform anlange, so würden seine, Redners, Freunde an der clausula Frankenstein festhalten, so lange nicht ein anderer constituttoneller Ersatz dafür gegeben weide. Mit Herrn Lieber sei Abg. Rickert darin einig, daß Garantien dafür gegeben werden müßten, daß, wenn später doch neue Steuern nölhtg werden sollten, nicht etwa die schwächeren Schultern belastet würden. Auf den wirthschaftltchm Ausschuß zu sprechen kommend, meint Redner, man könne in demselben auf keinen Fall eine sachgemäße Vertretung aller Interessen der Bevölkerung erblicken; eS fehle vor Allem eine Vertretung der Interessen der Consumenten. Auch die Zuckersteuerfrage und daS Vereinsrecht wird vom Redner einer Besprechung unterzogen. Bezüglich des Letzteren hält er eine Regelung für dringend geboren; der Reichskanzler habe sein Wort dafür eingesetzt. Was die Marineoorlage betreffe, so könne er sagen, daß er im Großen und Ganzen mit der von derselben vorgeschlagenen Richtung einverstanden sei. Die Frage der Schlachtschiffe sei auch eine Frage der Vertheidtgung unserer Küsten, denn unsere Künftenbefesttgungen seien nicht im Stande, dem Anstürme feindlicher Schiffe zu begegnen. Redner wendet sich dann noch zu Bemerkungen des Abg. o. Leipziger über den Bauernverein Nordost. Er schUdert des Wetteren das Vorgehen des Landraths v. Puttkamer in Stolp gegen Versammlungen des Vereins Nordost, und wie der Landrath sogar den Reichstag verunglimpfe. So etwas dürfe sich doch ein Beamter nicht herausnehmen. Die Unzufriedenheit im Lande sei groß, namentlich auch, weil der Bund der Landwirthe Alles so schwarz schildere. Gegen dessen Hetzerei sei die Soctal- demokratie der reine Waisenknabe. (Beifall). Krtegsmtnister o. Goßler antwortet auf eine Anfrage des Vorredners, es liege nicht in der Absicht, nach Ablauf des Quin- quennats die gegenwärtige zweijährige Dienstzeit zu ändern. ES hätten fich keine Erscheinungen gezeigt, welche daS nothwendig machen würden. (Hört! Hört!) Auch d«e Absicht, die Jnsantertebataillone zu vermehren, liege nicht vor. Dringendes Bedürsniß sei aber eine anderwette Organisation der Feldartillerte. Die Regierung scheue sich nicht, mit einem solchen Vorschlag an dm Reichstag heranzutreten, da der Reichstag solche technischen Fragen stets ruhig gewürdigt habe. Abg. Paasch e (nl.) erwidert dem Abg. Rickert, daß die Agrarier nur ihre berechtigten Interessen verträten. Des Weiteren polemifirt Redner gegen die Aeußerungm des Abg. Bebel, dabei u. A. bemerkend, daß der Landwirth mit dem Verbot deS Getreideterminhandels ganz zuftieden sei, und daß die Klage der Landwirthe über Mangel an Arbeitern eine durchaus begründete sei. Nur des Vergnügend halber zögen die Mädchen in die Städte. Weiter tritt Redner dem Verlangen des Abg. v. Kardorff nach Doppelwährung entgegen, um alsdann, zum Etat übergehmd, diejenige Finanzreform für eine gesunde zu erklären, die eine reinliche Scheidung zwischen Reichs- und einzelstaallichen Finanzen ins Auge fasse. Für erwünscht halte er es, wenn die Heeresverwaltung bet der Ernährung der Soldaten dem Zucker einen größeren Platz einräumen wollte. Betreffs der Handelsoenragsfrage bitte er die Regierung, bei den Vereinigten Staaten darauf zu drängen, daß daselbst unsere Zuckereinfuhr entsprechend günstiger behandelt werde, als die der anderen Staaten, welche höhere Ausfuhrprämien zahlten als Deutschland. Auf eine Anfrage des Redners bemerkt StaatSsecretär Graf PosadowSky, der Vorredner habe gefragt, wie es mit den Vertragsverhandlungen mit England und Amerika stehe. Die Grundlage für diese Verhandlungen sei von dem Reichskanzler festgestellt wordm. Jetzt sei die Sache zur weiterm Erledigung an das Auswärtige Amt gegangen. WaS die Zusammensetzung deS wtrthschaft- ltchen Ausschusses betreffe, so sei dieselbe ganz in der Ordnung. Der Ausschuß habe die Aufgabe, dm neuen Zolltarif aufzustellen, der für dm Abschluß der neuen Handelsverträge unbedingte Voraus- fetzung sei. Selbstverständlich würden später auch noch andere Sachverständige, sogar Handwerker, vielleicht auch Arbeiter gehört roerben, aber diese doch nur über Etnzelfragen, z. B. Producttonskostm, aber nicht über Fragen des tnternattonalm Verkehrs. Daß so viele Land- wtrihe im Ausschüsse feien, habe seinen Grund darin, daß gegenwärtig eine mächtige landwirthschaftliche Bewegung sei. ES müsse geprüft werden, welche Forderungm der Landwt-thschaft berechtigt und mit dm berechtigten Forderungen von Industrie und Handel verträglich seien. Und wenn sich eine Berechtigung herauSstelle, dann werde man nicht umhin können, der Landwtrthschaft einen höheren Schutz zu gewähren. (Lebhafter Beifall rechts). Abg. Zimmermann (Antts.) hält für dm Abschluß eines Handelsvertrages einen autonomen Zolltarif für eine nothwmdige Vorbedingung und unterzieht hieran die Bäckereiverordnung einer eingehenden Besprechung. Sodann wendet er sich einer Schilderung der semitischen Gefahr zu, die sich darin zeige, daß die Zunahme der Juden in dm Städten doppelt so groß sei als auf dem Lande. Für die Erhöhung der RepräsentattonSgelder habe seine Partei weniger Neigung als für die Erhöhung der Unterbeamten-Gehälter, zumal man sich nicht entschließen könne, dm Reichstagsabgeordneten Diäten zu zahlen. Redner äußert fich des Wetteren gegen dm Waarenwucher und zieht sodann die Vorgänge im österreichischen Parlammt in die Debatte, wobei er sein Bedauern darüber aussprtcht, daß man in Berlin eine geplante Kundgebung zu Gunsten unserer deutschen Brüder in Oesterreich mit allen polizeilichen Machtmitteln verhindert habe. Abg. Frhr. v. Hodenberg (Welfe) bespricht gleichfalls das Verhällntß Deutschlands zu Oesterreich. Deutschland werde an Oesterreich nur bann einen zuverlässigen Bunbesgmossm haben, wenn dieses die Rechte aller seiner Untertanen respectire. In Oesterreich spiele Ungarn dieselbe Rolle wie Preußen in Deutschland. (Heiterkeit und Widerspruch.) Seit dm Festtagm in Budapest habe sich in unserem Verhältniß eine Aenderung vollzogen. Diese Trtnk- sprüche zeigten Folgm, über die man nur sein Bedauern aussprechen könne. Der Regierung müsse man dankbar sein, daß sie die landes- verrätherischen Kundgebungen bei uns nicht geduldet habe. Redner bedauert, daß das Verhältniß Preußen« zu Hamburg ein sehr wenig entgegenkommendes sei. Auch in Hessm und Braunschweig bestehe Mißstimmung gegen Preußen, in Braunschweig wegen Maßregelung von Offizieren, die in der Lippe'schen Erbfolgefrage hervorgetreten seien. Abg. Frhr. o. Stumm (ReichSp.) protestirt gegen die Erörterung deutsch-österreichischer Angelegenheiten. So dürfe man sich nicht in die inneren Angelegenheiten einer befreundeten Nation mischen. Redner führt dann aus, daß man dem Reichskanzler nicht den Vorwurf machen könne, sein Versprechen bezüglich deS VeretnSgesetzes nicht eingelöst zu haben. Die Hülle'schm Schriften seien allerdings die gefährlichsten Schriften gegen die Sozialdemokratie, im Uebrigen aber fetm sie durchaus parteilos. Staatssecretär v. Bülow erklärt, die Besorgnisse deS Abg. Frhrn. v. Hodenbrrg in Bezug^auf den Dreibund seien durchaus unbegründet. Unser Verhältniß zu Oesterreich und Italien sei daS beste und habe dies auch in den Budapester Kaisertagen seinen Ausdruck gefundm. Bedenklich sei eS, innere Verhältnisse befreundeter Nationen im Reichstage zu erörtern, wie eS geschehen sei. (Beifall.) DaS Hau» vertagt sich sodann auf morgen Mittag 1 Uhr. Tagesordnung: Weiierberathung des Etats und Militär-Gerichtsordnung in erster Lesung. Schluß 6°>!ch rt,r *Mktt '" * M.I ;?«? to/7 ' ouckn In ’ttl irde» rvrker, °7> * mL öt)”; Dn Mv^r» nr*lttl40M Sjj» Köpsr unk W gk'aflm. 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L i« »bi*' £. ,*« tt A'*,i«z«^ qakobi, WÄ !«*> dS> Ein hierauf aufs Neue unternommener Versöhnungsversuch scheiterte daran, daß jeder der beiden Gegner verlangte, daß der Andere zuerst gewisse Beleidigungen zurücknehmen solle, wovon keiner von ihnen etwa» wissen wollte. E» wurde daher, nachdem die Waffen — gezogene Vorderlader — ebenso wie vor dem ersten Kugelwechsel durch den Unpar» teiffcheu Gebhardt unter Beihilfe von Langermann und Koch geladen waren, zum zweiten Kugelwechsel geschritten. Beide Duellanten sanken fast gleichzeitig getroffen zu Boden. Beide Geschoffe waren je auf der rechten Körpersette in den Unter# leib gedrungen und hatten schwere Verletzungen hervorgerusen. Die Verletzten wurden in die Universitätsklinik verbracht, wo Jakobi nach zwei Tagen seinen Wunden erlag. Eine hinzugetretene Bauchfell- und Lungenentzündung hat deffen Tod beschleunigt. Sein Gegner Schmitz hat ebenfalls längere Zett tu äuß-rster Lebensgefahr geschwebt, ist jedoch, trotz bedeutender Darmverletzungen, wieder hergestellt. Al- Beran- laffung des Zweikampfes hat die Anklage das Folgende als festgestellt erachtet: Der Angeklagte Schmitz sowohl wie der verstorbene Jakobi waren beide als Einjährig Freiwillige nach Oberheffen ins Manöver gerückt. Sie hatten zusammen am Abend des 9. September zu Nieder-Florftadt tu der Turn# Halle der Schule daselbst Nothquartier bezogen, wo fie ge# meiusam nebeneinander auf Stroh lagen. Sircr versetzte dem Andern hier absichtslos einen Tritt, worauf sich ein Wort# t»reit entwickelte, in deffen Verlauf von beiden Seiten ge# schimpft wurde. Schmitz behauptet, Jakobi habe ihn zuerst beleidigt, indem er ihn einen unverschämten Zipfel geheißen habe, während in von Jakobi hinterlaffenen Aufzeichnungen angegeben ist, daß Schmitz Derjenige gewesen sei, der zuerst beleidigt habe. Thatsache jedoch fet, daß Jakobi zuerst thät- lich geworden, und dem Gegner eine heftige Ohrfeige versetzt hat, worauf beiderseits weitere Tätlichkeiten gefolgt sind. Nachdem das Regiment in feine Garnison Gießen aus dem Manöver zurückgekehrt war, überbrachte der Angeklagte Stammler in Schmitz Auftrag deffen Kameraden Jakobi eine Forderung auf Pistolen, die auch in der Folge Annahme fand. Dieser Forderung war schon im Februar oder März e'ne Säbelforderung deö Schmitz an Jacobi vorauSgegangen, welche nach Ablauf der Dienstzeit ausgetragen werden sollte. ES handelte sich damals um wörtliche Beleidigungen, denen noch mehrfache Reibereien von beiden Seiten gefolgt fein sollen. Der stattgefundene Zweikampf ist mit Waffen der hiesigen Corps „Teutonia" und „Hassta" auSgefochten. Die Anklage behauptet, daß das stattgehabte Duell vorher von einem gebildet gewesenen Ehrengericht gebilligt worden sei, unb die Angeklagten Gebhardt, Langermann, Koch, BaaS, Brettel und Rübe diesem angehört hätten. Im Zuschauerraum deS Schwurgerichts stand zwischen der eisernen Barre, welche diesen Raum von dem für die Zeugen referbirten abschließr, bis zur Mauer schon eine halbe Stunde vor Beginn der Verhandlung die Menge Kopf an Kopf gedrängt. Auch vor dem Saale war der Andrang groß. Kurz vor 9 Uhr nahmen die Angeklagten aus der Anklagebank Platz. Alle- was an Juristen im GerichtSgebäude abkömmlich, hatte sich vor Beginn der Verhandlung im Zeugenraum eingefunden, ebenso der Hauptmann der Compagnie, bei der der Angeklagte Schmitz und der Verlebte Jacobi dienten. Um i/z10 Uhr betrat der Gerichtshof den Saal. Bei der AuSloosung der Geschworenen übt Rechtsanwalt Grünewald da-Ablehnungsrecht für die Vertheidigung aus. Unter den Geschworenen, die in dieser Sache fitzen, befindet fich keiner auS Gießen. Dor Eintritt in die Verhandlung beantragt Rechtsanwalt Schirnrnelpfeng, einen Sachverständigen zu laden, der über die Bedeutung und das Wesen der studentischen Ehrengerichte im 8. C. vernommen werden solle. Dem widerspricht der Erste Staatsanwalt, es feien ja unter den Zeugen mindesten- 20 Corpsstudenten, die darüber Auskunft geben können, wenn es gewünscht wird. Rechtsanwalt Schimmel# pfeng erklärt, daß ein Student in jungen Semestein ein competente- Urtheil nicht haben könne. DaS Gericht beschließt, den vom Vertheidiger vorgeschlagenen Sachverständigen, Gerichtßaffeffor Focke, zu Nachmittag 3 Uhr telegraphisch zu laden. Die Angeklagten erklären sämmtlich, unbestraft au fein. Der Angeklagte Schmitz schildert sein Berhältniß zu dem Verstorbenen Jakobi, wie e- die Anklage darstellt, ebenso den Verlauf deS Duells. Er will beim ersten Sugelwechsel die Waffe nach oben gehalten haben, um seinen Gegner nicht zu treffen. Beim zweiten Kugelwechsel allerdings habe er sicher gezielt, weil er gemerkt, daß Jakobi eS bei der Sache Ernst nehme. Auf die Frage des Borfitzenden, wer bet dem Duell sonst noch betheiligt war, bittet der Angeklagte, ihm die Antwort zu erlaffen, er wolle nicht denunciren. Auf den „unverschämten Bauernzipfel", den ihm Jakobi im Roth- quartier an den Kopf geworfen, habe er mit einem „unverschämten Bauernlümmel" gedient. Seine Forderung, die er an Jakobi gesandt, habe auf Pistolen, 10 Schritt Distance, gelautet- wer den dreimaligen Kugelwechsel bestimmt hat, will der Angeklagte nicht mehr wiffen. Der Angek agte Schmitz erklärt die Animosität zwischen ihm und Jakobi daher rührend: Jener war älteren Semester-wie er, aber an Jahren war jener jünger. Schon als er noch Fuchs war, steckte Jakobi ihm gegenüber den alten Herrn heraus und so gerieth man mit der Zeit aneinander. ES habe Niemand auf ihn einen Zwang auSgeübt, den Gegner zu fordern ober sich mit diesem zu duelltren. Betreff- de- Ehrengerichts verweigert der Angeklagte die Auskunft. — Die Angeklagten Gebh ardt und Langermann machen von dem Rechte der Au-kunft-verweigerung Gebrauch. Der Angeklagte Koch ist bereit, über den Hergang des Duells auszusagen. SS seien alle Formalitäten des Zweikampfes beobachtet worden. Zeuge war Gecundant de- verstorbenen Jakobi. Die Angeklagten BaaS, Brettel und Rude verweigern jede Auskunft. Der Angeklagte Stammler schildert da- mißliche Berhältniß der beiden Duellanten zu einander. Der Zeuge hat fich, wie tr behauptet, redlich Mühe gegeben, die Gegner zu versöhnen, und e- war ihm dies wenigsten- insoweit möglich, daß tm Manöver anscheinend ein leidliches Berhältniß zu sein schien. Der Zeuge bedauert, in Nieder- Florstadt mit den beiden Freunden nicht in einem Quartier gelegen zu haben, er hätte dann die Beiden auseinander# gehalten. Zeuge hat dem Jakobi die Forderung von Schwitz Überbracht. Er bedauert unendlich, bet dem Duell nicht zugegen gewesen zu sein, er glaubt, daß eS ihm hierbei möglich gewesen wäre, daS Aeuß'.rste zu verhindern. Der Zeuge bemerkt, daß bei dem Duell zehn Sprungschritte mit dreimaligem Kugelwechsel commentwäßig seien. Der nun vernommene Sachverständige Dr. K. Müller erklärt, daß der Tod de- Jakobi infolge des SchuffeS ein* getreten fei. — Professor Popp ert schließt fich dem Gutachten deS Dr. Müller an. Wenn man auch zu Anfang Hoffnung hatte, Jakobi zu heilen, so hat doch die Section ergeben, daß diese Annahme irrig war und der Schuß den Tod desselben herbeigeführt. Beim Angeklagten Schmitz war die Verletzung eine ungleichmäßig schlimmere, als bei seinem Gegner. ES sei als ein Wunder zu bezeichnen, daß dieser geheilt wurde, waS fich aber daher erkläre, daß dieser Verletzte eine kräftige Constitution hatte. Man war eher Überzeugt, Schmitz würde in der Klinik an den Verletzungen zu Grunde gehen, ehe man daran dachte, daß der Tod Jakobi hinwegraffen würde. Man hielt diesen für den leichter Verletzten. (Schluß folgt.) Wöchentliche Ueberftcht der Todesfälle tu GteM 50. Woche. Vom 5. December bis 11. December 1897. Einwohnerzahl: angenommen zu 23 700 (Incl. 1600 Mann Militär). St-rüftchk-ftsztster: 17,54, nach Abzug der Ortsfremden 8,770/0, Kinder SS starben em: ZniewAen: Erwachsene tm ddir 1.Lebensjahr: 2.-lß.3ah: BSsart. Neubildung 2 2 _ -V Gehirnhautentzünd. 1 (1) 1 (1) — — Lungenentzündung 1 (1) 1 (D — — Bauchfellentzündung 1 (1) 1 (1) —— —— Lebensschwäche 1 — 1 — Selbstmord 1 1 — —— Verschüttung 1 (1) 1 (1) — — (Summa: 8 (4) 7 (4) 1 — Snm. Die tn Klammern gesrylen Zistern gebe« an, wie viele \ er Todesfälle in dec betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gteßrn gebrachte Kranke kommen WNMMMMMM Glashütter Taschen-Uhren 11248 von »Mti iiwFi Telephon 119. Marktstraße 4. 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Zu der kirchlichen Feier in der Johanneskirche laden wir die ganze Gemeinde freundlichst ein. Zu der Bescheeruug in der Anstalt selbst können wir, außer den Angehörigen der Kinder, wegen des beschränkten Raumes leider Niemanden einladen. r , Alle, die uns für die Christbescheerung unserer Anstalt noch Gaben zugedacht haben, bitten wir, dieselben bis Ende dieser Woche an eine der Vorstandsdamen gelangen zu lassen. Gießen, den 15. December 1897. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann. A. Lange & Söhne. Präcisions Uhren 1. Ranges. jLiycEYS SÖHNEJ Ä Special-Geschäft sämmtlicher Bürsten-, Besen-, Pinsel-, Toilette- und Haus- Haltungs-Artikel. == Hegründet 1857. ===== Billigste Bedienung. 11355 Dauerhafte Waareu. »L MlnWaus. Freibank. 11329 Heute und morgen: ^chmemefleifch nicht ladenrein, per Psd. 52 Pfg. Stierfleisch nicht ladenrein, per Pfd. 51Pfg. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. 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