Nr. 254 Erstes Blatt, Mittwden 2R Oktober 1SO6 Der Htetzener Auzei-er ««scheint täglich, »it Ussnahme drS Montag«. Die Gießener Aamtkienv kälter »erden dem Anzeiger »Lchentlich dreimal deigelrgt. Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Bierteljähriger Abounemcutspreis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Ar.7^ Fernsprecher 51. Amts- rind Anzeigeblntt für den Ureis Giefzen. Hratisöeikage: Hießener Kamikienötätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr. Alle Annoucen-Bureaux de« In- und Auslände« nehme» , Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg««. Amtlicher Tbeil. Gießen, den 27. October 1896. Betreffend: Reichstagswahl. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen e* die Grshh. Bürger« eist er eie« des KreiseS. Wir übersenden Ihnen mit der nächsten Post die For- mularien zu den Wahlprotocollen für die am 5. k. Mts. stattstndende Wahl eines Reichstagsabgeordneten unter der Empfehlung, dieselbe mit dem zweiten Exemplar der Wählerliste (cfr. unsere Verfügung vom 16. October d. I., An- zeiger Nr. 246 ad d) an den Wahlvorsteher zum Gebrauche -ei der Wahlhandlung (gleiche Verfügung ad II b und c) abzugeben. _______________I. V.: Dr. Melior. Gießen, den 24. October 1896. 9etr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung- hier: die Gebühren der Bezirksbauaufseher und Sachverständigen für Prüfung genehmigungspflichtiger Bauten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen *« die Grosth. Bürgermeistereien der Landgemeinde« des Kreises. Wir erinnern Sie an Erledigung unserer Verfügung vom 26. d. MtS. — Anzeiger Nr. 246 — binnen 3 Tagen. _______________I. V.: Dr. Melior. Bekanntmachung. In Atzbach, Kreis Wetzlar, ist die Maul-- und Klauenseuche amtlich feftgestellt und die Gemarkungssperre auge- srdnet worden. Gießen, den 26. October 1896. GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen. I. B.: Dr. Melior. Wolffs telegraphisches Lorrefpondeur-Bsre«. Darmstadt, 26. Ociober. Anläßlich der Anwesenheit des russischen Kaiserpaares ergingen zu dem heutigen Luncheou im Großherzogltchen Schlöffe Einladungen an die BlandeSherren deS GroßherzogthumS und deren Gemahlinnen. Darmstadt, 26. October. Kaiserin Alexandra empfing heute die Freifrau v. Schenk, Gemahlin des Ober- kammerherrn v. Schenk, Frau Generalin d. Bülow-KarlS- ruhe, Fräulein Textor, Fräulein Julie Bauer, sowie zwei FräuletnS van der Hoop. Nachmittags unternahmen daS russische Kaiserpaar und die übrigen Fürstlichkeiten in offenem Wagen eine Ausfahrt nach Seeheim, wo fie den Thee einnahmen. — Abends ist Hofcapellmeister de Haan zum Clavtervortrag vor allen Fürstlichkeiten im Neuen Palais geladen. »erli«, 26. October. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der „Hamburgische (Korrespondent" gibt der Der- muthung Raum, der StaatSsecretar Frhr. v. Marschall werde durch eine Erklärung feststellen loffeu, daß die uu- richtige Lesart des Zarentoastes lediglich durch das Versehen eines Berichterstatters veranlaßt worden sei. Diese Bermuthung ist durchaus unzutreffend. Frhr. v. Marschall wird in dem gegen die Journalisten v. LUtzow und Leckert schwebenden Strafverfahren als Zeuge vernommen werden a*b bet dieser Gelegenheit seine Aussagen machen. Durch öffentliche Erklärungen tu den Gang eines gerichtlichen Ber« fahrens etnzugreifen, ist weder üblich, noch zulässig. Hanau, 26. October. DaS Grimm - Denkmal- Cornitä stimmte einer durch SanitätSrath Dr. Eisenach gegebenen Anregung zur Gründung eines Grtmm-MuseumS tu Hanau zu und wählte vier Mitglieder zur Einleitung der weiteren Schritte. Loburg, 26. Oktober. Der Herzog von Coburg begab sich heute zum Besuche des russischen Kaisers nach Darmstadt. Morgen reist er nach London weiter. Dresden, 26. October. Wie das „Dresdener Journal" vernimmt, find vom König in das Schiedsgericht für die Entscheidung der Lippe'schen Thronfolge-Frage der Präsident deS Reichsgerichts Dr. v. Oehlschläger, die Senats- Präsidenten beim Reichsgericht Dr. Btvguer und Dr. Petersen, sowie die RetchSgerichtSräthe Dr. Bolze, Müller und Ege berufen worden. Hof, 26. October. Heute tagte hier die Versammlung der Führer und Aerzte der Deutschen Sanität». Colonne vom Rotheu Kreuz, zu der etwa 200 Thetl- uehmer aus allen Thetlen Deutschlands eingetroffen waren. Heidelberg, 26. October. Zur Jubelfeier des Gymnasiums wurde gestern Abend von der Stadt eine Schloßbeleuchtung veranstaltet. DaS unvergleichliche Schauspiel hatte Hunderte von Zuschauern aus nah und fern herbeigeführt. Volle fünf Minuten erstrahlte die Schloßruine prächtig wie ein Märchenbild, dann sank fie langsam in die Rächt zurück. Von einer Beleuchtung der alten Neckarbrücke mußte des hohen Wafferstandes wegen abgesehen werden. Gin großer Commers im Harmoniesaale beschloß die Feier. Rom, 26. October. Prinz und Prinzessin von Neapel begaben sich heute Vormittag tu da» Pantheon und legten am Grabe deS Königs Victor Emanuel einen Kranz aus frischen Blumen nieder. Im Pantheon wurden der Prinz und die Prinzessin, welche von der Volksmenge lebhaft begrüßt wurden, von dem UnterrichtSminister, dem Präfecteu und anderen hohen Beamten empfangen. MaUaud, 26. October. Aus den AlpenthSlern Nord- italienS treffen fortwährend neue HiobSposten über die durch Ueberschwemmungen verursachten Verheerungen ein. In den Provinzen Como, Bergamo, BreScia, Verona, Vicenza und Udine ist die Zahl der zerstörten Fabriken, Brücken und Straßen bedeutend. Haag, 26. October. DaS Geschenk Kaiser Wilhelms, das General der Infanterie v. Hahnke gestern der Königin überreichte, besteht in einem Kreuz aus sieben Ehrhsolith-Steinen, die von Brillanten umgeben find. DaS Kreuz hat die Gestalt deS alten niederländischen Kreuzes und ist dem im Berliner Museum befindlichen Modell uachgebtldet. — Heute fand zu Ehren deS General» v. Hahnke ein großes Diner statt. Pari», 26. October. Anläßlich der morgigen Kammer- eröffnung erklärt der „Figaro", daß nun zwischen den Radikalen und den Gemäßigten ein erbitterter EntscheidungS- kampf beginnen werde. Der Steg der Radicalen würde den materiellen Ruin, die Revolution und schließlich die Dictatur bedeuten. Diese Gefahr könne nur abgehalten werden, wenn die gemäßigten Elemente de» Parlaments ihre Kräfte mit denjenigen deS Ministeriums und des Präsidenten der Republik vereinigten. — Die endgiltig festgestellten Ausgaben anläßlich der Festlichkeiten zu Ehren des Kaisers von Rußland betragen 3*/, Millionen FrcS. Petersburg, 26. October. Zwischen Petersburg und Moskau wird eine Telephonlinte angelegt. Die Au- lagekosten werden auf 400,000 Rubel geschätzt. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 26. October. Der Kaiser nahm heute Vormittag Vorträge entgegen. Abends gedenkt er von der Wild- Parkstatton sich mittelst Sonderzuge» nach Meppen zu begeben, um daselbst den Krupp'schen Schießplatz z» besichtigen. Am Mittwoch wird der Kaiser die Krupp'sche Fabrik in Augenschein nehmen. Berlin, 26. Oktober. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist gestern Abend wieder in Berlin eingetroffen. Er empfing heute Vormittag 10 Uhr den StaatSsecretär Dr. v. Bötticher zu einer Besprechung. Berlin, 26. October. Der „RetchSanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Freiherrn v. Richthofeu zum Director der Colontal-Abtheiluug deS Auswärtigen Amts unter Beilegung de» CharacterS als Wirklicher Geheimer Legationsrath. Berlin, 26. October. Heute Vormittag find die Bevoll- mächtigten der Landesregierungen, in deren Staaten Börsen bestehen, im ReichSamt deS Innern zu der Eonferenz zusammengetreten, in der über die Ausführungsbestimmungen zum Börsengesetz berathen werden soll. Berlin, 26. October. Ein dreifacher Mord und Selbstmord setzte heute vormittag die Bewohner deS HauseS Klödenstraße Nr. 7 in Aufregung. Die dort wohnende 26jährige Wittwe Liwberg hat sich und ihre drei kleinen Mädchen erhängt. Frau Ltmberg unterhielt ein LtebeS- verhältniß mit einem jungen Manne, einem Heizer. Zwischen den Beiden scheint eS öfter zu Streitigkeiten gekommen zu sein, die sich die junge Frau sehr zu Herzen genommen haben muß. Nachdem heute Mittag 12 Uhr eine Nachbarin noch keinerlei auffallende Aufregung an ihr wahrgenommen hatte, fand der um 8/U Uhr von seiner Arbeit kommende Heizer seine Braut entseelt vor. Berlin, 26. October. Wie wir hören, beschlagnahmte die Polizei heute Vormittag die gestrige Unterhaltungsbeilage des „Vorwärts", die Nr. 43 der „Neuen Welt" wegen eine» Gedichts: „Wächterruf" von Emil Hauth und zwar auf Beschluß deS Amtsgerichts I wegen Vergehen gegen § 138 des Strafgesetzbuches (Aufreizung zum Klaflenhaß). Berlin, 26. October. Der Anarchist Großmann aus Wien ist gestern auf dem Hauptpostamt am Schalter für postlagernde Briefe in dem Augenblick verhaftet worden, als er nach einem Briefe frug. Berlin, 26. October. Der Arbeiter Lindenberg wurde heute in Haft genommen, weil er einen seiner Bekannten in frivoler und wissentlich falscher Weise der Theilnahme an der Ermordung des Justizrath Levy beschuldigt hatte. München, 26. October. Gestern Nachmittag wurde in Starnberg ein Baukdirector verhaftet, welcher seiner Zeit nach Unterschlagung von 2% Millionen Gulden aus Bukarest flüchtig gegangen war. Obwohl steckbrieflich verfolgt, vermochte fich der Defraudant in seiner eigenen Billa am Starnberger See drei Jahre laug völlig unbehelligt aufzuhalten. Karlsruhe, 26. October. Da» vom Verein deutscher Ingenieure seinem Begründer FranzGraShof hier errichtete Denkmal wurde heute enthüllt. Zu den Feierlichkeiten waren anwesend Vertreter der deutschen technischen Hochschule, sämmtliche Bezirksvereine, Prinz Karl als Vertreter deS Großherzogs, sowie sämmtliche Minister. Wie», 26. October. Zwischen den hiesigen Schuhfabrikanten und deren Gehilfen find Lohndifferenzen auSgebrochen. Die Gehilfen drohen, falls ihre Forderungen nicht bewilligt werden, in einen allgemeinen Ausstand einzutreten. Wien. 26. October. Zu der Enthüllung der „Hamb. Nachr." schreibt die „N. Fr. Pr.": In hiesigen Regierungskreisen ist man nicht geneigt, den Mittheilungen der „Hamb. Nachr." über den bis zum Jahre 1890 bestandenen Neu- tralitätsvertrag zwischen Deutschland und Rußland daS Gewicht beizulegen, welches ihnen in der europäischen Presse beigemeffen wird. ES wird vielmehr vermuthet, daß tß fich bei der Hamburger Mittheilung nur um jenes wechselseitige NeutralitätSverhältoiß handelt, welches lange vor dem Abschluffe des deutsch-österreichischen BündniffeS zwischen Preußen und Rußland bestanden und dem Preußen z. B. im deutsch- französischen Kriege die ihm so kostbare Neutralität Rußlands zu danken hatte. Man glaubt, daß es zu einer formalen Aenderung dieses VerhältniffeS nicht gekommen sei und daß deshalb deffen Fortbestand bis zum Rücktritt deS Fürsten Bismarck formell behauptet werden könne, obgleich eS factisch durch den Abschluß deS deutsch-österreichischen Defensiv-Ber- trageS gegen Rußland allen Werth verloren gehabt hätte und daß Graf Caprivi fich an diese wesentliche und nicht au die formale Sette der Frage gehalten habe. Lemberg, 26. October. Heute Morgen wurden da» 15. und 80. Infanterie Regiment alarmirt, um sofort nach Ungarn abzugehen. Graz. 26. October. Von hier find 1500 Manu Infanterie und Cavallerie nach Ungarn abgegangen. Budapest, 26. October. In seiner Programmrede, welche der Minister Vegervary in Temesvar hielt, theilte derselbe mit, daß der Kaiser die Schaffung eines neuen, dem Geiste der Zeit entsprechenden Militärstrafgesetzbuche» billige und daffelbe dem neuen Reichstage vorgelegt werden würde. Budapest,26.October. Die Wahlexcesse in Ober- Ungarn dauerten auch während des gestrigen Tages fort. In zahlreichen Orten herrscht ein förmlicher Belagerungszustand. Nach zuverlässigen Mitthetlungen stehen bereits 50000 Mann Militär zur Aufrechterhaltung der Ordvnag in Action. In DomaniS steckten Anhänger der VolkSpartei gestern sieben Häuser in Brand, welche vollständig eingeäschert wurden. Rom, 16. October. König Humbert erhielt folgende» Telegramm vom Zaren: „Möge der Allmächtige diesen Tag segnen, zum Wohle der beiden Nationen, deren Freundschaft unvergänglich bleiben wird." Lille, 26. October. Gestern fand die Enthüllung de» Denkmals des General» Faidherbe statt. Der Kriegsminister wohnte der Ceremonie bet. Der General ist zu Pferde in großer Gala-Uniform mit Federhut und dem Bande der Ehrenlegion über der Brust. ES wurden mehrere Reden gehalten. Madrid, 26. October. Einer officiellen Mittheiluog zufolge besteht die spanische Armee im Ganzen au» 368930 Mann, wovon 128815 in Spanien, 200000 auf Cuba, 34115 auf den Philippinen und 6000 Mann auf Portorico fich befinden. Loudo», 26. October. Aus Peking wird gemeldet, daß Li-Hung-Tschang zum Minister deS Aenßern ernannt worden ist. London, 26. Oktober. AuS JohauniSburg werden folgende Ergebnisse der letzten Volkszählung mitgetheilt. In einem Umkreise von drei Meilen der Hauptstadt wohnen 24500 Eingeborene, 16000 Engländer, 3300 Russen, 2200 Deutsche, 1000 Australier, 1000 Franzosen, 8000 Holländer, 750 Amerikaner, 600 andere Europäer und 150 Afiaten. Diese Statistik beweist, daß da« rein englische Element abnimmt. Jeden Monat wandern 2500 Europäer in Transvaal ein. Athen, 26. Oktober. Das Blatt „Asth" läßt sich auS Konstantinopel melden, daß der russische Botschafter Neltdow von den Armeniern einen Drohbrief erhalten habe. ____________ Berlin, 27. Oktober. Zu der gestern gemeldeten Be- schlagnahme der „Neuen Welt" berichtet noch der „Vorwärts", daß dieselbe auf telegraphische Requisition der BreSlauer Staatsanwaltschaft erfolgte. In seiner Expedition wurden 300 Exemplare und in Breslau drei Stück confiscirt. Budapest, 27. Oktober. Der „Pester Lloyd" veröffentlicht eine Unterredung mit Pobjedonoßew, welcher eS für falsch erklärte, daß Schichktn der Nachfolger Lobanows werde. Unter den Candidaten werde auch der Londoner Botschafter Staat genannt. Derselbe nehme kaum an. Von einem eigentlichen Bündnisse zwischen Rußland und Frankreich könne keine Rede sein, eS beständen lediglich freundschaftliche Beziehungen. Der Friede gehe dem Zaren über alles. Rom, 27. Oktober. Gestern Abend brachten die patriotischen Vereine und die Studenten dem Kronprtnzenpaar einen glanzenden Fackelzug dar. Rom, 27. Oktober. Der „Tribuna" zufolge gingen mehrere Millionen Lire nach Afrika, angeblich zum Loskauf der Gefangenen. Rom, 27. Oktober. Die Enthüllungen der „Hamburger Nachrichten" über den russisch-deutschen Neutrali- tätsvertrag rufen hier einen peinlichen Eindruck hervor. Parts, 27. Oktober. Challemell Lacour ist gestern gestorben. CoceUs rrrrö protHniküef, vießen, den 27. Oktober. * * Ordens • Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Major und Bataillons Comman- deur Winter im Infanterie-Regiment Graf Werder (4. Rheinischen) Nr. 30, früher ä la suite des Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großherzogltch Hessischen) Nr. 116, die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst« ordenS Philipps des Grohmüthigen zu verleihen geruht. * * Bon der Universität. Vor der Eröffnung der Vorlesung ist die Vorprüfung von vier Studirenden des Finanzfachs und fünf Studirenden des Forstfachs abgehalten worden. Drei Studirende des FinauzfachS haben die Vorprüfung bestanden. * *H Stadtthealer. Im gestrigen zweiten Auftreten der Schliersee'r wurde uns das Volksstück „Im AuStrag- stüberl" geboten. Dasselbe trägt einen ernsten Charakter, doch gelangt auch der Humor darin zur Geltung. Das Spiel zeugte von einer Innigkeit der Empfindung, von einer lebenswahren Gestaltung, die überwältigend wirkte und merken ließ, daß nicht blos mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen gespielt wurde. Das Ensemble gibt sich auf der Bühne genau so wie im Leben, sie find das wirklich, was fie spielen und daher die packende Wahrheit ihrer Darstellung. Es sei von Nennung einzelner Namen abgesehen, fie olle ohne Unterschied verdienen rückhaltloseste Anerkennung. Mit reichstem wohlverdienten Beifall lohnte daS sehr gut besuchte HauS die Darsteller. Erwähnt möge sein, daß die Zithervorträge, sowie die übrigen vom Orchester gespielten, etgenS vom Ensemble mitgebrachten bayerischen Muflkstücke großer Beachtung und Anerkennung gewürdigt werden. — Heute Abend gelangt wiederum eine Novität, „Die Z'wtder- wurzen", zur Aufsührung. * * Etadttheater. Der Herrgottschnitzer von Ammergau ist daS populärste aller oberbayertschen Volks- stücke und eine der besten Nummern im Repertoir des Schliersee'r Bauerntheaters. Die Handlung ist kurz skizzirt folgende: Ein hübscher, junger, braver Bursche, Pauli, übt in seiner Heimath Oberammergau fleißig daS Schnttzrrhand- werk auS. Er schnitzt Heiligen- und ChristuSbtlder und hat sich in seiner Kunst ein Renommö erworben. Den Herrgottschnitzer nennt man ihn weit und breit. Der Gegenstand seiner Liebe ist die Pflegetochter deS Bürgermeisters und GemetndewirtheS Höflmeyer, die Lont, deren eigentlicher leiblicher Vater, der Pechlerlehnl, dem braven Höflmeyer eines Tages vor die Thüre legte. Zwei Jahrzehnte bleibt die Vaterschaft LehnlS zu Loni Gehetmntß, bis fich endlich durch die unberechenbaren Wechselfälle deS Zufalles Eretgutffe ergeben, die die Beiden, Vater und Tochter, sich finden lassen. Pauli hat bei der von ihm aufrichtig geliebten Loni kein Glück. Er ist ihr zu still, zu ruhig, zu unmännlich in seinem Gehaben. Auf dem Tanzplotz kommt eS zu einer Katastrophe, die Loni erfahren läßt, daß eS dem Pauli an männlichem Sinne nicht mangelt. Die wohl schon dem Mädchen unbewußte, aber doch in seinem Herzen schlummernde Liebe kommt zum Durchbruch. Loni erkennt die Vorzüge PauliS und fie wird sein Weib. Der Dritte im Bunde der Glück- ltchen ist der alte Pechlerlehnl. — In diese Hauptaffaire der Comödte find episodisch noch verschiedene Vorgänge eingereiht, welche dem ländlichen Charactergemälde den Stempel der Vollendung aufdrücken. Sine überaus ergötzliche Figur ist der GatSdub LoiSl, der seine Partnerin, die Stall- uud Schankmagd ReSl, liebt und der mit der Methode, Alles zu erbetteln, es wohl dahin bringen wird, fie heirathen zu können. — Ein abgrwiesener Bewerber der Loni, Mukl, tröstet sich mit der hübschen Sennerin Naudl, mit der er fich verlobt. Eine bunte Reihe auS dem Leben gegriffener Scenen geben in dem Stücke ein vollendetes Ganze echt< oberbayertschen DauerulebenS. I • * * 3n lebhafter Erinnerung stehen noch allen Lesern unserer Zeitung die Stnlderungeu über die Einweihaugs- feierltchketten deS Nord Ostsee Kanals. Diese Erinnerungen auszufrlschen und neue Eindrücke von dem Kanal, seinen Anlagen und den zur Eröffnung stattgefundrnen Festen durch Veranschaulichung zu gewinnen, bietet daS Panorama Photoplafttk deS Herrn Schmidt, welches fich mit seinen herrlichen Länderserien die Gunst deS hiesigen Publikums dauernd erworben hat. ES ist eine prächtige Serie, deren einzelne Bilder an Naturtreue, Farbeotönung und Schärfe in der Ausführung wohl das Beste bieten, was aus dem Gebiete der photoplasttschen Reproduction zu erreichen ist. Wir sehen die alte Hansastadt Hamburg, wie fie fich zum Empfange deS Kaisers geschmückt hat, den Einzug uud den Empfang unter dem Jubel einer vieltausendköpfigen Menge, die vielbeschrtebene Alfterinsel mit dem Katserzelt, das Innere dieses Zeltes, die Schlußfteinlegung in Holtenau durch den Kaiser, das Hafenamt daselbst und die Aufstellung zur Parade, die Schleusen-Anlageo in Holtenau, die Hochbrücke bet LevenSau, die große Flottenparade und das Flotten^ manöver, im Einzelnen die hierbei betheiligten deutschen und ausländischen Schiffe, die Torpedodivisionen u. A. m. ES find alles prächtige Darstellungen von größtem Interesse, welche daS Panorama in der laufenden Serie uns vorführt und ist der Besuch desselben für Jedermann ein lohnender. ES sei darum angelegentltchst empfohlen. * * Gießener Tnruerschaft. Nachdem vor einigen Wochen die Gründung einer Gießener Turnerschaft durch die beiden Vorstände der hiesigen Turnvereine auf Grund durchberathener und festgesetzter Statuten, vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung beider Vereine, beschlossen wurde, haben nunmehr der „Männerturnverein" in seiner Generalversammlung am 17. Oktober und der „Turnverein" am gestrigen Abend die Gründung einer Gießener Turnerschast durch Genehmigung der Statuten bestätigt. Der Gießener Turnerschaft unser Gut Heil! * * Verhaftet. Gestern Morgen wurde der frühere Bahnarbeiter Belz, ein junger, arbeitsscheuer Mensch von hier, welcher fich schon längere Zeit in der Stadtumgebung umhertrieb, verhaftet. Man fand bei demselben eine Anzahl Gegenstände, die aus den in letzter Zeit dahier verübten Diebstählen herrühren. Eine Durchsuchung der Bude auf dem Viehmarktplatz, in welcher Belz in den letzten Nächten logirte, ergab, daß er ein ganzes Lager gestohlener Sachen darin aufgehäuft hatte. Es konnten ihm sechs Diebstähle, darunter auch der Einbruchrdiebstahl am Wafferhäuschen am Neustädterthor, sowie die verschiedenen Einbrüche in Speisekammern rc. nachgewiesen werden. * * Landtagswahl. Die Zweite Kammer wird in der bevorstehenden 80. Tagung der Stellung im bürgerlichen Leben nach geordnet an Abgeordneten zählen: 4 Staatsbeamte, 6 Anwälte, 2 Fabrikanten, 2 Privatiers, 3 Wirthe, 8 Bürgermeister, 2 Mühlenbefitzer, 15 Landwirthe, 2 Redakteure, 1 Buchdruckeretbefitzer, 1 Schriftsetzer, 1 Bankier und 1 Schriftsteller. Zwei Mandate find zur Zett unbesetzt. Man ersteht aus dieser Zusammenstellung, daß daS bäuerliche Element in der neuen Kammer stark hervortritt. E. Echzell, 26. Oktober. Daß das nasse Jahr 1896 trotz vielsc'tkgen Klagen ganz ungewöhnlich viele und überaus große landwirthschaftltche Gewächse hrrvorbrachle, konnte man gestern in der hiesigen Kirche sehen und bewundern. ES wurde nämlich daS Erntedankfest gefeiert und dabei der Altar mit allerlei Feldfrüchten geschmückt, oder solche in der Nähe niedergelegt. Hierbei kamen zwei Riesen- dickwurzeln zur Auslage, von denen die eine 32 Pfund, die andere 31 Pfund wog. Man braucht schon einen großen Kürbis, um ein solches Gewicht zu erzielen. Außerdem war eine Kartoffel, Sortiment Weltwunder, zur Auslage, die nahezu eine halbe Elle lang und entsprechend dick war. Am SamStag und heute wurden die Trauben des Weinberges im „Pfarrgarten" geherbstet. ES wird ein voller Herbst erzielt und die Trauben haben fich, trotz des nassen Wetters, sehr gut gehalten. § AuS dem Ohmthal, 26. Oktober. Die Wahl- bewegung zu der am 5. November dS. IS. stattfindenden ReichStagSwahl ist im Vergleich zu derjenigen bei den vorauS- gehenden ReichStagSwahlen eine viel ruhigere- ja eigentlich kann von einer Bewegung, wie fie früher vorhanden, keine Rede sein und noch viel weniger von einer Aufregung, wie sie leider damals die Gemüther beherrschte. Dies Zurück- gehen der Volksseele in ein ruhiges, besonnenes Geleise ist mit Freuden zu begrüßen. Niemand wird eben bestreiten können, daß die wüste Agitation uud dämonische Aufwühlung deS BolkSgristeS, wie sie in der That bei den früheren Wahlkämpfen stattgefunden, die klare Erkenntniß und daS unbefangene UrtheilSvermögen des Einzelnen getrübt und oft aus falsche Bahnen gelenkt hat. Die Zeit der Wahlkämpfe in buchstäblicher Bedeutung, sie scheint glücklicher Weise vorüber und eine gemessene Agitation und ruhige, sachliche Behandlung der Wahl an ihre Stelle getreten zu sein. Obgleich der Termin der Wahl schon sehr nahe gerückt ist, haben in den Orten unseres OhmthaleS nur einige Wahlversammlungen der freisinnigen Volkspartei stattgefunden. So auch gestern in Ober-Ohmen und Ruppertenrod, in welchen Versammlungen Herr Rechtsanwalt Metz auS Gießen in sachlicher Weife die Ziele seiner Partei auS- etnauderlegte, deren Candidaten, Herrn Professor Stengel zur Wahl empfahl und mit einem Hoch auf daS Wohl deS Vaterlandes schloß. In beiden Versammlungen waren auch zwei Soctaldemokraten auS Gießen erschienen, welche Flugblätter austheilten und auch in Ober-Ohmen für den Can- Maten ihrer Partei das Wort ergrisseu. -A.- Ans Starkenburg, 26. Oktober. Wie in früheren Jahren geschehen ist, soll auch im laufenden Jahre 1896 und zwar am 31. Oktober wieder, eine statistische Arbeit hinsichtlich der Bestände der öffentlichen Kassen, sowie der bedeutenderen Privatinstitute geliefert werden. Alle diese Kassen sollen am 31. October d. I. festfttllen, waS fie an RcichSgoldmünzen: Doppelkroneo, Kronen und halben Kronen besitzen. (Die halbe Kronen find äußerst selten geworden und verschwinden nach und nach ganz auS dem Verkehr- sie sollen auch nicht mehr g'prägt werden, weil fie sehr unhandlich find.) Außer den Rctchsgoldmünzen sollen aber noch weiter festgestellt werden: Die Einthalerstücke und zwar die von deutschem und die von österreichischem Gepräge von einander getrennt- ferner sämmtliche deutsche Silber- müuzen in Sorten: Fünf-, Zwei-, Einmarkstücke, Fünfzig- und Zwanztgpfenntgstücke getrennt. Endlich sollen die Nickelund Kupfermünzen, die Re chSkaffenscheioe zu 50 Mk., 20 Mk. und 5 Mk., sowie die RetchSbanknoten und die Privatbank- noren aufgeführt werden. Alle diese Rubriken find auf eioer Postkarte angebracht. Die Beamten haben nur nöthig, die Rubriken nach vollzogen-m Kassenstürze auSzufüllen und die Karte in den nächsten Briefkasten zu werfen, wodurch jede umständliche BerichtSerstattung, sowie theureS Porto vermieden wird. Auch in anderen Fällen und bei vielen Be« Hörden ließe sich ein solch' glattes Verfahren einrichteu, wodurch vieles Schreibwerk erspart würde. Offenbach, 26. October. In einer gestern stattgehabten Coufereoz der socialdemokratischeu Wahlmänner deS Wahlkreises Offenbach Land wurde an Stelle des Abgeordneten Ulrich, welcher in Offenbach Stadt und Land doppelt gewählt worden ist und für die Stadt Offenbach optirt hat, der Gastwirth Rauch zu Mülheim a. M. al» Candidat für die Zweite Kammer für den Landkreis Offen« bach (Mülheim Bü gel Heuffenftamm) aufgestrllt. • Troisdorf (bei Köln), 26. October. Gestern Abend erstach ein bisher unbekannter Mann einen Familienvater und verletzte dessen Schwager schwer. * 3« Hochzeitswagen gestorben ist dieser Tage in Berlin die 40 Jahre alte Frau Auguste Kressin. Als mau zur Michaelkirche fahren wollte, wo die kirchliche Trauung stattfinden sollte, fiel plötzlich Frau Kresfin bewußtlos ihrem Manne in die Arme. Der HochzeitSwag-n kehrte um, man trug die Frau schleunigst in ihre Wohnung hinauf und rief einen Arzt herbei. Dieser konnte uur feststellen, daß mittlerweile bereits der Tod eingetreten war, vermuthlich infolge eine- Herzschlages. * Neber eine schwere Soldateumißhandlung macht der „Fränk. Kurier" Aufsehen erregende Mrttheilungen, die bisher unausgesprochen geblieben find und anscheinend der Wahrheit entsprechen. Darnach hat der Vater deS Mißhandelten, Weingärtner A. Bauer in Neckarsulm, beim Commando deS württembergischen Infanterie Regiments Nr. 122 zu Heilbronn Strafantrag gestellt, „weil sein Sohn Karl durch fortgesetzte Beschimpfung, schwere körperliche Mißhandlung und rechtswidrige Bedrohung mit dem MilttärzuchthauS zu Ulm in Verzweiflung und Tod getrieben worden sei." Der „Fränk. Kur." berichtet: „Diese an ergreifenden Einzelheiten reiche Tragödie begann mit einem Milttärprozeß zu Gmünd. Der alte Bauer hatte in den Jahren 1895 und 1896 vier Söhne beim Militär. Der älteste stand in der Garnison Gmünd, uud als dieser zum Unteroffizier befördert wurde, machte ein Feldwebel G. in einem WirthShauS die Bemerkung: „Den Major möchte ich auch kennen, der den Jos. Bauer zum Unteroffizier avanciren ließ, so ein Esell" Diese Aeußerung büßte der Feldwebel G. mit drei Wochen Arrest und strafweiser Versetzung nach Heilbronn. Dort kam G. in die dritte Compagnie, wo seines Gmünder Widersachers jüngerer Bruder diente. Dieses Zusammentreffen war für diesen verhänguißvoll. Der alte Bauer hat auf Grund eines reichen Zeugenmatertals, das zur Hauptsache aus Civi« listenkreisen stammt, für folgende Thatsachen Beweise bei- gebracht: Niemals ist Karl Bauer mit seinem richtigen Namen angerufen worden- seine Anrede lautete vielmehr: „Lump, Fetz, Tropf, Lausekerl, elender Seckel!" Einmal erhielt er einen so wuchtigen Stoß vor die Brust, daß er rücklings zu Boden stürzte und später noch eine Zeit lang wie betäubt torkelte. Wiederholt wurde er am Brunnen nackt auSgezogen mit Bürsten, Strohwischen und anderen rauhen Gegenständen derart gerieben und geschunden, bis er stark blutete. Im Manöver zu Riedlingen wurde Bauer siebenmal hintereinander ins Gesicht geschlagen, weil er nicht sofort die Instruction der Vorpostencompagnie nachsagen konnte. Kurz zuvor war Bauer von einigen Kameraden in Teppiche gewickelt und derart gehauen worden, daß er vor Schmerz und Verzweiflung zum Fenster hinauSzusprivgen versuchte. Dieser erste Selbstmordversuch mißglückte. Als er sodann zu Riedlingen durch die Schuld seines Lieuteuauts um acht Minuten verspätet antrat, erhielt er sofort drei Tage Arrest und Schläge mit dem Säbel. Diese Hiebe waren derart wuchtig und schmerzerregend, daß Bauer laut zu weinen begann. Und nun fiel die furchtbare Drohung: „Dich bringe ich tu diesem Winter noch in’» Militärzucht« baufl nach Ulm." Nun war'» aus. Bauer griff tu seine» Quartier zum Gewehr. Der erste Schuß ging fehl. Der zweite zerschmetterte ihm Gaumen und ein Auge. DaS geschah am 17. September. Am 18. traf der alte Bauer in Riedlingen ein und fand seinen Sohn beim klarsten Bewußtsein- jetzt erst erzählte dieser vor mehreren Zeugen seine ganze Leidensgeschichte. Am Abend deS 20. September wurde der alte Bauer wieder heimgeschickt, weil mau den Sohn außer Lebensgefahr wähnte. Wenige Stunden später starb dieser. — Die m litärgerichtliche Untersuchung, die in Riedlingen sofort eingeleitet und durchgeführt wurde, ergab, so heißt es in dem genannten Blatt, nichts als einen Selbstmord. Nun meldeten fich aber später Beamte uud angesehene Bürger von Riedlingen bei dem tiefgebeugten Vater und boten fich als Augenzeugen für die empörenden Szenen an. Unter« 8. d. M. wurde dem Beschwerdeführer die Eröffnung zu Theil, daß die Untersuchung begonnen habe- fie richtet fich gegen den Feldwebel GölShvf r und L eutenaot Rabe. • Tal Pariser Blatt Svö«e«eai erzählt folgende närrische Geschichte vo» »verlorenen Kosaken": Zar Nikolaus II. hatte bet seiner Abreise von BreSlau einen Kosaken seine- Gefolge- vergessen. Der arme Kalmück war am Bahnhof abgestiegen und der Zar war daun ohne ihn weitergefahren. Mau konnte fich mit dem verlassenen Mann durchaus nicht verständigen, denn er verstand nicht ein Wort deutsch, und der Stationsvorsteher und die Beamten hatten keine Ahnung von der Sprache, die der Diener des Zaren sprach. Schließlich hielt man es für das Beste, den Draht in Bewegung zu setzeo. Wir lassen nun die Correspondenz folgen, die, nach dem »Evenement", auf dem Umwege über da- deutsche ReichSkanzleramt uud die deutsche Botschaft in Petersburg zwischen BreSlau und Petersburg (Miuisterium der auS« wärtigen Angelegenheiten) gewechselt wurde: »BreSlau Nr. 1742. Kosak auf dem Bahnhof vergessen. Ohne Geld. Ohne Tabak. WaS thun?" — »Petersburg Nr. 2372. Kosaken zurückschicken. Betrag angewiesen. Bummelzug. Tabak bezahlen." — „BreSlau Nr. 1797. Kosak mit Zug 119 mit Tabak abgereist." — »Petersburg Nr. 3520. Kosak in gutem Zuftaud angekommen. Transportkosten und Tabak bezahlt. Stationsvorsteher decorirt." * Zur Eifeubahureform. Da- kleine Belgien hat nicht nur im Berhältniß zu seiner Größe das ausgedehnteste, dichteste Bahnnetz aller Culturftaaten, eS weiß dasselbe auch am Besten zu nutzen. Vor etwa vier Jahren that eS in dieser Beziehung einen bedeutsamen Schritt vorwärts. Für 25 Franken oder 20 Mark dritter oder 40 Franken zweiter Klaffe kann man seither daS gesammle Staatsbahnnetz, das ziemlich so groß ist, wie das jetzige Württembergs und Badens zusammengenommen, 14 Tage lang beliebig befahren. Diese Erleichterung deS Verkehrs hat sich nicht nur in Belgien in jeder Hinsicht bewährt, sondern seit bald drei Jahren auch In Württemberg, wo man — o Wunder! — den Muth ge« habt hat, dem guten Beispiele zu folgen. In Baden hat man zwar trotzdem den Muth zu diesem »Sprung ins Dunkle" bis auf den heutigen Tag noch nicht gefunden, allein die Beklemmung über die württembergische »Landeskarte" nach belgischem Muster hat in Baden das Kilometer- Heft gezeitigt! Nunmehr ist man in Belgien abermals einen Schritt weiter gegangen. Die enge Zritbeschränkung kommt in Wegfall. Für 25 Franken kann man fortan im Laufe eine» Jahres auf dem Staatsbahnnetz beliebige zwanzig einfache oder zehn Reisen hin und zurück machen. Vivat segnens! Wer folgt nach! Citerotur unb Kauft» — Die Kritik, Wochenschau des öffentlichen Lebens. HerauS- gegeben von Richard Wrede. 3. Jahrgang. Preis vierteljährlich 5 Mk. Einzelne Nummern 50 Pfg. Abonnements und Probenummern durch jede Buchhandlung zu beziehen. Kritik-Verlag, Berlin SW., Hedemannstrahe 9. Nr. 108 vom 24. October 1896 enthält: Zwei Welten. Die psychologische Bedeutung der Ethnologie. Von Dr. Th. Achelis. Die geplanten Bauschöffenämter. Von Kreis- gerichtSrath Dr. Hilfe. Die moderne Schauspielkunst. Von Erich Partei. Concerte. Von M. Diesterweg. William Morris und George du Maurier. Von Flora Klickmann. Das Siegel Gottes. Von P. Rosegger. Sprechsaal. tandwirthschastliche Winke und Rathschlägr. A A«g vderheffe«, in der dritten Octoberwoche 1896. La«dwirthschafttich< Rück-, Um- ««d Vorschau. Viele Monate stad verstrichen, seit wir auf landwirthschaft- lichem Gebiete zum letztenmale Umschau gehalten; die Zeit fehlte. Höchstens konnten wir da ober dort auf besonders wichtige Punkte, die im landwirthfchaftlichen Betriebe nicht genügend beachtet werden, ein Streiflicht fallen lassen, das die Mängel beleuchtete. Nun gehen die landwirthschastlichen Arbeiten nach und nach zu Ende; Gallus- tag (16. October) ist vorüber. Von diesem Tage sagt die Bauernregel: Nach Sanct Gall, schafft alles in Keller und Stall! DaS ist eine alte Regel, die man ncht ungestraft mißachten darf. Die Zeit ist aber auch gekommen, um Abrechnung mit dem Sommer und Herbste zu halten. Die große Jahresabrechnung behalten wir uns für Ende Deeember vor. Mit der Heuernte machten wir keine sonderlichen Geschäfte. DaS Gras stand dünn und die Witterung beim Trocknen ließ viel zu würnschen übrig; das gab keinen guten Klasg. Bei der Heuernte bewäh te sich die alre Bauernregel: WennS nicht wintert, iommertS nicht. Die beiden Jahrgänge 1895/96 haben diese alle Regel, die auch ihre Ausnahmen hat, glanzvoll bewiesen, denn: Der Winter 1894/95 war grimmig kalt, bis zu 20 Grad; er hielt bis in den März an, trachte aber eine Heumasse, wie sie seit Menschengedenken nicht gewachsen und ein Heuwetterchen, wie es im Buche steht. Genau das Gegentheil war der Winter 1895/96: mild, sudelig, fast keine Flocke Schnee fiel in der Ebene. DaS GraS gedieh schlecht im Frühjahre; daS GrummetgraS im Sommer machte eS ähnlich und die Witterung im Herbste war unter aller Kritik, so daß das Futter verdarb. Wir können annehmen, daß das Jahr 1896 zu den schlechtesten Futterjahren in Bezug auf Heu- und Grummetertrag im ganzen neunzehnten Jahrhundert gehört Der Bauer muß daher mit seinem Halmfutter sehr haushälterisch verfahren und fich stets das Sprichwort vor Augen halten: Mit Vielem hält man Haus, mit Wenigem kommt man aus. Damit Letzteres der Fell fein möge, muß der Bauer sein Weichstroh: Gersten- und Haferstroh alS Futtermittel heranziehen. Die Sommerfrüchte find ziemlich gut unter Dach gekommen; das Stroh hat daher einen ganz guten Futterwerth und kann sehr wohl zur Ergänzung des fehlenden HeueS und Grummets dienen. Während uns die gütige Mutter Natur das Halmfutter versagte, theilte sie das Knollenfutter mit vollen Händen aus. Nach den von uns vargenommenen Wägungen find Dickwurzeln im Gewichte von 15 bis 20 Pfund in diesem Herbste gan- häufige Erscheinungen. Der Bauer erntet 60 bis 80 pCt. Knollenfutter mehr auf derselben Fläche, alS im Vorjahre. Selbstverständlich kann dadurch der Ausfall an dürrem Halmfutter in vielen Fällen ergänzt werden; nicht in allen, denn Knollenfutter ist kein Halmfutter. Der Bauer vergesse dabei daS Kraftfutter z. B. Palmkuchen, Leinkuchen und ähnliche Stoffe nicht, besonders wenn die Erzeugung von Molkereiproducten in Betracht kommt. Mit der Getreideernte müssen wir unS ein Wenig beschäftigen. Soviel steht fest, daß fie eine befriedigende, in vielen Gegenden auch eine gute gewesen ist. Die Gebundzahl der Garben erreicht den Durchschnitt, obgleich die Garben außerordentlich dick und stark gemacht werden. Das hat den Zweck, die AuSdruschkosten möglichst niedrig zu batten; je weniger Fuder, desto weniger Kosten. Beim Schneiden der Früchte dringt die Accordarbeit immer mehr durch. Früher war diese gar nicht beliebt. Die Leute gingen in Taglohn, strengten fich dabei nicht übermäßig an und strichen am Wochenschluß einen mäßigen Lohn ein. Wie die Arbeit, so der Lohn! Davon wußten Viele noch nichts, die ausgehaltene Zeit wurde bezahlt. Jetzt wird die Zeit aber immer werthvoller und kostbarer, folglich geht man sparsamer mit ihr um. Dadurch kommen die Accordarbeiten zu Ehren, die im Interesse der Arbeitgeber und Arbeitnehmer liegen. Der Accordant strengt sich mehr an und leistet daher in kurzer Zett mehr, alS im Taglohne, er verdient also mehr. Dec Arbeitgeber wird schneller fertig und kann fich die Bestellung der Grundstücke besser eintheilen. Was Kern und Halm der Getreidearten anbelangt, so ist darüber zu bemerken, daß sie befriedigen, besonders da, wo die Früchte unberegnet nach Hause kommen. Die sehr empfindliche Gerste scheint nicht ganz glatt durchgekommen zu sein, denn die Händler behaupten: es fände sich nur wenige Gerste, die nach dem Ausdrusche keine Schwänze zeigte, also ausgewachsen wäre. Das macht sie für Brauereizwecke wenig verwendbar, wodurch dem Bauer empfindlicher Schaden erwächst. Wir treten immer wieder dafür ein: Die Halmfrüchte, in erster Linie die Gerste, sollen so bald alö thunlich unter Dach gebracht werden, wie dies an anderen Orten auch üblich ist. Mtt dem langen Draußenfltzen- lassen wird mehr verdorben als gewonnen. Die Körner zeigen im Uebrigen gute Ausbildung und find mehlreich. In Vogelsberger Lagen klagt man darüber, weil daS Getreide dort später reist, also von den Augustregen ungünstig, beeinflußt worden ist. Dort ist natürlich auch der Halm weniger gerathen, was man doppelt beklagen muß, weil das Grummet sallirte. Der Vogelsberg ist darum in Bezug auf seine Winterfutter-Derhältnlffe auch dieses Jahr nicht auf Rosen gebettet. Recht bedeutende Erträge bringt dieses Jahr wieder unser erstes Handelsgewächs: Die Zuckerrübe. Die Ernte der Rüben war Anfangs in der letzten Septemberwoche durch das nasse Wetter sehr erschwert. Die erste Octoberdecade brachte wesentliche Besserung, wodurch gewaltige Massen bei mäßigen Schmutzprocenten gefördert werden konnten. Von Mitte October an wurde es aber wieder sehr naß die Rübenernte ist darum eine harte Arbeit für Menschen und Zugthiere gewoiden. Diese Arbeit liefert aber doch wenigstens einen befriedigenden Reinertrag, der Bauer verrichtet daher die Arbeit, roenn auch fehr anstrengend, mit Lust und Liebe Es scheint, daß die Zuckerpreise im Jahre 1894 ihren tiefsten Stand erreicht haben, denn aus 1895 können Nachzahlungen und eine befriedigende Dividende gewährt werden. Den G nossenschafts-Zuckeifabriken scheint bie Zukunft zu gehören, daS beweist daS Unternehmen in Groß- Umstadt, welches sich in kurzer Zeit an die Spitze aller Fabriken in Süddeutschland gestellt hat. (Schluß folgt.) Bl. 947dj Ä Klnderbettchen zu verkaufen- Marktstratze 8, Hth. II. Ein junger Kernhardintthnnd (Rüde) ist zu verkaufen. Von wem? in der Expedition zu erfragen. 9462 Guter Kuhmist Z zu verkaufen. Auch kann derselbe abge» fahren werden-______ML«Sv«rg 8. 9216] Zwei Stück Land in meinem Garten am Nahrungsberg zu verkaufen. Nähere« Kavlan«ia«ste tt. Vereinsnachrichten. UNION. Heute Dienstag Abend 9 Uhr Officielle Kneipe. 9562 Der Vorstand. Vergnügungen. Steins Garten. Freitag den 30. und Sams- tag den 31. Oktober: Humoristischer Abend der altrenommirten FkipWk Sänger aus dem Crystall-Palast zu Leipzig, Eyle, Schmidt, Pastory, Hölty, Ra faeli, Belzer, Hanke. Direction: Wilh. Eyle, Herm. Hanke. Anfang 8 Uhr. Kassenpreis 75 Pfg. Billets L 60 Pfg. vorher bei Hrn. Friseur Gerhardt. Beide Abende neues, hoch interessantes Programm. 9530 Giessener Stadttheater. Mittwoch, de« 28. vetober 1896t H Letztes Gastspiel des Schliersee'r Bauerntheaters. Auf allgemeinen Wunsch: Der KerrgottschniHer von Ammergau. OberbaverischeS BolkSstück in 6 Acten von Sanghof«» und Neuert._____ fverioren^efimdeTI Verloren Z ein Portemonnaie mit Inhalt vom Marktplatz zur Walltborstraße. Der ehr« liche Minder wird gebeten, dasselbe gegen Belohnung Südanlage 16 abzugeben. Ein schöner Zngdhund zngelauseu. Abzuholen bei 9557 Job. Seel, Wieseck. Zwei Spengler sofort gesucht. 9560 ________ G. Fach», Lollar. 9511] Ein tüchtiger Pferdeknecht wird sofort gegen hoben Lohn gesucht von Aoh. Jac. Freitag, Ziegelei, _______________Butzbach. 9457] Reinlicher Junge als Hans« bursche gesucht. _ Settersweg 14. 9549, Ein jüngeres Hausbürschchen per sofort gesucht. Schtrmsabrik JH. Levi, SelterSweg. vom Lande, 14—16 Jahre, als Haudvursche gesucht. Wo? sagt die Expedition d. Bl. 9548 Ein in Küche und Haushalt erfahrenes, gut empfohlenes Dienstmädchen, welches in besseren Häusern gedient hat, gesucht. Schriftliche Angebote mit Angabe der Lohnonsprüche unter 8. 10 an die Expedition. 9488 9531) Gesundes Dienstmädchen mit guten Zeugnissen alsbald gesucht. _______________Vttich8ra«e 16, II. 9 94) Ein jüngere« sauberes Mädchen vom Lande für eine kleine Familie alsbald gesucht. Näheres vahndofstr. 51, III 9543] Zu baldigem Antritt wird ein HanSmLdchen gesucht. Frau Dr. «ttwitz, Südanlage 10. Sn Mädrhnn t5nmn gute Stellm S »IdULneU erhalten durch Frau Seybiike, Bahnhofstraße 43. Stellen-Gesuche. 9542] Ein anständiges Mädchen sucht Lanfllelle Zu erfr. Wolkevgafie 20. mit guten Zeugnissen suchen Stellen durch 9541] F au Trärikrer *oniwnflr. 19 Statt jeder besonderen Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante .Titane Elisabeth Rühl geb. Melior, I nach langem, mit Geduld getragenen Leiden in ein bessere» Jen« ! feit» abzurufen. Um stille Theilnahme bitten Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Marie Wilke, geb. Rühl. G. Wilke. Gießen, den 26. October 1896. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 28. d. Miß., Nachmittag» 3 Uhr, vom Sterbehause, SelterSthor Nr. 74, auS statt. 9538 • Die glückliche Geburt eines gesunden Knaben beehren 2 sich anzuzeigen * Thierarzt Docter und Frau, 9547 Jenny, geb. Docter. Büdingen, den 25. October 1896. G eeeeeeeeeeeeoeeeeeeeeeee. Strickwolle (Maiko & Z,) in allen Farben und Qualitäten zu billigsten Preisen, 3W* 11! Rockwolle 111 TB® von 90 Pfg. per Pfund an und höher. J. H. Fuhr, Sonnenstraße 25. NB. Stricken von Strümpfen, Röcken rc. wird billigst besorgt. 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