sn. uvro : sich INI ooDTOooaoooagB K 3QOOOOOO lichen Nachbarschaft, q 10979 l am Nn )696 ?ebene 11197 * 8te Briefpapiere lellschafteapiele y antiquarische ndschriften. , §k^ n, u o Der ragcszeil- o : M 5* W 5 M 8 W 5 Z « M äfer. o ^00000 Nr. 292 Drilles Blatl. Sonntag den 12. December 1897 Der ^Ufctutr *tqeigtr erscheint täglich, ®Ü LuSnahmr de» Montag«. Li« Gießener K«»ttt«»ötL11er werden dem Anzeiger WAch«ltlich dreimal beigelegt. Meßmer Anzeig er Keneral-Wnzeiger. vierteljähriger Avonncmeatspreir» 2 Mark 20 Pfg. mtt vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. vedaction, und Druckerei: -chutstraßeKr.^ Fernsprecher 5L Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gietzen. । _ i । ii - । . ■ . , , — । ' - . >»»»»—»°. ,u «»chmina^ für d-> t4»ieö-ner ^inmilrenKfäNer »->°°n-n-.Bur-°°k d„ In. m,d -U-I°nd., nch— Mgenden Dag erscheinenden Nummer bi« vorm. IO Uhr. | Anzeigen für den „Greßener Anzeiger entgegen. Deutsche» Reich. WBerltn, 10. December. Auf Veranlassung des preußischen SlaatSmintsteriam« ist eine Commsssion, bestehend auS Vertretern der betheiligten Ministerien, zur Berathung der Frage zusammengetreteu, in welcher Weise den bestehenden Mißständen tm Baugewerbe entgegengewirkt uad ein Schutz der Bauhandwerker gegru Ausbeutung herbei- geführt werden könne. Aa den Berathungeu dieser Com- mtifionen haben auch Vertreter de» ReicbSamtS des Innern und der Justizamts theilgevommen. Die Commsifion hat die Sntwüise eines Re'chSgefetzeS, betreffend die Sicherung der Bauforderungen, und eines preußischen AuSführung«gesetze», ausgearbeitet. Das StaatSmir tstertum bat, ohne zunächst selbst zu den Emwürsen Stellung zu nehmen, beschloffen, diese nebst der Begründung zu veiöffeoUichen. Demgemäß werden die Entwürfe in den nächsten Lagen durch den „ReichS- anzeiger" mttaetbext werde« Locale» und protrinsteUe»» P. Butzbach. 9. December. Das nächste Jahr wird unserer Stasr eine Ausstellung O^erhefstscher Industrie- und Gewerbe-E zeugniffe bringen. Der hiesige Gewerbe- Verein hat daS Uaternehmen iu die Hand genommen und ist mit den Vorarbeiten in voller Thättgkeit. Einladungen an die Jntereffeuren unserer Provinz find ergangen und zwar mit gutem Erfolg, denn Anmeldungen zur Ausstellung treffen fortwährend ein. B S jetzt werden neben gewerbi chen Arbeiten jeglicher Art auch die Eisenindustrie und der Bergbau vertreten sein. Einen Hauptpunkt bet allen Ausstellungen bildet der vörbige Raum zur Unterbringung der AuSstelluugSgegen- stände- dieser ist nun hier reichlich vo Händen, zunächst in der 1000 Quadratmeter großen Markthalle. Außerdem ist aber noch etu großes BeretnShauS im Bau begriffen, dessen Säle eine Gesammtbode» fläche von etwa 700 Quadratmeter haben werden. Beide Gebäulichkeiten liegen nahe bei einander und sollen auch beide für die Ausstellung benutzt werden. Die hiesige Bevölkerung hat große Sympathien für das Unter- nehmen- daS beweist ihr klingendes Entgegerkommen, denn bis heute find 8225 Mk. für den Garanttesonds gezeichnet. Feuilleton. Die deutsche FtoßfrchlKunst. Sin Gedenkblatt für deren Begründer Wilhelm Kreußler 1597—1897. Don Dr. Max Rupprecht. (Nachdruck verboten). Seht ihn blinken In der Linken, Diesen Schläger nie entweiht; Ich durchbohr den Hvt und schwöre: Halten will ich stet« aus Ehre, Stets ein braver Bursche sein! („ßanbtSDater*.) Das Fechten ist, wie da- Singen, Wandern und Trinken, die Lust des deutschen Studenten. Mit jubelnder Freude schwingt er seinen Schläger, läßt er „Quarten schwirren und Quinten pfeifen". Der Fechtboden ist der Studiersaal des Fuchses, der Fechtmeister sein erster Professor. Man braucht kein Verfechter der Duelle und Mensuren zu sein, um dem Feäten das Wort zu redtn. Wird es in mäßigen Grenzen betrieben und artet der Fechter nicht aus, so stellt es eine gesunde Leibesübung dar, welche die Musk-ln stählt und nebst dem Turnen und Wandern ein schätzenswertheS Aequi- valent gegen die verzärtelnde, korp ^schwächende Einwirkung der Stub.n- und Bücherhockerei abgiebt. Früher spielte freilich das Fechten im studentischen L.ben noch eine ganz andere Rolle als jetzt. Ist es doch überhaupt eine sehr alte Kunst, wie uns die Fechterschulen und Gladiatorenkämpfe des Alter- thums beweisen. Die Turniere der deutschen Rilterzeit dienten dagegen nur in beschränktem Maße der Entwickelung der deutschen Fechterkunst. Hier entschied mehr die Kraft als die Gewandiheit; die Vertherdigung beruhte auf der Widerstands kraft des Panzers und Schilde», nicht auf der Kunstfertig, feit der Parade. Daher ist es nicht der Adel, sondern das Bürgerthum, welches die Fechtkunft aus sich heraus neu geboren und großgezogen hat. Die Nothwendigkeit war die Mutter der Geschicklichkeit. Die unsicheren Zustände der Faustrechtsperiode zwangen die Bürger, stets gewaffnet zu erscheinen. M,t dem Waffeutragen war eS aber nicht allein gethan, man mußte auch die Handhabung der Waffe ver- stehen. So bildeten sich mit der Zeit regelrechte Fechtgilden «US, welche es einander zuvorzuthun suchten. Jede hatte ihre Bringt die Industrie OberheffenS der Ausstellung ein ähnliches Interesse entgegen, so kann man der immerhin schwierigen Ausgabe ein schönes Gelingen in AuSficht stellen, daS jeden- falls für daS Blühen unserer Industrie und unseres Gewerbes von Segen sein wird. PcrmtfcM*»» • Sarusee, 9 Drcember. Auf dem Eise drS Brauhaus- BerS brachen sechs Knaben ein, drei konnten gerettet werden, drei ertranken. E» find titß der 14jährige Sohn deS Kämmerer« N ckel, der 16jährige Sohn deS Töpfermeisters Burke u d der 17jährige Sohn deS Schuhmachers Bökmann. Der Fischer Gnuichk-, ein kräftiger Mann, der sich am See- user befand, wurde flehentlich gebeten, Hilfe zu leisten. Der Mann, der dies ohne Lebensgefahr hätte thun tönen, lehnte es jedoch ab und fagte: „Wer bezahlt mir da»?" *Uauai. W., 9. December. Der gesammteMagistrat unserer Stadt, der fich sonst sehr durch Ruhe und Ordnung auszeichnet, hatte am 29. November vor dem Schöffengericht in Dortmund zu erscheinen. Er war von dem Kaufmann G. Bmdel wegen Beleidigung verklagt. Im Mat dS. IS. wurde hier die Wahl einer Linie für die Unna mit den Nachbarorten verbindende elektrische Straßenbahn berathrn. Es lag Anfangs nur ein Project Overweg-Hihmann vor, wobei die Stadt nur unwesentlich berührt werden solle, um zu vermeiden, daß die Straßenbahn daS Eisenbahngelei» überschrette. Später reichte eine Kölner Firma ein anderes Project ein, daS die Berhäitntffe der Stadt besser berück- fichitgte. ES wurde ein Bürger-Comitü gewählt, das die Sache der Bürgerschaft b'ffer vertreten solle- Bindel wurde Vorsitzender. Dieser veröffentlichte nun einen Artikel, in de« behauptet war, daS Projekt der Kölner Firma sei schon längst eingeretcht, eS liege bet der Bürgermetsteret und werde unbegreiflicher Weise liegen grlaffen. Im Namen de» Magistrats antwortete der Bürgermeister Koch tu scharfer Wetse, Bindel erwiderte, der Bürgermeister ergriff nochmal» die Feder und veröffentlichte einen ungemein scharfen Artikel gegen Bindel. In letztere« war von bewußter Unwahrheit, dreister Stirn und sonstigen Liebenswürdigkeiten die Rede, so daß Bindel besonderen Geheimnisse und Kniffe. Berühmt geworden ist als eine der ältesten (oder die älteste überhaupt) die Brüderschaft von St. Markus in Frankfurt am Main. Wie im Thüringer Volksfreund vom Jahre 1829 berichtet wird, stand dieselbe unter einem Hauptmanns und vier Meistern, den besten Fechtern mit dem Schwerte in den freien Städten. „Dadurch, daß die Fechtergilde jeden, der als Fechter auftrat, zu einem Weltkampfe forderte, und in demselbm ihm so zu- setzte, daß er entweder ganz vom Fechten abstand, oder bei ihnen in die Schule ging, erhielt dieselbe solchen Ruf, daß auch der, welcher des Fechtens kundig war und eine Fechtschule in Deutschland errichten wollte, in der Herbstmesse nach Frankfurt ging, um fich von den „Meistern des Schwertes" probiren zu lassen, welches darin bestand, daß der Hauptmann und die vier Meister öffentlich mit ihm kämpften. Bestand er die Probe, so wurde er auf Geheiß des Hauptmanns öffentlich mit dem großen Prunkfchwerte kreuzweis über die Lenden geschlagen, und nachdem er zwei Goldgulden für die Brüderschaft auf dasselbe gelegt hatte, empfing er die „Heimlichkeiten", welche in allerlei Kunstgriffen des Schwertes bestanden, und die er schwören mußte, feinem Anderen zu vertrauen. Von nun an durfte er das Fechten in ganz Deutschland lehren und das Wappen der Brüderschaft, einen Löwen, führen". Eine andere solche Fechtergilde waren die „Freifechter von der Feder von Greifenfels", deren Mitglieder als Lehrer der Fechtkunst auftraten und förmliche Lehrbriefe ertheilten. Mehr und mehr kam nun das Fechtwefen auf den Unb verfitäten in Schwung. In der Geschichte der Universität Jena wird schon um 1550 ein Fechtmeister erwähnt, wie sich hier überhaupt die berühmtesten Fechtmeister, die Kreußler und Roux, einen Namen machten. Die Universität Jena erscheint überhaupt als d ejenige Hochschule, wo PennalismuS (die Herrschaft der älteren Studenten über die Neuangekom« menen) und Duellwesen am meisten überhand nahmen und sich am längsten hielten. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts fochten daselbst die Studenten ihre Händel auf offenem Markte aus. Erst das sogenannte „Duellmandat", welches 1767 erlassen wurde und diese „Marktschlägereien" mit schweren Strafen — 1 bis 2 Jahren Festung — belegte, machte dem Unwesen ein Ende. Aus dieser Zeit datirt folgende ergötzliche Anekdote: „Ein geborener Jenenfer stand eben im Begriffe, auf dem Markte einen Streit auszntragen. Strafantrag stellte. Die Sache kam nicht am hiesigen Amts- gerichte zur Verhandlung, weil in einer kleinen Stadt zu befürchten war, daß in dieser Angelegenheit Befangenheit herrschen könne. Durch daS am Montag verkündete Urtheil wurden Bürgermeister Koch und die sämmtlichen Mitglieder de» Magistrat» bestraft, und zwar der Bürgermeister mit 100 Mk, die Magistrat-Mitglieder zu je 50 Mk. Geldbuße. In der Begründung wurde gesagt, die städtische Behörde solle der Bürgerschast mit gutem Beispiele vorangehen und nicht selbst in den Fehler persönlicher Verunglimpsung verfallen. Gegen Bindel ist ebenfalls wegen seine» Artikels Anklage erhoben- diese kommt aber vor der Straskammer in Dortmund zur Verhandlung. • Die höchste Summe, die je für einen sprechenden Papagei geboten wnrve, dürste wohl 30000 Mk. sein, dte ein enthusiaS- mirter Amerikaner dem Besitzer des „Champion-Papageis" offrrirte. Mr. Grant Ridleh, der mit seinem Jacob mehr als 10000 Mk. jährlich verdient, nahm dieses Anerbieten nicht an und würde den wunderbaren Vogel auch für daS Doppelte nicht hergeben. DaS seltene Thier besitzt in der That einen Weltruf- eß spricht drei Sprachen und zehn Dialecte und hat vollkommene Herrschaft über nahezu 4000 Worte. Jacob setzt nie einen Satz uncorrect zusammen und antwortet stet» in dem Idiom, in dem er angeredet wird. Bedient man sich jedoch einer Sprache oder eineß Dialekt», der ihm unbekannt ist, dann sieht er den Frager etwa» eigen- thümlich von der Seite an und schüttelt sein befiederte» Haupt. Mr. Ridleh reift mit seinem Papagei in der ganzen Welt umher und Überall wird Jacob regelrecht interviewt. Für einen Papagei, der baß Vaterunser in sechß verschiedenen Sprachen hersagen konnte, wurde vor Kurzem von der österreichischen Erzherzogin Stefanie 1500 Mk. gezahlt. Alß da» kostbare Thier fich jedoch in der Wohnung der Erzherzogin befand, konnte man nicht ein Wort von ihm heraußdekommen. Der Verkäufer wurde wegen Betruges verklagt und da stellte eß fich heraus, daß er Bauchredner war und dem Vogel cur beigebracht hatte, den Schnabel zu öffnen und zu schließen, während er selbst durch seine merkwürdige Kunst die Worte so hervorbrachte, daß Jeder tm Glauben war, der Vogel spräche. Ein Papagei, der thatsächlich 250 Worte sprechen Sein Vater, ein Rathsherr oder gar Bürgermeister der Stadt, bemerkte dies vom Rathhause aus und rief ihm aus dem Fenster desselben zu: „Fritz, halt Dich gut sollst auch einen neuen Rock haben I" Noch als Schiller nach Jena kam, waren die studentischen Sitten freier als anderswo. „Daß die Studenten hier was gelten", schreibt er am 18. August 1787 an Körner, „zeigt einem der erste Anblick; und wenn man sogar die Augen zumachte, könnte man unterscheiden, daß man unter Studenten geht, denn sie wandeln mit Schritten eines Niebefiegten . . . Man hört auch wenig nvljt von Duellen; doch vergeht keine Woche ohne irgend eine Geschichte". Die J-nenser Studenten waren vor Allem ihi>r Fechtmethode wegen gefürchtet. Allenthalben war das Säbel- oder Hiebfechten üblich. In Jena aber hatte der Fechtmeister Wilhelm Kreußler das Stoßfechten aufgebracht, das durch feine Söhne und Enkel noch vervollkommnet wurde Die neue Fechtart machte viel Aufsehen und trug ihrem Begründer viel Ruhm ein. Selbst im Auslande schätzte und sürch- tete man die neue Kunst, wie aus nachstehender Mittheilung Kahns vom Jahre 1751 hervorgeht: „Zwei Cavaliers, welche in Jena lange fiudirt, und davon der eine als Präsident in Weimar gestorben, haben sich zu Anfang dieses Säculi (1700) 2 Jahre als Passagier in Paris aufgehalten, und ihres Fechtens wegen große Ehre eingelegt. W,e denn zu ihrer Zeit Niemand in Paris zum Fechtmeister erwählt worden, er habe denn mit diesen Herren gefochten und ihren Beifall verdient". Ueber Wilhelm Kreußler, den Begründer der deutschen Stoßfechtkunst, finden wir in einem 1858 erschienenen Werke über Jena von Carl Schreiber und Alexander Färber einige biographische Notizen, deren Wiedergabe von Interesse fein dürste. Danach wurde Kreußler 1597 zu Niederhadamar in Nassau geboren. (Andere geben 1592 als fein Geburtsjahr an.) Sein Vater war Schulmeister. Kreußler ging im Alter von 21 Jahren nach Frankfurt am Main, wo er die Fechtkunst bei den berühmten Markusbrüdern erlernte und die Mitgliedschaft ihrer Gilde erwarb. Bald darauf zog et in Jena ein, wo er 1620 priviligirter Fechtmeister wurde. Länger als fünfzig Jahre war er in dieser Stellung thätig, und unzählige Studenten gingen als treffliche Fechter aus seinem Unterricht hervor Er selbst schied am 18. Januar 1673 aus dem Leben, aber seine Kunstfertigkeit erbte fich in der Familie, die fich durch reichen Kindersegen auszetchnete, kann, ist neuerdings für die Summe vou 1000 Mk. in den Besitz des türkischen Sultan- übergegangen. * Aus einer Dorfschule erzählt das „ßlegn. Tagebl.": Der Lehrer hat den Kleinen die Geschichte von David und Goliath erzählt und fragt nun nach dem Inhalt der Ge schichte. Auf die Frage: »WaS rief Goliath auS, als er den Hirtenknaben kommen fah?- weiß jedoch der Gefragte keine Antwort zu geben. Der Lehrer ergreift nun dea Stock und geht mit drohender Miene auf den Gefragten zu. Da begiont dieser: „Denkst Du denn, ich bin ein Hund, daß Du mit einem Stecken zu mir kommst?" * Daß Berliner Dienstmädchen im Lichte der Statistik. Das Berliner Dienstmädchen stammt nach der städtischen Statistik meist aus Schlesien^ auf 15 Schlesierinnen kommen nur 10 auS Pommern, 8 auS Ostpreußen und 7 aus Posen. Lange scheint eS aber das fremde Dienstmädchen nicht in Berlin auSzuhalteu, von 44,000 zuziehenden gehen 38,000 wieder fort. Die in Berlin verbleibenden haben aber die besten Aussichten, unter die Haube zu kommen, denn zwei Drittel hiervon hetrathen alljährlich. Die Dienst- mädcheu bilden überhaupt ein viertel aller heiratheuden Jungfrauen in Berlin. Freilich scheint der Weg zum Standesamt nicht immer der gerade zu sein, denn die Dienst« Mädchen find mit einem Drittel an den unehelichen Geburten in Berlin betheiligt. Ihre Stelle findet das Berliner Dienstmädchen meist durch die vermittlungSbureaux. Solche qiebt eS in Berlin nicht weniger als 253. DaS Einkommen des Berliner Dienstmädchens ist im Durchschnitt auf 600 Mk. einschließlich Derpfl'gung, Geschenken und Trinkgeld berechnet worden. Lange hält aber daS Berliner Dienstmädchen in einer Stelle nicht aus. Jede Stelle wird 1,24 Mal im Jahre oder alle 9,7 Monate durchschnittlich gewechselt. DaS großstädtische Dienstmädchen der Zukunft entwickelt sich mehr zu einer Art von Tagesarbeiterin. Häufiger Stellenwechsel, kurze Kündigungsfrist, kürzere tägliche Arbeitszeit find die Ziele der jetzigen Bewegung. * Siu Denkmal für die Heide« deß „ZltiS". Den Opfern des Taifun, welche mit dem „Iltis" in den Wäffern Ost afienS ihr Leben eingebüßt haben, soll zu Shanghai ein Denkmal errichtet werden. Die Ausführung des Werkes ist dem Bildhauer August KrauS anvertraut, der beim Wett« bewerb um die Mänade einen TheilpreiS errungen hat und auch als Mitarbeiter beim Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm- hervorragend betheiligt war. Herr Krau» hat zunächst eine Skizze geschaffen, für welche der Adjutant deS Prinzen Heinrich, Eapttän Müller, die Idee angegeben hat. Lin kleines Grauitpostament, das fich auf mehrere Stufen aufbaut, soll einen vom Sturme zersplitterten, abgebrochenen Mast tragen, an welchem die vom Unwetter durch einander geworfenen Ueberreste der Taue herabhängen. Am Fuß des Maste» liegt schräg über dem Postament die deutsche Kriegsflagge, die bi» aus die Granitstufen niederfällt. Die Mitte des Flaggenstockes ist mit einem Lorbeerkranz geschmückt, dessen Schleife die WtdmungSinschrift trägt: „Die Deutschen Ost- afienS". An der Vorderseite deS Postaments soll ein Reliefbild de» Schiffe» „Iltis- eingelassen werden, die anderen Flächen werden die Namen der verunglückten aufnehmen. Mast, Flagge, Lorbeerkranz und Relief» sollen in Bronze gegossen werden. Da» Denkmal wird in den Anlagen der chinesischen Hauptstadt seinen Platz erhalten. Zunächst ist eine Photographie de» Entwurfes an da» Comitöe nach Shanghai gesandt. • Sine französische Bitte au Kaiser Wilhelm. Graf Diou, Vorsitzender deS Automobilclubs de France in Part», will demnächst in Berlin eintreffeu, um dem Kaiser die Bitte zu unterbreiten, er wolle da» Protectorat über die Automobil-Distauzfahrt Paris—Petersburg (3000 Kilometer) übernehmen. Bet dieser Gelegenheit sollen Preise in Höhe von 100,000 Fr. vertheilt werden. * Der Gedanke Andree», den Nordpol i« Luftballon zu erreichen, ist, wie der „Schles. Ztg." geschrieben wird, durchaus nicht neu. Ja dem 1824 erschienenen Roman „DaS fünfzigjährige Dtenstjubelfest" oder „So geht eS in der Welt" von Julin» von Boß erzählt ein junger Techniker in einem Briefe seine Lebensschicksale. Er habe den Gedanken gehabt, mit einem Walfischfünger nach Spitzbergen zu segeln, dort einen Ballon zu füllen und fich mit den daselbst herrschenden Südwinden nach dem Pole treiben zu lassen. Da erfahrungsgemäß bald nach dem längsten Tage der Wind in die entgegengesetzte Richtung umschlage, so glaubte er auch wegen der Rückkehr keine allzu großen Sorgen haben za dürfen, wenn er kurz vor der Sonnenwende den Aufstieg unternähme. Er verstand es, in London wohlhabende Männer für die'en, wie er selber eingefteht, abenteuerlichen Plan zu erwärmen und so die Geldmittel sür sein Unternehmen aufzu br ngen. Doch schon auf dem Wege nach Spitzbergen stellten fich einige Hindernisse in den Weg, sodaß er zum gewünschten Tage nicht ankam- der Wind wehte bereit- au» Norden. Als fich aber drvooch wieder Südwind einstellte, wagte er kurz entschlossen den Aufstieg, wurde jedoch bald von einem au» Norden kommenden Sturm zurückgetrieben. Bet der Canbnng zerriß sein Ballon. Doch da er von dem Walfischfänger bemerkt worden war, wurde er gerettet und nach London zurückgebracht. — Soweit der Roman. Es wäre nun interessant, natzufo scheu, ob in der That damals dieser Plan ernsthaft erörtert wurde, oder ob er lediglich im müßigen Spiele der Phantafie entstanden ist. DaS letzte ist wahrscheinlicher, wenn auch daS erstere nicht völlig ausgeschlossen erscheint. Denn man muß fich erinnern, baß in den zwanziger Jahren infolge der Expeditionen von Roß, Parry und Lyon daS Interesse am Nordpol äußerst rege war, und daß auch andererseits die Luftschifffahrt große Thetlnahme erweckte, wie dies durch die Namen Blanchard, Harris u. a. bezeugt wird. Somit märe e» also nicht uumögltch, daß schon 1824 ein abenteuerlicher Kopf fich mit diesem Plan ernstlich beschäitikt bat. Literatur uufc — Die Aufgabe,» eine» CuUurwerk«» am «ude de» 19. Jahrhundert». Diesem Thema widmet der bekennte Schriftsteller Otto o. Letxner in der Zeitschrift „Nord und Süd" anläßlich der Vollendung der neuen Auflage von Meyers Conver- sattons-Lextcon eine mit leuchtender Klarheit und geistiger Vertiefung geschriebene culturgeschtchtitche Studie. Wir entnehmen der werthvollen, den Gegenstand trefflich kennzeichnenden Arbeit die folgenden interessanten Ausführungen: Die Aufgaben, die ein Con- vnsattons-Lextcon zu erfüllen hat, sind von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gewachsen und damit die Schwierigkeiten, ihrer Herr zu werden. Der Kreis des Wissens hat sich ungeheuer vergrößert und damit die Menge der Stichwörter. Besonders die exacten Naturwissenschaften und die Technik haben eine kaum übersehbare Zahl neuer Vorstellungen erzeugt, die in die Reihe der zu erklärenden Wörter ausgenommen werden sollen, ohne daß datz Alte vernachlässigt werden dürfte. Aber auch die Zahl der Benutzer solcher Werke hat sich unendlich vermehrt. Wie soll nun die Aufgabe gelöst werden? Da muß man zunächst fragen: Wer liest das EonoersationS-Lexicon? Die Antwort lautet beschränkend: Der Fachmann in der Regel nicht, da er die Handbücher seines Gebietes fast stets besitzt. Daraus ergibt sich die Forderung, daß ein solches Werk nicht für Fachleute bestimmt sein darf. Der Fachmann benutzt es gewöhnlich nur für Gebiete, wo er selber Laie ist. Da aber die Darstellung alle Hauptsachen in klarer, verständlicher Weise geben soll, ohne mit streng fachmännischen Begriffen zu arbeiten, die Auswahl dieser Hauptsachen nur von einem Fachmann auSgehen kann, so ergibt sich die Forderung: Ein ConversationS-Lexicon muß von Fachleuten für Laien geschrieben fein. Von ungeheurer Wichtigkeit ist sodann die Berechnung des Umfange» der einzelnen Abschnitte. Wird zu Beginn übermäßiger Raum verbraucht, so leidet die Fortsetzung, und es muß entweder an unrichtiger Stelle gespart werden, ober da» Werk schwillt so an, daß seine Brauchbarkeit für weite Schichten fraglich wird. Ebenso wichtig ist die Auswahl der Bilder. Niemals dürfen sie nur zum Schmucke dienen, jedes hat, indem eS die Anschauung zu Hilfe ruft, den Text zu entlasten. Eine zweite Hauptfrage ist, ob solche Werke einen Parteistandpunkt einnehmen dürfen. Die sog. „Objictioität" ist nun meiner Ueberzeugung nach bei Stichwörtern, die irgendwie mit dem Wollen, mit inneren Vorgängen zusammenhä-gen, ein kaum erreichbares Z-el. Aber so weit sie möglich ist, soll sie festgehalten werden, da die Benutzer ja in dem Werke nicht Ueberzeugungen, sondern vor allem Thatsachen suchen. Wenn ich nun untersuche, in wie weit der „Meyer" den aufgestellten Grundsätzen entspricht, so kann ich sagen: „von Auflage zu Auflage hat sich Meyers Conversations Lexicon diesem Ideal genähert und nimmt in der neuesten Auflage unter allen Mitbewerbern als Ganze« betrachtet jetzt die erste Stelle ein": 1. Die Darstellung im Allgemeinen zeigt überall die ernste Arbeit von Fachmännern, die da« Nölhige vom allzu Fachlichen zu scheiden wissen. 2. Mit wenigen Ausnahmen ist die Darstellung sich bewußt, daß sie Laien zu dienen habe. Sie strebt mit Erfolg nach Lebendigkeit und bietet in den Abschnitten schriftstellerisch abgeschlossene, in gutem Deutsch geschriebene Aufsätze, bei denen, wo es der Stoss erlaubt, auch die vaterländische Gesinnung wohlthuend hervortritt. 3. Rein abstracte Erörterungen sind nach Möglichkeit vermieden, wo sie aber nothwendig sind, find fie in klar bemessenen Grenzen gehalten und so ausgeführt, daß auch denkende Laien ihnen zu folgen vermögen. 4. In der Oeconomie der Raumeintheilung ist der „Meyer" allra Mitbewerbern überlegen; von Anfang an gleichmäßig behandelt, so daß die innere Bedeutung der Stichwörter den Umfang der einzelnen Aufsätze und Erklärungen bestimmt. 5. Ebenso mustergiltig ist die Auswahl und Herstellung der Bilder. Jedes einzeleve erspart Text, keines will nur alS Schmuck dienen. 6. Der allgemeine -Standpunkt liegt in der verständigen Mitte. Der „Meyer" geht mit der Zeit mit, aber er behält die Ruhe; er drängt weder ungestüm nach vorwärts und legt Zweifelhaftem, weil es neu ist, Bedeutung bei, noch stellt er sich dem Hebet« lieferten, weil eS alt ist, bloS verneinend gegenüber. 7. Diese Klarheit und Einheitlichkeit der Anschauungen beweist, daß die Leiter deS Unternehmens zwar alle Fortschritte mit scharfem Blicke verfolgen, aber sich über dem Getriebe der Sippen zu hatten verstehen. Man darf also auS ehrlicher Ueberzeugung behaupten, daß der „Meyer" in seiner neuesten Auflage da« Ideal einr Dolksracyclopädi« darstellt. wie man heute den Begriff einer solchen fcßi. So der Verfasser. Fügen wir noch hinzu, daß Meyer» ConvrrsationS Lexicon in unserer Zeit deS Bildungsbedürfnisse» und der BildungSnoth- roenMgtctt in keiner Familie, in keinem Heim mehr fehlen sollte, wenigstens nicht da, wo Sinn für Geist und Welt herrscht. Wer fich nur einmal der Dienste dieses monumentalen Werke» erfreut hat, ist für dasselbe bleibend gewonnen: ES bewährt fich beim Nachschlage» über Dinge, die unser Familien-, Staats- und Geistesleben berühren, wie bei der Forschung nach Thatsachen au« alter und neuer Geschichte. Die modernen Erwerb-- und BerkehrsverhäUnisse, nicht minder die Bewegungen auf den Gebieten der Erfindungen. Ent- bedungen, der Industrie und Technik spiegelt das Werk ebenso wider, wie dasselbe bet der Berufsarbeit, bei der Lectüre, beim schreiben, im Gefprich, nach Anhören eines Vortrages dem Gedächtniß nachhilft, Zweifel hebt und zur klaren Erkenntniß einer jeden Sache führt. Derselben liebevollen Sorgfalt, mit welcher die Verlag»- Handlung die Entwickelung des fiebzebnbändigen Werke» begleitete, verdanken wir auch die Fortführung desselben in ein rat Ergänzung»« und Registerband, welcher neben neuen Artikeln die während beft Erscheinens sich ergebenden Neuerungen, Beränberungen und Berichtigungen nachträgt und durch Nachweis derjenigen Warnen, Thatsachen und Materien, welche nicht unter eignen Stichwörtern behandelt werden konnten, das Werk um ca. 25,000 Artikel bereichert. Die Vorsorge der Herausgeber geht indessen auch noch über die Begrenzung hinaus: Zu den anerkranenSwerthen Eigenthümlichkeite» des Meyer'schen EonversaliouS-Lexicon» nämlich gehören die sogen. Jahres-Supplemente, welche die DerlagShandlung dem Hauptwerk i» der guten Absicht folgen läßt, dieses selbst vor allzufrüh m Veralten zu bewahren. Diese werthvollen Nachträge ermöglichen jedem Besitzer des Meyer'schen ConoersationS Lexikon«, seinen literarischen HauSschatz auf dem ßaurenben zu erhalten unb zu erneuern. So steht bas Meyersche Werk als eine Leistung ba, welche dem Verleger nicht nur, sondern Deutschland zur Ehre gereicht. Daß solche Summen an Geld und Geisteskraft für ein derartiges Werk in Bewegung gesetzt werden können, ist an sich ein Beweis von den Erfolgen der frühem Auflagen- Diese Erfolge haben sich bis jetzt immer gesteigert. — Die zweite Auflage ist in 53,000 Abdrücken ahgesetzt worden; die dritte hat eine Verbreitung von 154 000 Exemplaren erlangt, bei der vierten Auflage darf die Verlag-Handlung auf einen Umsatz von 206,000 Exemplaren zurückblicken, und die neue fünfte Auflage hat ihre Vorgängerin wiederum um einen weitern Borsprun» geschlagen. Bei der Redactiou eiogegaugeue Bücher re. — sp. S. Rosegger» Schriften. Volks-Ausgabe. Zweite' Serie. Ausgabe erfolgt in 100 Lieferungen & 20 fr. = 35 Pf. ---- 50 Et«. (A. HartlebenS Verlag in Wien.) — Auerbach» Deutsche« Müder«»aleuder auf da» Jahr 1898. Eine Festgabe für Knaben und Mädchen jeden Älter#. Sechzehnter Jahrgang 1898. 160 Seiten stark mit 118, theil» bunten Original Illustrationen, buntem Titelbild und Spielbeilage. Dauerhaft gebunden. 1 Mk. (Leipzig, L. Fernau.) Der Wahrheit die Ehre! Kein Schwindel! Kein Eigenlob! Mod. n. Mod. III. a Rauchkanal. Sotterbehältcr d Ausguss. ö/ Das Unheil vieler taufen bet Raucher gehl da hin, dah die A dl er pfeifen £erghA™s“ mir den Rauch und Lotter trennenden Ibg&fitii D R. G.M. und dein biegsamen Atumiuiumschtauch D. R. P- alle bisher dagewefenen «efundheitSpseifen ». tideNrrffe». Goldens Medaille Münster 1896. Herr DerlagSbuchhLndler R. Wert her, H.-Mua- den, schreibt am 6. Oktober 1897: "Ich rauche seit 20 Jahren lange Pfeise, aber eine so vorzügliche, wie die Adlcrpselfe, habe ich noch nicht gehabt." Herr Stationöasststent Boland, Plauen L 13., schreibt am 6. Oktober 1897: »Ich habe bereit» 15 Hblerpfcifen von Ihnen br zogen und bezcuqc ausdrücklich, das, dieselben sich vorzüglich bewähren, weil man nickt nur trocken ranckt, sondern auch einen anqenrbmen (Seschmock hoi. Dieselben übertreffen alle bisher dagewesenrn. Len den Sie wieder 8 Stück Nr. 3, Modell II. - Im eigenen Interesse ist daher Jedem ein Versuch zu empfehlen. Der Huf unserer Firma bürgt für reelle Bedienung. Preise per Stück in ftlnftrr Ausführung, weltgebohrt, Mod. LI oder III. lkchteS wohlriechendes Weichselrohr Nr. I, 100 cm Ian«, M. 4.70 Nr. 2, 70 cm lang, M. 4.20; Nr 3, 80 cm lang, M 2.40, Nr. 9, 80 cm lang, ^agdpfeUe. 'Di. 2.55 ; Echtes tledernrohr Nr. 4, 100 cm lang, M. 3.7" Nr 5, 70 cm lang, M 3.50; Pflaumenbaum, Maßholder- oder Ahornrohr Nr. 6, 100 cm lang M. 8.20; Nr. 7, 70 cm Inno. M .3.10. Mit Ncustlber Kopfbefchla, 25 Pfg.. mit Trahthul 15 Pig. mehr. 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Als Schulmeister verkleidet, sah er auf dem Pagenfechtboden den Fechtübungcn der Pagen zu. Kreußler, von dem was er sah, nicht sonderlich entzückt konnte seinen Spott nicht unter« drücken. Da wurden die Pagen ärgerlich und höhnten, er, der Schulmeister, werde es wohl besser können. „Gewiß kann ich.e» besser", erwiderte Kreußler. Da luden sie ihn ein, näher zu treten und fich mit ihnen zu messen. Der vermeintliche Schulmeister folgte der Aufforderung und setzte ihnen so zu, daß der Fechtmeister selber herbei kam, um mit dem erstaunlichen Menschen zu fechten. Doch auch er, unv nach ihm die al» die besten Fechter bekannten Höflinge wurden spielend aus dem Felde geschlagen. Jetzt meldete man den Vorfall dem König, dem die Sache außerdem Spaß war und der selbst herbeieilte, die Ehre seine» Hofes zu retten. August der Starke war bekanntlich nicht nur der stärkste Mann seiner Zeit, sondern auch einer der anerkannt besten Fechter. Al» er den harmlosen Mann erblickte, lachte er verächtlich; doch kaum hatte er sich mit ihm gemessen und gesehen, welchem Meister er sich gegenüberbefand, als er, unfähig, länger Stand zu halten, halb lachend, halb ärgerlich ausrief: „Schwarzer Kerl, Du bist Kreußler au» Jena oder der Teufel!" Kreußler antwortete ruhig: „Der erste in Person, Ihrer Majestät zu dienen". Sein Sohn Heinrich erg'ühte schon in der Jugend für den Beruf des Vaters. Auch er war ein geborene» Genie in der edlen Fechtkunst. Allen andern war er über, nun drängte es ihn schon lange, zu w'ssen, wer eigentlich der bessere Fechter sei, er oder sein Vater. Daher st llte er sich eine» Abends an, als wollte er beizeiten sein Lager suchen; statt drssen schlich er fich mit Hut, Mantel und Degen auf die Straße und rief mit verstellter Siimme unter seines Vater» Fenster: „Heraus, alter Kreußler, wenn Du Herz hast! Hier ist einer, der's mit Dir aufnimmt!" Da» konnte der Alte nicht auf sich sitzen lassen, er eilte herbei und stellte sich Nachdem beide jedoch ein Paar Gänge mit einander gelhan hatten, ohne daß e» einem von ihnen gelang, dem Anderen eine Schlappe beizubringen, hielt der Alte inne und rief lachend: „Alle Teufel, so ficht nur ein Kreußler! Unverschämter Junge, Heinz, willst Du zu Bette!" Auch Heinrich bekleidete das Fechtmeisteramt zu Jena. Dessen Sohn Wilhe'm Ernst machte eine Ausnahme, indem er da« Amt eines Vertheidiqer» mit Worten demjenigen eine» Vertheidi- gers mit Waffen vorzog. Er studirte die Rechte. Dem Onkel lag aber die alte Familientradition im Blute, er griff wieder zum Degen und wurde Fechtmeister in Leipzig. Der Stammbaum der Familie und die Porträts der vier als Fechtmeister in Jena thätig gewesenen Kreußler befinden sich auf der Universitätsbibliothek daselbst. Die wacker n Fechtmeister fanden zwar noch verschiedene Vertreter für ihre Fechtart, doch kam da» Stoßfechten nach und nach in Wegfall und verschwand mit Anfang diese» Jahrhundert» ganz. Rur in Jena hielt e» fich noch ca. 40 Jahre länger, da die Kreußler'sche Schule dort erst mit dem 1842 verstorbenen Fechtmeister Bauer ausstarb. Da» Hiebfechten löste die Kreußlerifche Methode wieder ab, doch da» Andenken an die alte F-chterfamilie selbst ist nicht ausgestorben. Dreihundert' Jahre sind jetzt gerade vergangen, seit der Begründer der Schule sowohl al» de» Rufs der Familie geboren wurde — möge sich bei d .r Lecfüre dieser Zeilen der Leser, ob er nun selbst ein Freund der Fechtkunst ist oder nicht, seiner freund" lich erinnern. rlwdet auf W Ndtctro jeden llleti. ilf 118, Iheütz buntm LptMlazr. tautx- ie Bücher re. ks-Ausgabe. LE 20 fr. = 35 ff. = :?a MteT >«. säF* *te ML 1 ^«teb btgldtettp liH? ®T,65nlunß6= nbnn,Wii)tenb btS TWu und Be. 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