8561 * 8360 »«V” B4 ole lüg. i)U6^ SA- sgjtf ‘ÄfSÄÄ E^rtttra?" Lögtl srgte rt-ak illS*1 , he9|fl(jjfll^ 8185 Nr. 212 Zweites Blatt. Freitag den 10. September 1807 Der Olfener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de» Montag-. Die Gießener Is«mtkien5tälter werden dem Anzeiger Wichenllich dreimal Leigelcgt. Gießener Anzeig er Kenerak-Mnzeiger. Vierteljähriger Avounementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: ' Kchukstraße Ar.7° Fernsprecher 5k Anrts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den QUrttttItOltßffiHtr Alle «nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehen« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. IO Uhr. ^LUl.lZ>VvllUy(,e ^vv^vWvV IlVlUlltl-e Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. tktttiidn* Lhoü. Bekanntmachung. Landwirthschaftliche Winterschule zu Büdingen. Der Unterricht der landwirthschastlicheu Winterschule -u Büdingen beginnt in diesem Jahre Donnerstag den 4. November 1897, Bormittags ioy2 Uhr und wird Ende März deS kommenden Jahres geschlossen. Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung deS Bildung-« bedürfntffe» des mittleren und kleinen LandwirthS bestimmt, wird den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächeru die Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwirthschaft übermitteln. Der diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von Großh. Regierung für die landw. Winterschulen festgestellten Unterricht-plan entworfen und erstreckt sich auf zwei Winter« curse. Zum Eintritt in die untere Klasie find die Absol« vtrung der Volksschule und einige Kenntnisse deS practischen Betriebs der Landwirthschaft Vorbedingung. In die obere Klasse können nur solche junge Leute ausgenommen werden, weiche entweder bereit- im Vorjahre die untere Klaffe einer landw. Winterschule mit Erfolg besucht oder sich doch anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntnisse angeeiguet chaben. Der Unterricht wird durch eine Sammlung zahlreicher And werthvoller Lehrmittel unterstützt. Die Unterrichtsstunden find so gelegt, daß Schüler au- solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingen oder tu der Nähe der Oberhesfischen Eisenbahn liegen, zu Fuß oder per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen können. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Wohnung und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten. Bom Besuche der Fortbildungsschule find die Schüler der landw. Winterschule entbunden. Das Schulgeld beträgt für jeden Eursu- 12 Mark und ist beim Eintritt an die Anstalt-« kaffe zu entrichten. Gesuche um Befreiung vom Schulgeld sind schriftlich dem Aufficht-rath zu unterbreiten, Anmeldungen find schriftlich oder mündlich au den Aufficht-rath oder den Dirigenten der Anstalt, Großh. LandwirthschaftSlehrer Andrae, zu richten. Auch sind dieselben zu anderweitiger bezüglicher AuSkuuftSertheiluug gerne bereit. Büdingen, den 31. August 1897. Der Vorsitzende des Aufficht-rath» der landwirthschaftlichen Winterschule Büdingen. Kltetsch. Deutsches Reich. Darmstadt, 8. September. Aus Friedberg, 7. Sep- tember, wird der „Darmst. Ztg." gemeldet: Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute Nachmittag den Dr. Arthur Hoffmann, der in Moskau gewesen und ein Schreiben Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Sergiu- überbrachte, ferner den Geheimen Regierung-rath Dr. Braden, der von Homburg gekommen war. Berlin, 8. September. Die au- dem Schutzgebiete der Neugutnea-Compagnie etngegangeueTodesnachricht betrifft nicht den Capitän Rüdiger, der bereit- im Vorjahre aus dem Dienste der Compagnie getreten und nach Europa zurückgekehrt ist, sondern den stellvertretenden Landeshauptmann v. Hagen. Die über Numea vermuthltch durch ein französische- Kriegsschiff übermittelte Drahtnachricht besagt ohne nähere Angaben, daß Hagen am 14. August durch Eingeborene erschossen worden sei. — Eine Mahnung an die Franzosen richtet die Londoner „St. James Gazette". Da- Blatt macht darauf aufmerksam, daß in demselben Augenblick, wo der französische Chauvinismus sich überschlägt, in Deutschland „die Mobili- sirung einer ungeheuren Armee" (gemeint sind die Manövertruppen) stattfindet. „Natürlich" — so fährt die „Gazette" fort — „ist daö Zusammentreffen nur ein zufälliges. Die deutschen Manöver kehren alljährlich wieder und haben mit dem diplomatischen Erfolge deS Herrn Faure nicht» zu schaffen. Nichtsdestoweniger befindet sich jetzt innerhalb einer augenfälligen Nähe (striking diatance) der Republik ein größeres Heer al- Deutschland, wie die „Daily News" darlegen, zehn Tage nach der Kriegserklärung von 1870 au der Grenze wobilifirte. ES ist da- eine Wahrnehmung, welche den Sinn für Selbstzucht und Nüchternheit unter unseren tapferen Nachbarn vertiefen sollte." = Empfehlenswerte Werke für die Hausbibliothek. — Meyers Konversations-Lexikon. Fünfte, gämlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr all 130,000 Artikel and Verweisungen mit ungefähr 10,000 Abbildungen im Text und auf Ober 1000 Bildertafeln, Karten und Plänen. 17 Bände in Halbleder gebunden afc Je 10 Mk. (Im Brechern«*.) Meyers Kleiner Hand-Atlas. MH 100 Kartenblättern und 9 Textbeilagen. In Halbleder gebunden 10 Mark. Meyers Hand-Lexikon des allgem. Wissens. In einem Band. Fünfte, neubearbeitete Auflage. In Leinen gebunden 6 Mark. Das Deutsche Reich zur Zeit Bismarcks. Politische Geschichte von 1871—1890. Von Dr. Hans Blum. In Leinen geb. 5 Mk. Geschichte der Englischen Litteratur von den ältesten Zeiten bis tur Gegenwart, von Prof. Dr. Richard WUlker. 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Gleichzeitig forderte er mich auf, dem Gold einige Zweiflankenstücke beizufügen, indem dadurch der Schmelzprozeß leichter vor sich gehe. Nachdem die fünfzehn Goldstücke und fünf Zweifrauken« fiücke in den Schmelztiegel gebracht worden waren, überreichte mir Simpson eine mäßig große Cartonschachtel, da» geheim« ntßvolle Pulver enthaltend, welches ich sodann mit den Goldstücken vermengte. DaS alle- geschah ohne irgend welches Zuthun des Fremden. Nach kurzer Zeit konnte die Abkühlung vorgeuommen werden und wieder blieb zu meinem größten Erstaunen ein Goldklumpen in der Größe eine» kleinen Hühnereies im Tiegel zurück. Um meiner Sache sicher zu sein, holte ich da» Gut« schteu verschiedener am Platze ansässiger Goldschmiede ein, welche alle die Aechtheit dr- Metall» bestätigten. Im gleichen Sinne antwortete ein Institut, das sich speckll mit der Prüfung von Edelmetallen befaßt. Des Wetteren beauftragte ich einen auswärtigen Goldschmied mit dem Verkauf des gewonnenen ProducteS, machte denselben jadoch gleichzeitig darauf aufmerksam, daß ich für die Aechtheit de- Goldes nicht garanttreu könne. Zu meiner Verwunderung ging nach rtntgeu Tagen eine Summe von FrcS. 855.80 ein, die mir durch Vermittelung deS erwähnten GoldschmtdeS von der Usine de degrossissage de l’or in Genf für das eingesaudte rohe Gold osserttt wnrde. „Sie sehen/ sagte Simpson zu mir, „daß es sich bet «Oner Entdeckung um ein durchaus reelle» Geschäft handelt. Damit ich nun dieselbe in erfolgreicher Weise au»beuten kann, ist mir die Unterstützung eine» größeren Bankinstitut» unerläßlich, denn e» handelt fich darum, die Goldgewinnung sofort in größerem Maßstabe zu betreiben, da die Möglichkeit utcht auSgeschloffru ist, daß ein Anderer ebenfalls früher oder später auf die Entdeckung geführt würde. Da ich aber nur über kleinere Summen verfügen kann, würde e- geraume Zeit dauern, bi» ich von meiner Erfindung in ausgiebiger Weise Gebrauch machen könnte. Damit ich nun gleich mit Huuderttausendeu opertreu kann, bin ich auf die Mithilfe eine» leistungsfähigen Bankhauses angewiesen und glaube ich überzeugt sein zu dürfen, daß Sie meinem Verfahren hinlänglich Vertrauen geschenkt haben werden, um da» Experiment mit einer Summe von hunderttausend Frank«! zu toagig. Als Erkenntlichkeit äHerire ich Ihnen die Hälfte de- GeMmes. Zur Präparlruug des Golde»,- fuhr Simpson fort, „ist nun ein Porzellaugefäß von bedeutender Größe erforderlich, deffen Construction ungefähr die folgende sein müßte: Die obere Wand des Gefäße», walche zugleich al» Deckel figurirt, läuft in der Mitte in eine trichterförmige Oeffaung au-, durch welche die erwähnte Säure etngeschüttet wird. An der Vorderseite des Gefäße» ist ein Hahn angebracht, durch welchen die Säure, die von sechs zu sechs Tagen erneuert werden muß, auSgeschafft wird. Wenn Sie nun die hunderttausend Franken in den Porzellankasten bringen, werde ich da- nöthige Quantum Säure herbeischaffen, damit da» Gold vorgeschriebenermaßen präparirt werden kann." Ich verrteth nun doch einiges Mißtrauen in Anbetracht der Ueberlaffung einer bedeutenden SuuLie unter so seltsamen Umständen. Allein Simpson suchte dasselbe zu beschwichtigen, indem er mir den Vorschlag umchte, ich solle da» Porzellangefäß während der vorgeschrtebeneu achtzehn Tage von zwei vertranten Leuten bewachen lassen. Er selbst werde das Zimmer, dessen Wahl er mir überlasse, nur in meiner Gegenwart betreten und zwar nur am siebenten und dreizehnten Tage, wo die aufgefüllte Säure abgelassen und durch neue ersetzt werden müsse. So harmlos dies alles auch klang, konnte ich mich dennoch eine» leisen Verdachtes nicht erwehren, einen gefährlichen Schwindler vor mir zu haben. Auf welche Weise jedoch Gefahr für mein Eigenthum vorhanden war, konnte ich damals nicht ergründen. Kurz entschlossen erklärte ich dem Fremden, bafe e» mir nicht möglich sei, auf sein Ansuchen einzutreteck. Zugleich händigte ich ihm al» End- schädtgnng für seine Bemühungen und da» auSgelegte Gold eine Tausendfrankennote ein. Unmittelbar darauf war Simpson spurlos verschwunden und ich hörte in der Folge nicht» mehr von ihm. Ich gedachte dieser Begebenheit nm? sehr selten, 616 ich zufällig einen befreundeten Chemiker traf, dem ich meine Geschichte erzählte. Nach den Eröffnungen dieses Herrn konnte ich mit meinem Jnstinct, der mich damals geleitet hatte, nur zufrieden sein, denn wenig hätte gefehlt, so wäre ich das Opfer einer kühn geplanten Gaunerei geworden. Ich will Ihnen im Nachfolgenden die Erklärung der verschiedenen genannten Vorgänge geben. Jedermann kennt, wenigsten- dem Namen nach, diejenige Flüssigkeit, welche allein tm Stande ist, Gold aufzulösen: das Königswasser. Gießt man mm zu der entstandenen Goldlösung, welche Goldchlortd genannt wird, eine gewisse Menge Eisenvitriol, so setzt fich da» gelöste Gold wieder als fester Körper nieder und zwar als braune pulverförmige Maffe, welche Scbwammgold genannt wird. Hier haben wir nun bereit» die Erklärung für da» geheim« ntßvolle Pulver, da» nicht» ander» al- eine Zusammensetzung von Schwammgold und Borax war. Während der letztere im Schmelzprozeß verbrannte, vereinigte fich da» Schwamm« gold mit den Goldmünzen zu einem Klumpen rohen Goldes. Das Quantum braunen Pulvers, welche» den dreihundert Franken beigefügt wurde, entsprach also einem Werthe von ca. sechshundert Franken Gold, das, zuerst in Königswasser aufgelöst, durch Zügteßen von Eisenvitriol in Schwammgold umgrwandelt wurde und welche-, mit Borax vermischt, mit den dreihundert Franken in der Glühhitze zu einem Klumpen zusammenschmolz. Der von dem Fremden geschickt au»« gesonnene Plan, mich um hunderttauseckdFranken zu betrügen, beruhte auf diesem Experiment mit Königswasser. Erinnern Sie fich, daß Simpson die Bedingung, da» Gold müsse achtzehn Tag in einer Säure liegen, alsMnpterforderniß nannte. Während nun die Flüsfigkeit, in welcher da» Fünffrankenstück und die dreihundert Franken lagen, nur gefärbte- Wasser war, welches da- Gold unbeschadet gelassen, hätte der schlaue Betrüger, nachdem die hunderttausend Frauken im Porzellan« gefäß plactrt worden, gerade so viel Königswasser durch den Trichter eingelassen, al» zur Auflösung dieser Summe erforderlich gewesen wäre. Nach Verlauf der ersten sechs Tage wäre dann die Abfüllung deS kostbaren Goldchlortd- vor fich gegangen und weitere zwölf Tage hätten für den Schwindler einen solchen Vortheil bedeutet, daß er sich mit seinem Raube um so rascher hätte flüchten können, al- die Ausscheidung dr» festen Goldes verhaltnißmäßig wenig Zeit in Anspruch nimmt. Hätte ich dann nach Verlauf der achtzehn Tage da» Gefäß öffnen laffeu, so wäre darin nicht» zu finden gewesen all — reine» Königswasser. Feuilleton. Mnfrr Ksiser Wiihklm-Regiment im Manöver. Spectalcorrespondenz des „Gießener Anzeiger^. Obschon erst etwa zehn Taee verflossen sind, seitdem da» Troßh. Jaf.Regt. Nr. 116 (Kaiser Wilhelm II), unser „HauSregimenl", wie die Oesterreicher sagen würden, unsere Stadt verlassen hat, um tn's Manöverterrain obzuiücken, so hat eS doch schon ungebeure Strapazen durchgemacht, deren Größe man au» dem Umstand entnehmen kann, daß schon etwa 200 Kranke und Marode hierher zurück beordert wurden. Leider sollen andere Regimenter des II. Corps noch eine größere Anzahl Mannschaften auS der Front verloren haben. Besonders in den letzten Tagen bet ungünstigem, regnerischem Wetter haben angestrengte Märsche große Opfer gefordert, was dem Obercommandirenden General der Cavallerte, Grasen Häseler, nicht sonderlich behagt. Diesem General, der sein 16. Corps unausgesetzt durch große Marschübungen im Gelände za den erstaunlichsten Leistungen traioirt, will eS nicht recht einleuchten, daß andere deutsche Armeeabtheilungen weniger marschtüchtig sein können, oder vielmehr dürfen. Nachdem unser Katserregiment bis Donnerstag den 2. September sich an den Divisionsübungen der 25. Divi- fiou in Oberhefseu betheiligt hatte und die hohe Anerkennung Sr. Köuigl. Hoheit des Großherzogs und der Großherzogin für sein Verhalten geerntet, bezog es Quartier bei Homburg. Welchen glänzenden und belobten Antheil eS an der Kaiser« Parade am 4. September genommen, haben wir schon in unserem ausführlichen Paradebericht erwähnt. Der Rest des SamStagS, nachdem die Truppen von der Parade wieder in ihre Standquartiere Nieder- und Ober«Belbach eingerückt waren, gab keine Gelegenheit, sich de» geernteten RubrneS in Gemüthsruhe zu erfreuen, denn man mußte die zweite Garnitur abgeben und auch am folgenden Sonntage folgte ein „Lumpenapell" dem anderen. Während auf Sette der preußischen Truppenabtheilung die Meldung, daß von Mittags 12 Uhr der Kriegszustand eröffnet fei, ziemlich harmlos auf- gefaßt wurde, indem man Vertrauen in die „Sonntagsruhe" setzte, ja leider so harmlos, daß eine Compagnie des Inf.« RegtS. Nr. 83 in Vilbel beim Sttefelapell von einem recog- noSzterenden bayerischen Halbbatatllon abgefangen wurde, denn eS hatte nicht einmal Posten ausgestellt, herrschte im baye« rischen Lager, dem ich Nachmittags einen Bi such abstattete, lebhafter Truppendurchmarsch. Eben diese, eigentlich erwaS leichtfertige Auffassung von der Eröffnung der Feindseligkeiten Seitens verschiedener Truppentheile des 11. Corps und ihres sür FriedeuSzeiten merkwürdig schneidigen Vorgehen» ver« tanken die Boyern, daß sie von Beginn der Troppenbeweg- ungeu einen Vortheil errangen durch Besitzergreifung der | Kinzig Uebergävge und der Stadt Hanau, die sie bi» zum 9. ds. früh zu behaupten verstanden. Es goß in Strömen der Regen nieder, als am Montag früh um 2yt Uhr do» hiesige Regimen: au» seinem Standquartier oufbrack, um im V-rbande der 25. Division sich auf den linken Flügel der unter Befehl de» Grafen Häseler stehenden Oftarmee zu begeben. B s 10 Uhr marschirre da» Regiment, ehe e» nördlich von Wacheoduchen in der Richtung auf Nieder«Dorfelden Stellung nahm und Schützengräben cuiwarf, da man einen Angriff de» 2. bayerischen Corp» auf die Flanke dts Grafen Häseler, der blo» über da» den Bayern numerisch viel schwächere 11. CorpS nebst Cavallerie- dtvifion B verfügte, die links der 25. Division da» Vor« terraiu aufklärte, erwartete. Der immerfort anhaltende Regen hatte Wege und Lecker in wahren Morast verwandelt und schon ehe das 116. Regiment in seine Position gerückt, bemerkte man viele Marode und Fußkranke. Jedermann hatte bei dem Huvdewrtter den Humor verloren, waS auf den Gesundheitszustand und die Marschleistung einer Truppe stet» uavortheilhaft einwirkt. So viel, wie am Montag, ist wohl selten an einem Tage von Offizieren und Soldaten ge- flucht worden, die Stimmung vericdiechterte sich noch dadurch, daß der erwartete feindliche Angriff unterblieb, während vom rechten Flügel her lebhaftes Gewehr- und Geschützseuer hörbar wurde. Endlich gegen drei Uhr wurde der Befehl er- theilt, die Schützengräben wieder anfzusüllen und Nothyuartier in den umliegenden Gehöften zu beziehen. Nur zwei Com« pagnien blieben al» Feldwache im Freien über Nacht. Gänz- lich durchnäßt und müde dachten zahlreiche Soldaten nicht daran, ihren „eisernen Bestand" zu kochen, sondern streckten sich auf daS Strohlager, da» Bauern in Scheunen, Fluren usw. bereitet hatten. Für Geld vermochte man sich keine warmen Speisen zu verschaffen, und für ein Bett boten Offiziere 10—14 Mk. Die Einwohnerschaft hatte aufrichtige» Mitleid mit den Leuten und kochte Massenvorräthe von Kaffee, der allerdtng» die getreueste Copie des berühmten sächsischen „Bltemchens - Kaffee" war, aber schließlich doch erwärmte. Am 8. früh rücken die armen Burschen in ihren noch immer feuchten Uniformen aus, um den rechten Flügel der vortrefflichen, von GrafHäseler erwählten Vertheidigungs« linte Wachenbuchen—Windecken — Eichen—Altstadt einzn- nehwen. Jetzt ist die 25. Dtwsion jedoch nicht mehr am äußersten Flügel, den bildete am DienStag die soeben eingetroffene 37. Infanterie-Division de» 8. Corp», dessen 15. und 16. Divisionen sich jedoch noch bei Södel, dezw. Affenhe'm befinden. Schon gegen 6 Uhr früh Deins m man beim Regiment 116 nördlich Wachenbuchen lebhaftes Geschützfeuer auf dem rechten Flügel und ein Ordonnanzoffizier Überbrachte der Division die Mmhetlung von einem sehr energischen Angriff der Bayern. Vor den äußerst günstig an den Hängen der Höhenzüge eingenisteteu Compagnien erblickte man noch nichts vom Feinde al» zuweilen stärkere Cavallerie-Patrouillen, die aber bald wieder verschwanden. Wahrscheinlich verscheuchte sie da» recht» vor der 37. Division aufklärende Kürassier-Regiment Nr. 8. Ungefähr um 8 Uhr bemerkte man feindliche Cavalleriemaffen nordwestlich im Marsche und da eröffnete auch schon die 25. Artillerie bei Windecken ihr Feuer, da» von der, der 25. Division gegenüber aufgefahrenen Artillerie de» 2. bayerischen CorpS lebhaft erwidert wurde. Nun begann auch die In fanterie de» 2. bayerischen CorpS in da» Gefecht einzugreifen und man wurde fast taub von dem Knattern und Knallen, mit dem unsere braven Hessen das feindliche Feuer er- widerten. Obschon von Natur ruhig und gelassen, hatte vch unserer Leute angesichts de» stetigen Borrückens der Bayern ein toller KampfeSmulh bemächtigt, und sie waren mit aufgepflanztem Sitengewehr drauf gegangen, hätten die Offiziere die Erlaubniß dazu ertheilt. Gegen Mitttag wurde „Da» Ganze Halt" geblasen, jedoch nach einer kurzen Frist, nach welcher der Kaiser, der die Uniform seine» bayerischen Regiments Nr. 6 trug, nach Homburg zurückfuhr, wurde da» Gefecht wieder ausgenommen und endete damit, daß die 25. und 37. Division, die den linken Flügel des Ostcorp» bildeten, der numerischen Uebermacht weichen mußten und sich auf Windecken zurückzogen, wo da» Infanterie Regiment 116 in der Richtung auf Heldbergen die Nacht so gut und schlecht es anging, verbrachte. Obschon die Nacht kühl und der Boden feucht war, hatte die KampfeSstimmung auch Moral und Humor der Truppen wieder gehoben, die am Mittwoch früh mit frischem Muthe wieder in den Kampf zogen, um so mehr, da inzwischen daS 8. CorpS zur Unterstützung eiu- getroffen war, und man nun an den „blauen Bayern" Wieder- Vergeltung für die beigebrachten Schlappen zu üben hoffte. An den Manövertagen verweilten Ihre Königs. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin längere Zeit beim Regiment, neben dem auch eine Weile der Diamanten- fürst, der Rajah von Khetri, hielt. Die hohen Herrschaften haben ihre Residenz im Friedberger Schloß, wo am DienStag auch der Commandirende deS 8. CorpS und der Erbgroß- Herzog von Baden abgestiegen find. V. K.-R. Empfehlungen. zu oermiethen. 2.— 1802 in Gießen r Frankfurter Börse vom 8. September 1897. 4 Ung. Gold-Rente Mexicener 4 Monopol-Griechen von 1887 empfiehll 4 bto. BtUI ranz. Banknoten icftcrr. bto. 4.20 | 4.16 | Americ. Darmst. Bk^ Retten 157 20 l Oesterr. Eredtt-Rctt« 310.37 Linie B Linie C Linie D Redaktion: L. fdjejjba. »nxd und Verlag der vrühllchen Univerfitäts-Vuch- und Strintaufcrei (Pietsch A Echeyda) In Gießen. Stadt Darmstadt o. 1891 Stadt WormS unk. b. 1901 1.70 i.8o: 16 JO 20.37 4 3 3 103 JO 98.15 102 25 000.00 101.50 80 85 170 20 <.16Vi 20 Franken-St. Engl. Sovereign» Dollars in Gold tkocaii 4*/i Oefterr. SÜberreste 8308 Asteeweg 1» »tiauft Roll II., Bahnhofstraße 51, Wilhelm Haa», Bleichstraße 21, Jacob Häuser, LudwigSstraße 36, «doif Lenhard, ffrankfurterür. 64. 8119 C. Roth II. 87.00 104.00 22 80 93 05 33.90 101.50 1C0.60 101.— 101.- 101— 10W o^Deutsche ReichSanl. 3 Preuß. ConfolS • e 1 5 f o r t • n t eritf « I Iwiebelkuchen Montags, Mittwochs und Freitags, von 9 Uhr ab. 5433 Roll, Kosbäcker. Wittwe Hassan, Hoflieferant Frankfurt a. M. empfiehlt feinste Java-Mischungen JL 1.60, 1.70 und 1.80 per Pfund netto, sowie Chinesischen Thee in bewährtesten Sorten, lose und in allen Packungen. 7013 Niederlage bei Eberhard Dort, Gießen. Coursberioht rn J. 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