Nr. 302 Zweites Blatt Mittwoch den 23. December 1896 Gießener Anzeig er Kenerak-Anzeiger uitb Anzeigeblatt für bett Hrct> Giefzen chmtrsöeikage: Hießener Aamilienbkätter. dlhonnements - Einladung Anrtlichev Tbeil au i Zutritt. v. (Sagern. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Wir beauftragen Sie nunmehr, innerhalb 3 Wochen uns zu berichten: 1. ob seither schon in Ihrer Gemeinde und in welchem Umfange, nach Zahl der Personen, Größe der Feld« fläche und Versicherungssumme, Gebrauch von dieser Collectiv-Bersicherung gemacht worden ist/ 2. ob in Ihrer Gemeinde Aussicht vorhanden ist, daß eine solche Lollectiv Versicherung und in welchem Umfange, nach Zahl der Personen, Größe dersFeld- fläche und Versicherungssumme, zum Abschluß gelangen könnte. Die Gießener Kamitienotälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der chtetzener Anzeiger erscheint täglich, Wit Ausnahme deS Montags. ÄerlochR W, m Ms x er Verloosung betheilis *r mindestens 50 Pst bien. Ach diesem Teck M betrag durch Quittung erheben lassen, salls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch. u. Steindmckerei (Pietsch & Scheyda). n Freunden und Gönm anzuzeigen, daß ich i« Gießen, den 18. December 1896. Betreffend: Die Hagelversicherung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen Feuilleton. Hsnsemsnns Weisheit. Ein Weihnachtsgeschtchtchen von Luise Glaß. (Nachdruck verboten.) „Nicht wahr, Mama, Weihnachten finb alle Menschen glücklich?" fragt Hansemann, unb bie Mutter, bie eben Großmama» Müffchen abkettelt, antwortet, nicht ganz bei ber Sache: „Ja, mein HerzenSkinb." Hausemann patscht mit ben runden Händchen gegen ba» Kenster, vor bem bie Flocken wirbeln. „Der bumme Fip will » nicht glauben." Mama hört nur halb, sie überlegte gerabe, wie viel Karpfen fie für ihre Weihnachtsgäste brauche, für Großpapa, Großmama, Schwägerin unb Bruder/ ungehindert konnte Han» vom Stuhl rutschen unb hinau»laufen. aber er kam nicht gleich zu Fip, mit dem er intim befreundet war, seit heute Morgen bie überquellenbe Weihnachtswonne feine Schüchternheit vor bem rnerkwürbigen Zungen besiegt hatte. Hausemanu traf zunächst Tante Lini, wnib Tante Lini weinte. Erstaunt blieb er ob biefe» noch nie Dagewesenen stehen. Tante Lini lachte stets, soweit seine Erinnerung zurückging/ Tante Lini war die fidelste, niedlichste, übermüthigste Tante, dle^fich ein fünfjähriger Hansemann wünschen konnte. „Tante fcui," rief er empört, „Weihnachten find alle Menschen glück- li.ch, Mama hat eS auch gesagt." Aber jetzt schluchzte Lini gar. „Deine Mama hat ben bersten Mann von ber Welt, Deine Mama hat gut reden." — Da» klang ja, als solle MamaS Weisheit angezweifelt »erben? Hansemann sprach aus einer etwas dunklen Em- Citeratur mm» Kauft — Weihnachten, daS Fest der Feste, ist in Sicht. Pünktlich wie in früheren Jahren stellt sich auch in prächtigem, farbenreichem Gewände das Weihnachtsheft der „Modernen Knnft" (Verlag von Rich. Bong, Letpzig-Berlin-Wien) ein. So reich an aus- gezeichncten künstlerischen Gaben ist daS Heft, so echt weihnachtlich die Stimmung, welche seine Bllder, Aussätze, Novellen, Dichtungen und musikalischen Spenden durchzieht, so vornehm und gediegen die ganze Ausstattung, daß ihm ein Ehrenplatz unter dem Ehristbaum bei allen fein- und kunstsinnigen Leuten unbedingt gesichert ist. Zur Genüge läßt das Prachthest erkennen, daß ein Weltblatt wie die „Moderne Kunst" auf ber höchsten Höhe der Journaltechnik steht und unübertroffen bleibt. Es gereichen solche wundervollen Leistungen bem gelammten deutschen Journalwesen zum Ruhm. Dir Fülle deS Schönen unb Originellen, bem auch ber sonnige Humor nicht fehlt, wird von einem Deckel umschlossen, ber gerabezu verlockende Reize ausübt. Eine Malerei Fritz Gehrkes liegt der meisterlichen Leistung zu Grunbe. Man sieht aus bem reichen, hier wegen Raummangel nicht anführbaren Inhalt, baß unsere besten Künstler und Schriftsteller mitgewtikt haben, um bas Weihnachtshest ber „Mobernen Kunst" so prächtig, schön unb lobentzwertb wie möglich auSzustatten. Möge Niemand versäumen, sich dieses Prachthest der „Modernen Kunst" anzuschaffen. Der Preis beträgt für Abonnenten und für Jeden, der jetzt noch in daS Abonnement auf die „Moderne Kunst" ctatritt, nur 1 Mark, für Nichtabonnentrn 3 Mark. nann SS in aller U 10720 attMtit. jonfect AurE ' •Ä MWH । Sta l?,* liitn ‘•«BX1“ herein 8* *■ bm " MWen. verein. ^Gerung u°8 uab Tam ® Ltta9, Abends 8 Ubr tmuhalle. ^lnanbeidenLen» Staii, nPfwg nehme». Ä 11024 ^ep Vorstand. 1, NtlltllW 5, .haltend Weise- ter. Medaille undGlenW» W Mchen BmM ev-Vraotttt^E^ meiner LocaMen 1 ^chlungsvoil Sorgen Praktisches ^Geschenk! Sehr schön ausgestattete Körbchen mit Obst- und Gemüse-Conserven, L Zusammenstellung nach Wunsch < a von L Hk. an, empfiehlt A w. Emil Orbig.^ COGNAC 1-------- Mild, wohlschmeckend, ’ ® woh**’n*^ 10845 Pfeffernüsse, Honigkuchen, 1 1 Vom 17. bis Arbeitnehmer. 1 Schriftsetzer. 1 Tapezier. 1 Schreiner. . 2 Erdarbeiter. 6 HauSburschen. 1 Pferdeknecht. 2 Dienstmädchen- das Essen zu Leder werden?* Lilli um halb zwei Uhr athemlvS in nur feinsten Qualitäten , sowie V» yz empfiehlt zu bill. Preisen Schellfisch u. Cabliau frische Waare, im „Rebsiock^. 110204 Decemb er: Nachfrage der Arbeitgeber. Friseur. Schlaffer. 1 2 1 7 1 1 1 1 Adler-Drogerie Seltersweg Nr. 39. Otto Schaaf. Gust. Walter, ^^^10069 Hanebarg 18. Mittwoch den23.Dttdr.l.I., Nachmittaas 2 Uhr, werden im Bierer'schen Saale — Neu- 1 Schreiner. 18 Lehrlinge. 10 Dienstmädchen. 1 ältere Person zur Beaufsichtigung der Kinder. 98W 2 tüchtige Pferdeknechte. sowie Kuchen aller Art ♦ Fritz Schreiner, ♦ 4. Lindenplatz 4. Datteln, fss. Wnscades, Kasetnüsse, Keapot., Kasetuüsse, lange Sicitian., Fafetmandetn, fst. dünnschal., Aafetrofinen, ßafetfeigen, Wallnüsse, fst. Waröots empfiehlt 1®488 Emil Fischbach. Die Sammlung zu einer Christbescheernug arme Kinder ergab 472 Mark und konnten 335 Kinder mit Geschenken erfreut werden. 111Q9 Herzlichen Dank den edlen Gebern! 11102 M. Dorneeiff. M. Schlosser. J. Wimmenaaer. Friedrich Gross Sattler, 14 Yeueuweg 14. zum Ehristktud." „Siehst Du/ antwortete HanS mit philosophischem Eigen- nuu, „jetzt bist Du schon vergnügt. Ehe er aber seinen LieblingSfatz beendet hatte, war fie schon auf und davon, um ««gebot der Bäcker. Weißbinder. Schlosser. Taglöhner. Wickelmacher. Schweizer. Fahrbursche. Comptorist. tüchtig einzukaufen.-- „Muß Weihnachten fragte der Hausherr, als zurückkam. Sie fiel dem Bruder „Verzeih, gestrenger Puppenwagen, Schulranzen Portemonnaies, Hosenträger Cigarren Etuis in großer Auswahl bei Schlitten io Stück, ein. und zweifpännig, fertig am Lager. 11096 A^Kilbinger, SrHfrstcrg <9- Harzer Kanarienvögel, prima Sänger, zu verkaufen. 11127 Lonnenftratze 1». Literflasche Mk. 2.—, Mk. 5.— Verkaufsstelle in Giessen: Chr. Bieker, Philipp Herrmann, Robert Hecker. Georg Herbord, Fritz LonyRachf., Lgdw. Loth, Emil Orbig, C. Roth II., Otte Sohaaf, W. Sohomber, Gnat. Walter. - In Wleseck: Hoh. Voelzel II. Gießener Rindvieh-Affeenranz. General ■ Versammlung Mittwoch, den 30. December 1896, Abends 8 Uhr, bei Wirth Sauer (vormals Spies). Tages-Ordnung: Rechnungsabhör und Vorstandswahl. 11130 Der Vorstand. Auf Weihnachten empfiehlt Anis, Buttergebackenes, Punsch-Essenz von BaRoermann Ä Herrschet Mannheim, garantirt rein nur Arac, Bum od Portwein bereif Niederlage bei: ' Ang. Noll 11., Bahnhofitraooo » Empfehle mein Lager srrliger Schuh, waaren, alle Arten Winterschuhe, Ball- und Gummischuhe in anerkannt guter Qualität. Friedrich Magnus, 11082 «eidengasse tO. auch Großvater erst, da Achim ihm mit festem Händedruck versprach, für den Philipp zu sorgeu. Wie gern that daß der junge Arzt- war ihm doch da unten im Keller ein lustig flackerndes Irrlicht zur lieben wärmenden Sonne geworden. Mit Knabenfrohfinu sprang er die Treppen hinauf zur Bescheerung - da war'S ganz still; Bater und Großvater branuten die Lichter an, Mama sah noch einmal in der Küche nach dem Rechten, Hansemann faß auf Großmama» Knie und hörte die EngelSfiügel drauße» vor« Fenster-rauschen, und drüben im kleinsten Zimmerchen stand eine schlanke Gestalt am Fenster- daS Köpfchen hatte fie gegen die Scheiben gedrückt, das Herz klopfte zum Zer- springen, fie wußte genau, wer da die Treppe heraufkam, wer da tu die Thür trat. Und jetzt stand er hinter ihr, jetzt mußte geschehen, waS fie sich ganz fest vorgenommen hatte- schnell wandte fie sich um, streckte ihm mit schüchterner Geberde die Hand entgegen und sagte leise: „Du hast recht, Achim, ich war ein abscheu- licheS, gedankenloses Mädchen, vergieb mir/ Einen Augenblick lang rührte er sich nicht- er nah« auch die gebotene Hand nicht — „so böse ist er", dachte Lini traurig. Aber da breitete er plötzlich die Arme auS, zog sie fest an fein Herz, als verstehe sich daS ganz von feibft und sagte leise: „Auch daS noch, Liebling! wo ich Dich so arg verkannt habe." r „ „Nein, nein", flüsterte fie, nicht verkannt, gebeffert hast Du mich", und dabei drückte fie den Kopf fest an seine Brust. „Klinglingling!" Die Thüre des BescheerzimmerS ging auf, die Weihnachts- kerzen schimmerten bis zu dem jungen Paar herüber und Hansemann sagte mit einem tiefen Seufzer deS Entzückens. „Nun find wir sehr glücklich." Großvater oich, der stöhnt." „Heißt Du denn Fip?" fragte Llui, tief im Banne einer ungewohnten Verlegenheit. — Da kam die HauSwannSsrau gelaufen, dick, roth, reingewaschen und biederen EiferS voll. „Nein, so war! Nein, sagen Sie'S bloS dem Herrn Bruder nicht! Nein, wemmer bloS mal den Rücken kehrt, lnngert das Volk auS dem Hose hier herum. Philipp heißt er, und der Großvater macht- nicht mehr lange, aber wenn der wüste Junge sich witem Herrn Rath seinen Enkel abgibt, dann schade fürs Mitleid- so Leute gehören uich in ein feines HauS.". Hansemann sperrte den kleinen Mund groß auf vor Staunen- Fip kroch in sich zusammen. Lini wurde immer heißer und röther. Diese Frau konnte keiner Fliege etwa- zu leide thun und hier redete fie so grausam. Hastig fragte Lini nach dem Großvater. Da kam eine lange Geschichte zu Tage, in der fich verschuldetes und un- verschuldetes Unglück mischte, bis zu einer Summe voll Elend, die dem jungen, umhegten Menschenkinde ungeheuer schien. Geblieben war dem Alten von allen Gütern deS Lebens nichts, als der fünsjährige Enkel. „Ich möchte gern einmal zu ihm," sagte Lini leise, und während die Frau fie sührte, sagte Fip nachdenklich: „Nee, bei unS iS nie Weihnachten." Eine halbe Stunde später kam Lini mit glänzenden Augen und glühenden Wangen zurück. Schlittschuhe, Kinderschlittm, Christmmjlöüdn empfiehlt Carl Hensel, 11031 Wallthorffraße 10. um den Hals. Herr? Weihnachten ist wirklich Schuld an der Verspätung!" Und dann berichtete fie in lieblichem Eiser die Erlebniffe deS Morgens — nur daS erste Bitterste verschwieg fie. „Aha, Weihnachten find unsere alten harten Herzen weicher und Eure jungen fröhlichen nachdenklicher als sonst und da meinst Du, wir sollten —" „Nicht wahr, Papa, Weihnachteu werden alle Leute glücklich," piepte Hansemann inS Zimmer hinein, „aber Fip glaubt es nicht und Tante Lini sitzt auf der Treppe und weint." „Nanu?" — Da aber just Achim inS Zimmer trat und Lini natürlich roth wurde, unterdrückte er jede Frage. Lini huschte in die Küche, Achim erfuhr von dem kranken Hausgenoffen und Hänsemann sagte mißbilligend: „Ich habe Fip einen Pfefferkuchen versprochen, aber er glaubt eS nicht." Schließlich mußte Fip aber doch an den Pfefferkuchen glauben und es gab mehr als daS. Der Weihnachtssegen, um deffentwillen warme Herzen fich nicht genug thun können im Sorgen und Geben, schaffte dem stöhnenden Großvater ein gutes Lager und eine freundliche Pflegerin, und Fip bekam Liuis Bäumchen angezündet und dazu deS Guten so viel, wie er noch nie im Leben gesehen. „Glücklich" aber fühlte er sich erst, als daS schmerz, stillende Mittel Großvaters Stöhnen verstummen ließ, und Aarfümerien und Hoilellemillet. Grobe Auswahl in Taschentuch Parfüms der verschiedensten Preirlaqen. ZimmerParsüms, Dustkisseu für Wäsche und Brief- pQliier. 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