’^MnWtt. 204 W,!). ilchemt täglich, »i ÄuSnahmr dcS NontagS. if)it Gießmcr kienvtätler 1S96 Sonntag den 30. August Zweites Blatt Gießener Anzeiger Vierteljähriger Aöonnemcnlspreis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: «gebG m 9. bfeft I, den 31, tz C uren Nr :he richt. lntm eigen? dazu Vv in meiner Wohmm i und Wra,Plichk- ALiungSvoll weph Möhl ngen 4020 ~ Ls. E I. Niedenau 15, r. 111 us trirte Preit' essen, eiNtzrMrten 8ri>- istcheruogsSt!! affo — wird ßi I Offerten unter G. 1 ion d. Bl. ecklen. nr Last üu Cheviots, Backekina, in gediegener Kns* Vorlagen, SoW-i ortieren. 16, FSrbnei Schriftart und K«^'' n angefertigi mir -Druckerei (Piefc- ScholBtraase 7.__, fjenr* , Mittelwttr Midional rlugiejm iminkt Rufltn ^Türken Milche Rente itneftn ' Kreditbank Bank f- D- . Kredit Bankverein t Ottomane - Ungar. Bl. 1 a iia : fcnitr dem Anzeiger IAmtlich dreimal beigelegt. Kenerat-Anzeiger. Schulstraße Mr.7 Fernsprecher 51. Amts- rmd Zlnzeigeblcrtt für bat Tkveis Gietzen. Mnnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den «WnLen Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Hralisöeitage: Hießener Aamikienökätter. Alle Annoucen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. AnntUche»' Thril. MH tr.: Die Abhaltung von Viehmärkten zu Homberg a. d. O. velanatrmulmua. Grohh. Ministerium deS Innern hat die Abhaltung des -:411dm 2. September I. I. fälligen BiehmarkteS zu Hom- 'rltia o. d. O. unter folgenden Bedingungen gestattet: 1, Mr Auf- und Abtrieb des Viehes ist den Anträgen des KreiSveterinäramteS gemäß je eine bestimmte Stelle ku schaffen, welche allein benutzt werden darf. 2, Huf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten der Kreise Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Gießen, Büdingen und Friedberg, Thiere von Händlern aber nur daun, wenn ste mindestens 7 Tage in unverseuchten Orten der fraglichen Kreise in seuchenfretem Zustande gestanden haben, aufgetrieben werden. .3. AuS preußischen Orten, die nicht über 10 Kilometer non Homberg entfernt liegen, dürfen gleichfalls Thiere N'igelaffen werden, wenn über dieselben glaubhafte Ur- siprungSzeugniffe vorgelegt werden, daß sie in jenen Orten dauernd gestanden haben. Thiere von Hand- Hern sind jedoch auch in diesem Falle nur unter der Eid 2 erwähnten Bedingung zuzulaffen. LlSfeld, den 22. August 1896. Grobherzogliches KreiSamt Alsfeld. I. V.: H a m m a n n. Deutsches Reich. »«toi, 26. August. Gemäß der im Frühjahr zu Stande xprkommenen Novelle zum Gesetz über die FriedenSpräsenz- ftkU deS Heeres werden mit dem 1. April 1897 je zwei »stv vierten Bataillone zu einem Vollbataillon ver- «Wgt und dieses durch geringe Abgaben der drei ersten IBataUHone auf eine Stärke von rund 600 Köpfen gebracht «Orten. Je zwei dieser Bataillone sollen ein Infanterie- »«zimt nt, die beiden Regimenter eines Armeecorps eine Jn- fimlkr! ebrigade bilden. Natürlich werden diese Umgestaltungen »Mir, dem gegenwärtig der Erörterung unterliegenden Ent- wurf zum ReichShauShaltSetat für 1897/98 zum Ausdruck kommen. Wie bereits bekannt, wird jedoch durch die Neuformationen keine Koftenerhöhuug im fortlaufenden Etat der Militärverwaltung hervorgerufen werden. Auf die beim Gesetze vom 3. August 1893 vorgesehene Anforderung zur Vermehrung deS Offiziers- und Unteroffiziers - Etats der Specialwaffen mit zweijähriger Dienstzeit kann nämlich nunmehr verzichtet werden, und die dadurch frei gewordene Summe ist sogar größer als die Kosten der in Folge der Umwandlung der vierten Bataillone entstehenden Organisationsänderung. ES wird fich also als schließlicher Effect noch ein Minder- bedarf bei den fortdauernden Ausgaben Herausstellen. Die einmaligen Ausgaben für die OrganisattonSänderung find auch nicht bedeutend. Des weiteren hofft man, daß die Ge- sammtauSgaben für die Unterbringung und die Beschaffung der nöthigen Garnisoneinrtchtungen schließlich niedriger sein werden, als im Jahre 1893 in Aussicht genommen wurde. ES ist jedoch schon bei der oben erwähnten Novelle bemerkt worden, daß es nöthig sein wird, die erforderlichen Summen in kürzeren Zeiträumen verfügbar zu machen. Aus diesem Grunde war ja schon der Nachtrag zum laufenden Etat auf- gestellt. Auch im nächstjährigen Etat wird hierfür eine größere Summe erscheinen. Grünberg, 27. August. Der heute dahier abgehaltene, mit Prämitrung von Rindvieh und Ankörung von Bullen verbundene Markt zeigte einen lebhaften Betrieb, was wohl zum guten Theil dem wegen Maul- und Klauenseuche erlassenen Verbot deS Gießener Marktes zuzuschreiben war. Der Handel mit Schweinen namentlich war ein recht flotter und wurden gegen seither beffere Preise erzielt, was auch für beffere Maare beim Rindvieh der Fall war. Nach den Ergebnissen der bezahlten Marktstandgelder waren 74 Stück Rindvieh (gegen sonst allerdings kein Unterschied) und 860 Schwein? aufgetriebeu gewesen. Ridda, 27. August. Gestern Nachmittag wurde unsere Gegend von wolkenbruchartigen, mit Hagelschlag und Gewitter begleiteten Regengüssen heimgesucht, wodurch allem Anscheine nach das ob der seitherigen ungünstigen Witterung schon längere Zeit auf dem Felde lagernde Getreide zu Grunde gerichtet worden ist. Auch für die Kartoffelfelder find die bisherigen Regen sehr bedenklich- weiterhin haben die letzteren eine derartige Anschwellung des Niddafluffes und deffen Zuwäffer verursacht, daß die meisten anliegenden Mühlen zur Zeit stille stehen. § Gedern, 28. August. Bei der heute hier abgehaltenen Beigeordueteuwahl wurde Herr Karl Vonalt hier mit 59 Stmmen gewählt. ES waren 4 Landidaten aufgestellt. Harbach, 26. August. Die Wahrheit deS Sprichwort-: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen" durften vor einigen Tagen zwei ältere Frauen aus einem Nachbardorfe an fich erfahren. Sie wollten nämlich hier ein Füllen holen, kehrten aber erst in einer hiesigen Wirthschaft ein, woselbst sie einen au- der Fremde zurück- kehrenden Mann aus ihrem Heimathsdorfe trafen, welcher sie mit Speise und Trank nach Herzenslust bewirthen ließ. Die Weiber, solches Dinges nicht gewohnt, bekneipten fich dabei regelmäßig, so daß sie den Heimweg nicht mehr finden konnten und zum Gaudium der hiesigen Jugend längere Zeit auf der Straße herumpurzelten. Nachdem ste bei Mutter Grün längere Zeit geruht und sich erholt hatten, gelang es ihnen doch noch, vor einbrechender Dunkelheit ihre Heimath zu erreichen. Ihr Wohlthäter hatte fich schon vorher aus dem Staube gemacht. 4- Bad-Nauheim, 28. August. Heute Vormittag ver- unglückten an einem Neubau in ter Moltkestraße zwei Arbeiter dadurch, daß ein herabsallender Stein das Gerüst auseinanderschlug und die beiden Arbeiter in die Tiefe stürzten. Beide, von Ober-Mörlen stammend, wurden sofort tu die Klinik nach Gießen geschafft. Wie wir hören, soll der eine, Vater von zwei kleinen Kindern, auf dem Transport gestorben sein. * ZnSbruck, 27. August. Vergangene Nacht fiel bis ins Mittelgebirge herab Schnee. Stubai liegt im Schnee, Jgls bot heute früh ein ganz winterliches LaudschaftSbild. Auch in JnSbruck fielen NachtS einzelne Flocken. FeuMeton. Wochenbriefk aus der Residenz. (Originalbericht deS „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 28. August. SLttrkaueu. — Touristisches Stiftungsfest. — Kuustlebeu. Bon der Hochschule. Mit einem außergewöhnlich intereflanten Programm trat ü-iMal der Radfahrerverein Darmstadt bet seinem großen Lkiutrenneu am Sonntag vor das Publikum. Die Namen v»'i ersten Sportsgrößen standen darauf verzeichnet und übten e tm ungeheure Anziehungskraft aus, denn ein nach Tausenden zMmdeS Publikum strömte der Rennbahn in den ersten Al«tnlttagSstunden zu. Allerdings sollten die Rennen durch diisWagen einzelner gerade besonders hervorragender Fahrer eite Einbuße erleiden, doch gestalteten sie fich schließlich doch zi.u tiitem der interessantesten Sportskämpfe, die in den letzten 3ßa|Ttn hier stattgefunden. Im Ganzen wurden fieben große Wr:mn gefahren, wobei einmal eine Strecke von 6000 Meter ziWikgelegt werden mußte. Zwischen dem 6. und 6. Rennen txtatbtr Meister des Radfahrersports, August Lehr von Wivlfurt a. M. auf, gewtffermaßen als „Solofahrer , den d,äs Publikum schon bet seinem Erscheinen auf der Rennbahn ststmsch begrüßte. Ec durchfuhr, ohne Concurrenz bestehen zuft müssen nur von Schrittmachern begleitet, 5000 Meter -ite ? Minuten 352/s Secunden. Dieses Ergebniß kann zwar nirch ais ganz besonders hervorragend gelten, denn beim Htmptrennen waren 6000 Meter in 9 Minuten I8V5 Sekunden belaufen worden, was der Leistung LehrS im Durchschnitt mm gcrnz wenig nachsteht, es war aber doch intereffaut, den bic*iten Meisterfahrer einmal „arbeiten" zu sehen, und dcÄ Publikum dankte ihm denn auch für sein Erscheinen teM l auten Beifall. I ntereffaut war auch die Vorführung deS in der öfter- reü'Men Armee eiugesührteu Kriegsfahrrades, daS von ciiacim sseldmarschmäßig bepackten Infanteristen gefahren wurde. Wni imfflich functiouirende Rad kann in ganz kurzer Zett zrWimmengepackt und auf den Rücken geschnallt werden, und rLÄvso ist eS auch in einer Minute vollständig wieder ge- hckiMhKsähig gemacht. Außerdem führte noch ein Vertreter der Firma Lutz eine höchst intereffante Neuerung vor, nämlich ein Fahrrad, bet dem die Kette durch eine auS Hartgummi hergestellte Zahnradeinrichtung ersetzt ist. Die Construction erregte allgemeines Aufsehen und sicher dürfte die Firma, die ihre Erfindung zur Patentirung angemeldet hat, großen Nutzen daraus ziehen, zumal die Herstellungskosten bei umfangreicher Fabrikation wohl geringer sein werden, als bei dem alten Verfahren. DaS Sports fest war bereits am Sonntag durch einen CommerS in der „Alten Post" eingeleitet worden, die Preis- vertheilung fand Abends im Weißen Sanle der „Stadt Pfungstadt" statt. Ein flotter Ball schloß fich an sie an. Besonderen Dank schuldet der Radfahrerveretn den Herren, die fich in liebenswürdigster Weise zur Annahme des Amtes als Mitglied des Ehren-Wettfahr - AuSschuffeS bereit erklärt hatten. Darunter befand fich auch Se. Exe. Herr Kriegs- Minister v. Goßler. Auch Seine Großherzogliche Hoheit Prinz Wilhelm von Hessen beehrte das Fest wiederum durch seine Gegenwart und folgte dem Rennen mit lebhaftem Interesse. Der Odenwaldclub, von dem wir in letzter Zeit häufig berichten konnten, hat am Sonntag wieder einen schönen Er- iunerungstag begangen, das zehnjährige Stiftungsfest der Thurmeinweihung auf der Kaodener Höhe. Der Ernst - LudwigSthurm, so nach dem jetzt regierenden LandeSherru genannt, lockt alljährlich Tausende Touristen nach dem Knodener Kopf, der vordem nur spärlich besucht war. Zu seinem Standort strömten am Sonntag von allen Seiten des Odenwalds Genoffen und Freunde deS Oden- waldclubS, namentlich der Sektion Bensheim, der der Thurm gehört. Das Fest verlief unter Betheiligung von mehreren Vereinen aus den Nachbardörfern fröhlich und bei verhältuiß- mäßig guter Witterung. Der LudwigStag, der als Namenstag unseres Groß- Herzogs von Alters her in der Residenz gefeiert wird, wurde in üblicher Weise begangen. Die Stadt prangte im Flaggenschmuck und draußen in der KnabenarbeitSanstalt, die zur Zeit 200 Zöglinge zählt, fanden die üblichen Spiele für die kampfeslustige Jugend statt. Zahlreiche Zuschauer hatten sich auch diesmal zu dem in Darmstadt sehr beliebten Vergnügen eingefunden und beobachteten die Wettkämpfe der Knaben um die einzelnen „Preise" mit großem Jateresse. Die Sommervergnügungen der letzten Zeit hatten durch daS ganz abscheuliche Wetter natürlich stark zu leiden. Die Sommerfrischler kehren in Schaaren auS den Bädern und Luftkurorten zurück, um zu Hause weiter zu frieren, und die Saalbauconcerte exrstiren eigentlich nur noch auf den Placaten, denn schon mehrmals find fie nun verregnet. Das Sommertheater hat von der Ungunst der Witterung allerdings einigen Bortheil gehabt, denn der Besuch der Vorstellungen, in denen noch immer der Zwergkomiker Mally als Gast wirkt, hat sich in erfreulicher Weise gehoben. Der Spielplan des Hoftheaters ist nun auch in der Presie bekannt gegeben worden. Er bringt gleich im Anfang daS Debüt deS für Herrn Kammersänger Bär verpflichteten Heldentenors Herrn Minner von Hannover und Aufführungen von Schillers „Jungfrau von Orleans" und Grillparzers Trauerspiel „König Ottokars Glück und Ende" sowie „Wehe dem der lügt", einem Märchenspiel desselben Dichters. In der Oper soll bald GoldmarkS „Heimchen am Herde" als Novität folgen, außerdem bereitet man Richard Wagners „Trifton und Isolde" in neuer Einstudirung vor. Ob für den Besuch deS russischen Kaiserpaares zu Anfang Oktober auch im Hoftheater besondere Vorbereitungen getroffen werden, wie wohl zu erwarten ist, ist noch immer nicht bekannt geworden. Die technische Hochschule versendet zur Zeit daS Programm für daS Studienjahr 1896/97. Nach den Mittheilungen über den Personalbestand besteht das Lehrerkollegium zur Zeit aus zwei ordentlichen und sechs außerordentlichen Professoren, 22 Privatdozenten, 16 Assistenten und 6 zur Assistenz herangezogenen Herren. Jnteressiren dürfte die Bewohner der alten Studentenstadt Gießen auch daS Verzeichniß sämmtlicher studentischer Korporationen, eß sind dies nach den Gründungsjahren aufgezählt: Ausschuß der Studtrenden (an dem alle Korporationen Vertreter entsenden), Eorps „Hasfia", „Akademischer Verein", Korps „Rhenania", Verbindung „FtdelitaS", Burschenschaft „Germania", Burschenschaft „Frifia", Korps „Franconia", „Skizze", akademisch technischer Verein, Burschenschaft „Rheuo-Guest- phalta", Verein bulgarischer Studenten „Nanko", Verbindung „Khatria", Khemtsch technischer Verein, Academischer Turnverein „Alemannia", Verbindung „Teutonia". Von diesen 15 Korporationen tragen 9 Farben und führen eigene Waffen. A « 5 Hunger. Boa Ham» Nichter. (Schluß.) Tr setzte sich em Eingang der Hütte nieder, nachdem er noch gefragt hatte, ob er ihr nasse Umschläge um die Füße machen dürfe, welche Keckheit sie nur mit eine« entrüsteten Kopfschüttelu und einem wütheuden Blick zurückwieS. DaS Gewitter war zu Ende, es hellte sich auf, doch der Regen hielt an. In laugen gleichmäßigen Fäden strömte er nieder, als wolle er nimmer aufhören. Eine Stunde verging, ohne daß die Stille der Hütte von etwas anderem unterbrochen wurde, als dem monotonen Rieseln und Plätschern der Regentropfen. Gerda wurde eS heiß und wieder kalt — kein Zweifel, das zimperliche Fräulein Möller war schon unterwegs vom Regen festgehalteu worden und noch fester saß fie selber hier mit ihrem lahmen Fuß, noch dazu in Gegenwart dieses abscheulichen Menschen. Verstohlen blickte fie zu ihm hinüber, der, als sei fie gar nicht vorhanden, in einem Reclam-Bäudchen las. Nein, abscheulich sah er eigentlich nicht aus, recht gutmüthig vielmehr, sogar hübsch, wenn auch schon ein btScheu verwittert. Aber aus dem glänzenden Offiziersleben, aus zusammen- gebrochenem Wohlstand heraus nach Australien, zehn Jahre Goldgräber und Schasszüchter spielen, ein Vermögen erarbeiten, — daS ist doch eine MauneSthat, der mau ein paar Fältchen und graue Haare zu gut halten kann. Und gutmüthig war er auch, — die Armen im Dsrfe wußten eS; sogar die unerträglich langweiligen Geschichten der Lauzleträthiu hörte er geduldig mit lächelnder Miene an, nur weil die alte taube Frau sonst kein Vergnügen hatte. Jetzt öffnete er sein Ränzel und zog ein Pickelchen mit belegten Butterbrodeu, eine kleine Flasche Wein und einen silbernen Becher hervor. Die bisher noch einigermaßen romantische Situation wurde nun zu einer ganz prosaischen. Gerda befand sich in dem beneidevSwertheu Besitz eines außerordentlich gesunden, zwanzigjährigen Magens, fie war stundenlang bergauf, bergab gestiegen, — dar Waffer lief ihr im Munde zusammen, während der Australier ein Brödchen nach dem andern unter seinen weißen Zähnen verschwinden ließ. Wahrhaftig, dieser barbarische SchasSzüchter schien im Staude, alles aufzuessen, ohne ihr einen Bissen anzubietev! Hunger und Stolz gerlethen in ein Duell, aus welchem der erstere als Sieger hervorging, wie das weistentheilS geschieht. „Herr Eckebrechri" klang eS schüchtern aus dem Winkel hervor. „Liebe Gerda!" fragte er emporschnellend. Jetzt schien fie die verhaßte Vertraulichkeit zu überhöre». „Würden Sie mir, gegen Bezahlung natürlich, ein Brödchen überlassen?" „Gegen Bezahlung — nein, doch sonst sehr gern. Ich möchte nicht mit dem Wuchergesetz in Coufitct geratheu, daS die Ausbeutung einer Rothlage verbietet," . . . uni fc kauerte er auch schon neben ihr, legte ihr vor, ,v’ Sei» in den kleinen filbernen Becher und plauderte bah als fei gar nichts zwischen ihnen vorgefallen. Er war ha kein Barbar, tm Segeutheil, wirklich gut, — und wie s.j, Augen so war« und treuherzig blickten! „Ach, daS schmeckt!" „Sehen Sie nun, wie weh der Hunger thut — 0:i nun gar der Hunger nach einem Glück, nach" — Webttj Unterbrach sich, denn Gerda war, daS hübsche Gesichtchen Purpurgluth getaucht, scheu bet Seite gerückt, aber Hand, die er gefaßt, entzog fie ihm doch nicht. Sie sehr heiß und bebte. „Aus Hunger haben Sie «tr r? freundliches Wort gegeben. Warum wollen Sie benn ar Herzen verschmachten lassen?" Und plötzlich kam eS ihr zum Bewußtsein, wie tir;ai und unzufrieden fie fich tu den Tagen gefühlt hatte, t, e,afc fie ihm aus dem Wege gegangen war, wie ihr fyti allem Mäschentrotz doch nach ihm verlangt, so sehnsützvc , — ja, wirklich hungrig. „Liebe Gerda!" ... Da war auch sein guter sicht dem ihrigen schon so nahe, daß fie nicht wehr u weichen konnte. Halb lachend, halb weinend stieß fie hervor: auS Hunger, Du Böser, Lieber!" Und daun küßte er an frischen Lippen satt. BehördlicheAnzeigen Im ConcurS über den Nachlaß des Müllers Friedrich Frey in Lollar findet demnächst die erste Abschlagsvertheilung statt. Der hierzu verfügbare Kassenbestand beträgt Mk. 17020.22, die daran partici- pirenden Forderungen Mk. 85101.25; hiernach erträgt es den Gläubigern 20 pCt. Verzeichniß der Betheiligten ist auf der Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts niedergelegt. 7681 Gießen, den 28. August 1896. F. Hoffman», Concursverwalter. Versteigerungen. $ | Samstag den 5. September, Nachmittags 2 Uhr. werden auf Großh. Ortsgericht die zum Nachlaß der Marie Slamfpeck gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 257 — 19 qm Hofraum, Miststätte in der Löwengasse, Flur 1 Nr. 259,8 — 75 qm Hofraithe daselbst freiwillig versteigert. 7548 Im Auftrag: A. Hoffman«. Grummetgras- Berffeigernrrge« der Fürstlich Solmsischen Rentei Lich. DaS GrummetgraS von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert: Montag den 7. September, Vormittag- prüeiS 8 Uhr, von den Wiesen in der Gemarkung Lich oberhalb der Stadt, zusammen 116 Morgen. Zusammenkunft an der Sau- brücke nächst der Peinmühle. «n demselben Tage, Nachmittag» Präei» 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich und von der großen Teichwiese, Gemarkung Hof Illbach, zunächst der Staatsstraße Lich-Gießen, zusammen ca. 30 Morgen Zusammenkunft tm Schloß- eortcn an der Etsenbahnbrücke. Dienstag de« 8. September, Vormittags präctS 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen «ühlsachse«. Ober- und Niederbessinge«, i. Ganzen 180 Morgen. Zusammenkunft in Mühlsachsen. Mittwoch de« 9. September, vormittag» präeiS 9 Uhr, von der Fürstlichen MS«ch- und Strauch- waldwiese, Gemarkung vnrkhard»- felde«, zusammen 70 Morgen. Zusammenkunft in der Möachwiese. Dte AuSgebote geschehen in Abtheilungen von 1 bis 2 Morgen. Sich, am 27. August 1896. Fürstlich Solmsische Rentei. 7675_____________Kreiling. Grnmmetgras- Berffeigerung. Dienstag den 1. Sept. d. I., Vormittags von 8«/, Uhr an, soll das Grummetgras von den Alten- Busecker Gemeindewiesen an Ort und Stelle versteigert werden. Der Anfang ist am Großen-Busecker Weg an der Lehmkaute. Atten-Buseck, am 28. August 1896. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. Körber. 7687 Grnmmetgras- Berfteigcrung. Das Grummetgras von den Wiesen der Gemeinde Wieseck soll nächsten Mittwoch den 2. September l. I. versteigert werden. Der Anfang zu den Wiesen bei Wieseck ist des Vormittags 9 Uhr in dem Dorfeld'schen Garten dahier und zu den Wiesen bei der Badenburg des Nachmittags 5 Uhr auf der Badenburg. Wieseck, am 28. August 1896. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Sommerlad. 7690 Gvummetgvas- Versteigerung. Das Grummetgras von den hiesigen Pfarrwiesen soll Mittwoch de» 2. September l. I., Vormittags nach Beendigung der Grummet- gras-Versteigerung der Wiesen der Gemeinde Wieseck, in dem Dorfeld schen Garten dahier versteigert werden. Wieseck, am 28. August 1896. 7691 Sommerlad, Bürgermeister. mpfehlungen. Statt. Schlachthaus. Freibank. 7649 Heute und Montag: Ochsenfleisch nicht ladenrein, pr. Pfd. 54Pfg. Die Freibank bleibt bis 10 Uhr Abends geöffnet. I tödtet in drei Minuten alle Fliegen, U Schnaken und Flöhe in Zimmer, Küche oder Stallung unter Garantie. Nicht giftig! Dalma giebt eS nur in /Hr mit tÜr* (e.LAHR) versieg. Flaschen au 30 und 50 H. XSSX Patentbeutel unbedingt nothwendig, hätt jahrelang, 15 H. 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