Vermischte». • h. Kinzenbach. 1. Juni. Für Vogelliebhaber dürfte wohl Nachstehendes tntereffant sein. Ein Rothschwänzchen- Paar hat sein Nest in eine an der Wand hängende Gießkanne gebaut. Da dieselbe von nicht böswilliger Hand heruorergenommen worden, so ging daS Nestchen zerstört. Allein die trauten Bögelchen mochten sich wohl von dem ihnen lieb gewordenen Hofe nicht trennen und bauten ihr Nest iu eineu Milchtopf auf der „Topfbank". Daselbst haben fie ungestört ihre Eier auSgebrütet und find soeben die jungen Vöglein darin zu schauen. * 8. Rodheim a. d. B, 1. Juni. Dor einigen Tagen trafen hier einige Bienenvölker auS dem Untergailthal in Kärnthen (Oesterreich) hier ein, wovon daS Volk des Carl Schlierbach, Schreinermeister, bereits am folgenden Tage einen respectablen Vorschwarm abstieß. Die Völker wurden durch Lehrer Schlierbach iu Kinzenbach gemeinsam bezogen und zeichnen fich bei vorzüglicher Güte vor allen Dingen durch ihren billigen Preis au«. ES stellt fich der Preis eines Stockes nur auf Mk. 11,50. • h. Bieder (b. Rodheiw), 31. Mai. Abermals schweben Verhandlungen wegen Errichtung der zweiten Lehrerstelle hterselbst. Königliche Regierung zu Wiesbaden hat wiederum die Gemeinde aufgeforoert, für die Beschaffung eines zweiten Lehrsaales Sorge zu tragen. Bor etwa 18 Jahren wurde Hierselbst die Schule eröffnet und gingen früher unsere Kinder nach Rodhetm. Nunmehr ist die Schülerzahl hterselbst bis auf 118 gestiegen. ♦ L. Wißmar, 1. Ium. Der heutige Tag war für unser Dors von nicht geringer Bedeutung. ES wurde räm- lich die neuerrichtete Haltestelle eröffnet. Somit haben wir nunmehr eine leichte Verbindung mit unserer Kreisstadt Wetzlar, ja bei schlechter Witterung ist eö.'uns auch möglich, über Lollar per Bahn nach Gießen zu fahren. Unsere Ge« meinde hat die Haltestelle auf eigene Kosten errichtet und wollen wir hoffen, daß unsere Dorsbewohner nunmehr recht eifrig diese Verkehrserleichterung benutzen. Dir Ml An. liit' »i rstaud. deutsche ider Systeme l Damen Wich. MiUl. • persönlichen 4284 men wird auf aliMneVnteT* irMt. fert in bekannte» 4613 WM n Preisen <ü< .-Drncierei heydi), t I. rr«i< tit jen von 1881 ib. DbL 86.8b 104.» 24« 28.10 10110 ie-2J8 'S ui- ** 81.1b 11040 416 JOM esezir^1 ml. Nr. 128 Zweites Blatt. Donnerstag den 3. Juni 1897 Der chietzenn Anzeiger erscheint täglich, mit ÄnSnahme deS MontagS. Die Gießener Aamitienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger. vierteljähriger Abonutmeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expedition und Druckerei: -chutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Anrts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gie^eir. Annahme von Anzrtgen zu der Nachmittags für b« folgenden Tag erscheinend« Nummer bis Borm. 10 Uhr. ] Gratisbeilage: Gießener Aamitienökätter. Alle Annoncen'Bureaux deS In» und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsche» Reich. Hanau, l.Juni. Der Oberpräsident der Provinz Heffen- Naffau, v. Magdeburg, öer sich als Vertreter des Kaisers bei der kirchlichen Feier und dem Festbanket der wallonisch- niederländischen Gemeinde betheiligte, überbrachte den Glückwunsch deS Kaisers, der als oberster Schirmherr der evangelischen Kirche und als oberster Bischof der feiernden Gemeinde ihr das lebhafteste Jntereffe ausdrücken lafle mit dem Wunsche, daß sie auf dem Boden, auf dem fie gegründet worden sei, weiteren Fortschritt machen möge. Proeetz v. Tausch-Lützotv- Berlin, 1. Juni. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung gibt Herr Ober- staatSanwalt Drescher eine längere Erklärung über seinen Standpunkt bezüglich der Beschaffung deS Wedekind'schen ManuscripteS ab. Die Handlungsweise deS betreffenden Polizetbeamten sei eine durchaus verwerfliche, straffällige und gesetzwidrige. Er habe die Angelegenheit eingehend untersucht und eS habe fich ergeben, daß bet der betrügerischen Erlangung deS ManuscripteS der Zweck kein verfänglicher war und daß der Angeklagte v. Tausch in keiner Beziehung dazu steht. An der betrügerischen Handlung war nur ein Beamter betheiligt, der nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, weil er inzwischen gestorben ist. ES wird sodann in die Verhandlung eiogetreten. Zunächst wird der Legationsrath Hamann vom Auswärtigen Amte als Zeuge vernommen. Derselbe beginnt mit einer längeren Darstellung deS Treibens des Normann-Schumann und bringt eine Unterredung zur Sprache, die er mit dem Angeklagten v. Tausch vor einigen Jahren hatte. Es handelte fich um ein Manuscript, welches dem Angeklagten zur Er- Mittelung übergeben war und in welchem schwere Majrstäts. Beleidigungen enthalten waren. Es wurde darin auf Vorgänge auf der Kaiserlichen Macht „Hoheozollern" angespielt. Er, Zeuge, konnte feststellen, daß die Handschrift des Artikel- Schreibers die gleiche war, wie diejenige in einem von dem Chefredacteur der „Köln. Volks Ztg.", Dr. Bachem, an den Reichskanzler Grafen Caprivi übersandten Manuscript. Zeuge ist der Ansicht, daß Normann-Schumann der in Frage kommende Inspirator war. Der Angeklagte v. Tausch, dem die Angelegenheit übergeben war, hatte nicht- eruiren können. Rechtsanwalt Dr. Sello unterbricht den Zeugen- er hält die Ausführungen für dieselben, wie diejenigen des StaatSsecretärs Freiherrn von Marschall. ES wäre daher überflüssig, den Zeugen weiter zu hören. Rechtsanwalt Dr. Sello gibt zugleich der Verwunderung Ausdruck, daß die Staatsanwaltschaft den Zeugen erst nachträglich geladen hat. StaatSanwalt Eger entgegnet, eS sei nöthig gewesen, den Zeugen zu hören, da Herr von Marschall nicht so informirt sein konnte, wie der Decernent selbst. vor der Auseinandersetzung zwischen dem StaatSanwalt Eger deutet Rechtsanwalt Schwindt an, daß eS mit Rücksicht auf die Aussagen des Zeugen Hamann unter Umständen nöthig erscheinen werde, den Fürsten Bismarck und den Grafen Caprivi als Zeugen laden zu laffen. Weiter würde fich auch die Ladung deS Buchhändlers Luckardt aus Leipzig als noth« wendig erweisen, d'a Hamann gesagt habe, Tausch habe dem Luckardt gegenüber geäußert, die gegenwärtige Regierung fei unfähig und schädige das Ansehen deS Reiches. ES müffe dahin gewirkt werden, daß dieses Regime beseitigt und an dessen Stelle wieder Fürst BiSmarck oder Graf Waldersee berufen werde. Dr. Sello nimmt den Antrag deS Rechtsanwalts Schwind auf Ladung deS Fürsten Bismarck, des Grafen Caprivi und deS Buchhändlers Luckardt wieder auf. Er beantragt außerdem die Vernehmung deS ChefredacreurS der „Köln. VolkS-Ztg.", Rechtsanwalts Bachem. DaS Gericht beschließt, zunächst nur den Buchhändler Luckardt aus Leipzig telegraphisch zu laden. Oberstaatsanwalt Drescher erklärt fich gegen die Ladung deS Fürsten Bismarck. Der Vertheidiger Dr. Sello bemerkt, die Vertheidigung hätte Frau Schumann laden laffen, auf Vorstellung aber davon Abstand genommen. AuS diesem Grunde leite er die Berechtigung ler Stellung seines Antrages ab. Das Gericht beschließt nochmals, zunächst nur Luckardt zu laden. ES wird nun der Polizeiagent Sebald, der frühere Redacteur der „Deutschen Zeitung", als Zeuge vernommen. Derselbe gibt an, vor zwei Jahren in der „Deutschen Warte" gewesen zu sein. Dort sei Tausch zu ihm gekommen und habe ihn um Mittheilungeu über die Preffe ersucht. Er habe gesagt, er werde diesem Wunsche nachkommen, wenn eS fich um keine unehrenhafte Sache handle. Alsdann wird der Zeuge Schweinburg ver- mommen. Dieser entlastet Tausch, indem er sagt, daß er der festen Ueberzeugung sei, Tausch fei von seinem Agenten dupirt worden mit der Mtttheilung, daß er, Schweinburg, von dem Ceutralverbande deutscher Industrieller jährlich 30000 Mark Einkommen habe. Ueber Herrn von Tausch sagt Schweinburg auS, derselbe habe tharsächlich einen sehr angenehmen Eindruck auf ihn gemacht, er sei niemals mit einem politischen Ansinnen an ihn herangetreten. Lediglich auS Freundlichkeit und ohne irgend welchen Gegendienst zu verlangen, habe Zeuge für Tausch zwei Wechsel in Höhe von 800 und 900 Mk. eingelöst. Daß von Tausch seine Wechsel, die er bezahlt hatte, vom Zeugen nicht zurückerhalten habe, könne daran liegen, daß Schweinburg damals in Karlsbad gewesen sei oder daß er, als er merkte, daß er polizeilich observirt werde, seine sämmtlichen Scripturen ins Ausland sandte, er bestätige aber hiermit, daß Tausch die Wechsel bezahlt habe. Nach einiger Zett, im Jahre 1889, habe Tausch dem Zeugen u. A. erzählt, daß Nachrichten circulirten, die „Berl. Pol. Nachr." gehörten einer Bankgruppe rc. Zeuge habe diese Mittheilungeu als lächerlich bezeichnet, worauf von Tausch meinte, diese Nachricht könne vielleicht in der gegnerischen Preffe erscheinen, er könnte dieses allerdings verhindern. DaS hätte natürlich veranlaßt, daß Zeuge den Angeklagten von Tausch in Verdacht hatte. Heute aber erkläre er, daß es ihm leid thue, jemals eine solche Anffaflung von Tausch gehabt zu haben. Auf die Frage des Rechtsanwalts Holz, ob Zeuge mit einem Minister in Verbindung stehe, erklärt Schwetnburg, die Beantwortung dieser Frage lehne er ab. ES tritt nunmehr eine Pause ein. Nach der Pause erklärt Vertheidiger Dr. Sello, daß die Vertheidiger deS Angeklagten von Tausch auf weitere Beweisanträge verzichten. Untersuchungsrichter Harr hat die beiden Angeklagten mit den Zeugen confrontirt und den Eindruck eines SchuldbewußtseiuS bet Tausch wahrgenommen. Zeuge Walter, Chefredakteur der „Königsberger Handels- Zeitung" gibt eine genaue Beschreibung seiner im Jahre 1890 stattgehabten Unterhaltung mit Tausch, in welcher dieser hauptsächlich Über Herrn Schweioburg, auf den er anscheinend schlecht zu sprechen gewesen sei, sich geäußert habe, er habe u. A. gesagt: Schweinburg sei nicht nur ein OsfiziosuS, sondern er stehe auch mit wirrhschaftlichen Vereinen in Verbindung. Dom Centralverband Deutscher Industrieller beziehe derselbe 30,000 Mk. Tausch habe auch gesagt, er, Zeuge, könne darüber schreiben und als Gewähr-- mann den Generalconsul Ruffel nennen, der den Contract geschrieben habe. Angeklagter von Tausch entgegnet, er habe daS alle« nur zu dem Zweck zum Zeugen Walter gesagt, um Näheres von demselben über Schweinburg zu erfahren. Polizeirath Hacke gibt an, daß er im Jahre 1886 im „Berl. Tagebl." eine Haussuchung nach einem Manuscript abzuhalten gehabt habe. Chefredacteur Dr. Levysohn sei dazu glkommen und habe gesagt: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daS Manuscript ist nicht hier. Kurz darauf habe aber ein Beamter aus einem Nebenzimmer das Manuscript gebracht. Ob Levysohn gesagt, eS ist nicht hier oder eS ist nicht im Zimmer, kann Zeuge nicht sagen. Der Borfitzende betont, es komme darauf an, festzuftellen, ob Levysohn sein Ehrenwort gebrochen, und zwar richte sich daS nach dem Wortlaut. Der Zeuge entgegnet, er hätte den Eindruck gehabt, daß Levysohn sagen wollte, das Manuscript sei nicht mehr vorhanden. Poltzeicommiffar Schöne, der bei der Haussuchung zugegen war, betont, Herr Levysohn habe geäußert: „Ich sage Ihnen auf Ehrenwort, daS Manuscript ist vernichtet." Herr Levysohn habe noch hinzugesügt: „Geben Sie fich keine Mühe, es ist nicht wehr da, eS ist vernichtet, wie es so Usus bet uns ist." Oberstaatsanwalt Drescher macht auf die Widersprüche beider Zeugen aufmerksam, worauf der Zeuge Schön positiv erklärt, daß Levysohn sein Ehren- wort verpfändete. Zeuge Hacke erklärt, er könne keine Thal- fachen bekunden, aus denen zu ersehen sei, daß Levysohn wider beffereS Wiffen sein Ehrenwort abgegeben habe, eS sei daS lediglich Geschäftssache. Dr. Levysohn, der nunmehr vernommen wird, bemerkt dazu, daß in seinem Blatte eine Hausordnung bestehe, wonach alle Manuscripte am Tage nach dem Erscheinen der Zeitung verbrannt sein müffen. Auf Grund deffen habe er annehmen müffen, daß auch dieses Manuscript vernichtet sei. Der Vorsitzende geht nun auf den Besuch des Angeklagten v. Tausch bei Levysohn ein, er ermahnt den Zeugen, der Wahrheit die Ehre zu geben, selbst auf die Gefahr hin, daß er sich mit seiner ersten eidlich bekundeten Aussage in Widerspruch setze, denn von seiner Bekundung hänye wahrscheinlich daS Schicksal eines Menschen ab. Zeuge Levysohn bleibt dabei, daß bet dem betreffenden Besuch v. Tausch gesagt habe, Leckert werde im Auswärtigen Amte empfangen. DeS Wetteren sagt Zeuge, er könne nicht genau behaupten, ob Tausch in bestimmter Form, die Beziehungen zwischen dem Auswärtigen Amt und Leckert hivgestellt, oder sich nur geäußert habe, Leckert solle empfangen worden sein. Je mehr er aber darüber nachdenke, desto mehr entsinne er fich, daß Tausch die fragliche Aeuße- rung doch in bestimmter Form gesagt habe. Er, Zeuge, sei nach dem Weggang deS Tausch gleich in» Nebenzimmer gegangen und habe die von Tausch gesprochenen Worte seinem College» Gruettefien wiederholt. Am 22. October habe Zeuge eine anonyme Postkarte mit den Personalien LützowS erhalten. Lützow sei darin als ein russischer Spion bezeichnet worden. In der Annahme, daß dies daS Auswärtige Amt iuteressire, habe Zeuge den Redacteur Gtngold Stärk in daS Auswärtige Amt geschickt. Frhr. von Marschall habe aber die Karte nicht beachtet. Er, Zeuge, protestire entschieden dagegen, daß Tausch ihm zutraue, daß er alles dem Auswärtigen Amt htnterbringe und daß er dem Angeklagten Übel gesinnt sei. AlS der Angeklagte zu ihm gekommen sei und ihn in einer sehr bedrängten Lage um Hülfe gebeten habe, habe er fich seiner angenommen. Oberstaatsanwalt Drescher wünscht Näheres über diesen Punkt zu erfahren. Zeuge Levysohn giebt nicht gern darüber Auskunft, weil eS nicht zum Prozeß gehört. Tausch sei zu ihm als Mensch zum Menschen gekommen und habe ihn gebeten, ihm beim Verleger Mosse ein Darlehen von 5000 Mk. zu erwirken. Er sei durch eine Bürgschast in einer sehr bedrängten Lage. Da Zeuge bei Moffe dies nicht erzielen konnte, habe er Tausch ein Schreiben an einen begüterten wohlthätigen Mann gegeben. Nach einigen Tagen sei Tausch wtedergekommen und habe fich beim Zeugen bedankt, da er daS Geld erhalten hätte. Angeklagter Tausch bestätigt diese Aussage, worauf der Borfitzende bemerkt, das sei doch eine Dienstleistung, die mit einer setod- lichen Gesinnung nicht vereinbar sei. Tausch bleibt dabet, daß er nicht gesagt habe, Leckert werde im Auswärtigen Amt empfangen. Er sei vor Levisohn öfter gewarnt worden, da dieser in dem Ruf stehe, gern zu horchen. Zeuge Levh- sohn bekundet weiter, Gingold Stärk, der fich als Polizei- Agent in daS „Tageblatt" eingeschlichen habe, habe ihn einmal gefragt, ob er Sympathien für Tausch habe, die darauf ertheilte Antwort wiffe er aber nicht mehr. Dr. Sello sucht nun die beiden Aussagen psychologisch zu verbinden und nachzuweisen, daß Levysohn fich möglicherweise in einem Jrrthum befinde. Die Sitzung wird jetzt abgebrochen und aus morgen Vormittag 9 Uhr vertagt. A 5366 6299 S Versteigerungen. 5360] Einfach mSbl. Zimmer zu ver- mietben. GLdonlag« 7, Nebenh. pari i— Bad Jlmenau in Thür. „Zk 2.27 A- Kiltoinger, reuerswe kl 8 H4 s Engi. Tüll-Vorhänge Empfehlungen. 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