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Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Vierteljährig«? Avonnemeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expeditim» und Druckerei: Kchvtstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblutt für den Tireis Gietzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage; Hießener Kamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux d«S In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- mtgey«. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend: die Maul- und Klauenseuche. In Burg-Gemünden, Büß fe ld, Homberg, Rülfenrod, SretS Alsfeld, ist die Maul» und Klauenseuche ««sgebrocheu und deshalb Weide- bezw. Gehöftsperre angeordnet worden. Wegen weiteren Umsichgreifen- der Seuche in Nieder- Gemünden, Kreis Alsfeld, ist G emarkungöfperre angeordnet worden. Die Abhaltung de- auf den 8. I. MtS. avgefetzten Biehmarktes zu Homberg a. O., Kreis Alsfeld, ist verboten worden. In Unter-Widder Shetm, Kreis Büdingen, Vilbel, Kreis Friedberg und Caldern, KretS Marburg, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und find die verfügten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden. Die Kreise Fried berg und Marburg sind nunmehr wieder seuchenfret. Gießen, den 6. September 1897. GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. An die Abhaltung des auf den 9. September d. I. in Leun anstehenden ViehmarkteS werden zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche folgende Bedingungen geknüpft: 1. Für den Auf- und Abtrieb der Tbiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf. und Abtrieb, ebenso das Handeln mit Vieh außerhalb des Marktplatzes ist verboten. Der Auftrieb beginnt um 8 Uhr Vormittags. 2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus seuchefreien Orten, deren Führer mit gültigen behördlichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aufgetrieben werden, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen Ursprungszeugnissen weiter bescheinigt ist, daß die Thiere sich die letzten sieben Tage in unverseuchtem Zustand in sruchefreien Orten befunden haben. Im Uebrigen gilt für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar die in Nr. 109 des Wetzlarer Anzeigers vom 11. Mai 1897 veröffentlichte polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungs- Präfideoteu zu Coblenz vom 13. April 1897. 3. AuS dem Großherzogthum Hessen dürfen Rmdoieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden. 4. Bei dem Auftrieb der Thiere hat der Eigenthümer oder Führer dem anwesenden Polizeibeamten das unter Nr. 2 erwähnte UrsprungSzeugniß vorzuzeigen. Außer von der Controle der Ursprungszeugnisse ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeanstandung der Thiere durch den KreiS- thierarzt abhängig. Wetzlar, den 2. September 1897. Der Königliche Landrath. Neue Friedensverficherungen. Es ist eine eigeuthümliche, unserer heutigen Zeit eine besondere Signatur aufdrückende Thalsache, Laß immer inmitten gewaltiger Krtegßlager, im Angesichte Unheil und Verderben verkündender Fruerschlünde, nach Veranstaltungen, welche die Krie^stüchtigkeit der europäischen Heere in besonders Hellem Lichte zeigen, Kundgebungen erfolgen, welche die friedlichen Absichten der Mächte öffemlich documentireu. Im vorigen Jahre in Anwesenheit des Zaren in Breslau, zwei Tage später bet der Paradetafel in Görlitz, sodann im Kriegslage! von ChalonS, bei dem Besuche Kaiser Franz Josefs in Petersburg, im Lager von Krasnoje Sselo beim Besuche Kaiser Wilhelms und später des Präsidenten der französischen Republik — überall wurde von berufener Stelle die Versicherung abgegeben, daß an eine Störung des Weltfriedens nicht zu devken sei, daß alle Mächte einig seien tu dem Bestreben, zur Erhaltung des Friedens daS Möglichste beizutragen. Und je größer der Staat ist, je gefahrdrohender seine Kriegsrüstungen sind, desto mehr Werth wird auf die Friedensverficherungen des betreffenden Herrschers gelegt. ES war klar, daß die Dreibundstaaten zu der zwischen Frankreich und Rußland bestehenden Allianz Stellung nehmen würden, trotzdem die bisher bekannt gewordene Tendenz des Zweibundes ebenfalls eine auf Erhaltung bet Frieden« gerichtete sein soll. Jedoch lag die Möglichkeit vor, daß die eine oder die andere Dreibundmacht durch die neuerdings geschaffene Situation bewogen werden würde, ihr Verhältniß zur Tripelallianz zu lösen. Insbesondere sagte man bekanntlich Italien solche Absichten nach. Aber wir haben schon gelegentlich der Besprechung der Ankunft des italienischen Kömg-paareS in Homburg darauf htngrwteien, daß eS im ureigensten Interesse Italiens liegt, am Dreibunde fest zu halten und auch künftig in diesem seine Stütze zu suchen. Die am SamStag bet der Paradetafel in Homburg gesprochenen Toaste haben vollends gezeigt, daß Italien weiter die Bündnißtreue innehalten wird. Sowohl vom König Humbert wie vom Kaiser Wilhelm find bei dieser Gelegenheit wieder die bündigsten Friedensverficherungen ausgetauscht worden. Nicht ohne Abficht hat wohl der deutsche Kaiser in besonder« feierlicher Weise verkündet, daß unerschütterlich und fest daS Band des Dreibundes bestehe, der im Interesse deS Friedens gegründet worden fei. ES darf dies als ein deutlicher Wink für Jene angesehen werden, welche aus der Gründung des ZwetbundeS kühne Hoffnungen schöpfen zu können glaubten, daß die Macht der Tripelallianz erschüttert, daß nun die Zeit gekommen sei, mir Sondergelüsten gegen den einen oder den anderen Dreibundstaat hervortreten zu können. Und König Humbert verfehlte nicht, den Ausführungen Kaiser Wilhelms die Bestätigung folgen zu lassen, daß er die Einladung zu den deutschen Kaisermanövern angenommen habe, um auch Zeugntß abzulegen sür die zwischen Deutschland und Italien bestehenden Beziehungen herzlicher Freundschaft und Allianz. Daß Kaiser Wilhelm im europäischen Staatenbunde bezüglich der FriedenSbestrebungen eine Führerrolle einnimmt, geht auS den Worten König Humbert» deutlich hervor, und als selbstverständlich dürfte es angesehen werden, daß letzterer sich diesen Bestrebungen voll und ganz anschließt. Italien hat große Ursache, eine lange Reihe von FrtedenSjahren herbeizusehnen, denn nicht nur bedürsen seine Finanzen einer durch keine auswärtigen Verwickelungen gestörten Ruhe, auch sein Heer bedarf einer gründlichen Organisation, um dem Lande im Rathe der Völker eventuell die gehörige Achtung verschaffen zu können. Im letzten abessyui- scheu Feldzuge hatten fich so viele Mängel herauSgestellt, daß mit Nachdruck an eine Verbesserung der HeereSeinrtchtuugeu gegangen werden mußte. Zur gründlichen Durchsühruug derselben bedarf eS aber einer Reihe von Jahren, auf welche die nothwendtg gewordenen Ausgaben vertheilt werden müssen. Vielfach haben fich im Lande der Apenninen Stimmen bemerkbar gemacht, welche die dem Lande durch die Aufwendungen zu Gunsten der Zugehörigkeit zum Dreibunde entstehenden Ausgaben für zu hoch anschlagen, als daß fie mit den Vorthetlen, die Italien daraus resulttren, in Einklang zu bringen seien. Deshalb muß die italienische Regierung bei den Ausgaben sür die Heeresverwaltung mit einer gewissen Mäßigung vorgehen. ES scheint fich jetzt einzubürgern, daß die Monarchen- Zusammenkünfte gelegentlich der großen Manöver ftatiftnbcn; und so wird denn Kaiser Wilhelm in den nächsten Wochen den österreichischen Herrscher innmten des gewaltigen KrtegS- lagerS in Ungarn aufsuchen, wo es ebenfalls nicht an Friedenskundgebungen fehlen wird. Daß die letzteren fich jetzt so oft wiederholen, thut dem Werthe derselben keinen Eintrag, und deshalb begrüßen wir auch die in Homburg veranstalteten al» ein Symptom, daß der gute Wille bei den Regierungen vorhanden ist, alle Conflicte zu vermeiden, und sehen, was unsere äußere Politik anlangt, mit festem Vertrauen in die Zukunft. (xx) Feuilleton. Alle rabrln! Humoreske von Albert L'Advocat (Paris). ü).e Berlin, 6. September. Zu den Homburger Trink- sprüch en schreibt das „Sötxl. Tagebl.": Dte Friedensworte der beiden mächtigen Monarchen werden sicherlich, wie mau auch sonst über Toaste denken mag, in der civilifirten Welt ein freudiges Echo finden. Der Kaiser wie der König legten ganz besonders Gewicht darauf, für die unerschütterte Fortdauer des Dreibünde» und seiner friedlichen Ziele öffentliches Zeugniß abzulegen. Berlin, 6. September. Das internationale Colo- nial-Jnstitut, eine private wissenschaftliche Vereinigung zu dem Zweck, di- Kenntniß des colonialen RcchtS und der colonialen Verwaltung zu fördern, ist heute hier unter dem Vorfitz des Erzherzogs Johann Albrecht von Mecklenburg zusammengetreten. Köln, 6. September. Bei starkem Andrang fand gestern Nachmittag da- Wettfahren des Kölner Radfahr-VereiuS statt. Der Altmeister August Lehr kam zu Falle und brach sich einen Arm. Der Held deS Tages war der Weltmeister Willi Arend-Hannover, der sowohl die Meisterschaft von Europa als auch das rheinische Derby gewann. Homburg v. d. H., 6. September. Gestern Nachmittag begab sich das Kaiserpaar, das italienische KöntgSpaar, der König von Sachsen und die übrigen Fürstlichkeiten nach Schloß FriedrtchShof, woselbst sie bet der Kaiserin Friedrich das Frühstück einnahmen. Abends fand im Homburger Schloß kleine Tafel statt. Der Kaiser ernannte die Königin von Italien zum Chef des 11. Jäger-BataillonS, wovon er Vormittags dem Bataillon in einer Ansprache Mittheilung gemacht hatte. Dem italienischen Botschafter Grafen Lanza verlieh der Kaiser den Schwarzen Adlerorden. Homburg v. b. tz., 6. September. Der Kaiser und der König von Italien, welche heute früh 5 Uhr 45 Min. mittelst SonderzugeS nach Windecken ins Manöver fuhren, trafen Mittags 1 Uhr auf dem hiesigen Bahnhose wieder ein und fuhren trotz deS strömenden Regens in offenem Wagen vom Bahnhofe zum Schloß. Heute Abend 7y8 Uhr findet im Kurhause Civtldtner statt, an welchem außer dem deutschen Kaiserpaare und dem italienischen KöntgSpaar die Kaiserin Friedrich und die anderen hier anwesenden hohen Fürstlichkeiten theilnehmen werden. Die Kaiserin Augusta Victoria besuchte heute Vormittag im Kurhause daS Atelier des Malers ProfefforS Corrodi sowie die Schlachtengemälde und Geweih-Ausstellung des Vereins hirschgerechter Taunusjäger, sowie daS Saalburg-Museum. — Die Specialidee der heutigen Manöver lautet: Eine Westabtheilung v. Häseler, (Einen Monat später. Herr und Fräuleins Ttllet im Radfahrcostüm; sie wollen eben abfahren.) Henriette: Adien, Mama! Jeanne: Du wirst allein bleiben, arme Mama! Madame Ttllet (bitter): Ja, ich werde allein bleiben. So geht es alle Sonntage! Ihr werdet irgendwo frühstücken, kommt erschöpft zurück und schlaft sofort ein. Doch an mich, die ich den ganzen Tag vor Langeweile umkomme, denkt Niemand. Herr Ttllet: Das ist nur Deine Schuld, warum kommst Du nicht mit uns? Madame Tillet: Wie soll ich daS anstellen? Im Omnibus? Im Luftballon? Oder soll ich wie ein Kaninchen hinter Euren Maschinen herlaufen? Herr Ttllet: Aber nicht doch- Du sollst ganz einfach ein Rad besteigen! Madame Tillet: Ich? Niemals . . . Erstens wäre eS nicht anständig . . . Herr Tillet: Warum bist Du so eigensinnig? Alle Welt übt diesen Sport aus, der von allen Gesichtspunkten angenehm und nützlich ist. Sieh Dir Deine Freundinnen an. Radeln Sie nicht alle? Madame Leredu — Madame Patard und ihre fünf Töchter . . . Madame Ttllet: Das will tch nicht bestreiten. Du kannst Deiner Liste sogar dte Präsidentin unseres Verein« zufügen. Sie fährt Triplex, unsere Präsidentin, mit ihrem Secretär und ihrem Schatzmeister. Herr Tillet: Na, siehst Du wohl? Madame Tillet (zögernd): Aber ich bin dazu wirk- lich schon zu alt. Henriette: O, Mama, daS ist nicht wahr,- mit eine« hübschen Costüm würdest Du wie unsere älteste Schwester auSsehen. Jeanne: Ich bin überzeugt, Du würdest Dich in Hosen sehr gut auSnehmen. Madame Tillet (aufspringend): In Hosen! Unselige! Nie würbe ich eine Hose anziehen! . . . Seine Beine öffentlich zeigen, wie eine Dame vsm Theater! . . . Pfui, wie abscheulich! Herr Tillet: Nun, Du kannst auch einen Rock tragen. Madame Tillet: Ein Rock! DaS ist etwas anderes. ES gibt Röcke, dte sehr lang, sehr faltig sind. . . Und dann werde tch sehr hohe Gamachen tragen. Herr Tillet: Schön! Ich sehe darin nichts Un- paffende«- es ist also abgemacht! Wann nimmst Du die erste Lection? Madame Ttllet: O, nicht so schnell. Ich habe noch nicht ja gesagt. Herr Tillet (in die Hände klatschend): Aber Du hast auch nicht nein gesagt. O, wie froh ich bin! Wie wir unS amüsiren werden! Jeanne: Nächsten Sonntag frühstücken wir alle vier irgendwo auf dem Lande. Madame Tillet: Ich gebe zu, daS wäre ganz amüsant. Doch wer sollte daS Frühstück tragen? Jeanne: Nun, unsere Köchin Franyotse. Madame Tillet: Kleine Närrin! Wie soll sie unS denn begleiten? Sie kann doch nicht radfahren. Jeanne: Ich werde es ihr beibringen, und sie wird un» begleiten. Herr Tillet: Ja, wahrhaftig. Warn« nicht? In vielen Fällen würde eS unS sehr angenehm sein, da-Mädchen bet nnS zu haben. Henriette: Ich bin überzeugt, sie wird sich riesig freuen. Fran-oise! bestehend aus de« 8. und 11. Armeecorps, soll dem Feinde, den Boyern, das Ueberschreiten von Main und Sinzig verwehren. Gestern stand die Westabtheilung zwischen Frankfurt und Wetzlar, die Bayern um Aschaffenburg. Heute früh hatten die Bayern Hanau bereits besetzt und eine größere Abtheilung gewischter Waffen gegen Hochstadt vorgeschoben. Dte preußische 22. Division drängte jedoch nach stürmischem Anlauf diese bayrische Vorhut bi» nach WilhelmSbad zurück. Hanau blieb aber in den Händen der Bayern und ist von diesen stark besetzt. Die Majestäten wohnten dem Kampfe zwischen WilhelmSbad und Hochstadt bei. Dte Kritik fand an der Brücke von WilhelmSbad statt. Benthe», O.-bchl., 6. September. Einer amtlichen Meldung zufolge wurden in der vergangenen Woche 113 neue Typhus-Erkrankungen polizeilich gemeldet. Die Ge- sammtzahl der Erkrankten seit dem 1. August beträgt 196. Der Wiederbeginn deS Unterrichts in den sämmtlichen hiesigen Schulen ist um weitere 14 Tage hinauSgeschoben worden. Für morgen ist eine Stadtverordneten-Sitzung anberaumt, in welcher über anderweite Wafferversorgung der Stadt Beschluß gefaßt werden soll. Wie», 6. September. Am 9. d. MtS. trifft hier eine Deputation deS Husaren-RegimentS Nr. 16 von Schleswig- Holstein ein, um dem Kaiser Franz Josef zum 25jährigen Jubiläum als Inhaber deS Regiments die Glückwünsche deffelben darzubringen. Wien, 6. September. Die hiesigen Blätter bezeichnen die Homburger Toaste als die erste große Kundgebung deS Dreibundes nach der officirllen Proclamirung der russisch- französischen Allianz und als außerordentlich hervorragende Friedensmanifestation, welche deutlich auSdrücken, daß der Dreibund unerschütterlich fortbestehe und auf der Friedenswacht stehe. In Paris, wo man ein Abschwenken Italien» zum Zweibund erhofft hatte, werde der Text der Toaste einen unangenehmen Eindruck machen. Rom, 6. September. Die Toaste haben hier besten Eindruck gemacht. „Popolo Romano" schreibt, die unverkennbare Thatsache deS Fortbestehens deS Dreibundes und de» FriedenSzweckrs deffelben konnte nicht beredter verkündet werden. Nur die „Tribuna" erblickt in den Trinksprüchen Anspielungen auf die künftigen Gefahren, welche um so größere Sorge Hervorrufen, als die gegenwärtige Regierung das vertrauen de» Landes nicht besitze. Paris, 6. September. Die zwischen dem Kaiser Wilhelm und König Humbert gewechselten Toaste bereiteten hier insofern eine Enttäuschung, als Frankreich bereits zu der Annahme neigte, Italien gedenke die Tripelallianz zu verlaffen. Pari», 6. September. Das Blatt„®6rit6" schreibt über die russisch.französische Allianz: DaS Endziel der Allianz bestehe darin, daß Rußland nach Konstantinopel und Frankreich nach Glsaß-Lothringen und Aegypten geführt wird. Obgleich dieses Ziel für Frankreich sehr ehrenvoll ist, bedauern wir kriegerische Ereignisse, ohne welche dieses Ziel nicht zu erreichen wäre.' Madrid, 6. September. Der Mordanfall auf den Polizeich ef von Barcelona wird den heutigen Morgenblättern zufolge von der spanischen Regierung dazu benützt werden, um die von den Großmächten angeregte Staatenliga gegen den Anarchismus durchzubringen. Barcelona, 6. September. Die Polizei hat gestern in den Vororten von Barcelona viele Verhaftungen vorgenommen. Wien, 7. September. Kaiser Wilhelm wird Anfang October an den Hochwildjagden in Steiermark mit dem Kaiser von Oesterreich und dem Könige von Sachsen theil- nehmen. Budapest, 7. September. DaS rumänische KöntgSpaar trifft in Erwiderung deS Besuchs deS Kaisers von Oesterreich in Bukarest am 27. d. MtS. tn Budapest ein. Rom, 7. September. Der Admiral Camevaro ist von Creta nach einer Unterredung mit dem Marineminister hierher berufen worden. Franxotse (hereinstürzend): Was ist denn lo»? Wo brennt» denn? Henriette: Nirgends. . . . Aber Popa und Mama wünschen, daß Sie radfahren lernen. Franyoise: Ich? JesuS Maria! Wo denken Sie hin? Ich würde wir die Nase zerbrechen. Jeanne: Durchaus nicht- eS ist sehr leicht. Nächsten Sonntag kommen Sie mit un«. Wir werden Morgens u« sechs Uhr abfahren und erst Abends heimkehren. Fran-otse: Nun, mir ist's recht. DaS Stuben- mädchen au« dem zweiten Stock und die Kinderfrau au« dem vierten können sehr gut radeln und ich bin nicht dümmer al» Sie. (Sich unterbrechend): Doch . . da fällt mir ein . . Lolotte, die Katze, wa» soll aus ihr werden, wenn wir alle fort find? Sie wird sich langweilen, da» arme Thier, und Niemand wird ihr was zu essen geben. Jeannn: Das ist wahr. Arme Lolotte! Henriette: Man kann sie doch nicht allein lassen. Herr Tillet: Hört, auch dafür gibt» ein Mittel, wir letzeu die Katze in ein kleine» Körbchen, da» Fran-oise an der Lenkstange anbinden wird. Henriette: Famos! Lolotte wird fich ausgezeichnet amüsiren. Jeanne: Und aus diese Weise wird die ganze Familie radeln! Madame Tillet (seufzend): Ich hatte aber doch geschworen . . . Herr Tillet: Wa« willst Du? Wenn alle« fährt, können wir allein nicht zu Fuß gehen. Dieses verteufelte Instrument wird schließlich noch die ganze Welt auf den Kops stellen! Frks. Ztg. ‘9|«H8 b«: . wat lrai t ?' Miete Ä > falb® ■* US«,«, '$lt ®" 5 ,?etr5flt 196. "l^°hirfige° "°bra worden, ^beraumt, in ^Beschlvg * N tkt bon ®d)kNa. r°« Skj^n te TWwüusche Btt« bezeichnen ßunbgebuog «°S der rulfifd). d httvmagrnde ’öitB, dah der ' der Frieden«. °mken Italien, der Toaste einen ’« hier besten ' die noverkeuv. ander und der ^kündet werden, en Avspielungea ßxö^exi tzvrtze daS verttMn dm Kaiser Wen Toaste als Frankreich renke die Tripel« M* schreibt über vaS Endziel der ivftantivopel und teo geführt wird. 10Ü ist, bedauern es Ziel nicht zu ifall auf den Lügen Morgen- ,vg dazu benützt rg»r Staatrvliga i hat gestern in aftungeu vor- Im wird «nfang irrmrk mit dem i Sachsen thetl« ischeKSntgS- rtz Kaisers von Dabapesi rin. ^awrvaro ist n Marinewintster jl denn los? Do Papa und MM O bentenSie «in? It 1,14t. *'« eben W6i “ St«d,«' «toi.™ «ui ‘‘J g|d|t »»«“' i fällt mit t'" '; „ wenn vir ou % llt Jfadetn *• . « 4« »*.»« । zn°k'"t ßj «*!*“ H, 1-1-8^" 6,4 ■Ei tut*1 "ft. «f* 8» Brüssel, 7. September. Hiesige Blätter melden, daß der Mörder Sempan während seines hiesigen Aufenthalts Correspondent des Madrider republikanischen Blattes „El Pays" gewesen sei und die Broschüre von Dr. Rical über die Grausamkeiten der Spanier auf den Philippinen (der Autor wurde bekanntlich auf den Philippinen erschossen) ins Französische übersetzt habe. Die Uebersetzung ist theilwetse in der hiefigen Revue erschienen. WB. Btlbel. 7. September. Koiser-Manöver. Dali. Corps (Westabtheilung) richtete sich zur Bertheidigung der Höhen zwischen Btlbel und Wtndecken ein, die Cavallerie geht vor auf dem linken Flügel. Bei der Ostabtheiluug erhielt der linke Flügel den Befehl, die Höhen anzugreifen. Die auf dem rechten Flügel befindliche Cavallerie geht west« wärt- vor. Die Majefttäten bestiegen bet Wtndecken die Pferde. Das Wetter ist schön, der Himmel klar, doch find die Wege noch durchweicht. WB. Barcelona, 7. September. Da« Kriegsgericht verurthetlte Sampan zu vierzig Jahren Zwangsarbeit. CoceUs rrn- provinzielles- Meßen, den 6. September. *• Das Großh. Regierungsblatt Nr. 33, ausgegeben am 4. September, enthält: Bekar-mmachung, die Bezeichnung der die Ziele höherer Lehranstalten verfolgenden erweiterten Volksschulen als „höhere Bürgerschulen" betreffend. Nachdem Seine Königliche Hoheit der Großherzog mittelst Allerhöchster Entschließung vom 17. Juli d. I«. zu genehmigen geruht haben, daß die erweiterten Volksschulen, insoweit sie in den betreffenden Klaffen die Ziele der höheren Lehranstalten verfolgen, fortan den Namen „höhere Bürgerschulen" zu führen haben, so wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Darmstadt, 27. August 1897. Großh. Ministerium des Innern. Finger. Dr. Weber. ** Provinzialausfchnßsttznng. SamStag den 11. September l. I, Vormittags 9 Uhr, findet in dem Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des ProvinzialauSschuffeS der Provinz vberheffen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage de« OrtSarmenverbandeS Frankfurt a. M. gegen den OrtSarmeuverband HartmannShain wegen Unterstützung des Bernhard Weber aus Nteder-Wöllstadt. 2. Klage des OrtSarmenverbandeS Offenbach a. M. gegen den OrtSarmeu- verband Heldenbergen auf Ersatz von Unterstützungsgeldern für Friedrich Faulfttch von Heldenbergen, z. Z. in Offenbach. -3. Gesuch des Heinrich Christian Gonter von Zell um Er- laubuiß zum Betrieb einer Gastwtrthschaft. ** DaS Allgemeine Ehrenzeichen wurde von Sr. Maj -de« Kaiser dem Kasernenwärter Diehm hier verliehen. *• Kaufmännischer Verein. Wie bereits durch die Presse bekannt geworden, so faßte die Schulcommtsfion der kaufmännischen Fachschule tu ihrer jüngsten Sitzung den Beschluß, mit Beginn des Winter-SemesterS auch einen UnterrichtScursuS für weibliches Hilfspersonal einzurichten. Um nun dazu die nöth'ge Anregung und Aufklärung zu geben, 1o hielt Frau Professor A. Edinger auS Frankfurt vorigen Sonntag Nachmittag über diesen Gegenstand im hiesigen kaufmännischen Vereinshause einen Vortrag, wozu sich etwa 40 Damen und 12 Herren etngefunden hatten. Rednerin wteS nach, wie eS jetzt viel nöthiger geworden sei gegen früher, daß daS weibliche Geschlecht an seiner Erhaltung Mithelfe, weil die Ansprüche sich vergrößert hätten, und die Töchter seit Einführung der Näh- und Strickmaschinen nicht mehr genügend im Haushalt beschäftigt werden könnten. Dies fei der Grund, daß gerade in den letzten Jahren viele Mädchen auS dem Mittelstand sich dem Handelsgewerbe zu« gewendet haben. Sie zeigte sodann an treffenden Beispielen, ooie eS vollständig falsch sei, zu glauben, es würde dadurch den männlichen Angestellten Concurrenz gemacht, zumal eine ganze Anzahl von Branchen niemals mit Damen besetzt werden könnten, und man schließlich, um nicht alleinstehende Mädchen brotlos zu machen, auch der Frauenarbeit ihren Platz einräumen müsse. Doch sei aber auch nöthig, daß bet dem weiblichen Personal für bessere Ausbildung gesorgt werde. Die Eltern seien verpflichtet, die geringen Ausgaben nicht zu scheuen, um das Wissen und Können ihrer Töchter durch Besuch von Lehrcursen zu erweitern. Der Vorsitzende, Herr Orbtg, dankte hierauf der Rednerin für den schönen Vortrag und machte bekannt, daß mit Beginn des Winter- Semesters durch den kaufmännischen Verein ein LehrcursuS für weibliches Hilfspersonal eingerichtet werden solle, worin bei genügender Betheiligung Buchführung, Schönschreiben, Rechnen und Correspondenz gelehrt werden solle,- die Anmeldung hierzu könne bis zum Donnerstag Abend bei ihm — Bahnhofstraße 30 — geschehen. Doch werden auch spätere Anmeldungen — natürlich vor dem 1. October — noch berücksichtigt werden. *• Grönland-Ausstellung ans OSwaldS Garten. Eine ergiebige Quelle der Belehrung über die örtlichen Verhältnisse der Polarwelt und die in jeder EtSwüste lebenden Ge- Ichöpfe bildet die seitens des Grönlandfahrers Herrn Capitän Röhl in einem umfangreichen Bau vorgeführte Ausstellung. Wa» wir sonst vorwiegend nur aus Retsewerken erfahren, zeigt sich hier tu einem auf dem Wege der Plastik und Malerei pergestellten Gesammttableau, bevölkert von Seehunden, Möveu, Rennthieren, Vielfraßen, riesigen Eisbären, Wal- »offen u. s. w. Auf inmitten eines künstlichen Meeres empor- »ageude schneebedeckte Klippen, Eisschollen und lannenumzogene AjordS fällt der Blick, während im Hintergründe daS Nord- Licht schimmert. Aber auch die menschlichen Bewohner deS hohen Nordens, die Eskimos und Lappländergruppen, sind, angethan mit Seehunds- und Rennthierfellen, zur Veranschaulichung gebracht. Hier ist der Einblick tn da» Innere einer SSkimohütte und deren schmalen Eingang ermöglicht, indem ein Durchschnitt dieser seltsamen Behausung aufgebaut t wurde. Dort sieht man einen von der Jagd heimkehrenden, i dort einen mit der Lanze gegen den Eisbären kämpfenden Eskimo, wobei letzterer in einem Kahn von eigenthümlicher Gestalt (dem Kajak) einherfährt. An anderer Stelle gewahrt daS Auge einen Lappländer-Schlitten, gezogen von dem nützlichen Rennthier, au« dessen Fell jene Nordlands-Bewohner sich ihre Hütten zu errichten Pflegen. Außerdem umfaßt die Ausstellung eine so große Sammlung von Fischen, Muscheln, Seevögeln und sonstigen Meeresbewohnern, daß ein Besuch derselben Jedem, der feine Kenntnisse bereichern will, nur aufs Beste empfohlen werden kann, zumal die Ausstellung nur bis nächsten Sonntag zu besichtigen fein wird. ** Sportliches. Der Sportplatz Coblenz ist von der D. S. B. di« qualifiziert worden, weil er den von der D. S. B. disqualifizierten Rennfahrer Arend zum Starte zugelaffen hat. ** Hastet die Postverwaltung dem Abfender für Verluste, die dadurch entstehen, daß eine Sinfchreibbrieffendnng während der Beförderung beschädigt wirbt Diese für weite Kreise sehr interessante Frage hatte vor Kurzem daS Hamburger Gericht zu beantworten. Veranlassung gab folgender Vorgang. Ein Dr. B. hatte seiner im Seebad weilenden Mutter einen Einschreibbrief mit 50 Mk. Einlage (einen 50 Mark-Schein) übersandt. Bei der Ankunft fehlte der 50 Mark Schein und der Brief trug Spuren einer Verletzung, die darauf schließen ließen, der Brief sei seine« Inhalts beraubt worden. Dr. B. verlangte daher Erstaltung der im Bereiche der Post abhanden gekommenen 50 Mk. Er wurde indeß von der Postverwaltung abgewieseu und beschritt den Rechtsweg,- aber auch hier hatte er lein Glück. Die Hamburger Gerichte bestätigten den Bescheid der Postverwaltung und wiesen den Kläger in zwei Instanzen ab, weil nach § 6 deS Pofi-GesetzeS vom 28. October 1871 die Poft nur Ersatz zu leisten hat, wenn ein vorschriftsmäßig aufgelieferter Einschreibbrief im Bereiche der Poft in Verlust geräth. Da der in Betracht kommende Brief thatsachlich, wenn auch beschädigt, angekommen, so sei kein Verlust deS Briefes selbst eingetreten und die Postverwaltung demnach nicht haftbar. ♦* Bei Gewittern. DaS Großh. Ministerium hat, unter wiederholter Aufforderung zur Anbringung von Blitzableitern an den Schulhäusern, den Schulcowmissionen Bestimmungen über das Verhalten der Lehrer bei Gewittern während der Schulzeit mitgetheilt. Darnach erachtet es das Ministerium im Allgemeinen nicht für räth- ltch, die Kinder beim Herannahen eines Gewitters oder gar während desselben aus der Schule zu entlaffen, weil die Kinder auf dem Heimwege vielfach größerer Gefahr ausgesetzt sein würden, al« im Schulgebäude. Diese Gefahr bestehe besonders an solchen Orten, tn denen die Schüler theilweise größere Strecken bis zu ihren Wohnungen zurückzulegen oder vielleicht über freies Feld zu gehen haben, wo die Versuchung an sie herantritt, vor heftigen Regengüssen unter Bäumen Schutz zu suchen. Sollte ein SchulhauS durch seine Lage als besonders gefährdet erscheinen und die Möglichkeit vorliegen, daß die Wohnungen in sehr kurzer Zeit erreicht werden können, so dürfte die Entlassung vor Ausbruch deS Gewitter« nicht zu beanstanden sein. • * Die Militärbehörde hatte vor einiger Zeit an daS Großherzogliche Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, die Mittheilung gemacht, daß eine große Anzahl der eingestellten Rekruten in der Volksschule keinen oder mangelhaften Turnunterricht erhalten hätten und so von den einfachsten Dingen manchmal nicht die geringste Ahnung hätten. Die Schulbehörde sah sich deshalb veranlaßt, durch die Kreisschulcommiifionen des Landes Erhebungen anstellen zu lassen, welche ergaben, daß in vielen Orten während der Wintermonate überhaupt kein Turnunterricht ertheilt wird. Es wurde deshalb streng angeordnet, daß die auf den Stundenplänen verzeichneten Turnstunden auch im Winter abzuhalten seien, abgesehen bei starker Kälte, Schneefall rc. Auch wird der Wunsch ausgedrückt, möglichst in jeder Gemeinde einen geschlossenen heizbaren Raum für Abhaltung des Turnunterrichts zu beschaffen. • • Wetterbericht. Die Depression, welche gestern den Norden des ErdtheilS bedeckte, hat sich noch erheblich vertieft. Dabei hat sich da« barometrische Maximum tm Südwesten erhalten. Zufolgedessen bestehen heute über Central- Europa von Süden nach Norden bedeutende Luftdruckunter- schtede, welche allenthalben starke bis stürmische westliche Winde bedingen, die Witterung ist trüb und regnerisch und dürfte diesen Charakter vorerst noch behalten. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch unbeständiges, etwas kühleres Wetter. - b- Aus Oberheffen, 6. September. Die 37. Wander- Versammlung des Oberhesstschen Bienenzüchtervereins zu Grün berg am 12. und 13. September verspricht nach allen Anzeichen einen glänzenden Verlauf zu nehmen. Durch die Ausstellung von Völkern, Honig, Wachs, schöner und nützlicher Gegenstände, wird den Besuchern vor Augen geführt werden, daß die Bienenzucht etwas Tüchtiges zu leisten vermag, nicht umsonst die Poesie der Landwirthschaft genannt und als ein nicht zu unterschätzender Factor zur Förderung der Volkswohlfahrt bezeichnet wird. Nicht nur viele Herren von Grünberg haben sich zu einem Comite vereint, um die nöthigen Vorbereitungen zu dem bevorstehenden Feste zu treffen, sondern auch gediegene Vorträge von Pfarrer D eichert und Lehrer Roth stehen in Aussicht. Die rühmlich bekannte Grüninger Capelle wird an zwei Tagen concerttren. Alldem Verkauf der Loose (300 Gewinne) stehen 1500 Mark zur Verfügung,- die Sparkasse zu Grünberg hat in danken-- werth anzuerkennender Weise 100 Mark zur Deckung der Unkosten notirt und sogar noch eine Summe zur Bestreitung eine» etwaigen Deficit- vorgesehen,- der Oberhesfische Bienenzüchterverein giebt 100 Mark zu Prämiirungszwecken, und e- ist zu hoffen, daß die Imker Oberhessens aus Nah und Fern erscheinen werden, um tn den gastfreundlichen Mauern GrünbergS ein paar frohe Tage zu verleben. Alle Imker und Freunde der Bienenzucht sind willkommen, nur Jupiter pluvius möge am 12. und 13. September zu Hause bleiben und die Festfreude nicht zu Wasser werden lassen. Friedberg, 5. September. Der Personentunnel im hiesigen Bahnhof ist jetzt eröffnet und muß seitens der nach Gießen und Hanau Reisenden und von Hanau Ankommenden benutzt werden. t Nidda, 6. September. Der gestrige erste Tag unserer heurigen Kirchweih brachte trotz der etwa- kühlen Witterung auch viel auswärtigen Besuch auf die zum allgemeinen VrrgnügungSplatz hergerichteten städtischen Wiesen hinterm Burghofe, woselbst in der Turnhalle, sowie in vier Restau- ratiouSzelten für die leiblichen Bedürfnisse der Gäste ausreichend gesorgt wurde. Dagegen litt der heutige Herbstmarkt sehr unter der über Nacht eingetretenen regnerischen Witterung, welche auch die Wlrthschaften-, Carroussel- und Budenbefitzer rc. auf dem Juxplatze erheblich schädigten, während die Geschäftshäuser in der Stadt sich eines guten Zuspruch- erfreuten. Hungen, 2. September. Mit dem 1. October wird die Bahn nach Friedberg eröffnet. Dem Vernehmen nach werden die Züge von Friedberg nach Laubach nicht weiter gehen, sondern die besondere Zugverbindung nach dort wird bestehen bleiben. Da Anschlüsse nach Gießen wie Friedberg zunächst nicht zu erwarten find, wird mit dem 1. October in dem erweiterten Anbau an hiesige- Stationsgebäude eine Restauration 2. Klasse, sowie 3. und 4. Klasse eröffnet werden. Büdingen, 6. September. Rittmeister Leutze vom Königl. Bayerischen 2. schweren Reiterregiment, sowie Major Geb sattel von demselben Regiment, zogen sich heute Morgen durch den Sturz der Pferde nicht unerhebliche Verletzungen zu. Ersterer erlitt einen Beinbruch, während letzterer nur unbedeutende Verletzungen davontrug. Major Gebsattel wurde in das hiesige Schloß, Rittmeister Leutze tn das Gasthaus „zum Stern" verbracht. p. RüddingShanfen, 6. September. Gestern, Sonntag den 5. September, feierte der hiesige Kriegerverein in Gemeinschaft mit dem Gesangverein das SedanSfest. Herr Gastwirth H. Theis 3. stellte den beiden Vereinen seinen schönen Saal in bereitwilligster Weise zur Verfügung. Nachdem der Präsident deS Kriegerverein- Herr Kalberlah die Feier mit einem Hoch auf Kaiser und Reich eröffnet hatte, ergriff Herr Pfarrverwalter Walter auS Londorf, als Ehrenmitglied deS Verein- da- Wort und legte die Bedeutung de» Tage- von Sedan in sehr schöner und klarer Weise dar. Besonder- betonte der Redner, daß gerade die hessische Division durch die Schlacht bei Gravelotte indirekt den Steg von Sedan erfechten half. Herr Walter schloß feine Rede mit einem Hoch auf den Tag von Sedan. Herr Lehrer Schättler sprach über die Einigung Deutschlands. Seine Rede gipfelte tn einem Hoch auf da- geeinte Reich. Zuletzt sprach Herr Lehrer Haber einige kurze Worte auf das Heer und schloß mit einem Hoch auf dasselbe. Wesentlich verschönert wurde die Feier durch einige Vorträge de» Gesangverein« unter der Leitung de» Herrn Schattier. * Kaiser und Scharfrichter. Preußens Scharfrichter Reiudel tu Magdeburg, der seine goldene Hochzeit feierte, während sein Sohn zugleich die silberne beging, erhielt vom deutschen Kaiser die silberne Ehe-JubtläumSmedaille mit folgendem Cabinet-schreiben: Potsdam, 20. August 1897. Sc. Maj. der Kaiser und König haben vernommen, daß Sie mit Ihrer Ehegattin nach 60 jähriger Ehe am 28. August d. I. die goldene Hochzeit feiern werden. Zur Erinnerung an dieses frohe Familieneretgntß, zu dem Se. Majestät dem Jubelpaare die besten Glückwünsche au-sprechen lassen, verleihen Allerhöchstdieselbeu Ihnen die beifolgende Ehe-Jubi« läumSmedatlle mit dem Wunsche, daß eS Ihnen und Ihrer Gattin vergönnt sein möge, unter Gottes gnädigem Beistände in treuer Gemeinschaft miteinander sich noch recht lange eine- glücklichen und zufriedenen Lebensabends zu erfreuen. Der Geheime CabinetSrath, Wirkliche Geheime Rath v. Lucanu«. Die Medaille hat die Größe eines FünfmarkstückeS, trägt auf der AnfichtSseite die Bildnisse des Kaiserpaares und auf der Rückseite in erhabenen Buchstaben die Inschrift: „Zum Ehejubiläum. Seid fröhlich tn Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet am Gebet. Römer, Kapitel 12, Vers 12." Citeratur und ICunft — Georg Edward. Von unserem Landsmann Georg E. Geilfus (Georg Edward), der feit einigen Jahren in Chicago wellt, ist in diesen Tagen ein Band Lieder und Balladen erschienen (Großen- bain bei Baumert & Bonge, Preis 2 Mk.). Es sind ergreifende Klänge auS der Leier eines echten Dichters, Gedanken, die in die Tiefe gehen und sich wett über das Durchschnittsmaß lyrischer Massenproduction erheben. Meisterhaft find Edward die Hebers tragungen altschottischer Balladen gelungen. Das hübsch ausgestattete Buch dürfte allen Freunden der schönen Literatur eine willkommene Gabe fein. Edwards Gedichte sind tn der Ricker'fchen Buchhandlung vorräthig. Verkehr, €cmb» und Vottswirthschaft» •ktttt, 7. September. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochemnartt kostete: Butter pr. Psd. X 1,05—1,20, Hühnereier pr. St. 6—7 H, 2 St. 13 Enteneier 1 St. 7—00 L, Gänse eter pr. St. 00-12 H, Käse pr. St. 5-8 Käsematte pr. ®L 3 * Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 27 Tauben pr. Paar X 0,60 bis 0,70, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,10, Hahnen pr. Stück X 0,60—1,00, Enten pr. Stück X 1,60—1,80, Gänse pr. Pfund X 0,00—0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 60-66 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 biß 72 4, Schweinefleisch, ges^zen, pr. Pfd. 76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 56-60 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 50—66 Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,10 bi« 7,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 Zwiebeln pr. Cenlner X 7,00-8,00, Milch pr. Liter 16 Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 7. Septbr., zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 12», Luft 12»/,°. Rübsamen'sche Badeanstalt. »■ Die । 8311 229 Täglich geöffnet non 9 Verloren u. Gefunden. 8294 8306 Der Vorftaud. b)r [""EmpfehJungen^^ Joh. Hirz 8301 Die glückliche Geburt eines gesunden, kräftigen 8211 gefahren werden bei Wilh. Plaut, Bahnhosstr. 18 Mädchens zeigen hocherfreut an 8303 EivjungttHansburlchegesucht M ■ 8319 8. »Lmmerer G. Nauheimer und Frau. ♦^♦^♦«♦«♦»♦*o»***^*x*x*** Pulvermühle 8246 in Bremen 2361 LIEBIG COMPANY’S Daube L Co., Hamburg. 830') später zu vermieden. 8164 3561 Mexico S. Elsoffer. 8312 Robert Berger, Pössneck i. Tb. befördert Passagiere der concefs. Agent Carl Ijoo* in Gießen. I. Ui tttyo Bez p Wti 1) An Rti fl« 2) ®i 9 au bei b) c) d) «) a) b) o)i 5 5. Die ober btx s 4. svitzi Iniib» »erden d dei- Ein Wasserreservoir, 2,20 cbm enthaltend, zu verkaufen. 7455 Näheres Lvdwigplatz 5. Vergebung von Bauarbeiten. Die Schreinerarbeiteu, als Fußböden, Thüren, Gestühl rc. zum Umbau hiesiger Ltadtkirche sollen vergeben werden. Bewerber können Zeichnungen und Bedingungen auf dem Bureau der Architecten Stein u. M ey er einsehen, daselbst sind auch Angebotformu. lare gegen Erstattung der Copialgebühren erhältlich. Angebote sind dem Unterzeichneten bis zum Samstag den 11. September, Abends 6 Uhr, in verschlossenem Umschläge, mit entsprechender Aufschrift versehen, -richt za übersehen! Sofort gefacht sol. Herren, auch an den kleinsten Ort. zum Eigarrenverkauf an Wirthe. Restaurateure und Private. Vergüt. Mk. 130 pr. Monat oder Hobe Vrov. Offerten unt W. 1195 bef. G L. *«54 d) c) d)i 6) 0 An und Verkauf von getragene« Kleider«, Weißzeug. M-bel«, Bette«, (So b und Silber fachen, Bücher«, Zeitvnge«, Acten Papier, Nupfer, Mesfing, Zinn. Blei und Gife«. 3905 Ebenso werden Lumpen und Knochen auf Verlangen jederzeit abgeholt durch Louis Nothenberger Wwc. i o 5. Unit _ -e- 6- Hinfi licht Tiwi am 1- Au \ einzureichen. Gießen, den 7. September 1897. Der evangelische Gesammt Rirchtvvorstaad. Dr. Naumann. Nach Vezirksvei Haltung bi teiber 18 prei-verthi Zar zur Steffi Gießener Zitherkranz. Samstag den 11. September, Abends präcis 9 Uhr: General-Versammlung im Veretnslocal (Zum Rebstock, Westanlage). — Tagesordnung f. Circular. — Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Schäfer gesucht. Die Schäferei-Gesellschaft zu Steinberg bei Gießen sucht zum 1. October b. I. einen tüchtigen Schstfer. Reflectanten wollen sich bis längstens 20 September bet Unterzeichnetem melden. D erscheint -iiAvr Mo Junger hansbarsche gesucht 8163 MLuSburg 18. Mache besonder- darauf aufmerksam, daß meine Ausstellung nicht mit Menagerie, Panoptikum, Panorama zu verwechseln ist. Die 6000 Quadraifuß große Ausstellungshalle enthält groß- aniae, noch nie gesehene aethrorologische Gruppen des hohen Nordens Eskimo»Aa»ilie in ihren Etsbütten Lappländer-Familie auf der Schlittenfahrt. Walroß Familie, Männchen 60.0 Pfd. Riefen-Walfisch, 82 Fuß lang. 10,600 Pfd. schwer. 1000 verschiedene »er k- zeuge zum Fang von Walfischen. 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