Nr. 284 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener ^NmittenStLIIer werden dem Anzeiger wdchentlich dreimal beigelegu Erstes Blatt Freitag den 3. December 1897 Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. vierteljähriger ASonnemcnlspreiSt» 2 Mark 20 Pfg. miS vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchnlftraße Ar.^- Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Giefzeir. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. chratisöeikage: Gießener JamikienötäLLer. Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehme» < Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- mtgeg*. Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Betr.: Schießübungen. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenatniß gebracht, daß da» 1., 2. und 3. Bataillon de» Infanterie Regiments Kaiser Wilhelm am 7., 8., 9., 10. und 11. l. MtS., Morgens von 930bid Nachmittags 330 Uhr Schietz- übungeu mit scharfen Patronen in dem Gelände zwischen Alteu-Buseck, Großen-Bnseck, Beuern, Climbach, Treis a. d. Lda., Mainzlar «ud Dau- briugeu abhalteu wird und daß dieses Gelände durch Posten abgesperrt werden wird. Die Straßen TreiS a. d. Lda., Mainzlar, Daubringeu und die Straße Alteu-Buseck, Großeu- Buseck, Beuern, Allertshausen sind ungefährdet. Die Straße Alteu-Buseck—Daubringeu wird für Freitag deu IO. und Samstag den 11. December gesperrt, aber uur iu deu augegebeueu Stunden. Gießen, am 2. Drcemder 1897. Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Alteu-Buseck, Allertshausen, Beuern, Climbach, Daubringeu, Großen-Buseck, Mainzlar und Treis a. d. Lda. Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald auf ortsübliche Weise veröffentlichen und vor dem Betreten de» abgesperrten Gelände» warnen und insbesondere darauf Hinweisen, daß an den betreffenden Tagen sich keine Holzarbeiter und Holzsammler in den grsährdeten Waldungen aufhalten dürfen. v. Gagern. Bekanntmachung, betr.: Ernennung von Vertrauensmännern der Berufs- genoffenschaften. ES wird zur öffentlichen Kenntntß gebracht, daß 1. zum Vorsitzenden des Vorstände» der Nahrungsmittel Jadustrie-BerufSgenoffenschast Herr Max Henniger, Teig-vaarenfabrikant in Neuwechrnsee bet Berlin, 2. Zu Bertrau-nSmävnern 1. Herr Carl Kadeu in Firma Franz Kaden, Nudelfabrik in Mainz, 2. Herr Joh. Braun, Conserveofabrik io Pfeddersheim für den 22. Bezirk (Großherzogthum Hessen) bestellt worden sind. Gießen, den 29. November 1897. Grobherzogliches Kret-amt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 29. November 1897. Betr. : Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen cm Grotzherzogliches Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des «reifes. v-aaa Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung weisen wir Sie auf Grund des § 54 de» Unfallverficherung»- gesetze» vom 6. Juli 1884 hierdurch an, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der Nahrungsmittel Industrie BerufSgenoffenschaft eingetretenen Unfälle an deu genannten Vertrauensmann, beziehungsweise deffen Stellvertreter zu richten. ____________v. Gagern.___________________ Gießen, den 2. December 1897. Betr.: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung. Die Großh. Kreis-SchukommtsSon Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Sie wollen die Lehrer oder Schulvrrwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig find, darauf aufmerksam wachen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bei uns etnzuretchen find. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden. Ja den Gesuchen ist anzugeben: 1) Civtlstrllung, 2) Bor- und Zunamen, 3) Militärcharge und Truppengattung, 4) Genaue Angabe de» Truppentheil», Regiment, s Compagnie rc., bei welchem der Eintritt erfolgt ■ und Datnm des letzteren, 5) Bezirk de» Landwehrbataillous. Bet Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereit» früher bei uns reclamirt haben, bedarf e» keiner Meldnng. Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als alleinstehende Lehrer zur Reclamation berechtigt find, wollen Sie sofort benachrichtigen. v. Gagern. Bekanntmachung, Obstbau-Bersammluugeo betreffend. Der Obstbautechniker des Oberhesfischen Obstbauvereins Herr Metz aus Friedberg beabsichtigt, die nachfolgend ver- zeichnete Orte de» Kreises Gießen zu besuchen und Vorträge über Obstbau zu halten und au Obstbäumen practische Unterweisung zu ertheilen. Die Vorträge finden an Wochentagen Abends 8 Uhr, an Sonntagen Nachmittag» 3 Uhr statt, die praktischen Unter- Weisungen nach Maßgabe der den Herren Großherzoglicheu Bürgermeistern ev. Obmännern zugehenden besonderen Mit- theilungen und ersuchen dieselben, zu einer regen Betheiltguug einzuladen. 4. SamStag den Sonntag u 5. Montag H 6. Dienstag n 7. Mittwoch H 8. Donnerstag „ 9. SamStag „ 11. Sonntag „ 12. December in Alteu-Buseck, „ „ Beuern, „ „ Großen.Buseck, „ „ Beltershain, „ „ Geilshausen, „ „ Lumda, „ „ WeiterShain, „ „ RüddingShausen. Der Vorfitzende des BeretnSbezirkS Gießen. Dr. Wallau. Deutscher Reichstag. 2. Sitzung Mittwoch deu 2. December 1897, Mittags 1 Uhr. Eingegangen ist vom Auswärtigen Amt eine Ueberficht über den auswärtigen Handel Deutschlands. Auf der Tagesordnung steht die Wahl deS Präsidiums. Bei der Wahl des Präsidenten werden 264 Zettel abgegeben. Davon lauten 228 auf den Namen des bisherigen Präsidenten Freiherrn o. Buot-Behrenberg, 2 Stimmen sind zersplittert, 34 Zettel unbeschrieben. Präsident v. Buol nimmt die Wahl mit bestem Danke an mit der Versicherung, baß Amt in der Weise verwalten zu wollen, wie es dem Interesse der Sache und der Würde des HauseS am Besten entspreche. (Beifall.) Es folgt die Wahl des ersten Viceprästdenten. Abgegeben werden 252 Zettel. Davon find 90 unbeschrieben, 162 lauten auf den Namen des bisherigen ersten Vicepräfidenten Schmidt-Elberfeld; der Rest der Stimmen zersplittert sich. Abg. Schmidt nimmt die Wahl dankend an. Zum zweiten Viceprästdenten wird Abg. Spahn wiedergewählt und zwar mit 166 Stimmen bei 5 zersplitterten und 74 unbeschriebenen Zetteln. Auch er nimmt die Wahl dankend an. Auf Vorschlag des Abg. Lieber (Ctr.) werden sodann per Acclamation zu Schriftführern gewählt die Abgeordneten Braun, Eegielski, Hermes, Krebs, Kropatschek, Merbach, v. Nor- mann und Bassermann. Zu Quästoren werden wieder gewählt die Abgeordneten Rintelen und Placke. Damit ist das Haus constttuirt. Präsident o. Buol widmet hierauf einen kurzen Nachruf den seit Ende der vorigen Session verstorbenen Mitgliedern deS Hauses Lehner, Graf Holstein, Grillenberger und Marquardsen. Das Andenken derselben wird in üblicher Weise durch Erheben von den Sitzen geehrt. Ohne Debatte wird sodann ein schleuniger Antrag Köhler auf vorläufige Einstellung eines gegen den Abg. Htrschel schwebenden Strafverfahrens angenommen. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen Abkommen mit verschiedenen Staaten über einige Privatrechtsfragen. Erste Lcsung der Gesetzentwürfe betreffend freiwillige Gerichtsbarkeit und betreffend Entschädigung unschuldig Verurthellter. Schluß 4 Uhr. Die neue Militärstrafproeetzordnung. Die Bestrebungen nach einer Reform unseres Militär- strafproceffes find schon sehr alt- der jetzt in Preußen und den meisten deutschen Bundesstaaten in Geltung befindliche datirt aus dem Jahre 1845, und eS ist leicht begreiflich, daß er den modernen RechtSanschauungen schon lange nicht mehr j entspricht. Daneben war auch die Einheitlichkeit des Rechts i für die bewaffnete Macht des Reiches auf dem Gebiete der t Strafrechtspflege ein längst gefühltes Bedürfuiß und schon \ durch die Verfassung deS Norddeutschen Bundes sichergestellt. ' Aber man betrachtete vielfach da» bestehende Militärstraf- : proerßrecht als ein Noli me tangere, da man sich der Schwierigkeiten bewußt war, welche mit einer Reform entstehen würden. ES galt, gegen Vorurtheile anzukämpfeu, deren Beseitigung nicht leicht war, und patriarchalische Einrichtungen zu beseitigen, die sich zu fest eingebürgert hatten, alS daß sie ohne Widerspruch hätten entfernt werden können. Da brachte die Berathuag deS Bürgerlichen Gesetzbuches im Reichstage die Angelegenheit wieder in Fluß. Dte Mehrheit der Abgeordneten war geneigt, das Gesetzbuch nicht zu verabschieden, wenn nicht dte bestimmte Erklärung von der Regierung abgegeben würde, daß gleichzeitig auch die Behandlung der Militärstrafproceffe reorganifirt würde. ES war Mitte Mai 1895, al» dann Reichskanzler Fürst Hohenlohe die Ver- ficherung aussprach, den gesetzgebenden Körperschaften werde noch im Laufe der nächsten Session eine Vorlage zugehev, durch welche der Militärstcafproceß den modernen Recht»- anschauungen angepaßt werden solle. Seitdem nimmt dieser Gegenstand da» Hauptintereffe aller VolkSkrei.e in Anspruch, und es ist noch in frischer Erinnerung, wie die Hinauszögerung der Einlösung jener Zusage in so gewaltiger Weise erregte. Etwas Bestimmtes ist über die Vorgänge, dte sich an dte Einbringung der versprochenen Vorlage an die parlamentarischen Körperschaften geknüpft haben, nicht bekannt geworden, oberes darf al» sicher gelten, daß e» den Fürsten Hohenlohe einen harten Kampf gekostet hat, ehe er eine Reform durchsetzen konnte. Vielfach hat die Position de» Reichskanzler» stark geschwankt, und noch vor kurzer Zeit hieß eS bestimmt, daß dte Vorlage auch in der nun eben begonnenen Session noch nicht eingedracht werden würde. Was die maßgebende Stelle umgestimmt hat, ist nicht bekannt; viel Glauben fand dte Version, daß eS dem Eingreifen des Großherzog» von Baden zuzufchretbeu sei, wenn der Reichstag fich nun doch mit der Reform beschäftigen könne. Am Tage der Eröffnung deS ReichSparlament» ist diesem der Entwurf zugegaugen, und man nimmt an, daß dte Be- rathung nicht lange auf fich warten laffen wird. ES ist nur zu natürlich, daß der Inhalt der Vorlage auf der einen Sette Befriedigung, auf der anderen Seite Enttäuschung bereitet, letzteres insbesondere da, wo die Erwartungen allzu weitgehende gewesen waren. Wir wollen, wie wir das von jeher gethan haben, deu Entwurf ganz objectiv prüfen und können von vornherein constattren, daß gegen da» bisherige Verfahren ein bedeutender Fortschritt, um den Militärstraf- proceß immer wehr dem bürgerlichen Strafprocrß anzulehnen, nicht zu verkennen ist. Wenn wir auch nicht so weit gehen, diejenigen Punkte, welche von amtlicher Seite als ganz besonder» tn dte Augen springend für die Vortheile des Entwurf» hingestellt wurden, uns voll zu eigen zu machen, so können wir doch nicht leugnen, daß der Entwurf Viele» enthält, waS von der Allgemeinheit des Volkes schon lange gefordert worden ist. DteS bezieht fich insbesondere auf dte Durchführung des öffentlichen und mündlichen Verfahren», auf die Zuziehung juristischer Elemente zu den Gerichten zweiter uvd höherer Instanz und auf dte Zulassung der Ver- rhetdigung in Fällen der höheren Gericht»barkett bet bürgerlichen Vergehungen durch zugelaffene Rechtsanwälte. Ferner ist noch bemerkevSwerth die Gewährung von Rechtsmitteln, u. A. die Zuläsfigkett der Berufung, welche gegen alle erstinstanzlichen Urtheile erfolgen kann. Freilich muß der Angeklagte das Rechtsmittel begründen- eventl. soll die Vernehmung durch den GertchtSoffizier, der KriegSgerichtSrath stattfinden, welcher da» Recht hat, dem Angeklagten von einer aussichtslosen Berufung abzurathen. Das bisher vom obersten Kriegsherrn ausgeübte Begnadigungsrecht ist ausgegeben worden, sodaß also die Urtheile definitive sein werden- nur ist an dte Stelle deS BestätigungSrechtS die Weisung zur Strafvollstreckung getreten. Das find im Großen und Ganzen die Lichtpunkte, welche der Entwurf darbietet. Mit dem bisherigen geheimen und schriftlichen Verfahren wird endgültig gebrochen, und iu vieler Htnficht werden den unter der Militärgerichtsbarkeit stehenden Personen dieselben Rechtsmittel gewährt, wie fie im Civtl- strafprocrß vorgesehen find. Als werthvoll kann auch noch angesehen werden, daß nunmehr für ganz Deutschland ein Militärstrafverfahren tn Geltung ist. Ueber da», was wir an dem Entwürfe vermtffrn, wollen wir morgen tn einem zweiten Artikel sprechen. (xx) Wolff» telegraphisches Eorrespondmr-Bnre«». Berlin, 1. December. Amtlich wird gemeldet: Gestern Morgen um 7 Uhr 45 Mtn. fuhr der von Stendal kommende Etlgürerzug Nr. 801 auf den vor Bahnhof Spandau haltenden Personenzug Nr. 29 auf. Die Locomotive des Zuge» Nr. 801 wurde stark beschädigt, die beiden letzten Wagen de» Persoaenzuge» wurden gänzlich zertrümmert und 17 Personen verwundet. Bon diesen, die sämwtlich sofort nach Berlin übersührt wurden, muhten 9 Personen in da« Krankenhaus Moabit gebracht werden, jedoch find glücklicher« weise alle Verletzungen nicht erheblich. Serztliche Hilse wurde den Berichten durch die Herren SanÜätSrath Brähmer und Dr. Tödecke zu Theil. Bezüglich der Ursache bei Unfalles hat fich noch nicht feststelleu lassen, ob unrichtige Signalgebung »der Nichtbeachtung eine» gegebenen Signals vorliegt. Untersuchung ist eingeleitet. Berlin, 1. December. Die Meldung, daß die deutsche Laudunglabtheilung in Kiaotschau überfallen sei, findet an amtlicher Stelle keine Bestätigung. Die letzten von Admiral Diedrichs gestern eingelaufeueu Depeschen find vom 28. November Nachmittag! datirt Berlin, 1. Decewber. Bestem Vernehmen nach ist die Meldung, da- Obercommando der Marine habe gestern sämmtliche beurlaubten und abcommaudirteu Mannschaften telegraphisch nach Kiel und Wilhelmshaven berufen, unrichtig. Kaiserslautern, 1. December. Durch Schlagwetter in der Grube „Frankenholz" bei Homburg (Pfalz) wurden der „Psäl. Presse" zufolge 30 Personen getödtet und 40 verwundet. Stuttgart, 1. December. Die Kammer der Abgeordneten begann heute die Berathuug der verfafiungS« revtfion. Nach dem Referenten Haußmann sprach der Minister- Präsident Freiherr v. Mittnacht. Derselbe ließ in seinen Ausführungen keinen Zweifel darüber bestehen, daß die Verwerfung der Bestimmung, durch welche der Kammer der Standeiherren ein erhöhter Einfluß bei der Budgetberathung eingeräumt wird, da! gesamwte Revifionlwelk in Frage stellen würde. Wien, 1. December. Nach der heute Vormittag er- folgtea Vereidigung de! neuen (5ab in et! empfing der Kaiser da! Ministerium in corpore, sodann den Ministerpräsidenten Baron v. Gautsch in besonderer Audienz. Vorher hatte der Kaiser den Minister deS Auswärtigen, Grafen Golu- chowSky, empfangen. Prag, 1. December. Die Wuth des Pöbels wird durch aufreizende Meldungen czechifcher Blätter auf das Aeußerste gesteigert. Es wird da! Märchen verbreitet, deutsche Studenten planten das czechffche Nationaltheater zu überfallen, worin sie von czechffchen Studenten gehindert worden seien. Der Straßenverkehr hat aufgehört. Für die Nacht werden große Exceffe in der Josefstadt befürchtet, wo viele Juden wohnen. Die Redactionen der deutschen Blätter find blokirt und der Gegenstand von Angriffen. Prag, 1. December. Heute Vormittag kam eS zu neuerlichen Ausschreitungen. Gegen die all E'gcnthum von Deutschen gekennzeichneten Häuser wurden Steine geschleudert. Die in da! Local der „Schlaraffia" eiugedrungene Menge wurde sofort von der Wache vertrieben. Mittags marschirteu drei Bataillone Infanterie und eine Elcadron Dragoner gegen den Wenzelsplatz und die Vorstadt Weinberge vor. DaS neue deutsche Theater wurde von Cavallerie besetzt. Die johlende und fingende Menge auf dem Wenzel«- platze wurde von Cavallerie mit gezogenem Säbel auseinander gesprengt. Die in die Waffergaffe flüchtende Menge wurde von einem Zuge Infanterie mit gefälltem Bajonett zerstreut. Aus der Stadt Weinberge wurden um 21/2 Uhr Nachmittags Exzesse gemeldet. Zum Schutze der bedrohten UniverfitätS-Anstalten find Wachmannschaften aufgeboten; in die Jndenstadt wurde Militär zur Unterstützung abgesandt. Prag, 1. December. Eine für heute anberaumte Fest- Versammlung der Deutschen Gesellschaft für AlterthumSkunde im Clementinnm zu Ehren Proftffor Mommsens wurde anläßlich der heutigen Straßendemonftrationen auf Ber« anlaffung der Polizeidtrection abgesagt. Saaz, 1. December. Die Untersuchung der vorgestrigen Ausschreitungen wird streng durchgesührt. Gestern wurden bereits elf Verhaftungen vorgenommen. Alle bedrohten Oertlichkeiten werden von Militär und Gensdarmerie bewacht. Depeschen bei Bureo „Herold." Berlin, 1. December Reichskanzler Fürst Hohenlohe nahm an ber gestrigen kaiserlichen Frühstückstafel Theil und hielt nach betfelben bem Kaiser Vortrag. Heute früh hat fich ber Kaiser nach Barby zur Jagb beim Landrath v. Dietze begeben. Berlin, 1. December. Der Centrums Abgeordnete Rintelen hat im Reichstage seinen Antrag auf Einführung ber Berufung gegen bie Urtheile ber Straftammern wieder eingebracht. Berlin, 1. December. Der Entsendung eines amerikanischen Kreuzers nach Haiti ist, wie die „Nordd. Allgem. Ztg.", entgegen den Meldungen anderer auswärtiger Blätter vernimmt, keine demonstrative Bedeutung betzulegen. Berlin, 1. December. Seiten! deS (Seatrum! wird ber Jesuitenantrag sofort im Reichstage wieder eingebracht werden. Auch bie lex Hetntze wirb in Form eine! Anträge! wieder eingebracht. Berlin, 1. December. Die CentrnmSfraction de! Reichstages wird in den nächsten Tagen zur Vorbe athung be! Etat! und der Marinevorloge FractionSfitzungen abhalten. Berlin, 1. December. Die Reichspartei wird einen Initiativantrag betreffend die Wiederaufnahme der Novelle zum GerichlSverfaffungSgesetz und die Strafproceßorbnung im Anschluß bei Theile«, ber fich auf Entschädigung unschuldig Berurtbeilter bez'eht, einbringen. Berlin, 1. December. Laut einer Bekanntmachung be! Reichlkanzler« vom heutigen Tage im „Retchlanzeiger" ist mit Ablauf deS gestrigen Tages ber zwischen dem deutschen Reich und bem Freistaat Costarica am 18. Mai 1876 ab geschloffene Freundschaft«, Hanbell, und Schifffahrtsvertrag außer Kraft getreten und zwar infolge feiner Kündigung durch die Regierung von Costarica. Berlin, 1. December. Der IustizanSfchuß de! BundeSrathS ist heute Vormittag zusammengetreten, um die endgültige Redaktion der von ihm beratenen Novelle zur Civilproceß'Ordnung zu beschließen. Dieser Entwurf soll alSdann in ber morgigen Plenarsitzung beratheu bezw. angenommen werden. Wie», 1. December. Die amtliche „Diener Zeitung" publicirt bie kaiserlichen Handschreiben, enthaltend bie Entlassung deS alten unb bie (Ernennung des neuen Ministeriums. Bon den entlassenen Ministern wurden mehrere mit bem Orden ber Eisernen Krone erster Klaffe anSgez-ichnet. Wien, 1. December. Heute Vormittag 10 Uhr finbet bie Vereidigung des neuen Ministerium! in der Hofburg statt. Wien, 1. December. Die parlamentarische Lage ist unverändert. Die Parteien des Abgeordnetenhauses bestehen beharrlich auf ihren Standpunkten. Die Majorität lehnt jedes Entgegenkommen gegen die Linke ab. Hervor- ragende Abgeordnete der Rechten erklärten, fie brauchten kein Parlament. Heute Nachmittag sollten die Verhandlungen zwischen dem Ministerpräfidenten und verschiedenen Parteiführern beginnen. Die Vertreter ber Majorität der Rechten find auf Nachmittag 4 Uhr zu Herrn v. Gautsch geladen. Wien, 1. December. Der gegenwärtig unter dem Vorfitz be! Fürsten Lobkowitz hier tagende Agrar tag hat heute sofort nach der Eröffnung fich auf unbestimmte Zeit vertagt, «eil die deutschen Delegieren erklärten, mit Abrahamovicz, der ebenfall! Delegirter ist, derzeit nicht gemeinsam arbeiten zu können. Graz, 1. December. Der Leichenzug deS von Bosniaken erschaffenen und gestern auf Staatskosten feierlichst beerdigten Rittner gestaltete fich zu einer großartigen und würdigen Demonstration. Gegen 20000 Menschen gaben ihm das Geleit. Brünn, 1. December. Gestern Abend fand ein Zusammenstoß zwischen demonstrireuden Socialdemokraten unb der Polizei statt. Letztere mußte von der blanken Waffe Gebrauch machen. Prag, 1. December. Seit heute früh 9 Uhr finden neue starke Excesfe statt. Biele Geschäftsleute haben ihre Geschäftslocale geschloffen. Um 11 Uhr zertrümmerte ber tschechische Mob bie Fenster ber beutschen Turnhalle, sowie anberer öffentlicher deutscher Gebäude. Alle deutsche Schulen blieben heute geschloffen, weil der Pöbel dieselben belagerte. In den deutschen Kreisen Prags steht man den kommenden Ereignissen mit großen Besorgnissen entgegen. Militär unb Polizei griffen heute spät ein. Dieselben versuchten vergebens, die Ruhe herzustellen. Der Stadtrath versammelte fich heute Mittag zu einer außerordentlichen Sitzung, um einen Aufruf zur Ruhe zu erlassen. Pari-, 1. December. Der Justizminifter hat infolge feines gestrigen Mißerfolges im Senat heute feine Demission eingereicht. Der heute Morgen stattgefundene Ministerrath dauerte bis Mittags 1 Uhr. Ein endgültiger Beschluß wurde nicht gefaßt. Heute Abend werden bie Minister abermals zusammentreten. E! verlautet, daß Müline bie Demission be! ganzen CabinetS bem Präsidenten Faure unterbreiten werde. Wahrscheinlich werde M6line mit der Neubildung betraut. Madrid, 1. December. Ein Mitglied de! Ministerium! erklärte, baß die Regierung sehr befriebigt sei über bie Aufnahme des Decret! betreffend bie Autonomie Cuba«. Madrid, 1. December. Die Agitation ber Carlisten nimmt einen immer größeren Charakter an. In den Zeitungen veröffentlichen fie heftige Artikel gegen bie Regierung Barcelona, 1. December. Anläßlich ber Ankunft beS Generals Weyler versuchten gestern die Studenten Demonstrationen gegen denselben zu veranstalten, wurden aber von ber Polizei baran verhindert. Berlin, 2. December. Die nationalliberale Fraktion im Reichstage hat erneut daS Nothverein!- gesetz eingebracht. Berlin, 2. December. Die socialdemokratische ReichltagSfraction hat gestern beschloffen, folgende Initiativ Anträge zu stellen: 1. Antrag betreffend Einführung etneS ReichSvereinSgefetzeS. 2. Einführung obligatorischer Gewerbegerichte. 3. Aufhebung de! Paragraphen deS Strafgesetzbuches betreffend bie Majestätsbeleidigungen. 4. Aufhebung der Gefindeordnung. 5. Ausdehnung ber Ge- werbeinfpection auf bie Hausindustrie unb Anstellung weiblicher Fabrikinipectoren. 6. Einführung eines Reich! Berggesetzes. 7. Ausdehnung der Immunität der ReichStag«- abgcorbneten auf bie Strafvollstreckung. 8. Einführung einer achtstündigen Arbeitszeit für alle in Industrie, Handel und Gewerbe beschäftigten Personen. 9. Aufhebung des Diktatur- Paragraphen für Elsaß Lothringen. AIS Etatredner ist Bebel bestimmt. In der Flottenfrage werden Schönlank unb Molkenbvhr da« Wort ergreifen. Hanau, 2 December. Der seit December v. I. währende Strike der Diamantschleifer wurde heute von de« Diamantarbeiter-Fachverein bedingungslos aufgehoben. Prag, 2. December. Gestern Abend rückten zwölf Bataillone Infanterie au!, da der Aufruhr fort dauerte. Trotzdem dewarf der Pöbel wieder die Wohnungen der Deutschen mit Steinen und plünderte die Läden der jüdischen Geschäftsleute. Auch in den Vororten werden die Ausschreitungen fortgesetzt, wohin ebenfalls Militär abging. London, 2. December. Einer Berliner Drahtung der „Daily New!" zufolge ersuchte die chinesische Regierung den Kaiser, eingedenk der großen Freundschaft, die er China stets bewiesen, ihr den Gefallen zu thun, Kiao-Tschau zu räumen. Dann würde China unverzüglich die gewünschte Genugthuung gewähren. WB Prag, 2. Decbr. Zn der Dorstadt Zizkow wurde ein Haus angezündet, in Smichow die deutsche Volksschule geplündert und auf die Wachmannschaft gefeuert, worauf ei» Wachmann ein Individuum erschoß. Tas deutsche Gymnasium auf dem Altstädter Ring wurde geplündert, die E^cedente» durch Militär und Wachmannschaft oerttieben. Gegen 11 Uhr Nachts war es in der Stadt ruhig, ein großer Theil brr Truppen wurde zurückgezogen, jedoch an bedrohten Punkte» Nachtwachen organifirt. — Tie „Wiener Neue Freie Presse" meldet aus Prag: Ter czechische Pöbel plünderte viele deutsche, namentlich jüdische Geschäfte unter den Rufen: „Aus gegen bie Teutschen und Juden!" Um 8 Uhr Abends führte das Militär die Schließung der öffentlichen Localitäteo durch. Bei dem Sturm auf die deutsche Volksschule in Zizkow wurde die Sicherheitswachr, welche mit dem Säbel einschritt, mit Revolverfchüssen empfangen. Nun schoß auch die Wache mit den Revolvern in die Menge hinein, ein Mann wurde schwer verwundet. Zn der Zuug- manngaffe zn Prag wurden Nachts 11 Uhr zwei Läden erbrochen und geplündert. Eine Militärpatrouille vertrieb die Plünderer. Zu Wei» berge wurde eine Bude mit. Petroleum bestrichen und angezündet. Zn Lieden bei Prag wurden 21 bewaffnete Excedenten festgenommeo. Andere Excedenten plünderten die Branntweinschänken, über 20 Personen lagen darnach betrnnfen auf der Straße. Das amerikanische Konsulat in Prag hißte die Flagge. Die Erceffe sollen durch geheime Vereine zur Bekämpfung des Teutschthums und Zudenthums organifirt sein. WB Wien 2. December. Tie Regierung hat die Anwendung des Standrechts angeordnet. Zn den Vororten Prags find die nothwendigen militärischen Maßnahmen ge- troffen worden.____________________________________________________ CoceU* provtwjiHlo» Gießen, beit 2. December 1897. * Verkauf an Sonntagen. An den nächsten drei Sonntagen, also am 5., 12. und 19. December, find die Ladengeschäfte bis Abends 7 Uhr geöffnet * Ordensverleihungen. Seine Majestät ber Kaiser haben Allergnädigst geruht, ben nachbenannteo Offizieren bie Erlaubniß zur Anlegung bet von be« Königs von Italuu Majestät ihnen verliehenen Jafignien zu ertheilen, und zwar, des GroßkreuzeS des Ordens ber Italienischen Krone, bem ©eneralUeuUnant v. Müller, Commanbeur ber Großh. Hessischen (25.) Division; bei Großosfiztsrkreuze! bet St. Mauritius- und LazaruS-O edenS: bem Generalmajor v. Frans ecky, Commanbeur ber 49. Infanterie-Brigade (1. Großh. Hessische); be! Commandeurkreuze« desselben Orden!: dem Obersten v. Madai, Commanbeur des Infanterie Regiments Kaffer Wilhelm (2. Großh. HesfischeS) Nr. 116, dem Obersten v. Hanneken, Commanbeur de! 5. Großh. Hessischen Jnfanterie-Regiment! Nr. 168; bei Commandeurkreuze! be! Orben! der Italienischen Krone: dem Oberstlieutenant v. Wedel, Commanbeur bei 1. Großh. Hessischen Dragoner-Regiment! (Garbe-Dragoner-Regiment!) Nr. 23, bem Oberstlieutenant v. Woytsch, Commanbeur be! 2. Großh. Hessischen Dragoner-Regiment! (Leib-Dragoner- RcgimentS) Nr. 24. • • Zum Hoflieferanten würbe vom Großherzog v o» Hessen oer Obermeister ber Mainzer Metzger-Junung, Herr Jean Falk, ernannt. • •H. Stadttheater. Einer gegebenen Anregung zufolge kommen klassische Stücke auf unserer Bühne nunmehr öfter zu Worte. Gestern wurde nun Schlller! „Don (Sarloß* gegeben, ein Drama, in bem ber berühmte Dichter etne Schilderung ber burch ben DespotlSmu! Philipp! II. ia dessen eigenem Hause ungerichteten Zerrüüungtn gab, und in feinem Marquis Posa baß Ideal der Freundschaft lebendig vor Augen führte, ja dessen Opsertod all einen Opfer,ob für bie Freuvbfchaft betrachten läßt. Einen Hauptmangel weist diese Tragödie darin auf, daß fie, burch oftmalige Unterbrechung während der Bearbeitung, kein abgerundetes Ganze bildet. Der Dichtung wohnt bie mitreißende Kraft etcn genialen Natur inne, bie ben Hörer be! tragischen, echt Menschlichen SchtcksalSwechselS Im Innersten erschüttert. Alle Reitze ber pathetisch edlen gebundenen Rede durchleuchten in schöt^r Harmonie diese Schöpfung de! gewaltigen Dichierhero«. — Wa! nun bie Aufführung betrifft, so war biese nicht durch- weg befriebigenb; jedoch darf hier nicht der Maßstab bei künstlerisch Vollendeten unbilliger Weife verlangt und angelegt werden; denn eS ist unendlich schwer für Darsteller, die meist in leichtem Genre fich bewegen, bem klassischen Stil sich anzupassen. Doch finb auch wirklich gute Leistungen zu melden, so zum Ersten bie be! Herrn Forsch, der uo! mit ber Wiedergabe feine! König Philipp in Erstaunen fetzte. Seine hoheitlvolle Würde, dal ruhige, eindrucklvolle Geberdenspiel, die diesmal fließende Sprache, bie Offenbarung be! Charakters in allen Stadien ber Empfindung, alle diese Vorzüge vereinigten fich zu einem Ganzen, das von sorgfältiger Durcharbeitung Zeugniß gab und redlich den dafür gespendeten reichen Beifall verdiente. Sem Bestreben, immer natürlich zu bleiben, gelang burch den ganzen Gang bet Handlung unb gereicht dem Können bei Künstlet« zu nicht geringer Ehre. ES wäre kleinlich, über einige falsch angebrachte Wortbetonungen unb mißlungene Posen nur mit einem Wort zu rechten. — Als »eitere gute Darbietung verbient bie be« Herrn Janson all Marqui« v. Poia erwähnt zu werden, obgleich manche schöne Stelle burch Ueberhaftuug an Wirkung verlor. Nahezu vollenbet in Ausdruck unb Declamatton war ber große einbringliche Dialog mit dem König im brüten Act. Herr Böhm all Don Carlo« ließ zu wünschen Übrig. Leibenschaft und jugendliche« Feuer zeigte sich impulsiv, da« Rhetorische überwog aber zu oft da! Empfindunglvolle. Auch bie Sprache reichte nicht au«, mächtig genug zu sein. Sein „Arm tn Arm mit Dir u. s. ».* klang recht matt. Am besten gelang ihm bie cc.n* Herzog Alba gegenüber, sowie die Schlußscenen be! letzten Actr«. Irl. Biotit hätte ihre Kövi in hoheiüvoller repräsent'ren dürfen, bie! wurde jedoch durch beionbtrß glücklich verkörperte Momente gut gemacht. Die Innigkeit und Empfindung bei Abschied vom Prinzen in Sprache und Spiel befriedigte in hohem Maße. Eine leidenschaftliche Prinzessin Eboli verkörperte Fräulein Marl off. Ihr Spiel hielt sich jedoch nur in der ersten Hälste der Eboli Scene, sowie im Zimmer der Königin (vierter Act) auf künstlerischer Höhe. Immerhin war die Leistung eioe gute und da- ihr al- besondere Ehrung überreichte herrliche Blumenbouquet eine gerechte Würdigung ihrer künstlerischen Verdienste. Mit der kleinen Rolle der Herzogin von Oltvarez mußte sich Frl. Berner begnügen, doch führte fie dieselbe mit edler Anmuth gewinnend durch. Einen schon durch die MaSke meisterlich characte-ifirten Herzog Alba schuf Herr Fritzschler, dagegen konnte un- Herr Liebscher al- Domingo nicht gefallen, die Sprache erschien pathettsch-affec irt- diese, sowie Mimik und Sp el ließ die richtige Auffassung diese- Eharacters vermissen. Den Grafen Lerma gab Herr Fellner befriedigend. Daß e- •n Spanien während eine- Zwischenaktes hinter dem Vorhang stürmisch zuging, verrieth ein im Zuschauerraum deutlich vernommene- „Donnerwetter", dadurch die über da- mäßig besetzte Haus gelagerte ernste Stimmung flugs tu eine heitere verwandelnd. Und diese Erheiterung wurde nochmals gegen Schluß de- letzten Actes veranlaßt durch den allzu drastisch markigen, aus der Ferne vernehmbar sein sollenden Volks- tumult, wodurch leider die schöne Scene zerstört und in der Wirkung sehr beeinträchtigt wurde. Die Stimmen der aus der Bühne handelnden Personen konnten gegen diese- infernalische öiummta gar nicht auskommen. Schade, daß so manche wirkungsvolle Stelle gestrichen wurde, so auch die im fünften Act vorkommende des GroßinquifitorS beim König, da es sonst noch spater geendigt hätte; es war bereits halb 12 Uhr, als der Heimweg angetreten wrrdeu konnte. •• Frühlingsboten. Trotzdem wir erst auf den Winter zusteuern, fliegen Maikäfer und Schmetterlinge den Redactionen ständig zu. Am Anfang der Woche brachte man uns einen bunten Schmetterling, heute einen unternehmungslustigen Maikäfer, der im Drang nach Freiheit energische Flugversuche unternimmt. ♦* Wetterbericht. Wahrend die Depression, welche in den letzten Tagen unsere Gegend beeinflußte, ostwärts abgezogen ist, hat sich von Nordwesten her ein neue- tiefe- Minimum über Nordsee bis zur Ostsee hereingedrängt. Vom nördlichen atlantischen Ocean scheint neuerdings tiefer Druck nachzufolgen. Der hohe Druck hat sich wieder gegen Süden und Südosten zurückgezogen und ist derselbe auch über dem Mittelmeerbecken sehr unregelmäßig vertheil'. Ein weiteres Maximum ist im Osten Europas aufgetaucht. Unruhige-, unbeständiges Wetter mit zeitweise wechselnder Bewölkung ist infolge deffen in fast ganz Europa vorherrschend. Im Küstengebiet dauern die stürmischen Winde fort. — Voraussichtliche Witterung: Fortdauernd unruhige-, unbeständige- Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. •• Ueber die GetretdelagerhanSfrage in ihrer volkSwirth- schaftltchen Bedeutung, mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Landwirthschaft, wird Montag den 6. December, Nachmittag- 2% Uhr, im „Club für Landwirthe" zu Frankfurt a. M. (Kulmbacher Hof, Zeil 46) Herr Dr. Thieß, Anwaltlchaftssecretär des Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirthschaf'lichen Genoffenschaften, auf Wunsch referiren. Gäste find w llkowmrn. Universitätr - Nachrichten. Man berichtet aus Wien: Universttätslector Dr. Gumplowicz, der vor einigen Tagen aus unglücklicher Liebe einen Selbstmord- vcrsuch beoing. ist seiner Verlrtzuna erregen. ICirctylid^e Anzeige« Setz? Stad* wretzett. stvengelische Gemeinde. Im tkonstrntandensaal, Neustadt 61. Donnerstag den 2. December, Abends 8 Uhr: Bibel stunde. Ev. Marci, Cap. 10. Pfarrer Dr Grein. Gottesdienst in der Synagoge. SamStag den 4. December 1897. Vorabend 4 Uhr, Morgens 9 Ubr, Nachmittags 3 Uhr SchrifterULroug, SabbathauSgang 5U Uhr. SotttSdimfi der israelitische« ReligiouSgesellschaft. Eabbathfeter am 4. December. Freitag Abend 4 Uhr, SamStag Vormittag 8" Uhr, Nachmittag 3 Ubr, Sabbathausgong b" Uhr Nachmittag 2« Uhr Lchristerttürvng Bahnhofstr. 50. Wochengottesdienst MorgenS 7,s Uhr, Abends 4 Uhr. Unsere Leier wird die Mtttheiluog tnteresiiren, daß die Verlagsbuchhandlung Greiner 4 Pfeiffer in Stuttgart kostenlos jedem Jntereffenteu einen von ihr herautgegebenen Wrihnachts-Almanach zusendet, der den Titel führt: „Der Bücherfreund. Ein Ra'hgeber beim Einkauf von Geschenken für jede Gelegenhetl." Der Pcacht-Catalog ist ein Kunstwerk hinsichtlich seiner Ausstattung, insbesondere seines reichen Bllder- schmuckS und seines, vom Kunstmaler Fritz Reiß gezeichneten, in vielen Farben gedruckten Umschlags. Er enthält eine Auswahl gediegener Bücher und Piachlwerke, darunter die neuesten Erscheinungen, und wird die Wahl passender Weihnacht«-Gesckenke für Damen und Herren, für Jung und Alt sehr erleichtern. Die darin angezeigten Werke können durch jede Buchhandlung bezogen werden, auch zur Ansicht. Man wolle den „Büch-i freund' auf einer Postkarte gratis und franco verlangen von der Verlagsbuchhandlung Greiner & Pfeiffer in Stuttgart. 10955 Schiffsirachrichten. Der Postdampfer „Southwark" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 30. November wohlbehalten in New-Jork angekommen. ______________________ Verkehr, £and» und VoU*n>rrchfchast» Mecklenburg Strelitzsche Hypothekenbank. Wie aus dem Jnferatenlhetle unserer heungen Nummer ersichtlich, werden die am 2. Januar 1898 fälligen Pfandbrief Coupons bereits vom 15. De- cember er. ab kostenlos eingelöst. Pommersche Hypotheken-Aetien-Vank. Wie aus dem Jnseratenthrtl unserer Heuthen Nummer eisichilich, werden die am 2. Januar 1898 fälligen Pfandbrief Coupons bereits vom 15. De- cember er. ab kostenlos eingelöst. LimhnrO, 1. Deeember. Fruchtmarks. Rother Wetz« A 16.68, weitzer Wetzen A 00.00, Korn A 1105, Gerste A 10.73, Hafer A 6.94. Grotzherzogl. Landesirrenanstalt. Die Stelle eines freiwilligen Hilfsarztes wird am 30. Januar 1898 erledigt und soll alsbald wieder besetzt werden. Baargehalt 600 Mk. neben freier Station. Verpflichtung auf die Dauer eines Jahres. Psychi« attische Vorbildung nicht erforderlich. Bemerkungen werden zunächst brieflich hierher erbeten. Heppenheim, 25. November 1897. 10855 Großh. Direction der Landesirrenanstalt. Dr. Bieberbach. FMwirWaftlicher Consumerem Meskck, O. H. m. u. K. Donnerstag den v. Deeember, Abends 8V2 Uhr: General Versammlung bei Gastwirth Daniel Erb. Tagesordnung: 1) Ergänzungswahl des Vorstandes und Auf- sichtsraths. 2) Die Anstellung von Lagerhaltern. 3. Verschiedenes. 10964 Für den Anffichtsrath: Ehr. Reuter. ^Ll^ildüngerMinerälwüMr der Georg Victor- und Helenen Onelle find altbewährt und unübertroffen bet allen Rieten», Blasen- u. Steinleiden, sehr wirksam bei Magen- u. Darrnka- tarrhen, EtSrnngen der Blutmischnng, als Vlntarmntb. Bleichsucht u.s.w. Waffer, käuflich in Mineralwasserbandl. u. Apotheke», versendet in stets frisch.Füllung die Unterzeichnete. 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December, Abends ’/x9 Uhr pünktlich Steins Garten: Vortrag des Herrn Professor Dr. Krüger über P. Canisins in Geschichte und Legende. Unsere evangelischen Mitbürger sind freundlichst eingeladen. Diaphanieen in verschiedenen Preislagen. Bessere Korbwaaren. Sonntag den 5. December, Abends 8 Uhr Vortragsabend. „H. Herileegen und seine Lieder." Auch weibliche Angehörige unserer Mitglieder find willkommen. wasser, Rum, Deutscher Vürgerbitter rc. Funsch-Essenzen empfiehlt die Adler-Drogerie, Seltersweg 39. !. 2.— 2.— 1.50 2.76 1.50 1.50 —.50 Die tieftranernden Kinder. Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag 31/, Uhr vom Sterbehause, Bismarckstrasse 11, aus statt. Hades-Anzeige. Freunden und Bekannten die schmcrzl'che Mittheilung, daß gestern Abend 9*/, Uhr ganz unerwartet nach mehrwöchigem Leiden unsere gute Tochter, Frau und Mutter Margarethe Loth, geb. Kaus, nach kaum zurückqelegtem 44. Lebensjahre unserer vor 3 Wochen entschlafenen Tochter und Enkelin im Tode nachgefolgt ist. Gießen, den 2. December 1897. Margarethe Kaus Wwe., Karl Loth und Kiuder. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 2 Uhr vom C. Weidtmann, Colonialtvaareu-Handlung und Restauration ^rauksurterftraße 83. aus der Brauerei Henninger in Irantrsurt am Main Ferner: Prima Apfelwein eigener Kelterei TB® W Warme und kalte Speisen ;u jeder Tageszeit. Hochachtungsvoll Georg Schäfer. NB. M ine gut heizbare Kegelbahn ist noch für einige Abende zu vergeben. plähe zerlegt werden. 10b57 Nähere Auskunft wird ertbetlt vad Naudeim, Hauptllratzt 46. Geft'äfts-Eröffnung. Einer verehrten Nachbar chaft, sowie Freund n und Bekannten zur gefl. Mittheilurg, daß ich mit dem Heutigen da» Geschäft meine» verstorbenen Vater», welches ich mehrere Jahre führte, auf eigene Rechnung übernommen habe. Ich bitte, da« uns seiner Zeit geschenkte Vertrauen auch fernerhin aus mich zu übertragen. Auch wird es mein Bestreben, sein, nur prima Maaren zu den billigsten Tagespreisen zu liefern. Heute Donnerstag, Abend» 9 Uhr: ♦ Gesangprobe im Vereinst ocal. Der Vorstand. Spirituosen Arrac, Cognac, Kirschwasser, Heidelbeergeist, Zwetschen- Hierdurch machen wir die schmerzliche Mittheilung, dass unser geliebter Gatte, Vater, Schwiegervater und Grossvater Rentner Jean Schudt im Alter von 71 Jahren heute Nachmittag nach zwölftägigem Krankenlager sanft entschlafen ist. Giessen, den 1. December 1897. Die trauernden Angehörigen. Statt jeder besonderen Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir hiermit die traurige Mittheilung, dass unsere liebe, theure Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Fran Pfarrer Ida Hiiffell, geb. Weber, heute Vormittag 8/t6 Uhr im 65. Lebensjahre nach langem, schweren Leiden sanft ent- GeschäftsUcber nähme. Dem verehrlichen Publrkum von Gießen und Umgegend, insonderheit der verehrlichen Nachbarschaft, hierdurch die Miltheilung, daß ich von heute ab tue RchmtM Juni nrtirit Wtzkchf" verkauft werden Da» Anwesen ebnet sich in Folge seiner guten Lage zu jedem Ae- schSsi-betiieb, auch kann dasselbe vermöge große Auswahl in allen Preislagen, in der feiner Frontlänge tn verschtedene Bau- [""Tzl^erkaüfen^"! ll'Sb?) Ein in Bad Nauheim gelegenes Anwesen 1160 «zw groß, bestehe d au« einem großen Wohnbau», zwei masstoen Scheunen, ver, schiedcnen großen Stallungen, sehr guten ÄeUern, Fruchtböden, Remisen, großem Hof ic. soll unter gü sttgen Bedingungen Kuischkr-Kerem Gießen Dam-tag de« 4. December r General Versammlung im Verein» local. 1Ü982 Der vorüand. SWT Grünbergerstraße 32 übernommen habe. 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