1897 Samstag den 4. December Nr. 285 Erstes Blatt Gießener Anzeiger Keneral-Anzeiger. Die Gießener ^mikten-tälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. vierteljährig« ASannementsPreisb $ »ort 20 Pfg. mit Vriugerloh». Durch die Post bezag« 8 frort 66 Pih. Rebadion, tOxHtiea und Dr^chwei: -ch»tstr«ß« >uX Fernsprecher 11 Amts- und Anzeigeblntt für den Tireis Giefzen. Hralisbeitage-. Hießener Ilamikienötätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bex folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Vureaux de- In- und LnSlandeS nehme» \ Anzeige» für den „Gießener Anzeiger" entgeh. Amtliche»» Lheil. Gießen, den 1. December 1897. Betr.: DaS Landgestüt- insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütebeschäler in 1898. M Grotzherzogliche KreiSamt Gießen e* die Grstzh. BüesermeiAereie« des «,eiies. Diejentgeu von Ihnen, welche mit unserer Auflage vom S. November d. I. (G A. Nr. 260) noch im Rückstände stad, werden an deren Erledigung erinnert. v. Gagern. Deutsches Reich. Berit«, 1. Drcember. Der greise Generalfeldmarschall Graf Blumenthal hat an dem 157. Stiftungsfest des Reitenden FeldjägercorpS in voriger Woche theilgeuommen. Er überraschte allgemein durch seine außerordentliche Frische. Der Marschall brachte daS Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus und meinte später, 'als der Laudforstmeister Schulz auf ihn trank, zu seiner Umgebung: „Run, ich fühle mich wirklich noch jung. Zwanzig Jahre, meine Herren, möchte ich noch ganz gern leben!" Er verließ um 8 Uhr Abends die Versammlung. Berit«, 1. December. Der Colonial rath setzte heute Nachmittag seine Verhandlungen über die Straf- rechtSpflegederEingeborenen fort. Di? Verfassung der etnznsetzeuden Gerichte wurde besprochen, insbesondere die Hinzvz-ehung von Besitzern erwogen. Dem Entwürfe de« Ausschuss s, die Hinzuziehung von Beisitzern bet todteSwürdigen und schweren Verbrechen obligatorisch zu wachen, wurde allgemein zugesttmmt. Auf Anregung des Landeshauptmanns Leutwein, der für das südwrstafrikantsche Schutzgebiet die Wichtigkeit der Mitwirkung farbiger Beisitzer betonte, wurde die Möglichkeit der Heranziehung eingeborener Beisitzer neben Weißen da vorgesehen, wo solches bisher üblich war. Darnach wurden die vom Ausschuß vorgesehenen Bestimmungen über daS prozessuale Verfahren im Einzelnen durchberathen. Dem Gouverneur wurde das Prüfung-- und BeftätigungS- recht für alle schweren Strafurtheile Vorbehalten. Wolffl telegraphischer Corresponderrr-BureR«. Berlin, 2. December. Die Generalsynode nahm einstimmig einen Antrag an, den Oberkirchenrath zu ersuchen, für die wettere Förderung der Bildung einer deutsch-evangelischen Gemeinde in Rom zu sorgen, insbesondere für den Bau einer Kirche. VtceprSfident des ObrrktrchenrathS, v. d. Goltz, batte den Antrag befürwortet. Berlin, 2. December. Zi deojemgen Tagen, an denen in Bäckereien und Eondttoreien Gehilfen und Lehr- lmge über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus beschäftigt werden dürfen, treten in diesem Jahre nach einer neueren Be sttmmung des Polizeipräsidium- noch der 18., 21., 22., 23. und 31. December d. I. Wie«, 2. December. Bei der Berathung de- Voran« schlag« des Ministerium- des Aeußeren in der österreichischen Delegation beantragt Referent Abg. Dumba, dem Grasen GoiuchowSkt daS vollste Vertrauen au-zusprechen. Abg. Groß (rutsch-fortschrittlich) begrüßt die Annäherung Oesterreich« an Rußland, glaubt aber, daß diese Annäherung etwas beschränkt werden müsse, und zwar wegen de- Bünd- utsseS zwischen Rußland und Frankreich. Redner bespricht sodann die Ereignisse der letzten Tage im Parlament und tu Böhmen und erklärt, die Deutschen würden, falls da- bisherige System in der inneren Politik fortdaueru sollte, den Kamps weiterführen. Abg. Herold (Jungtscheche) verwahrt fich dagegen, daß die Tschechen immer eine besondere Vor- liebe für Rußland gehabt hätten- er verweist darauf, daß die große Majorität der Bevölkerung Oesterreichs nicht deutsch fr, bespricht d-e Vorgänge tu Prag und bemerkt, daß, nachdem tn Suaz Häuser der Tschechen gestürmt worden seien, mau auf andere Excefle hätte gefaßt sein müssen. Die Sitzung dauert fort. Wie«, 2. December. Im weiteren Verlaufe der Sitzung der österreichischen Delegation gedenkt Delegirter Oppenheimer dankbar de- Dreibundes, begrüßt die Annäherung an Rußland und sagt, es sei hohe Zeit, daß Frieden im Inneren eintrete, damit die Kräfte de- Reiches voll zur Entfaltung gelangen. Redner weist indessen die Behauptung zurück, taß der Werth der Ssterreichischeo Monarchie als Bun)e-g?noffe durch die iouere Krise eine Schmälerung er- fahrc. Der Pole DzteduSzhckt erklärt, die Polen verträten feit langer Zeit keine andere Politik als die österreichische. Da die Monarchie im Dreibunde al- vollständig gleichberechtigter, ebenbürtiger und unabhängiger Factor gelten müsse, fei eS mißlich, die Betheiliguug der Monarchie am Dreibünde von nationalen Rücksichten abhängig zu wachen. Die Polen verfolgten auch tn der inneren Politik nur ein Ziel, da- Wohl und die Machtstellung Oesterreich-, und ließen fich weder von Sympathie, noch Antipathie gegen ei« Volk leiten. Redner appellirt schließlich an die Deutschen, Treuga Dei zu gewähren, damit da- Au-gleich-provtsorium verfassungsmäßig zu Stande komme. Niemand wolle die Deutschen Oesterreichs unterdrücken. Die Sitzung dauert fort. Budapest, 2. December. Das Abgeordnetenhaus trat heute zu einer formellen Sitzung zusammen. Franz Koffuth richtete an den Mmisterpräfibevtkn Baron Banffy eine dringende Interpellation mit der Frage: Wann gedenkt die Regierung mit Rückficht auf die Verhältnisse in Oesterreich von ihrem Rechte Gebrauch zu machen und den auf dem Prinzips der Selbstbestimmung bafirenden Gesetzentwurf einzureichen? In seiner Mot virung verweist Koffuth auf die Vorgänge im österreichischen Parlament und sührt avS: „In Oesterreich bestehen seit langem AuSuahme-Zustäade. Die Minorität benutzt die Pultdeckel als Argumente. Die Majorität geberdet fich al- Tyrann, begeht mit der lex Falkenhahn einen offenen BerfaffungSbruch und läßt die Abgeordneten durch Polizetorgane aus der Stätte der Gesetzgebung hinaus- werfen. (Ruse: Schmach!) Auf die Frage, ob in Oesterreich der parlamentarische Consti utionaltSmus herrscht, wird die gesammte gebildete Welt mit „ne>n" antworten. Die gewaltthäriqe Durchsetzung deS AuSgleichSproofforiumS, die Art und Wese, wie öte ungarische Regierung dieselbe fordert, ist geeignet, in dem österreich scheu Volke den Glauben zu erwecken, a!S ob daraus für Ungarn riefige Borthetle erwachsen, während doch, wie Alle wtffen, fie uns nur riefige Opfer auferl gt. Mtt Rücksicht darauf, daß der österreichische ReichSrath vertagt ist und uns nur mehr eine kurze Zeit vom 1. Januar trennt, ist eS uothwendig, daß sich die ungarische Regierung über ihre Abfichten äußert." Depesche« de» Bureme „j&crelb." Berit«,2. December. Die deutsch-sociale Reform- Partei hat in ihrer letzten FracttonSfitzung die Einbringung folgender Initiativanträge im Reichstage beschloffen: Verbot der Judeueinwanderung- Schächlverbot- einen Antrag betreffend Regelung der Bedtngunqeu bei Versicherung-- anstalteu- und eineu Antrag betreff?nb Wahlpflicht, unter erhöhter Sicherheit der Wahlfreihett für die Wähler, tn Verbindung mit Gewährung von Diäten für die Abgeordneten. Berit«, 2. December. Die elsässischen Abgeordneten haben im Reichstag die Initiativanträge auf Aushebung de- Dictaturparagrophen und Eioführung de- ReichspreßgesetzeS in Slsaß-Loihringeu wieder eingebracht. Berlin, 2. December. Die ConfiScation der letzten Nummer des „Kladderadatsch" hat tn ganz Deutschland stattgesunden, nur nicht im Fürsteuthurn Neuß ä. L. Berlin, 2. December. Die „Nattonalztg." schreibt: Die unausgesetzte Entwickelung, welche die japanische Flotte genommen hat, und andererseits die Verhältnisse tu Chiua lassen eS der deutschen Mariueverwaltung angezeigt erscheinen, einen Marine-Attachs tn Ostasien, tn Tokio-Yokohama zu entsenden. ES scheint der Marineverwaltung um so mehr uothwendig, als bereits England, Rußland, Frankreich, Oesterreich und auch Spanien Marine- resp. Militärattaches tu Ostafien unterhalten. Frankfurt t. M, 2. December. Die .Franks. Ztg." schreibt: Ein zweite- Untersuchungsverfahren wegen MajrstätSbeleidigung, da- gegen den verantwortlichen Redacteur der „Frankfurter Zeitung", Alexander Giesen, eingeleitet worden war, ist nunmehr ebenfalls eingestellt worden. Hamburg, 2. December. Da- hiefige Stadt- und das Thalia-Theater werden bis Ende dieser Saison für Rechnung der Wittwe Pollini- von dem bisherigen Ober- Regtffeur Btttoug weitergeführt werden. Hamburg, 2. December. Der liberale Verein (frei- finnige Vereinigung) hierselbst beabfichtigt eine große Flotten- kuudgebung, 'zu welcher Lapitäulieutenant WiSlizeniu» gewonnen werden soll. Wilhelmshaven, 2. December. Der für China bestimmte Kreuzer „Deutschlaod" ist heute früh auf der hiefigen Werft in Dieust gestellt worden. Nach China gehen 1000 Mann Seeinfanterie und 500 Mann Matrosenarttllerie. Die Jo- dteuststellung deS „König Wilhelm" ist bereits in Angriff genommen. Wie«, 2. December. Die parlamentarische Lage ist andauernd ungeklärt. Die Rechte lehnt kategorisch jede Nachgiebigkeit ab und besteht auf Beibehaltung deS jetzige« AbgeordneteuhauS-Präfidium- und der Sprachenverordnungen. Wie«, 2. December. Sämmtliche tschechische Abgeordnete find nach Prag abgeretst, um dort da- revolutionäre Volk zu beruhigen. Heute Mittag hatte Ministerpräfident Gautsch mit den Führern der vereinigten deutschen Oppo- fition eine längere Besprechung. Bien, 2. December. Die „N. Fr. Pr." meldet eul Pilsen: Bei den gestrigen scandalösen Exceffen war ei« planmäßige- Handeln der Demonstranten unverkennbar. Än der Spitze der mit Knüppeln, Mcss'.rn und Steinen bewaffneten Menge schritten elegant gekleidete Herren und tschechische Studenten, welche die Menge durch die Rufe: „Tod bew Deutschen! Schlagt die deutichen Hunde tobt!" aufstachelten. In tschechischen «reisen geht die Losung dahin, heute Abend die Geschäfte nnd Wohnungen der Deutschen zu plündern. ES herrscht deshalb unter der deutschen Bevölkerung große Besorgniß wegen der kommenden Ereign ffe. Wien, 2. Dtcember. Die Blätter schreiben die Schuld an allen Exceffen den tschechischen Führern zu und sagen, dieselben bilden einen Theil der Hinterlaffenschast de- Grasen Badent. Derselbe habe den Größenwahn der Tschechen groß gezogen, dessen Resultat jetzt zu Tage trete. Prag. 2. December. Trotz der Proclamirung bei Standrecht- dauerte die Revolte bi- Mittag- fort. Au- Königgiätz, Therefievstadt und Josephstadt trafen Militär- Verstärkungen ein. Die Vorstädte Weinberge und Zizkow wurden Vormittags vom Pöbel geplündert. Wie verlautet, nahm die Polizei die Verhaftung mehrerer Plünderer vor. Dteselben wurden bereits standrechtlich verurtheilt. Diese Meldung hat anscheinend unter den Excedenten große Nieder- geschlageuheit verbreitet- biefetoert ziehen fich zurück und die Stabt ist jetzt vollstäubtg ruhig. Prag, 2. December. Die Unruhen haben die ganze Nacht hindurch fortgedauert und auch heute Vormittag ist e- wiederholt zu heftigen Crawallen gekommen, wobei eine Person erschossen und viele verletzt wurden. Die Schulen find ge- schloffen, die ganze Stadt ist von Cavallerie und Infanterie besetzt. Die Tschechen zogen Vormittag- durch die Stadt und plünderten und raubten wo fie konnten. Die deutschen Geschäfte find geschloffen. Pari», 2. December. Die Mivisterkrisi- ist noch nicht gelöst. Der gestern abgehalteue Ministerrath führte zu keiner Entscheidung. Konstantinopel, 2. December. Die griechischen Delcgirten haben neue Justructiouen bezüglich der FriedenSuuter- Handlungen in Athen erhalten. Gestern hat eine Sitzung stattgrsuuden, in welcher der Artikel 11 berathen wurde. Da keine Einigung erzielt wurde, vertagte man die Sitzung auf heute. _____________ Berlin, 3. December. Die „Nat.-Ztg." versichert gegenüber anderweitigen Meldungen, daß der deutsch-chinesische Zwischenfall zu einer Aenderung unserer guten Beziehungen zu Rußland keinerlei Anlaß gegeben haben. Berlin, 3. December. Dem „Vorwärts" zufolge wurde bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl in Nürnberg Oertel (Soc.) mit 20009 Stimmen gewählt. Es wurden außerdem abgegeben für Barbeck (freis.) 11259, für Heiql (Demokrat) 991, für Heim (Ctr.) 607), für Deibel (cous.) 622 Stimmen. Kiel, 3. December. Der Kreuzer „Geher" wird nach neueren Bestimmungen bereits am Dienstag nach Haiti abgehen. Die Schulfregatten „Charlotte" und „Stein" werden vor St. Thomas Anker werfen. Hamburg, 2. December. Die aus acht Mann bestehende Besatzung des dänischen Schiffes „Clauo" ist ertrunken. Wien, 3. December. In einer militärischen Csnferenz, die gestern beim Kaiser in der Hofburg stattfand, wurde de« „N. W. Tagebl." zufolge beschlossen, auS den Garnisonen Wien- und NiederöfterreichS 2800 Mann Infanterie zur Verstärkung der Garnison Prag zu entsenden. Wien, 3. December. In hiesigen politischen Kreise« heißt eS, daß der ReichSrath bi» zum Frühjahr vertagt und das Cabiuet bis dahin mit Ausnahmegesetzen regiere« wird. Prag, 3. December. Während Nachmittags Ruhe ein« getreten war, fanden gegen 8 Uhr Abends im Vororte Sanih ow vor der Synagoge Zusammenrottungeu statt, Militärpatrouillen wurden von der Menge mit Steine« beworfen. Diese schossen fünfmal in die Luft. Da die Excedenten nicht gingen, wurden sie umzingelt und sämmtlich verhaftet. Pari-, 9. Dicember. Senator Millard hat da- Juistiz- »inistertu» Kb-rnowmen. CeceUs und protHn^UlUf» Sieben, den 3. December 1897. M Dettilifteu Tonfereuz. Gestern fand in Kran k fast i« Restaurant Bierbauer eine Delegirten-Eonserenz der _,übwestde«tscheu Detailllsten-Vereine statt, wobei auch der -Liehener Verein durch zwei Delegirte vertreten war. In derselben wurde der Fragebogen feftgestellt, welcher den Handelskammern für die von ihnen anzustellendeo Unter« suchunzen über die Lage deS Kleinhandels empfohlen werden btt und der auch dem Hessischen Handel-tag am 16. bl. Miß. dk'in» für seine Berathnngen all Unterlage dienen wird. jxagCi* * beziehen sich auf Vorbildung deS Principall und i.e Anzeigen oe* env&ou ? vUNgelifche Gemeinde. Sonntag, den 5. December. t. Advent. Gottesdienst Ja b