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Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamikienbtätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- mtgtgee. Amtlicher TKeil. Bekanntmachung. Betr.: Einfuhr von Zuchtstutfohlen durch den Pferdezucht- Verein im Großherzogthum Hessen. Der Pferdezucht-Verein hat im Laufe deS Sommers seinen Mitgliedern, in directer Verbindung mit dem Züchter, Gelegenheit zur Erwerbung edler Zuchtstutfohlen, sowohl warmblütiger aus Oldenburg wie kaltblütiger aus Belgien zu vermitteln. Für die Einfuhr gelten folgende Bestimmungen: § 1. Die Anmeldungen müssen spätestens bis zum 20. April beim Schatzmeister des Pferdezucht-Vereins, Herrn Hofkammer- rath N e ß l i n g - Darmstadt, eingelaufen sein. § 2. Die allgemeinen Kosten der Commissionen, deS Zolles, deS Transportes der Thtere bis zum Orte der Versteigerung, der Versteigerung selbst sowie der Fütterung während dieser ganzen Zeit trägt der Pferdezucht-Verein, so daß die Besteller nur den (Netto-Gesammt-)AnkaufSpreiS für die Fohlen zu tragen haben. § 3. Die angekauften Fohlen werden unter den Bestellern an einem von der Ankaufs-Commission noch näher zu bestimmenden Orte versteigert und die Besteller von dem Ber- steigerungstermin rechtzeitig benachrichtigt. § 4. a) Das erstmalige AuSgebot erfolgt der laufenden Nummer nach zum durchschnittlichen Ankaufspreise — ausschließlich Zoll und allgemeine Kosten. b) Der etwaige Mehrerlös wird nach Maßgabe der Steig- preise an die Steigerer zurückvergütet, einen etwaigen Mindererlös haben dieselben nach demselben Maßstabe wieder zu ersetzen. e) Jeder Besteller ist verpflichtet, sich an der Versteigerung maßgeblich seiner Bestellung zu betheiligen. d) Die beiden letzten Thiere werden den durch die Versteigerung noch nicht versorgten Bestellern durch das Loos zugewiesen. e) Bleiben bei der Versteigerung weitere Thiere übrig, so werden solche ebenfalls durch das LooS denjenigen Bestellern zugeschlagen, welche an der Versteigerung sich nicht betheiligt, bezw. Fohlen in der bestellten Zahl nicht ersteigert haben. f) In den beiden Fällen d und e werden die durch Ber- loosung den Bestellern zugewtesenen Fohlen zu dem für die vorhergehenden Fohlen erzielten durchschnittlichen VerstetgerungSpreiS, den in Betracht kommenden Bestellern vom Vorstand angesetzt. § 5. Die Ueberweisung der Thtere erfolgt sofort nach Zuschlag bezw. nach Berloosung gegen Baarzahlung und ohne irgend welche Haftverbindlichkeit seitens des Vereins. § 6. Die Ankaufs-Commissionen werden auf der Generalversammlung bestimmt werden. Saugfohlen werden, da sie verhältuißmäßig theurer als ältere Fohlen sind, nicht mehr eingeführt. — Die Einfuhr ist auf IVzjährige und ^jährige Fohlen beschränkt. Der Preis für 1«/,jähriges Fohlen aus Belgien dürfte sich auf etwa 800 Mk., für ein Fohlen aus Oldenburg auf etwa 700 Mk., für ^/zjährtge auf 1000 bezw. 900 Mk. stellen. Die Uebergabe der bestellten Fohlen wird voraussichtlich im Laufe des Monats August stattfinden. Darmstadt, den 15. Februar 1897. Für den Vorstand: von West er weller. Naegel«. Veutscve» »eich. Berlin, 6. März. Laut „Berl. Corresp." bestimmte der Minister der öffentlichen Arbeiten, daß der 22. März in dem Betriebe der Bauverwaltung als Feiertag zu behandeln ist. Den Arbeitern ist dieser Tag ohne Lohn- Verkürzung fretzugeben, soweit eS irgend die Verhältniffe gestatten. Für Arbeiter, die am 22. März beschäftigt werden müssen, ist unter gleicher Vergünstigung der 23. März frei- zugeben. Berlin, 6. März. Der Gesundheitszustand des früheren Reichskanzlers Grafen Caprivi ist, wie das „B. T." meldet, keineswegs ein befriedigender. Die AlterSgebrechen machen sich bet dem nunmehr im 67. Lebensjahre stehenden General recht fühlbar. Venenentzündung zwingen den Grafen Caprcvt öfter, ruhig zu liegen und sich zu schonen. verliu, 6. März. Der Commandenr des Kaiser- Alexauder-Garde-Grenadier-Regimeut- Nr. 1, v. Moltke, hat sich gestern Abend nach Petersburg begeben, um dem Kaiser NtcolauS Namens des Regiments den Dank abzu- statten für die ihm verliehenen Fahnenbänder, welche der russische Oberst Nepokottschitzkh überbrachte und die am 4. Februar in Gegenwart deS Kaisers an den Fahnen befestigt wurden. Berlin, 6. März. Jn derBudgetaCommiffiou des Reichstages theilte heute der Vorsitzende, Abgeordnete v. Kardorff mit, daß der Reichskanzler sich bereit erklärt hat, in der nächsten Sitzung, in welcher der Marineetat be- rathen wird, zu erscheinen. Berlin, 6. März. In der Budget-Commission deS Reichstages wird die Berathung des Marine- EtatS am Montag fortgesetzt werden. Berlin, 6. März. Die „Nat.-Ztg." schreibt: Nach Mittheilung aus BundeSrathSkreisen scheinen sich die Aussichten auf ein Zustandekommen der Reform deS Militär- strafprocefseS im Bundesrath entschieden gebessert zu haben. Nach der Berathung im Ausschuß mit ihrem durchaus günstigen Verlauf wird angeblich die zweite,Lesung im Plenum nur wenige Sitzungen in Anspruch nehmen, worauf die Vorlage an den Reichstag gelangen wird. Heber baß Schicksal des Entwurfs tu diesem allerdings scheint noch Unsicherheit zu herrschen. Bonden übrigen Vorlagen werden am 11. d. M. die neue Handwerkerordnung und das Auswanderungsgesetz aus den Ausschüssen des BundeSrathS an daß Plenum desselben gebracht werden. Homburg v. d. H., 6. März. Die Schlußtage des diesjährigen Kaiserin anöverk werden in der hiesigen Gegend stattfiuden. Mit der hiesigen Garnisonsverwaltung sowie mit den hiesigen Behörden ist wegen der Unterbringung deS Hauptquartiers bereits verhandelt worden. Die endgültige Entscheidung dürfte erst Ende d. M. getroffen werden. Köln, 6. März. Die „Köln. Ztg." meldet aus Athen telegraphisch, daß aus einen allgemeinen Aufstand in Makedonien gerechnet wird. Geheime Comites, die große Geldmittel, Waffen und Munition besitzen, find äußerst thättg. Als bemerkenSwerth bezeichnet die „Köln. Ztg." einen Artikel des Regierungsblattes „Proya", worin ausgeführt wird, die türkische Concentrtrung habe griechische Gegenmaßregeln hervorgerufen, um die Grenze zu sichern. DaS Blatt hofft, daß die türkischen Maßregeln nicht in feindlicher Absicht gegen Hellas getroffen seien, andernfalls dürste ein Krieg unvermeidlich sein. Die Blätter verbreiten die falsche Nachricht, deutsche Offiziere befehligten die Türken in Makedonien - „Proya" versichert, daß dies unrichtig sei, da nur zwei Deutsche als Generale und nicht in Commandostellen thätig seien. Hamburg, 6. März. Der untergegangene Dampfer „Syrakus" hatte eine Besatzung von 30 Mann, von denen kaum Jemand gerettet worden sein dürfte. Wien, 6. März. In hiesigen diplomatischen Kreisen rechnet man mit Bestimmtheit darauf, daß die Antwort Griechenlands ablehnend sein werde. Man ist jedoch überzeugt, daß von den sodann zutreffenden Zwangsmaß« regeln sich keine Macht ausschließen und daß insbesondere England an denselben theilnehmen wird. Die Berathungen der Admirale vor Kreta über die eventuell zu ergreifenden Maßregeln dauern fort. ES ist die Einschließung Kretas und die Blokade einiger griechischer Häsen in Aussicht genommen. Gleichzeitig hatte die Berathung der Admirale auch die Frage zum Gegenstand, wie nach dem etwaigen Abzug der griechischen und türkischen Truppen die Ordnung aus der Insel aufrecht zu erhalten und Blutvergießen zu verhüten fein würden. Rom, 6. März. Die Blätter äußern sich über die beabsichtigten ZwangSmaßregeln der Großmächte sehr ungünstig. „Corriere di Napoli" sagt, eS sei schmählich, daß die Mächte den König Georg vor die Wahl stellten, erdrückt oder von der Volkswurth weggefegt zu werden. „Mattno" zweifelt, daß ein italienischer Admiral den Muth haben werde, auf griechische Schiffe zu schießen und meint, Italien würde das nicht dulden. „Meffagero" theilt mit, daß Menoth Garibaldi Griechenland für den Kriegsfall ein Corps von 20 000 Mann angeboten habe. Rom, 6. März. Einem hier curfireuden Gerücht zufolge soll DelyanniS dem italienischen Gesandten vertraulich angedeutet haben, daß er dem König die Rückberufung der 0iud)t|d)en Schiffe, aber niemals jene der Truppen anrarhen würde. Rom, 6. Marz. In vatikanischen Kreisen wird die Verleihung deS GroßcordonS des gregorianischen Ordens an den russischen Gesandten beim Vatikan all Beweis dafür angesehen, daß die Beziehungen zwischen Rußland und dem Vatikan sich wesentlich gebessert haben. Dieser Orden wird nämlich nur an bevollmächtigte Botschafter verliehen. vrüffel, 6. März. General Brassine, der ehemalige KrtegSminifter, wird demnächst aus der Armee auS- treten, um eine Stelle als Direktor der Nationalbank anzu- nehmen. Brüssel, 6. März. Gestern Abend fand hier eine Versammlung zuGunsten der in Kreta unterdrückten Christen statt. Bandervelde, Piccard, Lauroo, Priester DhaenS und Andere hielten heftige Reden, in denen der Sultan als Christenmörder und Griechenland als Märtyrer dargestellt wurden. Mit Hochrufen auf Griechenland ging die Versammlung auseinander. Paris, 6. März. Goblet hat dem Minister des Aeußern Hanotaux mitgetheilt, daß er ihn vor Ablauf der durch baß Ultimatum der Mächte Griechenland gesetzten Frist interpelliren werde, um Auskunft darüber zu erhalten, welche weiteren Schritte die französische Regierung im Anschluß an ihre Note zu thun beabsichtige. Hanotaux wird heute nach dem Ministerrath Goblet von dem Zeitpunkt der Beantwortung der Interpellation in Kenntniß setzen. Man glaubt, daß die Beantwortung nicht vor Dienstag erfolgen wird. Paris, 6. März. „Figaro" bringt ein Telegramm aus Kanea, wonach die Mächte Griechenland fiele Handtgegen die Türkei lassen wollen und erst bann einzugretfen beabsichtigen, wenn die eine Macht auf dem Punkte angelangt ist, die andere zu vernichten. London, 6. März. Hier ist das Gerücht verbreitet, daß Griechenland die Forderung der Mächte acceptirt habe. Athen, 6. März. Die griechische Regierung wird morgen auf baß Ultimatum der Mächte antworten. Die Antwort wirb ablehnenb lauten. Man verläßt sich hier darauf, baß bie Einigkeit der Mächte nicht mehr Staub halten werbe, wenn eS sich um die Anwendung von Gewalt gegenüber Griechenland handeln würde. Depeschen deS Bureau „Herold." Berlin, 7. März. Der „Berl. Localanzeiger" meldet auß FriedrtchSruh: Fürst Bismarck, dessen Befinden zwar zu keinen Besorgnissen Anlaß gibt, leidet neuerdings heftiger als im Winter an neuralgischen Gesichts« schmerzen, welche durch die naßkalte, unbeständige Witterung stets verschlimmert werden. Den Fackelzug der Hamburger am 1. April wird der Fürst trotzdem annehmen. Berlin, 7. März. Gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr wurde der Pfandleiher Wilhelm Zeidler in seinem Geschäfts- local ermordet aufgesunden. Anscheinend ist baß Verbrechen mittelst einer Axt auSgeführt worden. Der Thäter soll ein gewisser Lustig fein. Man vermuthet, daß Com- plicen betheiligt gewesen find. ES liegt unzweifelhaft Raubmord vor, denn nach Feststellung der Polizei fehlen auS der GeschäftSkasse 75 bis 100 Mk. Lnzeru, 7. März. In Lausanne fand ein großes Meeting von Schweizer Bürgern statt- dasselbe beglückwünschte telegraphisch DelyanniS zur Befreiung Kretas. Wien, 7.März. Daß „Fremdenblatt" warnt Griechenland nochmals davor, die Dinge aufs Aeußecste zu treiben, da die Mächte ausnahmslos zu ZwangSmaßregeln schreiten würden. Auch die Drohung, daß Griechenland einen Aufstand in Albanien und Makedonien ansachen werde, könne Griechenland nicht ernst meinen, da Bulgarien und Serbien dann vom Sultan die lange angestrebten Begünstigungen erhielten, daß Uebergewicht.in diesen beiden Provinzen erhalten würden und Griechenland nur schlimme Enttäuschungen haben werde. Budapest, 7. März. Ein Kasfirer der hiesigen Filiale der anglo-österreichischen Bank desraudirte 10,000 Gulden behufs Deckung von Rörsenverlusten. Da die Verwandten den Schaden ersetzen, unterbleibt eine Anzeige. Fiume, 7. März. Der Sultan bestellte auf der hiesigen Werst vier Kanonenboote, die er auß seiner Privat Schatulle bezahlt. Venedig, 7. März. Daß hiesige Comitv der Griechen- freunde erhielt die Nachricht, daß die erste Schaar der Freiwilligen aus Venetien in Korfu unbehindert angelavgt ist und die Fahrt nach Kreta fortsetzte. Lüttich, 7. März. DaS Deficit des hier verhafteten Wechsel-Agenten Vincenz beträgt 100,000 FrcS. Athen, 7. März. Wie verlautet, beabfichtigt der Marinemioister, zu demisfiooiren. Athen, 7. März. Militär und Polizei spannen den Civtl'Fuhrwerken einfach auf der Straße die Zugthiere auS, um Kanonen nach dem PiräuS zu fahren, von wo diese zu Schiff an die Grenze gebracht werden. Die au-gehobenen Pferde find noch nicht eingetroffen. Athen, 7. März. Aus Arta wird gemeldet, daß Muselmänner daS griechische und englische Consulat in Prevosa in Brand gesteckt haben. DaS Feuer wurde rechtzeitig entdeckt und gelöscht. Hier ist man fest überzeugt, daß die angestrebte Blokade deS PyräuS unmöglich sei, da eine Einigkeit der Großmächte hierüber kaum zu Staude komme. Berlin, 8. März. Der Kaiser nahm gestern daS Frühstück im Hause deS ProfefforS Dr. Paul Gäßfeldt ein. Athen, 8. März. Der Inhalt der Antwort der Re« gierung ist ein Protest gegen Gewaltmaßregeln und die Aufforderung, eine BolkS«Absttmmung der Kreter zu veranlassen. Die Befitzergreifung der Insel sei auch auS Gründen der Humanität erfolgt. Ein Zurückwetchen sei uu« möglich. Als Folge wird eine friedliche Blokade der Häfen erwartet. Das griechische Heer auf Kreta wird fich tu daö Innere zurückziehen. Athen, 8. März. Dem Regierungsblatt „Asty" zufolge erklärte der König einer hochstehenden Persönlichkeit, er verachte jede Gewaltmaßregel, die Europa gegen sein kleines Königreich anweude. Er werde daS Beispiel geben zur Erhebung aller noch unter dem türkischen Joch stehenden Völker. Gelinge idm dies nicht und sollten die Mächte die Türken durch Blokade der griechischen Häsen unterstützen, so werde er Europa die Krone vor die Füße werfen. Er wolle dann nicht mehr der König der Hellenen heißen, weil die Mehr- zahl der Hellenen den Sultan zum Herrn hätten, während sich die Mächte selbst zum Büttel deS TürkenrricheS erniedrigt hätten. Oberst DaffoS habe Befehl erhalten, sich zum äußersten Widerstande bereit zu halten. WB. Berlin, 8. März. Eine Privatmeldung des „Berliner Tageblatt" aus Parts besagt, die griechische Regierung beantwortete die Note der Mächte dahin, daß Griechenland die Zurückziehung der Truppen auS Krata ablehne, da hierdurch auf Kreta völlige Anarchie entstehen würde. WB. Barmen, 8. März. Der Dichter Emil Ritters« haus ist heute früh gestorben. Schwurgericht. W. Gießen, 8. März. Heute Vormittag 9 Uhr begannen die Verhandlungen des diesmaligen Schwurgerichts. Der Vorsitzende, Herr LandgertchtSrath Dr. Ltnkenheld, begrüßte die Geschworenen, indem er dieselben auf ihre Pflicht htnwieS, Recht zu sprechen nach bestem Wissen und Gewissen. Nach Bildung der Geschworenenbank wird in die Verhandlung gegen den 52 Jahre alten Gänsehirten Johannes Schwing XV. von Landenhausen eingetreten. Die Anklage wird vertreten von dem Ersten Staatsanwalt Herrn Dr. Güngerich. Als Vertheidiger des Angeklagten ist bestellt Herr Rechtsanwalt Wei big. Die Anklage lautet auf Verbrechen wider die Sittlichkeit, begangen an einer geistesgestörten Person. Es sind sechs Zeugen und ein medictntscher Sachverständiger zu hören. Die Verhandlung erfolgt wegen Gefährdung der Sittlichkeit hinter verschlossenen Thüren. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage wegen des übrigens geständigen Angeklagten, ebenso das Vorliegen mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängntß, unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft, erkannte. Locales rind provinzielles. Gießen, den 8. März. * * Kirchliche Dieustnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Pfarr- derwalter Heinrich Brtll zu Ober-Wtddershetm, Decanat Nidda, und dem Pfarrverwalter Hugo Frey zu Hopfgarten, Decanat Alsfeld, die evangelischen Pfarrstellen daselbst zu übertragen. • • Militärdieustaachrichten. Walter, Kaserneninspector in Gießen, als Garuison-VerwaltuugS Inspektor auf Probe nach Hameln, Fischer, Kaserneninspector tu Frankfurt a. M., nach Gießen versetzt. * * Senteuar-Feier. Die erste Gesangsprobe für die Feier am 22. d. MtS. findet laut Jnseratentheil Dienstag Abend im Saale des Lass Ebel statt. Zur Ausführung resp. Ucbung gelangen drei Chöre: Beethovens „Die Himmel rühmen", KöllnerS „Kaiser RothbartS Testament" und das für vorliegenden Zweck preisgekrönte Lied von Th. Krause: „Wilhelm der Große". Sehr erwünscht ist e», daß die Herren Sänger pünktlichst die Proben besuchen, damit Herr Franz Bauer, der sich wieder auf Wunsch des Stadtraths freundlichst zur Verfügung gestellt hat, Ehre einlegen kann mit seinen Sängern. • * Zn der Kunstausstellung am Brand ist am gestrigen Sonntag die höchste Besuchsziffer erreicht worden. Die Ausstellung besuchten nämlich in der Zett von 11 bts 8 Uhr über 300 Personen, etn Beweis dafür, daß die gegenwärtige Mannfeld'AuSstellung eine recht intereffante ist. • • Dr. von vradke f. Gestern früh 5 Uhr starb in der chirurgischen Klinik Dr. P. von Bradke, ordent- ltcher Profeffor des Sanskrit und der vergleichenden Sprach, wtffenschaft an der LandeS-Univerfität. Eine Rankheit tm Herbste hatte er glücklich so weit überwunden, daß er die Vorlesung aufnehmen konnte,- da kam im December ein Rückfall und bald zeigte fich ein noch schwereres Leiden, gegen das fich keine Hilfe fand. So wußte er vom Leben scheiden in einem Alter, das als das thatkraftigfte und schaffen«- freudigste gilt. Geboren 1853 in Petersburg, ftudirte von Bradke 1873—78 erst in Dorpat, dann in Tübingen, besonders bei dem Altmeister der indischen Philologie, Roth. Weitere Anregungen für seine Arbeiten fand er später in Jena und in München. Seit 1884 wirkte er an unserer Hochschule. Er hatte für alle Gebiete der indogermanischen Sprachwiffenschaft lebhaftes Interesse und hat die Linguistik mit nicht wenigen Beiträgen bereichert, die alle von feiner CombinationSgabe zeugen. Aber seine Forschung richtete sich doch wesentlich auf die indische Philologie. Seine gründliche Kenutniß des Sanskrit und besonders des Beda machte er in hervorragendem Maße nutzbar für sein Lieb- lingögebiet, da» altindische Alterthum. Wie fein Lehrer Roth beschäftigte er sich eingehend mit dem ReligionSwrfen der alte« Inder. Für die Probleme dieses schwierigsten Gebietes brachte er noch mehr mit als das bloße Rüstzeug deS Gelehrten : die Gabe, tief zu blicken, weil der Menfch selbst an der Sache Autheil hatte. Die Feinheit der Beobachtung erinnerte an seinen baltischen Landsmann Victor Hehn, mit dessen Studien und Neigungen er fich vielfach berührte. Es ist tief zu beklagen, daß solch gründliches und wahrhaft reiches Wissen so früh der Wissenschaft entzogen ist. Herr Kammersänger Buff-Gießen hatte nach Berichten Wiener Blätter bei seinem Gastspiel an der Wiener Hofoper einen glänzenden Erfolg und erhielt derselbe von Seiten der Directtou den ehrenvollen Antrag, in den Verband der Wiener Hofoper einzutreten. • *H. Stadttheater. WaS dem hiefigen Theaterverein trotz großem Bemühen bis jetzt nicht gelungen, nämlich eine Aufführung von Schillers „Räuber" durchzufetzen, hat gestern die Direction Kruse-Helm ermöglicht, noch dazu unter Heranziehung eines der gefeiertsten Schauspieler, des königl. preuß. Hofschausptelers Adalbert Matkowsky als Gast. Dem machtvollen Zauber der Sprache Schillers kann man sich auch in diesem Trauerspiele nicht entziehen, wenngleich, um eS ohne kritischen Einwand genießen und fich von dem eindringlichen Pathos ganz hinrrißen lassen zu können, man fich die Jugend und Ueberschwänglichkeit Schillers zur Zeit, als er dasselbe schuf, vergegenwärtigen muß. In Karl v. Moor, dem Helden der „Räuber", ist, wenn auch stellenweise ins Uebermcnschliche angelegt, jene echte unverfälschte Naturgewalt wiedergegeben, deren vulkanische Ausbrüche schrecken und erschüttern. Der Wiedergabe des an Utero« rischem Werth und dramatischer Wirkung hochstehenden Werkes durch unser hiesiges Ensemble durfte man wohl mit Spannung entgegensetzen, doch müssen wir gestehen, daß in Berücksichtigung der hiesigen Bühnenverhältnisse die Regie, Dank ihrem Eifer und Bemühung, auf etn zufriedenstellendS Resultat zurückblicken kann. Die Hauptrolle deS Stückes, Carl von Moor, lag in den Händen deS geschätzten Gastes, Herrn Matkowsky. Unsere aufrichtigste Bewunderung für diese schauspielerische Leistung großen Stils- dieser Carl Moor war nicht gespielt, sondern geschaffen mit jener elementaren Gewalt, die unS die Psychischen Pbasen voll und ganz al» Seelengemälde vor Augen führte. Reichster Beifall und mehrmaliger Hervorruf ehrten den Künstler, dessen weiterem Auftreten als „Keau" und „O'hello" wir mit höchstem Interesse entgegensehen. — Neben dem Gaste hatte unfrr heimisches Ensemble die schwlerige Aufgabe, fich zu behaupten, wa« zum größten Theil auch befriedigend gelang. Herr Peickner als Vater Moor führte die ihm schlecht liegende Rolle mit Selbstverleugnung durch, war jedoch im Pathos manchmal zu überschwänglich. Die ungemein schwierige Wtedergabe deS Franz Moor gelang Herrn Kunert nicht immer im Sinne de» von dem Dichter gezeichneten ChrnacterS. ES ließe sich über die Wiedergabe dieses Bösewichts ein Capitel für fich schreiben- wir betonen bloS das Eine: dieser dämonische, zu allem Schlechten fähige Teufel in Menschengestalt erfordert eine ebensolche Verkörperung und stellt demgemäß auch die größten Anforderungen an mimische und physische Ausdruckweise. DaS Talent deS Künstlers ist hierzu befähigt, doch scheint er hiersür nicht diSponirt gewesen zu sein. Was auS der an und für sich idealen, aber sonst unbedeutenden Parthie der Amalia gemacht werden kann, verlieh ihr Frl. Leno in gewinnender Weise. Von den als Räuber auftretenden Herren gefiel Herr Fritz schler (Schweizer), Herr Schröder (Spiegelberg) und Herr Goldbach (Roller) durch gutes Spiel. In Kofiuzky stellte fich etn Herr Fellner als Debütant vor- feine Gestaltung war zu theatermäßig-pathetisch angelegt und ließ Natürlichkeit vermissen, die Sprache muß an Klarheit deS leidenschaft- ltchen Ausdrucks, Festigkeit und Beherrschung noch gewinnen - daS Spiel war flott und brachte ihm Beisall. Dle übrigen Rollen befriedigten. DaS gut besetzte HauS stand unter dem starken, nachhaltigen Eindruck der Dichtung und lohnte mit lebhaftestem anerkennenden Beifalls • • Stadttheater, lieber das weitere Gastspiel deS Herrn Matkowsky als „Kean" heute Abend, entnehmen wir dem „Oldrnb. Gen.-Anz." Nachstehendes über seine Verkörperung dieser Rolle am Großh. Theater zu Oldenburg: „Herr Matkowsky beherrschte die Rolle so ganz bis in ihr innerstes Wesen, daß ihm auch nicht ein Zug entging von der Weichheit und tobenden Heftigkeit deS zu schildernden Künstlers, doch ohne daß ein Wort auf das Gefühl deS Zuschauers zurückwirkte. Eine solche Darstellung kann nicht bloS vergleichsweise gut genannt, fie verdient den vollendetsten in jeder Hinsicht zur Seite gestellt zu werden. Trefflich zu statten kommt ihm dabei das biegsame, klare, auch in der Dämpfung reine, vornehmliche Sprachorgan, die feste präcise Articulation, wobei bei richttgem Seelenausdruck größere Wirkung hervorgebracht wird, al« durch die gemessenste mo- dulirteste Declamation. Herr Matkowsky verschmähte jeden rhetorischen Prunk, er suchte durch die Natürlichkeit seiner Rede zu überzeugen, und eS gelang ihm, selbst den Zuhörer im Zuschauerraum von der Wahrheit seiner Worte zu überzeugen. Gewiß darf da« als ein Triumph der Kunst betrachtet werden. In der kleineren Scene mit der Gräfin Helena (Fräulein WalleS) war eS daS weiche, warme Ge- fühl, die Jouigkeit deS Empfindens, wodurch der Künstler fesselt-, und das exzentrische Wesen deS genialen Schauspielers wußte er da, wo er sich für die Vorstellung entleiben läßt, mit solcher Naturwahrheit wiederzugeben, daß man vergaß, daß man im Theater war und glaubte, man habe den wirklichen Menschen vor Augen. Ein Extrem überholte daS andere, aber keines verletzte, keine« ließ da« edle, durch die Kunst gebotene Maß vermissen. Dasselbe ist von dem Auftritt zu sagen, wo Keau von der glühendsten Eifersucht gepackt wird und der Wahnsinn ihn auS allen Fugen heraus» treibt. WaS vorher schon durch Worte angedeutet war, vermittelte hier daS Auge, in ihm gab fich immer mehr und mehr das zu erkennen, was sich in der Seele de« Manne« regte, bis endlich der tobende Ausbruch alle Dämme nieder» riß. Ja dem fast nicht endenwollenden Applaus, der dem Künstler nach jeder Scene gespendet wurde, gab fich der Dank de« ausverkauften HaufeS für den seltenen Kunstgenuß zu erkennen. * * Die lebenden Photographien konnten gestern leider durch Versagen de« Mechanismus im Bildertransporteur den zahlreich erschienenen Interessenten nicht vorgefübrt werden. Dem mißlichen Vorkommniß ist jetzt abgeholfen und functionirt der Apparat nunmehr zufriedenstellend. Die Vorführungen finden nun wie angezeigt statt. * • Diebstahl. Am vorigen Samstag Abend wurde ein frecher Diebstahl in einem Haufe am Marktplatz ver- übt, indem ein im Hausflur liegender Waannballen aufpr» schnitten und daraus ein ganzes Stück Leinwand gestohlen wurde. * * Brand. In einem Zimmer des Manfardenstocks eine« Hauses in der Moltkestraße entstand am vorigen SamStag Abend 7f/2 Uhr auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feuer. Die Hausbewohner und Nachbarn vermochten dasselbe wohl zu löschen, jedoch ist ein nicht unerheblicher Schaden an Mobilien und auch am Hause selbst zu verzeichnen. * * Nebenbahn von Gtnoberg über Lich «ach Butzbach. Der Abg. Schönfeld hat bei der Zweiten Kammer folgenden Antrag gestellt: Die hohe Kammer wolle Großherzogliche Regierung ersuchen: „Im Anschluß und unter Genehmigung des Antrags des Abg. Joutz und Consorten wegen lieber, nähme des Baues und Betriebes einer Nebenbahn von Butzbach nach Lich, geneigteft eine Ausnahme der nach ®;flnberg fortzusetzenden Linie dieser Bahn eintreten, und darauf den Ständen eine Vorlage wegen Uebernahme deS Baue« und Betriebes einer Bahn von Grünberg nach Lich und Butzbach gütigst werden lassen zu wollen." Zur Begründung wird u. A. ausgeführt, daß durch die Herstellnug dieser Linie der Stadt Grünberg eine Förderung ihrer Interessen geboten wird, welche im Laufe der letzten 30 Jahre durch Umstände, deren Verhütung oder Beseitigung außerhalb der Macht der Stadt selbst gelegen war, beeinträchtigt worden sind, umso» mehr, als auch bei Genehmigung der Nebenbahn Mücke— Laubach—Hungen—Friedberg durch'Annahme der Linie Mücke —Freienseen eben die Stadt Grünberg nicht berückfichtigt worden ist- daß durch den Bau der Eisenbahnlinie Butzbach —Cid}—Grünberg die uralte, verkehrsreiche Verkehrsstraße Frankfurt—Alsfeld—Hersfeld—Norden wieder hergestellt wird. *♦ Höhere Schulen in Hesse«. Im Großherzogthum Hessen bestanden 1896 29 Gymnasien, Realgymnasien, Real- und höhere Bürgerschulen. Die Frequenz dieser Schul» anstalten betrug einschließlich der Vorschulen 8813 Schüler, wovon auf die Gymnasien 3177, b:e Realgymnasien und höheren Bürgerschulen 5636 entfallen. Der Confession nach sind 5864 evangelisch, 1898 römisch katholisch, 9 altkatholisch, 67 deuischkatholtsch, 944 israelitisch und 3 gehören anderen ReligionSgescllschasten an. 726 find Söhne von Landwirthen 966 von Handwerkern, 3330 von selbstständigen Gewerbetreibenden, 522 von Aerzten, Anwälten, Geistlichen, Gelehrten, Künstlern, 638 von Lehrern und Gemeindebeamten, 1463 von Beamten deS Staates und Hofes, 739 von Privat» angestcllten, 259 von Militärs und 170 von Rentnern und Privaten. Die Gesammtzahl der an diesen Anstalten wirkenden Lehrkräste belief sich tncl. der außerordentlichen Lehrer auf 479. Von diesen find 14 von 20—25 Jahren, 51 von 25—30 Jahren, 207 von 30—40 Jahren, 92 von 40 bis 50 Jahren, 44 von 50 bis 60 Jahren und 9 über 60 Jahre alt. 10 beziehen einen jährlichen Gehalt von 1500 Mk. und weniger, 70 1500—2000, 47 2000—2500, 56 2500 bis 3000, 68 3000—3500, 27 3500—4000, 60 4000^1« 4500, 64 4500—5000, 12 5000-5500 und 4 über 5500 Mark. ** Beitrag des Staates zu den Kosten der Polizei tu den Städte» betreffend. Die Gemeindeverwaltung der Stadt Mainz hat eine diesen Gegenstand behandelnde Petition an das Ministerium gerichtet, die auch für Gießen interessant ist. Wir lassen die Petition im Wortlaut folgen: Bei der am 29. Januar l. I. stattgehabten Prüfung unserer Ver» waltungsrechenschaft ist Seiten» der Stadtverordneten-Ver- sammlung erneut Veranlassung genommen worden, die Unzulänglichkeit deS Staatszuschusses zu den Kosten der Polizei zu betonen und zu beantragen, daß an Grohherzogliche Regierung das Ersuchen gerichtet werde, in den Haushaltsvoranschlag des GroßherzogthumS für die Rechnungsjahre 1897/98 1898/99, 1899/1900 als Zuschuß des Staates zu den Kosten der Polizeiverwaltung der Stadt Mainz den Betrag von 45,000 Mk. für jedes Rechnungsjahr einzustellen. Wenn wir, diese» Anträge Folge gebend, von der Wiederholung unterer früheren eingehenden Ausführungen glauben abfeheu zu dürfen, so halten wir uns gleichwohl heute mehr als jemals überzeugt, daß dem berechtigten Verlangen der Stadt endlich entsprochen wird. Nachdem die Großherzogliche Regierung in ihrer Vorlage des GesetzentwursS vom 16. März 1896, die Polizeiverwaltung betr., in der Begründung zu Art. 21, Beilage zu den Verhandlungen der zweiten Kammer Nr. 496, S. 14 und 16 selbst anerkannt hat, daß die Klage der Städte, ?" «Sfr 8t" w«Äl,r btr, u,/ tun J’J*' M j,!* ®«mu ,l™- »« l,e ; m di, '““Mm rt,Ur bko zahl, i* lumtontrt J«nb wurde eii "^ktplatz üfti UnbQOen acht' 'toanb «estohlkn lotbenftocfö eines ll'ßtn Taweig, Feuer n dasselbe vohl ct Eihaba an !tchnea. I nach Vihbach. °»»er folgenden Troßherzoxliche r Genehmigung i wegen lieber- lbahn von Butz, nach Grünberg und darauf den des Laues und !ich und Buhbat itflTünbunfl wird dieser Linie der 'teressen geboten durch UoOnd:, 1 der Macht dir in flnb, umio- rbahu Mckc— der IV’oXe^V/ chr bnWchngi chnlwie Butzbetz >e Verkehrkchtze erbergeftelltwild, Grobherzogihw Realghmncheiil unz dieser Sch°I> i 8813 Schüler, ilghvnafien uni Lonfesfion naj l, 9 alekatholisch, gehören anderen von Laadwirthen obigen Gewerbe« Geistlichen/ Gr- Semeinbebeatnier, , s39vouPrivlN« on Rentnern uni nstalren wirkende- diesen Lehrer an! 5‘“ 92 von 40 w- 9 über 60 M t von 1500 M -2500, 55 2500 (00,60 4000-618 00 uni 4 übtx .n kt M" to .hen interefsaet q unserer Ler S’-i* sK St»»«« EL,. ®,”r' ”#***. IÄ* rlaußen . »(«!(' itfl1 «rt. 2*i .nbnnfl 496/ I »ie®toW baß sie durch die Verwaltung im staatlichen Interesse gelegener Zweige der Polizei unverhältnißmäßig belastet seien, während die Aufgaben in den Landgemeinden infolge der staatlichen Fürsorge für die Sicherheitspolizei durch die Gendarmerie Mannschaften in den Landorten eine geringe sei, wohl gerechtfertigt erscheine, möchte es kaum noch des Hinweises auf die Thatsache bedürfen, daß die Belastung der Städte mit einem Betrag von Mk. 2 für den Kopf der Be- dölkerung zu den gedachten Kosten immer noch eine unver- hältnißmäßtg sehr hohe ist. Unter Zugrundelegung des von der Regierung vorgeschlagenen KopfbeitragS von Mk. 2 würde sich der Kostenaufwand der Stadt Mainz in Höhe von Mk. 195,118 verteilen auf einen Betrag von Mk. 45,284 flir den Staat, gleich 23,2 pCt. und Mk. 149,834 für die Stadt, gleich 76,8 pCt. Damit wäre aber der Staat noch ' heblich hinter den Leistungen anderer Staaten zurückgeblieben, »ndem nach der regierungsseitigen Begründung selbst in Baden die Städte nur zur Uebernahme von 60 PCt. der persönlichen Localpolizetkosten verpflichtet find, während der Staat die sachlichen Kosten allein trägt. Würde also hier, ganz abgesehen von den sachlichen Kosten, das Berhältniß mit 40 pCt. des städtischen Aufwands zu Lasten des Hessischen Staates angenommen werden, so müßte die Stadt einen staatlichen Zuschuß von Mk. 78,047 erhalten. Sie erhält aber nur Mk. 12.000, mithin zu wenig Mk. 66,047. An- ZssichtS dieser ziffernmäßigen Beweise kann sich der Staat Jcc Nothwendigkeit einer wesentlichen Erhöhung des Zuschusses wohl umsoweniger verschließen, als der von der 'Sroßherzoglichen Regierung eingebrachte obenerwähnte Ge- scpentwurf nicht etwa aus finanziellen, sondern aus rein Politischen Gründen gescheitert ist und eS sich um eine offen« Üchtliche Ungleichheit handelt, deren Beseitigung dringend ge« wünscht werden muß. Wir glauben daher Einem Hohen Großherzoglichen Ministerium die ergebenste Bitte unterbreiten zu dürfen, gütigst dahin wirken zu wollen, daß zunächst derjenige Betrag in den Haushaltsvoranschlag des GroßherzogthumS für die Rechnungsjahre 1897/98, 1898/99, 1899/1900 als Zuschuß des Staates zu den Kosten der Palizetverwaltung der Stadt Mainz für jedes Rechnungsjahr eingestellt werde, welchen die Großherzogliche Regierung in dem mehrgedachten Gesetzentwurf in Höhe von Mk. 45,000 flir nothwendig anerkannt hat. gez. Dr. (Safener. •• Wetterbericht. Ein umfangreiches Depressioc.Sgebiet bedeckt ganz Central-Europa und sind innerhalb desselben zahlreiche Thetl-Minima vorhanden. Hingegen find die Druckdifferenzen nur gering, sodaß in den continentalen Lagen die Luftbewegung schwach geworden ist. Die Witterung bleibt indeffen unbeständig und treten stellenweise noch immer Niederschläge auf. Hoher Druck lagert über Nordoft Europa. Auch im Westen des ErdtheilS ragt, vom Ocean her, der Rand eines Maximums herein. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch ziemlich kühles, meist trübes Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. H- Gettenau, 7. März. Am verflossenen Donnerstag verstarb dahier ein Kind bald nach der Geburt, bezüglich dessen der Leichenbeschauer die Ausstellung des Todtenscheins ablehnte, weil er an dem Halse des kleinen Wesens Spuren gewaltsamer Lödtung zu bemerken glaubte. Auf er- hobene Anzeige traf nun gestern Mittag die Gerichts- und Medicinalbehörde behufs Feststellung deS Sachverhalts durch Leichenschau resp. Obduction, dahier ein. ES wurde aber schon durch die Besichtigung des Kindes seitens des Herrn Kreisarztes constatirt, daß keinerlei Grund zur Annahme eines Verbrechens vorliege und konnte daher die Section der Leiche unterbleiben. 4- Geiß-Nidda, 6. März. Gestern weilte der Untersuchungsrichter von Gießen hier und stellte Verhöre an wegen eines vor mehreren Jahren verübten, jedoch damals Mangels Beweises ungestraft gebliebenen DelicteS, dessen fub- jectiver Thatbestand infolge der Wahlbewegungen jetzt erst an'S Tageslicht gekommen und zur Kenntniß der Behörde gebracht worden ist. + Büdingen, 6. März. Der hiesige Vorschuß- und Creditverein, e. G. m. i. H., schloß nach dem Geschäftsberichte für das verflossene Jahr mit Mk. 11073.26 Reingewinn ab und zählte 775 Mitglieder. X. Darmstadt, 6. März. DaS sehr actuelle Thema der Verflüssigung der Luft, insbesondere durch die mit großem Aufwand von Scharfsinn construirte Maschine von Linde, die dieser vor einigen Wochen vor dem Kaiser in Berlin demonstriren durste, behandelte gestern in einem Vortrage, zu dem auch der Naturwissenschaftliche Verein geladen und dabei zahlreich vertreten war, der Asfistent am chemischen Institut der Technischen Hochschule, Herr Alfred Paris. Er legte dar, wie die früher eingehaltene Unterscheidung von permanenten (nicht verflüssigbaren) Gasen und verflüsfigbaren unhaltbar geworden, erklärte dann die sogen. kritische Temperatur der Gase als denjenigen Punkt, bei dem selbst unter den stärksten Drücken eS nicht mehr möglich, aus einem GaS Flüssigkeit zu erhalten und erläuterte die. beiden Hauptmaschinen zur Erzeugung niederer Temperaturen, die Kaltluft- und Kaltdampfmaschine in ihrem Princip, um sodann der Vorläufer der Linde'schen Maschine in den Apparaten von Ptetet, Dewar, Cailletet u. a zu gedenken. DaS Princip der Linde'schen Maschine (die zu betreiben, ohne Abbildung nicht angeht) ist tote bet ihren Vorläufern die Abkühlung, welche eintritt, wenn comprimirte Luft zu einem niederen Drucke auSströmt, diese Abkühlung wird nach und nach immer stärker, und bei 140 Grad Celsius unter Null wird die in einer solchen Maschine behandelte Luft flüssig- nach Erreichung des sog. BeharrungSzustandes liefert der Apparat pro Stunde ca. drei Liter flüssige Luft, die durch die in der atmosphärischen Luft enthaltene Kohlensäure einen schneearttgen Niederschlag im Filter hinterläßt, dann aber von blauer Farbe erscheint. Von den beiden Hauptbestand- theilen der Luft kommt zuerst der Stickstoff, dann der Sauerstoff zur Verdampfung. Linde läßt die Luft in seiner Maschine unter 22 Atmosphären Druck auSströmen. jöer durch anschauliche ProjectionSbilder auf einen weißen Schirm erläuterte Vortrag aus einem überaus anziehenden Capitel der modernen Chemie intereffirte in hohem Maße die Zuhörer. Mrtchttche Anzeigen der evnng.Gemeinde. Montag, den 8. März, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johannesktrche. Marcus Cap 14 von BerS 17 an: DeS Herrn letztes Zusammensein mit seinen Jüngern. Pfarrer Dr. Naumann. ..Vileae Deine ,0 wird sicherlich die Gesundheit des Körpers den größten Vortheil davon bauen. Ju doch Die Haut daS große Thor, durch welches verbrauchte Stoffe nach außen besö'dert werden, dagegen Luft, Licht und Wärme ins Innere etnzieben. Nach den Berichten von Professoren und Aerzten hat sich zur Hautpflege die Patent-Myrrholin-Seife, welche überall auch in den Apotheken zu 50 Pfg. erhältlich, besonders bewährt und wird von Aerzten wegen ihrer eigenartigen Wirkung als Special-Toilette-Gesundheitssetfe für den täglichen Gebrauch sehr warm empfohlen. 209 THEE-MESSMER GERÜHMTE MtSCHONQEN K 2.BO 1 0.50 PR. PFUND. PROBEPACK FT£ CO d. BO PF. BehördlicheAnzeigen Bekanntmachung. Die Liquidation des Nachlasses des Gust. Gülholtz ist nunmehr durch Vertheilung der vorhandenen dachlaßmaffe erledigt. |w4%. Hoffmauu. ^J/ersteigerungenJ Oberförstern Strupbach Zchuhbezirke Königsberg und Kleber. Donnerstag den 18. März t>. I., Borm. 9 Uhr, kommen in der Schlierbach'schen Gast mrthschaft zu Bieber aus den tifirteten: Köpfelhecke, Groß- und Klein - Rotheberg, Schmittenberg, Hllenkopf, BöSwieswäldchen, Saü- rbsselschlag rc. zum Ausgebot: Eichen: 41 Stämme mit 32,39 km, 19 rm Klafter-Nutzholz, 88,5 rm kcheitc und Knüppel, 145 rm Reiser Mb 37,5 rm Stockholz. Buchen: 13 rrn Klafter-Nutzholz, 606,1 rm Scheite und Knüppel, 160 Hdt. Wellen, 2058 rm Reiser mb 240 rm Stockholz. Nadelholz: 596 Stck. Stämme mb Stangen mit 42,61 fm, 6 rm llafter-Nutzholz, 1 rm Knüppel und 155 rm Reiser. Das Brennholz aus dem Schutz- fyirf Königsberg wird zuerst ver- -stigert. Der Verkauf des Nutzholzes hfinnt um 12 Uhr. Kaufliebhabern ttirb das Holz von den zuständigen Erster» Guericke zu FH. Haina und Linier zu FH. Bieber an Ort und Stelle auf Verlangen vorgezeigtwerden. Mittwoch drn 10 Mär; l. I, Nachmittags 2 Uhr, «erben hn Bieter'schen Saale — Neu- fabt 55 — versteigert: Sophas, Commoden, Tische, Kleiderschränke, 1 Verticow. 1 Secretär, 1 Nähmaschine, 1 vollst. Bett, 1 Pia- tiino, 1 Bierdruckapparat, 1 Partie Stahlstiche uOeldruckbilder, 2 Hobelbänke, 1 Part. Werkholz, woll.Garnrc. SB Geißler, Gerichtsvollzieher. mpfehlungen. dW Markt-Anzeige I DG verkaufe Mittwoch Hemde«, Rock- 3 Meter 1 JL, sonstige Artikel |o billigsten Preisen. 2322 Stand zu erkennen Elberfelder Aabrikat Släiit. SchlchthM. Freibank. 2175 Von heute ab: Ochs-nfl-isch nicht ladenrein, per Pfd. 48 Pfg. 8chmeinefleisch nicht ladenrein, per Pfd. 4S Pfg. Wägenverkauf: Laudauer, Mylord, Halbverdeck, Breack, Selbstfahrer, Gefchäftswagen, neu und gebraucht, reichhaltig auf Lager. Fr. Grauer, Wagenbauer, 2310_______Butzbach.________ i Menenhoms, empfiehltk'rieckr. Leo, Seltersweg. 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Gesuch-t ein in Gartenarbeit geübtes Mädchen oder Urau für 2—3 Tage in der Woche den ganzen Sommer über. 2300 Zu erfragen in der Expedition d Bl. 2188J Tüchtiges, sauberes Mädchen tagsüber zur Hausarbeit gesucht. Näheres Ludwigstratze 46, m. Stollen-Gesuche. 2311] Ein kräftiger Junge sucht Stellung als Lehrling in ein Geschäft, gleich welcher Branche. Off. unter C. A. 37 • an die Expedition. Heute -früh, verschied nach langen, schweren Leiden unser lieber Bruder Professor Br. P. von Bradke Ta Im Namen aller Geschwister: Marie von Bradke Giessen, den 7. März 1897 Die Beerdigung findet Mittwoch den 10. März,^Nachmittags 4 Uhr vom Trauerhause, Bleichstrasse 26, aus statt. 2806 der an der Feier des 22 März betheiligten Gesangvereine sagen herzlichsten Dank 2321 billigst 1940 A Messer beliessen \ M. Kann, Kirchenplah. 1887 Stadt WormS unk. b. 1901 101.' 0 Pomm.Huv-».Bk.unk.b. 1906 lOU'u . ^«rttDnrf. Frkf.Ldw.CredAk. unk.b. 1900 102.50 bto. 3V. DeutscheGrdsch.B. unk. b. 1906 101.00 4 ort Brizf « 00.00 16.24 Fl 20.40 20.37 £)i ranz. Banknoten 4.16 Americ. 4.20 zeigt ergebenst an Marktplatz 6. 6 4 Heute Dienstag Abend: Hotel Kaiserhof- 1810 20 Franken-St. (Snfll. Sovereign? Lollars in Gold Mexikaner Monopol-Griechen von Eisend. Rentenb. Obi. BuderuS Obi. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, im März 1897. Srlirbi -sich tn Hixti .Henschst^t I6ck fit bi gtelefto »i *r fie dnmi »oe Glück ,»rzL! mVt?* dra 61t bi Mir .SM '.lag unfern 8i idUia». i>*nia b fragen ist mit Dünht iho lv »(■ n fit i I gtgtn btn T' iv« tin arm Ibai 14 in gi Iba trfiitn fi I fielt fanb ti Ibit unbebtutt 8aS fli eint | i^nsin, eil ! finbniiiaat Brocart 4‘/i Oesterr. Stlberreole 4 Ung. Gold-Rente 3 Portugiesen 2313 A. Spengler, Bleichstraße 15 Pro«! 31/« Deutsche RetchSanl. 3 Preu«. EonsolS Section Oberhessen des 5>. u che. Akpenvereinr. «ittwoch den 10. MLr, 1897 t Monatssthung mit Kortrag. T.-O.: ,touren im bayr. Wald*. 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Die Seukiqe Kummer umfaßt 6 Seite» 4 4 3 3 tit werken b» ® Ligritgi Dienstag den 9. März, Abends 9 Uhr, im CafS Ebel (neuer Saal): 2314 Probe Ta Säug* er kränz. Samstag, den 13. März, Abends 8V2 Uhr: Karnevalist. Anterhaktung in Steins Garten. Erscheinen in Masken Costümen ist sehr erwünscht. 2327 Der Borstand. 3Vi Gr. Hessische DbL Stadt Darmstadt v. 1891 Kleiderstoffen, Jaquets, • Capes u. Kragen • in geschmackvollster und reichhaltigster Auswahl M 3V, Frankstr. Hop.Bk.unk.b. 1906 101.00 3V, Hambrgr.Hyp.Bk. unk.b. 1905 101.-0 Frkf.Hyp.Cred.V.unk.b. 1906 100.80 3«/, Dreuh. Hyp.A. Bk. unk.b. 1905 101.0 unk b 1905 103.80 3V, Pomm.Hyp.A.Bk.unk.b.1906 lOl.'^ . "itffo. Jum Saut < : 2ang«9dne i ifrigene Seno -Htnossenschaft -'chastlicher Ei östlichen? ktzeugnifir. »achunAkn ei fflanbrmitgliei i Anchnung fü Iwen, wenn .Zeichnung ge inofftuschaft i Ter Ä 1 2 Deutsche Schreibfedern aus der Fabrik von Brause & Co., Iserlohn. Unübertroffen!! Den besten englischen ebenbürtig. 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