ilt. 229 Dienstag den 29. September Zweites Blatt 1896 Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Redaction, Expcdiüow und Druckerei: Schulgraße ^lr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Kbonncmentsprcir: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Amts- und Anzeigeblatt für den Ttveis Gietzen Der -»ieheurr Aureigcr ^scheint täglich, rtt Ausnahme deS Montags. Die Gießener n mikien bkälter neiden dem Anzeiger ptchentlich dreimal brigelegt. chratiskeilage: Hießener Aamilienölätler. .. Airnahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. ■ Amtlicher TH«U. Nr. 32 des Reichs-Gesetzblattes, aulgegeben den 25. \\i. Mts., enthält: (Nr. 2339 ) Bekanntmachung, betreffend die Verein« launig erleichternder Vorschriften für den wechselseitigen Ver« Khr -wischen den Eisenbahnen Deutschlands und Luxemburgs. Boa 16. September 1896. (Nr. 2340 ) Bekanntmachung, betreffend die dem inter« lattonalen Ueberetnkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr leigt fügte Liste. Vom 20. September 1896. Gießen, den 26. September 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gag ern. Gießen, den 23. September 1896. Betreffend: Die Ableistung des Huldigung-« und Der- faffungSetdeS. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme derjenigen der Amtsgerichtsbezirke Grüuberg und Homberg. Die Ableistung deS Huldigung-« und VerfaffungSeideS lir In Ihren Gemeinden neu aufgenommenen OrtSbÜrger, lotBlr derjenigen Großherzoglich Hessischen Umerthanen, welche Pt, ohne Ort-bürger zu werden, verheirathet haben, soll wie ichktehend angegeben, stattfiuden: 1) der OrtS« und Staatsbürger au- den in den Amt-« gerichtSbezirken Lich und Butzbach gelegenen Gemeinden de- Kreises Gießen Freitag den 2. October d. I., Nachmittags 2 Uhr, in dem Rathhause zu Lich- 2) der OrtS- und Staatsbürger au- den in den Amts- gerichtSbezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden de- Kreises Gießen Mittwoch den 7. October d. I, Nachmittags 2 Uhr, in dem Rathhause zu Hungen,- 3) der OltS- und Staatsbürger au- den in dem Amts- gerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Dienstag den 20. Oetober d. I., Bormittags 11 Uhr, in dem RegterungSgebäude (auf dem Brand) zu Gießen. Wir beauftragen Tie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und, wie geschehen, unter Angabe der Namen der Vorgeladenen aozuzetgen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war. Halten fich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben. v. Gagern. vekarmtmachmlL betreffend: Die Maul- und Klauenseuche,- hier Abhaltung von Viehmärkten. Das Großh. Ministerium der Innern hat die Abhaltung eines Viehmarktes zu Echzell am 5. October d. I. unter den nachstehenden Bedingungen genehmigt: 1. Für den Auf- und Abtrieb ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Der Marktort hat das nöthige Aufsichtspersonal zu stellen, damit den getroffenen Anordnungen genau nachgekommen wird. 2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten des Großherzogthums Heffen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchefteiem Zustand zugebracht haben, aufgetrieben werden. Beim Auftrieb der Thiere ist durch eine streng zu handhabende Controle der betreffenden Ursprungsscheine zu verhüten, daß andere Thiere auf den Markt gebracht werden. 3. Außer der Controle der Ursprungszeugniffe hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen. Büdingen, den 22. September 1896. Grobherzogliches Kreisamt Büdingen. ________________Klietf ch._____________________ Bekanntmachung, betreffend die zu veranstaltenden Erhebungen für den diesjährigen Jahresbericht des FabrikinspectorS für den AuffichtS« bezirk II. Die rubr. Erhebungen sollen wie im vorigen Jahre auch diesmal in der Weise bewirkt werden, daß für jeden Alle Annonccn-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen , Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. der Aufsicht des FabrikinspectorS unterliegenden Gewerbebetrieb von dem Gew erbeuuteruehmer selbst ein besonderer Fragebogen auSgefüllt wird. Dieser Fragebogen wird in den nächsten Tagen den Gewerbeunteruehmeru von den Ort-Polizeibehörden zur Ausfüllung Übermittelt werden. Wir weisen die Gewerbennternehmer hierdurch darauf hin, daß sie nach § 139b, Absatz 5, der Gewerbe« ordnung verpflichtet find, die gewünschten statistischen Angaben innerhalb der vorgeschriebenen Frist und in der vorgeschriebenen Form zu machen, widrigenfalls fie im Unterlassungsfälle nach § 149, Abs. 1, Nr. 7 der Gewerbeordnung strafbar sein würden. Da die OrtSpolizeibehvrden von uns angewiesen find, bis zum 10. Oktober d. I. die auf den Ziegeleibetrieb bezüglichen und bis zum 1. Januar 1897 die übrigen au-gefüllten Fragebogen wieder an nnS einzusenden, so wird rechtzeitige Ausfüllung seitens der Unternehmer erwartet. Soweit Fragebogen für Betriebe auszufüllen find, welche nur zu gereiften Zeiten des Jahres betrieben werden, find die für die Zeit des Betriebes solcher Anlagen im Jahre 1896 giltigen Arbeiterzahlen in dieselben einzutragen. Gewerbeunternehmer, deren Betrieb der Aufficht deS Fabrik« inspectors unterstellt ist und die keinen Fragebogen zugeftellt erhalten, wollen solchen bei ihrer Polizeibehörde reclamiren. Gießen, den 25. September 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, 25. September 1896. Detr.: Wie vorher. De8 Grotzherzogliche.Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien «ud Polizeibehörden des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser heutiges Ihnen besonders zugehendes Amtsblatt ohne Nummer machen wir Sie auf vorstehende Bekanntmachung noch ausdrücklich aufmerksam. v. Gagern. ^uiUeion. „Lhirr-Narre n". Von Claus Menger. (Nachdruck verboten.) Wer die Natur liebt, wird auch den fie bevölkernden 1t|chöpfen seine Sympathie nicht vorenthalten. Der Johannis« iiisrr, rote er aus dem Moose zur Mitsommerzeit hervor« lliüchtet, das Eichhörnchen, wenn es an den Arsten so drollig Utiöe akrobatischen Künste zeigt, Golddrossel und Blutfink, die •n|en Herz mit köstlichem Gesang erquicken — eS ist so »lÜrlich, so selbstverständlich, daß wir an diesen Geschöpfen -rsvllen finden und ihn auf jede nur mögliche Weise an den log legen. Aber der Mensch kann seine Freundschaft für :Hl Thierwelt ebensogut auch Übertreiben. Sie kann zur iüonlc werden, die jedes andere Gefühl in seiner Brust aiksidrückt, zur Narrheit, die sein Denken in schiefe Bahnen viöngt. Magoan in Paris, ein Gelehrter, der die über« wlbenen Sympathien des Menschen sür die Thierwelt zum «igenstand seiner Forschungen gemacht hat, theilt mehrere Ml- mit, in denen ans jener Neigung ein regelrechter Wahn« jfrn hervorgegaogen. So lernte er eine Vegetarierin kennen, ft- au- Furcht, die Thiere könnten geschlachtet werden, ihr fliy.e Vermögen darauf verwendet, in die Schlachthäuser zu Hm und so viel Vieh fortzukaufen, wie eS ihr irgend die Still tl erlauben. Die Thiere selbst setzte fie in Freiheit, ohne Biron zu denken, daß fie doch wieder auf irgend eine Weise üu ihnen selber so verhaßten Bestimmung in die Arme laufen. !Smn ihre Mittel erschöpft find, so bittet fie die Fleischer- Men flehentlich, den Thieren doch nicht- zu Leide zu thnn. 3irb fie gewahr, daß fie auf diesem Wege nichts erreicht, so Mvh fie in Zorn und stößt die härtesten Beleidigungen anS. MH krasser tritt der durch eine übertriebene Thierfreundschaft »unsachte Wahnsinn bei einer anderen Frau hervor. Die OStllbevnng, welche der Gelehrte vou ihr entwirft, ist geradezu »thrand: „6te kann bei Nachts nicht schlafen, wenn eS eignet, weil fie an die unglücklichen Thiere denken muß, die Buchen ohne Schutz find- fie wird krank, wenn fie steht, Bii ।dn Pferd mit der Peitsche geschlagen wird- fie bricht i1°r."hränen an-, wenn fie an dieBivisectton denkt- fie sucht auf btr Straße die Glasscherben auf, an denen die Pferde fich etwa verwunden können- fie leidet am Droschkenhalteplatz nicht, daß man ein Gefährt nimmt, wenn daS Pferd gerade frißt- fällt ein Thier, so hat fie keine Ruhe, bi- eS abgespannt ist, und geräth in Wuth, wenn man eS schlägt. Einen Kohlenfuhrmann, der beim Anspannen sein Pferd mißhandelte, bat fie, ihr daS Thier zu überlassen. Sie liebkoste eS, spannte eS selber an und kam alle Morgen eigens zu dem Zweck in den Stall. Sie kaufte ein altes Pferd, nur um für dasselbe das Futter zu bezahlen, und ist unglücklich, daß fie nicht die Mittel besitzt, ein Asyl für alle alf und schwach gewordenen Pferde errichten zu können." ES ist eine bisher von der Wissenschaft noch nicht aufgeklärte Erscheinung, daß gerade da- weibliche Geschlecht diese Neigung zeigt, solche übergroße Freundschaft für die Thierwelt an den Tag zu legen. Besonders Hund und Katze erfreuen fich derselben. Welcher Überschwänglichen Freund- schaftSänßerungen solch eine Hundefreundin fähig sein kann, wird wohl schon jeder von uns aus eigener Erfahrung kennen gelernt haben. Zumal einige bestimmte Rassen müssen einen schier unwiderstehlichen Eindruck auf so ein für die Hundewelt schwärmendes Gemüth machen. Dies gilt vor allem vom Mops. Diese Rasse, von der eS im Sprichwort heißt, fie sei so dumm, daß fie den Mond anbellt, ist eß vornehmlich, die eß der Frauenwelt angethan hat. Ich habe eine Bekannte, eine sonst vortreffliche Frau, welche nur die eine Untugend besitzt, daß fie die Liebe, welche fie im Grunde der Menschheit schuldet, ans ihren Mopß Übertragen hat. Eß ist ein abscheuliches Thier: launenhaft, unartig, naschsüchtig und kläffend. Sie und ihr Mop- find von einander unzertrennlich. Als fie mich, das scheußliche Thier unter dem Arm, einmal auf der Straße traf, sagte fie mir gerade ins Geficht: fie und ihr Mopperl seien hochersrent, mich einmal wtederzuseheu. Sie identifictrte fich eben mit dem Thiere ganz und gar- fie schiebt ihrem Liebling alle Gedanken und Gefühle unter, deren fie selbst fähig. Gleichwohl hat er alle Gutthatev, mit denen fie ihn überhäufte, mit dem schwärzesten Undank belohnt. Denn all ich neulich in der Zeitung die so fett wie nur möglich gedruckte Annonce laß: »Zehn Mark Belohnung. Verloren ein Schooßhund mit einem Auge, ohne Schwanz, auf den Namen Moppel hörend, zu fett, um laufen zu können," — da wußte ich sofort auß diesem Signalement, daß eß nur der garstige Liebling meiner Hnndefreundtn sein könne. Die Absonderlichkeiten, welche gerade bei der Freundschaft solcher Thiernarren für den Hund zu Tage treten, lassen sich gar nicht aufzählen. Eine Frau in Warschau hat drei Stubenhunde, die fie mit besonderer Sorgfalt Pflegt. „Einmal nun arrangirte die Dame für ihre Lieblinge eine Hunde-Gesellschasl. Zur bestimmten Stunde kamen in Kutschen und anderen Equipagen zwölf dazu geladene Hündchen an« gefahren, die verschiedene phantastische CoftÜme und Mützen trugen. Im Speisesaal war die Mittagstafel gedeckt. Daß Menn für die vierfüßigen Gäste war ein außgesncht feines. Als Imbiß wurden schön decorirtePastetchen gereicht, darauf folgte Roastbeef, Kalbsbraten, Wildbraten, Geflügel und znm Schluß das Dessert. Bedient wurden die Vierfüßler von Lakaien, die über diese exceotrische Laune der Hausherrin allerdings sehr tndignirt waren." — Ein anderer Fall wird aus Paris berichtet: Auf ein Polizeicomwiftariat daselbst wurde eine auf der Straße aufgegriffene Windhündin gebracht, „die einen mit Seide abgefütterten, stark toattirten und mit Zobel besetzten kaffeebraunen Tuchwantel trug. In einer Innentasche des Mantels befand fich ein mit echten Spitzen umsäumtes und mit einer Grafeukrone bestickte! Battisttascheutuch. Um den Hals hatte die vornehme Hündin ein gelbseidenes Band, das mit einer goldenen, mit echten Perlen und Brillanten besetzten Spange am Mantel befestigt war." Da- Thier wurde natürlich dort behalten, bis fich die Besitzerin beffelbcn, rote man schon aus dem Eostüm ihres Lieblings errathen konnte: eine den höchste» Kreisen zugehörige Dame, geweidet hatte. Als fie ihre! Hundes ansichtig wurde, vergoß fie Freudenthränen. Sie küßte und liebkoste ihn unaufhörlich. Aber ihr Zorn kannte anderseits keine Grenze, als fie vernahm, daß das liebe Vieh die Nacht ohne jegliche Bequemlichkeit auf der bloßen Diele hatte zubringen müffen, zusammengesperrt mit anderen plebejischen Hunden uod Hündinnen, denen jedes Berständniß dasür zu fehlen schien, daß fie der Ehre einer so vornehmen Hunde-Gesellschaft theilhaftig geworden waren. (Schluß folgt.) LekauntrnachlML betreffend: Kurse an der Großherzoglichen Obftbauschule und landw. Winterschnle. 1. Obßverwerthnugßcurfu» an der Großh. Odstbauschule «ad laudw. Winterschnle zn Friedberg. ObstverwerthungScursuS für Männer. Derselbe findet vom 12.—17. Oktober 1896 statt. Da» Honorar beträgt für Heffen 10 Mk., für Nichtheffen 16 Mk. Die Unterrichtsstunden find von 9 — 12 und von 2—6 und zwar finden während des Vormittags Vorträge, wahrend des Nachmittags Uebungen statt. Vorträge werden folgende gehalten: 1. Grundlegende: Bestandtheile der Früchte, da» Waffer, der Zucker, der Alkohol, der Essig und die Säuren. 2. Fachliche: Gährung, Verwesung rc., Aufbewahrung und Verpackung de» frischen ObsteS; Obstwetuberettung mit Berückfichtigung der Untersuchung deS Obstmostes auf freie Säure und Zucker und des Weines auf Alkohol rc. und der Anwendung von Reinhefe- Fehler und Krank« heiten de» Obstweines. Branntweinbereitung aus Obst. Die Nachmittage werden zu Uebungen im Laboratorium, zur Herstellung und Prüfung von Obstproducten, Verpacken des Obstes rc. verwendet. Anmeldungen wollen baldigst geschehen. 2. Laudwirthschaftlicher WintercursuS zu Friedberg. Die Aufnahme neuer Schüler findet Montag den 2. November statt, der Beginn deS Unterrichts Dienstag den 3. November. Die Schule bietet jungen Laudwlrthen namentlich au» mittleren Betrieben Gelegenheit, diejenigen Fachkenntniffe und den Bildungsgrad zu erlangen, welcher zum rationellen Betrieb der Landwirthschaft und zur Uebernahme der verschte« denen SelbftverwaltungSSmter der heutigen Organisationen nothwendtg ist. Ausgenommen werden in der Regel nur junge Leute zwischen 16 und 18 Jahren. Ausnahmsweise können, wo die Verhältnisse da» bedingen, auch jüngere oder altere Leute mit Genehmigung Großh. Oberen landw. Behörde ausgenommen werden. Da» Schulgeld beträgt 25 Mk. für jedes Halbjahr. Die Anmeldungen find zu richten an unterfertigte Direction. Friedberg den 12. September 1896. Großh. Direction der Obstbauschule und landw. Winterschule Dr. v. Peter. Bekanntmachung. Landwirthschastliche Wiuterschule zu Büdingen betreffend. Der Unterricht der landwirthschaftlichen Winterschnle zu Büdingen beginnt in diesem Jahre Donnerstag den 5. November 1896, Vormittags 10 Uhr, und wird Ende Mürz des kommenden Jahres geschloffen. Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung des Bildung«- bedürfntffes des mittleren und kleinen Landwtrths bestimmt, wird den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächern die Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwtrth- schäft übermitteln. Der diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von Großh. Regierung für die landwirthschastliche Winter- schulen sestgeftelltcn UnterrichtSplan entworfen und erstreckt sich auf zwei Wintercurse. Zum Eintritt in die untere Klaffe find die Absolvirung der Volksschule und einige Kenntnisse de« praktischen Betriebes der Landwirthschaft Vorbedingung. In die obere Klaffe können nur solche junge Leute ausgenommen werden, welche entweder bereits im Vorjahre die untere Klaffe einer landwirthschaftlichen Winterschnle mit Erfolg besucht oder sich doch anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntniffe angeeignet haben. Der Unterricht wird durch eine Sammlung zahlreicher und werthvoller Lehrmittel unterstützt. Die Unterrichtsstunden find so gelegt, daß Schüler aus solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingen ober in der Nähe der Oberhesfischen Eisenbahn liegen, zu Fuß oder per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen können. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Wohnung und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten. Vom Besuche der Fortbildungsschule find die Schüler der landwirthschaftlichen Winterschule entbunden. Das Schulgeld beträgt für jeden Eursus 12 Mk. und ist beim Eintritt an die AnstaltSkaffe zu entrichten. Gesuche um Befreiung vom Schulgeld find schriftlich dem AusfichtSrarh zu unterbreiten, Anmeldungen find schriftlich oder mündlich an den AuffichtSrath ober den Dirigenten der Anstalt, Großh. LandwirthschaftSlehrer Andrae, zu richten. Auch find dieselben zu anderweitiger bezüglicher AuskunftSertheUung gerne bereit. Büdingen, den 18. September 1896. Der Vorsitzende des AuffichtSrathS der landwirthschaftlichen Winterschule Büdingen. Klietsch. Bekanntmachung. die landw. Winterschule zu Alsfeld betreffend. Die landw. Winterschule Alsfeld beginnt ihren 25. Winter« Eursu» Montag den 2. November, Vormittags 11 Uhr. Indem wir hiermit zum Besuche deffelbeu eintoben, bemerken wir, baß bte Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirthen diejenigen Fachkenntniffe, welche heute zur rationellen Bewirthschaftung bäuerlicher Güter nothwendtg find, In zwei fünfmonatlichen Winter-Eursen zu vermitteln. Zur Erreichung diese» Ziele» lehren an der Schule zwei LandwirthschaftSlehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittel-Sammlung zweckentsprechend ausgerüstet. Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bi» 20 Jahren, welche da» Unterrichtsziel de» Volksschule erreicht haben- in den obere» Eursu» nur solche, welche schon den unteren Eursu» mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntniffe, welche der untere Lnrfu» ver- Mitteln soll, bereit» besitzen. Heitere Landwirthe können al» Hospitanten ausgenommen werden. Die jungen Leute stehen während ihres Hiersein» unter Aufsicht der Lehrer und müffen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Pensionen zu 30 bi» 40 Mk. pro Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn LandwirthschaftSlehrer Leithiger, nachgewtesen werden. Da» Schulgeld beträgt für da» Wintersemester 25 Mk. Anmeldungen find an den AuffichtSrath oder an Herrn LandwirthschaftSlehrer Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speciellere Anfragen zu beantworten. Alsfeld, den 1. September 1896. Der AuffichtSrath der landwirthschaftl. Winterschule AlSfeld. I. D.: Ham mann. Nachrichten über den Saatenstand im Großherzogthum Heffen um die Mitte des Monats September 1896. Zusammengestellt bei der Großherzoglichen Oberen landwirthschaft- lichen Behörde. Saatenstand. Note 1 — sehr guter, 2 = guter, L c D Provinzen 3 = mittlerer, 4 — geringer, 5 = und sehr geringer Stand = Q Erhebungsbezirke ,c G I s. 5 cs w Ern 100 K bei W ■e ** tz Z ••• Prov.Starkenburg 1 Kreis Bensheim. . 1 1,5 2,5 2 18,5 2 „ Darmstadt . 3 4 4 — 18 3 „ Dieburg . . 2 2,5 — 1,5 24 4 w Erbach. . . 2 — 2 — 15 6 , Groß-Gerau. 2 2 3 — 23 6 w Heppenheim . 2 3 3 — 16 7 Offenbach. . 2,5 2,5 3 — 16 Durchschn. f. Starkenburg 2,1 2,7 2,9 1,7 19 Prov. Oberhessen. 8 Kreis Alsfeld. . . 2 2 3 — 20 9 , Büdingen. . 2,5 3 3,5 — 18 10 „ Friedberg. . 3 3 — — 22 11 w Gießen. . . 3 2 2 — 16,5 12 „ Lauterbach . — — — — — 13 „ Schotten . . 3 3 3 — 17 Durchschn. f. Oberheffen 2,7 2,6 2,9 — 19 Prov. Rheinhessen. Landw. Ver.-Bez. Alzey 14 2 2 2 — 38 15 v „ Bingen 1,5 2 1 1,5 22 16 M v Flonheim 2 — — 2 20 17 , ^Ingelheim 3,5 — 3 3,5 22 18 w „ Mainz. 2 2 2 2,5 28 19 , ff Nieder-Olm 3 3 3 3,5 25 20 „ „ Oppenheim — — — — 25 21 » Osthofen . — 2 — 3,5 27,5 22 „ „ Pfeddersheim 15 2 2 2,5 26 23 „ „ Wöllstein . 4 3 3 2 25 24 „ „ Wörrstadt. 4 2 — 4 32,5 25 , „ Worms . 2 2 2 3 25 Durchschn. f. Rheinheffen 2,5 2,2 1 2,2 2,8 26 Durchschnitt f. d. Großh. 2,4 2,5 2,6 2,2 21 Bemerkungen: Die Klagen über die schädlichen Wirkungen der nassen Witterung find im Lande allgemein. Die Qualität der Ernteproducle wurde sehr nachthelltg beeinflußt; ja in manchen Er- hebungöbeztiken (z. B. Schotten) ist noch Sommergetreide auf dem Felde und verfault. Die Kartoffeln leiden besonders unter der Näffe; in vielen ErhebungSbezirkm ist die Fäule bereits eingetreten, in den übrigen wird sie befürchtet. Die Grummeternte ist außerordentlich erschwert und eS ist viel Futter verdorben. In einem Erhebungsbezirk (Büdingen) werdm Kartoffeln, Klee und Wiesen durch Enger- lingSfraß bedeutend beschädigt. Besonders nachthelltg ist die naßkühle Witterung für die Entwickelung der Trauben; die guten AuSfichten find ganz erheblich reducirt. Die Roggenernte ergab der Menge nach im Allgemeinen ein befriedigende« Resultat, tndeffen find die Erträge in den einzelnen ErhebungSbezirken doch sehr verschieden; fie wechseln zwischen 1500 und 3800 Kgr. Körner pro Hectar. Deutsche» Reich. Berlin, 26. September. Die Abendblätter bringen längere Artikel über die morgige Eröffnung des Eisernen Th o r eS. Die ,Nordd. - Allg. Ztg/ sagt u. A.: Vom Saume bes SchwarzwalbeS bis zu den Fluthen deS Pontu» sei für die Schifffahrt ber Donau vollkommen freie Bahn geschaffen - barmt vollziehe sich ein Act, ber burch seine Bedeutung für bett Handelsverkehr zwischen Mitteleuropa und dem Osten den Rang einer welthistorischen Begebenheit beanspruchen dürfe. Eine freudige Aussicht auf zahlreiche und fruchtbare neue Verkehrsverbindungen fei mit der Eröffnung deS Eisernen Thore» erschloffen. Jeder Schritt aber, den der verkehr vorwärt» thut, erhöhe den Werth de« Frieden«. So dürfe denn auch das Werk, das von morgen ab in den Dienst des völkerverbindenden Handels tritt, als eine neue Bürgschaft für die Fortdauer bei Friedens begrüßt werben, umsomehr al« die Ausführung des Werkes sich vollzogen habe unter den Auspizien des Kaisers Franz Josef, den die Völker Europa- längst als Hort deS Friedens zu verehren gewohnt find. ■— In der preußischen Armee sind die Vorarbeiten für die Organisation und Garnisonirnng der auS den vierten Bataillonen zu bildenden neuen Regimenter, der „Post* zufolge, vollendet. Die Forderungen für die durch die Umwandlung bedingten Veränderungen in den Eommandostellev werden bekanntlich in dem nächsten Etat enthalten sein. Nach deren Bew lligung dürften bann die neuen Organisation«- beftimmungen veröffentlicht werden. Wiesbaden, 26. September. Da« Katserpaar wirb am 18. October hier eintreffen und am 19. einer Verstellung In Hoftheater beiwohnen. Am 20. Oktober erfolgt die Abreise. Wiesbaden, 26. September. Der ehemalige freisinnige Reichstag«abgeordnete Major a. D. Hugo Hintze ist Heun früh hier gestorben. Leipzig, 26. September. Den „Leipziger Reuest. Rachr.« ! wird von angeblich best unterrichteter Seite mitgetheilt, t:i der Ehef des Militär-Eabinet«, General v. Hahnke am noch kurze Zeit in seinem Amte bleiben wird. Al« fetr Nachfolger sei der commondireode General deS Garde-Eorpz General von Winterfeld auSersehen. Der Rücktritt 6h General« von Hahnke dürfte jedoch ketne-weg« al« ein Zeichn der kaiserlichen Ungnade aufzufaffen sein, vielmehr fiict man mit ber Wahrscheinlichkeit rechnen, baß er für eine sch j bebeutende autoritative Stellung auSersehen ist. «Art rZxjH ne#* ftAwini#1 art. z-il “Cm3««1 wjrA Wien, 26. Sptember. Gestern hat sich bet den Manöver: ein Unfall ereignet. Auf einem RecognoSctrungsni: stieß eine Abthetlnug de» 5. Dragoner-Regiment« auf Mao: schäften des 96. Infanterie-Regiment«, welche Feuer aus -t abgaben. Ein Soldat hatte anscheinend anS versehen st- geladen, die Kugel traf einen Retter in den Rücken w streckte ihn tobt nleber. Anßerbem würbe ein Pferd getobt! Rom, 26. September. Die Taufe ber Prinzess!» Helene von Montenegro finbet am 21. und die Irauuig mit dem Kronprinzen am 23. October statt. Rom, 26. September. Der apostolische DelegiNe 2 Constantinopel hat bereit« bte Rückreise mit ben einhändigen Schreiben de« Papste« an den Sultan an getreten In dem Schreiben erbittet der Papst Sicherheit für die chritz. I lichen Untertanen in der Türket. Pari», 26. September. In dem gestern abgehaltert- bi« 7 Uhr Abends währenden Mtntsterrath wurden die letzte, Details de« Festprogramm« zum Empfang de» Zaus paares festgestellt. Der Ministerrath beschäftigte sich ad mit Reklamationen wegen des Jgnorireu« des Parlament bei dem Empfang. ES wurde endgültig entschieden, daß dal Parlament in gewtffen Grenzen herauzuztehen sei. Ter Senatspräfident Loubet und der Kammerpräfibeat Bnfioa werden den Präsidenten Faure nach Lherbourg begleiten j Die Parteiführer beider Kammern werden dem Zaren cor- gestellt und alle Deputirte und Senatoren zur Grunbftew legung zu der Brücke Alexander III. und zur Revue mi । Chalon« eingeladen. Pari», 26. September. Die französischen Behörden Im | Senegal erließen eine Bekanntmachung, io welcher die Ä n- Werbung Eingeborener für den Longostaat verboten wird. Pari», 26. September. Der seit einigen Tagen hier , herrschende Sturm richtete gestern und in der letzten Rat großen Schaden an. In der Avenue Rapp wurde ein Baugerüst umgeworfen, welches eine vorübergehende Frau litt lich verletzte. Da« Barometer ist auf 728 Millimeter gefallen. Ein neuer Eyclon wird befürchtet. Bon ber Nir: sreküste werden mehrere Schiffsunfälle gemeldet. Cherbourg. 26. September. Gelegentlich ber Hnhich des Zaren finbet eine große Flottenschau bei Eherboorz statt. DaS in drei Linien auffahrenbe Geschwader wir) illuminirt werben. Havre, 26. September. Der Sturm auf dem Meere dauert fort. Mehrere SchiffSunfälle sind bereit» za verzeichnen. Ehateavdun, 26. September. Am 18. October wird das Denkmal für bte Bertheibigcr ChateaudinS Im deutsch- französischen Kriege enthüllt werden. Der General Gallispokt wird der (Serentonte beiwohnen. Loudon, 26. September. Durch den in ber üoxgtfixigta Nacht wüthenden Sturm Im Aermel-Eanal Haden zahlreiche Schiffe sowie die englische und französische Fisch"- flottille stark gelitten. Die Packetboote hatten eine schwere Ueberfahrt. Die neuen Hafenwerke in Dover wurden arg beschädigt. . - » » ».»— .......... Der verrückte Sommer. Der bekannte Wiener Humorist Ed. Pötzl ist unter die Wetterpropheten gegangen- er hat herauSgefunden, das die Herren Falb, Habenicht, Overzier und wie fie alle heizen, ihre Sache nicht verstehen, und so hat er « denn selbst einmal versucht. Sein „verbesserter Kalender- ist eben im »Weati Wiener Tageblatt- erschienen und man muß gestehea, daz seine „Methode" zuverläsfiger ist al« bte der Übrigen Wetterpropheten, nur spüren wir leider bei uu« selbst von dem freundlichst in Aussicht gestellten Nachsommer noch recht hxrzlit wenig. Herr Pötzl läßt sich also vernehmen: Jahr für Jahr schicken un« die Kalendermacher ihre Erzeugntffe tn da« Hau«, ohne auf die Erfahrungen Bedacht zu nehmen, die wir fett einer Reihe von Jahren bezüglich Der Witterung gemacht haben. E« scheint, daß diesen hexrea ber E.nfluß der Sonnenfleckenperiode ganz gleichgtU'g lrt Für fie beginnt ber Sommer noch immer tm Juni und ecdtl im September, während wir doch fett nahezu einem Jahxndoi ganz deutlich eine gewaltige Verschiebung der Jahreszeiten beobachten, die tn diesem September, de« Sommeranfang > sich wohl ihrem Maximum genähert haben wird. Ich baük es für eine GewiffenSsache, den vielen Familienvätern dotm solchen kalendarischen Leichtsinn alljährlich da« Geld für iogfr- Sommerwohnungen au« dem Sacke zu locken. Im Rachstebevtri sei daher der wahre Kalender, wenigsten« für die dem Gros« städter wegen de« Landaufenthalte« oder der Reisen Jahreszeit mitgetheilt. Juli . hat 31 Regentage. Die Natur ist au« ihrem Wioterschls! noch nicht vollständig erwacht, doch treffen bereit« au« dem Süden die mannigfachsten Arten von Sumpfvögeln ein, * sich auf den überschwemmten Feldern und wiesen otecexzo- laffen. In den Gemüsegärten laichen die Fische und h I »g -lese« 9Rona. um die d mx aber «eg »lrt» b ’ Ä weln ,.Xn W"1”“ c ,h 11® BSj-? t .utotttn. 8“ mh »li f“: tat tt’lto- *’ • L man F’ U II< in*1* chs»AM«^ Ä-* i^'Ä' ch! W« 8* , 1* M # ftp- «*ä Sr :.%?s gelegene Punkte, wie Berauben, Balkoue usw., find auf dar lvchandeuseiu von Nestern der Wildenten zu untersuchen. t6 zeigen sich die ersten Maikäfer auf den Baumen, büßen ober ihren Borwitz mit raschem Tode, da fie von den uu« «'hörltch viederfallendeo schweren Regentropfen erschlagen :i nerbev. Hingegen bilden in den Landwohnuogen zu ebener Erde die Schwimmkäfer eine lästige Plage, da fie in größerer Zahl auftreteu, wie sonst die Schwaben, und auch in die Betten kommen. In den Jagdrevieren der Niederungen werden junge Seehunde, Wafferratten und Biber auögesetzt, die alle ein gutes Fortkommen finden. Muthmaßliche Witterung: Born 1. bis 12. starker Regen. Dann über die erste Hälfte des Monats hinaus Regeuwetter, vom 20. bis zum Schluffe Landregen. Beuernregel: Im Juli trockenes Heu, DaS wär' unS gänzlich neu! August. In diesem Monat fehlt eS nicht au Kälterückfällen. Namentlich um die vierzehn Eismänner herum finkt die lemperatur in der Regel noch unter Null. Im Mittelgebirge inb Hügellande wechseln Schneefälle mit Hagelwettern ab, Nachtfröste werden der noch immer zart entwickelten Vegetation gefährlich. SS ist ein grimmiges Kämpfen in der Natur um die Herrschaft der guten Jahreszeit über die schlechte. An (tag einen Tagen kommt die Sonne für eine Viertelstunde und viehr zum Vorschein, dann schneit eS dazwischen, graupelt, regnet, stürmt — kurz, eS herrscht daS bekannte launische Aagustwetter. Zu größeren Ausflügen auf Schneeschuhen eher per Schlitten eignet sich iudeß dieser Monat nicht mehr, ta Hn sonnigen Lagen der Boden immerhin schon aper ist. AuS dem Süden kommen vereinzelte Schwalben, kehren aber gleich wieder um, wenn fie die Sache genau betrachtet haben. Bleibenden Aufenthalt nehmen bloS der Eisvogel, die Schnee- gav», Polarfüchse und einige kleinere Pelzthiere. Muthmaßliche Witterung: vom 1. bis 3. Frost, bantu die vierzehn Eismänner, hierauf Schneefall, vom 19. 611 Ende veränderliche Kälte, bald mehr, bald weniger. Bauernregel: Bringt der August kein Eis, So is das frei aus der Weif'! September. Der Kampf der Wettermächte scheint mit dem Siege bet Sonne endigen zu wollen. FrühliugSahnen durchzieht Mt Welt, man hört im blauen Aether Lerchengezwitscher und jur Mittagszeit wird es anständig warm. Die ganze Natur rrgi fich mit Macht, um in den kurzen Lenz einzutreten, der mit den ersten Septembertagen beginnt. Der Bauer pflügt (eint- Felder, als Dünger die zerstörte Ernte benützend, auf bin Wiesen sprießen die violetten Frühlingsblumen der Zeit- läse, in den Gärten prangen als Lenzsymbole die prächtigen gtrrne der Sonnenblume. Laue Lüfte wehen, immer stärker firchlt der Sonnenball herab, um nach dem kurzen Uebergange rir schwüle Zeit des Hochsommers zu bringen. Jetzt freue »ich,, du armes Menschenherz, das so lange unter dem Grimm 6er Wintermonate Juni, Juli und August gelitten! Jetzt lebt auf und genieße die wolkenlosen Sommertage des Jahres enb schwitze dich kräftig aus! Muthmaßliche Witterung: Wüstentemperatur bis Laa Schluffe- die Nächte länglich, aber warm. Bauernregel: Im September schöne Zeit, IS der Sommer nit mehr weit! Oetsber. Der Sommer lebt fich elegisch in kurzen milden Tagen aus. TS färben die alternden Gewächse ihre Blätter, wie die alternden Menschen ihre Haare. Aber noch immer glüht die Sonne am Himmel oben wie die Weintraube unten am Laube des Stockes. Eine friedliche, trauliche Zeit, dieser Nachsommer, abgeklärt, zufrieden, still und glücklich. Die Gewitter des Lebens sind vorüber, nur leichte Nebel find geblieben, und selbst diese zerstreut die heiße Mittagssonne. Muhmaß.licheWitterung: Anfänglich noch sommerlich heiß, dann mäßige Wärme bei trockenem Himmel. Bauernregel: Willst im Ociober ein' guten Wein, So gteb nur wenig Waffer hinein! November. Ein wundervoller Spätsommermorgen bricht an: eS ist der Allerseelentag. Er mahnt unS, Abschied zu nehmen von der schönen Jahreszeit, die unS leider so karg zugemeffen war. DaS einer vieltausendjährigen Gewohnheit zufolge leider bereits abgefallene Laub raschelt zu unseren Füßen, da noch immer kein Tropfen Regen gefallen ist. Allmälig aber trübt fich der Himmel und erinnert unS in seiner Düsterheit an daS Antlitz der letzten Wintermonale Juli und August. DaS stimmt unS traurig und manche Menschen fangen in dieser Zeit viel zu trinken an. Dieses ist Stimmungssache. Muthmaßliche Witterung: Gegen Ende zu herbstelt eS rin wenig. Bauernregel: AusS Land zieh erst zu Mariä Geburt Und, halfst es aus, im November furtl kan-wirthschastliche Winke und Rathschlage. A #«i Oberheste«, Mitte September 1896. Ortet da» »«schirre« und die v,ha«dl«n» der Zugthiere. (Fortsetzung.) Ein weiterer Fortschritt in der Herrichtung von Pferdegeschirren ist durch die Anfertigung von verstellbare« Kummete« erzielt worden, besonders wenn sie in Verbindung mit einem Tragsattel angewandt werden. Diese Kummete lassen sich jedem Thiere leicht anpassen, waS bet dem festen Kummet unmöglich ist. Sodann ist eS um deswillen sehr zweckmäßig, weil eS dem Pferde nicht über den Kopf gestreift zu werden braucht. Wer je einmal ein Pferd aogeschirrt hat, weiß, waS dieses für eine lästige, mitunter gefährliche Arbeit ist. Scheue Pferde geben den Kopf nicht her, sondern prallen zurück. Haben sie den Kopf doch im Kummet, so rennen fie vor und treten dem Fuhrmanne auf dm Fuß oder rennen ihn um. Kleine Fuhrleute, die hochbeinige Pferde fahren, verwünschen daS Anschirren mit tausend Flüchen. Bet dem verstellbaren Kummete fallen diese Quälereien weg, cS wird unten geöffnet und geschloffen, das Anschirren geht viel schneller vor fich und die Quälereien für Mann und Roß sind sehr gering. In Gebirgsgrgmden muß man besonders darauf adbtm, daß die Hemmvorrichtungen am Wage« und die »ufhalte« Vorrichtungen bet den Pferden allezeit in guter Ordnung find. Noch heute läuft es dem Schreiber dieser Zeilen eisig über den Rücken, wenn er daran denkt, wie er in den achtziger Jahren mit seinem Einspänner den steilen, von allen Fuhrleuten gefürchteten Berg vom Herrenhaag herab nach Lorbach fuhr und dem Pferde mitten auf dem Berge, an der steilsten Stelle, die Bauchgurte zersprang. Frau und Kind faßen im Chaischen und hätten sich zu Tode geängstigt, wenn ihnen etwas von dem Mißgeschicke gesagt worden wäre. Die Schecre deS Chaischen« stieg dem braven Pferde bis an die Ohren, jeden Augenblick mußte befürchtet werden, das brave Thier würde durch die leichten Stöße an die Ohren wild und ginge durch. Aber das brave Roß hielt wacker auS, eS schien die Gefahr zu ahnen und ging langsam, Schritt vor Schritt, sich von dem Fuhrwerks förmlich schieben lassend, vollends den Berg herunter. Die richtige Anbringung der Anfhalter unb der vrnstketten ist eine ungemein wichtige Sache für den Fuhrmann, der seine Zug- thiere schonm will. Welche Qual die falsch angebrachten Aufhalter find, sieht man am ersten in Gebirgsgegenden. In ebenen Gegenden findet man diese nothwendigen Vorrichtungen gar nicht und auch bei dem sogenannten vrustblatt- oder Sielengeschttr, wie eS bei den Trambabnpferden in der Regel angewandt wird, finden sie fich nicht. Welche Thier quälerei die HalSaushalier find, kann man bet Kub- und Ochsengespannen sehen, wenn die Zugthtere einen beladenen Wagen etwas zurückschteben oder einen abwärts sührenden Weg hinunter schaffen wüsten: der Aufhalter rutscht, da die Last nach vorne drückt, drn HalS hinauf und drückt dem Zugthtere mit fürchterlicher Gewalt auf die Halswirbel. Man meint förmlich, dem Zugthtere wüste von der Gewalt der Hals auSgertssen und das Grntck gebrochen werden. Durch das Htn- und Herrutschen werden bin Pferden die Mähnen zerrieben und verdorben, wodurch die Thiere ein erbärmliches Aussehen erhalten. Wer eS nur einigermaßen machen kann, soll diese schlechteste aller Vorrichtungen: die HalS- aufhalter, beseitigen. Heber die Länge der Deichsel und Zugstränge wögen folgende kurze Andeutungen genügen: Man darf alS feststehend ansehen, daß die Deichsel für leichtes Fuhrwerk kürzer sein kann alS für schwere« Lastfuhrwerk, das bergauf bergab, auf Holpe«igen schlammigen Feld« wegen und auf Chausseen fahren muß. Mit den Zugsträngen geht eS ähnlich. Die Erfahrung und eine große Anzahl von Versuchen lehren: kurze Zugstränge erleichtern daS Ziehen, lange erschweren es. Man muß daher die goldene Mittelstraße einzuhalten suchen, wie dies im Leben überhaupt eine der besten Straßen zu sein pflegt. Die Zugthtere können ihre Kräste beim Fortbewegen von Lasten (waS auch beim Pflügen und Eggen der Fall ist, wenn es dem einfachen Bauer auch nicht so erscheint) oder allgemeiner: detm Ueber- wtnden von Widerständen, oerwerthen. wenn die Zugstkürrge dem Erdboden möglichst i-aravel laufe«. Der Fuhrmann muß darauf achten, denn eS ist sehr zweierlei, ob ein Pferd durch schlechte Anbringung der Zugstränge tagauS tagein etliche Gentner mehr zu schleppen hat oder nicht. Wer kleine Pferde bat, der thut am besten, wenn er die Wage unb Sellfcheite unter der Deichsel anbringt. Gewöhnlich wirb bie Wage Über der Deichsel angebracht; bieS empfiehlt sich jedoch nur bann, wenn die Pferbe große Thiere find. Daß an Zugkraft gespart wird, wenn bie Htnterräber deS Wagens größer sind alS bie vorher,n, weiß heutzutage jeher Bauer; alle Fuhrwerke für bie Lanbwtrthschaft, auch Luxutfuhrwerke, baut man beShalb mit größeren Hinterräbern. Wenn man aber bie Leute fragt, warum baS Fuhrwerk mit größeren Hinterrädern leichter ginge als mit gleich großen Vorder- unb Hinterrädern, wissen die wenigsten Rede unb Antwort zu geben. Wir wollen habet ben Grunb hierher setzen: Die größeren Hinter- räber bewirken nämlich burch bie langsamere Umbrehung eine geringere Reibung auf ben Achsen unb je geringer bie Reibung ist, besto weniger Zugkraft ist nöthig, um eine Last fortzubewegen. Jeher Bauer wirb auS hiesern Grunbe einsehen, baß, wenn schwere Lasten bewegt werben müffen, z B. beim Helmfahren von Kartoffeln, Dickwurzeln, Zuckerrüben, ober beim Hinausschaffen von Dung unb Compost bie Htnterräber stärker beloben werben müssen als btc Dorderräber. Handeln denn aber auch bie Leute danach? Meistentheils nicht. Sie werfen ben Dung, bie Kartoffelsäcke unb anbere Lasten auf ben Wagen, ohne sich an ben einfachen Vortheil zu erinnern. Der Bauer frage fich aber einmal. Wenn er sich ben Tag über bei schlechtem Wetter tüchtig abgerackert hat unb er geht nach Hause, macht es doch einen ganz gewaltigen Hnterschieh, ob er noch einen halben Sack voll Kartoffeln auf ben Buck.l nimmt, ober ob er bloS seine Sense, Hacke ober seinen Rechen trägt. So ist es auch bei hem Pferhe zweierlei, ob es blos eine einfache Last ober eine viel schwerere schleppen muß, wenn es sich ben ganzen Tag Über gequält Hat. (Schluß folgt.) Auc.Luhn&c® Bekanntmachung Der Bedarf an KoruftroH (Handdrusch) für das hiesige Schlacht- hau» — ca. 80 Gentner — soll im Submissionswege zur Lieferung verüben werden. Angebote sind mit entsprechender Aufschrift bis zum 30h l. MtS. verschlossen bei der unterzeichneten Behörde einzureichen. Gießen, den 24. September 1896. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 855'4__Gnauth.__________________________ Knabenhandarbeit. Mittwoch, den SO. September d. Is., Nachmittags 3 Ahr, sollen in dem Schulhause am Asterweg (Hand- toerkerschule) zwei Unterrichtsenrse für erziehliche Kuaben- haudarbeit mit wöchentlich drei- bezw. sechsstündiger Unterrichtszeit gerichtet werden. . In dem einen derselben sollen die Schüler mit Papparbetten und h dem andern mit Kerbschnittarbeiten beschäftigt werden. Zur Betheiligung m dem Unterrichte können Schüler der Volksschule sowohl, als auch Schüler Itr höheren Lehranstalten (letztere vom 11. Jahre ab) zugelaffen werden. Für Werkzeuge und Materialien, welche den Schülern während der Unterrichtszeit gestellt werden, sind von jedem derselben zwei Mark zu atiichten; außerdem haben die Schüler der höheren Lehranstalten noch (in Schulgeld von vier Mark zu bezahlen. Anmeldungen zum Unterrichte werden zur augegebeueu Zeit im geuauoteu Schulhause eutgegengeuommen. Gießen, den 26. September 1896. Gnauth, Hahn, Oberbürgermeister._____________Oberlehrer._____________8557 Einladung. Die Mitglieder des Spar- und Vorschusivereius, E. G. i. «. H., zu Staufenberg, werden hierdurch etngeladen, der zweiten iie sjährigeu General - Versammlung im Saale des Wirths h'&roig Geißler VIL, zu Staufenberg, den 7. October l. I., Sbvends 8 Uhr, beizuwohnen. Tages-Ordnung: Neuwahl des Directors und Controleurs. Staufenberg, am 26. September 1896. Der Vorsitzende des Aufsichtsraths: 85811 H. Stephan. Submission. Für unsere Kliniken soll die Lieferung von: 25 Centner Aepfeln, 600 „ Kartoffeln, 15 „ untererd. Kohlraben, V/2 „ obererb. Kohlraben, 9 „ Zwiebeln, 2 „ rother Rüben, 2 „ Meerrettig, 6 „ weißer Rüben, 10 „ gelber Rüben, 36 „ Weißkraut, 100 Stück Rothkraut, 400 „ Wirsing, 350 „ Lauch und 300 ,, Sellerie auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Verwaltungsbureau, Nachmittags von 3—5 Uhr offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 16. October d. I auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Die Zuschlagsfrist erfolgt bis zum 20. October. 8485 Gießen, den 26. Septbr. 1896. Grohh. Verwaltung- - Direction der chirurg. unb ophthalm. Univ.-Klinik. _____Bose. Vossius._____ Qrtrtit» 6es r>°rmMdter Aferdemarkt. Ziehung am 14. Oktober d. I Hauptgewinne im Wertbe von 6000, 2000, vtL 1700, ferner 16 Hauptgewinne, je 1 Pferb ober Fohlen, im Gesamrntwerthe von X 10000 unb viele andere Gewinne. 8114 Loose ä JL 1, 11 Stück X 10 bei Bich. Buchacker, Neuen Bäue 11 IWIAGGI5 |W> f I r,l,e SttLallthorstrotze «t LogiS im mittl Stock zu vermiethen. 6212 ^->7 Schutzmarke. • Versandt täglich frisch ab Waggon oder ab Eiskeller in Originalgebinden von 25, 50 und 100 Liter. Generalvertreter: M. G, Staudt, Frankfurt a. M. v Bezlrkslcrnaprecher 1585. vertrauliche Auskünfte über Vermögens-, Familien-, Geschäfts- a. 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Laura . . . tifrib.-Iriinr HeffLudwigsb. Ssac.-Agram . Oest. Etaatsb. Bad. St.-Obl. v. 1886. . . Bapr. St.-Obl. do. Eisb. Obl. Brem.St.'Anl. v. 1892. . . Hamb.Et.Rte. v. 1893 . . . Hefi. Vl.-Obl. do...... n.»ILndtsch,. Griech.L B. v. 1890 .... do. Mon.'Anl. Ital. Rte. St. 1000—4000 Homburger!. . Pfälzer Rordb. ausländisch«. Elisab.-B. ft fr. Kaschau Oderb. v. 1891 . . . Lombardische . Lombardische . Oest. StaatSb. do....... Oest.Gold-Rte. OestSUb.-Rte. Oesterr.Localb. verfiaatl. Port. St.:«nl. I do....... boJ.-VIII.5m. do. IX. Em. . do. v. 1885 . . do. vrg. Retz .