Nr. 283 Erstes Blatt Donnerstag den 2. December 1897 Der #Uieutr Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag-. Die Gießener ^imiCttnemter »erden dem Anzeiger »ichentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. vierteljährig«» ASaunementrpreisb 2 Mark 20 Pfg. Lringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Rrboction, rxpeditiot» und Druckerei: Kc-utstratzeAr.^ Fernsprecher 51. Zlints- und Anzeigeblntt für den Ureis Gietzen. Hratisöeitage: Hießmer Aamilienblätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux de- In» und Au-lande- nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgeh Deutscher Reichstag. Die feierliche Eröffnung des Reichstages hat heute Mittag im weißen Saale des Kgl. Schlöffe- in der üblichen Weise stattgesunden. Der Kaiser Verla« folgende (bereit- gestern im Auszug von uns mugetheilte) Thronrede: Geehrte Herren! Bei Beginn der letzten Tagung der neunten Legislaturperiode deS Reichstages entbiete Ich Ihnen Namens der verbündeten Regierungen Gruß und Willkommen. Die Vorlagen, welche Ihre Tbättgkeit in Anspruch nehmen werden, stehen zwar dem Umfange nach hinter dem Arbeitsstoffe der letzten ausgedehnten Tagung zurück, sind aber zum Theil von weittragender Bedeutung. Die Entwickelung unserer Kriegsflotte entspricht nicht den Aufgaben, welche Deutschland an seine Wehrkraft zur See zu stellen gezwungen ist. Sie genügt nicht, die heimathltchen Häsen und die Küste gegen die Blokade und weitergrhende Unternehmungen des Feindes sicher zu stellen. Sie Hal auch nicht Schritt gehalten mit dem lebhaften Wachsthum unserer überseeischen Jntereffen. Während der deutsche Handel an dem Güteraustausch der Welt in steigendem Maße theilntmmt, reicht die Zahl unserer Kriegsschiffe nicht hin, unseren im Auslande thätigen Landsleuten das der Stellung Deutschlands entsprechende Maß von Schutz und hiermit den Rückhalt zu bieten, den nur die Entfaltung von Macht zu gewähren vermag. Wenngleich eS nicht unsere Aufgabe fein kann, den Seemächten ersten Ranges gleich zu kommen, so muß Deutschland sich in den Stand gesetzt sehen, auch durch seine Rüstungen zur See sein Ansehen unter den Völkern der Erde zu behaupten. Hierzu ist eine Verstärkung der heimischen Schlachtflotte und eine Vermehrung von für den AuSlandsdtenst im Frieden bestimmten Schiffen erforderlich. Um für diese dringenden und nicht länger hinauszuschiebenden Maßnahmen einen festen Boden zu gewinnen, erachten die verbündeten Regierungen es für geboten, die Stärke der Marine und den Zeitraum, in welchem diese Stärke erreicht werden soll, gesetzlich festzulegen. Zu diesem Zwecke wird Ihnen eine Vorlage behufs verfassungsmäßiger Beschlußnahme zugehen. Zur Förderung unserer überseeischen Interessen ist auch der Ihnen schon in der letzten Tagung vorgelegte Gesetzentwurf bestimmt, welcher die Verbesserung der Post-DampfschiffSverbin- dungen mit Ostasien bezweckt. Nachdem dieser Entwurf wiederholter Prüfung unterzogen worden ist, wird er Ihrer Beschlußfassung von Neuem unterbreitet werden. Nach vteljährigem ernsten Bemühen ist es den verbündeten Regierungen gelungen, für eine Reform des Militärstrafver- fahrenS eine Grundlage zu finden, welche unter möglichster Anlehnung an den bürgerlichen Strafproceß und für die Erhaltung der Manneszucht unbedingt nöthtgen Forderungen Genüge leistet. Der hiernach aufgestellte Entwurf einer Militärstrafprocehordnung wird Ihnen unverzüglich vorgelegt werden. Ich hege die Zuversicht, daß Sie, geehrte Herren, dem Bestreben, ein gleichmäßiges gerichtliches Verfahren für die gesammte bewaffnete Macht einzuführen, Ihre verstLndnißvolle Mitwirkung gewähren werden. Das neue bürgerliche Recht kann nicht ins Leben treten, ohne daß auch das Verfahren in bürgerlichen Rechtssachen, so wett es schon auf gemeinsamem Recht beruht, nach mehrfachen Beziehungen abgeändert und so weit eS noch nicht sür daS ganze Reich geregelt ist. ES wird daher zu einem Entwurf eines Gesetzes über die Angelegenheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit, sowie zu einem Entwurf von Gesetzen betreffend Aenderung der Ctoilproceß- ordnung und Eoncursordnung Ihre Zustimmung etngeholt werden. Mit der Verabschiedung dieser Gesetze und der zugehörigen Nebengesetze soll die Rechtseinhett aus dem Gebiete des bürgerlichen Recht« zum Abschluß gelangen. Die verbündeten Regierungen geben sich der sicheren Hoffnung hin, daß in gemeinsamer Arbeit mit Ihnen noch im Laufe der gegenwärtigen Tagung dieses hohe, von dem deutschen Volke so lange ersehnte Ziel endlich erreicht werden wird. Nachdem die gesetzliche Regelung der Entschädigung unschuldig Verurthetlter in Verbindung mit der erstrebten Verbesserung des Strafverfahrens nicht zum Abschlüsse gelangt ist, wird jetzt ein Gesetzentwurf den Gegenstand Ihrer Berathung bilden, welcher lediglich die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren Freigesprochenen bezweckt. Die allgemeine Finanzlage zeigt ein befriedigendes Bild. Auch für das nächste Rechnungsjahr sind bei dem Haushaltsplan deS Reiches Matricularbeiträge nur in solcher Höhe vorgesehen, daß den Bundesstaaten eine Mehrbelastung daraus nicht mehr erwächst. Dabei ist nicht nur die vom Reichstage seit Jahren verlangte, aber durch die Ungunst der Finanzlage bisher immer zurückgestcllte Verbesserung der Mannschaftskost für das Heer und die Kriegsmarine zur Durchführung gebracht, sondern es ist auch ferner der sehr erhebliche Aufwand für die zeitgemäße Ausgestaltung des Artillerie- Materials, welche im vorigen Jahre noch der Anlaß zu einer Reichs-Anleihe war, auf die regelmäßigen Einnahmen übernommen worden. Da die Voranschläge für die Reichs steuern mit gewohnter Vorsicht aufgestellt sind, lassen sich auch für die Folge mehr Einnahmen erwarten. ES wird Ihnen deshalb zugleich mit dem Haushaltsplan ein Gesetzentrvurs zugehen, welcher Vorsorge trifft, daß ein erheblicher Theil des noch bestehenden UeberschuffeS wie In den Vorjahren zur Verminderung der Reichsschulden Verwendung findet. Zur Vorberathung der handelspolitischen Maßnahmen ist aus Vertretern der Industrie, der Landwirthschaft und deS Handels ein Ausschuß gebildet worden, mit deffen s-chkundign Berathung die Bedeutung und der Umfang der weitverzweigten Gütererzeugung festgestellt werden soll, um für die künftige Gestaltung der Zolltarife und der Handelsbeziehungen zum Auslande eine feste, den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechende Richtschnur zu gewinnen. , „ Es würde Mir zur hohen Genugthuung gereichen, wenn die gemeinsame Thätigkeit, zu der sich berufene Vertreter aller Erwerbs- kreise zusammengefunden haben, dazu beitrüge, einen Ausgleich zwischen den verschiedenartigen Ansprüchen unseres Erwerbslebens herbei zu führen und damit die Schärfe der wtrthschaftltchen Gegensätze zu mildern. Die Entwickelung unserer Schutzgebiete ist im Allgemeinen zufriedenstellend. In Folge des Auftretens der Rinderpest in Südwestafrika während des Sommers hat sich die Nothwendigkeit ergeben, sofort an eine Besserung der Transportverhältniffe durch Legung von Schienengeleisen heranzutreten. lieber die Festlegung der Grenzen zwischen Togo und Da- homey sind mit der französischen Regierung Verhandlungen gepflogen worden, von deren Ergebniß zu erwarten ist, daß es den beiderseitigen wirthschaftlichen Jntereffen zum Vortheil gereichen wird. Die Ermordung deutscher Missionare und Angriffe auf eine der unter meinem kaiserlichen Schutze stehenden und mir am Herzen liegenden Mtsfionsanstalten in Ehina haben mich genöthigt, mein oftasiattsches Geschwader in die dem Thatorte nächst gelegene Kiao- Tschau Bucht einlaufen und Truppen dort landen zu lassen, um volle Sühne und Sicherheit gegen ähnliche beklagenswerthe Eretgniffe zu erlangen. Die politischen Beziehungen zu den fremden Staaten find durchaus erfreulich. Meine Begegnungen mit den verbündeten und befreundeten Monarchen, sowie der glänzende und herzliche Empfang, welche mir bet meinen Besuchen in Peterhof und Budapest zu Theil wurde, haben mir hierfür aufs Neue werthvolle Bürgschaften geliefert. Alle Anzeichen berechtigen zu der Ansicht, daß wir mit Gotte« Hilfe auch fernerhin der friedlichen Entwickelung Europas und des deutschen Vaterlandes entgegen sehen dürfen. Adele Spitzeder «nd die Dachauer Dank. Auch ein fünsundzwanzigjähriger Gedenktag. Von Paul Ebert. (Nachdruck verboten.) Der 13. November 1872 war ein Tag der Aufregung für die Stadt München nicht nur, sondern für einen betracht- lichcn Theil des bayrischen Landes überhaupt. „Adele Spitzeder", hieß es, „ist verhaftet und die Dachauer Bank polize lich geschloffen worden". Da jubelten die einen laut auf, während die anderen gewaltig erschraken. Hatten sie doch, verblendet von dem lockenden Gewinn, ihre Capitalien oder wenigstens einen Theil derselben der Schwindlerin überantwortet. Nun ereilte sie mit der Verbrecherin zugleich die Rache des Schicksals — und was noch schlimmer war, ein Theil von ihnen getraute sich seinen Verlust nicht einmal laut werden zu lasten, da es sich vielfach um Gelder Han- beite, die man der Versteuerung entzogen hatte. Gestand man jetzt den bisher unbekannten Besitz zu, so setzte man sich noch obendrein einer schweren Strafe aus, und an einen Ersatz war ja doch nicht zu denken. Die älteren unter unseren Lesern werden wohl die Erinnerung an den großartigen Schwindel noch im Gedächtniß haben, und die jüngeren haben wenigstens den Namen Adele Spitzeder nennen hören, wenn es auch nur aus Anlaß ihres vor ein paar Jahren erfolgten Ablebens geschehen wäre. Sprach man doch in ganz Deutschland und auch außerhalb der schwarz - weiß - rothen Grenzpfählr von dem Dachauer Humbug und wunderte sich, daß sich so viele Leichtgläubige fanden, und die Polizei dem Unfug so lange ruhig zusah. Der große Krach konnte ja nicht allzulange auf sich warten lassen __ nun trug der Telegraph die sensationelle Nachricht nach allen Himmelsrichtungen. Seitdem sind 25 Jahre vergangen und man könnte billig fragen, ob denn eine Gaunerin von der Kategorie der Spitzeder in der That werth ist, im Gedächtniß der durch sie schmählich betrogenen Menschheit wieder aufgefrischt zu werden, ober ob man diese Ehre nicht bloß den Edlen und Großen vorbehalten solle. Gemach! Unser Erinnerungsblatt gilt nicht dem Andenken der Person, sondern der Sache, und in den Münchner Ereignissen liegt eine schwerwiegende Mahnung, deren Wiederholung bei dieser — ja bei jeder — Gelegenheit ein dankenswerthes Beginnen ist. Seit den Zeiten der Dachauer Bank sind ja weder die Leichtgläubigkeit noch die Betrüger aus der Welt verschwunden. Wir folgen bet unserem kurzen Rückblick im Wesentlichen Angaben eines zu jener Zeit in der „Gartenlaube" veröffentlichten Aufsatzes, welcher ausführliche Mittheilungen über die Spitzeder und ihr betrügerisches Unternehmen enthielt. Vor Allem liegt die Frage nahe: Wie kam die Spitzeder auf die Idee, ihre Schwindelbank zu gründen? Die Antwort giebt ihre Lebensgeschichte. Wtr erfahren daraus, daß die Verhältniste ihr den Gedanken an die Hand gaben oder viel- mehr die Dummheit und Habsucht der Menschen selbst. Adele ! war die (1832 geborene) Tochter eines angesehenen Künstlerpaares, des vorzüglichen Baßbuffo Joseph Spitzeder und der Sängerin Betty Vio, die beide in Berlin wirkten und nach ihrer Verheirathung nach München übersiedelten. Adele widmete sich ebenfalls der Bühne, allein ihr gingen alle noth- wendigen Eigenschaften zur Schauspielerin ab; sie war völlig talentlos und besaß eine keineswegs sympathische äußere Erscheinung. Stattlich von Gestalt, hatte sie blaßblaue, geschlitzte Augen und eine große, unschöne Nase. Kein Wunder, daß sie dem Publikum nicht gefiel und infolgedessen mehr und mehr in Armuth, ja sogar in Roth versank. In ihrer Verlegenheit griff sie zu dem gewöhnlichen oder doch häufigen Mittel- sie suchte durch eine Annonce in den „Münchner Neuesten Nachrichten" ein Darlehen gegen hohe Zinsen. Vielleicht zweifelte sie se bst am Erfolg der Anzeige. Aber man kann denken, wie groß die Gewinnsucht der Menschen ist — eine ganze Reihe von Personen boten — natürlich gegen die versprochenen hohen Zinsen — ihre Hilfe an, so daß Adele Spitzeder nach kaum vierzehn Tagen eine Summe von etwa 20 000 Gulden ihr eigen nannte. Vecmuthlich dachte sie nun: Das ist ein gutes Geschäft, setze es fort. So wurde aus dem bescheidenen Privatpump eine Bank, die schon nach kurzer Zeit solche Dimensionen annahm, daß die schlaue Begründerin au« ihrer anfänglichen Wohnung in ein eigenes Gebäude — ein dreistöckiges Haus in der Schönfeldstraße — übersiedelte, ja sogar zur Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Kunden eine gegenüber dem- selben gelegene Restauration erwerben mußte. Bald wurde ihr Geschäft unter der B^eichnung „Dachauer Bank" bekannt. Nach der Darstellung in der „Gartenlaube" rührt der Name daher, daß in dem Wirthshause, worin sich die erste Wohnung der Spitzeder befand, viel Landleute aus Dachaus einkehrten, nach einem anderen Bertchterstatter hätte die verbrecherische Dame ihr Geschäft zuerst in der Dachauer Straße gehabt, welchem Umstande der Name zuzuschreiben sei. Das Geschäfts- verfahren der Bankinhaberin war so einfach wie möglich. Die Kunden der Bank brachten ihre Einlagen und erhielten diese mit 10 Procent monatlich verzinst. Das heißt, wer hundert Gulden lieh, erhielt monatlich 10 Gulden Zinsen, also 120 im Jahre, was der ungeheuren, schier unglaublichen Verzinsung von 120 Procent entspricht. Woher aber nahm die Spitzeder die Zinsen? Von den Capitalien, die bei ihr einliefen, selbst. Wer Geld brachte, erhielt die Zinsen gleich auf 3 Monate im Voraus ausbezahlt. Auch die etwa zurückverlangten Gelder zahlte sie prompt aus und von ihr ausgestellte Wechsel wurden pünktlich eingelöst, wozu die sich täglich steigernden Einlagen die Betrügerin in den Stand setzten. Waren doch eigene Agenten thätig, ihr die Dummen und Habsüchtigen zuzutreiben. Von einer Anlegung und Verwerthung der einlaufenden Summen war natürlich keine Rede, man nahm sich kaum die Mühe einer ordentlichen Buchführung, man zahlte die Zinsen vom Capital und lebte vom Uebrigen herrlich und in Freuden. Die Spitzeder machte ein vornehmes Haus, sie war luxuriös eingerichtet, sah noble Gesellschaft um sich, fuhr aus wie eine Fürstin, engagirte eine Menge Geschäftspersonal, veranstaltete Gelage, bei denen der Champagner in Strömen floß, gab große Summen für ihre Freundin und Gesellschafterin Rosa Ehinger, die sie mit aller Gewalt zur groben Schauspielerin ausbilden lassen wollte. In ihrem Hinterhause besaß sie einen kostbaren Marstall und prachtvolle Karossen. Dabei war sie — oder zeigte sich doch — ungemein fromm. Sogar eine Wallfahrt unternahm sie, und ihrem verstorbenen Vater ließ sie auf dem Kirchhofe ein kostbares Monument errichten. Darf man sich da füglich wundern, daß sie bald Nachahmer fand und noch andere Banken ähnlicher Art sich aufthaten, die jedoch derjenigen der Meisterin nicht gleichkamen? Erwägt man die Sache recht, so kann man die Opfer der Spitzeder wahrlich nicht allzu sehr bedauern. Der Schwindel war doch so plump und durchsichtig, daß sich auch der naivste Mensch das Schicksal des Instituts und seiner Einlage an den fünf Fingern abzählen konnte. Man begreift sactisch die bodenlose Naivität der Tausende nicht, die ihre vielleicht sauer ersparten Thaler der Schwindlerin auf dem Präsentirteller darbrachten, denn es waren meist kleinere Lute, die wirklichen Capitalisten gehen nicht so leicht auf den Leim. Die Eiklärung für die Erscheinung liegt wohl darin, daß hier die Habsucht der Dummheit secundirte. Und gerade das, was die Spender hätte mißtrauisch machen sollen, erweckte ihr Vertrauen; der fürstliche Aufwand, die bigotte Frömmigkeit der Gaunerin, kleine Züge von Großmuth und Edelsinn, wie sie von den Schleppern der Dame geflissentlich verbreitet wurden. Und die Polizei — warum duldete sie den Unfug zwei volle Jahre? Sie besaß nach dem damals gültigen Börsengesetze keine Berechtigung zum Einschreiten, so lange die Spitzeder ihre Wechsel und die zurückgeforderten Einlagen bezahlte. Nur einzelne Blätter (zuerst die „Münchener Neuesten Nachrichten") erhoben ihre warnende Stimme, doch vergeblich! Der Redacteur der genannten Zeitung sah sich wegen seines Artikels sogar Mißhandlungen ausgesetzt. Endlich brach der Tag der Vergeltung herein. Die 1. bitzvvg Dieoltag ben 30. November 1897. Am Bunde-rath-ttsche Gras v. PosadowSky, o- Rtchthofm. Präsident o. Buol eröffnet um 21/« Uhr die Sitzung unter Berufung auf die bezüglichen Bestimmungen der Geschäftsordnung und ernennt zu provisortsch'N Schriftführern die Abgeordneten Braun. Kropatschek, Pteschel und Hermes. Etngeaangen find an Vorlagen das Floltengesetz nebst Begründung, der Etat, ferner der Etat für die Schutzgebiete, die Rechnungsüberficht, der Gesetzentwurf betr. die Bestimmungen über Aufnahme von Beten der freiwilligen Gerichtsbai kett, das Gesetz betr. Entschädigung unschuldig Verurtheilter und die Militär-Strafproztß Reform. ES erfolgte sodann der Namensaufruf, derselbe ergibt die Anwesenheit von nur 174 Mitgliedern deS HauseS. Präsident v. Buol beraumt die nächste Sitzung auf morgen Mittag 1 Uhr an mit der Tagesordnung: Wahl deS Präsidiums und der Schriftführer. Schluß gegen 3 Uhr.__ Asrreste ÄKsehsßshSEo Wolff» telegraphische» Eorrespondenz-Bnrea». Berlin, 30. November. Der dem Reichstage zu- gegangene Gesetzentwurf, betreffend die Entschädigung der im Wiederaufnahme - Verfahren freige- sprocheoen Personen, bestimmt, daß Personen, die im Wtederaufoahme-Berfahreu fretgesprocheu oder tu Anwendung eine» milderen Strafgesetze» mit einer geringeren Strafe belegt werden, Entschädigung au» der Staat-kaffe verlangen können, wenn die frühere Strafe ganz oder thetlweise gegen fie vollstreckt worden ist. Da» Verfahren muß die Unschuld der verurtheilten bezüglich der ihnen zur Last gelegten That oder bezüglich eine- die Anwendung eines schwereren Straf« gesetzt» begründenden Umstande» ergeben haben. Außer dem verurtheilten haben Diejenigen, denen gegenüber er kraft Gesetze» unterhaltspflichtig war, Anspruch auf Entschädigung. Der Anspruch auf Entschädigung ist ausgeschlossen, wenn der verurtheilte die frühere verurtheilung vorsätzlich herbeigeführt oder durch grobe Fahrlässigkeit verschuldet hat. Gegenstand deö dem verurtheilten zu leistenden Ersatzes ist der für ihn durch die Strafvollstreckung entstandene vermögens« schaden. Berlin, 30. November. Der „Reichsanzeiger" vrr« öffeotlicht die Ernennung des Professors Maurer tu Herborn zum Genevlsuperinteudeuten de» Coufistorialbeztrks Wiesbaden. Berlin, 30. November. Die „Nationalzeitnng" erfährt: Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht, wonach die Mannschaft deS Flaggschiffes be» ostafiatischeu Ge« fchwaders, „Kaiser", von Ehioefen ermordet fein sollte, ist durchaus unbegründet. ES ist auch nichts geschehen, was zu einer derartigen Meldung hätte Anlaß geben können. wie», 30. November. Das Präsidium des Abgeord« netenhauseS läßt constatireu, daß die Meldung der Blätter, nach denen Präsident Abrahamowtcz vorgestern durch Husaren aus einer ihm drohenden Gefahr befreit worden wäre, jeder thatsächlichen Grundlage entbehre. Der Präsident wurde weder bet einer Ausfahrt, noch auf einem Spaziergang irgendwie behelligt. Pari», 30. November. Der Senat nahm den Gesetz» eotwurf, betreffend die Zweitheilung deS 6. Armeecorps, an. Pari», 30. November. Kammer. Bet der Berathung des UnterrtchtS-BudgetS brachten btt Radikalen ein Amendement ein, in dem sie verlangen, daß sämmtliche Elementarschulen in der Zeit von zehn Jahren in Lateinschulen umzuwandeln seien. Ministerpräsident MSltne bekämpfte dieses Amendement, da» gegen da» Gesetz vom Jahre 1886 verstoße, und protestiere gegen da- illoyale Vorgehen, diesen Gegenstand mit der Budgetberathung zu verquiekcu. Die Regierung wende das Gesetz über die Verweltlichung der Schulen mit Festigkeit, aber ohne Gehässigkeit au. Da» Amendement wurde schließlich mit 328 gegen 234 Stimmen verworfen. Petersburg, 30. November. Ein heute verkündeter kaiserlicher Uh» ordnete die Prägung und Ausgabe von Goldmünzen zu 5 Rubeln im Werthe von >/, Imperial Wirkungen des Schwindeltreibens äußerten sich immer auffälliger, das Publikum zog seine Gelder aus den öffentlichen Sparkassen zurück. Hypothekendarlehne sogar wurden gekün- digt oder Hypotheken ausgenommen, um die erhaltenen Sum« men der Betrügerin in den Schoß zu werfen. Eine allgemeine Calamität war die Folge, welche von der Regierung in amtlichen Erlassen beklagt wurde Am 12. November 1872 war es, daß die Straßen, durch welche man zur Spitzeder gelangte, militärisch besetzt, die Zugänge zu ihrer „Bank" von Gendarmen gesperrt wurden. Eine Anzahl hohe Beamte, der Polizei-Director mit mehreren Commissaren, der Untersuchungsrichter, ein kaufmännischer Sachverständiger und mehrere Gerichtsschreiber erschienen in dem Hause, um eine Prüfung der Bücher und der Geschäftsführung vorzunehmen. Bis nach Mitternacht währte die Revision, die das Einschreiten des Gesetzes vollkommen rechtfertigte. Die Spitzeder, rechtzeitig von der Ankunft der Polizei unterrichtet, hätte noch wohl Zeit gehabt, sich durch Selbstmord der Verhaftung zu entziehen, doch dazu zu feig oder zu — schlecht, empfing fie die Commission mit heiterem Gesicht und ließ sich nach beendeter Untersuchung ruhig in die Haft abführen. An- fängltch kam sie nur in Civilhaft, erst nachdem das Criminal- verfahren eingeleitet wurde, bezog fie eine gewöhnliche Unter- suchungszelle. Währwd ihrer Haft zeigte sie sich bald heiter, bald vergoß sie reichliche Thränen, immer aber zeichnete sie sich durch Schlauheit und Rasfinirtheit aus. Im Ganzen empfing die Betrügerin während der zwei Jahre ihrer Geschäftsthätigkeit 8«/2 Millionen Gulden an Einlagen von etwa 30000 Gläubigern — die nicht gerechnet, die es aus den schon oben angeführten Gründen vorgezogen' ihren Verlust unangemeldet zu verschmerzen. Am 20. Juli 1873 wurde der rasfinirten Betrügerin der verdiente Lohn in Gestalt von 3 Jahren Zuchthaus zu Theil. Die Flüche aber und Verwünschungen, die chr nachklangen, zählten nach Millionen, denn die Opfer waren weit davon entfernt, daran zu denken, daß eigene Gewinnsucht und Thorhrit sie in die Netze der Verbrecherin gelockt hatte. an. Ein weiterer kaiserlicher UkaS befiehlt, daß der bisherige Text der russischen Lreditbillet» durch ben Aufdruck der nachstehenden Erklärungen abzuändern ist-: Die Staats» dank wechselt EreditbilletS gegen Goldmünzen ohne Begrenzung der Summe ein. Ein Rubel, gleich Vii Imperial, enthält 17,424 Doli reines Gold. Die Einwechselung der Staat»« creditbilletS gegen Goldmünzen wird durch das gesummte Staat-Vermögen fichergestellt. Die StaatScreditbillet» haben i« ganzen Reiche ben Cour« mit Golbmünzen. Warschau, 30. November. Heute früh stieße» auf der Station Pusush (?) der Warschauer Bahn ein gemischter Zug und ein Güterzug zusammen. Elf Personen wurden getödtet, zwanzig verwundet, davon vier schwer. Madrid, 30. November. Nach einer amtlichen Depesche auS Manila vertrieben die Truppen des General» Moret die Aufständischen au» ihrer Stellung auf dem Berge Caimarin. Die Aufständischen hatten 93 Tode, die Spanier 21 Tobte unb 47 Verwundete. Palma (Mallorca), 30. November. General Wehl er stattete bem hiesigen Generalcapitän auf dessen Befehl einen Besuch ab. Al» der Generalcapitän ben Besuch erwidern wollte, weigerte sich Wehler, den Generalcapitän zu empfangen. Depesche» de» Bure« ,-erolb." Berlin, 30. November. Bei der heutigen Eröffnung des Reichstages im weißen Saale des Königlichen Schlosses hatten links vom Throne der BundeSrath, rechts die Generalität und gegenüber die Abgeordneten Aufstellung genommen. In einer Loge wohnte auch die Kaiserin dem feierlichen Acte bei. Außerdem waren anwesend Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Friedrich Leopold und die anderen hier anwesenden Prinzen. Nachdem Präsident Freiherr v. Buol ein Hoch auf den Kaiser au-gebracht hatte, bedeckte der Kaiser fein Haupt mit dem Helm, nahm auS der Hand deS Kanzlers die Thronrede entgegen und verlas dieselbe mit lauter Stimme. Bon der Thronrede wurde die Stelle betreffend Maßnahmen in China und der Schluß mit Bravo ausgenommen. Nach Rückgabe des ManuscripteS der Thronrede an den Reichskanzler fügte der Kaiser folgende Ansprache hinzu: ,8or zwei Jahren habe ich von dieser Stelle aus vor Ihnen auf das geheiligte Feldzeichen meines ersten Garderegiments einen Eid geleistet, das Reich, wie e» mir von meinem Großvater überkommen, zu erhalten und seine Ehre im AuSlande zu schützen und zu wahren. Sie find Alle damit meine EideS- helfer geworden und ich bitte im Namen des Reiches und dem Beisein des allmächtigen Gottes, daß er Ihnen beistehen möge in Ihrer Arbeit, mir zu helfen, die Shre des Reichs, die ich nicht zu wenig geschätzt habe, meinen einzigen Bruder auch dafür tinzusetzen, auch fürderhin nach außen wahren zu helfen." Der bayrische Gesandte Graf Lerchenfeld brachte hierauf nochmal- ein Hoch auf ben Kaiser auS, in welches bie Anwesenden einstimmten. Berlin, 30. November. Bei Besprechung der heutigen Thronrede st'mmt die Mehrzahl der Abendblätter darin überein, daß dieselbe mit der Ankündigung von Vorlagen keinerlei Überraschungen und nichts Neue» brachte. Die „Kreuzzettuvg" betont, dabei die Militärstrafprozeßordnung citirend, daß bie konservative Partei für btefelbe nur unter ber Bedingung zu haben sein werde, wenn an den Grundlagen der militärischen Disziplin nicht gerüttelt werde unb wenn bie oerbünbeten Regierungen allen versuchen, biese Grunblagen ins Wanken zu bringen, mit Entschiedenheit entgegeaireten. — Die „Berl. N. Nachr." halten bie Thronrebe für geeignet, bielmal einen besonberS günstigen Eindruck hervorzurufen und drücken den Wunsch auS, daß auch die Arbeiten deS Reichstage» demselben sich anpaffen und in allen wichtigen Punkten ihn bewahren möchten. — Der „Nationalztg." macht die R^de den Eindruck, daß durch den versuch der Verständigung über einige seit langer Zeit ver- langte Reformen unb burch bie Darlegung ber sehr günstig geschilderten Finanzverhältnisse einer Vereinbarung über die auf die Flottenverstärkung bezüglichen Forderungen der Weg geebnet werden soll. — Die Ansicht der „Boss. Ztg." geht dahin, daß durch die Eröffnungsrede kein kampflustiger Getst weht. Sie sei ruhig und trocken. Aber eS könne keinem Zweisel unterliegen, daß sich auch die Regierung der Möglichkeit bewußt fei, daß die letzte Session dieses Reichstages mit einem schrillen Bruch zwischen BundeSrath und Reichstag ende. — Das „Berl. Tagebl." glaubt, daß da» Außergewöhnliche in der Form der kaiserlichen Auslassung ohne Zweifel nicht nur im Jnlande, sondern auch vornehmlich im AuSlande eia vielstimmiges Echo Hervorrufen und von Neuem der Legende Vorschub leisten werde, daß wir unter einer constitutionellen Regierung leben, die mit den Elementen eines persönlichen Regiments in seltsamer Weise verquickt ist. — Die „volkSztg." schließt ihre Besprechung damit, daß nach alledem die Aussichten, unter denen der Reichstag seine Arbeit beginnt, im Voile kein erhebendes Gefühl erwecken können. Da» deutsche Volk werde an diesem Reichstage nur dann seine Freude haben, wenn er dem Hauptfiück, der Marinevorlage, ein Begräbniß erster Klasse zu Theil werden lasse. Berlin, 30. November. Ein heute zur Ausgabe gelangtes Beiheft de» Militär-WochenblatteS bringt eine Darstellung des Inhaltes ter geplanten Re formen des Militär ft ras ver f ah reu», die mit einer Vergleichung de» heutigen R-chtSzustandeS mit bim künftigen abschlteßt. E» gelten im jetzigen preußischen Mililärstrafoerfahren: 1. schriftlicher geheimer Untersuchung-Prozeß. 2. JnquifitionS- Mezlmen, Berbinbung de» Untersuchungsführers, beS An- k ägerS, unb beS BertheibigerS in einer Person. 3. Com- manbirung ber Richter von Fall zu Fall. 4. Beschränkung ber Berthe,bigung burch Dritte. 5. Formale gesetzliche Be- weistheorie dev alten Eriminalordnung. 6. Bestimmung der Richter nach dem nicht einwandfreien Klassensystem. 7. Ber« sngung ausreichender ordentlicher Rechtsmittel an den Angeklagte». 8. Abhängigkeit der Rechtskraft de» richterliche» Spruches von ber Bestätigung. 9. Bielgestaltetheit ber Militärgerichte unb beS Verfahren» bet ben verschiedenen Kontingenten mit den darau» sich für da» Feld und für gemeinschaftliche Garnisonen ergebenden Gefahren. Es wird dagegen vorgeschlogen im neuen Entwurf: 1. Weitestgehende Durchführung bei müublichen unmittelbaren Verfahren» unter Zulassung der Oeffentlichkeil der Hauptverhandlung nach bayrischem Vorbild. 2. Anklageform. Scharfe Trennung der Aufgaben de» Richter», Ankläger» und veriheiftgerS. 3. Ständigkeit der Gerichte in allen Instanzen in erheblichem Umfange. 4. Unbeschränkte vertheidigung in Fällen der höheren Gerichtsbarkeit bei bürgerlichen Vernehmungen auch durch zugelaffene Rechtsanwälte. 5. Freie Beweisführung auf Grund der in mündlicher Verhandlung von dem Richter gemachten Wahrnehmungen. 6. Gleicher Werth für jede Richterstimme. 7. Gewährung ber Rechtsmittel nach dem Vorbild der bürgerlichen Strafprozeßordnung, Zulassung ber* Beschwerbe, ber Berufung, ber Revision. Der Berufung im weiteren Umfange als im bürgerlichen Verfahren. Einrichtung eine» vollständigen JnstanzevzugeS. 8. Endgültige Entscheidung be» R-chteiS über Thatfragen unb Strafen, uneingeschränkte Selbstftänbigkeit ber erkennenden Gerichte- Bestätignng-ordre im Frieden- keinen bte Rechtskraft des Unheils berührenden RechtSact, vielmehr eine auf dem Gnadenrechte beruhende Weisung zur ©iraf* Vollstreckung. 9. Ein einheitliches RechtSoerfahren für da« ganze deutsche Heer unb bie Marine. Eine gemeinsame Spitze beSselben: daS Reichsmilitärgericht, welche» über einst, mmende Auslegungen und Anwendungen ber Gesetze sichert, wodurch das Gefühl ber Zusammengehörigkeit unb Einigkeit in allen Theilen des Heeres nur befestigt werden kann. 10. Schließlich wird beabsichtigt, auch hinsichtlich ber Ent- schäbigung unschuldig Verurtheilter in die MiluärstrofgerichtS- orbnung in voller Uebereinstimmung mit bem bürgerlichen Strafprozeß zu halten, fobaß, sobald der zu dem letzteren vorliegende Entwurf Gesetz wird, dessen Bestimmungen in die MilitärstrafgerichtSordnung Übernommen werden. Berlin, 30. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt officiö»: Die Besetzung der Kiao-Tschau- Bucht hat in der Presse Vermuthungen wachgernfen, welche irrig find. Jene Maßregel ist erfolgt, um von ber chinesischen Regierung Genngthuung für bie Ermordung der deutschen Misfionare sowie eine Gewährleistung dafür zu erhalten, daß solche Vorgänge sich nicht wiederholen. Die chinefische Regierung, welche bte Rieberlassuog ber Ausländer innerhalb ihres Machtbereichs zuläßt, muß benselben auch ben nöthigen staatlichen Schutz gewähren können. Berlin, 30. November. Der nationalliberale Reichstag«- abgeorbnete für ben Wahlkreis Homburg Kusel, Professor Dr. v. Marquardseu, ist heute früh in Erlangen an einem Schlaganfall gestorben. Berlin, 30. November. Die beutf ch-conf erv ative Reich-tagSfraction hat gestern Abenb ihre erste Sitzung in bitfer Tagung abgehalten und flch mit ber Präsidentenwahl beschäftigt Sie hat sich dafür entschieden, von jedem Anspruch auf die Beteiligung am Präsidium, wie zuletzt, abzusehen und dasselbe Verfahren wic bei ber letzten Präsidentenwahl einzuschlagen. Sie wird daher für bte Wiederwahl be« Abg. Freiherrn v. Buol als Präsidenten stimme», dagegen in den Wahlgängen für bie ersten unb zweiten Vice- Präsidenten weiße Zettel abgeben. Nach dieser Beschlußfassung ist die Besetzung be» Präsidiums in alter Weise (Freiherr v. Buol, Schmidt, Dr. Spahn) zu gewärtigen, denn die Nationalliberaleu werden ebenfalls auf bte Vertretung im Präsidium wieber verzichten. Bremerhaven, 30. November. Infolge einer Kohlen- gaSexploston find auf bem deutschen Dampfer „Darmstadt" elf Personen verletzt worden, darunter einige schwer. Wien, 30. November. Heute vormittag 9 Uhr wurde Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch vom Kaiser in Audienz empfangen, um bemfelben folgende Mitgliederliste vorzulegen: v. Gautsch: Pläfidtum und Inneres, WelferSheimb': Lande-vertheidiguog, SectionSchef Dr. v. Böhm: Finanzen, SectionSchef Wittek: Eisenbahnen, SectionSchef Graf Latour: Unterricht, SectionSchef Dr. Körber: Handel, SeltionSchef Dr. v. Ruber: Justiz und SectionSchef Graf Wtebrand: Ackerbau. Um 12 Uhr Mittags machte Gautsch in ber parlamentarischen Commission ber Rechten von ber erfolgten Cabinets- bilbung Mittheilung. Wien. 30. November. Im Polenclub erklärte Abra- hamowicz, das Präsibinm deS Abgeordnetenhauses niederlegen zu wollen und fügte hinzu, baß wahrscheinlich auch bie beiden viceprästbenten zurücktreten werden. Am Dienetag ben 7. December soll bte erste Sitzung beS Abgeordnetenhauses stattfinden. Prag, 30. November. Die Demonstrationen, welche gestern den ganzen Tag anbouerten, erreichten Abend» ihren Höhepunkt. Gegen 8 Uhr zogen viele Tausend T'checheu durch bie Straßen, stießen Drohungen gegen bte Deutschen au« unb zertrümmerten bte Fensterscheiben, barunter auch diejenigen de« deutschen Theater». ES mußte schließlich Militär einschreiten. Hierbei wurden mehr al« 50 Personen verwundet. Einer Frau wurde durch einen Säbelhieb der Kopf gespalten. Der Statthalter richtete an ben Bürgermeister ein Schreiben, worin er bie Stabtverwaltung für sämmtliche Schäden, welche au Gebäuden nsw. angerichtet wurden, verantwortlich macht. Prag. 30. November. Ein vom Executiveomilv der Jungczechen an alle Czechen erlassene» .Manifest bedroht die Regierung, wenn fie bte Forderungen ber Czechen nicht voll unb ganz erfülle, mit bem Kampf bi» aus» Messer. Bern, 30. November. Eine internationale btplo- rnatifche Confer enz zum Schutze be» gewerblichen Eigen- thum» wub morgen in Brüssel beginnen. E» ist eine vollständige Umgestaltung ber internationalen Convention vom Jahre 1883 geplant. Brüssel, 30. November. Ja Hey st hat gestern der Sturm großen Schaden angertchter. Dächer und Kamine wurden fortgertflen. Biele Fischerboote haben stark gelitten. Tine große Schaluppe wurde an die Küste geworfen und nur mir vieler Mühe gelang es, die Mannschaft zu retten. Die Meere-fiuthen haben den Damm durchbrochen. Sämrntliche Straßen zwischen dem Damm und der Eisenbahn find über- schwemmt. Dar Waffer ist bis an den Kursaal vorgedrungen. Tine Ostender Schaluppe ist gescheitert, die Mannschaft wurde jedoch gerettet. Lüttich, 30. November. Die bet dem gestrigen Crawall zwischen strtkenden belgischen und nichtstrikenden deutschen Grubenarbeitern verletzten beiden deutschen Bergleute liegen schwer verwundet darnieder. Der durch einen Schuß in den Kopf verletzte Bergarbeiter Otto Schneider at d,e beiden Angreifer erkannt. Paris, 30. November. Nach dem „Jour" har Major Esterbazy eine gerichtliche Klage eingeleitet, weil verschiedene Aktenstücke aus seiner Wohnung gestohlen worden find. Laudon, 30. November. Der Sturm hat an der eng« tischen Küste großen Schaden angertchtet und zwar besonders in Margatt und mehreren Orten, die an der Themse liegen. Sieben Schiffe find gescheitert, doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Mehrere Bahnhöfe sowie da- Zeughaus stehen unter Waffer. Athen, 30. November. Die Kronprinzessin regte die Renooirung des hiesigen Militär.LazarethS an, wozu fie die nöthige Summe von über 1b0000 Drachmen aus ihrer Privatschatulle anwetseu wird. Konstantinopel, 30. November. Die griechischen Bevoll« mächtkgren haben von ihrer Regierung neue Instructionen bezüglich deS Artikels über Handel und Schifffahrt erhalten. Man nimmt an, daß die Eonferenz heute ihre Verhandlungen beenden wird. Kiel, 1. December. Wie verlautet, wird der Kreuzer „Schwalbe" nicht nach China gehen, sondern für dauernde Besetzung der amerikanischen Station bestimmt. In der« gangener Nacht wurden 20 Oifiztere und 450 Mann des Panzerschiffes „Sachsen", welche- nunmehr außer Dienst gestellt worden ist, mittelst SonderzugeS nach Wilhelmshaven befördert zur Indienststellung des Kreuzers „Deutschland" am 2. December. Köln, 1. December. Im Befinden des Cardinals Kremevtz ist seit gestern eine erneute Verschlimmerung ein- getreten. Die Auflösung steht bevor. Wien, 1. December. Der Aufstand in Albanien nimmt große Dimensionen an. Dem „Neuen Wiener Tgbl." zufolge find hier an maßgebender Stelle hochernste Meldungen etngelaufen. Aus Konstantinopel erfolgen neue Truppeu- nachschübe. Man ist sehr erbittert über die Unruhen, welche Bulgarien im UeSküb hervorgerufen hat. Die Pforre sandte eine scharfe Verwahrung nach Sofia. Djakovar ist von 3000 Albanesen blokirt. Wien, 1. December. Der Gemeiuderath hat gestern etaen Beschluß gefaßt, welcher dem Kaiser Dank für die Entlassung BadeniS darbringt. Gestern fand auf Einladung des verfaffungStreuen GroßgrundbefitzeS eine Be- fprechung statt, wobei die Vertreter dieser Gruppen und die der deutschen Fort chrtttSpartei, deutschen Volk-Partei, der chrtstlich-soctaleu Bereinigung und der freien deutschen Bereinigung bejchloffen, gegenüber der neuen Regierung solidarisch vorzugehen. Prag, 1. December. Gestern Abend wiederholten fich oie Straßencrawallr in weit stärkerem Maße. Im deutschen Theater sowie an vier deutschen Gebäuden wurden die Fenster etngeschlagen. DaS Theater wurde von zwei Compagnien Infanterie besetzt. Die Exceffe nahmen ihren Anfang mit einer Demonstration der tschechischen Studenten- schäft, welche vor dem Rathhause dem Bürgermeister eine Ovation bereitete, vor dem deutschen Theater kam eS zu einem Zusammenstoß deS Militärs mit den Excedevten. Offiziere und Feldwebel gingen mit gezogenem Säbel vor, die Mannschaft mit gefälltem Bajonett. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Die Hauptstraßen find vom Millrär besetzt. Prag, 1. December. Ja der gestrigen StadtrathS» fitzung wurde die Entfernung deS Poliz eidtrectorS Dörfel wegen angeblicher offenkundiger Begünstigung der Deutschen verlangt, während die Wache gegen die Tschechen brutal vorgehe Dörfel gestatte den deutschen Studenten, farbige Bä'der und Mützen zu tragen, obwohl von tschechischer Seite dagegen protestirt worden sei, weil dadurch die tschechische Bevölkerung provocirt werde. Die Forderungen deS tschechischen StadtrathS wurden zum Theil ersüllt. Der Polizei- Nrector ließ die Chargtrteu der deutschen Studenten.Ber- vindungen rufen und ersuchte fie, die Studenten möchten einige Zeit das Tragen von Couleurs Unterlassen. Triest, 1 December. DerLlohddampfer „Memphis" ward- gestern Nacht schiffbrüchig hier eiagebracht. Er ve-kehrte zwischen Smyrna und Triest. Auf dem Dampfer befanden fich drei Damen und drei Herren auS Deutschland. Cecalei rrnd provinzielles. Gießen, 1. December 1897. • * Das Ehrenzeichen fdr Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 16. Octoder dea Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zu Offenbach, den Oberführern Eafimtr Rudorf und Jean Geher uud dem Steiger Peter Schitz. • • Kirchendiener Knoll f. Gestern Nachmittag um 4 Uhr wurde zu Alzey die sterbliche Hülle unseres langjährigen Mitbürgers, deS früheren Kirchendieners an der Stadtkirche, Herrn Wilhelm Knoll, zu Grabe getragen. ES war ein 'wposauter Zug, der fich unter Vorantritt der Mufikcopelle eine- Mainzer Regiments und der Milttärvereine mit ihren Fahnen durch die Straßen Alzeys nach dem Kirchhof bewegte. Außer den Einwohnern Alzeys an- allen Ständen, befanden fich darunter auch nicht wenige Auswärtige, u. A. auch drei Gießener Herren, die dem treuen Manne das letzte Ehrengeleite gaben. In der Leichenhalle deS Kirchhofs waltete Herr Pfarrer Beck feines Amtes und gab dem Heimgegangenen das Zeugniß, daß er fich in allen Lagen seines Lebens als ein treuer Knecht seines himmlischen Herrn erwiesen habe. Er bestätigte auch ausdrücklich, was schon der Leichenzog zu erkennen gegeben hatte, daß Herr Knoll fich auch in Alzey viele Freunde erworben habe. Am Grabe legte Herr Pfarrer Schlosser auS Gießen einen Kranz nieder und sprach dazu etwa folgende Worte: „Im Namen und Auftrag der evangelischen Ktrchengemeinde zu Gießen, der der verstorbene über 25 Jahre lang gedient hat, ihres Kirchenvorstander und ihrer Pfarrer überbringe ich den letzten LtebeSgruß für unseren Heimgegangenen Freund. Ich thue eS mit dem Ausdruck des herzlichen DankcS für alles, was er uns tu langen Jahren in großer Treue, in geradezu vorbildlicher Zuverlässigkeit, mit wirklicher HerzenShingabe an seinen Dienst gewesen ist. Ich thue eS zum Zeugniß, daß das Andenken deS lieben Heimgegangenen bei uns nicht verlöschen wird. Eine eigenartige, festgeprägte Persönlichkeit, wie er war, ein schlichter Mann, und doch voll Würde, ein ungelehrter Mann, und doch voll gesunder Lebensweisheit, ein Mann strengen Diensteifer- und doch voll Freundlichkeit, ein ernster Mann und doch mit einem so köstlichen Humor begabt, hat fich seine Gestalt fest in unsere Herzen geprägt. Der treue Gott schenke ihm nach einem in rastloser Arbeit unb ia unermüdlicher Pflichterfüllung zugebrachten Leben die ewige Ruhe!" • • Eutgegeukomweu. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: Auf eine Eingabe deS VeteranenoeretnS der Hessischen Dtvifiou hin hat da- Gouvernement zu Mainz genehmigt, daß bei Beerdigungen von verstorbenen Kameraden des genannten Vereins jedeSmal eine Milttärcapelle mttgeht, und zwar kostenlos. Bei jedem dem Gouvernement fettens deS VereiuSvorstaudeS angezetgten Sterbefalle wird vom Gouvernement aus eine der hiesigen Militärcapelleu, uud zwar abwechselnd, zur Begleitung beordert. Heute Nachmittag schon tritt dieser Fall zum ersten Male ein. * * Zu Amerika verstorbene heffen. Philadelphia, Pa., Philipp GuckeS, 76 Jahre alt, aus Hrssen-Darmstadt. Wauseou, O., Frau Anna W. Gilgen, 83 Jahre alt, aus Höchst. Johutown, Pa., George Hoffmann, 69 Jahre alt, auS Eichel-- dorf. St. Agatha, Canada, Frau Anna Catharina Sch äf er, geb. Reubltug, 90 Jahre alt, aus Wallersdorf. Carthage, LewiS Couniy, N. A/Frau Helene Ltndftruth, 72 Jahre alt, aus Darmstadt. New Aark, Hermann H e y dt, 55 Jahre alt, aus Grünberg. Lauterbach, 30. November. Der Polizetdteoer Stoll von hier stürzte in der stürmischen, duukelen Nacht vom Sonntag auf Montag am Siechberg bet einem Wachtruud- gang so schwer, daß er einen Beinbruch erlitt. — Vorige Woche fand man bet Hopfgarten dicht am Schtenengeletse einen Mann erhängt an einem Baume vor. — Gelegentlich einer Jagd in dem Romröder Wald fand man in der Nähe eines Bahnwärterhäuschens einen vollständig verwitterten Meuschen-Schädel. Darmstadt, 30. November. Au den GruudauS- hebuugsarbeiren für das Fundament deS neuen Museums wird gegenwärtig, begünstigt durch die noch recht förderliche frostfrete Witterung, sehr lebhast gearbeitet. — Hochschul- Vorträge zum Besten von Stipendienzwecken für Studireude finden im kommenden Jahre nach in früheren Jahren bewährter Institution wieder statt. ES werden sprechen Prof. Harnack über Wilhelm v. Humboldt, Prof. Schenck über Wechselbeziehungen zwischen Ameisen und Pflanzen im Tropenwald, Privatdoeent Noack über griechische Kultur in Italien, Prof. Gutemuth Über Einfluß der Technik auf amerikanische Lebens- uud Verkehr-Verhältnisse, Prof. LePfiuS (der dem letzten tntrrnationaleu Geologencongreß in Moskau uud den Excurfiouen, die fich daran kaüpftrn, beigewohnt) über Retse- eindrücke in Rußland, Prof. Hangen über Robert BuruS, den bekannten schottischen Lyriker, lieber die in die Zeit zwischen 15. Januar und 16. März 1898 fallenden Vorträge werden wir Ihnen jeweilig kurz referiren. — Heute Abend ging, als erstes Sheak-speare-Stück in der Saison, „Der Kaufmann von Venedig" auf unserer HofbÜhue in Scene, und zwar in trefflicher Aufführung vor stark besetztem Hause. Lampertheim, 28. November. Der Laudwirth Lösch von hier, der mit seinem Schwiegervater, dem Landwirth Klingler, wegen Vermögensangelegeuheiteu tu Feindschaft gekommen war, gerieth mit diesem auf dem Feld in heftigen Streit, der zu folgenschweren Thätlichkeiten auSartete. Lösch v:rsetztr seinem Schwiegervater mit einem Wagenscheit mehrere heftige Schläge auf Kopf und Schulter, so daß derselbe schwere Berletzungeu davontrug. Lösch selbst erhielt von seinem Gegner mit einer Mistgabel vier Stiche in Gesicht uud Schultern. Beide Thäter, die ein unbescholtenes Vorleben haben, liegen hart darnieder. WorwS, 29. November. Das HauS Cornelius Heyl veranstaltete am vergangenen SamStag Abend zu Ehren seiner diesjährigen Jubilare in dem festlich btco rtrten Vereinshause der Fabriken eine größere Feier, welche unter Mitwirkung des Gesang- und Jnstrumental- vereinS sowie deS KnabcnchorS der Firma einen sehr schönen Verlauf nahm. Die Feier galt den Jubilareu Nicolau- Kleber hier, Georg Hauck hier, Heinrich Kraft auS Wie-- Oppenheim, die in diesem Jahre ihr 50jähriges Dienstjubiläum im Hause Corneliu- Htyl begingen, dem Aufseher Karl Annheiter aus Pfisfligheim mit 40 Dienstjahren, sowie 18 Arbeitern mit 25 D'enstj^hren. * Plaue», 30. November. Die Appretur- und Färbereifirma Georg Schieber in Reichenbach stiftete bet ihrem 50jährigen Jubiläum ihren Arbeitern und Beamten 100 000 Mk. Der Chef schenkte überdies 60000 Mk. zu einem Arbeiterheim. • Amsterdam, 30. November. Der Banquier A. C. Wertheim, Chef deS hervorragenden Bankhauses gleichen NarnenS, ist heute Morgen plötzlich gestorben. * Victoria (Britisch-Columbien), 28. November. 25 Berg- leute find heute von Dawson City (Klondyke) hierangekommen und haben 10 000 Pfund Goldst a'ub und Wechsel im Betrage von einer Million Dollar mitge- bracht. Die ihnen gehörigen Goldgruben schätzen fie auf Dollar- 15,000,000. Die Bergleute berichten, daß 700 Goldsucher nach Fort Aukon gezogen find, um nicht Hunger- zu sterben uud 200 außerdem über Land die Küste zu erreichen suchen. Am 15. October wurden zw:i Leute in Dawson Ciiy wegen Stehlen- von Nahrungsmitteln er chossev. Der Sack Mehl kostete damals schon mehr als 50 Dollars. • vadeui-Witze. Aus Wien werden folgende Badeni- Witze, die gegenwärtig in der Kaiserstadt an der Donau die Runde machen, mitgetheilt: Graf Badeni wurde von einem Bekannten befragt, weßhalb er nicht den Abg. Wolff nieder- geschoffen hätte. Badeni antwortete: Auf Wölfe schieße er nicht, er begnüge fich damit, „bloß Böcke" zu schießen. Abg. Wolff wurde gefragt, warum er Badeni in den Arm und nicht ins Bein geschossen habe. Darauf erwiderte er: Ja, sonst hätte er nicht „gehen" können. — Graf Badeni stieg in einen überfüllten Trambahnwagen, wollte aussteigen, konnte aber bei dem Gedränge nicht zur Thür kommen. Ec rief dem Conducteur zu, er solle ihm doch Platz machen. Darauf sagte der Schaffner: „Wissen'- was, rufen'S nur: Hoch Badeni! Dann werden'- gleich draußen fein." • Grob. Gattin: „Warum heult kenn der Hund so fürchterlich?" — Gatte: „Vielleicht hat er gestern gehört, daß Du heute kochen willst." Eingesandt. Betr. Theaterbesuch. Mehrere auswärtige Freunde deS Theaters unterstützen lebhaft den Wunsch, eö möchten die Vorstellungen, zumal wenn berühmte Gäste (z. B. Richard von Stuttgart u. 21.) mit herangezogen find, um 7 Uhr oder doch ganz präcis um Ve8 Uhr beginnen. Man sollte diese Rücksicht auch auf auswärtige Theater-- besucher unbedingt nehmen; im anderen Falle (Anfang 8 Uhr) müssen dieselben fast alle viel zu frühe die Vorstellungen verlassen; Manche, die sonst kommen würden, bleiben zu Hause, zumal daS Theater so wett von der Bahn entfernt liegt, auch nach >/,10 Uhr kein OmnibuS mehr geht. N. und L. Das Eingesandt in Nr. 281 d. Bl., des Inhalts, daß die Theaterdirection früher mit den Vorstellungen beginnen möge, wird schwerlich die allgemeine Zustimmung der Theaterbesucher finden. Die Festlegung des Beginns um 6 Uhr bezw. 6'/, Uhr würde da» Fortbleiben der Geschäftsinhaber und ihrer Angestellten, der Beamten und Arbeiter, die meistens bis 7 Uhr in ihrem Berufe thätig fein müssen, zur Folge haben. Die Forderung des 6 Uhr-Beginns darf man eigentlich nur Leuten zutrauen, die täglich über 24 Stunden freie Zett verfügen; die Zahl derselben mag in Gießm zwar nicht ganz gering, aber doch nicht ausreichend oder die ihr Zuzuzählenden nicht gewillt oder sonst in der Lage sein, den Theaterwal zu füllen, ihnen dürfte es aber auch nicht darauf ankommen, ob sie einmal eme Stunde früher oder später in die Federn schlüpfen. Wenn verehrltche Theaterdirection den Versuch machen wollte, etwa um eine halbe Stunde früher zu beginnen, so wäre vielleicht ein Mttel- weg gesunden, ober schon um 6 Uhr oder 6‘/e Uhr beginnen, hieße doch den Interessen der Einwohnerschaft zu wenig Rechnung tragen. Einer von den Vielen, die sich die Stunden zum Theate, besuch sozusagen stehlen müssen. CUetaiut und Rr-rM — Aberglaube und Strafrecht. Ein Beitrag zur Erforschung des Einflusses der Volksan^chauungen auf die Verübung von Verbrechen von Aug. Löwenstimm. Mit einem Vorwort von Dr. I. Kohler, Professor der Univerfität Berlin. Verlag der Stuhr'schen Buchhandlung, Berlin. Preis 2,50 Mk. — Da» Buch bietet eine hochinteressante Studie, die sowohl in juristischen Fachkreisen, als auch bet allen gebildeten Lesern größtes Aufsehen erregen wird. Der Verfasser, Jurist von Fach, weist seine Berufsgenossen auf eine Aufgabe juristisch-richterlichen Studiums hin, die bisher stark vernachlässigt wurde. Die Darstellung ist leicht und flüssig, unb eine Reihe von interessanten Processen, die darin Der» öffenilicht sind, erhöhen den Retz der Lectüre. Jedem Gebildete«, der sich für solch brennende Fragen der Gegenwart auf diesem Gebiete interesstrt, sei das Buch angelegentlich empfohlen. Nniverfitäts - Nachrichten. — Das deutsche archäologische Institut und andere wissenschaftliche Institute in Rom und an anderen Orten Italiens sandten Prof. Mommsen ihre Glückwünsche zur Feier des 80. Geburtstages des Gelehrten. Auch die römischen Blätter beglückwünschen den Jubilar. — Berlin, 30. November. Obwohl Professor Theodor Mommsen sich durch seine süddeutsche Reise persönlichen Empfängen entzog, gingen ihm doch zu dem heutigen 80. Geburtstage zahlreiche Beglückwünschungen zu, darunter eine künstlerische Adresse der Berliner Universität, worin ber schöpferische und allumfassende Geist neben der exacten und sorgfältigen Etnzelarbeit des Jubilars, sowie die bls heute erhaltene jugendlich-feuertge Willenskraft im Forschen und Handeln gepriesen werden. Weitere Adressen überreichten die philosophische und juristische Facultät, letztere in Gestalt einer tabula gratulatoria mit einer von Pros. Eck verfaßten Inschrift, sowie einen Ebrenburgerbrief der Stadt Ebarlottenburg, die mit Genehmigung des Kaisers eine neue Straße Mommsenstraße benennt, ferner zahlreiche Universitäten, Akademien unb Körperschaften rc. — Der Professor der germanischen und romanischen Phllologie an der Universität Christiania Unger ist gestorben. Wöchentliche Uederstcht der Todesfälle i« Gießen 48. Woche. Vom 21. November bi» 27. November 1897. Einwohnerzahl: angenommen zu 23 700 (incl. 1600 Mann MUttdr). Slervltchkett-ztffer: 8,77, nach Abzug der Ortsfremden 6,58%?. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom l.Lebrn-jahr: 2.—15. Jahr: Lungenschwindsucht 11 — — Gehirnschlagfluß 11 — — Gehirnerweichung 1 (1) 1 (1) — — Herzkrankheit ________1__________1___________—__________~~ Summ«: 4 (1) 4 (1) — Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Tode-fälle in der betreffenben Krankheit auf von au-wärt- nach Gießen gebrachte Kranke kommen. -9331 Meine Wohnung im Nedenhauk an ruhige Familie u oermiethen. Cenoeafft. 8. 9567] Sin freundlich mflbltrtet Zimmer zu vermiet den. Wo? sagt die Sroedition d. Bl 10951] Lchön mödlirteS Zimmer za vermiet den. Vahmtzofst» st 1, III. 86671 Sin möbl rteS Zimmer mit ober ohne Sabtnet sofort zu oermiethen. ®UrttpUM 9. •xexexxexexe [BehSrdlicheAnzeigen| 1 1 10943 zu richten und Hausarbeit. Mieth-Gesuche c. 10950 10907 dieses Blattes erbeten. Q» % 1U953 zu haben bei so- C. G. Kleinhenn, Bahndofftr. 59. Telephon 66. Gummischuhe 10946 empfiehlt bewillige ich bis Weihnachten gegen Baarzahluug Tchaufenfterpreife ausgenommen OD lität. 10800 Täglich frische Sendung .bet A. & G. Wallenfels, 15650 PUrft »t Telephon 4«. wir der Beachtung unserer Leser empfehlen. 10941 Die Gemeinde B iSktrchen, Kreis Wetzlar, will einen schönen Zucht stier, Vogelsberger Raffe, kaufen. Angebote find an den Gemeindevorsteher Simon zu Biskirchen eltliich-Reiuleinen ettüicii-llalbiebieii ettluch-Cretoiuie eUlucb-Biber I bE 8 uhr (fast neu), 30 Spiegelgläser rc.; ebenfalls zwangsweise vorauSstchtlich theilwetse bestimmt: 1 Kuh, eine Amahl Boblen, drei Hobelbänke, 25 Malter Kartoffeln, 1 großer EiSschrank, 1 Ladeneinriat» ung, 1 Bett, 3 Sophas und sonstige Mobilien, 2 Ballen Kaffee, eine Partie Cigarren und Rohtaback, dtv. Oelbilder rc. zahl Kragen und Kindergarnituren; zwangsweise: X Sack Ropgenmehl, eine Anzahl Bäckereigeräthschaften, 1 Sopha, ein B'odregal, 1 Nähmaschine (noch neu), 1 goldene Remontotr Taschen- |*Steiton^esuche*ll| 10.-61] Zunge- Kaufmann sucht per 1. Januar, auch später, Stelluna als Somplotrist ober Reisenber gleichviel welcher Branche Beste Zeugnisse stehen zu Di- nsten. Gest Off. unter H. n. 10381 an ble Ex» peb die Bl. erbeten. Friedrich Magnus, 10 «etdeugafie 10. $6tnut4t«e, den 1. Tecembtr 1897t Im Abonnement. Zum , weiten Male! 9er ©pnofialbirrdor. Schauspiel in 4 Acten von Eugea Zabel und Alfred Book. Ancken-Apparate, Gradhalter, VrthopadischkMaschiikv und künstliche Glieder, Dr. Schindlers Patent'Seradthalttr, Alle Sorten Vtnden u. Bandagen sowie ruöpensorien, 1 für die schlimmsten Fälle paffende [5054 Brachbänder j werden auS bestem I Material zu billigstem Preise angefertigt. Otto Heger, Bandagist u. Orthopädist, Marklftraße Ar. 16. FQr Mitglieder nur im Vorverkauf (bei weiterem Bedarf): Erstes Parquet Mk. 3 —; Zweites Parquet Mk. 2, — . 10942 Nach Schluss des Theaters bei ungünstiger Witterung Omulbusverbindung nach verschiedenen Richtungen. Danksagung. Für die mir trotz vorher nicht möglich gewesener Anzeige gewordene Theilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Mutter sage ich hiermit allen Freunden und Bekannten herzlichen Dank. ««gebot btr erMtnrbmcrt 2 Brod», 1 Feinbäcker, 1 Schriftsetzer, Tap-zier, 1 Baufchlosftr, 7 HauSburschen, 1 Gartena-beiter, 1 Bunaudtener, Einkafstrer, 1 Krankenpflegerin, 2 Lauffrauen, 1 Köchin, 3 Dienstmäochen, CommtS, 2 Bureau- u 1 Schreibgehülfe- Staftfra«« der vrdeit-edr» r 6 Keffellchmi de, 5 Stemmer, 6 Maschinen» schloffer, 2 Monteure, 5 Nieter 3 Dorzeichner, sämmtlich für dauernde u. lohnende Accordarbett, 3 Dr chSler, 2 Buchdndrr, 2 tüch' Spengler, 1 I, ftallateur, 2iücht. Vloser bet hobem Lohne, 1 tüchr. Sattler, 2 tüchtige Bauschloff-r, 1 Schneider auf Werkstatt, 1 Schuhmacher auf Werkstatt, 6 Taglöhner, 6 Dienstmädchen für Küche 10944] Ein junges Mädchen sucht per 1. Januar oder früher Stelle als Stütze der Hauöfrau oder zur Führung eine» Haushalts. Offerten unter ?lr- 10944 an die Expedition dieses BlatteS- 10936 «ngel Gerichtsvollzieher^ Ibhactien: X. Vchehd». — Druck und Berlaq bet Brüblffchen UniversitätS-vuch- und Kteindruckerei (Pietsch * Echeyda) io Gießen. Are Heutige Kummer umfaßt 8 Seite« Städtischer Arbeitsnachweis Gießen ßyarteuftraste 2. Zur Chriftbescheerung für die Bedürftigen der Johaunesgemeiude — etwa 70 Familien — werden noch Gaben erbeten (Kleiderstoffe, Kleidungsstücke, Weißzeug, Geld). Gaben wolle man gütigst im Pfarrhaus Südanlage 8 abgeben laffen. Gießen, den 30. November 1897. Der Kirchenoorftand der Johannesgemeinde. Dr. Naumann. Bllletw: in der Musikalienhandlung Ernst Challier (Rudolph’s Nachf.), wie an der Abendkasse: Erstes Parquet Mk. 3,50; Zweites Parquet Mk. 2,25. Studentenkarten Mk. 1,—. Schülerkarten Mk. 0,40. Gallerie Mk. 0,60. Finna H. Kühn, Seltersweg 36 hter, hat der heutigen Gefammtauflage unseres Blattes einen Profpcct über ihr reichhaltiges Lager von Luxus, und Gebrauchsartikeln beigelegt, welchen Bahnhofstraße 83 empfiehlt besten westfälischen Gascoks, alle Sorten Kohlen, Briketts, Klötz, Brennholz, fuhren- und centnerweise, billigst bei bester Qua. Theater-Verein. Mittwoch den 8. December, Abends 8 Uhr präcis, im Festsaal (Leib’scher Saal) Wallthorstr., ausgeführt von Mitgliedern des Giessener Stadttheaters, unter Mitwirkung des Herrn Oscar Bohnee vom Cölner Stadttheater: Die Journalisten. Lustspiel in 4 Acten von Gustav Freitag. Eduard Ollmanos Buchdruckerei 13 Schlossgasse 13 empfiehlt sich zur Anfertigung von Druckarbeiten aller Art in kürzester Frist bei billiger Berechnung. 10901 empfehlen billigst C.Röhr&Co Donnerstag dkn2 iecbr 1897, Nochmit'agS 2 Uhr, im Psa« (Neustadt 55) zu Gießen werden durch den Unterzeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigert: a. im Auftrage des Herrn I. Weitzenkorn zu Gießen auS d'ffen kürzlich auf« gegebenen Pelzwaarengeschäff: ca 50 Muffe und eine größere An» r Ausverkauf r • NllDtll, X • Pllppknköpsk, • 5 puMMchkll, L x Strdt, x • KüchkNtmrichiiillgell, • § piippkMgdel, 2 X Waschilslhk, x Sflnflöhtn, X S MrdkSäUk, • Kachtivagkn, • x Kescllschaftsspieie x J in reicher Auswahl J g und zu sehr billigen Preisen. J X Louis Frohnhäuser, * 7 MäuSburg 7. •xexoxxexoxe aus seitherige Verkaufspreise. 10»m A. Docter ^^ermiethungen^J 10954] In meinem neuen Hause Rodhelmttstraße 28 MansardenlogtS, 2 Zimmer, Küche mit Wafferleitung und Gartenantheil zu oermtethen- _______PH. Kröck, Dachdeckermeister. 9185] Lch. Parterrewohnung 4 Zimm., Madchenstube u. all Zub, zu verm. Eckh. der Schiller- und Steinstr- 85 im 2. St, 10596] Eine Parterrewohnung, bestehend auS 8 bis 9 Zimmern mit Zu» bebör und Gartenantheil, ist vom 1 Avril 1898 ab zu verm. ^r««kfurterstr. 24. W566] Logt?, Ü Zimmers Küche neblt Zubehör, 1. Etage, sofort zu oermtethen- ____________L- Seidel Sonnenstr. 2. n,567] MansardenlogtS, 2 Zimmer sofoit zu oermtethen S. ßtzeidel, Sonnenstr. 2. U ii r« Hrnuiuj Tapezier. Gießen, den 1. December 1897. Einen SchreinergesrUen der selbstständig arbeiten kannt, sucht sofort Juki«- VeNoff. Beuern bet Gießen. Ein tülhtigkk Gkscllk kann sofort einireten bei 10879 g. Walther Echmiedemeister. Gesucht eine Woh«u«g, 6 Zimmer mit Zubehör. pari- oder 1. Etage, für 1 April. Offerten an die Expedition diese- Blatte- unter_ SP. 10940.___________' 10940 ^"steHer^AngeboteT^ Dtteilrtifeobtt für Landkundschaft von einem Manufaktur» waareng'schäff gegen hohe» Salatr sofort oder per 1. Januar gesucht. Offerten unter Nr. 10907 an die Expedition Frisch geschosseue Hllsev, neuen Pariser Kopfsalat empfiehlt 10948 Hch. Klotz, MäuSburg 17. Prima Schellfische, Hechte, Zander, Eavltau, Seezungen, «teinvutte«, Salm, junge Welschhahnen, Gänse, «Uten, Capaune« Hahne«, Taube« 10264] sttn«t«a«d«S«h««deFro«t- zimmer, müdlirt oder u«u»0d»trt, z» v.rmtetde». «arkiplatz 47. 10706] Dammstr. 24 tm 2 und 3 Stock ei« möbl. Zimmer zu oermtethen. 8537] vai»«hosfir. M IV find 2 schöne unmäditrte Zimmer per sofort oder später zu vermietoen. «4lh. Sieiber. zum Alleinbewobnen — Ecke der Garten» und Bergftratz — 11 Zimmer, Badezimmer rc. enthaltend, per 1. Januar 1898, eventl. später, zu vermieden oder zu verkaufen. 10381 _____________tUin A Meyer. 107951 Neustadt 1, vadn» Hofstraße, 2. «tage, t« «ine schöne Saleon-Wohuuug, 4 Zimmer mit ZuvehSr, per I. Kebruar 1898 oder später zu vermiethe« Näheres Sreufiadt 78, 1 Tr. Eckhans ZlrpiM- u. LleiM Parterrer Laden mit 8 Zimmer«, Küche re., 1. Stock: 6 bi» 7 Zimmer Küche ic., 8. Stock r 5 Zimmer mit Zubehör zu vermiethe«. 10371 Wiuu. 6695] Der 1. Stock meines Hauses (7 Zimmer) nebst Zubehör ist per sofort zu oermiethen- W. Vecker, Photograph, Bahnhofstr. G550] Im Nebenhause Marburger» straße 18 ist eine kleine Wohnung an ruhige Familie alsbald zu oermietcen. 9286] 2. Stock, beit. au6 6 Zimmern, Küche, 2 biS 3 Kammern, 2 Kellern und Gartenantheil, bis zum 1 Februar evtl, auch früher zu oermtethen Löbrrstraße 10. _Zu erfragen LSderstr 11, I.________ 9404] Schöne Famtltenwohn (4 Zimm mttZub.) p s. zu verm Wtlhelmstr. 3,1 II. 100<8] b auch 6 große Zimmer mit Zubehör, neu hergerichlet, sowie 3 un» möbltrte Zimmer Bahnhofstraße 54 zu oermiethen__________________________ 1' 029, 3 Zimmer mit Zubehör und großer Werkstatt Grünbergerftraße 3 zu oermiethen.______________________________ OOtXaOOOOOOOQOOOOOODDOO Löwen -Drogerie | W. Kilbinger — Seltersweg Nr. 52 — empfiehlt ihre vorzüglichen Thee- mischungen wie: Familienthee per Pfd. Mk. 3. Haushaltthee per Pfd. Mk. 4.—, Gesellschaftsthee per Pfd. Mk. 5.— in i/i und 11 Pfd. Staniol- Packung. 10213 Harzer Kanarienvögel iHahnen und Weibchen) zu haben. 1(917__________Go»«4«firatze ii. (vermischteAnzeigerTI 10945] Wtttwe nimmt Arbeit t« R&bt« und stzlick«« tm Hause an. Nähere- in der Expedttion b Bl Giessener Stadttheater «ittmoch, den 1. December 1897 , Don Carlos. Dramattsche- Gedicht in 5 Acten von Friedrich voa Schiller. Schreibhülfe gesucht für das Comptoir eines hiefigex Fabrrkgeschäftes. Off'rt.u. Nr. 10898 an die Exoed, d. Bl. erbeten. Lehrling für daS Comptoir eine- Fabrikgeschäftes gesucht Gcfl. Offenen unter K. 10837 an die Exvebition d Bl.________________ Ein ünkchi fofort gtfudjl. 10949 PH rchwa« I., Neustadt 43,_ 10952] E n ordenil. sünaereS Mädchen tagsüber sofort gesucht. Dammstr. 84. ZweiDienftmädchen alsbald gesucht. 10899 Neue Kliniken.