256 Elftes Blatt Freitag dm 30 Oktober 1896 2Iints- und Anzeigeblntt für den ICreU Gieren Rrdaction, Expeditio» und Druckerei: Schu kstraße Hlr.7. Fernsprecher 51. vierteljähriger Aöonncmcntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener AamikienvkäNer werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. ießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Hratisbeikage; Hießener Aamikienötätter. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsches Reich. Darmstadt, 28. October. Kaiser Nikolaus uod Grobfürst Sergius besichtigten heute Bormittag mit dem Grobherzog das Refidenzschloß, wahrend Kaiserin Alexandra, die Grobsürstin SergtuS, die Großherzogin und die Prinzessin von Battenberg das Alice-HoSpital besuchten. An dem Luncheon bet der Prinzessin von Battenberg nahmen sämmtliche Herrschaften Thetl. Hierauf wurde in zwei vierspännigen Wagen eine Ausfahrt nach dem Roß' dorfer Walde unternommen. Nach ihrer Rückkehr empfing die Kaiserin den Oberstallmeister Frhr. v. Rtedesel, Abends besuchen die Fürstlichkeiten die Vorstellung im Hoftheater. Darmstadt, 28. October. Kaiser Nikolaus verlieh zahlreiche Orden an Offiziere, Hof- und Staatsbeamte. Neueste Nuch^Lchteu» Wslffs trlegrswhjscheS Eorrespsndenz-Bureem. Berlin, 28. October. Der „Retchsanzetger" meldet: Der Wirkliche Geheime LegattonSrath Kayser ist zum SeuatSpräfidenten beim Reichsgericht ernannt worden. Berlin, 28. October. Dr. Otto Löwenstein, Besitzer der beiden Firmen Carl Heymann, Verlag und Buch- druckeret und Julius Stttenfcld, ist heute gestorben. Esten a. R., 28. October. Der Kaiser verlieb in Begleitung des Geheimraths Krupp mit seinem Gefolge um 9*/, Uhr Vormittag die Villa „Hügel" und begab sich nach dem Panzerplatten-Walzwerk. Auf dem Wege bildeten Schulkinder Spalier. Der Kaiser besichtigte das Walzwerk auf daS Eingehendste und wohnte der Herstellung einer Panzerplatte bei. Gegen 12 Uhr begab er sich nach dem Rathhause, in welchem Magistrat und Stadtverordnete eine Sitzung abhielten. Esten 6. R., 28. October. Die „Rhein.-Westf. Ztg." meldet: Nach der Besichtigung deL PreßbaueS, des wichtigsten ThetleS der Krupp'schen Werke, fuhr der Kaiser in die Sitzung der Stadtverordneten, die er mitten in ihrer Arbeit überraschte. Nach einer kurzen Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters Zweigert erwiderte der Kaiser folgendes: Ich bin hierher gekommen, um eine Dankesschuld abzutragen. Sie haben damals die Güte gehabt, für wich einen Empfang vorzubereiten, wie er zu erwarten war von einer so treu gesinnten Stadt wie Essen. Meine Frau hat mir über diesen Empfang berichtet, der sie überwältigt hat, und ihr zu Herzen gegangen ist. Das war ein würdiger Abschluß für die schöne Reise, die ich mit ihr geplant. Ich danke für diesen Empfang, den Sie mir zugedacht und ich freue mich, nochmals Ihnen Herr Oberbürgermeister, persönlich danken zu können. Die Geschlchte der Stadt bürgt mir dafür, daß die Gesinnungen, welchen Sie Herr Oberbürger- meister, Ausdruck verliehen haben, auch von der Bürgerschaft getheilt werden und ich bin überzeugt, daß ich auch in Zukunft in der Stadt Effen eine patriotische, ihr Vaterland liebende Bürgerschaft finden werde. Der Kaiser unterzeichnete hierauf das Protokoll der Stadtverordneten-Sitzung und verweilte noch längere Zeit im Gespräch mit mehreren Stadtverordneten. Würzburg, 28 October. Anläßlich der Einweihung des neuen Universitätsgebäudes find zahlreiche Ehrenpromotionen erfolgt; unter den Promovirten befinden sich seitens der theologischen Facultät Bischof Haffner in Mainz, von der medictntschen Facultät Profeffor RitziuS-Stockholm und Profeffor der Chemie Fischer Berlin, seitens der juristischen Facultät der bayerische CultuSminister v. Landmann. Wien, 28. October. DaS Abgeordnetenhaus erledigte heute den Rest des HrtrathSgesetzes. Wieu, 28. October. Die „Neue Freie Pi esse" schreibt: Wenn der „RetchSanzeiger" betont, daß die Zuversicht zu der Aufrichtigkeit und der Vertragstreue der deutschen Politik bet anderen Mächten zu fest begründet fei, als daß sie durch solche Enthüllungen erschüttert werden könnte, müffen wir dieser Auffaffung und Ueberzeugung bet- pfltchten. Die öffentliche Meinung Oesterreichs ist einmüthig in den Aeußerungen des Vertrauens und der sicheren Annahme, daß auf die durchaus zuverlässige loyale Erfüllung der Vertragspflichten seitens der jetzigen deutschen Regierung unbedingt zu rechnen ist. Schon unter den ersten peinlichen Eindrücken erfüllte sich somit die Erwartung des „Reichsanzeigers", unc erwieS sich die Ueberzeugung von der Bundestreue der deutschen Regierung in Oesterreich alS vollkommen unerschüttert. Rom, 28. October. Der Fürst von Montenegro, der gestern den Minister des Auswärtigen, Visconti Venosta, empfangen, empfing heute den Ministerpräfidenten di Rudini in einstündiger Audienz. Paris, 28. October. Die Deputirtenkammer wird morgen die Berathung des Gesetzentwurfes, betr. Kuustweine, beginnen. Nach dem Entwurf soll ein Zoll von 45 Francs für je 100 Kg. Rosinen, die zur Herstellung von Wein dienen, erhoben werden. Zwischen dem Cabinet und der Commission ist ein völliges Einvernehmen über den Gesetzentwurf erzielt worden. — Großfürst Wladimir stattete heute Nach- mittag dem Präsidenten Faure im Elysöe einen Besuch ab und wurde mit militärischen Ehren empfangen. Belgrad, 28. October. König Alexander hat heute früh seine Reise zum Besuche deS Königs von Rumänien angetreten. Im Gefolge deS Königs btfindet sich auch der Kriegsminister Franaffowitsch. Am Landungsplatz? waren zur Verabschiedung erschienen: die Minister, daS Präsidium der Skupschtina, die Gesandten Oesterreich-UngarnS und der Türkei, sowie der diplomatische Agent Bulgariens. Die Rückreise deS Königs wird am Sonntag Nachmittag erfolgen. Während der Abwesenheit des Königs ist der Ministerrath mit dec Regentschaft betraut. Simla, 28 October. Die Gefahr einer HungerS- noth nimmt einen bedrohlicheren Character au. ES ist unwahrscheinlich, daß jetzt ein Regenfall eintritt. Die Aussichten in den nordwestlichen und mittleren Provinzen und in Pendfchab find sehr trübe, der Kornmangel ist bis Bombay fühlbar. Die Preise find bedeutend gestiegen. Eine starke Getreideeinfuhr wird erwartet. Die Arbeiten zur Linderung der Noth haben begonnen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 28. Oktober. Der „RetchSanzeiger" veröffentlicht" eine Verordnung vom 26. October, wonach die beiden Hauser deS preußischen Landtages auf den 20. November rinberufen werden. Berlin, 28. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Daß Herr v. Wtßmann auf den Posten des Gouverneurs von Deutsch Ostafrika nicht mehr zurückkehren wird, ist dem Vernehmen nach nunmehr höchstwahrscheinlich geworden. Berlin, 28. October. Einem Rundschreiben des CultuS- ministerS vom 16. d. MtS. zufolge erhalten künftig die Seminar-Zöglinge nach bestandener Abgangsprüfung ein Zeugniß, auf Grund deffen sie die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen können. Berlin, 28. October. Zur Feier der Einweihung des neuen Kunst'Gewerbe-MufeumS beabsichtigten CultuS- Minister Dr. Boffe und HandelSmtntster Brefeld sich morgen nach Düsseldorf zu begeben. Berlin, 28. October. In der Stadtverordneten-Ver- sammlung ist ein DringlichkettSantrag eingebracht worden, den Magistrat zu ersuchen, beim Polizeipräsidium daraus zu dringen, daß die gegenwärtigen Einrichtungen der Crtminal- poltzet und des Nachtwacht-WesenS einer eingehenden Prüfung und erforderlichen Falls einer Berbefferung unterzogen würden, wie dies den Sicherheitsbedürfniffen der Berliner Bürgerschaft und den außerordentlich hohen Aufwendungen der Gemeinde für Poltzeizwecke entspreche. Berlin, 28. October. Der antisemitische ReichStagS- abgeordnete Liebermann von Sonnenberg hat das ebenfalls antisemitische Blatt „Frei-Deutschland" wegen Beleidigung verklagt. Berlin, 28. October. Die Ansicht der Prcffe, daß der dem BuadeSrath vorgelegte Entwurf einer neuen Militär- Strafprozeß-Ordnung vielfach auf Widerstand stoßen würde, ist, wie die „StaatSb.-Ztg." von gut unterrichteter Seite erfährt, irrig. Parttkulartstifche Strömungen und Engherzigkeit würden den Entwurf nicht zum Scheitern bringen. Auch Bayern stehe demselben durchaus sympathisch gegenüber, sodaß mit Sicherheit darauf zu rechnen sei, daß der Entwurf noch im Laufe des Winters zur Verabschiedung gelangt. Berlin, 28. October. Die im Reichsamt des Innern abgehaltene Conferevz bezüglich der Ausführungen des Börsengesetzes hat gestern Nachmittag die Berathungen über alle Fragen, an denen der BundeSroth und die Landesregierungen mitwirkten, geschloffen. Die Berathungen haben in dem Ergebniß gegipfelt, daß die Vorbereitungen für die Ausführung des Börsengesetzes nunmehr getroffen worden find. Die Einberufung des provisorischen Börsen-AuSschuffeS steht der „Post" zufolge unmittelbar bevor. Der BundeSrath werde fich schon in seiner morgigen Sitzung mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Berlin, 28. October. Im dritten Berliner Reichstags- Wahlkreise sprach gestern Abend der Abgeordnete Eugen Richter über die Zwan gSorganisatiou des Handwerks. Die Versammlung war von etwa 800 Personen besucht. Eugen Richter kritisirte in einstündiger Rede die RegierungS-Vorlage, die er als Fluch des Mittelstandes bezeichnete. Bis jetzt sei es fraglich, ob die Regierung eine Mehrheit finden werde. Als Mittel, dem Handwerksstand zu helfen, schlug Redner freie Innungen mit CorporationSrechten und Genossenschaften, sowie beffere Lehrlingsausbildung vor. In der Debatte sprachen Reichstagsabgeordneter Rector Kopsch und Stadtverordneter Goldschmidt im Sinne Richters. Ihnen traten verschiedene Handwerksmeister entgegen und erklärten sich unter häufigen tumultusrischen Unterbrechungen für die Regierungsvorlage und den BesähtgungSnachweis. Schließlich wurde eine Protest Resolution gegen die von der Regierung geplante ZwangSorganisatton ohne die Stimmen der Handwerksmeister angenommen. Unter Hochrufen auf Richter wurde die Versammlung nach Mitternacht geschloffen. Köln, 28. October. Der „Köln. Ztg." wird auS Darmstadt gemeldet: Sicherem Vernehmen nach wird daS Zareupaar auf directem Wege über Eisenoch-Leipztg- CottbuS, ohne Aufenthalt, nach Petersburg zurückkehren. Wieu, 28. October. Die Blätter besprechen die gestrige Erklärung des deutschen Reichsanzeigers und kommen zu dem Schluß, daß eine mehr sagende und eine weniger mit dem Schleier des Geheimniffes deckende Erklärung nicht unzeitgemäß gewesen wäre. Der Dreibund habe fich als so wichtig und werthvoll erwiesen, daß ängstlich Alles vermieden werden sollte, was seinem Ansehen irgendwie Abbruch thun könnte. Doch daS Heikle deS Falles entschuldige ja Vieles und bleibe die Hauptsache die, daß das Doppelspiel ein Ende habe. Anläßlich der Enthüllungen der „Hamb. Nachr." läßt fich die „Neue Fr. Preffe" aus Petersburg telegraphtren: Ein hervorragender Diplomat erklärte unserem Correspondenten, russischerseitS würden keine Erörterungen über BtSmarck'sche Behauptungen erfolgen. Mau überlaste die Verantwortung dem Fürsten Bismarck. Erft das 20. Jahrhundert werde die Sache klar stellen. Budapest, 28. October. Eine Compagnie Militär mußte nach dem BergwerkS-Dtstrict Teremi abgehen, wo die Bergarbeiter revoltiren. Dieselben haben die DirectionS- gebäude gestürmt. Die Exceste hangen mit den Wahlen nicht zusammen. Budapest, 28. October. Bisher find über hundert Wahlresultate bekannt, davon 80 liberale, unter denen fich die Minister Banffy, Fejervary und Erdely befinden. Aus zahlreichen Orten werden schwere Wahlexcesse gemeldet, so aus Manor, Szekely und Mezokoweed. In AravyoS hat der Obergespan die Verhaftung de» Caplans Panediki wegen Aufreizung gegen die anderen Confeffionen angeorduet. Meldungen aus Tyrnau besagen, daß dort keine constitutionelle Wahl, sondern ein veritabler ReligionSkrteg stattfindet. Autwerpeu, 28. October. Die Getreidepreise steigen noch beständig an der hiesigen Börse. Pari», 28. October. Die „Presse" meldet, Frankreich, Deutschland und Rußland hätten fich darin geeinigt, England zu veranlasten, die Räumung Egyptens endlich vorzu- oehmen. Paris, 28. October. In den Wandelgängen der Kammer verlautete gestern, daß die Sociallsten darauf verzichten, die Regierung über die franco-russische Allianz zu interpelliren. Earwaux, 28. October. Bet der Abfahrt der socia- ltstischen Abgeordneten brachte die republikanische Bevölkerung Todesrufe auf dieselben auS. Der Abgeordnete Roche wurde durch einen Stein, den ein Republikaner geschleudert hatte, schwer verletzt. Sofia, 28. October. Karawelow, Grekow, Jankow und RadoSlawow haben fich dahin geeinigt, bei den Wahlen gemeinsam vorzugehen. Sie haben ferner beschloflen, bei dem Fürsten eine Collectioaudienz um Wahlfreiheit zu erbitten. Konstantinopel, 28. October. Die von Seiten der Regierung verbreiteten Gerüchte, daß 60 aus dem AuSlande nach Konstantinopel gekommene Armenier daS muhamedanifche Stadtviertel in Brand stecken wollen, ruft hier große Erregung hervor, die noch dadurch gesteigert wird, daß die Polizei wieder Massenverhaftungen unter den Armeniern vornimmt und große Sicherheitsmaßregeln trifft. Berlin, 29. October. In allen sechs RetchStagSwahl- kreifen waren für gestern Abend foctalistische Partei- Versammlungen einberufen worden. Diejenige für den ersten Wahlkreis mußte aufgeschoben werden, weil auS baupolizeilichen Gründen die Abhaltung der Versammlung in dem bekannt gegebenen Locale verboten wurde. Dieselbe wird heute Abend in einem anderen Locale stattfinden. In den abgehalteven Versammlungen beschäftigte man fich hauptsächlich mit Wahlbesprechungen. Auch wurde der Bericht über den letzten Parteitag in Gotha tu einigen Versa««» laugen entgegengenomaren. Brellai, 29. October. Als der soclalisttsche Agitator Götter, welcher wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu SV, Jahren GefSugniß verurtheilt ist, zu einem Termin nach dem Amtsgericht überführt wurde, entsprang er. Er wurde indeß alsbald vou der Polizei wieder aufgegriffen. Mailand, 29. October. Im Brembothal, Provinz Bergamo, fand ein gewaltiger Erdsturz statt, durch welchen die Straße 30 Meter hoch bedeckt wurde. DaS ganze Thal wurde mit Felsstücken auSgefüllt. DaS dadurch auf- gestaute Waffer überfluthete die ganze flußabwärts gelegene Gegend. Paris, 29. October. Dem gestrigen Besuche des Großfürsten Wladimir im Elysee wird eine gewiffe Bedeutung betgelegt. Der „TempS" meint, die Unterhaltung betraf den Pariser Eindruck deS Zaren. Andererseits verlautet, der Großfürst überbrachte einen Brief des Zaren anläßlich der Hamburger Enthüllungen. Petersburg, 29. October. Der englische Kohlevdampser «Miß Bicowa" ist auf dem Wege nach Kronstadt an dem bekannten Riff Kalboden auf Grund gerat Heu und tu den Schären gänzlich zertrümmert. Fünf Mann konnten sich mühevoll retten- der Kapitän und 14 Mann find jedenfalls umgekommen. Loudon, 29. October. Der japanische Dampfer „Tokn- maru" ist bei Osaka gesunken - 60 Paffagiere ertranken. G. Darmstadt, 29. October. (Fernfprech Mit- theilnng.) Das russische Kaiserpaar, sowie der Großfürst Tergius find soeben nach der tzeimath ab- gereist. Der Groftherzog uebst Gemahlin, sowie Prim zesfiu Ludwig vou Battenberg, Prinz Wilhelm von Hessen, ferner die Spitzen der Militär- uud Civil- Behörden waren bei der Abfahrt anwesend. Der Abschied des Kaisers von der Srotzherzoglichen Familie war der denkbar herzlichste, besonders die Kaiserin war beim Abschied vou der alten tzeimath zu Thräoen gerührt. Der Kaiser verabschiedete sich vou den anwesenden Regimentscommaudeuren uud reichte jedem die Hand. Der Kaiser trug die Uniform seines Reiter- Regimeat» Nr. 24, der Großherzog trug russische Uniform. Der Separatzug setzte sich 10 Uhr 15 Minute» unter lebhaften Hochrufen der versammelten Menge in Bewegung. . CoceUs unb proohtsieUts, Gießen, den 29. October. ♦* * Das Stadtpostamt befindet fich vom 31. October ab im Neubau Schulstraße 11. **H. Stadttheater. Die gestrige Abschieds-Vorstellung des Schlierseer Baueru-EnsembleS bot das beliebte Volksstück „Der Herrgottschnitzer von Ammergau". DaS Spiel war, wie immer, entzückend durch die mit Lust und Liebe, Innigkeit und Empfindung gebotene Darstellung, uud gestaltete sich zu einer wahren Glanzleistung. DaS überaus zahlreich erschienene Publikum war enthufiaSmirt und lohnte wiederholt mit lebhaftestem Beifall. Der wackeren Künstlerschaar mit der Versicherung einer stets freudigen Erinnerung, ein herzliches Lebewohl! M Stadttheater Die einheimischen Künstler nehmen, nachdem die „Schliersee'r" gestern ihr Gastspiel beendet, ihre Thätigkeit an der hiesigen Bühne am Freitag den 30. d. MtS. wieder auf und bringen zunächst den neuen französischen Schwank „Die Dragoner" von Bossu und Delavsgne zur Aufführung. Die gesammte Presse spricht sich über „Die Dragoner", welches auch bereits au vielen deutschen Bühnen gegeben und sehr beifällig ausgenommen wurde, äußerst günstig aus. ** Soiree Fly und Slade. Das Künftlerpaar Flh und Slade, das bekanntlich am Sonntag den 1. November in „Steins Saalbau" eine hochintereffante Vorstellung gibt, trat vor nicht langer Zelt in Berlin in Krolls Theater (bekannt als das vornehmste Etabliffement in Berlin) mit außerordentlichem Erfolge auf. lieber eine solche Vorstellung schreibt daS „Berliner Tageblatt" Folgendes: „Seit der Entlarvung verschiedener Spiritisten — erinnert sei hierbei an die Abführung des Mediums Bastian durch Mitglieder der kaiserlichen Familie in Wien und an die neuerdings erfolgten Aufdeckungen spiritistischer Umtriebe in Frankreich — hat der große Zuspruch und die Leichtgläubigkeit an einen direkten Verkehr von Sterblichen mit der Geisterwelt — Spiritismus genannt — einen sehr bedeutenden Abbruch erfahren. Es ist deshalb für Künstler, welche sich mit ähnlichen geheimnißvollen Demonstrationen beschäftigen, wie solche früher ausschließlich unter spiritistischer Flagge vorn Stapel gelassen wurde, aus nahe liegenden practischen Gründen nicht so leicht, ihre Darbietungen des mysteriösen GewandeS völlig zu entkleiden und fie lediglich als Product besonderer Geistesschärfe, langjähriger Uebung und außergewöhnlicher Gedächtnißbegabung hinzustellen, sondern sie vielmehr — deS größeren Reizes wegen — eingehüllt in einem gewissen mystischen Dunkel zu belassen. Diesen Standpunkt behauptete auch daS Künftlerpaar Fly und Slade, indem eS am Eingang der Vorstellung betonte, daß seine Leistungen hauptsächlich dem Zwecke dienen sollen, die Möglichkeit gewisser unS räthselhafter Vorgänge auS dem Gebiete des Gedankenlesens, der Mnemotechnik und geisterhaften Medien-Entfesselung öffentlich vor Äugen zu führen und dadurch angenehm zu unterhalten, eine Erklärung derselben jedoch dem Publikum selbst überlassen bleiben müsse, da nicht gesagt sein solle, die Herkunft der Vorführungen seien spiritistischen Ursprungs, ebensowenig aber auch zugestanden werde, daß sie anderer Abstammung- e- möge sich vielmehr Jeder ein Urtheil darüber selbst zu bilden suchen. Wie jedoch vorauSzusehen war, bot fast keine Nummer deS reichhaltigen Programms Gelegenheit zur Lüftung des Schleiers, welcher über den wirklich phänomenalen Darbietungen lagerte. Ganz besonders schwer wird fich eine natürliche Aufklärung für die I von Frau Slade vorgeführte Art des Hellsehen- finden lassen. ES ist diese Leistung als ein wirkliches Räthsel des 19. Jahrhunderts zu bezeichnen und dürfte wohl schwerlich Jemand im Stande sein, eine erschöpfende und zutreffende Erklärung dieser außerordentlichen Vorführung zu finden und zu geben. In ähnlicher Weise Überraschend wirkten die anderen Programmnummern und wurden mit dem lebhaftesten Beifall Seitens des so zahlreich erschienenen Publikums entgegengenommen. • • Bortrage von Dr. Muller. Der für morgen, Freitag den 30. October, projectirte 2. Vortrag Dr. Müllers kann leider nicht stattfiuden, da fich für diesen Tag kein geeignetes Local gefunden hat. Der Vortrag über: „DaS Naturgesetz und der christliche Glaube" wird also erst am Freitag nächster Woche wieder in „Steins Garten" gehalten werden. Wahlrecht nnb Wahlpflicht. ES ist schon hervorgehoben worden, daß die Wahlbewegung auf dem Lande ohne merkliche Erregung verläuft. Eine entschiedene Wendung zum Besseren ist insofern eingetreten, als unsere bäuerliche Bevölkerung überhaupt wieder ruhigen, sachlichen Erörterungen aufmerksam zuhört. DaS Toben und Schreien halbwüchsiger Burschen in den Versammlungen hat aufgehört. Wir haben neulich einen Stimmungsbericht aus dem Ohm thale und über die freisinnige Agitation gebracht. Heute wollen wir dem zusügen, daß auch die nationalliberale Partei in den letzten Tagen in Versammlungen zu Lollar und Lang- GönS ihren Candidaten, Herrn M e i n e r t, empfahl. Namentlich die Versammlung in Lang GönS war überaus zahlreich besucht. In beiden Versammlungen erläuterte Herr Dr. Fuhr das Programm des Candidaten. Gegner meldeten sich nicht zum Wort, so daß die Versammlungen verhältnißmäßig früh mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Großherzog geschlossen wurden. Der nationalliberale Wahlausschuß wird noch täglich Wählerversammlungen abhalten. — Am eifrigsten in der Agitation sind die Socialdemokraten. Wenn auch nicht zu befürchten ist, daß fich viele Bauern und Handwerker von ihnen ködern lassen, so legt doch die traurige Pflichtvergeffenheit weiter Kreise des Bürgerthums, wie sie jüngst in der geringen Wahlbetheiligung bet den Ge- werbegerichtS- und LandtagSwahleu zu Tage trat, die Befürchtung nahe, die kleine aber rührige Minderheit der Social- demokraten, von denen bekanntermaßen Jeder an der Wahlurne erscheint, könnte bei den Reichstagswahlen siegen oder in die Stichwahl kommen. ES kann daher nicht oft und nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, daß Jeder, der auß Trägheit die Erfüllung seiner Wahlpflicht versäumt, die Schuld an etwaigen socialdemokratischen Ueberraschungen trägt. Daß Wahlrecht enthält auch die Wahlpflicht, für deren Versäumniß es keine Entschuldigung gibt! -f- Ernst Schombnrg, cand. philologiae, geboren 1858 zu Hemmenstedt im braunschweigischen Kreise Wolfenbüttel, lebte seit März 1895 hier in der Stellung als Hauslehrer bet Herrn Verlagsbuchhändler Otto Roth und fand in der Nacht vom 25. auf 26. October durch einen unglücklichen Treppenabsturz einen jähen Tod. Während seines ver- hältnißmäßig kurzen hiesigen Aufenthalts hatte er fich schon einen so zahlreichen Kreis von Freunden erworben, wie es manchem in Jahrzehnten kaum möglich wird. Seine Bieder- und Leutseligkeit, seine Heczenßmilde schlossen ihm die Ge- müther aller derer auf, die mit ihm in Berührung kamen. Dabei trat sein reiches Wissen, fein reifes Unheil über Welt und Dinge bet der Unterhaltung in den Vordergrund und tiefen den Eindruck feiner geistigen Capacität in die Er- fcheinung. Schomburg hatte auf den Unioerfieätcn Leipzig, Halle, Tübingen und Straßburg alte und neue Philologie studiert, und die Facultas darin bestanden. Nachher wandte er fich den Studien in der germanistischen Literatur und der verglelchlnden Sprachen ssenschast zu, um sich später als Germanist an einer deutschen Universität zu habitiliren. Seine Belesenheit und seine Kenntnisse in feer altgermanischen Literatur waren bewundernswürdig. Als Mitglied der Section Gießen des Deutschen und Oesterreich. Alpenvereins hat fein Tod in letzterer eine sozusagen unersetzliche Lücke gerissen. Unstreitig war er eines der thätigsten und hervorragendsten Mitglieder dieser Vereinigung. AlS ein Meister des deutschen Stils find seine reizenden, in den lebhaftesten poett scheu Farben schillernden Vorträge allen Dereinsmitgliedern, die sie hörten, unvergeßlich und denen, die fie lasen, bereiteten sie großes Vergnügen. Dabei war er ein fleißiger Tourist und fehlte bei keinem gemeinschaftlichen Gange in daS Gebirge. — Als Mensch von reinstem Character, edlen Grundsätzen, seltener HerzenSgüte und vornehmer Gesinnung nahm Schomburg eine erhabene Stellung ein, die ihm in den Herzen aller, die ihn näher zu kennen das Glück hatten, einen Ehrenplatz sichert. Mag er auch vorzeitig au« dem Leben geschieden sein, mag er ein Ziel, das auf wirthschaftlich materiellem, oder auch auf ideellem Gebiet liegt, nicht erreicht haben, so schied er dennoch von der Erde als reife Garbe, und das ist doch ein schätzbares menschliches Ziel, daß Tausende von Erdenbürgern, die 70 und mehr Jahre alt werden, und mitunter begehrenSwerthe Stellungen einnehmen, niemals erreichen. Darum Ehre ihm und Friede seiner Asche! • * Friedberger Pferdelotterie. Bei der gestrigen Ziehung der Friedberger P f er d e lotte rie fielen zwei Haupt gewinne, nämlich der 5. und der 16. (je ein Pferd) in die Collecte deS Herrn H. Gengnagel hier. — Ferner fiel wiederum ein Hauptgewinn in die Collecte deS Herrn Richard Buchacker hier und zwar auf LooS Nr. 9952. Ueberfahren. Gestern Nachmittag wurde in der Wrtzffeinstraße dahier ein Kind von 5 Jahren von einem fremden Fuhrwerk überfahren und verletzt. Daß Sind, welches fich in Begleitung der Mutter befand, lief in einem unbewachten Augenblick unter baß Fuhrwerk. Nach Angabe der Augenzeugen trifft den Fuhrmann keine Schuld. • • Diebstahl. In vergangener Nacht wurde in einer Wohnung am NahrnngSberg eingestiegen und auß de« Schlafzimmer eines Gehilfen mehrere Sachen entwendet. Der Bestohlene, welcher selbst in btm Zimmer schlief, hat den Dieb nicht wahrgenommen. • • Die verufsgeooffeufchafle» find gegenwärtig mit der Aufstellung neuer Zählkarten für die Unfallstatistik beschäftigt. Diese wichtige Arbeit dient der Gewinnung rein stattstischeu Materials für die Unfallverhütung und insbesondere zu Zwecken des GefahrentarifSwesenS, d. h. eß soll die Höhe der Gefahr der einzelnen Betriebszweige unmittelbar ans der Höhe der in ihnen feit dem Beginne der Unfalloerficher- ung gezahlten Löhne und Entschädigungssummen gefunden werden, ohne daß eß der Berechnung deß CapitalwertheS der laufenden Renten bedarf. Voraussetzung ist dabei, daß eß fich nicht um zu kleine Betriebszweige handelt. A. Nieder-Gemüudeo, 28. October. Ersatzwahl für den verstorbenen LandtagSabgeordneteu H'rrn Pfannstiel im 3. Wahlbezirk findet Montag, den 2. November, dahier statt. Man beabsichtigt, einen dem Parteigetriebe fernstehenden Mann zu wählen und glaubt in der Person deS Herrn Heinrich Neeb von Nieder-Ohmen die geeignete Persön- lichkelt gefunden zu haben. • Frankfnrt a. M., 28 October. Bei der Errichtung deß Opernhauses ist einer größeren Anzahl von Zeichnern von Beiträgen zum Bau deS Opernhauses in Höhe von 10 000 ober 5000 Gulden, je nach der Höhe deS Beitrag», ein Anrecht auf Besitz ober Abonnement einer ganzen ober halben viersitzigen Loge im Parkett ober Balkon auf bte Dauer von 99 Jahren, vom Tage ber Eröffnung des Opernhauses an, eingeräumt werden. Neuerdings ist ein Gesuch, das fich auf dieses Privileg stützt, nachträglich an den Magistrat gelangt. Die ©tabtfämmirei hat eß befürwortet, und jetzt wird eß, wie die Frankfurter Nachrichten melden, ber Stadtverorbneten-Berfawmlung zur Genehmigung vorgelegt, mit ber Maßgabe, baß btefe Berechtigung, unter Abzug der feit ber Gründung beß Opernhaufeß verflossenen 16 Jahre, auf 83 Jahre gewährt werden soll. • Frankfurt a M., 28. October. Selbstmord eine« Husaren. Heute Morgen warf fich der Husar Rupp, Sohn eiueß Sachsenhäuser Gastwirthß Ropp, am Rebstock- Hof unter einen Güterzug. Der Körper wurde biß zur Unkenntlichkeit entstellt. Wie »itgetheilt wird, soll Rnpp vor einigen Tagen von anderen Husaren mißhandelt worden sein. Diese wurden von ihm zur Bestrafung angezeigt und bedrohten daraufhin den R. neuerdings. Als gestern die Mutter R.'S ihrem Sohne Lebensmittel brachte, erklärte er, fie brauche ihm nichts mehr zu bringen. Abends blieb er über Zapfenstreich auß der Kaserne und wurde deßhalb gemeldet. Heute früh hat er fich vom Stalldienst in Schürze und Segeltuchschuhen entfernt und den Tod gesucht. • Frankfurt a. M., 27. October. Der Kaiserbesuch vom 10. Mal d. I. führte heute zu einem gerichtlichen Nachspiel. Der Pächter beß „Gafthosß zum Schwan", in dem daß Kaiserpaar abgestiegen war, Herr Stern, hatte fich mit ber ihm von ber Stadt angebotenen Entschädigung nicht zufrieden erklärt und eine Klage gegen die Stadt angestrengt, wcil er, wie er behauptete, durch bte Vorbereitungen zur Aufnahme beß hohen Besncheß monatelang in ber Ausnutzung seines Gasthofes beeinträchtigt worben sei. V:r- schiebene Vergleichsvorschläge ber Stabt hatte Herr Stern abgelehnt unb so kam bte Klage heute vor ber Eivtlkammer zur Verhandlung. Nach Anhörung der Parteien schlug der Vorsitzende vor, die Sache vor einem Schiedsgericht entscheiden zu lassen, wozu sich die Stadt schon früher bereit erklärt hatte. Da beide Parteien zustimmten, wurde die Verhandlung biß auf Weitereß vertagt. * Dietzenbach, 27. Oktober. Daß 1 Jrhr alte Kind einer hiesigen Fam'lie rutschte unbemerkt zwischen Bett unb Wand und erstickte. ♦ Helgoländer Ehen. Helgoland war bekanntlich feit langer Zeit ein Zufluchtsort für solche Brautleute, die hier zu Lande den berühmten Hafen der Ehe nicht so schnell, wie fie es wünschten, ober wohl gar nicht erreichen konnte». Dort stießen fie auf weniger Schwierigkeiten, würben all- bald getraut unb kehrten als mehr ober minder glückliche Eheleute in die Heimath zurück. Nun ist neuerbtngß In weiteren Kreisen bte Meinung verbreitet, baß fich bte Verhältnisse geänbert hätten, seitdem Helgoland von England an Deutschland abgetreten ist. Daß ist aber, wie die „Bolkßzt." auf Erkundigung an zuständiger Stelle erfahren hat, nicht ber Fall. In Helgolanb ist baß ReichSgesetz vom 6. Februar 1875 (CivtlstandSgesetz) nicht eingeführt und kommt beßhalb dort auch nicht in Anwendung. Die amtlichen Aufgaben beß Standesbeamten liegen dort nach wie vor in den Händen der Geistlichen, insbesondere auch die Eheschließung. Zur rechtSgiltigen Ehe gehört für Helgoländer daß dreimalige kirchliche Aufgebot, für Auswärtige eine mehrmalige öffentliche Bekanntmachung beß Aufgebots im „Helgolänber Localblatt". Einheimische unb Auswärtige, auch wenn sie nie ihren Wohnfitz bort hatten, können aber unter gewissen 8e btngungen vom Aufgebot entbunden werden. Darauf berufnen eben die sog. „Fremden-Trauungen" ohne Aufgebot, bei denen die Derheirathung so schnell geht, daß manche HeirathSlustige fich deshalb nach Helgoland begeben, und fich dort alsbald verheirathen, wie denn auch jetzt noch solche Trauungen fortgesetzt vorkommen. Die dazu erforderlichen Papiere stimmen im Wesentlichen mit den in §§ 22—32 bei Reichsgesetzes vom 6. Februar 1875 geforderten überein. Sie werden dem Geistlichen eingereicht, der, wenn Alle- in Ordnung ist, vor Ankunft ber Brautleute beim land tätlichen HülfSbearnten den Antrag stellt, baß fie vor ihm den LedigkeltSeib leisten, auf Grund dessen dann bte Entbindung vom Aufgebot schriftlich ertheilt wirb unb bte Trauung aach sofort vollzogen werben kann. In ber Regel geschieht dies auch ohne Zeitverlust, also a« Tage ber Ankunft, ba eia Mtt' && fionßn kaust «eiche W suche" «eiche wurde laß e> phillö Victor währe' Jills! Uflb ö1 aul M bil flof Deutsche der Dar <§aoopO' zuerst ei Treppe, g-rtsseN- fliab cc spricht welcher lobt v Fahvr Fabel, W Schlach JfDFI drtari noch Di reuri b ali die nlebergi willig, anmutig alle F • Arien Häuser bahiozii großer baß ml herunte Mr t Kohlst, alle lei wir wü unb ßaf beiter n VoilSwos ullgrsunb onUltbi ,r r--i, tur gQDj unb erlii Nüchtern Heroorra k-halSl! foibtrn. unb ©t vilrn bi ^Kocl «»Pfeh Sie, fyen längerer Aufenthalt nicht erforderlich ist. Solche Ehen find -rechtskräftig. Gewöhnlich find es rein persönliche Gründe, Familienrücksichten, wegen Standes-, Alters- ober Confes- fionSunterfchiedS der Verlobten- oft ist eS dieillegitime Herkunft eines TheilS, ober es sind andere äußere Rüafich n, welche die Veranlasiung zu den „Helgoländer Ehin" geben. Mögen alle Verlobten auf der grünen Insel finden, was fie suchen: das Glück! * Pari», 25. October. Die einzige deutsche Fahne, welche im Kriege von 1870 von den Franzosen erbeutet wurde und im Invalid endorne aufbewahrt wird, ist zum Anlaß eine- großen Streites zwischen Savoyen und der Dauphins geworden, denn die einen behaupte, der Savoyarde Victor Curtat habe am 15. März 1871 d e Fahne erobert, während die anderen die Thal einem Francttreur der Jiöre, Josef Perret, zuschreiben. Beide Theile geben zu, daß Perret und Curtat mit Lebensgefahr die Fabrik verließen, von wo aus die Franctireurs auf die deutschen Truppen Ichosien, um die auf der Straße liegenden schwer verwundeten oder tobten Deutschen ihres Feldzeichens zu berauben. Nach den Leuten der Dauphinö kam Perret dem anderen zuvor, während die Savoyarden behaupten, der 17 jährige Curtat habe die Fahne zuerst ergriffen und nachher habe fie ihm Perret auf der Treppe, als sie in die Fabrik zurückkehrten, aus der Hand •jrrifpn. Der ehemalige Colonialminister ChautempS ist als 5tiad von Savoyen um fein Urthetl angegangen worden. Er spricht sich in einem ausführlichen Schreiben für Curtat aus, welcher damals für feine That von feinem Vorgesetzten belobt wurde und besten Name im Jnvaltbendome an der Fahne angebracht wurde. Er glaubt zwar nicht an die Fabel, daß ein Francttreur der JjSre dem Savoyarden die Fahne entriffeu habe, die von keinem Augenzeugen der Schlacht verbürgt wird. Als das beste und unparteiischste Zeugniß bezeichnet er dasjenige des Anführers der Franctireurs der Frauche Gomte Dormoy, da er weder Savoyarde «och Davphinver war. Nach Dormoy hatten die Francti- reurS der I ere insofern ein gewisses Recht auf die Fahne, als die Deutschen, die mit ihr gefallen waren, von ihnen niedergeschossen worden waren. Darum wurden sie sehr unwillig, als ihnen Curtat zuvorkam, und suchten sich die Ehre anzueignen. Die Hauptsache bleibt nach ChautempS, daß alle Freischärler an jenem Tage ihre volle Pflicht thaten. * Die Opfer beB Alkohols find: Erstens ein Heer von Armen und Nothleidenden. Man blicke nur in die ärmsten Häuser hinein und auf die Landstraßen, wo die Heimathlosen dahinziehen. Die Arbeitercolonien, wo sich jeden Winter ein großer Theil der schiffbrüchigen Existenzen sammelt, berichten, daß mindestens neun Zehntel dieser Leute durch den Trunk heruntergekommin sind. Schlimmer noch als diese unzähligen Fälle von Einzelarmuth ist die allgemeine Verminderung des Wohlstandes durch die Trinkerei, unter der wir schließlich olle leiden. Die Trinker find Schmarotzer am Staatskörper,- wir müssen für fie und ihre Angehörigen als Steuerzahler und Kaffenmttglieder aufkommen, während der nüchterne Arbeiter mehr Güter erzeugt, als er verbraucht und so den Volkswohlstand hebt. Die zweite Folge ist ein Heer von ungesunden und fiechen Menschen. Der Alkohol schädigt die verschiedensten Organe unseres Körpers, besonders zerstört er Herz, Magen, Leber, Nerven u. s. w.- er schwächt aber den ganzen Leib so, daß er Krankheiten leicht anheimfällt, und erliegt. Unmäßige sterben um Jahrzehnte früher als Nüchterne. Auch das bedeutet viel Schmerz und Noth. Hervorragende Aerzte betonen immer häufiger, daß die Al« kohol-Erkrankungen nach der Schwindsucht die meisten Opfer fordern. Die dritte Folge ist ein Heer von Nervenleidenden und Geisteskranken, Epileptikern und Blödsinnigen. Aus allen deutschen Irrenanstalten und ähnlichen Häusern wird uns bezeugt, daß ein Viertel, ein Drittel ober gar die Hälfte aller Kranken auf das Conto des TrunkeS kommt. Eine ganz schlimme Wirkung der Unmäßigkeit ist die Vergiftung der Nachkommenschaft. Trinkerkinder werden in der Regel ungesunde, unglückliche und unnütze Menschen. Viertens denke man an daS Heer der vielen Genußmenschen, die alle höheren Jorale, alle edleren Bestrebungen, alle tiefere Sttt- l djfvit in d n Schänken ersäufen, die hinter dem Glase all- mähltch verflachen und verrohen. Sie find ein schwerer Schaden und eine beständige Gefahr für die Nation. Sie hemmen die Ausbreitung wahrer Cultur und thatkiäftiger Religion Sie ertöbten für sich und andere ein edle- häusliches Leben, ein inniges FamilienglÜck- einen fünften Haufen bilden die vielen Taufende, die der Alkohol immerfort in die Gefängnisse und Zuchthäuser, ArbeitS» und Besserungsanstalten sührt, die er zu Vergehen und Verbrechen gelangen läßt, zu Mißhandlungen, Messerstechereien, Unzucht, Mord. Auch die amtliche Statistik bekennt, daß der Trunk mehr als irgend etwas anderes die Gesängniffe füllt. So könnten wir fortfahren und noch von Unfällen, Selbstmorden u. dgl. reden. Aber jeder Sehende beobachtet iu seiner Umgebung die zerstörende Kraft des Alkohols. ES fehlt weniger am Wissen, als am Wollen. * Wieder ein Opfer von Monte-Carlo. Noch hat sich die Aufregung wegen des Selbstmordes einer Mutter und ihre- Sohnes nicht gelegt, und die verhängnißvolle Spielhölle von Monte-Carlo hat schon ein neues Opfer gefordert. In einer Villa von Mentone hat sich ein junger Mann Namens Johany van Daalem aus Delft in Holland erschossen, van Daalem war ein fleißiger Besucher des Spielhauses und galt als sehr reich. Er scheint Alles, was er besaß, verspielt zu haben, denn in den Taschen seines RockeS sand man nichts weiter als — 12 Centimes. * Strenger Winter in Aussicht. Auf dar Eintreten eines überaus strengen Winters wird daraus geschlossen, daß die Hamster ihre Baue bis zu einer Tiefe von über drei Metern gelegt haben. Prophezeiungen, welche auf dieser Erscheinung beruhen, sollen noch niemals fehlgeschlagen haben. * Zu einem Photographen in Nordhavsen kam dieser Tage eine junge Dorfschöne, um ihr niedliches Gesichtchen im Bild verewigen zu lassen. Der Photograph erlaubte sich die bescheidene Anfrage, ob die Dame ein Brust- oder Kmee- bild wünsche. Etwas schüchtern, doch nicht ohne eine gewisse Eitelkeit bemerkt die ob dieser sonderbaren Frage etwas Ueberraschte: „Ein btSch-n vom Gesicht möchte ich aber gern auch mit darauf haben." Bei der Redaction eingegangene Bücher re.: — Antiquarischer Eatalog Nr. 21 der I Ricker'schen Buchhandlung, Antiquariat-Sortiment Verlag, Gießen, Südanlage 5. Der Katalog enthält 1097 Nummern von Werken hessischer Geschichte, einschließlich hessischer Rechts- und SlaatSwissenschaft. Literatur unb Arrnst. — Eine bedeutsame Wandlung vollzieht sich jetzt in Mode und Haus, wie sie der Uebergang vom Herbst zum Winter oanz naturgemäß mit sich bringt. Und so finbet denn die Umgestaltung der .Mode und des innerhäuslichen Lebens.eine getreue Spiegelung in „Mode «vd HarrS" (Verlag: John Henry Schwerin, Berlin), dem retchtllustrtrten Universalblatt für die Familie, weiches vor Kurzem auf der Internationalen Moden-Ausstellung zu Berlin mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde. Die erste Novembernummer bietet neben dem Inhalt eines vornehmen, tonangebenden Modejournals und dem großen Schnittmusterbogen (zu jeder vier- zehntägigen Nummer) eine schön illustrirte, 8siitige Belletristik von nur ersten Schriftstellern, sowie zahlreiche sehr nützliche und unterhaltende Beilagen, darunter Aerztlicher und Juridischer Rathgeber, das prächtige Damenwitzblatt „Humor" u. A. Auch der Hauütheil und bet „Meinungsaustausch- für Abonnenten sind der Jahreszeit entsprechend zusammengest.llt. Vie'tetj'hrtpreis 1 Mk. Ganz besonders zu empfehlen ist die 1,25 Mk. Ausgabe mit p ächiigen Stahlstich-Moden-Kolorits, naturfarbenen Handarbeiten-Litbographien, Musterfrisuren und 8seiitge Kxtra-Romanbeilage „Aus besten Federn". GrattS-Probenummern von „Mode und Haus" bet den Buchhandlungen und dem Verlag. Abonnements bet elfteren und bei der Post. — Zum siebenten Male tritt soeben der illustrirte Wörtsbosener Mteipp-Salettder (Kempten, Jos. Kösei'sche Buchhandlung. Preis 50 Pfg.) seine Wanderung durch alle Lande an. Wie immer enthält der Kalender eine Reihe sehr we thvoller und nützlicher Abhandlungen über naturgemäße Lebensweise, interesianie Beichte über die segensreiche Heilibätigkeit des unermüdlichen, jetzt 76jährigen Prälaten, eine kurze und doch erschöpfende Chronik über die Entwickelung Worishofens zum internationalen Badeorte u. s. w. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 43. Woche. Vom 18. October bis 24. October 1896. Einwohnerzahl: angenommen zu 23 000 (tnd. 1600 Menn Militär). Sterblichkettsziffer: 13,56, nach Abzug der Ortsfremden 4,52°/». Kinder Es starben es: Zusammen: Erwachsene: im vorn 1. Lebensjahr: 2.—15. Iah: Bösartiger Neubild. 2 (2) 2 (2) — — Unterleibstyphus 1 (1) 1 (1) - - Lungenschwindsucht 1 (1) 1 (1) — — Lebensschwäche 1 1 — Diphtherttts 1 — 1 Summa: 6 (4) 4 (4) 1 1 8nm. Die in Klammern gesetzten Zistern geben en, wie viele ber Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 31. October. Vorabend 415 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 3 Uhr, SabbathauSgang b46 Uhr. Gottesdienst der iSraelittscheu ReligionSgesellschafl. Freitag Abend 445 Uhr, Samstaa Vormittag 880 Uhr, Predigt, Nachmittag 3 Uhr, SabbathauSoang 5*° Ubr. Nachmittag 2“ Uhr SchrifterklLru«-. Wetzsteingaffe 8. Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends Uhr. Verkehr, CanS» und VoLkswirthschäft- Gieße«, 29. October. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochmmarkt kostete: Butter pr. Pfd. JL 1,00—1,10, Hühnereier pr. St. 0*2 St. 13—15 H, Enteneier ( 2 St. > t H, Gänse, eter pr. St. 00—00 Käse pr. St. 5-8 H, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 17 H, Linsen pr. Liter 28 Tauben pr. Paar 0,60 bis 0,60, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,00, Hahnen pr. Stück JL 0,60-1,00, Enten pr. Stück JL 1,40-1,60, Gänse pr. Pfund X 0,46-0,56, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70-74 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 64—68 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 66 bis 66 4, Schweine- fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 70 A, Kalbfleisch pr. Pfd. 60—54 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 60—70 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4 60 bis 5,00 v4L, Weißkraut pr. Stück 0--00 Zwiebeln pr. Centn er .*4,00—0,00, Milch pr. Liter 16 H, Zwetschen pr. Gentner 8-10. Ki«d«r-, 28. October. Fruchtmarkt. Rother Wetzen JL. 14,25, weißer Weizen * 13.90, Korn * 10.25, Gerste * 0.00, Hafer 5.80. Witteruugsbericht vom 28. Oktober. Das barometrische Maximum behauptet mit nahezu unveränderter Intensität die Herrlchaft über dem Südosten des Erdtheils. Auch in Central-Europa ist die Luftdruck-Vertheilung und damit auch die Witterungsverhältniffe vorerst noch wenig verändert. DaS Dkprefsions-Centrum ist von de« Nordsee bis Süd Sc-ndinavien vorgerückt und hat sich dabei wieder etwas vertieft. Außerdem rückt vom Südwesten her ein neues Minimum heran, unter d«ssen Einfluß über West-Frankreich und der Riviera sich neuerdings Niederschläge eingestellt haben.! Voraus UibttiSr Bittminii Im Norden andauernd trüb, im Süden gleichsalls zunehmende Bewölkung und allmältg Eintritt von schlechterem Wetter. Feierabend für Lehrlinge. Mit nächsten Sonntag, den 1. November, beginnen wieder die regelmäßigen Zusammenkünfte. Dieselben werden jeden Sonntag Abend von 6 Uyr ab im Saale des alten Rathhauses stattfindtn. Alle Lehrlinge sind herzlichst willkommen. 9619 Für den Vorstand: Dr. Grein. .-^Kosen/chule in Oberursel am Taunus empfiehlt in großer Auswahl kräftige, gut gewurzelte Obsthochstämnie, Zwergobst- bäume, Beerenobsteträucher etc. in den besten Formen, sowie Rosenhochstämme und Rosenbüsche. Auf allen beschickten Ausstellungen (Berlin, Frankfurt a M- re.) nur Erste Preise. Jllustrirtes PreiS-Verzeichniß umsonst und postfrei. 9807 von Ernst Lüttich P. Jos. 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