gen x ter, sammlm 1 TchneV oti>nungi -nheitrn. I. Island. ends 9 |[ mell 3- VorstM» c Vorstand. infeh am 29. Ä itkop, Uhrä - kircheaplah • 21, a n nd nstalt sowie Irtifd. '»ung. »Pt. ff n i * C| ide-W Ihau. ,enid)t Mv « Anbetlleibetn s" (leibet im -- hehrem, DOOOOOO «Unng bung die ergeb« Rät}, eine W : Kopien deM Stock, auifliü» iftcflung labet» men 19 _ Modlsttn. OOOOO» itvaan Lackfarben,^ einölftmilf «mN sss# 5.S' eften DM®“ Schau ion idche; .'S" Rr. 76 Der Hetzen,r Anjetßrr erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener MamikieavtLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigklegu Drittes Blatt. Sonntag den 29. März 1S96 Siebener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Vierteljäbriger Avonaementsprets i 2 Mark 20 Pfg. mtt Vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg. Aedaetion, Lxprdttiwl und Druckerei: Sch-tstratze Fr.,. Fernsprecher 5L Anrts- «üb Anzeigeblcrtt für den Krcb Gieren. Annahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamitienbtätter. Alle Annoncrn-Bureaux de» In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche»' Theil. Bekanntmachung, betreffend: Maul- und Klauenseuche. Die zu Rendel (Kreis Friedberg) auSgebrochene Maul- and Klauenseuche ist erloschen und die angeordneten Sperrwahregeln find wieder aufgehoben worden. Gießen, den 27. März 1896. Grohherzogltcheö KretSamt Giehen. v. Gagern. Bekanntmachung. Die unterm 8. Februar l. IS. verfügte Sperrung des Licinalwegs von Ruttershausen nach der Landes greuze gegen Wißmar für den Fuhrwerksverkehr wird hierdurch aufgehoben. Gießen, den 27. März 1896. Grohherzoglichks KreiSamt Gießen, v. Gagern. »ekaustmachung, betreffend die Förderung der Ziegenzucht durch Einführung von Ziegenböcken Schweizer Raffe. Bon Seiten des landwirtschaftlichen ProvinzialoereinS find dem landwirthschaftlichen Bezuksoerein Gießen zu rubr. Zwecke 83.30 Mark zur Verfügung gestellt und von dem BezirkSveretne noch weitere 56.70 Mark zu demselben Zwecke bewilligt worden. Diese 140 Mark sollen nach Beschluß deS Ausschusses in der Art Verwendung finden, daß Subventionen bi» zu 20 Mark an diejenigen Gemeinden, Ziegenzuchtvereine, Bullenhalter bewilligt werden, welche im verflossenen Jahre zur Berbkfferung der Landraffe gute Schweizer Zuchtböcke aagekauft haben. Diejenigen Gemeinden rc., welche Schweizer Ziegenböcke zur Zucht angeschafft haben, wollen daher ihre Anmeldungen unter Angabe des Kaufpreises, der Raffe des angeschaffien Ziegenbocks, des Namens und Wohnorts des Verkäufers bis zum 15. April l. I bet dem Unterzeichneten ein« reichen. Krrrillstsn. Wochendrirfe aus der Residenz. (Originalbericht des „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 27. März. DecorinmgSfest deS Odenwaldclubs. — Ans den Bereiuen. — Verschiedenes. Mit einem Berichte über dte Begräbntßfeier Otto RoquetteS versprachen wir in der vorigen Woche, den heutigen Brief einzuletten, da jedoch bereits im „Gießener Anzeiger" über die Trauerseier in Kürze berichtet worden ist, find wir dieser Verpflichtung enthoben. Dagegen dürfen oir von einem lange vorbereiteten, weiteren Feste Nachricht geben, daS am Sonntag vergangener Woche viele Hunderte von Odenwaldfreunden tn den Saalbau gelockt hatte. 3um Bitten Male hatte der Odenwaldclub sein Decorirungsfest angesagt und in dichten Schaaren waren die Mitglieder und Freunde deS Vereins der ergangenen Ladung gefolgt. Dunkeles Launengrün umrahmte den großen Festsaal, das Wappen de« Vereins schaute von den Wänden herab und naturgetreue Nachbildungen deS Tromm, Knodener. und Neunkircheoer- LhurmS, sowie deS Ohly Denkmals erinnerten au die Thaten de« energisch arbeitenden Clubs. Ein Festmarsch, dem Verein von einem einheimischen Componisten gewidmet, eröffnete daß Programm. Dann begrüßte ein unverfälschter Oden- »Slder in seiner kleidsamen Nationaltracht die Erschienenen in schwungvollen Versen. Hierauf richtete Herr Müller, der Vorsitzende, ein Willkommen an die Anwesenden und schloß mit der gebührenden Huldigung für den hohen Vrotector, Se. König!. Hoheit den Großherzog. Dann solgten ernste und heitere künstlerische Borträge tn buntem Wechsel. Herr Mustkdireclor Senfs und Herr Hofmufiker lkleitz, ein in der letzten Zett oft in den Concertsälen erscheinender Künstler, boten die oft anerkannten, auSgezeich- ne:ten Leistungen in ihren Borträgen und dazu erklangen umntere Chorlieder, in die die gesammte Versammlung friöhlich etnstimmte. Dann folgten noch flott zusammen- zeftellte lebende Bilder, allerlei ernste und heitere Sceneu Später ringereichte Gesuche können nicht mehr berücksichtigt werden. Gießen, den 26. März 1896. Der Director deS landwirthschaftlichen Bezirksvereins. Carl Jost, RegierungSrath i. P. Gefunden: 1 Gartenthür, 1 Peitsche, 1 Spazterstock, 1 Stück Gasrohr und 1 Schöpf-Löffel. Gießen, den 28. März 1896. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Zum Buß- und Beitag. Zum Beginn der Charwoche, im Angesicht des Kreuzes Jesu Christi, der zur Eii.kchr und zum Aufblick nach oben mahnt, begeht unser Volk heute seinen LandeS-Buß- und Bettag. Die Kirchenglocken rufen über Stadt und Land: „Buße — Buße — thut Buße!" Dabet werden Einige still und falten die Hände, andere üben Spott und ballen die Fäuste: „Buße, das fehlt roch!" Buße bedeutet Aenderung des SinnS, Erneuerung des Herzens. Einen anderen Sinn sollen wir annehmen, immer bester soll unsere Gesinnung werden. Das gilt uns heute allen, unserem ganzen Lande. Was ist baß für ein Sinn, der heutzutage durchs Land gebt und auch unser Herz ntcyt unberührt läßt? Der Sinn des Murrens, um es kurz zu sagen. Die Leute murren. Ist baß wahr? Ja, leider allzuwahr. Schauen wir uns im Lande um: vom Thron bis zur Hütte, vom Fürsten bis zum Bettler, wieviel Murren. Alle Stände und Klassen des Volkes murren. Eß murren die Gebildeten und Gelehrten, daß alle Stellen besetzt sind, und fie jahrelang auf Anstellung warten müssen; die Handarbeiter sagen: Die Reichen haben'S gut, waß quälen wir unß für andere? Eß murren die Reichen, daß die Lage dcß Geldmarktes so unsicher ist, und der Zinsfuß so niedrig steht. Die Kaufleute find unzufrieden, weil die Geschäfte schlecht gehen, und die Handwerker klagen, daß der goldne Boden ihres B rufs geschwunden. Eß murren nicht zuletzt die Landbewohner über geringe Ernten, niedrige Preise, trübe Aussichten. Jedermann murrt, daß an Steuern und Abgaben zu viel zu zahlen sei, und da« Einkommen dazu in aus dem VereiuSleben einer Touristenvereinigung darstellend, und zum Schluß die Aufführung einer allerdings nicht eben zu witzigen oder unterhaltenden Poste „Mitten in der Nacht", die indessen flott gespielt wurde. Der Club hat wiederum einen schönen Erfolg mit seiner Feier errungen und wir wünschen ihm auch an dieser Stelle Glück und Erfolg für sein Wirken in diesem Somnnr. Die Localdichtung verdankt dem hübschen Feste übrigens auch einige Bereicherungen, so hatte namentlich das humoristische Lied des einbeimischen Dichters Karl Schäfer „Der Auerbacher Rott" großen Erfolg. Aus dem Vereinsleben bleibt sonst für diesmal nicht sehr viel mitzutheilen. Eine Feier, die wegen ihres eigenartigen Characters besondere Erwähnung verdient, ist am Sonntag vorn „Evangelischen Bund" abgehalten worden, sie galt dem Gedächtniß deS entschlafenen Kaisers Wilhelm, besten Geburtstag auf den 22. März fiel. Herr Pfarrer Förster au« Frankfurt a. M. hielt einen festelnden Vortrag über die Persönlichkeit der Königin Louise. Aus Grund eingehenden Studiums des Quellenmaterials entrollte der Redner ein treffliches, anschauliches Bild der großen, vom Volke innig verehrten Frau, das großes Jntereffe erweckte. Dem Dortrage folgte eine gesellige Bereinigung, die künstlerische Kräfte deS Vereins durch Vorträge verschiedener Art verschönerten. Schöne Erfolge erntete in den letzten Wochen auch wiederum der Bicycleclnb. Erft jüngst wurden seine Mitglieder in WormS ausgezeichnet, und fielen dem Übrigen Sportverein auch in Kaiserslautern am verflossenen Sonntag bei einem großen Radfahrerfeste zwei Preise für Gruppenfahrten zu. Von den künstlerischen Vereinen entfaltet der Musik verein zur Zeit eifrige Thattgkeit zur Vorbereitung eines CharfreitagsconcerteS. Zur Aufführung ist diesmal die JohanneSpasfion von Joh. Sebastian Bach gewählt worden, und als Solisten find durchweg erste Kräfte verpflichtet, so die Damen Anna Otten aus Berlin (Sopran), Johanna Beck au« Frankfurt a. M. (Alt), und die Herren Nicola Dörster aus Mainz (Tenor), und Kammersänger Sch ne graf auß München (Bariton). An der Hochschule haben die Ferien begonnen. keinem Verhältnisse stehe. Alleß murrt, und mit dem Murren beginnt deß Menschen Unglück. Wie murren denn die Leute im Lebe» also? Viel Grund dazu meinen sie zu haben. Jeder weiß zu erzählen, wie schlecht eß ihm geht. Wird er weiter gefragt, wie baß kommt, so kann er sofort tausend Schuldige nennen. Bloß den Hauptschuldigen kennt er nicht, und wenn er ihn kennt, nennt er ihn nicht. Es wäre ganz herrlich zu leben, sagt man, wenn bloß die Andern Alle thun wollten, waß in ihren Kräften steht, und waß sie sollten. Immer heißt eß: die Andern müssen'ß bester machen, die Andern sind an allem schuld. Von einer eigenen sittlichen Aenderung und Erneuerung dcß Herzenß ist nicht die Rede. - Die Umwandlung und Umwälzung der äußeren Verhältniste allein soll da« ersehnte Glück bringen. Durch Wählen und Wühlen und Hetzen, und wenn'ß nicht anders geht, durch blutige Empörung will man daß soziale Leben, durch Verbreitung von menschlicher Bildung und Wissenschaft daß sittliche Leben bestem. Alleß murrt wider einander. Und wo bleibt der Hauptschuldige? — Er hält sich noch immer verborgen, daß liebt er biß zum äußersten. Wer ist eß denn? Waß, du kennst ihn nicht? Wohl, du kennst ihn sehr genau, viel bester alß alle anderen Schuldigen. „Ein jeglicher murre wider seine Sünde." Jeder ist selbst der Hauptschuldige. O, daß wir alle erkennen wollten: ich bin allein der Hauptschuldige, dann würden wir mit dem falschen Murren bald aufhören, und dadurch viel glücklicher werden. Wohl dem, der gottergeben spricht: Gott fitzt im Regimente und führet alleß wohl. Er sagt sich: ich hab'« nicht bester verdient, alß ich mich befinde, und eß geht mir noch immer zu gut. Er weiß aber auch: „meine Sache ist, statt zu murren, zu helfen, daß eß besser werde, fleißig zu beten um baß Kommen beß Reiche« Gottes, da Gerechtigkeit, Friede unb Freube herrschen." Eine Beterschaar, ein betend Volk sieht heute Gott der Herr vor seinem Thron, alle in Buße gebeugt. Nicht bloß heute, sondern täglich laßt unß aufrichtig beten, so wird » bester werden. Der Sorgen und Seufzer im Lande werden weniger sein, daß Murren Aller wider Alle wird aufhören. Werden wir das noch erleben? Unser Leben kann bald, schon heute oder morgen zu Ende gehen. Wenn nur jeder bei sich selbst erlebte, daß sein Murren aufhörte! Leider wird eß niajt möglich sein, die Bauten für baß chemische Institut so zu fördern, daß zu Beginn beß neuen Semesters sämmtliche Räume für bie Unterrichtßzwecke benutzt werben können, für bie Abhaltung beß chemischen PractikumS müssen baher noch biß Pfingsten die Räume im alten Bau in Anspruch genommen werben. Für baß Sommersemester steht wieder ein ganz bedeutender Zuwachß an Hörern zu erwarten. Auch baß Lehrercollegium hat sich in ben letzten Wochen bedeutend vergrößert. So habilitirte sich für Chemie Herr Dr. Kolb und für Archäologie, Herr Dr. Noack. Zu Beginn deß Sommersemesterß soll dann noch ein zweiter Lehrstuhl für darstellende Geometrie errichtet werden. Von einer Neubesetzung deß Lehrstuhleß für Literaturgeschichte, den Otto Roquette inne hatte, ist noch nichtß verlautet. Die Neubauten, die bereits für das electrotechnische Institut nöihig geworden find, find bereits in Angriff genommen. Von den städtischen Fragen stehen immer noch die Straßenbahnangelegenheit und baß Schwirnrnbad- prvject im Vorbergrunbe. Beide hofft man bald erledigt zu sehen, vor allem die vielberufene Straßenbahnanlage, deren Mangel von Tag zu Tag fühlbarer wird. Die Preffe beschäftigt sich mit den beiden für die Stadt außerordentlich wichtigen Fragen unausgesetzt, doch ist leider gar nichtß Bestimmteß über den derzeitigen Stand der Angelegenheiten zu hören. Auch baß Project einer Modauthalbahn wird nach wie vor eifrig besprochen. Ihm steht der Plan einer Bahnanlage Lindenfels—Benßheim entgegen, der gleichssalls viele Anhänger im vorderen Odenwalde hat. Zum Schluffe sei noch constatirt, daß unser einheimischer Kunstnovize, Herr Dr. Franz Horr eß, mit seinem ersten Liederabend am Mittwoch im Traubesaal einen wohlverdienten , schönen Erfolg errungen hat. Der junge Künstler hat auch hier wie in Berlin und Leipzig die günstigste Aufnahme bei der Fachkritik gefunden und wird gewiß bald eine beachtenßwerthe Erscheinung tn unseren Concertsälen fein. Eine neue englische Gehässigkeit gegen Deutschland. Seitdem die Engländer in Erfahrung gebracht haben, daß auch Deutschland eine Weltmacht geworden ist, mit welcher die englischen Anmaßungen zu rechnen haben, so fliegen auch nicht selten giftige Pfeile von England uach Deutschland herüber. Der neueste hjeser Pfeile besteht in der Herabsetzung de- deutschen Heeres durch einen englischen Militär- schriftsteller in der „Pall Mall Gazette". Uyter dem Vor- geben, daß Deutschland eines Tages unter den möglichen Feinden Englands zu finden sein werde, wird die deutsche Armee einer hämischen und lügenhaften Kritik unterzogen. Die frechste Behauptung ist dabet die, daß die Deutschen deshalb im Kriege gegen Frankreich so große Siege errungen hätten, weil die deutschen Generäle es verstanden hätten, ihren Truppen keine so schweren Aufgaben zuzumutheu und weil außerdem die deutsche Artillerie der franzöfischen überlegen war. Liegt in dieser Behauptung nicht eine elende Entstellung der Thatsachen?! Nach englischem Urtheile fochten also die Deutschen nur dort, wo der Steg leicht war, die Kriegsgeschichte bezeugt aber, daß der Angriff der Deutschen bei Sptchern, bei Wörth au der Sauer und bei Gravelotte sehr schwer und sehr blutig war. Thatsache ist ferner, daß bei Ltonvtlle und Mars la Tour und auch in der dreitägigen Schlacht an der Lisaine bei Belfort die Franzosen die Urbermacht hatten. Außerdem ist eS ebenso ge- häsfig als kindisch, wenn in dieser englischen Kritik behauptet wird, daß die deutschen Bataillone oft schon bei einem Verluste von 10 Procent in Verwirrung gerathen wären. Die glänzende Tapferkeit der deutschen Truppen und vor allen Dingen ihre Tollkühnheit im Angriff ist sogar von den ersten franzöfischen Generälen Mac Mahon und Trochu, Bazaine und Canrobert gerühmt worden. Auch kann man tu den Kriegsberichten der englischen Zeitungen vom Jahre 1870/71 ganz genau Nachlesen, daß die englischen Be- richterstatter damals voll Lobes über die deutschen Truppen waren. Ganz besonders ist damals die Kaltblütigkeit der Landwehr vor Metz (Division Kummer bei Noiffeville) von den englischen Berichterstattern gerühmt worden. Ferner ist bekannt, daß ein österreichischer Offizier, welcher bei Wörth im franzöfischen Hauptquartier als Beobachter der Schlacht beiwohnte, nach Wien berichtet hat, daß er eine solche Tapferkeit wie die der Deutschen, und eine solche Niederlage, wie die der Franzosen bei Wörth noch nie gesehen habe. Da darf man wohl fragen, welche Gründe jetzt die englische Presse auf einmal bekommen hat, die Leistungsfähigkeit des deutschen Heeres gering zu schätzen. Nun die Gründe bestehen iu der englischen Heuchelei, dem englischen Dünkel und vor allen Dingen in dem Aerger der Engländer, daß Deutschland sich nicht mehr englische Zumuthungen gefallen läßt. Aber die englische Druckerschwärze kann ja daS deutsche Heer noch so sehr anschwärzen, so bleibt eS doch bis auf den Beweis des GegentheileS in einem neuen Kriege daS erste Heer der Welt, weil eS die größte Militärmacht im Jahre 1870/71 gezeigt, und daS für unüberwindlich ge- haltcue Frankreich gänzlich geschlagen hat. UebrtgenS ent- schlüpft an einer Stelle seines hämischen Artikels dem eng- lischen Kritiker doch das Urtheil über die deutsche Armee: daß sie in ihrer Orgauisatiou und Vorbereitung auf den Krieg von keiner anderen Armee erreicht ffet!" — Nun, da fällt wohl die vorhergehende hämische Kritik erst recht in ihr Nicht- zusammen. Vermischter. * Frankfurt a. M, 26. März. Im Zoologischen Garten soll demnächst der Elephant „Alberts erschaffen werden. DaS Thier war ein Geschenk deS Herrn Hagenbeck in Hamburg, welcher eS vor einigen Jahren zu Vorstellungen im damaligen CtrcuS an der Katserstraße mit hierher gebracht hatte. Schon damals mußten wegen seiner ungezähmten Eigenschaften besondere Vorkehrungen im Zoologischen Garten getroffen werden. Diese Eigenschasten sollen sich im Laufe der Zeit nicht gebeffert haben. * Berlin, 25. März. Der Polizeipräsident hat durch Verordnung bestimmt, daß jeder Inhaber eines offenen GeschäftSlocalS verpflichtetest, an feinem GefchäftSlocale in einer von der Straße aus deutlich erkennbaren Schrift entweder seinen vollen bürgerlichen Vor- und Zunamen oder die Bezeichnung seiner im Handels- oder GenoffenschaftS- Register eingetragenen Firma anzubriogen. * Der Record in Weinpreise, den vor wenigen Tagen der Bremer Rathskeller aufgestellt hatte, als er ein Fuder Scharzhofberger mit 10,500 Mk. bezahlte, ist, wie aus Trier berichtet wird, geschlagen worden. ES wurde nämlich von den Weinbergen des Frhro. v. Stumm ein Fuder Wein für 11,010 Mk. und ein anderes im Auftrage deS Fürsten Pleß für den augenblicklich noch nicht übertroffenen „Jahr- hundertpreiS" von 12,750 Mk. erstanden. • Riemke bei Bochum, 25. März. Dem jüngsten Unglück auf der electrtschen Straßenbahn ist schnell ein wo- möglich noch schrecklicheres gefolgt. Gin 16 jähriges Mädchen, Fräulein Anna vterhauS von hier, wollte Morgens zur Hähern Mädchenschule nach Bochum fahren, um ihr Abgangs- -eugniß zu holen. Sie kam beim Einstetgen zu Fall, und der electrijche Straßenbahnwagen ging über sie weg, uud trennte ihr beide Beine vom Rumpfe. Noch lebend wurde daß Mädchen Infl Krankenhaus gebracht, wo efl bald von qualvollen Leiden durch den Tod erlöst wurde. Dieser zweite Unfall iu so kurzer Zeit hat auf die Bevölkerung einen sehr niederdrückenden Einfluß gehabt, und viele Leute vermeiden efl vorläufig, die Bahn zu benutzen. • Bestrafte Neugierde. Zwei Secundaner vom Gymnasium zu Löbau, Westpr., hatten bereits die schriftliche Prüfung abgelegt und wünschten gern zu wiffen, welches Prädikat sie erhalten hatten. Sie drangen daher mittels eines Nachfchlüffels in das Dieostzimmer deS Directorfl, wurden jedoch hierbei ertappt und — relegirt. ♦ Durch eifriges Lesen der sogenannten „Jodianer- literatur" waren in Gotha vier Gymnasiasten zu dem Entschluß gelaugt, nach Kamerun auSzuwanderv. Drei von ihnen traten die weite Reise zu Fuß an, wurden aber schon in Wandersleben abgesaßt- der vierte, gleichzeitig der Kaffe- führer deS lieblichen Kleeblatts, gelangte auf der Eisenbahn bis Mühlhausen, wo er gleichfalls festgehaltea wurde. Ueber den Empfaug der jugendlichen Ausreißer bet ihrer Heimkehr nach Gotha verlautet nichts, Ehrenpforten find ihnen schwerlich errichtet worden. • Dingolfing, 24. März. Hier wurde die Herstellung eines Waschhauses iu Accord gegeben, wobei die mündliche Absteigeruvg seitens der anwesenden vier Bauunternehmer ein Angebot von 47 — sage vierzig und sieben — Proceut erzielte. Wenn die Handwerker, die sich hier so leichtfertig uoterbieteu, ihre Rechnung nicht finden, schimpfen fie natürlich auf die Gewerbefreiheit und die Soocurrenz, statt bet sich selbst mit der Besserung zu beginnen. • AuS Württemberg, 26. März. Heute früh wurde der Raubmörder Quirin Eisele iu Ravensburg durch den Scharfrichter Sitter von Gablenberg hingerichtet. Eisele starb ruhig und gefaßt. * Großstadt ■ Elend. Man berichtet auS Wien: In der Enquete über Frauenarbeit wurden vier Ztegel- arbeiterinnen vernommen. Eine ältere Arbeiterin erzählt: Meine Eltern haben 50 Jahre auf der Ziegelei gearbeitet. Wir Kinder sind alle dort geboren. Schon vom sechsten Jahre an habe ich mitgearbeitet und geholfen, die Ziegel in die Hütte zu tragen. Ein halbes Jahr bin ich in die Schule gegangen, dann nicht mehr. Die Mutter hat, als sie nicht mehr weiter arbeiten konnte, siebzig Kreuzer wöchentliche Pension bekommen. Im Winter erhalten die Arbeiterinnen zwischen 38 kr. und 47 kr. Tagelohn, im Sommer wird uach Accord gearbeitet uud sie verdienen in der Woche 4 fl. 8 kr. bis 5 fl. 10 kr. Wenn wegen zu schlechter Witterung nicht gearbeitet werden kann, verdienen fie gar nichts. Die Wohnungen werden den Arbeitern vom Werke beigestellt. Die Expertin, deren Familie aus fünf Personen besteht, bewohnt mit einer zweiten Familie ein Dachzimmer. Die Einrichtung, bestehend auS Bert, Kasten, Tisch, Bank und Seffel, wird von den Arbeitern gekauft. Von den Fenstern kann nur ein — wie die Expertin sagt — drei Hände großer Theil geöffnet werden. ES regnet zuweilen in daS Zimmer. In diesem Zimmer wohnen acht Personen, welche zusammen vier Bitten haben. Im Zimmer wird auch gekocht. Zum Waschen haben Alle zusammen ein kleines Schaff. Auch die Wäsche wird in der Wohnung gewaschen. Wenn sich die Frauen am Abend auSziehen, wird daS Licht verlöscht. Wenn in einer solchen Wohnung eine Entbindung vorkommt, werden die Männer ersucht, auS dem Zimmer zu gehen; auch die größeren Kinder werden entfernt. Die Männer können aber zum Verlaffen deS Zimmers nicht gezwungen werden. Ja einem anderen Zimmer schlafen sechSuudzwanzig Personen, außer den Angehörigen der betreffenden Familien auch Fremde- zwei Personen liegen in jedem Bette, ost liegen drei bis vier Kinder in einem Bette. Alle schlafen durcheinander. Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene. Früher waren sechs, acht und auch zehn Familien zusammen in einem Zimmer. In einem alten, außer Betrieb gesetzten Ztegelofen wohnen 27 Personen. In der Nähe der Wohnung befindet sich nur Canalwaffer von den Lehmgruben. Wenn damit gekocht wird, ist daS Essen bitter. DaS Trtnk- waffer befindet sich eine Viertelstunde weit. Eine zweite Arbeiterin ist augenblicklich arbeitslos. In 14 Tagen wird auch ihr Mann arbeitslos werden. Sie hat sieben kleine Kinder und eine alte Mutter zu erhalten. Sie wohnt in einer Miethwohuung, bestehend aus Zimmer und Küche. Im Zimmer wohnt noch eine zweite Familie, bestehend auS vier Personen, in der Küche wohnt auch noch ein Ehepaar. Für diese Wohnung zahlen die drei Familien zusammen 6 fl. monatlich. Die Kinder können jetzt nicht in die Schule gehen, weil sie keine Kleider und Schuhe haben. Sie effen in der Regel trockene Erdapfel. Die letzte Expertin ist gleichfalls arbeitslos. Sie und ihr Mann'wurden anläßlich des Strikefl entlassen. Der Mann hat im Werke wieder Arbeit gefunden. AlS dies jedoch der Unternehmung vor Kurzem bekannt wurde, erhielt er wieder die Entlaffung. Sie war von ihrem 8. Lebensjahre an 24 Jahre in dem Werke beschäftigt. Sie hat ein dreijähriges Kind und eine alte Mutter zu erhalten. Sie leben jetzt von dem, was ihnen der Kaufmann auf Borg gibt, uud was sie von mitleidigen Nachbarn erhalten. Zuweilen bekommt sie von der Arbetterbäckerei umsonst Brod. Manchmal holt sie sich auS einer in der Nähe befindlichen Fleischconserveufabrik „GulyaSsaft", welcher dort an die Arbeiter unentgeltlich vertheilt wird. Für die armen und bemitleidenSwerthen vier Arbeiterinnen und ihre Kinder wurde unter den Eom- missionS-Mitgliedern eine Collecte veranstaltet, welche eia namhaftes Erträgniß ergab. * SchmerzlosesZahnreißen. „Hier werden schmerzlos Zähne herauSgenommen," laS Herr Huber, als er die Stadt besuchte, auf einem ganz neuen Schilde. Da er schon längere Zeit einen „bösen Zahn" hatte, trat er ein uud fragte den entgegenkommenden Zahnkünstler mißtrauisch: „Thutfl aber auch wirklich nicht weh?" Meine Methode, die Zähne herauSzuuehmea, schmerzt nicht, nehmen Sie nur Platz, ich werde fie Ihorn sogleich erkäreo." Damit nahm er eine Zange und that au dem Zahn einen mächtigen Ruck, so daß Herrn Huber Hören und Sehen verging. „Sehen Sie, sagte er, „so nahm man die Zähoe früher heraus." Nun riß er nochmals an dem Zahne, so daß Herr Huber aufschrie. „Nicht wahr, dafl schmerzt auch, ja, daS ist die Methode von meinem Eon- currenten da drüben, und jetzt paffen Sie auf," sagte er, den nun ganz losen Zahn mit den Fingern herauSnehmend, „sehen Sie, so mache ich eS — daS thut doch gewiß nicht weh?" * Ei» koreanischer UkaS Der König von Korea erließ, so schreibt der „Ostafiat. Lloyd", am 1. Januar folgende« Decret: »Ich, Euer König habe mir heute mein Haar aatfc europäischer Manier schneiden laffeo, und fremdländisch, Kleidung angelegt. Ich befehle, daß mein Volk ohne Murren dasselbe thut." — Europäische Schneider! auf nach Korea. Bei der Redactiov eingegangene Bücher re.: — Die Kritik, Wochenschau des öffentlichen Ledens. Herons gegeben von Karl Schneide. 3. Jahrgang. Preis vierteljährlich 5 Mk. Einzelne Nummern 50 Pfg. Abonnements und Protz» nummern durch jede Buchhandlung tu beziehen. Verlag des Kru' Verlag, Berlin NW., Loutsenstratze 36. kauLwirthschastttche Winke und Kathschläge. △ vufl cverbellen, Ende Mär» 1896. LandwirthschafUiche Rück-, Um- und Vorschau. (Fortsetzung.) W«S gegen Geschmeiß und Ungeziefer ausgerichtet werden ka», haben unsere Verwaltungsbehörden in BekLmpfuag der 1Uv käferplage seit zwei Jahren bewiesen. Viel, MtUionen Mfa wurden vernichtet und mit diesen viele Milliarden von Eiern, fe unterliegt gar keinem Zweifel, taß die Erfolge zu Tage treten, w» der Kamps niemals ruht. Tie Ausgabe von ein paar tausend Mn! für diesen Zweck kann niemals in Betracht kommen, denn da« bleibt saft ohne jede Ausnahme als Taglohn bet den Gemeiatzr- mitgltedern. Geradeso muß eS mit dem Kampf gegen die LdftbaumschädUaW gehalten werden, wie wir bereits andeuteten. ES genügt nicht, t» Bekanntmachung zu erlassen, die vielfach nicht geachtet oder »ich verstanden wird. Auf etwas Anderes, sehr Wichtiges möchten wir unsere Beruz genossen hiermit aufmerksam machen und zwar auf die recht,eUtG Anschaffung von Sämereien aller tut. Wir meinen »unicht Kleefarnen: Rothklee, ewigen Klee (Luzerne) und türkischen jtla (Esparsette). DaS vergangene Jahr 1895 bat fast durchgängig gut Klee- und GraSsämereien gezeitigt: d«S Sonnenlicht erzeugt Eigenschaften. Diele Sämereien werden im lausenden Frühjahre miturta 30 btS 45 Procent billiger angeboten als in anderen Jahren. B'llizn Saatgut zu erhalten ist immer erfreulich für den Bauer, aber Mi, und schlecht soll eS nicht sein, sondern billig und gut. Man dar- annehmen, daß der Samenschwiudel auch dieses Jahr seine Blas» treibt und darum soll immer und immer wieder aus diese verderb liche Wirthschast hingewilsen werden. Rar Primawaare soll bet Bauet nehmen, gegen »Mi Garantie für Keimfähigkeit. L-tztere muß von der Veriuch». und AuSkumtSstation geprüft werden. Um noch einige gcna« Anhaltspunkte zu geben, lasten wir nachstehende Bemerkungen folge» Recht billig und gut gegen frühere Jahre find fchwedifcher Klee uni Weißklee zu haben. Wtesenfchwingel ist gut und billig; Thimothev graS, englisches RaygraS, italienisches RaygraS und Rispen,rai ebenfalls. Dagegen sind franzöfischrfl RaygraS und Knaulgiai theurer, Wiesenfuchsschwanz gleichfalls und Fioringra« ist log«' u4-' theuer. Hülsensrüchte- und Gründüngungssamen sind fast alle g« und billig. Wir nennen Erbsen, Wicken, Linien, Gandwicken uni Lupinen. An allen diesen Dingen kann dieses Jahr Geld gespart werden und man erhält noch vortreffliches Material dabei. Daru» schadet eS nicht, wenn man dieses Jahr GraSschläge und Wiese» anlagen macht, vorausgesetzt, daß man die erforderlichen Vorarbeit": schon gemacht hat oder noch machen kann. Bei dem Sammeln von Waldgras- und Wiesengrassämereien kann ein schönes Stück Geld verdient werden. •< gehören einige Kenntnisse und etwa« Uebung dazu, diele Arbeit« auflzusühren; der „Gießener Anzeiger" bat schon im vorigen Jahn auf diesen Erwerbvzweig hingewiesen. Im Vogelsberg gedeihen die Wald- und Wiesengrassämereien ganz vortrefflich, aber man weih ihnen nicht recht bcizukommen. Da erscheinm denn die geichäst^ gewandten, waldersahrenen Griesheimer auS der Nähe von Darmstadt, lasten die Sämereien ernten und machen ein gutes Geschäft dabei. AIS Nebenerwerbszweig bei der Landwirthschaft wird in Lder besten, vorzugsweise in der Wetterau, dta Gänsezucht betrieben Die Leute verstehen sich darauf und machen ganz gute Geschätie. Die Entenzucht aber liegt ganz darnieder und doch kann auch sie sehr einträglich gestaltet werden, wenn fie richtig gehandhabt wirtz und wenn Wasser nicht fehlt. Dieses ist aber fast in der ganzen Provinz vorhanden oder kann doch ohne große Mühe und Gelt aufwand beschafft werden. Wir machen daher auf die Entenzucht aufmerksam. Der Entenbraten ist saftiger als der Gänsebraten unb wird deshalb sehr gesucht. Wer Entenzucht treiben will, muß dafür sorgen, daß er eine Sorte bezieht, die gute Fletschbildner Uetnt. Der landwirthschaftltche Verein geht jedem Züchter bereitwillig mH Auskunft zur Hand. Die Enteneier finben gute Verwendung in der Haushaltung. Die Enten find im Futter nicht wählerisch und en zehren die Abfälle in der Haushaltung mit größtem Appetit. Ii< Fleischfresser schaden sie in den Gärten nichts, halten diese aber we Ungeziefer rein. * (Schluß folgt.) Verkehr, taub« unb VoLkswirthschaft. — Nach den statistischen Ermittelungen deS Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief "sich die RoheisenprodmÜB« deS Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Mm» Februar 1896 auf 500 929 Tonnen, darunter'Guvdelrodeisen ^piegeleisen 135 687 Tonnen, Bessemerroheisen 35 276 Tonne», ThomaSroheisen 261 633 Tonnen und Gießereiroheisen 68 333 Törwe». — Die Production tm Februar 1895 betrug 434 704 Tonnen, t» Januar 1896 517988 Tonnen. Vom 1. Januar btS 29. Februar 1896 wurden producirt 1 018 917 Tonnen gegen 924 279 Tonne», i» gleichen Zeiraume deS Vorjahres. oooocxxx3QOOooaooooQGOOoooooooQ ____ _____ 9 *> O O O __ ____ | § Haben Sie q schon einen versuch mit Dr. Thompson's Tcifenpulver O gemacht? Wenn nicht, dann säumen Eie nicht länger. 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