Nr. 3 Erstes Blatt»Dienstag den 5. Januar gS9V Der Kietze« er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AlamlkiendtLtler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Meßmer Anzeiger Generat-Wnzeiger. Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchutflraße Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblatt füv den TLveis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bex folgmdeu Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" -entgegen. Smtllchev Ltzett. Bekanntmachung, betreffend: Obftbauversawmlungeu. Der Obstbautechniker des Oberhesfischen Obstbauvereins, Herr E. Metz aus Friedberg, beabsichtigt im Januar 1897 folgende Orte des Kreise» Gießen zu besuchen, um Vorträge über Obstbau zu halten und practtsche Unterweisungen zu ertheileu. An Wochentagen beginnen die Borträge Abends 8 Uhr, an Sonntagen Nachmittag» 3 Uhr, die practischen Unterweisungen stets am nächsten Tage Bormittags von 9 Uhr ab und sind die Mitglieder deS Obstbauvereins und sonstige Freunde deS Obstbaues zu zahlreicher Betheiliguug eingeladen. Mittwoch den 6. Janua r in Mainzlar Donnerstag // 7. „ „ Allendorf a. d. Lda., Freitag ,/ 8. „ „ Climbach, SamStag // 8. „ „ Allertshausen, Sonntag „ io. „ „ Londorf, Montag ,/ 11. , „ Kesselbach, DienStag ,, 12. , „ Odenhausen, Mittwoch // 13. , y Lumda, Freitag „ 22. „ „ Gießen, Samstag ,/ 23. „ „ Hausen, Sonntag n 24. , „ Garbenteich, Montag »25. „ „ Steinbach, Dienstag „ 26. „ „ Albach, Mittwoch n 27. „ „ Burkhardsfelden, Donnerstag n 28. „ „ Hattenrod, Freitag ,/ 29. „ „ Harbach, Samstag „ 30. „ „ Ettingshausen, Sonntag ,/ 31. /, „ Queckborn. Den Herren Großh. Bürgermeistern gehen befonbi Mittheilungen zu. Gießen, den 2. Januar 1897. Der Vorsitzende deS Vereinsbezirks Gießen de» Oberhesfischen Obstbau-Vereins. Dr. Wall au. Deutscher Reich. Berlin, 2. Januar. Der StaatScommiffar für die Berliner Börse, OberverwaltungSgerichtsrath Hempfen- macher, traf bald nach 1 Uhr heute an der Börse ein, wo ihn der Geh. Commerzievrath Herz begrüßte und umher- führte. An der Productenbörse herrschte eine sonst unbekannte Stille. Der Saal war vollständig leer, kein Getreidehändler war erschienen, nur einige Spirttusmakler waren anwesend. Dagegen war der Saal im Feenpalaste, wohin sich der Exodus der Getreidehändler gerichtet hatte, dichtgefüllt. Dort wurde lebhaft gehandelt, die Proben lagen auf den Tischen aus und es sollen Caffaabschlüsse in beträchtlichen Poften zu höheren Preisen abgeschlossen sein. Berlin, 2. Januar. Oberstlteutenant Gaede wurde vorgestern definitiv seiner Stellung als Preßreferent im KrtegSministerium enthoben. Seine Stelle hat der dazu defignirte Major Wachs übernommen. Berlin, 2. Januar. In Hamburg wird, dem „Verl. Tagbl." zufolge, behauptet, der Besuch des dortigen Hafen» durch den Erbprinzen von Meiningen habe den Zweck, den Kaiser über die Lage deS Hafenarbetterstrike» zu orieutiren. Berlin, 2. Januar. Pastor Schall, der bekannte konservative ReichStagSabgeordnete, ist, wie der „ReichSbote" meldet, nunmehr vom Coufiftorium seines Amtes entsetzt worden. Berlin, 2. Januar. Für die Zeit vom 1. Mai bis 15. October dieses Jahres ist hier eine Ausstellung „Transvaal in Berlin" geplant. Berlin, 2. Januar. Der „Post" wird ein neuer Ueber- griff der Engländer aus Ost-Afrika gemeldet. Danach hat der britische Resident in Lasmu, Vtceconsul RogerS, das Etgenthum eines Deutschen, Namens Friedrich Häßler aus Bamberg, eines der beiden Ueberlebenden der Küntzel'schen Expedition vom Jahre 1890, ohne einen Schein von Berechtigung conftScirt, als Staatöeigenthum erklärt und meist, bietend verkauft. ES handelt sich hierbei um Elefantenzähne, welche Häßler an eine deutsche Firma in Lamu verkauft hatte- der Firma ist durch die ConfiScation ebenfalls ein Schaden erwachsen. . * x Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Sterns zum Rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub und der Königlichen Krone an den KriegS- mtnister von Goßler und den Stern zum Rochen Adler- ordeu 2. Klasse mit Eichenlaub au den UnterstaatSsecretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn von Rotheuhahn. Berlin, 2. Januar. Dem „Berl. Tagebl." wird aus Brüssel telegraphirt, daß bet dem gestrigen Neujahrs- Empfang König Leopold gegenüber der Abordnung des Senats die Nothwendigkeit der HeereSreform betonte. Er wies darauf hin, daß durch Mangel an Patriotismus sowie das Fehlen einer guten HeereSverfassung schon viele Staaten untergegaugen seien. Gegenüber der Abordnung der Kammer bedauerte der König, daß die Socialtsten die Verhandlungen oftmals durch lärmende Scenen stören. Er erklärte, sein Vater habe die belgische Krone nur widerstrebend angenommen. Heute werde das Ansehen der Krone geschmäht, wodurch Belgien selbst geschädigt werde. Die Worte des Königs rufen lebhafte Commentare hervor. Berlin, 2. Januar. Ueber die zweijährige Dienstzeit wird in einem Artikel deS Mtlitärwochenblattr» gesagt: „DaS größte practtsche Interesse gruppirt sich um die Durchführung der zweijährigen Dienstzeit, dieselbe legt allen Vorgesetzten die kaum zu bewältigende Aufgabe auf, in zwei Jahren dasselbe zu leisten, wie früher in drei. Die Masse der Abcommandirten erschwert die Ausbildung des zweiten Jahres in früher nie gekannter Weise, und dabei steigern die uothwendigen Anforderungen an erhöhte Leistungen der Vorgesetzten und Mannschaften sich fortwährend." Diesen einiger Aussehen erregenden Ausführungen gegenüber bemerkt die „Nat.'Ztg.": Wir fehen keinen Grund, diesen Aeuße- rungen eines anonymen Artikels in dem militärischen Blatte, für welches die Militärverwaltung wiederholt jede Verantwortlichkeit abgelehnt hat, besondere Bedeutung betzumessen. ES ist die persönliche Meinung eine» nicht genannten OifizierS, der man vorläufig die Mittheilungen des früheren Kriegs- Ministers von Bronsart bet der Verhandlung über die Umwandlung der vierten Bataillone entgegeustellen kann: daß die zweijährige Dienstzeit sich so weit bewährt habe, wie eS sich beurtheilen lasse, bevor mau die Leistungen von Reser- vtsten gesehen, die nach der Verkürzung der Dienstzeit ausgebildet worden. Berlin, 2. Januar. Die deutsch-russische Commission zur Berathung verschiedener veterinärpolizetltcher und handelspolitischer Fragen hielt heute eine Sitzung ab. Die Berathungen erleiden nunmehr eine kurze Unterbrechung durch das russische WeihnachtSfest. Die der Commission angehörenden russischen Delegtrten und der Botschafter Graf von der Osten-Sacken find heute vom Reichskanzler zum Diner geladen. Berlin, 2. Januar. Heute Abend 7 Uhr findet im Neuen Palais eine größere Tafel aus Anlaß der hier zur NeujahrSfeter etugetroffenen commandirendeu Generale statt. Ueber die Gratulation im hiesigen Schlosse wird be richtet, daß der Kaiser die Glückwünsche des Staatsmini- steriumS, die Fürst Hohenlohe aussprach, in freundlicher Weise erwtederte. Politische Aeußerungen sind anläßlich deS Neujahrsempfangs nicht gefallen. Ob der Kaiser beim Em- pfang der Generale militärische Fragen berührt hat, ist unbekannt. Berlin, 2. Januar. Im Befinden deS StaatSsecretärS Marschall ist eine weitere Besserung eingetreten. Der- selbe muß sich aber noch Schonung auferlegen. Berlin, 2. Januar. Im hiesigen Auswärtsgen Amt fanden sich heute die russischen Delegtrten sür die Verhandlungen über die D'ffereuzpunkte auS Anlaß des deutsch-russischen Handelsvertrages zu einer neuen Sitzung ein. Berlin, 2. Januar. Wie verlautet, wird die Ueber- siedelung de» kaiserlichen Hose» von dem neuen Palais nach dem hiesigen Schlosse am 11. d. Mi», erfolgen. Berlin, 2. Januar. Das diesjährige KrönungS- und Ordens fest findet am 19. df»., das Fest de» schwarzen Adlerordens am 18. Januar im hiesigen Schlosse statt. Köln, 2. Januar. In Hagen (Westfalen) stieß heute Mittag 12 Uhr in unmittelbarer Nähe der Station ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Mehrere Waggons wurden zertrümmert, ein Bremser schwer, eine Anzahl Passagiere leicht verletzt. Entgegen anderweitigen Meldungen wird amtlich constatirt, daß Niemand getödtet wurde. Bonn, 2. Januar. In Godesberg sind heute früh zwei Güterzüge aufeinander gefahren. Eine Maschine und sechs Waggons wurden zertrümmert. Der Materialschaden ist bedeutend. Personen wurden nicht verletzt. Der Verkehr ist zeitweise unterbrochen. BreSlau, 2. Januar. Dem „BreSl. Geueralanz." zufolge hat der Generalstab in Berlin für daS im Jahre 1900 in Schweidnitz zu errichtende Moltke-Denkmal 1800 Mark beigesteuert. Löwen, 2. Januar. Der UuiverfitätSprofeffor Dr. Ani» erfand ein Heilserum für Lungen-Evtzündung und Luugeu- Schwindsucht. Auf Anordnung der Regierung werden in Krankenhäusern Versuche damit angestellt. Hamburg. 2. Januar. Zu der Meldung eines Berliner Blattes, die Hamburger Productenbörse habe beschlossen, sich aufzulösen und eine freie Vereinigung der Producteu- händler zu bilden, theilt die „Hamb. Börsenhalle" nach Erkundigungen, die sie an bester Quelle eiugezogen hat, mit, daß ihr von einem solchen Beschlüsse nicht» bekannt ist. Ansland. Wien, 2. Januar. Der Kaiser wird Mitte Februar zu einem zweiwöchentlichen Besuch der Kaiserin sich nach Cap St. Martin begeben. Die Kaiserin trifft nach den bisherigen Dispositionen Mitte Januar aus Biarritz auf Cap St. Martin ein. Prag, 2. Januar. In der heutigen Stadtverordneten- fitzung wurde der Jungczeche Podltpuy mit 83 von 85 Stimmen zum Bürg ermeister gewählt. Rom, 2. Januar. Der Dampfer „Adripico" ist mit 200 freigelafseueu Gefangenen gestern in Neapel eiugelaufen. Die Soldaten werden ihren betreffenden Regimentern wieder zugetheilt- alsdann gehen sie auf Urlaub. Auch die Majore Gamerro und Nerazzini find hier ein- getroffen. Letzterer wird heute vom KrtegSminister und dem Minister deS Aeußern, sowie hierauf vom Könige empfangen, wobei er demselben authentische Mittheilungen über die Niederlage der Italiener machen wird. Die Ankunft der Soldaten erfolgte ohne jegliche Kundgebung auS Rücksicht auf jene Familien, deren Angehörige im Kampfe mit Menelik gefallen find. Rom, 1. Januar. Professor Baccelli ^besuchte heute Vormittag den König und stellte fest, daß nur eine leichte Unpäßlichkeit vorliegt- daher werden keine Bulletins auSgegeben. Rom, 2. Januar. Die Unpäßlichkeit des König» kann als beseitigt betrachtet werden. Der König verließ Mittag« das Bett und erledigte Staatsgeschäfte. — Nerazzini traf Abends in Rom ein. Rom, 2. Januar. Der Syndikus der hiesigen Wechsel- Sensale, Le Picrt, wurde verhaftet. Derselbe wird beschuldigt, ihm anvertraute Werthpapiere in Höhe von 90000 Lire unterschlagen zu haben. Die Verhaftung erregt große» Aufsehen. Neapel, 2. Januar. Der Erzbischof Cardinal Sau- feitet ist schwer an Lungen-Entzündung erkrankt. Die Aerzte befürchten das Schlimmste. Brüssel, 2. Januar. Vermummte Banditen drangen in die Kirche der Ortschaft Claford ein, knebelten den Pfarrer und die Kirchendiener und raubten den Kirchenschatz. Part», 2. Januar. BaroninHirsch übersandte gestern dem Institut Pasteur zwei Millionen Franc». Pari», 2. Januar. Nach hier eingelaufenen Nachrichten au» Konstantinopel sind die letzten Ereignisse im Orient auf die Gesundheit des Sultans nicht ohne Einfluß geblieben. Seine Geistesfähigkeiteu sollen stark gelitten haben. Er leidet angeblich an Verfolgungswahn, weshalb auch die türkischen Diener entlassen wurden. Dieselben wurden durch russische Diener ersetzt, welche Tag und Nacht nicht von der Seite deS Sultans weichen dürfen. Pari», 1. Januar. Bei dem NeujahrSempfauge im Ely söe brachte der russische Botschafter Baron v. Mohren- heim alS Doyen die Wünsche der durch das diplomatische Corp» vertretenen Souveräne und Regierungen für die Wohlfahrt Frankreichs und das Wohlergehen deS Präsidenten Faure zum Ausdruck. Baron v. Mohreuheim sagte: „Möchten doch während des neuen JahreS, dem man, da e» unter günstigen Auspicten beginnt, mit Vertrauen entgegensehen kann, diese einstimmigen aufrichtigen Wünsche in demselben reichen Maße und derselben Vollständigkeit in Ersüllung gehen, wie die, welche wir hier vor einem Jahre dargebracht haben. Möge Frankreich, dem allgemeine Sympathie und Achtung entgegengebracht werden, die Ersüllung dieser Wünsche besonders in dem endgilttgen Obsiegen der heiligen Sache des Friedens finden, der eS unaufhörlich und so edelmüthtg seine machtvolle Unterstützung geliehen hat, wodurch eS für seinen Theil in reichem Maße dazu beitrug, der dankbaren Welt das hohe Gut de» Friedens zu sichern." Präsident Fanre dankte und er- widerte: „ES war mir angenehm, daß die lange Anwesen- heit des Barons v. Mohrenheim als Botschafter in Paris diesen dazu bestimmte, die Glückwünsche au-zuiprecden. Ich schätze mich glücklich, in so gerechter und beredter Weise da» Werk der Regierung der Republik uud die Gefühle würdigen zu hören, von denen ihre Politik geleitet wird. Der gleiche Wunsch noch dem Einvernehmen und der Bereinigung, von denen die Mächte sich beseelt zeigen, rechtfertigt da» Vertrauen, welches Sie so fest an der Schwelle des neuen Jahre» bezeugen. Dieses Vertrauen wird noch gefestigt durch die ausgezeichneten Beziehungen, welche zwischen Frankreich uud den übrigen Nationen bestehen. ES sind dies übrigens die einzigen Bürgschaften, welche da» verflossene Jahr gesichert hat für den Frieden der Welt. Die Mithilfe Frankreichs wird niemals den Werken fehlen, welche bestimmt find, die Nationen und Regierungen in dem ge- metosamen Gedanken der Gerechtigkeit uud deS Friedens zu vereinigen." Paris, 2. Januar. Auf das Telegramm des Kaisers von Rußland hat Präsident Faure gestern mit folgender Depesche geantwortet: „Ich bin tief gerührt von den Worten, in denen Ew. Majestät Ihre Beglückwünschung auS- sprachen. Ich danke Ew. Majestät ebenso wie Ihrer Majestät der Kaiserin für die Gefühle, die Sie für Frankreich zum Ausdruck bringen. Auch wir rufen «nS mit lebhafter Bewegung die so kostbare Erinnerung Ihrer Anwesenheit unter unS wach und ich bitte Sie, die Wünsche entgegenzunehmen, die wir für daS Glück Ew. Majestät uud Ihrer Majestät der Kaisertn hegen wie für daS der Großfürstin Olga und für die Größe Rußlands." Paris, 2. Januar. Die hiesigen Blätter berichten über eine Ausweisung dreier junger, der Familie Schlumberger angehörenden Leute aus dem Elsaß uud knüpfen daran Erörterungen, tu denen die deutschen Behörden angegriffen werden. Madrid, 2. Januar. Nach einer Depesche auS M a v i l a errangen die spanischen Truppen einen bedeutenden Sieg über die Aufständischen. Der Verlust der letzteren wird auf 1100 Tobte angegeben. Der Ort deS Kampfes wird nicht genannt. Madrid, 2. Januar. Die Schlacht, worin die Insurgenten der Philippinen 1100 Mann verloren, fand bei Bulcana statt. Unter den Todten befindet fich auch der Jnsurgentengeueral Eusebro. Die Spanier hatten 23Todte und 58 Verwundete- fie erbeuteten 7 Kanonen. Bonbon, 2. Januar. Der „Standard" ist der Auficht, daß da» Glückwunsch-Telegramm des Zaren an den Präsidenten Faure wegen seines ausgesprochenen herzlichen Tones einen großen Eindruck machen wird. Der „Daily Telegraph" stellt fest, daß die Beziehungen Frankreichs zu England herzlicher als früher find und fügt hinzu, daß der von der deutschen Presse England gegenüber angeschlagene Ton eine Annäherung Englands au den Dreibund nichts weniger als begünstigt. London, 2. Januar. In der Kaserne des Devonporter Train-Corps wurde ein ausgedehnter Meutereiversuch entdeckt. DaS Kriegsgericht sprach zwei Soldaten schuldig, dem Compagntechef den Gehorsam verweigert uud Andere überredet zu haben, die Kaserne zu verlassen. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Petersburg, 1. Januar. Der ReichSrath setzte, wie das Organ des Ftnanzmtnisters meldet, zum Schutze der russischen Traubenweine einen Zoll von 170 Kopeken auf Corinthen, Rofinen, Feigen, getrocknete Trauben, Pflaumen uud Birnen fest. Sofia, 2. Januar. Die „Sobranje" nahm den UkaS, der die nach Rußland desertirteu Offiziere am- nestirt, mit lautem Beifall auf- Konstantinopel, 2. Januar. Die Botschafter überreichten am Donnerstag der Pforte eine gemeinsame Note, worin die Ausdehnung der Amnestie auf die Verbannten und flüchtigen Armenier verlangt wird. Die Pforte scheint geneigt zu sein, dem Verlangen zu entsprechen. Neueste Wolff« telegraphische« Eorrespondeur-Bmean. Treuchtlingen (Mittelfranken), 3. Januar. Im hiesigen Bahnhöfe stieß heute Nacht ein Schnellzug mit einem Personenzuge zusammen. Mehrere Wagen entgleisten, ein Waggon gerielh in Brand. Eta Reisender wurde leicht ver- letzt- der Materialschaden ist bedeutend. Neapel, 3. Januar. Cardinal Sanfeltce ist heute früh 1 Uhr 40 Min. gestorben. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 3. Januar. DaS „Bert. Tagebl." berichtet au« Rom: DaS Deutsche Kaiserpaar werde im Frühjahre nach Italien reisen und dort mehrere Wochen verweilen. DaS Kaiserpaar werde fich in Genua auf der „Hohenzollern" ein- schiffen, welche vom „Gefion- begleitet sein wird. Bet der Küstensahrt sollen Neapel, Palermo und andere Städte berührt werden. Berlin, 3. Januar. Die Verlegerin deS „Socialist", Rosa Bareiß, welche kurz vor Weihnachten verhaftet wurde, ist nach zwölftägiger Untersuchungshaft wieder ent- lassen worden. Indessen wird gegen fie die Anklage wegen Beleidigung de» RtchterstandeS erhoben. Der gleichfalls vor Weihnachten verhaftete Anarchist, Schriftsteller Gustav Landauer, bleibt wegen Fluchtverdachts in Haft- auch er wird wegen Beleidigung avgeklagt. Berlin, 3. Januar. Der „Voss. Ztg." zufolge soll die erste Berathung der Militär-Strafprozeß-Ordnung im Plenum des BundeSrathS in der nächsten BundeSrathS- sitzung am 7. Januar stattfinden. Hamburg, 3. Januar. Aus England trafen gestern 500 Psund Sterling UnterstützuugSgeldrr für die Strtkendeu ein. Augsburg, 3. Januar. Wie die „AugSb. Abeudztg." meldet, verlautet in militärischen Kreisen, daß mit der in Aussicht genommenen Artillerie-Reform auch eine Aeude- ruug der technischen Etntheilung der Feld- artillerie-Abtheilungeu Hand in Hand gehen soll, da die bisherige Formation der Feldarttllerte Regimenter, bezw. Batterien, für den beweglichen Feldkampf zu schwerfällig uud compOeirt gehalten wird. Budapest, 3. Januar. Hier hat fich ein anarchistischer Verein gebildet, zu welchem etwa hundert Mitglieder gehören. Derselbe gibt ein Blatt in ungarischer und deutscher Sprache heran». Die erste, bereits erschienene Nummer ent- hält sehr heftige Angriffe gegen den Staat, die Regierung und die Gesellschaft. Der Redacteur des Blatte» ist ein ehemaliger Beamter deS Justizministeriums, Dr. Schmitt. Rom, 3. Januar. Aus Candta wird berichtet, daß die Beziehungen zwtscheu Christen uud Muhamedaneru wieder äußerst gespannt seien. Alles sei bewaffnet und mau befürchte den AuSbruch von Unruhen. Brüssel, 3. Januar. Der franzöfische Vertreter unterzeichnete gestern hier den Vertrag, welcher die Handelsbeziehungen zwischen Belgien und Frankreich in Tunis regelt. Bukarest, 3. Januar. DaS Budget fieht für das nächste Jahr die Anschaffung dreier großer Dampfer für die Linie Konstantinopel—Antwerpen—Rotterdam vor. WB. Paris, 4. Januar. Das eudgiltige Ergebuiß der SenatSwahleo, einschließlich Stichwahlen, ist: 64 Republikaner, 21 Radicale, 12 Conservative. CoceUs rrrrd prwht$U(l^ Gießen, den 4. Januar 1897. * * Empfang. Se. Kgl. Hoheit der Grobherzog empfingen am 2. Januar u. A. den Secondelieutenant Frhru. v. Stein zu LauSnitz von der Kaiserlichen Schutztruppe in Kamerun, die Gymnasiallehrer Dr. Keller von Laubach uud Dr. Volp von Büdingen, den Reallehrer Schilling von Alsfeld, den Bürgermeister Weidmann von Bornheim, Kreis Alsfeld. * * Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. Die Section Gießen deS Deutschen und Oesterreichtschen Alpen- vereins hat im Laufe der letzten Jahre sehr erheblich an Zahl gewonnen, wobei jedoch die harmonische Entwickelung des BeretuSlebens innerhalb der Section nicht in gleichem Maße gefördert wurde. Auf Grund dieser Wahrnehmung und deS Wunsches sowohl nach einer fruchtbaren Bethätigung der Mitglieder auf alpinem Gebiet, als nach einer einheitlichen und friedlichen Entfaltung des Vereins in engerem Kreise, hat fich bei einer Anzahl Mitglieder innerhalb der Section Gießen daS Bedürfntß geltend gemacht, eine besondere Section uud zwar unter dem Namen „Section Oberhessen de» Deutschen und Oesterr. Alpenver- einS" mir dem Vorort Gießen ins Leben zu rufen. Diese Section setzt als ein von der Section Gießen neu ausgehender Zweig, deren Vereinsleben auf besonderem Boden fort- sie wird ein friedliches Verhältniß zur Section Gießen Pflegen und darf sich der Hoffnung htngeben, daß man ihr von dorther dieselbe Gesinnung entgegenbringt. Die reinliche Scheidung von über 50 Mitgliedern aus der älteren Section bedeutet daher keineswegs einen Verfall des alpinen Vereinslebens in hiesiger Stadt, sondern kann eher als eine Erweiterung und Vervollkommnung desselben betrachtet werden. Volle Freiheit bezüglich der Gestaltung des VereiuSlebens innerhalb der Section kann nur förderlich sein der Hauptsache: Pflege der hohen idealen Zwecke der alpinen Vereine. In diesem Sinne gedenkt die „Section Oberhessen" des Deutschen undOesterreichischen Alpenvereins, die sich am 21. v. M. mit 48 Mitgliedern constituirt und durch Schreiben deS CentralauSschusseS des Deutschen und Oesterr. AlpenveretnS vom 31. December 1896, die Bestätigung und Beglückwünschung zur Gründung empfangen, ihre Vereins- thättgkeit, zu welcher auch die Pflege edler Geselligkeit gehören wird, zu beginnen und dauernd zu üben. DaS Ber- einSlocal verbleibt wie seither im Kaiserhof hier. In den Geertonsvorstand wurden gewählt die Herren Dr. Klewitz, Berlagsbuchhändler O. Roth, Amtsrichter Neuenhagen, Fabrikant Heinrich Schirmer. • * Die Reichsbank erwarb für ihre Nebenstelle das Haus Westanlage 17, bisher der Firma Jean Dern u. Co. gehörig, für den Preis von 40,000 Mk. * * „Alß verspäteten NenjahrSgruß" erhielten wir einen verfrühten Frühlingsboten, nämlich einen Schmetterling (rother Fuchs). * • lieber die Annahme von Militaranwärtern bei den JnvaliditätS - und AlterSverstcherungS-Anstalten wird als einstweilige Regelung eine Bekanntmachung im „Reichsanz." veröffentlicht, die bis zum Erlaß endgültiger Bestimmungen des BundeSratheS zu gelten hat. Darnach find die Subaltern- und Unterbeamtenstelleu bet den In- valtdttätS-Berficherungs-Anstalten vorzugsweise mit Militäranwärtern zu besetzen: Die Coutrolbeamteu gelten hierbei nicht als Subalterubeamte. Ausschließlich mit Militäranwärtern find zu besetzen: 1. die Stellen im Kanzletdteust, einschließlich derjenigen der Lohnschretber, soweit deren Inhabern die Besorgung des Schreibwerks und der damit zusammenhängenden Dienstperrichtungen obliegt- 2. sämmtltche Stellen, deren Obliegenheiten im Wesentlichen in mechanischen Dienstleistungen bestehen und keine technischen Kenntnisse erfordern. Mindestens zur Hälfte mit Militäranwärtern find zu besetzen die Stellen der Subalternbeamten im Bureaudtenft, jedoch mit Ausnahme 1. derjenigen Stellen, für welche eine besondere wissenschaftliche oder technische Vorbildung erfordert wird, 2. die Stellen derjenigen Kassen Vorsteher, welche eigene Rechnung zu legen haben, sowie derjenigen Kaffenbeamten, welche Kaffengelder etnzunehmen, zu verwahren oder auS- zugebeu haben, 3. die Stellen der Bureau-Vorsteher. x Grauingen, 1. Januar. Herr Director Pa»eoe von Gießen hat einer betagten armen Wittwe dahier, deren Sohn Anfangs der siebziger Jahre in dem Braunstein-Bergwerk sein Leben verlor, in hochherziger Weise eine WeihnrchiSgabe von 100 Mark zukommev lassen. - |- Nidda, 1. Januar. Nach einem alten Brauche wird in vielen Haushaltungen am NeujahrStage Weißkraut bei der Hauptmahlzeit gegessen, wo» von diesen Leuten als glückbringend erachtet wird- dabei vermeidet man den Genuß saurer Speisen in der Meinung, von Geschwüren rc. im neuen Jahre befreit zu bleiben. Diese abergläubischen Ueb- uogen find mitunter in den gebildeten Klassen noch Brauch. Lauterbach, 31. December. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kam eS in Wallenrod in einer Sptnnstube Abends zu Schlägereien, wobei das Messer wieder eine große Rolle spielte. Zwei find schwer verletzt und wurde der eine, der einen Stich tu den Arm bekam, vorgestern ins Krankenhaus nach Lauterbach gebracht. §§ Kefenrod, 2. Januar. In der Sylvestern acht wurde ein sehr achtbarer Bürger unseres OrteS, der Polizei- diener G. in tiefe Trauer versetzt, indem seine Ehefrau durch Erhängen ihrem Leben ein Ende machte. Die Verstorbene zeigte in letzter Zeit eine tiefe Schwermuth und kann man nicht anders annehmen, als daß die Genannte in einem Anfall von Geistesstörung Hand an sich gelegt hat. Heute war da» Gericht mit dem Arzte hier und nahm die nöthigeu Untersuchungshandlungeu vor. Bad-Nauheim, 1. Januar. Einem Burschen ging heute Nacht die Pistole, die er mit einer Kugelpatrone geladen hatte, auS Unvorsichtigkeit los. DaS Geschoß traf einen 13jährigen Jungen in die Brust- die Verletzung ist lebens» gefährlich. — Gestern tödtete sich durch einen Revoloerschuß ein dahier beschäftigter Bau-Aufseher, der in derangirte Verhältnisse gerathen war. □ Darmpadt, 31. December. Wie man zuverlässig hört, gedenkt der Vorsitzende der Direction der Matn-Neckar- Bahn, Herr Geheimrath Friedrich Licht Hamm er, em um die Entwickelung dieser Bahn und damit unsere» engeren Batellande» überaus verdienter, pflichttreuer Beamte, tu den PenstonSstand zu treten. Er hatte vor einigen Tagen das Unglück, auf dem Trottoir zu stürzen und zog sich dabei eine ernsthafte Fußverletzuug zu, die ihn an» Krankenlager fesselt und die bet seinem hohen Alter, er steht im 78. Lebensjahre, zu Besorgnissen Anlaß giebt. Der Unfall deS Genannten wird allgemein lebhaft bedauert. Im August d. I. konnte noch Herr L. zugleich mit der SemisäculumSfeier der Main Neckar-Bahn sein mehr als 50 jähriges Dtenstjubiläum in bester Rüstigkeit feiern- seit 1857 ist er Vorsitzender der Direction. + Seligenstadt, 3. Januar. Gestern wurde der 51 jährige Joachim Friedmann beim Holzfällen im hiesigen Stadtwalde von einer unv-rsehends umstürzenden Tanne erschlagender BedauernSwerthe hinterläßt 7 Kinder, von denen eines noch schulpflichtig ist. Itniverfitäts > Nachrichten. München, 3. Januar. Der Professor der Forstwissenschaft an der htestgen Universität, v. Baur, der tm vorigen Jahre Rector war, ist gestern gestorben. Eingesandt. Vorgänge, die in der letzten Zeit in meiner Gemeinde spielten, machen es mir zur Gewissenspfllcht, endlich einmal daS Treiben deS hiesigen katholischen Pfarramtes in unseren gemischten Ehen öffent, ltch zu enthüllen. In meiner Gemeinde wohnte eine aus Vater, Mutter und einem Sohn bestehende Familie. Der inzwischen verstorbene Vater war kaiholtsch, die Mutter ist evangelisch. Der gleichfalls evangelische Sohn ist der Stiefsohn des Vaters, der also gesetzlich kein Bestimmungsrecht über die Confefsion des Sohne« hat. Nichtsdestoweniger hat schon seit längerer Zeit daS katholische Pfarramt den Mann dahin zu drängen versucht, daß er den Sohn der katholischen Kirche zuführe und auch seine Frau bestimmen solle, katholisch zu werden. Diese Versuche blieben zunächst ohne Erfolg. Sie scheiterten, so viel ich sehen kann, vor allem an der ausgesprochenen Abneigung de» Jungen. Inzwischen war der Junge 13l/e Jahre alt geworden und besuchte seit Anfang October meinen Confirmanden-Unterricht. Da erkrankte der Vater schwer und als er sein Ende hcrannahen fühlte, begehrte er nach dem Brauch seiner Kirche die letzte Oelung, an der nach katholischem Glaubm die Gewißheit der zukünftigen Seligkeit hangt. Die Erfüllung seiner Bitte wurde aber von fetten des katholischen Pfarramtes davon abhängig gemacht, daß der Sohn alsbald katholisch werde. Und nun fing in dem Sterbehause ein Treiben an, von dem man nur mit tiefster Entrüstung hören und schreiben kann. Unablässig setzten der katholische Pfarrer, der Caplan und die barmherzigen Schwestern den armen Menschen, die durch das herannahende Sterben des Vaters so wie so auf's Tiefste erregt waren, zu. Der Junge blieb zunächst bei seiner Weigerung uud die Mutter konnte sich nicht entschließen, ihn wider sein Gewissen zu zwmgm. Als ich ihn zu mir kommen ließ, erklärte er mir unter bitteren Thränen, er wolle nicht katholisch werden, fügte aber hinzu, er werde so gedrängt, daß er nicht wisse, ob er noch länger widerstehen könne, da er es nicht ertragen könne, wenn man ihm dann vorwerfe, er sei an dem Tode seines Vaters schuld. Der Jung« jammerte mich auf'S Tiefste. Ich konnte aber nichts weiter thun, als ihm sagen, daß in Sachen des Gewissens keine andere Rücksicht entscheiden dürfe. Selbst in das SterbehauS zu gehen und dort die armen Menschen auch meinerseits zu bearbeiten, konnte ich mich nicht entschließen. Solche menschlichen Rücksichtm scheinen aber für den BekehrungSetfer deS katholischen Pfarramtes nicht zu bestehen. Man ließ nicht nach, bis der sterbende Mann durch die Todesangst in die furchtbarste Aufregung gegen Frau und Sohn versetzt war. So wurde die Mutter endlich so in die Enge getrieben, daß sie in den Uebertritt deS SohneS einwilligte. Darauf erhielt endlich der Mann am Abend die letzte Oelung. AIS der Junge Abends heimkam, erklärte ihm die barmherzige Schwester, er sei nun katholisch und müsse am anderen Morgen in die Messe gehen. Darf man sich wundern, wenn der arme, gequälte Junge nun auch nicht mehr die Kraft zum Widerstände fand und wirklich in ben katholischen Confirmanden-Unterricht wanderte/ DaS katholische Pfarramt hat fein Ziel erreicht. Da die Mutter zugesttmmt bat, so ist meine Macht zu Ende. Ich halte eS aber für meine Pflicht, die Handlungsweise des katholischen Pfarramtes vor ben Rtchterstuhl deS cffentltchen Gewissens zu zieh«. Ich frage: Ist eS christlich, einen bald vierzehnjährigen Menschen wider seine Ueberzeugung mit solchen Mitteln zur Verleugnung zu drängen; ist eS menschlich, die Todesangst etneS sterbenden Mannes, den Kummer einer Mutter und eines Sohnes zu mißbrauchen, um daraus Vorthetl jür die katholische Kirche zu schlagen? Ob sich angesichts solcher Vorgänge -en Gliedern unserer evangelischen Gemeinde, die den römischen Practiken gegenüber meist nur zu vertrauensselig sind, nicht der Gedanke aufd'ängt: Wie groß muh die Mißachtung k-thol'scher Eiferer gegen unseren evangelischen Glauben sein, dah man selbst vor solchen Mitteln nicht zur ückschreckt, um unserer Kirche Seelen abwendig zu machen! Der hier berichtete Fall ist nicht der einzige. Er ist nur einer von den vielen, in denen in ganz ähnlicher Weise mit Drohungen und Versprechungen gearbeitet worden ist. Es gibt unter unS kaum noch eine gemischte Ehe, die man in Ruhe läßt. Wenn das katholische Pfarramt bei der Eingehung der Ebe Seitens eines katholischen ManneS, oder etwa, so lange die Kinder noch klein find, seinen ihm gesetzlich zustehenden Einfluh auf die Erziehung der Kinder in tactooller Weise zu wahren sucht, dann werden wir nie etwas dagegen etnzuwenden haben. Wenn eS dagegen, wie die Fälle jetzt immer häufiger werden, den Einfluß des Betchistuhletz benutzt, um durch katholische Frauen evangelische Männer zur Auslieferung schon evangelisch getaufter Kinder an die katholische K rche zu bestimmen, wenn eS Eltern, die längst ihren festen Entschluß gefaßt und schon erwachsene Kinder haben, bearbeitet, wenn eS gar in unserem Falle durch Mittel, die nahe an die „Nöthigrmg" im Sinne deS Strafgesetzbuchs streifen, einen Menschen, aus den es keine Spur von Anrecht bat, seinem Glauben abwendig macht, so überschreitet das die Grenze dessen, wozu man schweigen darf. Ich rufe das protestantische Ehrgefühl, ich rufe aber auch daS Gefühl der Menschlichkeit und edlen Duldsamkeit, daS, so bin ich überzeugt, trotz deS Druckes, der von oben geübt wird, auch in unseren katholischen Mitbürgern noch nicht erstorben ist, in die Schranken wider dieses Treiben, durch daS der Friede unserer Stadt und vieler Fam lten gestört, und das Gewifien der Menschen in unert ägltcher Weise bedrängt wird. Sittze«, den 4. Januar 1897. Sg. Schlosse«, Pfarrer der Mattbäusgemeinde. Lgichlm »er «rtMitti jrnifirtn Stottljtdtr. vvetnha«». DienStag den 6. Januar: Aida. Mittwoch den 6. Januar, Nachmittags 3V, Uhr: Schönclärchen. Donnerstag den 7. Januar: Der arme Heinrich. Freitag den 8. Januar geschloffen. SamStag den 9. J,nu«r, Nachmittags 3*/i Uhr: Schönclärchen. Abend« 7 Uhr: Fidelio. Sonntag den 10. Januar, Nachmittags 3«/, Uhc: Schönclärchen. Abends 7 Uhr: Der Prophet. Dtens'ag den 5. Januar: Renaissance. Mittwoch den 6. Januar: Renaissance. Donnerstag den 7. Januar geschloffen. Freitag den 8. Januar: Fall Clemenceau. Samstag den 9. Januar: Gebildete Menschen. Sonntag den 10. Januar, Nachmittags 31/, Ubr: Emilia Galotti. Abends 7 Uhr: Gebildete Menschen. Montag den 11. Januar: Renaissance. AirchttcheAnzeigen der» evang.Gemeinde. Montag, den 4 Januar, Abends 8 Uhr: Bibelst«nbe im Confirmandensaal der Jobanneskirche. Bergpredigt, Matth. Cap. 5, BerS 33 u. ff Pfarrer Dtngeldey Am 1. Sonntag nach Epiphanias, 10. Januar, Feier deS LandeSmisfionsfeftes; an diesem Sonntag wirb eine Collecte für die Hetdenmisfion erhoben. Verkehr, Lnrrd- und Voik-wirthjchufL» Grünbeeg, 2. Januar. Fruchtpreise. Weizen X 00,00, Korn X 00,10, Gerste X 00.00, Hafer X 12,80, Erbsen X 00.00, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0,00, Samen X 00,00. Aufaesvrunaene Haut, Rissigkeit, Sproede derselben beruht zumeist auf ungenügender Absonderung der FelibrüSchen und sollten Alle, welche hierzu neigen, eine sehr milde, absolut reizlose Seife zum täglichen Gebrauch anwenden, wie dies z. B nach den Aeußerungen von Profesioren und Aerzten die Patent Myrrholtn Seife ist, welche überall auch in den Apotheken zu 50 Pfg. erhältlich und durch ihren Gehalt an Myrr- holin einen sehr wohlthättgen und heilenden Einfluß auf die Haut ausübt. 209 Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Garteustraße 2. ««gebot btt Arbeitnehmer. 1 Bäcker. 3 Taglöhner. 4 Laufmädchen. 1 Kutscher. 7 Dienstmädchen. 1 Comptorist. 2 Schreiner. 1 Schweizer. 3 Pferdeknechte. 1 Hausbursche. 1 Köchin. Nachfrage btt Arbeitgebet. 1 Schreiner. 1 Waschfrau. 2 tüchtige Pferdeknecht.-. 1 Kuticher- 1 Schweizer. 12 Dienstmädchen. Verdingung von Wagner- «ud Schntiedearbeit. Die Anfertigung und Lieferung eines vierrädrigen, gedeckten Kehrichtwagens, eines vierrädrigen gedeckten Schlammkarrens und dreier Handkarren soll Donnerstag den 14. d. Mts., Vormittags lV/2 Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns während der Dienststunden zur Einsicht offen. — Angebote, auf bei uns erhältlichem Vordruck, sind bis zum genannten Termin, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, ein» zureichen. Zuschlagsfrist: 14 Tage. Gießen, den 2. Januar 1897. Das Stadtbauamt. Schmand t.250 Versteigerungen.» Holz-Versteigerung. Mittwoch den 13. Januar werden aus dem District Buchenberg 57 versteigert: 112 Kieferuftämme von 22 bis 45 cm Durchmesser, 5 bis 14 m Länge mit 81,32 fm; hiervon mehrere Stämme zu Schnittholz geeignet. Eichen: 2 rm Knüppel, 50 Wellen und 3 rm Stöcke. Nadelholz: 68 rm Knüppel, 1420 Wellen, 38 rm Stöcke. Zusammenkunft Morgens 9*/a Uhr auf dem Watzenborner Weg bei dem Bahnwärterhaus. Nähere Auskunft erthellt Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten. Gießen, den 2. Januar 1897. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. Heyer.226 ^^mpfehlungen^J ML MlllWlMS. Freibank. 257 Heute und morgen: Ochsenfleisch nicht ladenrein, pr. Pfd. 48 Pfg. Flotter Schnurrbart! - Franz.Haar-u.Bart- Elixir, schnellstes Mittel ,.Erlang.ein.stark.Haar- u. Bartwuchs. — Der- hlnderg. v. Haarausfall. Dies. Eltxir, tansndf. bew., ist all. Pomaden, Tinct-u. Bals, entschied, oorzuziehen. ®rfolg ßoranttrt! & Dose «DM,- U. 2,— nebst Gebrauchs, u. Ga- ranticsch. Vers.diScr.p. Nachn. ob. Lins. d. Betrag, (a. i.Briesm. allLLnder) LUlein echt zu beziehen durch Parförneriefabr. F. W. A. Meyer, Hamburg-Eilbock. a. Heute, Dienstag » Metzelst,»», ■ MA Morgens: UMM Wellfleisch mit Kraul. Höflichst ladet ein Wilhelm Pfeiffer, Liebigftrahe 71. 224 Hausschlachten besorgt prompt und sauber 244 Jos. Stein, Steinstraße 78. AMIs-PHKarlki für Ausflugspunkte und Restaurationen nach photogr. Aufnahmen in feinster und billigster Ausführung empfiehlt H. Kühn, Papierhandlung. Feinste Schleswig - Holsteinische Mofbutter in Postcolli ä 9 Pfund Inhalt zu billigsten Tagespreisen. Augenblickliche Notirung a Pfund Mk. 1.27 incl Verpackung, franco Postftation, per Nachnahme. KSnigSweg bei Schleswig. 228 J. Greve, Hofbesitzer. MAGGI5 Suppenwürze Ein frequentes Rcstaurations- local mit Logirwirthschaft und großen Stallungen in guter verkehrsreicher Lage gegen fixe Miethe an einen tüchtigen eautious- fähigen Wirth zu vermiethen. Offerten beliebe man unter R. 20 an die Exped. d. Bl. zu richten. 243 ebenso Maggi's Bouillon-Kapsel« sind frisch etng rroffen bei 160 Gustav Walter, MSuSbrrtg 18. P^ermiethungen"*^ 245) Schönes Mansardenlogts in der Nähe der Oflanlage an ruhige Leute sofort zu vermiethen. _________Näheres bei ft. Habenicht» 121] Bleichsttatzt 21: Der zweite Stock, 5 Zimmer und Zubehör, Mitbenutzung oes Gartens, zu vermiethen und sofort oder 1. April beziehbar. 2o6] Neu hergerichtete Wohnung, erster Stock, 6 Zimmer, vcrbeziwmer, Mansatbt, per 1. April zu vermiethen. __________________Bleichsttatzt 24 2&1J Lubwigsttatze 2tt: Dritier Stock, 6 Zimmer mit Zubehör, per 1. April zu vermiethen__________________ 219] Vom 1. Januar ein schön möblirteS Zimmer zu vermieth n. _____________Rorbanlagt 28, II. 218] Zwei ineinandergehende, ün- möblirte und ein einzelnes Zimmer zu vermiethen. Grünbetgerstratze 18. 238s Zwei möbltrte Zimmer, Wohn- und Schlafzimmer, zu vermiethen. ______________Lrrbwigftratzt 80, II- Lagerräume b mit Comptoir auf einige Monate zu vermiethen. Wo? sagt die Expedition. UmuMirte Wohnung ° für junges Eh-paar gegen Mai d. I. oder früher zu miethen gesucht. Mindestens 3 bis 4 gute Zimmer, Küche, Badezimmer, Mädchenzimmer, sowie Keller- und event. Spe'cherraum, Zubehör, Waffer- und Gasleitung rc. Offerten mit Preisangabe unter 9tt. 999 an die Exved d Bl. erb. Gesucht;um 1. April Wohnung von 4—5 Zimmern und Zubehör. Offerten mit Preisangabe erbeten unter A B 15 an die Expedition. 221 Eine Wohnung mern netstZu- behör für den 1. April zu mietben gesucht. Fr -Off unt 6 6 an d Exped abzugeb. 223 220] Junget Kaufmann sucht ei« schön mövlirteS Zimmer btt sofort. Offerten beliebe man unter H 50 an die Expedition d. Bl. abzuaeben. ^erein^achrichten. Dienstag, den 5. Januar: Hotel Kaiserhof- I—I 4./1. '/,S u. Conf. 179 Zu verkaufen. Drei Dauerbrand-Oefen amerikanischen Systems, Kroniuwel, neu und ungebraucht, reich vernickelt, für mittelgroße Zimmer (ca. 100 cbm), find nebst den Rohren wegen Wegzug für 300 Mark zu verkaufen. Näheres _________SelietSweg 87 im Laden- 246] Mein auf dem Ktrchenplatz gelegenes Woh«ha«S bin ich willens unter günstigen Bedingungen zu verkaufen oder per Mitte März zu vermiethen. ft. Habe«ichi. Villa (für eine Familie) neu gebaut und mit Centralheizung versehen, zu verkaufen oder zu vermiethen 140 _________Näheres bei Architect Stein. iVermischteAnzeigen.l Domoiselle franqaise donne des legons de franijais. Prix modSrSs. Offerten unter M. Z. an die Expedition d. Bl. 221 Bar wer Jl lebend. Ital. Gtlügel gut u. billig ■ beziehen will, verlange Preisliste ■ von Hans Haler in Ulm a. 0. ■ Gross orTrnp ort IM.ProduUle^H An- u. Verkauf von getragene« Kleiber«, Weitz,eug, MSbeln, Betten, Gold- und Silder- fachen, Bücher« Zeitungt«, tuten, Papier, Kupfer, Messing, 3*««. Blei und Sise«. 4285 Ebenso werden Lumpe« und Knoche« auf Verlangen jederzeit abgeholt durch Louis Rothenberger Wwe. |Steilen-Angebote. | Gesucht. 98] Ein tüchtiger Pfetbtk«tcht, welcher selbstständig Ackerbau betreiben kann, wird auf sofort oder auf PeterStag gesucht von Job. Gg. Same*, Maurermeister, Grüninge«. Wir machen hiermit bekannt, daß wir unserem Ober-Jnspector H, Krleb in Gießen eine — General-Agentur — für die Provinz Oberheffen und die Kreise Wetzlar, Marburg, Biedenkopf und Kirchhain übertragen haben. 225 Magdeburger Lebens- M Uufall-Nttßchrrmigs-Gksellschast. Gothaer Lebensversicherungsbank. Nerßcheruugsbestand am 1. Derember 1896: 708 Mikiovrll Mark. Dividende im Jahre 1897: 30 bis 134 pCt. der Jahres- Normalprämie — je nach Art und Alter der Versicherung. Vertreter in Gießen: 249 Heinrich Hochreuther, Südanlage 5. ••••••••••••oeeeeeeeeeeee Eine der älteste« und bebt«te«bste« deutschen • Iahrrad-Isaöriken J na wünscht den Ä • Alleinverkauf ihrer Fabrikate • 2 für fliessen ® • zu vergeben- Interessenten müffen capitolkräftig und möglichst brauche, ä kundig sein, wogegen andererseits thatttäftigt Unterstütz««- in weit- W gehend'r Weise zugesichert wird- 242 W ä Offerten erbeten unter Nr. 242 an die Expedition d. Bl- ä Q£2 0*2 &= S=S SS 25* <$» BrühFsche Universitäts-Bueh- und Steindratai (Pietsch A Scheyda) Verlag des Giessener Anzeigers 7 Schulstrasse 7 empfiehlt lieh sar Anfertigung »Her Buchdruck-Arbeiten in elegantem Schwari- und Farbendruck. H se w »D iS» ■SO £ «• .SP SS Coursbericht 1887 Frkf. Ldw.Cred.Bk. unk. b. 1900 102.50 3»/, DeutscheGrdsch.B. unk.b. 1906 101.00 4 ®tibfot