i 1 l Seniler. schäft. Uhr °HC.Keck) räge? ir Abends: cken:;g WM un5) Studenten, i haben. ®ie|er 8V, Uhr «!mz 934 h ^etjonen unter mer, Damstadl. Umgegend, jimie Vorstavd. hrmaier, W ML 50 M tu. 28 Mack an. hrenv.N N-an. n. 'N vsn 10 Mk. »it art an. Mark au. Anzeigen onop:»”1”1 artenfor® pMhiMokTeH w •*» la>b. Obi- i Dinekff*1 rM* 7- 1896- Oerra^ iaite 65.60 103i0 «665 90 JO 1887 S0-K Mb» MK DB*" Ef » l88J* W"' ($<*** Nr. 24 Der Hlehentr <Än)tigct <1 fdirint täglich, mut Ausnahme deS Montags. Die Gießener 'N» mitte nvlä 11er werde» deoi Anzeiger «ächentlich dreimal heigelegt. Zweites Blatt.__Mittwoch den 29 Januar_________________ Siebener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. 1896 vierteljähriger A»o»nemellts,rei»» 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg. Äebaction, $rpcbitio» und Druckerei: -chutstraße^r.7. Fernsprecher 51. Aintr- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. 2...-^ ' ----------------'■ ... —■■■■■" ==—B== . -- '.1. 1 . ■ -------- . ' '■—■!' ' *'. ... Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» (&rAftcßl*f TaA^» <^Altttft4’tt ßfAffpr ÄI[; Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen zeigenden Tag erscheinenden Nummer- bis Borm. 10 Uhr. ^UUUlullVlUHU. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der Fall von Paris. (Ein Gedenkblatt zum 28. und 29. Januar) In diesen Tagen jährt sich zum 25 Male der Zeit- punkt eines militärisch rott politisch gleich bedeutsamen Er- eigniffeS deS deutsch-französischen Krieges, welches alle von deutscher Seite bislang davongetragenen Erfolge besiegelte und dem ganzen gewaltigen Bölkerringen ein Ende bereitete: die (Kapitulation von Paris. Seit dem 19. September 1870 war die Riesenstadt an der Seine von der dritten und vierten deutschen Armee unter dem Oberbefehl der Kronprinzen von Preußen und Sachsen vollständig etn- geschloffen gewesen, alle Versuche der Belagerten, die dünnen, aber festen CerntrungSlinieu der Deutschen zu durchbrechen, hatten sich als vergeblich erwiesen, aber auch alle Versuche, der belagerten Hauptstadt von außen durch die in der Pro vtnz neugebildeten französischen Heere Hilfe und Entsatz zu bringe«, waren gescheitert. Die Anfang Januar begonnene nachdrückliche Beschießung der Fort- und schließlich der Stadt selbst durch die deutschen Belagerungsbatterien gestaltete die Lage der Belagerten immer schwieriger, dazu gesellte sich der stetig drückender werdende Mangel an Lebensmitteln für die Bevölkerung und die Besatzung von Paris und in den uuteren Volksschichten nahm außerdem dir socialrevolutionäre Stimmung immer bedenklichere Formen an. So mußte mau sich denn in den maßgebenden Pariser Kreisen wohl oder Übel zur Einleitung ernstlicher Verhandlungen mit dem Gegner bequemen. Die wurden am 23. Januar 1871 zwischen Graf Bismarck und Jules Favre zu Versailles eröffnet und führten •m 28. Januar zum Abschluffe einer Convention, in welcher ein Waffenstillstand von einstweilen drei Wochen, die lieber- gäbe der Forts von Parts an die Deutschen und die Erklärung der Garnison von Paris — mit Ausnahme der Nationalgarde — zu Kriegsgefangenen, sowie die Zahlung einer (Kontribution von 200 Millionen Francs feiten- der Stadt Paris vereinbart wurden. Am 29. Januar 1871 besetzten die Deutschen die FortS, ohne daß sich hierbei besondere Zwischenfälle ereignet hätten. Hiermit war ein in der Kriegsgeschichte aller Zetten fast beispiellos dastehendes Unternehmen von den Deutschen zu einem glänzenden Abschluffe gebracht worden. LS bt> deutete gewiß ein kühnes Wagniß der deutschen Heeres- leituug, die Riesenfestung Paris und deren zahlreiche Forts mit verhälwißmäßtg schwachen Streitkräften in einer Gesammt- auSdehnnng von 80 Kilometer oinzuschließen. War doch die Pariser Armee durchschnittlich fast dreimal so stark wie daS Einschließungsheer, und die wett bessere Qualität der deutschen Truppen vermochte die numerische Ueberlegenheit der Belagerten kaum genügend auSzugletchen, während letztere wieder den erheblichen Bortheil besaß, daß sie sich einen beliebigen Leuilleton. Ei« harmloser Scher?. Von Hedwig Erlin. (Nachdruck verboten.) Ohne Zweifel war sie hübsch- dazu ein wenig extravagant, ein wenig emauciptrt . . . nicht etwa auS Langeweile, sondern auS Ueberzeugung. Sie reiste zum Beispiel allein. Schocking! . . . Zum mindesten emancipirt! Doch alle „SchockingS" ihrer guten Freunde, getreuen Nachbarn und desgleichen hatten nicht vermocht, Mariannens Seelenfrieden und ihr wohlgemuthes Selbstbewußtsein zu erschüttern. „ßebt Ihr in der kleinen Welt Eurer Anschauungen," sagte sie, „ich lebe in meiner, in einer anderen Welt." Und für jetzt war diese Welt Interlaken, die Perle der Schweiz, daS Mekka und Medina aller SchöoheitSdurftigen. Marianne hatte sich heute bereits eine Stunde vor Beginn de- FrühconcerteS aufgemacht, um den selten schönen Morgen zu genießen. Langsam promenirte sie in der schattigen Höheweg-Allee- ab und zu auch nahm sie auf einer der dort aufgestellten Bänke Platz und ließ ihre Augen bewundernd zu den gegenüber aufragenden majestätischen Bergen schweifen, deren Königin die rosenroth überhauchte Jungfrau war. „Wie hab ich dich lieb, du weite, strahlende Erde!" Sie hätte es htnauSjubeln, sie hätte eS beten mögen und weniger denn je konnte sie die Menschen begreifen, die in sittliche Entrüstung gerathen, wenn es einmal einem fangen Mädchen emfällt, sich diese Erde ansehen zu wollen. Da war zum Beispiel zu Hause ein gewisser Doctor Müller, Punkt der weit ausgedehnten BeiagerungSUnien zum Ausfall wählen und sich auf ihn mit starken Kräften werfen konnten. Außerdem sah sich daS deutsche BelaaerungSheer auch in seinem Rücken während der meisten Zeit der Belagerung durch die bald von diesem, bald von jenem Theile Frankreichs aus unternommenen Versuche zum Entsätze der Hauptstadt bedroht, daneben hatten die BelagerungStruppen Schwierigkeiten in ihrer Verpflegung und in der Herbeikchaffung und Ergänzung des nöthigen Kriegsbedarfs zu Überwinden. Trotzdem wurde die Belagerung der gewaltigen Stadt siegreich durchgeführt, wurden alle DurchbruchSunlernehmungen der Pariser deutscherseits mit zäher Tapferkeit zurückgewiesen, während die Bemühungen der Provinz, der Hauptstadt zu Hilfe zu kommen, an den umsichtigen Gegenmaßregeln der obersten deutschen Heeresleitung ebenfalls scheiterten, und so brachte denn der 28. Januar 1871 den Deutschen mit der endlich erfolgten (Kapitulation der feindlichen Metropole nur den wohlverdienten Lohn für die Anstrengungen, Strapazen, Kämpfe und Opfer der viermonatigen Belagerung. Die Kunde vom endlichen Falle der stolzen Hauptstadt des Feindes aber wurde damals in ganz Deutschland mit brausender Begeisterung und in der Gewißheit ausgenommen, daß daS große Ereigniß die Beendigung de- gesummten Feldzuges bedeute. Und solche Zuversicht trog nicht. Dem vorläufigen Waffenstillstände von Versailles folgte am 26. Februar 1871 der Präliminarfriede zwischen Deutschland und Frankreich zu Versailles, dessen Hauptabmachungen — Abtretung des Elsaß und eines ThetleS von Lothringen, sowie Zahlung einer Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Francs an Deutschland — dann durch den Frankfurter Friedensvertrag vom 10. Mai 1871 definitiv bestätigt werden sollten. Bolksbad. Vielfachen Wünschen Rechnung tragend, bringen wir die unS von Herrn Baumeister G. Wolff in Halle zur Verfügung gestellte Rede zum Abdruck, die er am 5. Januar im Saale des Hotel Einhorn gehalten hat. Der damals gegründete „Verein zur Errichtung eines VolkSbadeS in unserer Stadt macht gute Fortschritte, die Mitgliederlisten füllen sich täglich mit neuen Unterschriften und eö zählt der Verein jetzt bereits gegen.300 Mitglieder. ES nimmt uns dies nicht Wunder, denn wir find gewiß, daß jeder Bürger unserer Stadt da- Zustandekommen dieses gemeinnützigen, populären Unternehmens nach Kräften unterstützen, keiner seinen Beitritt zu dem Verein verweigern wird. Der Vorstand deS Vereins hat, wie wir vernehmen, mit den Vorarbeiten begonnen und dürfte bald in der Lage fein, einer Generalversammlung seine Vorschläge zur Beschluß- fassung zu unterbreiten. sonst ein recht aufgeklärter Mann, der mit seiner Zett ging, aber . - . . „Ah, . . - waS sehe ich! JstS denn die Möglichkeit? Fräulein Marianne, Sie . . . Mit diesem Rufe höchster Ueberraschung war ein junger, hochgewachsener Mann in tadellosem Touristencostüm plötzlich vor dem jungen Mädchen stehen geblieben und reichte ihm nun kameradschaftlich beide Hände zum Gruße. „Ja, istS denn nur denkbar? Sind Sie'S denn auch?" „In der That, Herr Doctor Müller! Aber welche Ueberraschung! Wie kommen Sie denn nm alles in der Welt nur nach Interlaken? Und wie Sie auösehen . . Sie brach in ein überwüthiges Lachen ans. „Sie wollen wohl den Gletschern Respect einflößen? Na, so als Bergfex müßten Sie Ihre Kranken daheim erblicken!" „Dann würden sie sicher ans lauter Freude über ihren Doctor gesund! Nein, welches Glück, Sie endlich gefunden zu haben, Fräulein Marianne, ich kann- noch immer nicht fassen . . ." „Endlich . . .?" gab sie gedehnt zurück und warf ihm einen schelmisch blitzenden Seitenblick zn. „DaS ist seltsam! Aber ich muß jetzt aufbrechen, sonst versäume ich daS Kur- concert. Sie begleiten mich vielleicht ein wenig, Herr Doctor, und erzählen mir unterwegs, was Sie eigentlich hergeführt hat." Sie erhob sich, er aber verbeugte sich zusagend und blieb an ihrer Seite. Dann gestand er ihr, daß ihn eineS- theils Sehnsucht nach den Bergen, anderntheilS aber ein klein wenig Hoffnung, sie in der Schweiz irgendwo zu treffen, zu der Reise veranlaßt habe. „Sie sind überraschend offen, Herr Doctor! Ihr Bekenntniß veranlaßt mich zu der Annahme, daß Sie R«n Bortrag des Herrn Baumeister« Wolff an» Hall- a. S., gehalten am 5. Januar im Hotel Einhor . Die Errichtung von Schwimmbadeanstalten mit Sommer- und Winterbetrieb, wie von öffentlichen Badeanstalten überhaupt hat erst in der allerneuesten Zeit in Deutschland größere Verbreitung gefunden. Während im Mittelalter das Baden eine ganz allgemein verbreitete Sitte war und auch in den kleinsten Städtchen sich öffentliche Badestuben befanden und von frommen Leuten vielfach sogenannte Seelenbäder gestiftet wurden, kam es in der dem dreißigjährigen Krieg folgenden Zeitperiode fast vollständig in Verfall, eS kam eine Zeit, von der man, ohne zu übertreiben, sagen kann, daß eine gewisse Wasserscheu geherrscht habe. Die Waschungen deS Körpers wurden auf das aller- nothwendigfte Maß beschränkt. Allerdings kam damals der Besuch von Heilquellen in Aufnahme, doch war dies mehr eine Sache der Mode und deS LuxnS, den sich nur sehr wenige Wohlhabende gestatten konnten, auch nahm man daS Waffer meist innerlich. ES war dies die Zeit, in der man dem stockenden Kreislauf der Säfte durch Schröpfen und Ader- laffen in bestimmten Zwischenräumen nachzuhelfen suchte, ohne zu wissen bezw. zu bedenken, daß wir in der Gymnastik und Pflege der Haut durch Bäder ein viel zuträglichere» Mittel dafür haben. Wie eine Erinnerung au8 früherer Zeit hatte man aus dem Mittelalter die Bezeichnung Bader für die Leute, die jetzt das Schröpfen und Aderlaffen besorgten, beibehalten. Eine Befferung brach sich Bahn von der Zeit der Freiheitskriege- gleichzeitig mit der Pflege der Turnkunst wurde auch die Schwimmkunst in den offenen Gewässern wieder betrieben, aber man blieb dabei zunächst whder sehr lange stehen. ES dauerte geraume Zeit, bis man erkannte, daß die durch das Bad herbeigeführte Pflege der Haut für unseren Körper so unendlich wichtig sei, daß man diese Pflege nicht nur auf eine bestimmte Jahreszeit beschränken dürfe. — ES waren die Engländer, die bahnbrechend vorgingen- unterstützt durch eine besondere ParlamentSacte vom Jahre 1846 entstanden um die Mitte dieses Jahrhunderts in England fast Überall in den größeren Städten öffentliche Badeanstalten und zwar fand man dort sehr bald heraus, daß die vorzüglichste aller Badeformen, ja das einzige Mittel, da- Baden so populär in allen Schichten der Bevölkerung zu machen, wie es eigentlich fein soll, da- Schwimmbad fei. England hat das Verdienst, zuerst Schwimmbadeanftalten mit Sommerund Winterbetrieb errichtet zu haben. ES ist eine bekannte Sache, daß es für die Mehrzahl der Menschen nicht genügt, zu wiffen, dies oder jenes ist mir zuträglich- wenn thatsächlich ein regelmäßiger Gebrauch davon gemacht werden soll, ist unbedingt erforderlich, daß es unS auch neugierig, fchrecklich neugierig find, von meinem selbstständigen Leben Näheres zu erfahren. Aber warten Sie, ich sag' Ihnen nichts — gar nichts — und ich hätte viel zu sagen." Er versprach, dies jedenfalls schwere Schicksal mit möglichster Würde tragen zu wollen. DaS Kurconcert war nicht allzu stark an diesem Morgen besucht und dem Doctor gelang eS daher blitzschnell, ein lauschiges Eckplätzchen für fich und seine schöne Begleiterin zu erobern. „Ideal hier," schmunzelte Doctor Müller vergnügt. „Ich bitte Sie, Fräulein Marianne, stellen Sie fich einmal vor, unsere guten Bekannten aus D. würden uns hier so erblicken ..." „O jeh!" Marianne schüttelte fich komisch entsetzt. „Das gäbe ein mixtum compositum I Nun, glücklicherweise find wir nicht in D., sondern im internationalen Interlaken, wo man fichs schon erlauben kann, einmal ein biSchen emancipirt zu fein. Sie natürlich, Herr Doctor, hatten ja auch nie viel für die Frauenfrage und für ihre Vertreterinnen über, aber . • . Ach, Himmel —" Ihr fröhliches Geplauder verstummte, ein glühendes Roth Überflog ihre Wangen und in rathloser Verblüffung starrte fie unverwandt nach einer Seite der Veranda. „Da fitze ich ja in einer greulichen Patsche." „Vielleicht belieben Sie sich noch etwas näher zu erklären!" Er legte in geduldiger Erwartung abwechselnd eine Hand über die andere. (Fortsetzung folgt.) Gleichzeitig hi einer Form geboten wird, die Annehmlichkeiten nud Wohlbehagen bietet. Seine der anderen Badeformen kommt in dieser Beziehung dem Schwimmbad gleich- eS hat eben den großen Borzug, daß e» nicht nur die zur Gesundheit erforderliche Reinlichkeit herbeiführt, sondern auch durch die freie Bewegung in dem frischen Wasser einen Genuß bietet, den Jeder zu schätzen weiß, der schwimmen koon. „Duschen ist gut, Schwimmen ist besser!* In welchem Maße durch solche Anstalten das Reinigung»- und Badebedürfniß überhaupt gesteigert wird, erhellt aus den in Stuttgart gemachten Erfahrungen. Dor Errichtung der jetzigen Schwimmbadeanstalt in Stuttgart wurden jährlich au» der städtischen Wasserleitung zur Speisung der dort vorhandenen Prioat-Badeanstalten im Ganzen 61000 Lbw. Wasser entnommen. Rach der im Jahre 1893 erfolgten Errichtung einer Schwimmbadeanstalt mit Sommer, und Winterbetrieb stieg der Wasserverbrauch für die Privatbadeanstalten um 186817 Ebm., also um da» Dreifache. Diese Zahlen, meine Herren, sprechen meine» Erachten» eine Sprache, die an Deutlichkeit nicht» zu wünschen übrig läßt. Sie beweisen auch, daß die P rtv a taust alt en keinerlei Ursache haben, die Gründung rc. solcher großen Badeanstalten zu bekämpfen. Die erste Schwimmbadeanstalt mit Sommer« und Winter« betrieb in Deutschland wurde im Jahre 1860, also vor 36 Jahren zu Magdeburg durch eine gemeinnützige Gesell« schäft in» Leben gerufen und zwar war fie, wie früher in England vielfach üblich, mit einer Waschanstalt verbunden. E» geschah die», weil man ersten» den Leuten der ärmeren Klassen, während sie im Bad waren, Gelegenheit bieten wollte, ihre Wäsche reinigen zu lassen und zweiten», weil man damals der falschen Ansicht war, die Waschanstalt sei erforderlich, um die ganze Anlage rentabel zu machen. Diese» System der Verbindung einer Waschanstalt mit einer Badeanstalt hat man meine» Wissen» später niemals »ehr wiederholt und in Magdeburg selbst beabsichtigt man die Waschanstalt jetzt ganz aufzuheben und statt dessen billige Wannen« und Brausebäder einzurichten. . Die Magdeburger Schwimmbadeanstalt blieb lange Zeit die einzige Deutschland», erst 1867 wurde die in Hannover errichtet, die aber insofern in der Anlage verunglückt ist, al» die Heizung-Vorrichtungen für einen regelmäßigen Winterbetrieb nicht genügen. Erft vom Jahre 1870 an find in verhältnißmäßig kurzer Aufeinanderfolge eine große Zahl von Schwimmbadeanstalten entstanden. Zunächst 1870 da» Dianabad in Leipzig, dann 1873 Zittau, 1877 Baden-Baden und Bremen, 1878 Dortmund, 1881 Aachen, 1882 Oldenburg und Barmen, 1883 Osnabrück, 1885 Köln und seitdem ist wohl kein Jahr vergangen, in dem nicht eine oder mehrere derartige Schwimm- hallen eröffnet wurden. Soweit mir bekannt, bestehen jetzt an etwa 50 Städten Deutschland» Schwimmhallen und da bekanntlich etwa» wirklich Gute», wenn e» einmal Wurzel gefaßt hat, fich mit einer gewissen Stetigkeit weiter zu entwickeln pflegt, so werden schon in absehbarer Zeit diejenigen größeren und mittleren Städte zu den unrühmlichen Ausnahmen gehören, die Schwimmhallen noch nicht befitzen. Don den obenerwähnten Anstalten war namentlich die 1877 in Bremen auf gemeinnütziger Grundlage errichtete von großer Bedeutung, weil bei dieser zum ersten Male in voll« ständiger Weise alle Hilfsmittel der modernen Technik für die Einrichtung nutzbar gemacht wurden. Bei dem Bremer Bad wurde auch zum erstenmal das System doppelter Umgänge mit dazwischenliegenden AuSkletde- zellen eingeführt, welches fich zur Reinhaltung des Wassers i« Schwirnmbasfin vorzüglich bewährte und typisch geworden ist fit alle späteren Anlagen, die Anspruch auf eine gute und * zweckmäßige Einrichtung erheben wollen. Was nun die Anlage und Einrichtung der bi» jetzt bestehenden Schwimmhallen anbelangt, so liegt eS auf der Hand, daß nicht gleich die ersten der errichteten Anstalten Musteranlagen waren. Wie auf jedem anderen Gebiet mußte man auch hier erst die richtigen Erfahrungen sammeln. ES wurde i» Anfang mancher Fehlgriff gemacht, bi» e» gelang, allgemein giltige Regeln aufzustellen, die man den Projecten zu Grunde zu legen hatte, und wenn manche der älteren und auch neueren Anstalten eine mangelhafte Rentabilität ausweisen, so hat daS fast regelmäßig seinen Grund in Fehlern bei der Anlage. Ich will nun zunächst versuchen, einige der wichtigsten Regeln, die bei der Anlage eine» derartigen Schwimmbades zu berücksichtigen find, Ihnen vorzuführen. Die Bezeichnung Schwimmbadeanstalt mit Sommer- und Winterbetrieb ist eigentlich keine ganz correcte, oder wenigsten» keine vollständige, bet fast allen derartigen bl» jetzt auSge- führten Anlagen bildet zwar ein oder auch mehrere Schwtmm- basfin» einen Hauptbestandtheil, aber durchweg find auch Wannen- und Brausebäder und vielfach auch noch sogenannte römisch irische Bäder gleichzeitig vorhanden, so daß es dem Publikum freisteht, welche Badeform e» wählen will. Tine der wichtigsten Grundbedingungen für die Projectirung einer solchen Anlage ist nun die, daß fie allen Bevölkerungsklaffen gleichzeitig zu dienen hat, daß sie also insbesondere auch dem Bedürfniß nach ganz billigen Bädern für die unteren Volksklaffen Rechnung tragen muß. Es ist daher die Einrichtung so zu treff «in, daß an bestimmten Abenden in der Woche von 7 bis 10 Uhr die Schwimmhalle zu dem ermäßigten Preis von etwa 10 Pfennigen per Bad den weniger Bemittelten zugängig gemacht wird, es hat sich dies sehr gut bewährt und genügt auch vollständig, da der Arbeiter doch meist nur in den Abendstunden Zeit hat, ein Bad zu nehmen. In den Schwimmbadeanstalten großer Städte hat man getrennte Bassins für Männer und Frauen, in kleineren Städten behilft man sich mit einem Bassin, da daS zu verzinsende Anlagecapital sonst zu hoch wird. Die Einrichtung ist dann meist so, daß an den frühen Morgenstunden von %6 bis 8 Uhr daS Bad für die Männer, von 8 bis 12 Uhr für Frauen und die übrige Zeit wieder für Männer geöffnet ist. Sehr wichtig für die Rentabilitätsfrage eine» Schwimmbades ist die Ueberfichtlichkeit in der Gesammtanordnung, fodaß man mit möglichst wenig Personal auskommt. Hierbei ist auch vielfach gesündigt worden und haben solche Fehler meist da» Schlimme, daß fie fich nachträglich nicht mehr verbessern lassen- namentlich die Wannenbäder erster, zweiter und dritter Klaffe, einschließlich Brausebäder, müssen so angeordnet sein, daß fie von einer Person bedient werden können. Die Wasserversorgung geschieht da, wo e» technisch möglich ist, stet« am besten bezw. billigsten durch Brunnen- da» Wasser wird in diesem Fall durch Dampfftrahlapparate gehoben, wodurch gleichzeitig eine Borwärmung geschieht. Der Wasserbedarf ist ein sehr großer und ist e» durchaus zu verwerfen, am Wasser zu sparen. Das Wasser in den Schwimmbassins insbesondere muß stets so klar sein, daß man an der tiefsten Stelle der BasfinS, die etwa 2,8 bis 3,5 Meter beträgt, bis auf den Grund sehen kann. Die Bassins müssen mindesten- einmal in der Woche, bei stärkerer Frequenz zweimal vollständig abgelaflen und neu gefüllt werden, außerdem muß ein ständiger und sicht« barer Zu- und Abfluß vorhanden sein. Die erforderliche Waffermenge berechnet man bei derartigen Anstalten am besten nach der Gesammtbäderzahl. ES wurden z. B. in Hamburg bei jährl. 127845 Bäder 6192966m. = 0,78 6bm pro Bad ,, Stuttgart „ „ 340000 „ 186000 „ =0,55 „ „ , „ Bremen „ „ 273456 „ 148000 „ =0,55 „ „ „ b. h. wenn man alle verabreichten Bäder, also Schwimm-, Wannenbäder, römisch.irische und Brausebäder zusammenrechnet, so braucht man im Durchschnitt 0,5 bis 0,6 Ebm. Wasser pro Bad. Ein anderer wichtiger Factor für die Rentabilität ist der Kohlenverbrauch. Derselbe betrug bei der Badeanstalt in Hamburg 2,6 Kgr. per Bad Steinkohlen „ Hamburg S. 2,4 „ „ „ „ Stuttgart 2,10 ,, ” ' ” „ Magdeburg 7 „ Braunkohle». Diesen Angaben habe ich die Gesammtbäderzahl zu Grunde gelegt. ES liegt nun bei Errichtung einer Bade- und Schwimmanstalt die Frage nahe: Wie wird die Rentabilität fich vorauSfichtlich stellen? Die zu erwartende Gesammtbäderzahl berechnet man selbstverständlich nach der Einwohnerzahl mtb ift im allgemeinen zu sagen, daß verhältnißmäßig in kleinere» Städten die Badefrequeozziffern fich höher stellen, al» in größeren- eS ist dies dadurch erklärlich, daß In den große» -Städten durch die zum Theil sehr großen Entfernuage» Mancher vom Besuch der öffentlichen Badeanstalten abgehalte» wird. Ich gebe Ihnen nachstehend eine Zusammenstellung von ber Bäderzahl in ben Schwimmbabeanftolten von 19 Städte» bis zu 200000 Einwohner. A. Mit Flußbädern: ^mwihnkr.ahl Bibmohl Bremen. . . 130 000 275,000 Düsseldorf. . 160.000 262,000 Elberfeld . . 130,000 314,000 Lennep ... 10 000 26.000 Oldenburg . 25,000 45,000 Heilbronn . . 31,000 148 000 H'ldeSheim . 34,000 55 000 Offendach (M). 35.000 101,000 Hagen i. W . 39,000 99,000 Osnabrück. . 40 000 51,000 B. Ohne Flußbäder: Crefeld. . . 106 000 195,000 Stuttgart . . 140 000 340 000 Z'ttau . . . 25.000 62,000 Gladbach . . 51000 122,000 Münster . . 52,000 108,000 Karlsruhe.. 75 000 95,000 Dortmund . 95.000 248,000 Barmen . . 125,000 192 000 Paderborn. . 19,000 57000 Sa. 634,000 1,376.000 b. h. auf 100 Einwohner pro Jahr durchschnittlich 217 verabreicht« Bäder. Sa. 688,000 1,419 000 d. h. auf 100 Einwohner pr» Jahr durchschnittlich 207 verabreichte Bäder. Dieselbe stellt fich durchschnittlich auf 215%. Die höchste Frequenz hat Heilbronn auf 426%. Für Gieße» durste man wohl 250—300 % annehmen, weil in Gienen das Badebedürfniß bereits sehr entwickelt ist und die Zu« sarnmensetzung der Bevölkerung eine weit günstigere ift, al« in ber oben angeführten Stabt. Durch bie obigen Zahlen wirb insbesondere auch unwider- leglich nachgewiesen, daß bie Existenz von Flußbädern die Frequenz solcher Badeanstalten nicht vermindert, sondern vermehrt. Wenn meine Ausführungen durch die vielen Zahle» und statistischen Mittheiluogen anderer Anstalten vielleicht auch etwas trocken und langweilig für Sie gewe'en find, f» hoffe ich immerhin, daß fie mit dazu beigetragen haben, manche Einzelheiten von dem, wa» hier beabsichtigt wird, auszuklären. ES Hai fich gerade in unserer Zeit bie Erkennen iß immer mehr Bahn gebrochen, daß wir viele Krankheiten und körperliche Schwächen selbst verschulden durch eine fehlerhafte Lebensweise. Es ist daS Berständniß erwacht, daß wir durch eine vernünftige Behandlung des Körpers im Stande find, viele Gefahren für unsere Gesundheit abzuwehren und uv» bi» in'» Alter frisch und arbeitsfähig zu erhalten. Reinhaltung, Abhärtung und Kräftigung de» Körper» find hierfür die Haupterfordernisse. Sie können aber durch nicht» besser erfüllt werden, al» das Schwimmbad. Wie ich bereits zu Anfang erwähnte, haben die große« Vorzüge, die das Schwimmbad vor allen anderen Badeformen auszeichnet und die hohe Bedeutung, die es gerade für die gesundheitliche Entwickelung ber Jugend hat, dazu geführt, daß in dem verhältnißmäßig kurzen Zeitraum von 25 Jahren in fast allen größeren und vielen mittleren und kleineren Städten Deutschlands gut eingerichtete Schwimmhallen entstanden sind, bereit Besucherzahl von Jahr zu Jahr wächst. Hoffen wir, baß recht balb auch hier in Gießen ber Jugend ein Mittel gewährt werbe, welches neben dem Turn« betrieb und ber Pflege ber Jugenbspiele vor allem geeignet ist, bie Entwickelung beß heranwachsenben Körper» zu forbern. Hoffen wir, baß auch hier recht balb ben arbeitende« Klaffen Gelegenheit geboten werde, an einer Körperpflege theil zu nehmen, deren fie mehr bedürfen al» -alle anderen. Wir wollen hoffen, baß Alle, die ein warme» Herz für die Heranwachsende Jugend und ein Berständniß von tem hohen Nutzen ber Bäder für bie Gesundheit de» Volke» befitzen, eine Wohlfahrtseinrichtung begründen helfen, die eine Zierde für Ihre Stadt und für Sie Alle aber eine neue Quelle ber Gesunbheit unb Kraft werben soll' Holzversteigerung. Bdrrsörstkrri Sraniiobtrnhorf. Freitag den 31. Januar I. Js., Vormittag» 10 Uhr, werben in der Hohmann 'schen Wirth schäft in Kleeberg versteigert au»: Distrikt 29, vromdergerstei». Eichen: 2 Stämme mit 0,17 fm, 5 rm Nutzscheit und Knüppel (2,5 m lang), 14 rm Scheit u. Knüppel, 400 Wellen 2. Kl., Buchen: 163 rm Scheit u. Knüppel, 4150 Wellen 2. Kl., Nabel- holz: 45 Stämme mit 8,61 fm, 2 rm Mtzknüppel (4 m lang), 6 rm Scheit u. Knüppel. Distrikt 21, Spechtischheck. Eichen -. 4725 Wellen 4. Kl. . Buchen: 850 Wellen 3. Kl. Andere» Laubholz: 9 rm Knüppel, 1900 Wellen 3. Kl. Distrikt 22, Spechtischheck. Eichen: 1275 Wellen 4. Kl. , Buchen: 2725 Wellen 3. 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