189«
Dienstag de« 24. März
Erstes Blatt
Nr. 71
Amts- und Anzeigeblutt für den Areis Gietzen.
Hratisöeikage: Hießmer KamilienSkätter
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find und
Alle Rnnoncen-Bureaux bei In- und Äultanbr» nehm« Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegen.
Berlin, wird der in nationale
Neueste NuchrLchte«»
Wolff» telegraphisches Lorrespondenz»Bureau.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für b« jofgenben Tag erscheinenben Nummer bi» Norm. 10 Uhr.
Deutscher Reichstag.
66. Sitzung. Samstag, den 21. März 1896.
Auf der Tagesordnung steht das gestern in die Commission
floaten Torge tragen zu wollen.
Berlin, 22. März. Etwa sechshundert Schrauben- dreh er beschlossen heute Mittag einstimmig, ihren Arbeitgebern folgende Forderungen zu stellen: Neunstündige Arbeitszeit täglich, Minimallohn von 24 Mk. wöchentlich und 25 pCt. Ausschlag für jede Ueberstunde. In denjenigen Werkstätten, in denen am Dienstag früh die Forderungen nicht bewilligt werden, wird am Dienstag Abend die Arbeit niedergelegt.
Vierteliähriger , A»o«ee«e»1»»retL» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch bit Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. fkbaction, Expebitio» unb Druckerei: AchNtsiratzeAr.r. Fernsprecher 51.
Depeschru de» Bure« „Herold'.
22. März. Wie der „Vorwärts" mittheilt, diesem Jahre in London stattfindende int er« Arbeiter« und Gewerkschaft-«Con«
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Deutsches Reich.
Berlin, 21. März. Das JubiläumSfeft des Reichstage» begann pünktlich um 6 Uhr. Betheiligt
greß am Montag den 27. Juli und den darauf folgenden fünf Tagen abgehalten werden.
Wiener-Neustadt, 22. März. Im städtischen Walde, so« wie in Gleiten bei der Prein find große Brände auS« gebrochen. Viele Joch Wald find bereits vernichtet.
Wien, 22. März. Nach einer Meldung au» Bukarest wird während der für den 29. dS. Mts. anberaumten Reise deS rumänischen KönigSpaareS nach Abbazta eine Begegnung des Königs Carol mit Kaiser Wilhelm und König Humbert in Venedig stattfinden.
Rom, 22. März. Der Staatsanwalt des Militär- Gerichtshofes erhob gestern die Anklage gegen den General Baratieri.
Fiume, 22. März. Der griechische Dampfer „DeSpina" gerieth in Zante in Brand und versank. Einzelheiten fehlen noch.
Paris, 22. März. Die Truppen der Pariser Garnison machen seit einigen Tagen Nachtmanöver und Mobili« sirungSversuche. General Blomp hatte in vorletzter Nacht das Unglück, vom Pferde zu stürzen und ein Bein zu brechen.
Petersburg, 22. März. Die russische Regierung hat Tausende von Exemplaren einer Flugschrift an die nordischen Bölkerstämme in allen möglichen Sprachen gesandt, um auf AndreeS Ballonfahrt aufmerksam zu machen. Die Flugschriften enthalten Abbildungen deS BallonS und die Aufforderung, den Luftschiffern jede Hilfe zu gewähren. Dies sei der Wille des Zaren. Auch eine Belohnung ist ausgesetzt, deren Auszahlung die Regierung übernimmt.
WB. Berlin, 23. März. Der Kaiser empfing gestern Mittag den auS Petersburg zurückgekehrteu Geueraladjutanten Werder und nahm auS deffen Händen ein eigenhändiges Schreiben deS Kaisers von Rußland entgegen.
WB. Berlin, 23. März. DaS Kaiserpaar ist mit den beiden ältesten Prinzen heute Vormittag um lP/t Uhr nach Genua abgereist. Am Bahnhose waren die Hofstaaten und der Botschafter Szöghnie zur Verabschiedung anwesend.
Berlin, 22. März. Zur dritten EtatSberathung im Reichstage noch zwei Resolutionen eingegangeu ___zwar beide zum Etat für das Reichsamt des Innern. Abg. Sachse und Genoffen beantragen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, in den ReichShauShaltS-Etat für da» Etatjahr 1897/98 50,000 Mk. zur Unterstützung für Hand- werkerschulen im deutschen Reichsgebiete einzustellen. Die Abgg. v. PodbielSki und Genoffen beantragen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, für die sofortige Einrichtung von Versuchsanstalten zur gründlichen Erforschung der Maul« und Klauenseuche von ReichSwegen und bet den einzelnen Bundes«
Der chietzeuer Jtajeiger erscheint täglich, mit Ausnahme be» Montag».
Die Gießener MomilienSlälter werben btm Anzeiger »vchenttich dreimal beigelegt.
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Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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zurückoerwiesene Etatsgesetz.
Die Commission hat in der gestern Abend abgehaltenen Sitzung beschlossen, beim Reichstage zu beantragen, derselbe wolle dem ursprünglichen Beschluß der Commission, also dem Anträge Lieber, unverändert seine Zustimmung ertheilen.
Referent Abg. Dr. Lieber: Der Wunsch nach einer Verständigung war in der Commission ein allseitiger.
Von dem Schatzsecretär Grafen PosadowSky wurde folgende -Erklärung abgegeben: „Er bitte zunächst zu unterscheiden zwischen den Erklärungen, die er im Namm der verbündeten Regierungen, und denen, die er für die preußische Regierung abgebe. Der Bundesrath werde erst am Montag über die Sache beschließen, er selbst mächte aber annehmen, die Mehrheit der verbündeten Regierungen werde sich dahin schlüssig machen, dem Reichstage ein Gesetz vor- mlegen, daS dem Gedanken des Reichstages, die Hälfte der betr. ileberfchüffe für die ReichSfchuldmttlgung etnzubehalten, Rechnung -trage. Die preußische Regierung ferner sei bereit, einem Gesetzentwurf« zuzuflimmen, welcher die Ueberfchüffe pro 1896/97 zur Hälfte -einbehält. Bezüglich der grundsätzlichen Stellung der preußischen Regierung könne er nur auf feine heutige Erklärung im Plenum des R-ichStageS Bezug nehmen."
Angesicht« dieser Erklärung hat die Commission gemeint, mit allen gegen fünf Stimmen: Da der Bundesrath erst am Montag Stellung nehmen wolle, so sei eS da« Beste, vorläufig in zweiter Lesung an dem Anträge Lieber festzuhalten in dem Sinne, daß in dritter Lefung eine Verständigung mit dem BundeSrathe in Bezug iuf Schuldentilgung, fowohl hinsichtlich der Form wie deS Inhalts '0^" Abg" Rechter (frf. 93p.): Er beabsichtige gar nicht automatisch an der Form des Anträge« Lieber festzuhalten, denn unter Umständen konnte derselbe da« Reich ebenso benachtheiligen, wie jetzt die Etnzel- iteeten. Der gegenwärtige Zustand sei aber allerdings insofern widersinnig, alS wir eineStheils durch Anleihen die Schulden des Reiches vermehr«, andernthetlS den Einzelstaaten Überschüsse hrraus- »ablen. Diesen widersinnigen Zustand wolle der Antrag Lieber wenigstens abschwächen. Deshalb erscheine ihm gegenwärtig der Antrag zweckgemäß. Der Bundesratb wolle nun zunächst einmal bk Ueber Millionen bekomm«. Daß wir auf die Hälfte de« Ueberschuffes pro 1895/96 verzichten, ist umfowmiger nothwendig, alS Preußen pro 1895/96 nicht mit einem Deficit »dschließt, sondern mit einem Ueberschuß. Wir im Reiche sollen also unsere Schulden vermehren, damit die Einzelstaaten die ihrigm vermindern können! Auf eine Bestimmung betreffs der Ueberfchüffe pro 1895/96 konnten wir nur dann verzichten, wenn wir bestimmen, daß von dem Ertrage der Zölle über den Etatsansatz hinaus vorab 26 Millionen (das ist nämlich der Betrag der im Etat vorgesehenen neuen Anleihe) dem Reiche zufallen und der dann noch verbleibende Ueberfchuir zwischen d-m Reiche und den Einzelstaaten gethettt wird. Die Regelung im EtatSgesetz unterliegt ledensallS feinem Zweifel, denn gerade im Etat regeln wir ja daS Berhältniß zu den Einzelstaaten. Diese haben -in festes Recht, daß wir ihnen gewisse Beträge überweisen. Aber wir haben ein festes Recht darauf, ihnen diese Beträge in den Matricularbeiträgen wieder adzunebmen! (Heiterkeit.) Wir können die Anleihe niedriger und die Matricular- betträge höher ansetzen. Besser als im Etatsgesetz wäre eS vielleicht, wenn wir die von uns gewollte Regelung im Anlethegesetz vornehmen. Allen formalen Bedenken machen wir aber ein Ende, wenn wir künftig die Anleihen berab- und die Matticularbetträge heraufsetzen.
Abg. Frhr. v. Manteuffel (c.) erklärt, feine Partei bilttge die Absichten deS Antrages Lieber, aber die verfassungsmäßigen Bedenken gegen eine solche Regelung im Etatsgesetz seien doch nicht von der Hand zu weisen. Man versetze die Regierungen dadurch in eine Art Zwangslage. Aber wozu hierüber lange Reden halten. Auf die heutige Abstimmung lege feine Partei keinen Werth An- aestchtS deffen, daß die Regierungen eine Vorlage über den Gegenstand für Montag zugesagt hätten. Den Antrag Lieber foHe man daher heute wieder ablehnen und jene Vorlage abwarten. Der Ueber- fchuß von 1895/96 könne dabei überhaupt nicht in Frage kommen.
Abg. v. Gültlingen (Rp.): Auch meine Partei billigt die Absichten des Antrages Lieber, hat aber Bedenken gegen dd i-S-
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Beschlagnahme.
Ausland.
Bern, 21. März. In der gestrigen, bis Abends 9 Uhr andauernden, sehr erregten Sitzung des National- ratheS beschloß derselbe mit 78 gegen 40 Stimmen, daS Militärgesetz solle in dem Sinne abgeändert werden, daß der BundeSrath bei der Wahl der Brigade- und Regiments« Commandeure fortan nicht mehr an die .Vorschläge der Offiziers Commission gebunden ist.
Rom, 21. März. Wie aus Massauah depeschirt wird, ist das Heer Menelik's im Vorrücken begriffen. Die Lage AdigratS sei unhaltbar. Der Fall deS Forts stehe bevor. General Baldiffera biete für den Abzug der Garnison dieselben Bedingungen, wie sie bet der Capltulation MakalleS ausgemacht waren. Die Munition sei so gering, daß die Mitrailleusen nur eine Viertelstunde hindurch feuern könnten. Auch an Trinkwaffer fehle es. Mittlerweile machen die FriedenSverhandlungeu Fortschrttte, ja fie scheinen sogar der Abschluß nahe.
Paris, 21. März. Der „Matta" glaubt, daß Decrais zum Nachfolger deS Botschafters Herbette ernannt werden wird.
London, 21. März. Einer Meldung auS Maffauah zufolge haben die Derwische die Vorposten von Kaff al a angegriffen, und zwar in dem Augenblick, wo eine Karawane mit Proviant in das Fort einzog. Eine Compagnie Besatzung sprengte die Derwische auseinander. Am andern Tage griffen die Derwische daS Fort Sabderat an, wurden aber vier mal zurückgeschlagen. Hauptmann Heusch zog sich, da er fürchtete, umzingelt zu werden, tnS Gebirge Elladerte zurück. General Baldiffera hat drei Bataillone Eingeborene und eine Batterie Artillerie nachKeren gesandt, um dor tzu operiren.
I haben sich ca. 375 Herren. Von Ehrengästen hatten sich u. A. etngefundeu: Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, Staatsminister v. Bötttcher, Dr. Miquel und Fürst Sich- nowSky. Den ersten Toast brachte der ReichStagS'Präsident Frhr. v. Buol auS. Anknüpfend an die Worte des Kaisers „Eta Reich, ein Gott, ein Volk!" feierte er die Verdienste des deutschen Volkes , des Volkes in Waffen, und daS Zustandekommen des deutschen Reiches. Er schloß mit den Worten: Ich trinke auf daS Wohl eines mächtigen und glücklichen deutschen Volkes und rufe mit Ihnen auS voller Brust: Se. Majestät unser allverehrter und allgergnädigster deutscher Kaiser, die deutschen Fürsten und freien Städte, fie leben hoch! — Nach dem dritte Gange erhob sich der Reichskanzler. Derselbe feierte in zündenden Worten, die begeisterten Widerhall fanden, die Paladine der großen Zeit: den bewährten Heerführer König Albert von Sachsen, die Heldengestalt Kaisex Friedrichs, des Kronprinzen, der durch die Liebe, die er fich im ganzen deutschen Volke errungen hat, daS erste Band geschlungen hat, daS die deutschen Stämme zu einem gemeinsamen Bund vereinte. Dann gedachte der Reichskanzler der Feldmarschalle Roon und Moltke, sowie deS Fürsten Bismarck, des größten unter den Männern jener Zett, der noch aufrecht steht, wie eine der Eichen im Sachsen« walde, der mit sorgendem Blick den Geschicken des Reiches folgt und manches mahnende Wort an die Epigonen der großen Zett gerichtet hat, der als treuer Diener seines kaiserlichen Herrn der eigentliche Schaffer des deutschen Reiches geworden ist. Lasten Sie uns, so schloß Fürst Hohenlohe, — und hier spreche ich zu den politischen Gegnern des ersten Kanzlers — lasten Sie unS heute die Tage deS Kampfe» und Streites vergesten und vereinigen wir unS alle zu dem Rufe: Fürst Bismarck lebe hoch! Die Festvevfamm- sammlung stimmte begeistert in den Ruf ein. — DaS Diner bestand aus sechs Gängen. Die Mufik wurde von der Capelle des 2. Garde-RegimentS zu Fuß auSgeführt.
Berlin, 21. März. Nach Erlaß deS von Sr. Majestät dem Kaiser in seiner Kundgebung vom 22. März v. IS. in Anregung gebrachten Gesetzes vom 22. Mai v. IS., be« treffend die Gewährung fortlaufender Bethülfen an solche Veteranen deS Feldzuges 1870/1871 und der vor 1870 von deutschen Staaten geführten Kriege, welche an diesen Kriegen ehrenvollen Antheil genommen haben und fick wegen dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit in Unterstützung-, bedürftiger Lage befinden, find in Berlin unter ben außerordentlich zahlreichen Bewerbern 974 Personen als berechtigt und zur Berückfichtigung geeignet befunden worden. Von diesen konnten jedoch nur 682 Veteranen mit einer Bethülfe von je 120 Mk. jährlich bedacht werden, da von den durch das erwähnte Gesetz bereit gestellten Mitteln nur 81840 Mk. auf Berlin entfallen find. Die Beträge sind den Bedachten vom 1. April v. Js. ab nachgezahlt worden. Auf ganz Preußen sind 1 147 000 Mk., auf das ganze Reich 1800 000 Mk. entfallen. Diese Beihülfen für Veteranen unterliegen keinerlei
68 befindet sich aus diesem Gelände neben dem 45 : 15 Meter großen Hauptbau ein 24 : 10 Meter Fläche bedeckende-Karnmer- gedäude, sowie ein Latrioengebäude. Die Gebäude wurden nach den Plänen deS Herrn StadtbaumeifterS Schmaudt ouSgeführt. DaS Hauptgebäude macht in seiner hübschen Gliederung und in dem Material (Gail'sche Berblendsteioe und Lungsteine) einen vornehmen Eindruck- man hat, um dem Gebäude den Eindruck als städtisches Gebäude zu wahren, von dem sog. Kasernenstil Abstand genommen, auch da» Gebäude mit geringerem Abstand von der Straße angelegt, als die beiden nebenstehenden Kasernen, immerhin bleibt Raum genug für einen breiten mit einem Eisenspalier nach der Straße abzuschließenden Borgarten. Bei dem inneren Ausbau hat man, soweit dies bei der Bestimmung deS Gebäude» an» gänglich, alle Neuerungen der Technik in Anwendung gebracht. Das Kaseroement enthält rd. 100 Räume für die verschiedensten Zwecke. Von der Anlage eines eigentlichen Kellers wurde abgesehen, und an besten Stelle ein Erdgeschoß errichtet. In demselben befinden stch die Räume zur Aufbewahrung deS Brennmaterials, Kartoffeln und Gemüse, die Wasch- und Baderäume, die Küche, die Speisesäle für Unteroffiziere und Mannschaften, die Kantine (Marketenderei), die Räume zur Aufbewahrung deS Scheibenmaterials :c. Der erste Stock hat 3 Mannschaftssäle, von denen die an den Giebelseiten befindlichen für je 17 Mann und 2 Unteroffiziere, der Mittelsaal für 23 Mann bestimmt find. Die Anordnung ist so getroffen, daß die Mannschaftssäle etwas vorspringend angelegt wurden, wodurch fie schon von außen erkennbar sind. DaS Stockwerk enthält ferner zwei Wohnungen für verheirathete Feldwebel, eine Anzahl Einzelzimmer für ledige Unteroffiziere, Schreibstuben, Büchsenmacher-Werkstatt und Waffenkammer- die Einrichtung de» 2. Stockwerke» ist die- selbe. Im 3. Stockwerk befindet sich unter den wie in den anderen Stockwerken vertheilten Räumen eine Offizier»- Wohnung- die hier nicht von den Mannschaften in Anspruch genommenen Säle find für die Hoboisten bestimmt, die übrigen Räume können reservirt werden für die verschiedensten Zwecke, und eveutl. zur Unterbringung weiterer Mannschaften, falls die Compagnien auf vollen Etat gesetzt werden. Im Dachgeschoß befinden stch die Bodenräume für die Garnison- Verwaltung, Putzräume, sowie Trockenboden. DaS Innere des von einem Corridor durchzogenen Baues ist so eingerichtet, daß durch Einfügen von Wänden die großen Räume in kleinere umgewandelt, und danach für andere Zwecke verwendet werden können, falls die vorerst auf 20 Jahre an die Militärverwaltung verpachtete Kaserne wieder an die Stadt zurückgehen sollte. Die Baukosten (ausschließlich Geländewerth) betragen rd. 160,000 Mk.
*• Die Herren Stadtverordnete» besichtigten am SamStag Nachmittag die neue Kaserne an der Grünbergerstraße unter Führung de» Herrn Stadtbaumeisters Schm an dt. Nach der Besichtigung wurde der Niederdruckbehälter der Wasserleitung am Lutherberg, besten Umbau und Erweiterung vollendet ist, besichtigt, wobei Herr Director Bergen eingehende Erläuterungen der Neuanlagen gab. Später wurden die Arbeiten an der Wieseck-Regulirung und zum Schluß das Gaswerk besichtigt, welches ebenfalls mit hervorragenden Neuerungen auSgestattet ist. Herr Director Bergen erläuterte sowohl die fertig gestellten Neuanlagen, wie die noch geplanten- zu letzteren gehört ein neuer Gasbehälter von 22 Meter Durchmesser.
*• Wafferabfperrullg. Wir machen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung des GaS- und Wasserwerks aufmerksam, wonach morgen den 24 , während mehrerer Stunden die Wasserleitung für die obere Frankfurterstraße (von der Wilhelmstraße aufwärts) abgestellt wird.
•• Der Maunertnrnverei» und seine Damen mit recht zahlreicher Betheiligung unternahm gestern bei dem herrlichen FrühlingSwettec einen Turngang nach Leihgestern. In recht freudiger Frühling»stimmung zog man auf der guten Straße durch den sich jetzt wieder belebenden herrlichen Wald nach dem sonst so stillen Dorfe. — In der Wirtschaft von Dern angekommen, überraschte die große Anzahl Gäste im ersten Augenblick die biederen WirthSleute, doch nach kurzer Zeit waren Tische und Stühle aus der Nachbarschaft herbei- geschasft und in den Zimmern und im Garten hergerichtet, sodaß jeder Einzelne für Durst und Hunger in vorzüglicher Qualität das Nöthige fand. In fürsorglicher Weise hatte unser immer thätiger Turnwart Herr L. Frech die Spielbälle durch die jungen Turner mitnehmen lasten. Nachdem kein geeigneter Spielplatz gefunden, wurde mit dem Ballspiel auf der Ortsstraße begonnen. Bald bildete sich ein großer Zu- schauerkreis, entwickelte sich ein fröhliches Treiben, doch die Freude sollte nicht lange dauern, denn der schneidige Polizeidiener erschien und untersagte im Namen deS Gesetzes die Störung der Sonntagsruhe. — Um 7 Uhr war allgemeiner Aufbruch. Einige Familien benutzten von Station Großen- Linden aus die Bahn zur Rückfahrt, der größere Theil aber trat den Heimweg bei brillanter Mondbeleuchtung unter fröhlichem Gesang in gehobenster Stimmung an. Jeder Theil- nehmer wird sich heute sagen, e» war ein schöner Tag. Mögen in unserem lieben Männerturnverein noch oft derartige Ausflüge unternommen werden. „Gut Heil."
•• Ter Kavfmäniische Verein hielt am SamStag Abend in „Steins Saalbau" eine zahlreich besuchte Abendunterhaltung mir Tanz. Unter den einzelnen Programmpunkteu fand ein von Mitgliedern zur Ausführung gebrachte» Lustspiel „Unter vier Augen" verdienten Beifall. Diese Veranstaltung bewies wieder, daß der rührige Verein bestrebt und auch in der Lage ist, seinen Mitgliedern und Gästen gediegene Unterhaltung zu bieten.
*• Da» neue Adreßbuch ist in gleichem Umfang und Ausstattung wie im Vorjahr erschienen und gelangt von heute an der Reihe der eingegangenen Bestellungen nach zur Der- theiluug. Einzelne Abschnitte weisen gegen früher Berdeffe- rungen auf, was ganz besonder» bei dem Berzeichniß der Agenturen für Versicherungen und Auswanderung hervor- gehoben zu werden verdient. Wir empfehlen die Anschaffung des Adreßbuchs mit dem Hinweis, daß die nächste Ausgabe desselben nicht vor Juli nächsten Jahre» zu erwarten steht.
*• BnderuS'sche Eisenwerke Gießen. In der am 7. März d. I. stattgefundenen außerordentlichen General-Versammlung der Actionäre dieser Gesellschaft wurden mit Einstimmigkeit folgende Beschlüsse gefaßt: DaS Capital der Setten Lit. A. (Stamwactien) von 10 Mill. Mark aus Mk. 4,000,000 und da» Capital der Helfen Lit. B. (Bor- zugSaelien) von 2 Mill. Mark auf Mk. 1,400,000 herabzufetzen und gleichzeitig neue DorzugSaetten im Betrage von Mk. 2,600,000 auszugeben. DaS Grundeapital der Gesellschaft beträgt nunmehr Mk. 8,000,000, eingetheilt in 4000 Stück Setten Lit. A. (Stammaetien) und 4000 Stück Setten Lit. Bz (DorzugSaetten). Die durch Reducirung deS Grundeapital» frei werdenden Mk. 6,600,000 sollen zu Sbschreibungen verwandt werden. Die neuen Seiten Lit. B. sind sofort zum Parieurse übernommen worden, wodurch dem Unternehmen Mk. 2,600,000 in Baar zufließen. Außerdem verkauften die BuderuS'schen Eisenwerke aus ihrem Effeetenbestand einen Posten Setten der Eisenwerke Hirzenhain und Lollar zu einem Baarerlöse von rund Mk. 900,000, so daß sie im Ganzen über Mk. 3,500,000 neue Baarmittel verfügen. Diese sollen dazu dienen, sämmlliche schwebende fällige Verbindlichkeiten abzustoßen, sowie die Aufwendungen zu bestreiten, die für den Bergbau und die Hochofenwerke erforderlich find, um diese Betriebe der Neuzeit entsprechend etnzurtchlen. An der Durchführung der geschilderten Finanzmaßnahmen haben stch unter Anderen beteiligt: die Mitteldeutsche Srebitbanf, die Deutsche Bank, die Bankfirmen Sal. Oppenheim jun. u. Cie., Köln, von der Heydt Kersten u. Söhne, Elberfeld, Gebrüder Sulzbach, Frankfurt a. M. ES unterliegt keinem Zweifel, daß hier eine Santrung gründlicher Art zur Durchführung gebracht ist, welche die Vorbedingung gibt für eine dauernde Rentabilität diese» alten Unternehmens. Schon die Bilanz für da» laufende Jahr wird darthun, wie günstig stch unter den veränderten Verhältnissen die Ergebnisse der BuderuS'schen Eisenwerke gestalten werden.
** Was wird die Reise nach Berlin zur Ausstellung kosten? Diese Frage ist nicht nur zeitgemäß, sondern beschäftigt weite Kreise der Bevölkerung schon jetzt. Wir erhalten vom officiellen VerkehrSbureau und dem osficiellen WohnungSnachweiS der Berliner GewerbeauSstellung auf unsere Anfrage dieserhalb folgende Auskunft: Es werden von allen Stationen mit lOtägiger Gültigkeit einfache Fahrkarten zur Hin- und Rückfahrt benutzbar ausgegeben, demnach stellt sich der Fahrpreis von Gießen mit einfachen Personen- zügen 4. Klasse Mk. 10.10, 3. Klasse Mk. 20.10, 2. Klasse Mk. 30.10, 1. Klaffe Mk. 40.10. Für Schnellzugbeförde- rung kostet die Reise 3. Klasse Mk. 23.40, 2. Klaffe Mk. 33.50, 1. Klasse Mk. 45.10. — Auf RundreisebilletS werden nach Berlin während der Ausstellung 30 pCt. Rabatk gewährt. Die Fahrscheinhefte gelten bekanntlich 45 Tage, sind aber nur erhältlich, wenn die zurückzulegende Strecke mindestens 600 Kilometer beträgt, welche Entfernung zwischen Gießen- Berlin überschritten wird. Wer sich im Uebrigen über Eintrittspreise für die Ausstellung rc. informhren will, wende sich an das oben angegebene Bureau Berlin W., Mohrenstraße 10 und es wird ihm bereitwilligst ein Programm zum Besuch der Berliner Gewerbeausstellung gratis - franco übersandt, in welchem er alle» Wissenswertste verzeichnet findet.
r. Bad - Nauheim, 22. März. Den Bemühungen des Vorsitzenden des hiesigen Cur- und BerfchönerungSvereinS, Herrn Lehrer Wagner, ist e» gelungen, daß die Eisenbohn- dehörde wenigstens die Einführung von Sonntags-Rückfahrkarten 2. und 3. Klasse zum einfachen Fahrpreise im Verkehr von Frankfurt a. M., Bockenheim und Gießen nach Bad-Nauheim, jedoch nur versuchsweise, für die Dauer de» diesjährigen SommerfahrplanS genehmigt Hal. Möge das Publikum von dieser Annehmlichkeit recht vielen Gebrauch machen, damit die von Königlicher Eisenbahndirection gewährte Vergünstigung auch für die Folge gesichert bleibt. Die Fahrpreise betragen von Gießen 2. Klaffe Mk. 1.70 3. Klasse Mk 1.20.
— ~ '----
Sdsiffsnacbricbtcn.
Norddeutsch« Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agent« a».
* Dienstag den 24. Mörz: Der kleine Kadi. Gleiche Gegner. Frankfurt in Feindesland. Mtttwochden25.Mär, Don Carlos. Donnerstag dm 26. März: Dornenweg. Freitq dm 27. März: Modell. SamStag ben 28. März Da» AbschiedS-Soupö. Sonntag den 29. März, Nachmittags 3', Uhr Da« Modell. Abmd« 7 Uhr: Das Abschied» -Soupi. Untreu. Montag dm 30. März: shake'oeare-Cyclu«, achter Aden»: Richard III.
---------------------1 ~ B»
Tttrchttche Anzeigen der evang.Gemeinde.
Montag, den 23. März, Abend» 8 Uhr, BiMthraK tat Confirmandensaal der JohanneSkirche: 1 Petrutzbrief Cavite! 5, von VerS 10 an, Zweck und Schluß de» Schreibens Pfarrer Dr. Nau mann. /
Witterungsbericht vom 23. März.
? DaS Barometer ist zwar in den westlichen Z heilen dev ContineM» etwa« gestiegen, doch besteht die Herr schall de« hohen Drucke» sott und hat sogar da» barometrische Maximvm von Osten her noch einen kleinen Vorstoß gegen Cmtralmropa gemacht. Die WUteruog ist daher, von vielfacher Nebelbildung am Morgen abgeieben, ruhig und beiter. Der niedere Druck beschränkt stch auf den Nordwestm des Crdlheil« und reicht mit seinem Einflüsse bi» an die französtiche Küste.
«o,av»DchUtche tSittrara«*
Ohne erhebliche Am der ringen.
Vorfeier, £onfc» und Volk»wirtl?schäft.
•rfinbtte, 21. Mär». Frachtpreise. Weizen X 16,6.-, Rom X 14,62. Gerste X 15,00. Hafer X 13,12, Erbsen X 16.52, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Rer löffeln X 4 80, Samen X 00,00.
— Deutsche LedenSverficheran» PotSda». Der Zuzarz an neuen Versicherungen war tm vergangenen Jabre günstig. •» sind 5938 Versicherungs-Anträge über 14 164 600 Mk. Capital uob 13 519.60 Mk. JahreSrmte zu erledigen gewesen. Davon entfeOe» auf Capilalversicherungen für den Zobelfell 4326 Anträge art! 11698 900 Mk Capital: auf Erlebensfall-. Aussteuer- und Militär dienst-Versichcrungm 1252 Anträge über 2 350 800 Mk. Capital ob auf Sterbekasten-Versicherungen 344 Anträge mit 114 900 Vk Capital. Durch Ableben der Versicherten find von de» Versicherungen auf den Todesfall (einschließlich 6terbcfifl() 590 Policen, durch welche 570 Personen versichert warm, über iu sarnrnen Mk. 972,382 Versicherungssumme fällig geworden, wr VersicherungSbestand wuch» um über 5«/t Mill. Mark und beträgt e» Zeit 90 Mitt. Mark Da» ActivvermSgm bettägt 19 Mill. Mark, t* in 1895 zur Vertheilung gelangte Dividmde hat biS 60 pCl da Jahre»prämie betragen. Ein gleicher Sah ist auch tn diesem Jahre zu erwarten. Prospecte und Auskunft durch Gmeralagmt Siraa, KSniaSstraße 86, Castel.___________________________________»
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5. Die Vorschriften des § 8 der Friedhofsordnung treten außer Kraft für alle Gräber, Begräbnißstätten und Denkmäler, deren Unter- Haltung den vorstehenden Paragraphen 1—4 gemäß von der Friedhofs- commiffion übernommen wird.
In Ausführung dieser Beschlüsse ist von der Friedhofscommisston bestimmt:
1) Die von der Friedhofscommisston zu unterhaltenden Gräber find nach Bedarf umzuarbeiten, sodaß keine Senkungen des Bodens entstehen. Steineinfassungen sind in gärtnerischer Weise zu erhalten bezw. neu herzurichten, Raseneinfafsungen nach Bedürfniß zu erneuern. Regelmäßig zu Ostern sind die Gräber und die anstoßenden Wege zu reinigen, die Wege mit Kies zu bestreuen; die Gräber sind sodann nach Maßgabe ihrer Be- Pflanzung zu pflegen und zu gießen. . .. m
Im Spätherbst hat wieder eine besondere Rermgung und die Bestreuung der Wege mit Kies ftattzusinden. Die Gräber sind sodann, solange es die Witterung gestattet, von dürrem Laub zu reinigen.
2) Die Gräber der ersten Stufe werden mit Epheu oder Immergrün bepflanzt und unterhalten.
Die Gräber der zweiten Stufe werden möglichst zu Ostern mit Frühjahrspflanzen, demnächst möglichst zu Pfingsten mit blühenden und einigen grünen Sommerpflanzen bepflanzt und unterhalten. Die Pflanzen werden um Mitte October entfernt.
Die Gräber der dritten Stufe werden möglichst zu Ostern rercher, insbesondere auch mit einigen blühenden Hpacinthen und Tulpen bepflanzt. Die abgeblühten Zwiebelgewächse werden sofort durch andere blühende oder bald zur Blüthe gelangende Pflanzen ersetzt.
Möglichst zu Pfingsten findet eine reichere und stets nach Bedurfmß durch bessere Pflanzen zu ergänzende Sommerpflanzung statt.
Diese Pflanzen werden um Mitte October entfernt und danach — insoweit dies die Rücksicht auf die Frühjahrspflanzuna zuläßt - einige grüne Pflanzen und blühende Winterastern gepflanzt, die später je nach der Witterung zu entfernen sind.
Gießen, den 18. März 1896.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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3. lieber die Unterhaltung von Erbbegräbnißstätten bleibt für jeden Einzelsall besondere mit der Stadtderordneten-Versammlung vorbehalten.
4. Die Unterhaltungspflicht der Stadt für die übernommenen Gräber, Ecbbegräbmßstätten und Denkmäler währt so lange, als der Friedhof
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Bekanntmachung.
Auf Beschluß der Stadtverordneten-Versarnmlung vom 22. Juni 1893 und vom 12. März d. I. bringen wir hi-rdurch zur öffentlichen Kmntniß, daß für die Folge die Stadt Gießen bereit ist, ihrerseits die dauernde Unterhaltung von Gräbern Privater auf dem hiesigen Friedhöfe unter nachstehenden Bedingungen und gegen die nachstehenden — neuerdings abgeänderten — Vergütungen zu übernehmen:
1. Die Friedhofscommisston ist ermächtigt, auf Wunsch von Privaten die dauernde gärtnerifche Unterhaltung von Einzelgräbern und Erb- degräbnißstätten gegen Leistung einer einmaligen entsprechenden Vergütung an die Stadtkaffe zu übernehmen. Die Unterhaltung der Gräber obliegt dem Stadtgärtner unter Controle des Stadtbauamts und der Friedhofs- commission.
2. Die Höhe der einmaligen, baar zu entrichtenden oder durch Ver- mächtniß zu bestimmenden Summe richtet sich nach dem Grade der einfachen oder reicheren gärtnerischen Ausschmückung und nach der Zahl der Gräber. Die Abstufung in der Ausschmückung ist eine dreifache nach folgendem Tarif:
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Nähere Auskunft ertheilt Bezirks- Bauaufseher Maringer in Grünberg.
Reiskirchen, den 21. März 1896. Großh. Bürgermeisterei Reiskirchen.
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