hldn M «'S cht. •uit v "‘"m, «6. 8) für «* xt»Mt Nr. 5. ^.Tanzlehrer. renW Wlkktlgt A 9283 W sbnraschendttW bur» WM. »0660668 igeu Kädcheus J 9386 • iner allenfeli. r »»SOOOOO trägem! •MWietitel« mott, fein Dnilf. Me Ml WÄMlkUM Nchm ion M »eine delK iaren zu enorm billig» re Zeit! oM^ ’fferc jgcn tau, laW8' 8K"** h M >u »M 275 W. ein tarntn "$oi Chaisewage«' 911 ger- oltze .llblech-F»^ irt, ®d cm' UL'"-"' iebi’*de* und orS^- llvL' if, Attl M** --S-M Nr. 238 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, ■rtt Lu-nahme bei Montags. Die Gießener I»«mikteu V kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigclegt. Zweites Blatt. Somilag de» w Ottobrr 18OT Kenerat-Wnzeiger. Vierteljährig« Avonuementsprei», 2 Mark 20 Pfg. «tt Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expeditio» und Druckerei: -chutstraße Ar.7. Fernsprecher V*-- Amts- und Airzeigeblatt für drn Ttveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Dorm. 10 Uhr. Alle Annoncen.Bnreaux de- In- und Au-landeS nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- tntgtf*. ......................................... ■ Vss Museum des Oberhesfischeu GeschichtSvereiuS. October 1897. Am 15. Juni 1878 ward in Gießen der Oberhesfische Verein für Lokalgeschichte, der Vorläufer unseres Oberhessi- schen Geschichtsvereins, begründet. Noch in der constituiren- den Versammlung schlug Prof. Dr. Hoffmann die Anlage eine» „Museums für prähistorische und antike Funde" vor. In der zweiten Sitzung des neuen Vereins, am 19. Juni 1878, wurde dieser Antrag zum Beschlüsse erhoben und der Antragsteller zum Konservator der antiken Funde ernannt. Die Opferwilligkeit verschiedener Verernsmitglieder, die ihre Privatsammlungen zur Verfügung stellten, der rege Sammel« eifer de» Konservators und seiner freiwilligen Helfer ermög« lichten e«, schon am 2. Februar 1879 ein in Anbetracht der kurzen Zeit immerhin stattliches Museum in den von der Stadtverwaltung Gießens eingeräumten Zimmern des Orts- gerichtes im alten Rathhause dem größeren Publikum zu eröffnen. Mit demselben Tage trat in Prof. Dr. Buchner ein Mann an die Spitze der jungen Gründung, der mit rastlosem Eifer und seltenem Geschicke der Sammlungen sich annahm. Prähistorische Funde in der Umgegend Gießens, zahlreiche Gräberöffnungen, wiederholte und glückliche Ausgrabungen am römisch-germanischen Grenzwalle, bescheidene Ankäufe, Schenkungen und Legate vermehrten die Schätze des Provinzialmuseums binnen Kurzem derart, daß das Zimmer im oberen Geschoffe des Ralhhauses nicht mehr ausreichte. Die Stadt stellte immer wieder weitere Räume zur Verfügung. Die verschiedenen Abtheilungen für Prähistorie, Römerzeit, Mittelalter, Gießener Lokalgeschichte konnten in besonderen Zimmern aufgestellt werden. Das langsame, aber stetige Anwachsen der Sammlungen zwang jedoch den Verein schon bald, sich nach einem Ersätze für die engen und niedrigen Zimmer des alten Rathhauses umzusehen. Es war ein glücklicher Gedanke, der das halbverfallene alte Landgrafenschloß am Brand für ein künftiges Provinzialmuseum in Aussicht nahm. Bereitwillig ging die Staatsregierung auf den Vorschlag ein, das Gebäude unter der Bedingung einer baldigen Wiederherstellung der Stadt Gießen zu überweisen, und ließ sich sogar zu einem Zuschuffe zu den ziemlich hohen Baukosten bereit finden. Auch der Appell an die Opferwilltgkeit der Gießener Stadtverwaltung war nicht vergebens, und so steht es zu erwarten, daß in wenigen Jahren für unser Provinzialmuseum neue und würdige Unterkunftsräume geschaffen find. Eine der ersten Aufgaben, die sich der im Frühjahre des Jahres 1897 neugewählte Vereinsvorstand stellte, war die Ueberführung der Sammlungen in das neue Museums- gebäude derart vorzubereiten, daß er eine völlige Neuordnung der Bestände vornehmen ließ. Gießens Stadt« Verwaltung, bei der man nie vergebens anklopft, wenn es sich um Förderung der heimischen Geschichte handelt, bewilligte einen höheren Beitrag zu den Kosten der Neuordnung. Für die Katalogisirung und Aufstellung des mittelalterlichen und neuzeitlichen Theils der Sammlung, unter vorläufigem Aus- schluß der Gegenstände aus prädistorischer, römischer und frühgermanischer Zeit, wurde dann in Herrn Dr. Fr. Fuhse, Bibliothekar und Konservator am Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, eine bewährte Kraft gewonnen. In weniger als vier Wochen hat Herr Dr. Fuhse mit größter Sorgfalt und ausgezeichneter Sachkunde die Schätze des Museums von Neuem untersucht, sie geordnet und, soweit es die unzureichenden Räume zulteßen, systematisch aufgestellt. Binnen Kurzem wird das während der Neuordnung geschloffene Museum dem Publikum wieder zugänglich gemacht werden, und Jeder wird dann Gelegenheit haben, sich durch Augenschein von der geschmackvollen, übersichtlichen und lehrreichen Art der Aufstellung zu überzeugen, von der ihm jetzt ein flüchtiger Rundgang durch die Museumsräume einen ungefähren Begriff geben möge. Im ersten Stock sind ein größeres und ein kleineres Zimmer zu Museumszwecken verwendet worden. Beginnen wir unseren Rundgang in dem Hinteren, kleineren Raume. Er hat eine Umwandlung in eine Kapelle sich gefallen laffen müssen, wenn anders wir diese Bezeichnung bei der primitiven Art der Ausstattung und des Raumes an sich anwenden dürfen. Indessen ist hier, wie bei den übrigen Museums- zemächern, zu berücksichtigen, daß es sich darum handelte, mit den geringsten Mitteln den Gegenständen ein für Jedermann übersichtliche und, wenn angängig, auch geschmackvolle Ausstellung zu geben. Die Aufwendung einer bedeutenderen Summe wäre bet der Beschaffenheit der Rathhausräume und besonders in Anbetracht des Umstandes, daß demnächst da» Museum in ein neues Heim übersiedeln wird, nicht rathsam gewesen. — Wenden wir uns jetzt der „Kapelle" zu. Dort fallen sofort die beiden großen Tafelbilder an der Hinteren Schmalwand ins Auge, zwei Flügel eines Flügel- altares. Die Gemälde, die durch ihre köstliche Farbenfrische sich auszeichnen, stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und gehören wahrscheinlich der Nürnberger Schule, der Werkstatt von Pleydenwurf-Wolgemut, zu. Der gleichen Zeit entstammt auch der den Gemälden gegenüber oben angebrachte bemalte Leinwandstreifen. Der Tradition nach soll er als Altarverzterung gedient haben. Wahrscheinlicher ist, daß er die Rückwand eines Chorgestühls bekleidete, ein sogen. Dorsale war. Ebenfalls zweifelhaft ist die Angabe, daß das Stück aus einer Wimpfener Kirche stamme. In den Figuren rechts und links find die Stifter, rechts der Mann mit den Söhnen, links die Frau mit den Töchtern zu erkennen. Schon das Fehlen des Helmes auf oder neben dem Stifterwappen läßt darauf schließen, daß wir es nicht mit einer ritterbürtigen, sondern mit einer bürgerlichen Familie zu thun haben. Das Wappen des Mannes findet sich denn auch als das einer Patrizierfamilie Weiß oder Weyß in Limburg. Das der Frau führen mehrere Familien, es kann also zunächst der Nachforschung nach der Herkunft des „Dorsale" nicht dienen. Wahrscheinlich wird es au» Limburg (an der Lahn?) stammen, aber erst eine archivalische Untersuchung dort könnte eventuell sicheren Aufschluß geben. Sehr zu bedauern ist, daß dieses seltene, höchst interessante Stück durch spätere Uebermalung seinen ursprünglichen Charakter zum Theil eingebüßt hat. Eine, dem jetzigen Ausdrucke der Gesichter nach zu schließen, wohl moderne Hand hat die alten Umrisse, von denen die Farbe theilweise abgesprungen war, kräftig nachgezogen, ist dabei aber leider ziemlich selbständig vorgegangen und, wie der Augenschein lehrt, nicht immer genau den alten Linien gefolgt. — Ebenfalls dem 15. Jahrhundert gehören die meisten der Heiligenfiguren an. Nur zwei davon, eine Maria und ein Johannes, entstammen dem 17. Jahrhundert. Von der ursprünglichen Wirkung dieser einst bemalten Figuren kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man die beiden Heiligen unmittelbar rechts und links vom Flügelaltare betrachtet, die noch in ihrer ganzen Farbenpracht erhalten sind. Das große Zimmer neben der „Kapelle" hat die Hauptaufgabe, den Charakter einer alten oberhessifchen Bauernstube wiederzugeben. Raummangel zwang, auch eine große Reihe anderer Gegenstände hier unterzubringen, während andererseits das bisher vorhandene Material noch längst nicht ausreichend ist, die Hauptaufgabe zu lösen. Im Hintergründe links erblicken wir eine Bauernbettstelle aus dem vorigen Jahrhundert und davor eine Truhe aus der gleichen Zeit. Wer stiftet uns die neben das Bett gehörige Bauernwiege? Spinnrad und Holzschemel, eine „Kietze" und eine über das Bett gehängte gewaltige Ledertasche (Büchsenranzen), wie sie die Bauern bei ihren Einkäufen in der Stadt benutzten, suchen das Bild zu vervollkommnen. Im oberen Thetle des Zimmers gehört ein vorzüglich erhaltener Tisch den Bauernmöbeln zu. Er ist ausziehbar und birgt in seinem Innern einen umfangreichen Vorrathsraum. — Die kleineren Truhen sind Zunfttruhen, in denen die Handwerkerinnungen ihre Acten und Cimelien aufbewahrten. Diesem Gebiete gehören auch an die Fahne, die nach der Kapelle zu aufgehängt ist, mehrere andere Gegenstände und eine Messinglaterne, links neben der Kapellenthür, die auf einer Zunftfahne getragen wurde. Diese Laterne entstammt derselben Zeit — Anfang dieses Jahrhunderts — und derselben Werkstätte, wie der messingene Fidibushalter, der auf der Kommode neben dem Ofen steht. Der Eisenständer (nd. Stooftche, Stöftche) vor diesem wurde mit Holzkohlen gefüllt und diente zum Warmhalten von Speisen und Getränken. Reben ihm sehen wir ein Gestell mit Zinngeräthen. Die einzelnen Stücke entstammen zum größten Theile dem vorigen und diesem Jahrhundert, und sie dienten kirchlichen wie profanen Zwecken. Kannen und Krüge, Teller und Schüsseln in den verschiedensten Größen und meist reizenden Formen begegnen uns, vor Allem aber richten wir unser Augenmerk auf einen Teller, der aufs Reichste mit Reliefs geschmückt ist (in der Mitte die Auferstehung, auf dem Rande die Wappen der sieben Kurfürsten) und aus der Werkstätte des bekannten Nürnberger Zinngießers Caspar Endterlein (f 1633) stammt. Auf dem langen Regale an der Schmalwand sind Erzeugnisse der Keramik untergebracht. Links, den Fenstern zu, sehen wir eine Collection Siegburger Steinguts. Leider befindet sich keines der großen, reich verzierten Stücke dieses Fabrikortes, keine „Schnelle" darunter, wohl aber mehrere kleinere, durch die geschmackvolle Form ausgezeichnete Becher, die man früher für holländisches Fabrikat hielt, und die in Holland unter dem Namen Jakobakannetjes bekannt sind. Die hellgrauen Krüge rechts mit blauen Ornamenten sind Nassauer Fabrikate. In der Mitte die bekannten Marburger Thon- waaren. — In den Vitrinen unter den keramischen Gegenständen sind Kostümstücke ausgelegt worden. Hingewiesen sei endlich noch auf eine Collection von älteren Lampen, Leuchtern, Lichtputzscheeren und Feuerzeugen, die auf der Schmalseite im Hintergründe des Zimmers aufgestellt wurden, und auf eine Schabbeslampe neben der Kapellenthür. Im zweiten Stock treten wir zunächst in den Corridor, der wenig Licht hat und daher auch nur einige größere Gegenstände aufnehmen konnte. Feuerlöschgeräthe, Windfahnen, zwei Fußschellen aus dem alten Gießener Arresthause, endlich drei sogen. Kleiekotzer gelangten hier zur Ausstellung. Letztere bieten durch ihre grotesken Formen ein ganz besonderes Interesse. Sie erfüllten lediglich den Zweck, der Oeffnung, aus der im Mühlenbetriebe bei der Mehlbereitung die Kleie entfällt, ein humorvolles Aeußeres zu verleihen. Heute trifft man nur noch sehr selten dergleichen Masken in älteren Mühlen an. Der Corridor führt in ein kleineres Zimmer, dessen Wände mit den Bildern der Gießener Rathsschöffen aus dem 17., 18. und dem Anfänge des 19. Jahrhunderts behängt sind. Diese Bilder würden, hätten größere Raumverhältnisse zu Gebote gestanden, mit allen übrigen auf Stadt Gießen bezüglichen Gegenständen zusammen ausgestellt fein, so aber mußten sie mit der kleinen, aber schönen Sammlung von Ofenkacheln aus dem 16. und 17. Jahrhundert in einem Raume untergebracht werden. Eine Anzahl dieser Kacheln aus dem Beginne des 17. Jahrhunderts stammen von ein und demselben Meister, dessen Signatur — TR — auf einem Exemplare sich findet. Hoffentlich gelingt es, das Monogramm dieses tüchtigen Hafners zu lösen. Unter dem Fenster bemerken wir den Abguß eines Grabsteines aus dem 16. Jahrhundert, daneben eine charaktervolle Jugendbüste v. Ritgens, modellirt von Dickorv. Durchschreiten wir das Zimmer mit römisch-germanischen Alterthümern, das später beschrieben wird, so gelangen wir in einen Raum, der als das Gebiet für alle auf Gießen und die Gießener Universität bezüglichen Gegenstände gedacht war. Indessen zwanaen auch hier wieder die beengten Raumverhältnisse, andere Dinge mit unterzubringen und manches interessante, ausstellenswerthe Stück vorläufig bei Seite zu lassen. Die Wand nach dem römisch-germanischen Zimmer zu ist behängt mit Ansichten von Gießen und Umgebung, und zwar sind die ältesten Prospekte neben dem Fenster placirt worden. Außerdem wurden die Porträt» von zwei Bürgermeistern, mehreren Syndici» und das des um das Museum hochverdienten Professor» Buchner hier untergebracht. Links von der Thüre zum römisch-germanischen Zimmer steht die Münzsammlung, die besonders hessische Münzen und auf Gießen und Gießener Persönlichkeiten bezügliche Medaillen zur Ausstellung bringt. In den Vitrinen rechts sehen wir Gießener Ansichten, ein Verzeichniß der Lebens Mittelpreise von 1833, eine Reihe von Flugschriften und Zeitungen aus dem Jahre 1848 rc. Ein kleiner „Strafzettel" belehrt uns, daß ein Musketier der Gießener Bürgerwehr des Jahres 1848 für zwei versäumte Exerziertage drei Kreuzer Strafe an seinen Korporal zu zahlen hatte. Diesen Vitrinen gegenüber befindet sich eine noch sehr erweiterungsfähige Universitäts-Abtheilung. Eine Sammlung von optischen Instrumenten und Goldwaagen, eine höchst bemerkenswerthe Schnupftabaksreibe rc. nehmen den kleinen Raum zwischen der Univerfitäts-Abth ilung und de« für die Erzeugnisse der Glasindustrie und Keramik bestimmten Schranke ein. Neben diesem gelangen eine Reihe von Schmiede und Schlosserarbeiten zur Ausstellung. Hinzn- roeifen ist noch auf die Gegenstände zwischen den Fenstern: ein schmiedeiserner Löwe aus dem 16. Jahrhundert, der früher den Giebel des Gießener Rathhaufcs zierte, ein Gießener Nachtwächterhorn, eine Nachtwächterhellebarde und ein Hirtenhorn. Dem letzten Raume legen wir den stolzen Namen „Waffenfaal" bei. Eine gewaltige Trophäe deckt den größten Theil der Corridorwand. Sie fetzt sich in der Ha^»t- fache zusammen aus Fahnen, Kopfbedeckungen und Waffen der Gießener Bürgerwehr von 1848 und aus Erinnerungsstücken an den Krieg 1870/71. Rechts bemerken wir Uniform- theile und Waffen des Generals Hoffmann. bewm Seiten der Trophäe sind ältere, meist dem 17. Jahrhundert angehörende Schwerter, Spontons, Hellebarden, Hufeisen, Sporen und Pulverhörner angebracht. Neben der Thüre zum Gießener Zimmer rechts finden wir in einem Kasten mittelalterliche Sporen, Pfeilspitzen von den verschie- densten Formen, Armbrustbolzen und ein langer, schmaler Spießeisen von einem langschäftigen, Framen genannten fränkischen Speere. Links eine Sammlung von Schußwaffen. In diesem Saale sei ferner noch hingewiesen auf vier guß- eiserne Ofenplatten aus dem 16.—19. Jahrhundert, die einer sehr reichhaltigen Sammlung angehören, welche leider, fra das alte Gebäude die große Belastung nicht tragen würde, vorläufig im unteren Hausflur untergebracht werden mußten. In den Vitrinen neben dem Fenster möge man auf zwei herrliche Pistolen des vorigen Jahrhunderts aus der berühmten Kuchenreuter'schen Fabrik zu Regensburg achten. Der aufmerksame Beobachter wird noch manchen interes- santen und schönen Gegenstand finden, den wir hier bei nuferen kurzen Andeutungen nicht erwähnen konnten, er wird aber auch bemerken, daß das noch kleine Museum in allen Theilen gute, entwickelungssähige Ansätze zeigt. Von dem Interesse und der Opferwilligkeit hängt es ab, ob die Sammlung mit der Zeit völlig die ihrem Zwecke entsprechende Ausdehnung erhalten wird. Erntedankfest. Am heutigen Sonntage wird einer alten Sitte gemäß das Erntedankfest gefeiert. Es ist erklärlich, daß dieses Fest im Allgemeinen bei den Landleuten in höherem Ansehen steht, als bei den Städtern. Diese haben eben keinen Schweiß auf den Feldern vergoffen, haben es nicht keimen und wachsen sehen und verstehen nicht, was alles dazu gehört, ehe ein Fuder Roggen in die Scheune kommt. Aber dennoch ist auch für den Städter das Erntedankfest von der allergrößten Bedeutung. Denn einmal ist es wirklich für keinen Menschen gleichgiltig, wie die Ernte ausfällt, ob es Fülle des Segens giebt oder Mißwachs und Theuerung und dann: Haben wir nicht alle unser Arbeitsfeld? Müssen wir nicht alle schaffen im Schweiße unseres Angesichts? Möchten wir nicht alle gern reichlich einernten in unsere Scheunen? So lange daher die vierte Bitte im Vaterunser steht, so lange die Brodfrage auch die Städter bewegt, und so lange die Land- wirthschast eine Säule des Staatswohles ist, so lange hat keiner ein Recht, von der Feier des Erntedankfestes sich aus« zufchließeu. Aber nun kommt es eben daraus an, wie es gefeiert wird. Darin sollten doch alle, die noch einen Funken von Religion in sich haben, einig sein, daß eine rechte Erntedank- festfeier ohne Thellnahme an dem kirchlichen Dankgottesdienst ganz undenkbar ist. Und so pflegen denn auch auf dem Lande wenigstens an diesem Tage die Kirchen im Allgemeinen recht gut besucht zu sein. Das Gefühl hat eben dort noch meist ein jeder, daß heute der erste Dank Gott dem Herrn gebührt als dem Schöpfer und Geber alles Guten. Liegt es doch für jeden Denkenden klar auf der Hand, daß, wenn auch das Werden, Wachsen und Reifen der Ernte ein Raturproceß ist, dennoch ein höherer und persönlicher Wille vorhanden sein muß, welcher diesen Proceß leitet vermittelst der Kräfte, die er geschaffen und in die Äatur hineingelegt und die er ganz allein in seiner Hand hat! Wie nichts von sich selbst entstanden sein kann, so können auch die Naturkräfte nicht von sich selbst entstand en fein. Wer das sagt, dem kann man auch sag-n: die Uhr in deiner Tasche ist ganz von selbst entstanden ohne einen Uhrmacher und ohne einen Menschen, sie geht auch ganz von selbst fort, ohne daß du sie aufzuziehen brauchst, vermöge der Naturkraft, die in ihr liegt. So unsinnig dies ist, ebenso unsinnig ist es auch zu sagen: die Erde bringt alles aus sich selbst hervor, es ist alles Natur. Nein, die Natur an sich ist nichts, — sie bedeutet nur etwas, sobald wir einen lebendigen und willens- starken, aber auch gütigen und barmherzigen Gott uns über und hinter ihr denken, der sie lenkt und regiert nach feinem Wohlgefallen und der auch Wind und Wetter macht, wie es ihm gefällt. Das ist der Christenglaube, wie wir ihn von Christo, unserem Hellande, haben und wie er trotz aller Angriffe sich bis hierher erhalten hat und erhalten wird. Darum versteht es sich heute wie allezeit für den Christen ganz von selbst, daß er mit der feiernden Gemeinde singt: „Lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat". Wohl mag es in unserem lieben deutschen Vaterlande manchen Landmann und manche Gemeinde geben, welchen so zu sprechen es heute sehr schwer wird. Haben doch nur in zu vielen Gegenden Fröste, Wolkenbrüche, Hagelschläge die Ernte vernichtet, abgesehen von der schweren wirthfchaftlichen Krisis, unter welcher selbst die besten und fruchtbarsten Gegenden leiden! Aber dennoch kann ein rechter Christ auch in solchen Lagen noch danken. Denn einmal denkt er an das, was Gott ihm schon vorher Gutes gethan hat, ohne daß er ihm etwas zuvor gegeben hätte, sodann hat er trotz aller Verluste doch wenigstens so viel behalten, daß er nicht Hungers zu sterben braucht. „Seine Güte ist, daß wir noch nicht gar aus sind, und Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende". So spricht der Christ mit dankbarem Gemüth. Er weiß ja, daß auch solche Zeiten Segenszeiten sind. Wenn Gott auf sieben fette Jahre sieben magere Jahre schickt, so hat er seine weisen Absichten dabei. Wären die sieben mageren Jahre nicht gekommen, die Brüder Josefs wären nicht nach Egypten gezogen, Getreide zu kaufen, und hätten ihren Bruder nicht wiedergefunden, den sie durch eigene Schuld verloren hatten. — So soll noch heute die Noth der Zeit uns dazu dienen, daß wir uns brüderlich die Hand reichen und einander helfen. „Wohlzuthun und mitzu- theilen vergesset nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl", das ist das andere, was der heutige Tag uns zuruft. Wer da hat, der gebe dem, der nichts hat und lasse die linke Hand nicht wissen, was die rechte thut. Es giebt nichts, was ein Menschenherz mehr beglückt, als ein williges und fröhliches Geben. Das ist ja auch die rechte, gottgewollte Verwendung der irdischen Güter. Denn nicht nur sie zu verschwenden und zu sündlichen Zwecken zu mißbrauchen, nicht um uns ungeheure Reichthürner zu sammeln und andere halben zu kaffen, sondern um Gutes damit zu thun, wo untz wie wir können, läßt Gott die irdischen Güter uns zu Thell werden. — Und dann, wer Nahrung und Kleidung hat, der lasse sich begnügen und sei zufrieden. Er blicke ohne Neid auf die, bte mehr besitzen. „Neid ist Eiter in de« Beinen", sagt die Schrift, aber wer gottselig ist und läßt sich genügen, der hat großen Gewinn. Denn er gewinnt nicht nur das zeitliche, sondern auch das ewige Glück und wird dereinst ohne Aufhören ernten, was er gefäet hat. I, diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern ein recht gesegnetes Erntedankfest. CHctotur Mttd $ano eioou Die deutsche Revolution 1848—49. Mit über 200 authentischen Illustrationen und Faksimtledetlagen. Ltg. 1: 1 Mk. Preis des vollständigen Werkes 10 Mk. Verlag bet Eugen DtedertchS, Florenz und Leipzig. Das Werk nennt sich eine JubtläumSgabe. Und mit Recht! Denn im nächsten Jahr sind eS 50 Jahre, daß da« .tolle' Jahr oder auch wie Andere sagen ,bcr deutsche Völkerfrühling' in dem öffentlichen Leben Deutschlands einen entscheidenden Wendepunkt veranlaßte. Denn seit diesen Tagen datirt ein allgemeines Jntereffe deS deutschen Volkes am politischen Lcben, Presse und Parlament, sodaß damit die Grundlage zu späterer Einigung gegeben war. Hochmüthig haben viele Kreise bisher aus jene Bewegung herabgesehen und der Verfasser, der als Sohn deS damaligen populärsten VolkSsührerS Robert Blum und auch als BtSmarckütograph weiten Kreisen bekannt ist, betont mit Recht, daß man, um unS unserer endlich errungenen Einheit zu freuen, auch die Vorstädten, da« Rtngen und Sehnen unseres Volkes verfolgen muß. DaS Jahr 1848 ist nur erklärlich durch die Vorgänge, die seit den Befreiungskriegen liegen, deßwegen bringt unS die vorliegende 1. Lieferung das Hauptsächlichste deS Metternich'fchen Systems, die Burschenschaftsbewegung, die Demagogenversolgungen, Hambacher Fest (1832) und Frankfurter Wachensturm (1833). Die zweite Lieferung führt unS von den Göttinger Sieden, der inneren Entwicklung Preußen« mit seinem Zollverein und dem romantischen, von GotteS Gnadenthum erfüllten König Friedrich Wilhelm IV. bereits bis zu den ersten Gährungen in Baden. Bet der bekannten anziehenden populären Schreibweise deS Verfassers, bet seinem nationalen Standpunkt, bet der Verpflichtung, die ihm sein Name auferlegt, dürfen wir ein objektiv geschriebenes Werk auS seiner Feder erwarten. Denn nun nach beinahe 50 Jahren bat die Geschichte über die Behauptungen vieler demokratischer Blätter Gericht gesessen, und actenmäßtge Untersuchungen haben u. a. die otelumstrtttene Frage, wer an der Berliner Revolution Schuld trage und wer gesiegt habe, daS Volk oder die Truppen, überzeugend aufgeklärt. _______________ -Sanatorium für Stada", so nennt sich eine seit Jahren bestehende Einrichtung in Parts. ES ist ein Salon, dessm Besitze, sich „docteur des modes* nennt, in dem jede Dame, gegen entsprechendes Honorar für die Konsultation, genau erfährt, wie sie stch ihrer Eigenart nach am passendsten zu kleiden, Nein« Mängel zu verdecken, ihre Vorzüge inS rechte Licht zu setzen hat. — Wir glauben, daß unsere deutschen Damen getrost auf jene originelle Einrichtung verzichten können, wenn ihnen ein Fachblati, wie ,Dte Modenwelt', — wohlverstanden die echte, rühmlichst bekannte Modenwelt, nicht zu verwechseln mit den Titel-Nachahmungen „Große Modenwelt' und .Kleine Modenwelt', — zur Seite steht. Jede Frau wird darin praciische Anleitung finden, wie fie selbst mit geringen Mitteln ihre Erscheinung gefällig und hübsch gestaltm kann. Besonderer Werth wird auf die Pflege deS gediegenen, einfachen .SchneiderkleibeS' und anspruchslos zierlicher HauSgewänder gelegt, sowie größte Sorgsalt auf die praktische Nutzbarkeit der Vorlagen durch mustergültige Schnitte oerwerrdet. Erweiterte Handwerkerfchule. Das Wintersemester 1897/98 der unter staatlicher Oberaufsicht stehenden gewerblichen Fachschule für Handwerker aller Berufszweige, insbesondere für Bauhandwerker, beginnt am 25. Oktober d. I., Bormittags 8*/» Uhr. Anmeldungen sind spätestens bis zum 20. October d. I. an die unterzeichnete Anstaltsleitung zu richten. Gießen, den 24. September 1897. 8904 Der Aussichtsrath Die Austaltsleituug: L. Heyligevstaedt, Vorsitzender. Trader, Großh. Hauptlehrer. Erweiterte Handwerkerschule Nidda. Unter staatlicher Oberaufsicht stehende gewerbliche Fachschule für Handwerker aller Berufszweige, insbesondere für Bau Handwerker. Beginn des Winterhalbjahres 1897/98 am 2. November, Bor mittags 8V3 Uhr; Schluß Mitte März. Das Schulgeld beträgt für Schüler, deren Väter oder Lehrmeister Mitglieder des hief. Ortsgewerbevereins find, 12 Mk., für andere 16 Mk. Unterrichtet wird an allen Wochentagen von Vorm. 8Vs bis Nachm. 5Vs Uhr von zwei Fach- und vier Hilfslehrern in folgenden Lehrfächern: Frrihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie, Fach, und Ornamentenzeichnen, BauconstructionS-, Materialien-, Schatten- und Bau, formenlehre, Stetnschnttt und Perspective; ferner in Deutsch, GeschäftSauf, sätze, Buchführung, Geschäftsrechnen, Geometrie, Algebra, Physik, Mechanik, Festigkeitslehre, Veranschlagen, Baurecht, Rundschrift und Modelliren. Anmeldungen sind spätestens bis 15. Oktober d. I an den unterzeichneten Hauptlehrer zu richten, von welchem auch ausführliche Programme bezogen werden können. Nidda, den 10. September 1897. 8448 Der Aussichtsrath: Die Austaltsleituug: C. Ringshau^en, Vorsitzender. I. Meyer, Großh. Hauptlehrer. /7\ Rosen-Ausstellungs- 1WLOTTERIE ' V Frankfurt a. M. Ziehung: 10. November 1897. 2500 ▼ollwerthige reelle Gewinne in Gold, Silber, nützlichen Gebrauchsgegenständen u. s. w. i. W. v. 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