Mr. 276 Entag den 22. November 1896 2lints- und JhijciacWatt für den Ureis fengesetzeS vom 22. Juni 1896 auf die sächsischen Börsen, sowie die Anträge von Bremen, Lübeck und Hamburg zum Börsengesetz vom gleichen Datum den zuständigen AuSschüffen überwiesen. Dem Ausschußantrage über die Vorlage betreffend die Ergänzung zum Entwürfe des ReichShauShaltsetatS für 1897/98 wurde die Zustimmung enheilt. Berlin, 20. November. Die Fractionen des A b g e o r d - netenhauseS beschossen heute die Wiederwahl deS bisherigen Präsidiums. Berlin, 20. November. Der „Nationalzeitung" zufolge soll das Gehalt der Oberlehrer auf 2500—5700 Mk., anstatt wie jetzt auf 2100—4500 Mk. festgesetzt werden. DaS Höchstgehalt soll nach 24 Jahren, anstatt wie bisher nach 27 Jahren, erreichbar fein. Berlin, 20. November. Der dem Abgeordnetenhause zugegangene Gesetzentwurf betr. den Erwerb der Hessischen Ludwigsbahn ermächtigt die Regierung, nach Maßgabe der Verträge vom 8. und 9. Juli und vom 23. Juni 1896 den Umtausch von Mk. 111,900,000 Stammactien der Hessischen LudwtgSbahn in Schuldverschreibungen der 3proc. preußischen Staatsanleihe und in Schuldverschreibungen der 3proc. hessischen Staatsanleihe herbetzusühren, sowie die Schuldverschreibungen der 3proc. preußischen Anleihe in dem zur Ausführung der Verträge erforderlichen Betrage aus- zugrben. Die Regierung ist ermächtigt, von dem Baar- betrage 41 Mk. auf jede Actte gleich dem in Höhe von 7,646,500 Mk. auf Preußen entfallenden Antheil zu vertragsmäßigen Abfindungen an den Vorsitzenden, die Mitglieder der Specialdirectiou und die gegenwärtigen Mitglieder des VerwaltungSrathes der Hessischen LudwtgSbahn, zur erstmaligen Instandsetzung und Ergänzung der Betriebsmittel d-r Bahn, 1 Million, zur Deckung der schwebenden Schulden der Hessischen Bahn bis 2,253,000 Mk. dem auf Preußen entfallenden Antheil zu zahlen. Der Finanzminister und ArbeitSminister find ermächtigt, den Kaufpreis für den Erwerb der Bahn zu zahlen bezw. auf die StaatSkaffe zu über- nehmen. Der Finanzminister ist ferner ermächtigt, die bisher begebenen Anleihen des bezeichneten Eisenbahn-Unternehmens soweit fie nicht bereits getilgt find, zur Rückzahlung z« kündigen. Die von Preußen aufzubringenden Mittel sind durch Verausgabung des entsprechenden Betrages vonStaatß- sÄulden-Berschreibungen aufzubrtngen. Wegen Verwaltung u a) Tilgung der Anleihe kommen die Vorschriften deS Gesetzes vom 19. December 1869 zur Anwendung. Posea, 20. November. Der Kaiser hat auf ein bet der Eröffnungsfeier des hiesigen neuen Priesterseminars an ibn abgesandteS Huldigungstelegramm telegraphisch seinen Dank und den Wunsch aussprechen lassen, daß daS neue Seminar eine Schule der Tugend werden möge, die einem treuen Sohne des Staates und der Kirche zur Ehre gereiche. Der Papst übersandte dem Seminar telegraphisch den Segen und gestattete, daß eS seinen Namen trage. München, 20. November. Der Erntebericht für daS Köntgretch Bayern pro 1896 weist als durchschnitt- lichen Ertrag vom H ctar nach den etngelaufenen Ernte- berichten auf: Hafer 27,64, Kartoffeln 154,74, Klee, auch Luzerne, 105,04, Wiesenheu und Grummet 100,09 Centner. Bern, 20. November. Der BundeSrath schlägt dem gesetzgebenden Rathe die Herabsetzung des Zinsfußes auf lil2 pCt. der vom Bunde den Caotonen Zürich und Aargau gewahrten Anleihen für die Unterstützung der durch die Katastrophe der Nationalbank bedrängten Gemeinden vor. Rom, 20 November. Der englische Botschafter hat der italienischen Regierung alle wünschensmenhen Erleichterungen für den Durchzug der italienischen Gefangenen durch Zeila angeboten. London, 20. November. Nach einer Meldung deS „R-uter'schen BureauS" hat Dr. Jameson sich gestern im Gefängnisse einer Operation unterzogen. Derselbe befindet sich, obwohl die Besserung den Umständen nach günstig fortschreitet, sehr schwach. Der Zustand erregte während der Nacht Besocgniß- es sind besondere Vorkehrungen sür die Pflege des Patienten getroffen. Sofia, 20. November. Der heute, als am Gedenktage der Schlacht von Slivnitza, vor dem Fürsten und der Fürstin stattgehabten Parade wohnte der Kciegsmtnister Petrow nicht bei. Depeschen deS Bureau »Herold". Berlin, 20. November. Fürst zu Stolberg-Wernigerode, Präsident deS preußischen Herrenhauses, ist gestern Abend auf Schloß Wernigerode gestorben. Der Dahin- geschiedene war Kanzler deS Ordens vom schwarzen Adler, General der Cavallerie A la suite der Armee, seit dem 20. März 1893 Präsident deS Herrenhause». Er stand im 60. Lebensjahre. Berlin, 20. November. Der preußische Landtag wurde heute Mittag 12 Uhr vom Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe durch Verlesung einer Thronrede eröffnet. Nach dieser haben fich die Finanzen Preußens fortdauernd gebessert- die Rechnung pro 1895/96 weise einen erheblichen Ueberschuß auf und die Finanzlage gestatte eine wesentliche Steigerung der Ausgaben. Die 1890 unterbrochene Gehaltsaufbesserung von Beamten, Richtern, Professoren und Lehrern, einschließlich der Volksschullehrer, sollen wieder ausgenommen werben- ebenso sollen auch die Wittwen- und Waisengelder aufgebesscrt werden. Die Thronrede erwähnt die bevor- stehende Zinsherabsetzung der 4procent'gen preußischen Staats- schuld- ferner soll zur Schuldentilgung ein Fond geschaffen werden. Der Erwerb der Hessischen LudwigSbahn wird er wähnt und versichert, daß man auch fernerhin der Land- wirthschaft besondere Aufmerksamkeit zuwenden werde. Das Gesetz über die Handelskammern soll abgeändrrt werden. Auch find verschiedene GemeindeverfassungS-Angelegenheiten zu ordnen. Berlin, 20 November. DaS Abgeordnetenhaus hielt heute Nachmittag 1 Uhr seine erste Sitzung ab. Etn- gegangen sind die Gesetzentwürfe, betreffend den Erwerb der Hessischen LudwigSbahn, die Convertirungs Vorlage und daS Lehrerbesoldungsgesetz. Nächste Sitzung morgen 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidiums. — Im Herren Hause machte heute der Vicrpräfident Freiherr v. Manteuffel Mittheilung von dem Ableben deS bisherigen Präsidenten des HausrS, Fürsten Stolberg. Die Sitzung wurde alsdann vertagt. Morgen findet die Wahl der beiden V «Präsidenten statt. Berlin, 20. November. Bei Berathung des Etats des ReichSawtS des Innern wird, wie die »Post" hört, die Börsenreform zur Sprache gebracht werden. Berlin, 20. November. In der gestrigen Fracti o nS- sitzung der foctalistischen Parteileitung wurde beschlossen, eine Interpellation über den Beschluß der zweiten Ständekammrr deS Königreichs Sachsen, betreffend' die Er- werbSgenossenschaften, vom 27. März d. IS. einzubringen. Die Begründung wurde Bebel übertragen, während Stolle und Wurm in der Debatte sprechen sollen. Gleichzeitig soll eine Interpellation eiugebracht werden betreffs der Repressalien, welche seit Kurzem die russischen Zollbehörden gegen die Ein- - suhr feiner deutscher Ledet waaren in Anwendung bringen. Hierzu find Ullrich und Schippel als Redner bestimmt. Berlin, 20. November. Der »Reichsanzeiger" veröffeut- litt d>e Verleihung des erblichen Adels an den Landrath Dr. jur. W. Meister zu Homburg v. d. H. und an den Dr. ehern. Her bert Meister zu Frankfurt a. M. Berlin, 20. November. Gegen den Redakteur der „Neuen Welt", Edgar Steiger, sowie den Verfasser der Erzählung „Der Nazarener", den Schriftsteller L. Salama n-Lasser, ist wegen Gotteslästerung Anklage erhoben worden. Berlin, 20. November. Der dem Abgeordnetenhause zu- gegangeve Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Kündigung und Umwandlung der vierprocentigen consolt- dtrten Staatsanleihe in dreieinhalbprocentige ist im Wesentlichen bereits bekannt. § 10 dieses G-setze» bestimmt, daß die auf Grund dieses Gesetzes in dreieinhalbprocentige umgewandelteu oder gemäß § 7 auSgereichten Staaisschuldverschreibungen und die im Staatsschuldbuche umgeschrtebenen dreieinhalbprocentigen Buchschulden den Gläubigern vor dem 1. April zur boaren Rückzahlung nicht gekündigt werden dürfen. Die Kündigung darf nur auf Grund gesetzlicher Ermächtigung stattfinden. Frankfurt a. M., 20. November Die „Franks. Zig." meldet aus Würzburg: Landrath Ritter von SchulteS, der langjährige Bürgermeister von Schweinfurt, wurde in der heurigen Plenarfitzung des unterfränktschen Landraths, nachdem er noch soeben gegen Frhrn. v. Thüngen warm für die Kreiszuwendungen an die Realschule zu Schweinsurt eingetreten war, von einem Herzschlag betroffen und sank tobt vom Stuhle. Die Sitzung wurde sofort aufgehoben. Rtter von SchulteS war eines der verdienstvollsten Mitglieder deS unterfränklfchen LandratheS. Bochum, 20. November. Auf der benachbarten Zeche „Carl Friedrich" sand eine Explosion schlagender Wetter statt. Bis jetzt find fünf schwer verletzte Bergleute geborgen und in daS Krankenhaus „Bergmannsheil" überführt worden. Recklinghausen, 20. November. Zu dem Grubenunglück auf cer Zeche „General Blumenthal" wird weiter berichtet: Drei Bergleute werden noch vermißt. Die feit gestern Abend mit größtem Eifer betriebenen Rettungsarbeiten schreiten nur langsam vorwärts, da fie mit großen Gefahren verbunden find. Altona, 20. November. Fast die gesammte Mannschaft deS Hamburger Segelschiffes „Melpomene" wurde beim Eintreffen in dem Hamburger Hafen wegen Meuterei verhaftet. Triest, 20. November. Infolge eine» Zusammenstöße» deS Torpedobootes Nr. 61 ist baß Torpedoboot Nr. 83 gesunken. Mehrere Matrosen wurden verletzt, ein Heizer getödtet. DaS Torpedoboot Nr. 61 hat starke Beschädigungen erlitten. Pari», 20. November. Der „Univers illustre" veröffentlicht einen „Commandant 3c.“ unterzeichneten Bericht über den Besuch deS deutschen Lagers in Elsen- born bet Malmedy. Nach den von dem Commandanten gemachten Beobachtungen soll Deutschland Dank diesem nur einen Kilometer von der belgischen Grenze entfernten Lager im Falle eine» Krieges innerhalb 24 Stunden 300,000 Mann in daß Maasthal werfen können. Der Commandant ertheilt der französtschen Regierung den Rath, an der füdbelgtschen Grenze ein ähnliches Lager zu errichten. Loudon, 20. November. Die Blätter fühlen fich beleidigt durch den Appell des Erzbisch ofS von Moskau an die Oeffentlichkeit zur Steuer der HungerSnoth in Indien und sagen, Rußland habe bisher sür diesen Zweck nur 2000 Rubel aufgebracht. Wenn England nicht im Stande sei, selbst für seine Colonien zu sorgen, so sei eß an der Zeit, diese aufzugeben. Berlin, 21. November. Wie verlautet, beträgt da» PluS der Etsenbahn-Ueberschüsse pro October 1896 rund 7 Millionen. Berlin, 21. October. Der „Kreuzzeitung" zufolge soll neuerdings der Generalsuperintendent Dr. Br yand er auß- ersehen sein, an Stelle deS verstorbenen Dr. Fromme! die beiden ältesten kaiserlichen Prinzen zur Confirmation vorzu- bereiten. Ec wurde deshalb auf ein Jahr von seinem gegenwärtigen Amte beurlaubt. Frankfurt a. O., 21. November. Die „Oderzeitung" meldet authentisch, eS sei unentschieden, ob Oberst Liebert in besonderer Mtssion nach China oder al» Gouverneur nach Ostafrika gehe. Hamburg. 21. November. Der „Hamb. Torr." erfährt aus Berlin, auch die österreichische Thronrede am 26. d. M:S. werde auf die jüngsten Hamburger Ent» hüllungen Bezug nehmen und die unbegründeten Beziehungen zu Deutschland feststelleo. Hamburg. 21. November. Die hiesigen ersten Banken und Bankiers lehnten ihre Eintragung in da- Börseu- register ab. Hamburg. 21. November. DaS Segelsch ff „Panona", welches am 27. Juli von Aucatan nach Hamburg abgegangeu ist, ging mit der gelammten Besatzung unter. Gießen, den 21. November 1896. • * Se. Kouigl. Hoheit der Großherzog ist um 1 Uhr 55 Mtn. hier emgetroffen. Die Straßen, durch welche Se. König!. Hoheit nach dem neuen hygienischen Institut fuhren, sind beflaggt, ebenso zahlreiche Gebäude der Innenstadt. * * Ehrendoctor. Anläßlich der heutigen EtnwethuugS- leier des hygienischen Instituts ernannte die medtctntsche Facultät der Landes-Universität den Geheimen Staats- rath Knorr von Rosenroth, Txcellenz, zu ihrem Ehrendoctor. In dem Diplom wird auf die großen Verdienste htngewiesen, die sich der hohe StaaiSbeamte, welcher über zwei Decennten im Ministerium die Angelegenheiten der Universität bearbeitete, ganz besonders um die medicinische Facultät erworben hat. * * Zur Feier des Geburtstages Er. Kgl. Hoheit des Großherzogs und Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin findet Mittwoch dcn 25. d. MtS., IP/2 Uhr Vormittags auf dem Hofe der neuen Kaserne Parade statt. Im Anschluß an dieselbe spielt die Musik. Von 11 Uhr Vormittags steht der Zutritt zum Kasernenhof allen Zuschauern frei. • • Don Herrn Pfarrer Schlosser werden wir um Aufnahme folgender Mittheilung ersucht: Gegenwärtig wird von zwei Colporteuren in unserer Stadt ein Predigtbuch: „Das christliche Kirchenjahr" vertrieben. Das Buch an sich ist gut, aber der dafür angesetzte Preis von 11 Mk. ilt unerhört hoch und steht in keinem Verhältniß zu seinem Werth. Kein Predigtbuch unserer berühmtesten Kanzelredner erreicht, auch bei feinster äußerer Ausstattung, diesen Preis. Dagegen find treffliche Predigtbücher schon für 3 bis 4 Mk. zu haben. Wenn gar, wie berichtet wird, besonders Leute von geringem Einkommen veranlaßt worden sind, auf dies Buch zu subscrtbiren, so muß dies Treiben auf das schärfste gebrandmarkt und die Gemeinde ernstlich davor gewarnt werden. ••H. Etadttheater. Unmittelbar nach einander folgen hier Novitäten. So hatten wir gestern Abend den Genuß, eine von der Zeitströmung getragene Comödie „Fräulein Doctor" hier aufgeführt zu sehen. Die in ihrem Fache routinirten Autoren, die Herren QScar Walther und Leo Stein, haben in dem Stücke einer harmlosen, gutlaunigeu Satire auf die Auswüchse der Frauenemancipation die Zügel schießen lassen,- im Ganzen ist das Stück gehaltvoll, lustig, voll echten Humors und hat, wie bereits an allen besieren Bühnen so auch hier guten Erfolg errungen. Der Inhalt ist folgender: Der Berliner Seifenfabrtkant Dtttrich hat drei Töchter, von welchen die älteste, Clara, bereits verhei- rathet, die zweitjüngste, Johanna, hat sich dem Studium der Rechtswissenschaft zugewendet, die dritte und jüngste Tochter, Frieda, ist noch munterer, mufikliebender Backfisch. Fräulein Johanna, die Studentin, hat in Zürich ihren Doctor juris „summa cum laude“ gemacht und, nun nach Hause zurückkehrend, bringt fie eine Reihe freier LebenSgewohnhetten, viel Gelehrsamkeit und wenig pracitsche Erfahrung mit. Sie bildet den Stolz der Familie, bis das Blatt sich wendet und ihr Vater, trotz ihrer Gelehrsamkeit und von ihr beantragten Servitude einen Proceß verliert. Auf die erhaltenen Vorwürfe darüber verläßt „Fräulein Doctor" da- HauS, flüchtet zu ihrer verhetratheten Schwester Clara, legt die burschikosen Gewohnheiten ab und lernt hauswirthschastlich schalten und walten. Eine von ihr verfaßte Broschüre über Frauenrechte, die durch ihre freie Sprache die polizeiliche Beschlagnehmung zur Folge hatte, wurde durch das Eingreifen des Rechtsanwalts Dr. Richard Normann freigegeben und erzielte großen Erfolg. Zum Schluß erhält Frl. Doctor ihren geliebten Richard und wird drfien rechtsverständiger Compagnon. Zwischendurch geht in dem Stück die schwach- tende Liebe der musikalisch veranlagten jüngsten Tochter Frieda zu Fred, dem Sohne des mit ihrem Vater in Proceß stehenden Bankiers Winkler, den sie auch erhält. Die Wiedergabe der prächtigen Novität durch flottes, animlrteS Spiel verdient rückhaltlose Anerkennung und alles Lob. Den Darstellern waren in ihren Rollen recht dankbare Aufgaben gestellt, welche durchweg zufritdenstellend gelöst wurden, sodaß der HeiterkcitSerfolg und der lebhafte Beifall dem Stück und den Darstellern in gleicher Weise gegolten. „Fräulein Doctor" wurde von Frl. Leno in flotter, von jeder lieber* rreibung sich fern haltender Weise gegeben. Auch der Ueber gang im letzten Acte von der emanzipationslustigen, Männer und Küche mit Abneigung behandelnden Studentin zum echt weiblichen, liebenden Mädchm gelang ihr aufs Beste. Den Seifenfabrtkanten Dittrich spielte Herr Dir. Helm mit wirkungsvoller, natürlicher Komik ohne Uebertreibung. Frl. v. Wtnterstein als jüngste, zur Pianistin talentirte Tochter Frieda erfreute durch spiudelnde Frische. Ihr munterer, naiver BackfischtypnS bekundete Fleiß und Talent. In Frl. Egger fand die etwas stiefmütterlich bedachte Rolle der verheiratheten Tochter Ela^a eine aumuthige Vertreterin. Herrn Peickner als Schwiegersohn Henneberg, sowie Herr Leuchner als SportSmaa Fred Winkler schufen prächtige Figuren. Herr Frttzschler alS Dr. Normann hätte Anfangs noch überzeugender seine Beweisführung bringen können, auch seine salonmäßige Haltung war nicht einwandfrei, doch gelang eS ihm, gegen den Schluß auf die richtige Höhe zu kommen. Frl. Dell mar als ibsenrecitirender Lehrjunge Gustav Naucke war amüsant. Frau Helm als Frau Dittrich und Frl. Di em er als Dienstmädchen ergänzten in lobenS- werther Weise das Ensemble. Diese Vorstellung genügte wiederum allen Ansprüchen und hoffen wir, daß bet einer Wiederholung sich ein volles HauS an dieser lustigen Comödie erfreuen möge. • • Stadttheater. Am Sonntag wird Hermann Hersch'S beliebtes Schauspiel „Die An na-Li se" gegeben. Die Auf führung des nach Savage's Novelle bearbeiteten Schauspieles „Die offtctelle Frau" findet am Dienstag den 24. d.MlS. statt. In dieser Novität gastirt Fräulein Thessa Klink- Hammer vom Frankfurter Stadttheater. * • Reichstagswahl. In Ergänzung unserer gestrigen Aufstellung über das Erg ebn iß der Stichwahl theilen wir mit, daß in Heuchelheim (Kreis Büdingen) abgegeben wurden für Köhler 46, für Scheidemann — Stimmen. ES wird sich demnach das Gesammtergebniß, von kleinen Veränderungen durch Ungültigkeitserklärung von Stimmzetteln usw. abgesehen, stellen wie folgt: Köhler 9737, Scheidemann 5264 Stimmen. * * Rene Vereinigung. Zur Zeit vollzieht sich in unserer Stadt die Gründung einer Gesellschaft, die besonders der Erd- und Völkerkunde, sowie der WirthschaftS- geographie dienen soll. Wie wir hören, besteht die Absicht, hervorragende Gelehrte und Reisende zu größeren Vorträgen heranzuziehen- außerdem werden an bestimmten Abenden Versamm- lungenzurBesprechunggeographischerundwiith chrftlicherTages- fragen öffentlichen oder allgemeinen Inhalts abgehalteu werden. Die Annahme, daß ein Bedürfniß für derartige Veranstaltungen in weiten Kreisen der Sradt bestehe, hat sich als berechtigt erwiesen, da bereits eine große Anzahl von Mit- gliedern aller S:ände der Vereinigung beigetreten find. Am Montag den 23. November, Uhr Abends, findet im kleinen Saale des „Gasthofs zum Einhorn" die Coustituirung der neuen Gesellschaft statt, worauf wir hiermit Hinweisen. Als erster Redner wird Anfang 2)'cembcr einer der angesehensten Gelehrten Deutschlands sprechen. Ueberhaupt legt die neue Gesellschaft Werth darauf, Männer von hervorragendem Rufe zu gewinnen, anderseits aber auch darauf, deren Vorträge möglichst allgemein zugänglich zu machen. Dies ist bei dem geringen Beitrage von jährlich 4 Mk. freilich nur dann möglich, wenn möglichst zahlreiche Mitglieder sich aufchließen,- nur dann wird die Gesellschaft wirklich Vorzügliches zu leisten im Stande fein * * Ertrag der Plakatgebühr in Wirthschaften. Wir haben schon früher Gelegenheit gehabt, hervorzuheben, wie sich der hiesige Gastwirthe-Derein durch Einführung der Plakatgebühr in den Dienst der Wohlthätigkeü gestellt hat. Auch jetzt, beim Herannahen der Weihnachtszeit, hat der Verein die Erträgniffe der Plakatgebühr wieder vertheilt und zwar sind überwiesen worden: dem Verein Jugendfreund und dem SiechenhanS je Mk. 10—, den beiden Schwesternhäusern Mk. 20.— und der Familie eitus gänzlich erblindeten WirtheS im Verbände Mk. 15.—. Indem wir gern im Jntereffe der Sache hiervon Notiz nehmen, wollen wir dem Wirthe-Derein wünschen, daß auch fernerhin sein schönes WohlthätigkeitSstreben dadurch belohnt werde, daß immer wcitere Kreise sich dem Institut der Plakatgebühr anschlteßen und dasselbe benutzen wögen, was ja auch den Interessenten selbst wieder zu Gute koirmt, da sie ihre oft theueren Plakate auch wirklich auSgehängt sehen und damit der Zweck ihrer Reclame voll und ganz erfüllt wird. n. Staden, 20. November. Eden wird über unseren Sauerbrunnen ein hoher Bohrthurm errichtet, weil man durch Tlefdohrungen und Fassen der Quelle auf der FrlS- spalte daS schon früher in dieser Zeitung erwähnte, öftere seitliche AuSbrechen des Säuerlings unmöglich zu machen hofft. DaS Waffer steigt eben in einem breiten, mit Eichenbohlen ausgeschlagenen Schacht in die Höhe. Nach der Neubohrung treten Kupferrohre an die Stelle dieses Schachts. Mit der Ausführung ist die Firma Schäfermeher in Jagstfeld in Württemberg betraut. Die Kosten sind vorläufig mit 3000 Mk. veranschlagt. Schisfsnachrichtetr. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Laos und I. M. Schulhof. Bremen, 20. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer H. H. Meier, Capitän F. Mentz, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Auszug aus den ftmibeMmtmaiftmi der Etadt Siehe». November: 17. Victor Joseph Puecher, Mosaikarbeiter zu Marburg, mit Elisabethe Helene MauS Hierselbst. 17. Philipp Glaub, Sergeant dahier, mit Anna Henriette Vogt zu Biedenkops' 17. Christian Karl Emil Wilhelm Scdopbach, Schreinermetster dahier, mit Martha Sophia Henriette Elisabeth Harnickrl bierscltst. 19 Ludwig Offenbacher, Polsterer und Tapezirer dahier, mit Katharine Wilhelmine Friederike Jakobtne Schäfer zu Wetzlar. 20. Konrad SpieS, Maurer dahier, mit Caroline Bechthold hterseldst. Btftornu» November: 9 Dem ßiqueur Fabrikanten Wilhelm Haustein eine Tochter. 10. Dem Locomoliohetzer Georg Röddtger ein Sohn, Georg Peter Carl. 11. Dem Feldwebel Reinhard FiuiS em Sohn, Emil Johann Georg. 11. Dem Taglöbner JodS. Fölfing eine Tochter, EUse Katharine Sophie. 12. Dem Taglöhner Karl Jacob Mäurer eine Tochter, Bertha. 13. Dem TaglSbner Karl Ludwig Wöll eine Tochter, Minna. 13. Dem Kutscher Philipp Blum etn Sohn, Philipp. 13. Dem Karl Anton Lehr eine Tochter, Lina Wilhelmine Karoline. 14. Dem Conditor Hieronymus Heinrich Hettler eine Tochter, Erna Maria. 14. Dem Schlosser NtcolauS Weßbacher eine Tochter. 19. Dem Taalöhner Gottfried Mankel ein Sohn, Gottfried. 19. Dem Postschaffner Heinrich Bourcarde eine Tochter, Margarethe Ott'lie. November: 13 Katharine Neeb, geb Winnecker, 46 Jabre alt, Ehefrau von Taglöhner Johannes Need dahier. 13. Karl Johann Gottlieb Baitz, 62 Jahre alt, Oder-Telegraphen-Assistent dahier. 13. Wilhelmine Hammel, 3Vt Jahre alt, Tochter von Heizer Heinrich Hammel dahier. 15. August Voigt, 43 Jahre alt, Kaufmann dahier. 16. Johann Karl Martin Währum, 57 Jahre alt, Kafsedtrner dahi.r. 16. Emma Wilhelmine Klöh, 8 Monate alt, Tochter von Schlosser Wilhelm Kloß dahier. 16. Philipp W'll 53 Jahre alt, Bergmann von Langenscheid, Kreis Uaterlahn. 17. Christoph Fischer, 59 Jahre alt, Landwirlh von Butzbach. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt (Sieben. Evangelische Gemeinde. Getränte. Matth äuSgemetnde. Den 14. November. Ludwig Luh, Bahnarbeiter zu Gießen, und Christiane Luise Hahn, Tochter deS verstorbenen Fuhrmann« Friedrich Karl Hahn zu Niederhausen. JohanneSgemeinde. Dm 14. November. Wilhelm Benjamin Sättel, Schreiner zu Gießen, und Marie Katharine Karoline Hedwig Heil, Tochter de« FriedhofSarbeiterS Christian Heil zu Gießen. Getankte. MatthäuSgemeinde. Den 15. November. Dem Küfer Friedrich Knorr eineTocht.r, Elisabeth, geboren den 2. November. Denselben. Dem Kutscher Ludwig Christ ein Sohn, Heinrich, geboren den 12 September. Denselben. Eine uneheliche Tochter, Marie, geboren den 31. Juli. MarkuSgemeinde. Den 15. November. Dem Schuhmacher Heinrich Fuchs ein Sohn, Otto Julius Ludwig, geboren den 8. September. Denselben. Dem Kaufmann Georg Herbordt eine Tochter, Elisabeth Charlotte, geboren den 17. October. Lukasgemeinde. Den 15. November. Dem Unioeistlättprofessor D. Gustav Krüger eine Tochter, Helene Elisabeth Toni, geboren dm 23. Septbr. Den 20. November. Dem Gastwirth Johannes Seibel ein Sohn, Wilhelm Philipp, geboren den 14. S pttmber. JohanneSgemeinde. Den 15. November. Dem Friseur Wilhelm Balser eine Tochter, Magdalena Lina Katharina, geboren den 22. Octoder. Denselben. Dem Knecht Conrad Balser ein Sohn, dontaX geboren den 24 September. Dm 19. November. Dem Friseur Franz Klenker ein Sohn, Anton Otto, geboren ben 28. October. Beerdigte. MatthäuSgemeinde. Den 15. November. Katharine Neeb, geb. Winnecker, Ehefrau des TaglöhnerS Johannes Need, 46 Jahre alt, starb ben 13. Novdr. MarkuSgemeinde. Den 8. November. Karl Gulbub, Schuhmacher, ein Wittwer- 66 Jahre alt, starb den 7. November. Den 15. November. Karl Johann Gottlieb Baitz, Dbedeü* graphenasststent, verheiralhet, 62 Jahre alt, starb den 13. November. JohanneSgemeinde. Den 15 November. Emil Schlapp, OberamtSrichier in Bingen, 40 Jahre alt. starb den 12 November zu Bingen. Den 17. November. Johann Carl Martin Währum, Kaffen- Diener zu Gießen, 57 Jahre alt, starb ben 16. November. Verkehr, Luud- und VeUswirthschafi. Gieße», 21. November. Marktbericht. Auf bem heutigen Wocheuma.kt kostete: Butter pr. Pfb. ** 0.90—1,05, Hühnereiet pr. St. 6-8 X. 2 St. 00 X Enteneier 1 4, 2 6t C X, Gänse- eiet pr. St. l 0—00^, Käle pr. 6t. 5—8 X. Käsematte pr. 6t. 3 X Erbsen pr. Liter 17 X. Linsen pr. Liter 28 X. Tauben pr. Paa X 0,60 bis 0,75, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,20, Hahnen pr. 6tüd X 0,60-1,CO, Enten pr. Stück X 1,50—1,70, Gänse pr. Pfund X 0,44 -0.58, Ochsenfleisch pr. Pfb. 66-74 X. Kuh- unb Rindfleisch pr. Pfb 60—66 X> Schweinefleisch pr. Pfb. 56 bi« 66 H, Schweine fleisch, gesalzen, pr. Pfb. 70 Ä. Kalbfleisch pr. Pfb. 60-54 X Hammelfleisch pr. Pfb. 60—70 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 4 00 bi< 4,50 X, Weißkraut pr. Stück 0 00 4, Zwiebeln pr. Centn er X 4,00—0.00, Milch pr. Liter 16 X Witteruugsbericht vom 20. November. Das Centrum ber norbwestltchen Depression ist vom atlantischen Ocean ber bis zur mittleren norwegischen Küste hereingerückt. DaS sübltche Minimum hat sich vom Mittelmeergebtet nordostwärts vorgelagert und lag sein Centrum heute Morgen über ber unteren Donau. Ueber West unb Central Europa ist ber Luftdruck noch weiter gestiegen unb hat sich bas Maximalgebiet bis zur Ostgrenze Süddeutschlands auSgebreitet. Da indessen von Norden nach Osten zu ber Luftbruck verhältnißmäßig rasch abnimmt unb sich auch südlich ber Alpen relativ niederer Barometerstand erhalten hat, herrscht auf unserem Gebiete allenthalben trübe«, zeitweise regnerisches, jedoch zunächst noch mtldeS Wetter. BoranAWchtltch« Bitttttmgi TrübeS Wetter mit Niederschlägen und allmählige Abkühlung. Warme Bäder täglich von Morgens 8 Uhr bis Abends 9 Uhr. Abonnements werden jederzeit angenommen. Achtungsvoll c. Fr. Conrad, Mäusburg 15. NB. Eingang in der Dreihäufergaffe. 10337 Kroßes Lager Anrmtlhntilhntt sowie nach Maaß mit rein lein. Bielefelder DOn 2,50 an. 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