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Fernsprecher 5L Anrts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gietzen. Annah me von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilienötatter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» i Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- tntgey. Abonnements^Einladung. Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 4. Vierteljahr 1897 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben aus dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässig e Berichterstatter, ist der „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so Mhzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirtschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissenswerten aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in H aus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gietzener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- betrag durch Ouittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda). Spanien und Cuba. SxU mehreren Jahren wüthet nun schon der Ausstand auf der schönen Antilleninsel und noch immer ist daß Ende nicht abzusehen. An Siegesnachrichten hat eS ja nicht gefehlt jeder geringe Erfolg wurde von der spanischen Regie- runarpresse dazu benutzt, um der Bevölkerung Sand in die Äugen zu streuen. Diesen Nachrichten pflegte immer der hinkende Bote in Gestalt von Mißerfolgen nachzukommen, unb die systematische Irreleitung der öffentlichen Meinung bet Spanier hat sich noch immer bitter gerächt. Als es vor etwa einem halben Jahre hieß, der Ausstand auf Cuba gehe seinem Ende entgegen, da haben wir unfern Zweifel an der Richtigkeit der Meldung nicht unterdrücken können, und wie Recht wir hatten, lehren die Thatsachen. Da standen die Dinge doch noch bester, alS der alte Marschall Martinez Campoß den Oberbefehl aus der Insel hatte, und vielleicht wäre eS ihm schon längst gelungen, den Aufstand zu unterdrücken, da er den Hauptersolg in der Etnsührung von Reformen sah. Zwar hat sich die jetzige Madrider Regierung schließlich auch der Bewilligung von Reformen nicht erwehren können, aber die letzteren kommen heute zu spät. Damals hätten sich die Rebellen noch darauf eingelassen, wenn sie sahen, daß es Spanien ernstlich darum zu thun sei, der auf Euba betriebenen Miß- und Gewaltherrschaft ein Ende zu machen- heute wollen die Insurgenten keine Reformen mehr, sie verlangen volle Freiheit für ihre Insel und werden auch eine etwa angeboteae Autonomie zurückweisen. Der jetzige Obercommandirende auf Cuba, General Witzler, hat die in ihn gesetzten großen Erwartungen nicht zu erfüllen vermachter hat die Insel verwüstet, unter seinem Regimente ist die spanische Armee decimtrt und vielfach demoraltfirt, und mehr denn je ist er von einer Besiegung der Rebellen entfernt. Diese haben bekanntlich in den letzten Tagen einen beachtens- werthen Erfolg errungen und einen strategisch sehr wichtigen Punkt, die Stadt Victoria de los Turas in der Provinz Santiago, eingenommen. Diese Nachricht ist geeignet, in Madrid die größte Erregung hervorzurufen, weil durch diesen Sieg das Selbstgefühl der Rebellen erheblich steigen und ihr Ansehen, baß Vertrauen in ein gutes Gelingen ihrer Sache immer mehr zunehmen wird. Dem General Weyler spielt nun die öffentliche Meinung böse mit, umsomehr als man ihm erst kürzlich das allgemeine Vertrauen der Nation auß- gesprochen hatte. Jeder fragt sich jetzt in Spanien: „Was nun?" Der Ministerrath hat beschlossen, neue Verstärkungen nach Cuba zu entsenden, wenn es nothwendig sein sollte. Aber wenn man bedenkt, wie viele Truppen schon abgegangen find, wie viele Verstärkungen schon expedirt werden mußten, bann kommt man zu dem Schluß, daß ein Erfolg ausgeschlossen erscheint, daß Spanien nicht im Stande sein wird, beß Aufstandes Herr zu werben. Schon bisher hat die spanische Bevölkerung der Absendung von Reserven nach Cuba directen Widerstand entgegengestellt, sodaß eß zu Aufruhr unb Empörung gekommen war. Die Regierung wirb sich beßhalb wohl besinnen müssen, bte Erregung beß Volkes biß aufß Aeußerste zu treiben. Denn die Lasten, welche daß letztere zu tragen hat, find ungemein schwer- daß Land ist vollständig ausgesogen und daß Elend ist allerorten groß. Hierdurch werden bte starken revolutionären und republikanischen Strömungen, welche unzweifelhaft in Spanien vorhanden sind, in hohem Maße begünstigt. Auch die Partei der Carliften sucht ouß dem Mißgeschick, welches daß Land betroffen hat, Capital zu schlagen und für ihre Zwecke außzunützen. Da kann man sich denn also gar nicht wundern, wenn die Madrider Regierung rathlos ist und sich kaum noch zu helfen weiß. Wahrlich, eß ist eine schwere Prüfung, die dem spanischen Volke auferlegt worden ist, so schwer, daß man mit gutem Gewissen kaum noch die Hoffnung hegen kann, daß die Verhältnisse sich bessern. Und dabei ist der König ein Kind, die Regentin eine schwache, hülflose Frau! Es bedarf einer starken Hand, um daß StaatSschiff in nächster Zukunft durch alle Gefährnisse zu leiten.(xx) Deutsches Reich. Darmstadt, 13. September. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und Ihre Großherzogliche Hoheit Prinzessin Elisabeth haben sich zum Besuche Ihrer Kaiser- lichen Hoheit der Herzogin nach Coburg begeben und werden Ende dieser Woche wieder nach Jagdschloß Wolfßgarten zurückkehren. Darmft. Ztg. — Sind die Franzosen in Deutschland gefürchtet? Der bekannte italienische Schriftsteller Evan- gelisti gibt hierüber in der Tribuna eine direct verneinende Antwort. Er befand sich zur Zeit der Peterßburger Ereignisse in Berlin und war „paff" ob der unglaublichen Seelenruhe, ja Indifferenz, mit der die Berliner Bevölkerung die Proclamation beß Zweibundeß aufnahm. Der Italiener hatte geglaubt, nach dem in seinem Vaterlande üblichen Usus auf den Straßen ein nervös erregtes Publikum unb brüllende Zeitungßverkäufer vorzufinden. Der Grund für diese allgemeine Gleichgültigkeit sei, daß die Deutschen von einem absoluten Vertrauen in die Unbesiegbarkeit ihrer Waffen erfüllt seien. „Es thun mir nur die Franzosen leib" — schreibt Herr Evangelist! — ober ich muß Ihnen sagen, baß hier Niemand sie fürchtet. Ader fürchtet man sie in ihrem Bunde mit den Russen? Man fürchtet sie weder allein noch verbündet, weil die Deutschen sich für stark genug halten, einen Krieg nach zwei Seiten zu führen .... Wäre eß bet unß vorgekommen, daß eine unß feindlich gesinnte Macht ihre Allianz mit einer dritten so feierlich angekündigt hätte, so hätten wir zunächst unser Ministerium gestürzt . . ."_________ Xteuefte NschsßchsE»- Wolff» telegraphische» Correspondmz-Bureau. Berlin, 13. September. Daß erbliche Mitglied beß Herrenhauses, Graf Uork von Wartenburg, ist auf seinem Befitzthum Kletn-Oelß in Schlesien gestern gestorben. Leipzig, 13. September. Bet bem Preisausschreiben für ben Bau eines Bachgewerbehauses in Leipzig erhielt den 1. Preis von 4500 Mk. Architect Emil Hagberg auß Friedenau-Berlin, den 2. Preiß von 3500 Mk. die Architecten Schauppmeyer und Helbig in Hannover. Daß Projekt von Hermann Eger in Leipzig wurde für 1OOO Mk. angekauft. Totti, 13. September. Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef begaben sich heute früh, von engstem Gefolge begleitet, zunächst zu Wagen nach bem Manöverfelde. Die Monarchen wurden von der zahlreichen Menschenmenge, die sich auf den Straßen angesammelt hatte, stürmisch begrüßt. Der Kaiser trug die Uniform seines 7. Hnsaren- regiments. Der Himmel ist bedeckt. TotiS, 13. September. Den heutigen Manövern beß 4. und 5. CorpS wohnten beide Kaiser bet. Franz Joses beobachtete bet Szend bte Cavallertekämpfe, Kaiser Wilhelm bei Szenbihatar-Hegh bte Phasen beß Kampfeß auf ben westlichen Flügeln. Mittags, nach einer großen Cavallerieattacke, erfolgte daß krtegßmäßige Abbrechen deß Gefechteß unb der Rückzug der Truppen auf die Demarkationslinien. Die Marschleistungen, die Haltung unb das Aussehen der Truppen find vorzüglich. — Kaiser Wilhelm besichtigte Nachmittags die Esterhazh'schen Weinkeller mit bem bekannten Riesensaffe unb pürschte sobann im Wilbgarten. Rom, 13. September. Den im Ackerbauministerium eingelaufenen Berichten zufolge beträgt bte Betreibe-Pro- buetton des Königreichs Italien im Jahre 1897 ungefähr 30 Millionen Hl. gegen 51 Millionen Hl. im Vorjahre. Amsterdam, 13. September. In der Nationalausstellung auf dem Landgute SonSbeek bei Arnheim brach in der vergangenen Nacht ein Feuer auß, welches alle Gebäude auf dem AußstellungSgelände, darunter baß Hauptgebäude, daß Physikmuseum und die Manege, binnen kurzer Zeit in Flammen setzte unb so schnell zerstörte, daß fast nichts gereitet werben konnte unb nur daß bloße Eisen- gertppe der Gebäude stehen blieb. Viele goldene und silberne Gegenstände find geschmolzen und Collectionen von Pelzen und Juwelen in beträchtlichem Werthe vernichtet. Nur einige Juwelen, welche in einem feuerfesten Schranke lagen, wurden gerettet. Auch eine Menagerie, welche sich auf der Ausstellung befand, wurde in gleicher Weise in Flammen gesetzt unb eine Abteilung Infanterie erhielt ben Befehl, bie wilden Thiere, welche zu entkommen suchten, zu überwachen und wenn uöthig zu erschießen. Paris, 13. September. Ministerpräsident Mvline stattete gestern dem König von Siam einen Besuch ab. Der König gab im Laufe der Unterredung den freundschaftlichen Gefühlen für Frankreich Ausdruck. Heute Vormittag besuchte der Kömg das Fort Vincennes, wo der Commanbant ihm zu Ehren ein Frühstück gab, zu welchem 30 Einladungen ergangen waren. Bei der Ankunft wurden dem König militärische Ehren erwiesen. Paris, 13. September. Der „Temps" meldet: Der König von Siam hat beschlossen, nach seinem Besuche in England nach Pari» zurückzukehren, um hier mehrere Tage inkognito zu verweilen. Paris, 13. September. Der König von Siam ver- lieh dem Präsidenten Faure ben Orden der großen Krone von Siam am gelben Bande, der nur Souveränen ver- liehen wird. Udine, 13. September. Auf der neuen Bahnlinie San Giorgio—Nogara ist heute Vormittag ein Lastzug mit einem auf der Strecke stehen gebliebenen Karren zusammengestoßen. Sechs mit Sand beladene LowrieS wurden zertrümmert, zwei Personen habet getöbtet unb eine britte schwer verwundet. San Sebastian, 13. September. Der bisherige amerikanische Gesandte Taylor überreichte der Königin sein Abberufungsschreiben und sein Nachfolger Woodford sein in freundlichen Ausdrücken gehaltenes Beglaubigungsschreiben. Tanger, 13. September. Reutermeldung. Hier ein- gegangenen Nachrichten zufolge haben die Riffpiratea ein weiteres Fahrzeug gekapert. Man glaubt, daß das Schiff, dessen Namen man noch nicht weiß, ein spanisches ist. Depeschen de» Bure«« „Herold." Berlin, 13. September. Wie den „Berl. Neuesten Nachrichten" gemeldet wird, ist dem deutschen Kaiser von der Kaiserin Friedrich ein prachtvolles Album überreicht worden mit photographischen Darstellungen her yubt- läumS-Feterlichkeiten tn London, insbesondere der Flottenschall von Spithead. Daß Geschenk stammt von der Königin Victoria und trägt eine Widmung der Königin an ihre« Enkel. Berlin, 13. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verordnung betreffend Beschränkung der Ein. snhr auS Asten. ES handelt sich dabet um eine Maßregel zur Verhütung der Einschleppung der Pest. Betlia, 13. September. Der „Local-Anzeiger" meldet au» Sönitz: Die Nacht» 11 Uhr bet Bütow fällige Post wurde beim WirthShauS Babhlou beraubt und der Postillon erschlagen. Die Nachricht erregt große Aufregung. Berlin, 13. September. Der „Nordd. Allge«. Ztg." wird aus Wien telegraphirt: Den schwersten Paukt der FrtedenSverhaudluugeu bildet gegenwärtig die Frage wegen der Garantie Griechenland» für die Kriegsentschädigung. So lange diese Frage nicht gelöst ist, erscheint der Frieden»- schluß unmöglich. Berlin, 13. September. Dem „Verl. Tagebl." wird au» Madrid telegraphirt, daß die Königin-Regentin da» neue Anarchtsteu-Gesetz, welche» den Corte» sofort nach ihrem Zusammentritt vorgelegt werden soll, genehmigt hat. Berlin, 13. September. Die Vermählung de» präsumtiven Thronfolger» von Dänemark, des Prinzen Christian mit der Herzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin ist jetzt für April nächsten Jahres festgesetzt worden. Berlin, 13. September. Das Organ des Pfarrers Naumann, „Die Zeit", geht, wie der Verlag in der heutigen Nummer des Blattes bekannt gibt, am 1. October ein. Berlin, 13. September. Den „Verl. Reuest. Nachr." wird aus Pretoria gemeldet: Dr. LehdS ist hier an- gekommen und wurde auf dem Bahnhof vom Präsidenten Krüger und einigen anderen Personen bewillkommnet. Er wird nicht sobald nach Europa zurückkehren, wie behauptet wurde, sondern seine Geschäfte als StaatSsecrrtär übernehmen. Stettin, 13. September. Auf dem im Umbau begriffenen Ceutral-Güterbahuhof entgleiste gestern früh ein Güterzug. Die beiden Lokomotiven des langen Zuges wurden beschädigt. Der Packwagen und mehrere beladene Güterwagen wurden total zertrümmert. DaS Fahrpersoual kam mit einigen Schrammen davon. Da infolge des Unfalles das Haupt- geletse für die Einfahrt gesperrt war, erlitt der Personenverkehr große Verspätungen. Köln. 13. September. Zu der beabsichtigten Kund- gebung der deutschen Studenten in Oesterreich schreibt die „Köln. Ztg." an der Spitze ihrer heutigen Abendnummer: Wir wollen den deutschen Studtrendeu volle Freiheit gewähren, ihren Sympathien für die StammeSgenoffen auf deutschem Boden in maßvoller Form und in Ausdrücken, wie fie unter gebildeten Leuten üblich sind, Worte zu verleihen, indeß könnten die Folgen bei eventuellen Kundgebungen in Oesterreich selbst für die Betreffenden recht schlimme sein, da eS der deutschen Regierung nicht möglich sein würde, auf diplomatischem Wege zu Gunsten der Unvorsichtigen einzuschreiten. Wer sich an einer solchen Reise betheiligt, handele auf eigene Verantwortlichkeit und müffe auch die möglichen Folgen seine» ThunS allein tragen. Nürnberg, 13. September. Auf dem Parteitage der freisinnigen Volkspartei, der gegenwärtig hier stattfindet, hatte der geschästSführeode Ausschuß zwölf Anträge über Organisation und Wahlvorbereitungen gestellt. Alle Anträge wurden angenommen, bis auf den Absatz 1 des Antrages 8. Dieser Antrag handelt von deu „aussichtslosen Wahlkreisen". Die Absatz 10 (Kreistagswahlen) und 11 (Handelskammerwahl) gelangten unter Erweiterung auf Deutschland zur Annahme. Im Laufe der Debatten berichtete Lenzmann über die Betheiliguog an den Landtagswahlen, welche er lebhaft empfahl. Fischbeck erstattete eingehenden Reichstagsbericht, in dem er ein gutes Berhältniß zur deutschen Volkspartei betonte. Der Parteitag sprach der Fraktion einstimmiges Vertrauen au». Karlsruhe, 13. September. Heute tagte hier die erste Confereuz deutscher Städteverwaltuugen zur Berathung einer Betheiligung au der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900. Vertreten waren 24 Städte, deren Einwohnerzahl über 80000 beträgt. Nach einem eingehenden Bericht des RetchScommiffarS für die Ausstellung, Dr. Richter, wurde mit Bedauern von einer Collectiv-AuS- stellung der deutschen Städte Abstand genommen, weil der hierfür erforderliche Platz auf der Ausstellung nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Es soll jetzt eine mustergiltige Ausstellung der Städteverwaltungen in den einzelnen Gruppen geschaffen werden. ES wurde hierfür eine Commission gebildet, welche die Vorbereitungen zur Beschickung der Ausstellung in der hierfür geeignet erscheinenden Weise zu treffen hat. In die Commission wurden bestimmt die Städteverwaltungen von Frankfurt a. M., Stuttgart, Köln, Berlin, Dresden, München, Breslau, Straßburg t. E., Hamburg, Danzig, Königsberg und Stettin mit der Maßgabe, daß die Oberbürgermeister der betreffenden Städte den Sitz annehmen und Vertreter zu stellen berechtigt find. Sitz der Commission ist Berlin, deffen Oberbürgermeister um die Annahme de» Vorsitze» ersucht werden soll. Karttruhe, 13. September. Der hier stattgehabte Cougreß der deutschen Gewerbegerichts, vor- sitzenden sprach sich nach einem Referat des Magistrat»- affeffors Dr. Kuno-Berlin über die künftigen JnnungßschiedS- gerichte und da» Gewerbegericht fast allseitig dahin an», daß der gewerbliche Rechtsschutz durch die Errichtung von Innung»- fchiedSgerichten durchbrochen wird und daß man die Innung»- fchied»gerichte nur als rückständige Form des gewerblichen Rechts ansehen könne, die sobald als möglich zu den Institutionen der Gewerbegerichte ausgebaut werden müffe. Tesche», 13. September. Zu dem gestern hier abge- haltenen deutschen VolkStage, welcher sehr zahlreich besucht war, hatten sich 13 Vertrauensmänner aus Deutsch- Schlesien eiugefunden. Zum Vorsitzenden wurde der bekannte Dr. Schicker gewählt. Al» Redner traten mehrere Abgeordnete auf. Die Versammlung nah« zu» Schluß ein- sttunutg eine Resolution au, tu welcher die Spracheoverorduung für Böhmen und Mähren als Im Widerspruch mit deu bestehenden Gesetzen bezeichnet wird und nur zum größten Schaden der Bevölkerung dieser Provinzen zur Durchführung gelangen konnte. Ebenso wurde der bekannte Schulaotrag als im Widerspruch mit dem deutschen ReichS-BolkSschulgesetz bezeichnet, gegen welchen mau auf der ganzen Ltoie Protest erheben müffe. Bozen, 13. September. In deu Süd-Dolomiteu fand ein großer Wettersturz statt. Da» ganze Gebirge ist ein geschneit. I« deu Thälern find wolkeubrucharttge Regen ntedergegaugeu. Budapest, 13. September. Der Erfolg der Schnell- feuer-Kauouen wird von militärischen Kreisen als großartig bezeichnet, sodaß deren Einführung bei der ganzen Armee zweifellos ist. Der Rückschlag betragt kau» 50 Ctm. Budapest, 13. September. In einem von der Oberstadt« hauptmaunschaft bezüglich der von der Socialdemokratie geplanten Demonstration anläßlich der Anwesenheit Kaiser Wilhelms veröffentlichten Communiquö heißt es, daß bet der Polizeibehörde eine Anmeldung einer Versammlung von Arbeitern nicht erfolgt sei. Sollte dies aber geschehen, dann werde durch die Stadthauptmaunschaft auf Grund des Gesetzes erwogen werden, ob die Demonstration mit Rücksicht auf die Drohungen der Socialdemokraten gestattet oder verboten werden soll. Triest, 13. September. Ein furchtbarer Cyklou, untermischt mit Gewitter und coloffalem Hagelschlag, richtete in der Stadt und Umgegend großen Schaden au. DaS Lloyd«Arsenal sowie die Llohd-Hafen-Anlage in Serwata find arg beschädigt. Die Ausschiffungsanlagen find derart demolirt, daß die Zufuhr von Eisenerzen auf lange Zeit unterbrochen ist. Ein englisches Schiff konnte heute Mittag erst in See stechen. Pari», 13. September. Der König von Siam besuchte gestern vormittag den Jnvaltdeopalast und den In- oalidendom, später den Eiffelthurm. Nachmittags fuhr er zum Wettrennen nach Longchamps. Madrid, 13. September: Die Carltsten CatalonienS orgauifireu eine rege Propaganda. Der Papst intervenirte energisch, einen Bürgerkrieg zu verhüten. Madrid, 13. September. DaS hiesige Carlistenblatt „Corveo" wurde wegen Aufreizung zum Bürgerkrieg mit Beschlag belegt. Madrid, 13. September. Aus Havanna wird gemeldet, daß der Gouverneur der Provinz Santa Clara anläßlich der Ermordung des spanischen Mtutsterpräfideuten CauovaS etoe achttägige öffentliche Trauerfeter anordnete. Eine große Anzahl Familien kam der Verordnung nicht nach. Sie wurden deshalb verhaftet und tnS Gefängniß abgeführt. Valencia, 13. September. Einer hiesigen Zeitung zufolge ist in verschiedenen Ortschaften in der Umgegend der Aussatz auSgebrochen. DaS Blatt nennt über 20 Ortschaften, in denen ganze Familien von dieser Krankheit befallen sein sollen und protestirt heftig dagegen, daß die Regierung alle Maß- regeln vernachlässigt, um dem Uebel zu steuern, tu welchem e» eine Gefahr für ganz Europa steht. London, 13. September. Der Walfisch-Dampfer Navarch wurde im arktischen Meere vom Eise zerdrückt. 42 Mann der Besatzung ertranken, nur 6 konnten gerettet werden. Berlin, 14. September. Die Flottenfrage bildete den Gegenstand eingehender Erörterungen in einer öffentlichen Versammlung, welche die Abtheilung der deutschen Colonial-Gesellschast in Berlin gestern Abend einberufen hatte. Drei Redner behandelten die Frage vom allgemeinen politischen, fachmännischen und handelspolitischen Standpunkte auS. Eine Resolution zu Gunsten der Flotten«Vermehrung wurde einstimmig angenommen. Dieselbe soll dem deutschen Kaiser übermittelt werden. Berlin, 14. September. Entgegen einer anderweitigen Meldung wird der „Staatsb.-Ztg." mitgetheilt, eS sei bisher von keiner Sette der Versuch gemacht worden, den früheren KriegSwiuister v. Bronsart von einerReichStagScandtdatur abzubringen. Berlin, 14. September. Wie die „Deutsche Tageöztg." hört, hat Minister v. Miquel den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe dazu bestimmt, seine RücklrittSabsicht vorläufig aufzugebeu. Wien, 14. September. Beim Galadiner in der Ofener Hofburg am 20. d. M. erwartet man den Austausch politisch bedeutsamer Tischreden der beiden Kaiser, worin beide den unerschütterlichen Bestand de» Dreibundes und deffen ausschließlich friedliche Ziele nachdrücklichst betonen dürften. Die Homburger Toaste sollen in Budapest Ergänzung und Bekräftigung finden. Pari», 14. September. Der König von Siam dinirte gestern Abend mit seinem Gefolge im Eltsee. Heute fährt er mit dem Präfidenten Faure nach St. Quentin, um der Truppenschau betzuwohoen, die den Abschluß der Manöver in Nordfrankretch bilden. Wie verlautet, wird der König nach seinem Besuch am englischen Hose incogoito nach Part» zurückkehren, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt unbehelligt besichtigen zu können. Cxe sein soll, wurde bei einem Besuche seiner Heimath ergriffen. • * Sludeuteustreiche. Der „Mainzer Anzeiger" meldet: Zwei auf einer Serienreife begriffene Studenten wollten am Samstag Morgen durch einen Lohnmann sechs schwere filberne Eßlöffel beim Taxator Herrn Sator in der Stadthausstraße versetzen lasten. Die Polizei, davon verständigt, erfuhr durch deu Lohnmann den Aufenthalt der beiden in Geldnöthen befindlichen Studenten. Die angegebenen Personalien waren richtig, ebenso daß die silbernen Löffel Eigenthum des einen der Beiden waren und zwar ein Pathengeschevk, von dem jeder Löffel mit dem Monogramm deS Beschenkten gezeichnet war. Fürsorglich waren die Löffel mitgenommen worden, damit, wenn auf der Reise der „Draht" auSgehen sollte, noch etwas zum „verfilbern" vorhanden wäre- • • Wetterbericht. Auch heute bestehen zwei Maximal- gebiete, das eine über den britischen Inseln, da» andere im Innern von Rußland. Im hohen Norden ist der Rand einer neuen Depression erschienen, während im Mittelmeer, gebiet ein ausgedehnte», wenn auch flache» Minimum mit mehreren sekundären Kernen besteht. Diese beiden Depressionen find durch eine Furche verbunden, die von den beiden russischen Ostsee-Provinzen über Polen und Ungarn bis zum Mittelmeergebiet verlaufen. In Süddeutschland ist bei dieser Drnckoertheilnng das Wetter anhaltend trüb und kühl, wenn auch die Niederschläge nachgelassen haben. Nordwest-Dentsch- land und Frankreich haben heiteres Wetter. — Voraus- |R>1 16 fltoU J 8“ -°°d,. .>°hl «»Ni,fcbee * * «Ä **** A leD Hoheit r”b «*t z' ü. 'ber 1897, 5taßW. Hvhrtt. ?£*■ fate l',Dtl’i« iln =6. ÄMWen. i^anbtloamtu I,‘«i Gilt» tob l,')®'6«. St. H5, ■ «lt 8«hm, feoiningen |!B. * 16. In»«. I1 5Dt'(ßtibgarbt.) 'b ®6|or aaarea »h. Matts' 1 Frtrd« Sranbcnbuto.) dr «Lt, Dom Inf., 116/ jum übet« "en, Hauptmann Mein (2. Sroßh. on, vom 6. Großh. orcn aggrezttt. d kam es zivischeu ld .LvnvetKüvn", Mto uob Aus. d)t hatten, zu einer |lt unb Biergläser, Börsen und mußten >it Kindern sich be« ht eia GlaS an den ls 10 junge Leute ben UnsugS zur An« mehr oder weniger htlich wird die Be« ifclidjt werden, daß jin vergeht. (Sian glteder bii Tonver« ’gttn. Red.) tlassung kommenden besonders sreudtgeS Dtx Solbat Raubel tz, aus rpvtba m Morgen mit seinem ,16 Motiv der That Streiken an seinen Anstellung gesunden n wäre, alS Soldat rstrast sei und somit rechnen könnte, ziehe u er würde eS nicht ltviloerhSltniß einem im Herren ju em« f ttOi) den Sonntag 'tferöelltb mit ihnen Was Itii, t wurde nach '9m •tffts * Sw* fi. «•« j zu Haust sti° loll/ ;6 ergriffen- :Ä*S "" M**6* 1 ‘S» * it« v'v w n«t« «8*® 60» W ifaÄ utllllfl“ JfSf i* » SRafi«“1' ta*^ S«-; °°d 6-1 * ?S'&* sichtliche Witterung: Wolkiges, ziemlich kühle- Wetter mit stelleowetien Niederschlägen. 4- Nidda, 14. September. Zur Warnung. Bon zwei mit Holzkleinmachen gemeinschaftlich beschäftigt gewesenen Jungen hiesiger NachbarSleute hackte einer au- Unvorsichtigkeit dem Anderen gestern Nachmittag einen Finger theilweise ab. — Der ärztliche Kreisverein unsere- Bezirks hielt gestern Abend in der Ludwig-Halle dahier eine Conferenz mit darauf folgendem gemeinsamen Esten ab. §8 Herchenhain, 11. September. Der Bau der hiesigen Gemeinde.Wasserleitung ist nunmehr beschloffene Sache und ist infolge besten seit einigen Tagen mit den Vorarbeiten begonnen. Bei den AufgrabungSarbetten ist noch eine seither unbekannte Quelle oberhalb deS Ortes entdeckt worden, welche dem Unternehmen sehr zu gute kommt. Eine Firma aus Fulda hat den Bau übernommen. §§ Bo« höhere» «ogettberg, 12. September. Die Himbeeren-Ernte in hiesiger Gegend, namentlich im Oberwald, ist jetzt beendet. Die ärmeren Bewohner unserer Gegend hatten auch diese- Jahr wieder einen schönen Erlös daraus erzielt. Darmstadt, 13. September. Wie die „N. Heff. Blk-bl. vernehmen, hat Se. Kgl. Hoheit der Großherzog Seiner Majestät dem Kaiser Nicolaus ein größeres Terrain auf dem oberen Thetle der Mathildenhöhe, wofelbst sich eben das sogen. Herrschaftshaus befindet, zur Verfügung gestellt und will der Kaiser an dieser Stelle auf eigene Kosten eine griechische Eapelle errichten lasten, da die sich hier und in Frankfurt aufhaltenden Rusten, welche dem orthodoxen Gottesdienst beiwohnen wollen, zur Zeit stet- nach Wie-, baden ober Homburg reisen wüsten. Die Pläne zur Capelle find dem Vernehmen nach durch Herrn Profeffor Baurath Hofmann angefertigt und die Vorarbeiten bereit- so wett vorgeschritten, daß möglicher Weise schon bei der demnächstigen Anwesenheit der russischen Majestäten die Grundsteinlegung erfolgen kann. 4- Seligenstadt, 12. September. Im südöstlichen Thetle unserer Stadt, an der Stelle, wo Gustav Adolf, Köutg von Schweden, am 25. November 1631 die Gemetndedeputation empfing, welche unter Ueberreichung der Stadtschlüstel die Gnade de- Sieger- für Seligenstadt erbat, prangt gegen» wärtig die schön renovtrte evangelische Kirche, da- erste durch Mittel de- Gustav«Adolf.Vereins tu Deutschland erbaute Gotteshaus byzanttnischen Styls, im Festgewande. Denn am 26. l. Mts. begeht unsere evangelische Kirche das 50jährige Jubiläum, au- welchem Anlaste die um. faffendsten, theil- sehr nöthig gewesenen Reparaturen und Erneuerungen vorgenommen wurden, was einen Kostenaufwand von etwa 4200 Mark verursachte, welcher nur -um Theil durch Beiträge der Gemeindeglteder und Stiftungen gedeckt ist, sodaß hinsichtlich deS Reste- die Aufnahme eines AulehenS erforderlich ist, wenn nicht durch weitere Schenkungen das Fehlende beigesteuert wird. △ Mainz, 13. September. Die U e b e r s ch w e m m u n g S. gefahr ist im Abnehmen begriffen. Don dem ganzen Ober, rheiu wird Stillstand oder langsames Fallen gemeldet. Hier, wo seit SamStag die niedergelegenen Ufer überfluthet find, ist da- Master in verflostener Nacht noch eine Kleinigkeit gestiegen und zeigt der Pegel gegenwärtig 3,72 Meter. In dem Ried und in den Niederungen zwischen hier und Bingen hat das Hochwaster schon beträchtlichen Schaden angerichtet, indem die Früchte großer Feldcomplexe durch das Master vernichtet sind. — Die jüngst aus der Kupferberg'schen Druckerei und dem Verlag deS „Mainzer Anzeiger" gegründete Actiengesellschaft „Mainzer BerlagSanftalt und Druckerei" hat für Mk. 350000 einen größeren Hauser« complex erworben, wodurch das Actiencapital auf eine Höhe von 1 Million gebracht ist. △ AuS dem Rheingau, 13. September. Auf der in Diez abgehaltenen 76. Generalversammlung der Land« und Forstwirthe Nassaus wurden dem WeingutSbesttzrr Jul. MulheuS in Eltville für seine zur Ausstellung gebrachten 1895er Weine, eigenes WachSthum, von der Prüfung«. :ommission die silberne Medaille und acht Ehrendiplome zuerkannt. DwttWfrteSw * Braunfels, 12. September. Der gestrige Tag war für unsere Stadt ein Festtag seltener Art. Unser Reichskanzler, Fürst Hohenlohe, beehrte und erfreute Braunfels mit seinem Besuche. Der Anlaß war die Anwesenheit seines Sohne« Prinzen Alexander und dessen Gemahlin (der früheren Fürstin Emanuela zu Solms) auf hiesigem Schlosse, die mit den Kindern des Fürsten Georg, dem minorennen Fürsten und dessen Schwestern, zur Zeit auf Schloß Braunfels weilen. Die Nähe Homburgs, wo der Reichskanzler den Manöver« ragen und der Zusammenkunft des italienischen KöntgSpaareS mit unserem Kaiserpaare beigewohnt hatte, machte den Be« such von Braunfels, auch die Sehenswürdigkeit seines Schlosse-, einladend. Um etwa halb sieben Uhr kam der Reichskanzler auf dem Schlosse an, und soweit die Einwohner die Ankunft vernommen hatten, waren die Häuser zu Ehren de- hohen Gastes beflaggt. Rasch aber verbreitete sich dann die frohe Kunde und die Vereine der Bürgerschaft ließen es sich nicht nehmen, dem allverehrten hohen Herrn mit Fackelzug, Lieder, grüß und feierliche Ansprache ihre Huldigung darzubringen. Um halb neun Uhr füllte sich der weite Schloßhof mit dem größten Theile der Bewohner von Braunfels, Fackeln und Lampions beleuchteten die hohen Bauten, farbiges Licht bestrahlte die mächtigen Mauern der Thürme. Herr Bürgermeister Weber trat dann vor und feierte mit kräftiger Stimme den Reichskanzler als den bewährten Rathgeber unseres kaiserlichen Herrn, ihm für seine treue Arbeit noch viele Jahre Kräfte wünschend. Ein donnernde- Hoch schloß die schöne Ansprache. Dann folgten passende Lieder de- GefaugvereinS, woraus sich der Reichskanzler den Bürgermeister, sowie die Führer ber Vereine, Baumeister Seiler und Hauptlehrer Beckert, dorstellen ließ und ihnen zur Verkündigung an die Bewohner von Braunfels feinen Dank für die dargebrachte Ehrung in feiner herzlichen, schlichten Weise aussprach, dabei betonend, daß ihn solche besonder- erfreue hier, in der Rhein- irovioz, wo er einst feine Beamtenlausbahu als AuScultator u Coblenz angetreten habe. Dem hohen Auftrage gemäß ergriff dann der Bürgermeister nochmals das Wort, um den Dank des Reichskanzlers, welcher die kühle Nachtluft meiden mußte, zu verkünden. Ein nochmaliges Hoch beendete die Feier. — Wenn wir fo die Huldigung Patriotischer Männer ür unseren Reichskanzler geschildert haben, deffeu Verdienste um da- Vaterland als Minister, Förderer deS Zollverein-, Bevollmächtigter de- Berliner CongreffeS, Botschafter in Pari-, Statthalter der Reichslande, die Reich-kanzlerwürde als naturgemäße Krönung einer fegensreichen patriotischen Laufbahn erscheinen laffen, so lehrt ein Blick in die Geschichte eine- altedeln Hause-, daß auch seine ältesten Ahnen schon zur Hohenstaufenzeit daS kaiserliche Vertrauen genoffen haben. Sein Ahne Gottfried von Hohenlohe war der Vertraute Kaiser Heinrich- VI., deS Sohnes von Friedrich Barbaroffa. In der Regierungszeit Kaiser Heinrichs hat der Ahne unseres Reichskanzlers an den Kriegszügen seine- Herrn Theil ge« nommen, der sein Erbe, die Krone Italiens, mit ber deutschen Krone zu vereinigen trachtete. Noch in unseren Tagen trug Castell Monopoli in Apulien das Hohenlohe'sche Wappen, die drei Leoparden. Damals war der deutsche Name verhaßt in Italien und heute ist er dort ein FreuudeSname. Und wieder ist, nach 700 Jahren, ein Hohenlohe einem deutschen Kaiser nahe gewesen bei einer festlichen Zusammenkunft, wo die Träger der Kronen Italiens und Deutschlands in treuer Freundschaft vereint waren. — Der Wunsch, daß dem Reichskanzler noch viele Jahre segensreichen Wirkens beschieden sein möchten, wird im ganzen Vaterland gethetlt, denn reiche Ec. fahrung ist unschätzbar und freundliche Art gewinnt die Herzen. (Wetzl. Anz.) • Limburg a. L., 9. September. Die hiesige Strafkammer verurtheilte den frühern Kasfirer des Vorschußvereins von Frickhofen, Anton F. wegen Schädigung seines Instituts durch Unregelmäßigkeiten in der Geschäft-führung um etwa 32,000 Mk., von denen 8000 Mk. unmittelbar unterschlagen waren, zu drei Jahren Gefängniß. Ein wegen Beihlllfe mit angeklagter Lehrer a. D. wurde freigesprochen. * Frouhausen, 13. September. Vom Tode des Ertrinken- gerettet wurde das dreijährige Töchterchen einer hiesigen Familie. Dasselbe, auf dem Hofe spielend, kam an ein Faß, in dem Regenwaffer angesammelt war. Es beugte sich darüber und stürzte hinein. Der hinzukommende hiesige Schornsteinfeger Herr Sch leig er befreite es aus seiner Lage und war deS Kindes Körper schon ganz blau angelaufen. ♦ Kassel, 12. September. Die hiesige Ferien«Straf kammer verurtheilte den Arbeiter Johanne- Muster von hier wegen Majeftät-beleidigung in fünf Fällen, sowie Be drohung und Körperverletzung zu sechs Jahren Gefängnih. Die Majestätsbeleidigungen waren zum größten Theile im engeren befreundeten Kreise gefallen und später ctngetretene Zerwürfnisse hatten zur Anzeige geführt. • Frankfurt a. M., 13. September. Man schreibt der „Franks. Ztg.": Die heimgekehrten Manöver-Soldaten loben die Aufnahme, die sie bei der ländlichen Bevölkerung gefunden haben. Sogar sehr arme Leute thaten ihr Beste«, um die Krieger unterzubringen und zu beköstigen, so gut eS eben bei dem Mangel, der fast an allen Dingen herrschte, möglich war. Nur in der reichen Stadt Frankfurt war das nicht überall der Fall. Hier wurden z. B., um einen besonder- unliebsamen Vorgang zu erwähnen, zwei Compagnien, die fünfte und die achte deS Hessischen Leibgarde-Regiments Nr. 115, in einen noch nassen Neubau an der Bornheimer Landstraße eingepfercht, in dem noch die Handwerker be schästigt waren. ES fehlte hier an Allem, selbst an ge- trügendem Stroh, und die Gardisten mußten sich, um sich Überhaupt waschen zu können, der Maurereimer bedienen. Von einer Erquickung nach den anstrengenden Tagen war natürlich gar keine Rede. In der Mörfelder Landstraße sollen sogar Soldaten in einem Neubau ohne Fenster untergebracht worden sein! Die Soldaten hatten sich sehr gefreut und tagelang vorher davon gesprochen, daß sie nach Franko furt ins Quartier kämen. Sie zehrten in dieser frohen Voraussicht die gefaßten Rationen unterwegs auf, da in Frankfurt schon für sie gesorgt fein werde. Um fo bitterer war die Enttäuschung. Sie gingen hungrig in den feuchten Quartieren zur Ruhe, uud hungrig zogen sie am anderen Morgen weiter. • Koblenz, 9. September. Die „Cobl. Ztg." schreibt: Trotzdem in Coblenz eine lange Reihe von Jahren hindurch viele Fürstlichkeiten ihre Residenz aufgeschlagen haben, ist der Titel Residenzstadt für Coblenz nie officiell gebraucht worden. In dem Dank deS Kaisers an die Provinz wird nunmehr Coblenz von Allerhöchster Stelle aus als Residenzstadt osfictell bezeichnet, ein Titel, den neben Berlin, Potsdam, Königsberg, Breslau u. f. w. nunmehr auch Coblenz zu beanspruchen hat. Von Seiten der städtischen Behörde find be« reit« Vorkehrungen getroffen worden, daß für die Folge die von ihr ausgefertigten Schriftstücke u. f. w. am Kopfe die Bezeichnung „Residenzstadt Coblenz" führen. • Die besten Kanoniere. Be« dem diesjährigen Wrti- bewerb der sechzehn Fußartillerie Regimenter um die vom Kaiser gestiftete Schießauszeichnung hat die 5. Compagnie des Garde-Fußartillerie-Regiments in Spandau den Sieg errungen. Sie trägt deßhalb feit Donnerstag auf Dem rechten Oberarm das betreffenbe Abzeichen, zwei von einem Eichenkranz umgebene Kanonenrohre. • Plauen i. V., 12 September. Ein 18 Jahre alter Bursche, ben ber Viehhänbler Hahnemann aus Heiner«- borf auS Gefälligkeit auf feinem Wagen mitfahren ließ, hat ben Genannten von hinten mit einem Messerstich ermorbet. Der Mörber raubte feinem Opfer eine Baarfchaft von Citerafcu? uwb Arrnjr. — Die NeichSdruckerei bereitet zur Pariser Weltausstellung von 1900 eine Piawlausa-de des Nibelungenliedes vor. — Es gi't olde Menschen, die stch nur schwer oder auch gar nicht in tadellariichen Werken zurechtfinden können. Insbesondere müssen daher weitläufige Tabellen Überall da vermieden werden wo es sich um Hilssbücher für das große Publikum handelt. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend hat die Verlagsbuchhandlrng von Gerh. Kühtmann in Dresden Die soeben erschienene sechste Ausgabe des ersten Bandes ihres bekannten „Kleine« «itephatt" vom Post- assistenten O. TholotowSky vollständig umarbeiten lasten und ba» durch diese, beliebte Nachschlagebuch für die Allgemeinheit noch brauchbarer gestaltet. Eine weitere Neuerung besteht darin, daß nunmehr auch dieser erste Band außer geheftet für Mk. 1.50, in gleicher Mise wie der zweite — das Orts- unb Zonenverzeichniß - in biegsamem Einband für Mk. 2.- verausgabt wird. Daß alle neuen Bestimmungen, u. a. auch der neue Telegrammtarif rc., Aufnahme gefunden haben, versteht sich bei der Zuverlässigkeit deS Kleinen Stephan" von selbst. Wir können das Nachschlagebuch aus eigener Erfahrung Allen, die irgendwie mit der Post zu thun haben — und dazu gehören wohl die meisten unserer Leser — ange- legentlichst empfehlen.__ IXeitebr, £a«A. «nv I>olt»tx^rtbfcbafL •Mett# 14. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,10—1,25, Hühnereier pr. St. 6—7 2 St. 00 H, Enteneier 1 St. C—00 4, Otafe* * der pr. St. 00-00 H, Käse pr. St. 5-8 H, Käsemade pr. St. 3 * Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 27 4, Tauben pr. Pur X 0,55 bi« 0,70, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,10, Hahnen pr.Stück x 0,o0—0,80, Enten pr. Stück X 1,40-1,60, Gänse pr. Pfund X 0,00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 H, Kuh-und Rindfleisch pr. Pfd. 60-66 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bis 72 4, Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 i, Kalbfleisch Pr- $f^ 56-60 * Hammelfleisch pr. Pfd. 50-66 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,(0 Ml 7,00 x, Weißkraut pr. Stück 0--00 H, Zwiebeln pr. Gcnthci X 7,00—0.00, Milch pr. Liter 16 H. 400 Mk. und fuhr mit dem Wagen nach dem nächsten Ort, wo er die darauf befindlichen vier Schweine verkaufte. Die Leiche des Viehhändler- wurde im Walde verscharrt gesunden. Näheres über den Mörder ist bisher nicht bekannt. • 23,000 Mark ftrtgeschwommeu. Au- Löwenberg in Schlesien wird geschrieben: In der SchreckenSnacht vom 29. zum 30. Juli d. I. ist ein dem Tischlermeister Mannich in Steine gehöriger, zwei bi- drei Gentner schwerer und auf einem hölzernen, schrankartigen Untersatze ausgeschraubter, eiserner Kasten durch da- Hochwasser fortgerissen worden. Der Untersatz wurde Tag- darauf zu Röhr-dorf grfl. im UeberschwemmungSgebiete gefunden, freilich zum Schrecken deS Besitzers ohne den eisernen Kasten, nach dem noch heute gefahndet wird. Man vermuthet, daß er durch feine Schwere in bas Kiesbett de« Bobers eingesunken ist und darin be- graben liegt sarnmt seinem werthvollen Inhalt. ES befanden sich nämlich darin außer etwa 23,000 Mk. in Gold mtd Goldwerth noch zwei Sparkassenbücher über 4038.93 Mk. und 4059.87 Mk., dazu zahlreiche Belege und Rechnungen für 1896/97. Ä t • Bamberg, 7. September. Eine Blüthe des Sub- missionswesens erregt hier Aufsehen. Die eisernen Geländer an den QuaiS sollen neuen Anstrich erhalten. Bet der ersten Submission stellten die größeren Meister Angebote von 30 bis 35 Pfg. für den laufenden Meter- darauf hin wurde eine -weite SubmisfionSverhandlung anberaumt, bei welcher ein Kleinmeister sich erbot, um 5 Pfg. den Anstrich auszuführen. Der Magistrat hat diesem den Zuschlag er- theilt, ihm jedoch auch da« Recht de« Verzichtes eingeraumt, wenn er nicht auf seine Kosten komme. • Ein internationaler Kongreß zum Schutze insecten, fressender Vögel soll auf Betreiben von LouiS Adrien Levat, dem Vorsitzenden der Ligue frangaise omithophile, im October dieses Jahres abgehalten werden. ES handel: sich dabei um einen Gegenstand von proctischer Bedeutung, der nur auf internationalem Wege gefördert werden kann. Bekanntlich fällt alljährlich eine große Zahl unserer heimischen Singvögel bei ihrem winterlichen Aufenthalt in süd- sichen Gegenden, wo eS um den Vogelschutz noch schlechter bestellt ist, als bet uns, den Vogelstellern zum Opfer. Da diese Vögel zumeist auch nützliche Jnsectenfänger find, so würde ein internationaler Schutz derselben doppelt zu wünschen sein. • Raritäten. Vor einigen Jahren hatte ein Pariser Händler mit Antiquitäten und Kunstsachen in seinem Laden die Haut der Schlange auSgehäugt, die Eva verführt hatte. Adam hatte die Schlange nachher erschlagen. Die Haut vererbte sich unter seinen Nachkommen in Asien, wie eö eine Menge Zeugnisse bestätigten, die der Händler vorlegte. Jetzt hat, laut der „Voss. Ztg.", ein Haarkräusler im Badeort Bourboule in feinem Schaufenster einen häßlichen Knüttel ausgestellt mit der Beifchrift: „Stock au8 echtem Olivenholz, aus Jerusalem, der Pontius Pilatus gehört hat im Jahre 27 unserer Zeitrechnung, Preis 7000 FrS." Da fehlen bloß noch der Regenschirm des HerodeS und die Brille deS Hohe- pkiesterS KaiphaS. ____ UniverMSts - Nachrichten. Rostock, 13. September. Der Rector der hiesigen Universität, Professor Dr. Berlin, ist heute hier gestorben. — Zürich, 11. September. Die Berufung des Professors Julius Wolf nach Bre-lau ist nun nicht mehr anzuzweifeln. Er wird in einigen Tagen dorthin übersiedeln. Die luristifch-ftaats- wtssenschastliche Facultät der Universität Zürich gab gestern Abend dem Scheidenden bereits ein Abfchiedsessen. m.MESSNER' 1 iees Beliebte Theemischungen doc^ster Lrv.se. 8234 u. 3.50 pr. Pfd. vorzügl. Qual. Probepaofc. 60 u-borr.____— x-, ja» ■ ■ ■ ffV narantirt solide, M- Seidenstoffe es öer(an0e üßufter mit Wngabt b-®tn>unfd)t««ftbrik Qnd a f ij ----~ von Elten & Keussen , Handlang, 01*61610. K 1 "|¥r.tnfifil)t Rkotki-Nerkihnliiizg-AiiSli». |r 1888 gegründet, unter besouderer t stehend. ütt möaeu r 100 3RiIIinnen 9T?nrf. ff.kxi____ mö^ltttts'ZiÄEr zu vermikthen. 24. I. 8395] Ein unmJbf.irt^g Zimmer an einzelne Person zu v-.rmiethen. Dammstr. 22, L 8349] Zwei schön möblirte Parterre- Zimmer an einen ruhigen Herrn sofort zu vermiethen. 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