Nr. 282 Zweites Blatt. Mittwoch dm 1. De-ember 1897 Der Gktener Jhtjtigtr erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montag». Die Gießener A>«mikieuv tätter Werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger. vierteljährig« ASounemeul-preis t 2 Mark 20 Pfg. eit vringerloho. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Lxpeditiwr und Druckerei: -chutgratze Ar. 7. Ferusprecher Mc Amts- und Anzergeblcrtt für den Atrer§ Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Gmtisöeilage: Gießener JamitienKkätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" cntgey». Errichtung einer öffentlichen Bibliothek und Lesehalle in Gießen. Im kleinen Saale des Hotel Einhorn kamen am Sonn« tag Vormittag ca. 30 Herren aus der hiesigen Einwohnerschaft zusammen, um in vorbereitende Berathungen über die von verschledeneu Setten angeregte Errichtung einer öffentlichen Bibliothek in Gießen nach dem Borbilde anderer Städte einzutret?n. Herr Prof. Dr. Wetz ging zunächst kurz auf die Geschichte der BolkSbtbliothrken in Eagland, Amerika und Deutschland eiu und das, waS tu dieser Beziehung von der Gesellschaft für ethische Cultur u. A. in Berlin geschehen. Er stellte aus mitgetheilten Erfahrungen fett, daß daS Bedürfuiß nach Lcctüre allenthalben vorhanden, ging unter Hinweis auf die g"oße Verbreitung der Solportage-Literatur, insbesondere diejenige der Schauerromane, sowie auf die daraus sich ergebenden Gefahren für unser Volksleben ein. Andererseits sei aber daS Bedürfniß nach guter Lectüre bewiesen durch die Erfolge, welche die bestehenden großen Bibliotheken auf« zuweisen haben. Auf Grund einer Veröffentlichung über die Jnanlpruchnahme der VolkSbtbliothek zu Zwickau gab Herr Prof. Wetz ivtereffaute Aufschlüsse darüber, nach welcher Art Werke die größte Begehr vorhanden, woraus allerdings sich ergab, daß belletristische Werke an erster Stelle stehen. Ihren Zweck erfüllten indeß VolkSbibliothekeo eigentlich nur dann, wenn nicht nur Bücher verliehen, sondern auch Lese- ballkn eingerichtet würden, wobei wieder Gewicht -auf daS Auslegen von Tageszeitungen zu legen sei. Die Frage, ob in Gießen sich eine VolkSbtbliothek riarichten laffe, sei leicht zu bejahen- bet der erprobten Bereitwilligkeit der Stadt» Vertretung zur Förderung gemeinnütziger Bestrebungen falle jedenfalls in erster Linie die Localfrage weg und auch die Mittel zur Offenhaltung der Lesehalle seien zu gewinnen. Nachdem Herr Prof. Wetz auf Grund ziffernmäßiger Angaben noch dargelegt, daß von den auSgeliehenen Büchern ein sehr niedriger Prozentsatz verloren gehe, empfiehlt er für Gießen die Einrichtung einer Lesehalle, über deren Werth Niemand im Zweifel sein könne. — In der weiteren Verhandlung, in der sich Stimmen gegen die Errichtung eines dem Lese- bedürfniß zweckmäßig Rechnung tragenden Instituts nicht erhoben, wurde von Herrn Prof. Dr. Gundermann die Berücksichtigung der Einwohnerschaft in der Umgebung GießenS empfohlen. Einige besonder- zur Beurtheilung der auf die Anschaffung von Büchern bezügliches Fragen vielleicht werthvolle Angaben deS Berichts der Lesehallen zu Jeua sollen hiermit sich dem für da- Zustandekommen einer solchen Gießen interesfireuden Publikum mitgethrilt werden. Dabei sei noch vorausgeschickt, daß in Jena die Lesehalle täglich 13 Stunden (Sonntag- 12, Werktag- 11 Stunden) geöffnet ist, daß der Besuch der Left.mmer je noch Jahreszeit und Witterung zwischen 100—200 Personen wechselt, an Sonn- tagen aber auf 300 steigt, daß namentlich in den Abendstunden von 6—9 Uhr alle Räume dicht besetzt find. Wetter ist zu berücksichtigen, daß zwar Jena an Einwohnerzahl etwa um x/i hinter Gießen zurückbletbt, tndeffen hinsichtlich der Acbeitrrbevölkerung günstiger steht, weil dieselbe der Natur ihrer Beschäftigung (Feinmechanik, optische Werkstätten rc.) nach eine beffere Allgemeinbildung besitzt und fast au-nahm-- lo- in der Stadt wohnt- tu Gießen würde deshalb Rücksicht auf auswärts wohnende Arbeiter zu nehmen sein. In Jena betrug bei einem DurschnittSbrstand von 5000 Bänden die Zahl der Entleihungen im Berrchtsj-Hr 52762 Bände, e- kamen auf einen Band sonach 10,2 Entleihungen. Immerhin blieben eine Menge von Wünschen unbefriedigt, namentlich konnte der Nachfrage nach technischen Büchern für den Bedarf der intelligenten Arbeiter und Handwerker nicht genügt werden, ebenso fehl'e es an Büchern, welche Nebenzweige der Landwtrthschaft behandeln, au Lectüre belehrender Art für Musiker u. s. w, ganz zu schweigen von dem Vielen, waS von den Mitgliedern der gebildeten Kreise vergeblich gesucht wird. Die Frage: „WaS wurde gelesen?" beantwortet der Bericht wie folgt: In erster Linie — wie immer — unterhaltende Schriften - und doch ist daS Ergebniß ein gute- Zeugntß für die durchschnittliche Richtung des Publikums. Die UnterhaltungS- lectüre umfaßt in der Jugendzeit einer öffentlichen Bibliothek sonst immer 70 bis 80 Procent alle- Gelesenen - tu unserem Fall kann sie nur auf 64,5 Procent berechnet werden (rund 34,000 Bände): Auf die schöne Litteratur höheren Styl- entfielen etwa 8,5 Procent (4500 Bände), beide Rubriken zusammen umfaffen also 73 Procent. Die Werke der besten modernen Schriftsteller nehmen einen großen Raum ein. Auf Conrad Ferdinand Meyer-Wecke entfielen 171 Verleihungen- jedes Werk wurde im Durchschnitt 19 mal gelesen. Auf Freitag- poetische Werke 442 Verleihungen: ein jede- wurde im Durchschnitt mehr als 20 mal gelesen. Auf Rosegger im Ganzen 472, auf jede- Werk fast 24 Verleihungen- an der Spitze aber stehen Storm- Novellen mit 539 au-geUeheoen Bänden, von denen jeder im Durchschnitt 27 mal gelesen wurde. Es bedeutet dem gegenüber nicht-, daß weniger werthvolle Schriftsteller, ja auch werthlose wie Marlitt und Heimburg, auf noch höhere Ziffern kommen: wir werden gleich sehen, daß selbst diese in der Gunst de- Publikum- nicht höher stehen, al- gewiffe Bücher ernster Natur. Unter den Schriften belehrenden Inhalts, die etwa 27 Procent de- Gelesenen umfaffen, steht oben an bie Gattung Theodor Mommsen. Ein Glückwunsch dem Achtzigjährigen. Zum 30. November 1897. Von Dr. Ewald Lange. (Nachdruck verboten). Die characteriftische Gestalt Mommsens ist in seinem Wohnort Charlottenburg so bekannt, daß selbst der Posten stehende Schutzmann beim Anblick des kleinen beweglichen Herrn, deffen lange Haare der' Silberglanz schmückt, dessen Antlitz von einer abgeklärten Ruhe übergossen scheint und dessen Augen so scharf durch die Brillengläser schauen, — die Hand an den Helm legt und „'n Morjen, Herr Professor" seinen Gruß entbietet. „Danke, danke", antwortet dieser freundlich und ist im nächsten Augenblick um die Ecke verschwunden. Und wenn ein Fremdling aus dem Nubierlande Berlin besuchte und dem Geburtstags - Kinde begegnete, so würde er sicher ausrufen: „So kann nur ein deutscher'Professor aussehen ... ." und damit hätte der Fremdling recht. Professor Mommsen ist der Typus eines deutschen Gelehrten; zäh im Arbeiten, zäh im Denken, zäh im Forschen, zäh im — Leben! Ec nimmt es selbst mit dem Gevatter Tod noch auf und hält sich ihn drei Schritt vom Leibe... Mommsen hat viel erduldet in diesen achtzig Jahren, denn er war nicht immer auf Rosen gebettet, den Kelch der Widerwärtigkeiten des Lebens hat er bis auf die Neige leeren müssen, — aber diesen Character vermochte nichts zu beugen. Unentwegt schritt er vorwärts auf seiner Bahn, bis er heute ein Ziel "erreicht hat, das nur wenigen Sterblichen vergönnt ist. „Unser Leben währet siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, .... und wenn es köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen". Und das Leben Mommsens war in der That köstlich, aber es war auch lediglich Mühe und Arbeit. In dem Städtchen Gardinq in Schleswig-Holstein wurde Theodor Mommsen am 30. November 1817 geboren, zwei Jahre später vergrößerte sein Brüderchen Tycho die Familie und wiederum zwei Jahre darauf kam der kleine August zur Welt, — da war die Gelehrtenfamilie fertig, denn auch Tycho und August sind tüchtige Philologen geworden. Der Erstere trat 1885, der Letztere schon 1883 in den wohlverdienten Ruhestand. Theodor Mommsen erhielt seinen ersten Unterricht im väterlichen Hause, besuchte dann das Gymnasium in Altona und studirte in Kiel Philologie und Jurisprudenz. Als zwanzig, jähriger Student schrieb er seine erste, lateinisch abgefaßte Schrift, welche in das Gebiet der römischen Alterthumskunde htnübergriff, — ein Thema, dem er später sein ganzes Leben weihte. Die Gelehrtenwelt wurde auf den Jüngling, der inzwischen die Stellung eines Privatlehrers in Altona angenommen hatte, aufmerksam, und so ermöglichte es ihm die Unterstützung der Berliner Akademie, daß er vom Jahre 1844 bis 1847 Südfrankreich und Italien zwecks archäologischer Studien bereisen konnte. Im „tollen" Jahr 1848 kehrte Mommsen in die Hei- math zurück; — wie all' seine (Kommilitonen, so war auch er ein begeisterter Anhänger des Liberalismus; in der Sturmund Drangperiode des Volkes stellte er sich ohne Zögern in die vordersten Reihen derer, die Gedanken- und noch viele andere Freiheiten forderten. Mommsen sattelte um und übernahm die Schristleitung der in Rendsburg erscheinenden „Schleswig-Holsteimschen Zeitung". Indeß erwies er sich nicht als Held der Feder und legte daher sehr bald die Scheere wieder nieder, zumal er einen Ruf als außerordent- licher Professor der Rechte nach Leipzig erhielt. Aber auch hier stand der neugebackene Professor treu zur Sache des Volkes, die freiheitlichen politischen Bestrebungen fanden in ihm einen der eifrigsten Förderer. Als bann der Rückschlag erfolgte, als die Reaction eintrat, machte man auch mit dem jugendlichen Schwarmgeist von Professor kurzen Prozeß; man jagte ihn 1850 aus Amt und Würden, und er mußte Leipzig den Rücken kehren. In der freien Schweiz fand er Unter schlupf; von 1852 dis 1854 wirkte er als Professor des römischen Rechts an der Universität Zürich. Sehr bald aber wurde ihm Absolution ertheilt; das Vaterland rief ihn zurück Hierauf wirkte er vier Jahre lang an der Universität Breslau und kam endlich in das richtige Fahrwasser; und als er dann eine Professur der alten Geschichte in Berlin erhielt, da war er in seinem Element. Er blieb zwar Jurist und Philologe, aber seine Kraft widmete er in erster Linie der Historik, sodaß er heute als Altertumsforscher und Geschichtsschreiber wohl unerreicht dasteht. Seine „Römische Geschichte", seine Arbeiten in der großen Sammlung der Geschichtsquellen des deutschen Mittel- alterS, der Monumenta Germaniae haben seinen Namen unsterblich gemacht. Aber alle seine wissenschaftlichen Arbeiten, seine Studien, seine Reisen vermochten nicht, ihn der politischen Arbeit zu entziehen. Er hatte noch immer Zett genug übrig, um eine Landtagscandidatur anzunehmen, um sich den Wählern vorzustellen, um sein Mandat pflichtgetreu ausm- üben. Die nationale Partei des Kreises Kottbus Spremberg- Kalau entsandte unseren Professor in das Abgeordnetenhaus, dem er bis zum Jahre 1882 angehörte, — neun Jahre saß er dort auf den ersten Bänken der Linken und hat gar manchen parlamentarischen Strauß ausgefochten. Als die Wogen der politischen Bewegung hoch gingen, candidirte Mommsen auch für den Reichstag. Als „alter Achtundvierziger" nahm er sich in einer feiner Wahlreden kein Blatt vor den Mund, er sprach zu frei von der Leber herunter — und schon war das Unglück geschehen! Der die Versammlung überwachende Hüter des Gesetzes erstattete pflichtgemäß Bericht, die Zeitungen gaben die Aeußerung wieder, die politischen Gegner glossirten sie, und eines Tages hatte er sich eine Anklage wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck zugezogen, wurde jedoch freigesprochen. Heute betheiligt er sich actio nicht mehr an dem politischen Ringen der Gegenwart. Dem Mißgeschick, das das Leben mit sich bringt, stand Mommsen stets mit der Ruhe des Philosophen gegenüber. Ein furchtbarer, fast lähmender Schlag traf den alten Herrn im Jahre 1880, als feine Villa in Charlottenburg in Flammen aufging. Seine werthvolle Bibliothek wurde zum großen Theil vernichtet, unersetzbare Manuscripte wurden ein Raub der Flammen, und Mommsen selbst, der sich an den Bergungsarbeiten eifrigst betheiligte, erlitt Brandwunden. — Heute giebt es wohl keinen Gelehrten in der ganzen Welt, der unserem Mommsen vergleichbar wäre auf dem Gebiet der römischen Geschichtsforschung. Die Werke alle aufzuzählen, die er über seine Lieblingsthemen veröffentticht hat, ist nicht möglich, — aber jeder einzelne Band bildet ein erstaunliches Zeugniß von deutschem Fleiß, deutschem For- schungstrieb und deutschem Geist. Möge unserm achtzigjährigen Geburtstagskind, auf das ganz Deutschland mit berechtigtem Stolz am heutigen Tage blickt, ein heiterer Lebensabend beschicken fein, — das ist auch unser aufrichtiger Wunsch zu seinem Ehrentage. ♦ ♦ • --Da kommt eben beim „Hippodrom" in Charlottenburg, dort, wo die Straße nach dem Zoologischeo Garten abzweigt, ein kleines, weißhaariges Männchen angefprungen. Das schwingt seinen Schirm durch die Luft, blickt heiter in die Welt hinein und summt sogar eine Melodie vor sich hin. Jetzt bleibt er, immer wieder den Schirm im Kreise drehend, vor einer Droschke stehen. „Ick bebaute", sagt der Kutscher, „ick bin erster Jüte. Da müssen Sie sich schon nach hinten beieben", und er zeigt mit dem Finger nach der Richtung, wo die Droschken zweiter Klasse stehen. Der alte Herr trottet zurück. „Aber liebster Herr Professor", spricht ihn der erste der Zweitenklaffen-Kutscher an, bet war woll'n Versehen? Sie wollt'n doch nicht etwa erster Jüte fahren? Der alte Herr schüttelt lächelnd den Kopf und klettert in das Vehikel zweiter Klasse. .... So fährt der achtzigjährige Professor Mommsen von seiner Wohnung nach der Stätte seiner Wirksamkeit. Neben der Gelehrten Welt, neben seinen Schülern, neben dem deutschen Volk wird auch dieser Droschkenkutscher sicher nicht verfehlen, seinen Glückwunsch darzubringen, aber am Schluß seiner eindrucksvollen Rede wird er sagen: „’n bisken zerstreit waren Sie jetiern doch, Herr Professor, bet Fahrjeld Ham Se mich nich' jezahlt . . . ." Universität- - Nachrichten. — Der Prioaibocent an der Universität in Erlangen Dr. PHU. und Ltceol. XbcoL Ernst Sellin ist zum außerordentlichen Professor für altteftamentliche Exegese und Archäologie »n der eoongeltsch- theologischen Fakultät ernannt worden. »ach Mainz, wo um 5 Uhr im Grohherzogllchen Palai- zn Ehren bei O^fiziereorp» bei 3. Großh. Jafanterie-Regirnent» (Letb-Regirnents) f?r. 117 und der Regiment- Damen große Militärtafel (83 Gedecke) staitftndet. Abend! 8 Uhr be« ehre» die Allerhöchsten Herrschaften da- Ballfest i« renovirten Casino del Leib-Regiment- mit Höchstthrer Anwesenheit. Ihre Königliche Hohen die Großherzogin werden mittelst Sonder- znge- Nacht- 12*4 Uhr nebst Gefolge hierher zurückkehren, während Seine Königliche Hoheit der Großherzog io Mainz übernachten und sich nebst Gefolge morgen früh 7 Uhr 50 Mio. mit Sonderzug nach Pfeddersheim begeben, um dort an einer von dem Major Freiherrn v Hehl veranstalteten Treibjagd theilzunehmen. Seine Königliche Hoheit werden im Laufe del morgigen Nachmittag- wieder hi-r eintreffen. vermischtes. * Hildesheim, 25. November. Sine heitere Geschichte, die unglaublich klingt, aber doch den Vorzug haben soll, wahr zn sein, wird der „£. Allg. Ztg." von zuverlässiger Seite berichtet Sin Oeconom au- Serftadr, der, um einem Acker« W mehr Stickstoff znzuführen, diese- mit Seradella besäen will, beauftragte einen nach Hildesheim fahrenden Fuhrmann, ihm von dort 20 Pfd. Seradella mitzubringen. Der Fuhr« mann kehrt zurück, meldet dem Oeconom, daß er den Auf. trag vollführt und da- Witgebrachte auf dem Hau-flar unter die Treppe gestellt habe. Anderen Tage- beauftragte der Oeconom seinen Schäfer, die vesäung de- Acker- mit dem von Dem Fuhrmann aul Htlde-heim Milgebrachten, dal unter der Treppe stehe, vorzunehmen. Der Schäfer nimmt da- Faß und zieht damit von dannen. Kopflchüttelnd steht er sich den Inhalt de- Fäßchen- an, führt aber doch, zweifelnd an dem neuen Düngemittel, seinen Auftrag au- und besäet da- Ackerstück. Dann zieht er heim, geht hin zn seinem Herrn und zeigt ihm von dem neuen Düngemittel noch einen O Sroßea-Vufeck, 28. November. Der Mühlenbesitzer Schmidt von der hier gelegenen Weismühle stürzte gestern bei Albach von seinem mit Säcken schwer beladenen Wagen. Durch den Sturz erlitt er so schwere Verletzungen, daß er bald darauf verschied L. Leidhocken, 28. November. In unserem Dorfe, da- rund 370 Einwohner zählt, hat sich ein praktischer Arzt niedergelaffen. Die Wohnsitze der Aerzte in der Umgegend find Mockstadt, Florstadt, Reichel-Heim und Schzell. Um die Lücke, die durch da» Ableben de- Herrn Dr Prinz in Nidda entstanden ist, au»zufÜllen, stehen etwa drei oder vier jüngere Herren in Aussicht. § Bermuthshain, 25. November. Zur Warnung möge folgender Vorfall dienen: Mihrere Schulknaben spielten im nahen Walde, theilten sich dann in zwei Parteien und warfen sich gegens-lttg mit Fichtenzapfen. Hierbei erhielt der zehnjährige Sohn des hiesigen Schuhmacher- Oechler einen Wurf an das rechte Auge. Auf ärztlichen Rath mußte der Junge m die Augenheilonstalt nach Frankfurt verbracht werden. @6 wird verrnurher, daß der Wurf mittelst eines Steine- Leichehen ist. § Vom höheren Vogelsberg, 26 November. Der An. kauf von Christbäumchen durch Händler au- Gelnhausen, Frankfurt a. M. u. s. w. beginnt jetzt wieder. Die Händler kaufen da» Stück zu 15 bi» 20 Pfg. §§ Vom Oberwald, 27. November. Sine Rotte Holzhauer von Bermuthshain fand gestern Morgen eine Hühner« fam tlie, bestehend au» 6 gewöhnlichen Hau-HÜHnern und eirem Hahn, auf einer Buche fitzend. Sm Landwirth au» Herchenhain hotte kürzlich in Ilbeshausen 8 Hühner und । einen.Hahn gekauft, wobei ihn der Heimweg durch den Ober« I wald führte. Unterwegs hatte fich der Hühnerbehälter ge« I öffnet und die Jnsaffen desselben waren davongeflogeu. Es I wird schwer werden, die Hühner wieder einzusangen. 4- Rtdda, 29. November. Nachdem fich in der Person I befi Herrn Dr. Wilhelmy noch ein weiterer praktischer Arzt dahier niedergelassen, hat Herr Dr. Wehner seine Thätigkeie dahier wieder eingestellt. — Der bevorstehende Niddaer Markt findet zufolge neuerer Bestimmung nun am 8 December statt, und zwar Vieh« nebst Krarnrnarkt. Darmstadt, 29. November. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, sowie Ihre Hohe» Prinzessen Aribert von Anhalt nebst Gesolge begeben fich heute Nachmittag 2*/t Uhr mittelst SonderzugeS . ganz kleinen Rest vor mit dem Hinweis, daß er fich davon doch eigentlich (einen Erfolg versprechen könne. Nun steht I fich auch der Herr da- Düngemittel an und bricht in en laute- Lachen auS: der Fuhrmann hatte anscheinend den Auftrag falsch verstanden und hatte statt Seradella — Sardellen gebracht. Wie weiter berichtet wird, hat diel neue theuere I Düngemittel nicht lange auf dem Acker gelegen; denn die Sache ist sofort ruchbar geworden, und verschiedene Arbeiter hatten nicht» Eiligere» zu thun gehabt, all nach dem Acker« stück zu eilen, die Sardellen aufzulesen, fie zu Hause abzu« I waschen und zu verspeisen. Dieser Spaß hat dem Oeconomen 41 Mk. gekostet. * Leipzig, 26. November. In der hiesigen (Befangenen- I Anstalt hat sich, wie erst in den heutigen Abendstunden bekannt wird, in der Nacht zum Freitag ein forchtbarer I Vorgang abgespielt. In gemeinsamer Zelle befanden sich I zwei wegen leichter Vergehen Jnhastirte, ein 32jäheiger A.« beiter und ein 49jähriger Handwerksbursche. Letzterer sollte heute entlassen werden — er wurde aber erwürgt in feiner Zelle ausgefunden. Der Arbeiter behauptet, er habe sich in Nothwehr befunden, da fein Zellengenosse fich auf ihn gestürzt habe, au»geschloffen aber scheint nicht, daß die That im Wahnfinn geschah. Näheres dürste die Untersuchung erst ergeben. * Wie die holländischen Dorsschöne» gefreit werbe». Der Monat November wird in Holland al» der wichtigste im ganzen Jahr betrachtet. Und zwar erlangt der in anderen Ländern wenig beliebte November dort eine so außerordentliche Be deutsamkeit durch seine vier Sonntage, die Über da- Glück manche- bangenden Mädchenherzenl entscheiden. Die nieder- ländischen Dorfbewohner nennen die November-Sonntage I „Musterung»"-, „Entscheidung»"-, „Anfrage “ und „Verlobung- Sonntag". Au» diesen Bezeichnungen kann man so z'tmlich die Bedeutung der wichtigen Tage erkennen. Am Donnerstag vor dem ersten Sonntag im November nimmt in jedem Dorf eine Art Volksfest feinen Anfang; die ganze Landbevölkerung erscheint in ihrem schönsten Staat, tummel: fich zwischen den Buden und Karussel- und betheiligt fich an allen Lustbarkeiten. Besonder- fröhlich geht el auf dem Tanzboden zu, wo aber zu Anfang de- Feste» nur wen g von anderen al- bereit- verheiratheten oder verlobten Paaren der holden Terpsichore gehuldigt wird. Die jungen Mädchen und Burschen, die noch nicht gewählt haben, stehen meist von ferne und sehen zu. Der erste Sonntag bringt schon einige Veränderung. Da spazieren die heirath-lustigen jung n Männer, nachdem der Vorrnittagsgottesdletzst vorüber ist, in ganzen Reihen die Dorfstraße auf der einen Seite auf und nieder, während die noch ledigen Jungfränlein dasselbe auf der gegenüberliegenden Seite thun. Beide Parteien starren fich dann ganz ungenirt an und mustern sich gegenseitig nach Herzenslust. Gewöhnlich sucht fich ein Bursche zwei iber drei von den schmucken, blühenden Mädchengestalten zur engeren Wahl aus und entscheidet sich zuletzt für die, die seinen Köst chen Gruß bei der nächsten Begegnung am Freundlichsten erwidert. Zeigen darf er es allerdings erst am nächsten Sonntag, auf wen seine Wahl gefallen ist. Hat die Schöne nichis gegen den Freier einzuwenden, bann tanzt sie mit ihm und erlaubt ihm, ihr zarte «ufmerkiamkeiten zu erweisen. Der dritte Sonntag wird dem mehr prosaischen Theil der Angelegenheit geweiht; es gilt die Zustimmung der Eitern zu erlangen und alle Details in Bezug auf Hochzeit und Mitgift zu erledigen. Erst am vierten Sonn- tag ist e» dem jungen Pärchen gestattet, fich etwas deutlicher seine Liebe zu bezeigen, al- nur curch zä.tliche Blicke o)er einen stummen Händedruck CocaXt* und protHniieHe* Gießen, den 30. November 1897. •• Debet gerichtliche Zustellungen hat das Ministerium I neuerdings folgende Entscheidung getroffen: „Wenn eine Partei in Fällen, in denen eine Zustellung unter Vermittln ng des Gerichtsschreibers zulässig ist, in ihrem Anträge erklärt hat, daß ein bestimmter Gerichtsvollzieher die Zustellung besorgen soll, so ist darin im Zweifel nicht die Erklärung zu erblicken, daß sie selbst den Gerichtsvollzieher beauftragen wolle. Der Gerichtsschreiber hot deshalb in solchen Fällen einen Gerichtsvollzieher mit der erforderlichen Zustellung zu beauftragen, auch hat er dafür — und nicht Der Gerichtsvollzieher — die zur Zustellung erforderliche Anzahl von Abschriften zu erteilen und hierfür die Schreibgebühr in Ansatz zu bringen. Inwieweit dem Wunsche einer Partei, daß bei der Vermittelung der Gc- richt-schreiber ein bestimmter Gerichtsvollzieher berücksichtigt werde, Rechnung getragen werden kann, wird durch die getroffenen dienstlichen Anordnungen bestimmt. Mit der angesagte» Einführung der vierten Wagen- Haffe bei der vormaligen Hessischen Lndwigsbahn ist e», wie aus dem Bericht des BezirkS-Eisenbahnrath Frank- fort hervorgeht, vorerst noch nichts. Zu dieser Neuerung würden 250 Waggons vierter Klasse erforderlich sein, wegen Arbeitsüberhäufung in den Wagenfabriken können aber bis zu dem vorgesehenen Termine (1. April 1898) nur 100 Waggons geliefert werden, mithin muß die Einführung noch verzögert werden. Mit Rücksicht hierauf sollen einzelne außerordentliche Tarifoergünstigungen an der Hessischen LadwigSbahn (Scheinkarten u. s. w.) vorläufig noch bestehen bleiben. der historischen Lectüre mit reichlich 10,2 Proeent (5400 BSnben) und hier wiederum ist eß die Geschichte unserer glorreichen Kriege, welche am meist anzieht. Ich gebe — obwohl auch der siebenjährige Krieg und die früheren deutschen Kriege diese! Jahrhunderts viele Leser zählen — nur die Ziffern für den Krieg von 1870/71. Die Werke, welche diesen Stoff behandeln (nicht die einzelnen Bände!) wurden gegen tausend Mal verliehen; 971 Mal find gezählt, die Statistik einzelner Werke steht noch aus; und zwar entfallen auf znsammenfaffende Darstellungen deS ganzen Krieges 260 Verleihungen; jede» hierher gehörige Werk wurde im Durchschnitt 26 mal gelesen. Aus die Darstellungen einzelner Kriegsepisoden, der Thaten einzelner Truppentheile und per- sönlicher Erlebniffe (Kriegsberichterstattungen, Tagebücher rc.) kommen 822 bis 750 Verleihungen, und jedes der hierher gehörigen Werke im Durchschnilt auf etwa 36 Leser, obwohl viele davon erst spät angeschafft wurden. Der verhältniß- mäßig meistgelesene Theil der ganzen Blblothek find die von Taoera veröffentlichten Darstellungen einzelner Theile der Kriegsgeschichte aus der Feder von Miikampsern: da- am wenigsten verliehene dieser Bücher zählt 59, oaS meistdegehrte (vie Belagerung von Pari») 72 Leser, eine Ziffer, welche t, StrcheuplatzlO. Nicht fu übersehen! Lerren-Sohle und «Fleck . . Mk. 2.B0 Damen» L ohle und »Fleck . . , 1,80 Reparaturen gut und billig. 10343 Gute und dauerhafte Arbeit. M. Mit, Neustadt 48, II Margarine feinste Marke, stets frisch, Mk. —.60 per Pfund. | Cacao garantirt rein von Mk. 1.40 per Pfd. an und bessere Sorten bis Mk. 4.— per Pfd. 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