W 247 Erstes Blatt. Dienstag den 20* Oktober 18»» Keßener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Zlnrts- und Anzeigeblntt für den 'Kreis Gieren Redaction, Expedition und Druckerei: Schutftratze Wr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Abonncmentsprcks: 2 Mark 20 Pfg. mit Vringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener A^amikienbrälter iverdcn dem Anzeiger nüchentlich dreimal beigelegt. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage; Gießener Aamitienölätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Wien I . Wasse 8 a. ^Sicherung rgung. ts-Versicherung, 1'Versorgung, ‘kgeschäfte EtznirM d Gewerbetreibende, > Aerzte etc etc, irbsunfahigkeit falls Entschädigung theilweiser Arbeite- olge innerer Erkran- bis Mk. 3500, zahl- hres desVericherten. Versicherung.) »lauf des 65. Lebens* liehen Betrag von leruog vermittelst i mit dem Eintritt g des 65. Lebens- rgung vermittelst Fall des Todes des tCapitalversicherung Militärzelt, nverheiratheter Töchter, liehen Abtheilungen des ,0g versicherte Personen, mgen werden von der Vereins abgegeben. rta.K: 7872 Zeil Nr. 5. ssen: danlage Nr, s. hern gjOl i ke lern Zubehör Pg 921t ;;;*»** „ und to*** 925' Uiedenau I5 ltets auf Lager Deutsches Reich. Wiesbaden. 17. October. Der Deutsche Kaiser wird im Laufe des Montag der Großfürstin Constantin einen Besuch abstatten. — DaS deutsche Kaiserpaar wird am Montag Abend nach Schluß der Theatervorstellung das Souper bei dem Intendanten v. Hülsen einnehmen. — Großfürstin Constantin reist am nächsten Dienstag von hier nach Meran. Ausland. Rom. 17. October. Nach Meldungen aus Eritrea rückt Ras Man gasch a mit großen Truppenmassen gegen die Grenze vor. General Baldtffrra stellt deßhalb die Rückbeförderung der Truppen nach der Heimath ein. Paris. 17. October. Man versichert, daß am Tage deS Wiederzuiammentritts beider Kammern nach einer Ansprache deS Präsidenten eine Resolution, welche den Inhalt der Rede zusammenfaßt und den Eindruck deS Parlaments wiedergibt, angenommen und, dem russischen Katserpaare übersandt werden wird. 'Neueste AkrchrHchtE- Nexeschur drS Äartss „Herold". Berlin. 18. October. Per Berliner Arbeiter- Verein hatte für heute eine Versammlung nach BuggenhagenS Katsersaal einberufen, in welcher Professor Dr, Quidde-München über„Majestätsbeleidigungen" sprechen wollte. Die Versammlung war etwa von 1500 Personen besucht. Vorsitzender der Versammlung war Buchdrucker Max Roß. Dieser eröffnete die Versammlung mit einer längeren Rede, in welcher er die vielen Verurtheilungen wegen Majestätsbeleidigung einer Kritik unterzog. Während seiner Ausführungen ertönte aus der Mitte der Versammlung ein unliebsamer Zwischenruf, infolge dessen diese Versammlung auf Grund deS § 1 des Veretn.SgesktzeS aufgelöst wurde, ehe Prof. Quidde zu Worte kam. Wiesbaden, 18. October. Zum Empfange des morgen hier erntreffenden Deutschen Kaiserpaares prangt die Stadt im herrlichsten Schmuck. — Heute Morgen 10 Uhr 40 Minuten traf der Exrrazug mit dem Zarenpaare und dem Großfürsten und der Großfürstin Sergius hier ein. Am Bahnhofe hatten sich zum Empfange der Regierungspräsident von Tepper-Laski und Polizeipräsident Prinz von Rattbor eingefunden. Erschienen waren ferner der Regiments« commandeur, sowie der hier weilende General Gmko. In offener Equipage kam die Großsürstm Constantin mit Gefolge an. Dem Salonwagen entstieg zuerst die Zarin in carmoisin- farbener Sammetrobe und gleichfarbigem Hute. Darauf folgten der Zar und die Großfürstin SergiuS, beide in dunkler Civilkleidung. Nachdem das Zarenpaar die Großfürstin Constantin aufS Herzlichste begrüßt, erfolgte die Abfahrt der Herrschaften in offrnrrn Wagen, unter den lebhaften Zurufen der Menge, direct zum Gottesdienst in drr russischen Capelle auf drm Nerobrrge. An der Pforte der Capelle wurde daS Zarenpaar von dem russischen Probst mit dem Kreuz und dem heiligen Wasser empfangen. Unter Assistenz zweier Popen wurde die Messe celebrtrt, wobei der russische Kirchenchor die Messe sang. Nach derselben nahmen die Fürstlichkeiten daS Kreuz - und das heilige Brod entgegen. Den Schluß der gottesdienstlichen Handlung bildete die Zeremonie des Handküssens. Hierauf besichtigte der Zar'die Heiligenbilder in der Capelle. Nach beendetem Gottesdienste fuhren die hohen Herrschaften in das Parkqotel, wo im engsten Familienkreise das Frühstück eingenommen wurde. Um 2 Uhr erfolgte die Rückfahrt über Frankfurt nach Darmstadt. Coblevz. 18. October. Heute Mittag 12 Uhr wurde daS Denkmal der Kaiserin Augusta auf dem Louisen« platze in den Rheinanlagen enthüllt. Es waren anwesend: Prinz Leopold als Vertreter des deutschen Kaisers, die Kaiserin Friedrich, -ber Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Großherzog von Sachsen-Wcimar, der Fürst und die Fürstin zu Wied, die Prinzen Bernhard und Hermann von SachsewWeimar, der Erbgroßherzog und die Erbgroß- herzogin von Baden, der Regimentscommandeur und die Offiziere des Augusta-Regiments. Der Oberbürgermeister begrüßte die Herrschaften - der Großherzog von Baden dankte für die Begrüßung und brachte ein Hoch auf den deutschen Kaiser aus. Die Großherzogin, sowie die Kaiserin Friedrich legten am Denkmal Kränze nieder. Die Herrschaften nahmen sodann den Parademarsch der Kriegervereine entgegen. Um 2 Uhr vereinigten sich hie anwesenden Fürstlichkeiten zu einem Frühstück im Schlosse. Im Cafino fand eia Festessen statt. — DaS Denkmal, welches einen Kostenaufwand von ca. 90000 Mk. erforderte, wurde von Professor Moest-KarlSruhe entworfen und vom Architekten Bruno Schmitz Berlin ausgeführt. Die Reliefs, nach Modellen des Bildhauers Vogel-Berlin, wurden von Bildhauer Knoll, Berlin, ausgeführt. DaS Denkmal trägt die Inschrift: „Der unvergeßlichen Kaiserin Augusta: Die dankbare Bürgerschaft der Residenzstadt Coblenz. Errichtet 1895/96." Minden, 18.October. Die Enthüllung deS Kaiser Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica hat heute programmmäßig stattgefunden. Mehrere hunderttausend Menschen und etwa 200 Kriegervereine hatten sich eingefunden. Der Weg vom Bahnhofe bis zum Simonthor war eine einzige via triumphalis. Die Ankunft des Kaiser- paareS erfolgte gegen 2 Uhr. Unter Begleitung einer Schwadron des 4. Kürassier-Regiments fuhr das Kaiserpaar in einem zweispännigen Wagen nach dem Marktplatz, woselbst der Oberbürgermeister eine Begrüßungsansprache hielt. Die Tochter deS Stadtverordneten-VorsteherS überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Auf dem Wege, den daS Kaiserpaar passirte, bildeten Vereine und Schulen Spalier, daS Publikum brachte enthusiastische Hochrufe aus. Von dem Marktplatze aus erfolgte die Weiterfahrt zum Denkmal, wo sich etwa 12000 Personen eingefunden hatten. Dem Denkmal gegenüber war daS Kaiserzelt errichtet, links von demselben hatten die Ehrengäste Ausstellung genommen. Einen imposanten Anblick gewährten die auf der Freitreppe aufgestellten Fahnendeputationen der Kriegervereine. Nach dem Abschreiten der Ehrcncompagnie durch den Kaiser hielt der Vorsitzende deS ProvinziaLLandtageS, von Oheimb, an das Kaiserpaar eine Begrüßungsrede, während vom Jacobsberge Kanonendonner erdröhnte. In der Ansprache drückte Redner dem Kaiserpaar seinen Dank auS für daS Erscheinen und wies auf die Bedeutung des verewigten Kaisers Wilhelm I. für daS deutsche Volk hin. Die Rede schloß mit einem Hoch auf daS Kaiserpaar- während 800 Posaunen'oläser einen Choral anstimmten, besichtigten die Majestäten daS Denkmal und sprachen über die Ausführung ihre vollste Anerkennung aus. AlSdann betrat daS Kaiserpaar das Zelt, wo ihm ein Ehrentrunk gereicht wurde. Der Kaiser dankte sodann als Enkel für das seinem Großvater errichtete Denkmal und als Herrscher für die Anhänglichkeit, welche die Provinz Westfalen seinem Hause stets bewiesen habe. DaS Denkmal soll eine Mahnung für alle Stämme sein, zusammenzuhalten in treuer Arbeit für daS Gemeinwohl. Er hoffe, daß es ihm gelingen möge, tote seine Vorfahren die Provinz zu fördern. Innige und feste Bande hätten stets die Provinz mit dem Hohenzollernchause verbunden. In guten und bösen Tagen hätten sie zusammen- grhalten. Wenn eS einst für des Reiches Einheit nöthig fei, so hoffe er, daß die westfälischen Fäuste ebenso den Kolben zu führen wissen werden, wie ehemals. AlSdann trank der Kaiser auf daS Wohl der Provinz Westfalen. Hierauf erfolgte die Vorstellung der Ehrengäste, unter denen sich der Oberpräsident von Westfalen, Studt, der commandirende General von Goetze, die Bischöfe von Minden und Paderborn, Geh. Rath Hinzpeter u. A. befanden. Der Kaiser sprach mit fester Stimme. Nach Beendigung der Feier erfolgte sofort die Abfahrt nach Minden und um 4 Uhr die Abreise nach Wiesbaden. ___________ Berlin, 19. October. Wie gemeldet wird, hat Fritz Friedmann seit einigen Tagen in Paris ein Rechts- bureau für Deutsche errichtet, welches sich eines guten Zuspruchs erfreuen soll. Paris, 19. October. In einer gestern abgehaltenen Socialisten-Versammlung exf.ärie Jaures formell, er werde in der Kammer bei der Verhandlung über die Fchcredite die Regierung darüber interpelliren, ob ein franco-russischer Allianzvertrag bestehe oder nicht. Konstantinopel, 19. October. Zwei amerikanische Kriegsschiffe liegen vor den Dardanellen, um in den Hafen einzulaufen. Die Türken.verweigern denselben jedoch die Durchfahrt. H. Darmstadt, 19. October. Wie die „Darmst. Ztg." mittheilt, trifft Kaiser Wilhelm heute Mittag um 1 Uhr 40 Min. zum Besuche des Kaisers Nikolaus hier ein. WB. Wiesbaden, 19. October. In hiesigen russischen Kreisen verlautet: Morgen treffe daS russische Kaiserpaar zum Besuche bei den deutschen Majestäten hier ein. H. Wiesbaden, 19. October. Um 9*/2 Uhr traf das Kaiserpaar hier ein, empfangen durch die Prinzessin Louise von Preußen und Prinzessin Elisabeth von Schaumburg- Lippe. Nach herzlicher Begrüßung erfolgte unter strömendem Regen die Fahrt nach dem Schlosse. Um 12 Uhr 30 Min. fährt der Kaiser nach Darmstadt zum Besuche des Zaren- paareö. Die Kaiserin bleibt hier. DaS Zarenpaar, welches morgen Nachmittag hier eintrifft, wird im königlichen Schlöffe mit dem Kaisrrpaar das Diner einnehmen und Abends der Vorstellung im Hoftheater beiwohnen. _ CocwUs rrrrd protHttjicUef, Gießen, den 19. October. ** Die große Wahlerversammlung, welche der Vorstand des freisinnigen Vereins auf gestern Vormittag nach „Steins Garten" einberufen hatte, war, wie nach dcm in den vorhergehenden Tagen herrschenden Begehr nach Eintrittskarten nicht anders zu erwarten war, sehr zahlreich besucht, so daß schon lange vor Beginn der Versammlung der Saal biß auf den letzten Platz besetzt war. Nachdem der Redner des Tages, der Reichstagsabgeordnete Eugen Richter, unter lebhaften Hochrufen der Versammlung den Saal betreten, nahm Herr Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Metz das Wort. Er begrüßte zunächst Herrn Eugen Richter als den Vorkämpfer des Volkes im Interesse des Vaterlandes und der Partei, der trotz vieler Pflichten dem Rufe, nach Gießen zu kommen, Folge geleistet habe und den Wählern beizustehen im bevorstehenden Kampfe. — Herr EugenRichter, mit Bravo begrüßt, dankte zunächst für daß ihm gewordene Willkommen. Es gereiche ihm zur Genug- thuuug, auch einmal in Gießen die Parteiziele darlegen zu können. Seit 1880 sei der Stamm der Partei gewachsener freue sich, mit eintreten zu können für Herrn Stengel, als Freund für den selbstlosen Freund und Parteigenossen, der jedem Wahlkreise zur Ehre gereiche. Die freisinnige Vertretung des Wahlkreises habe niemals dem Kreise zur Uuehre gereicht. Der heutige Tag, der 18. October, erinnere an schwere Kämpfe, unter denen die äußere Unabhängigkeit Deutschlands im Jahre 1813 erkämpft und Vorbedingung wurde für die Einheit des deutschen Vaterlandes. Die äußere Einheit sei errungen, aber die innere noch nicht. Das politische Leben sei zerrissen durch wilde Interessen- kämpfe, wo man die Staatskraft ausbeute zu Sonder- interessen, unbekümmert um das Wohl des Ganzen. Auch die nationalliberale Partei habe sich in diesen Jnter- essenkawpf ziehen lassen, so daß auch sie dem Zer- fetzungsproceß entgegengehe. Die trübseligste Erscheinung dec Gegenwart aber sei die antisemitische Partei, weil sie nicht sachlich die anderen Parteien bekämpfe, sondern die Menschen als solche, weil sie bekämpfe die Gleichberechtigung Aller vor dem Gesetz. Wenn wirklich wahr wäre, daß 99 Procent aller Deutschen auSgebeutet würden von einem Procent Juden, was müßte die deutsche Nation für eine jämmerliche sein. Man solle gegen schlechte Menschen vorgehen, too man könne, aber sich hüten, zu generalistren wegen der Religion- eine Partei, die dies rhue, könne auf die Dauer keinen Bestand haben, das Virtuosenthum im Verhetzen und Witzemachen sei nicht von Dauer- die Antisemiten seien die Spaßmacher der Junker, die selbst sich zu vornehm hielten, solche Witze zu machen. Die Angriffe auf die Juden vermögen auf die Dauer diese Partei nicht zu erhalten. Die antisemitische Partei habe in ihrem Medizinkasten allerlei Mittel, viele aus den Programmen anderer Parteien entliehene Recepte und wenn diese Mittel auch nichts helfen, so sei für die Partei die Hauptsache, daß man daran glaube. Die wirthschaftliche Depression der letzten Jahre sei dem Antisemitismus zu Gute gekommen, die antisemitische Partei specultre auf den Rest mittelalterlicher Anschauungen, welche dahin gingen, daß die Juden schuld an allen bestehenden Mißständen seien. Nachdem die wirthschaftliche Lage sich zu bessern begonnen, klammere der Antisemitismus sich an den Bauernstand- er verspreche ihm stabile Getreidepreise, die aber so lange nicht zu erreichen seien, so lange die Menschen nicht das Wetter selbst machen könnten- die Getreidepreise richteten sich nach Angebot und Nachfrage, nach dem Ausfall dec Ernte, die Conjunctur ändere sich, die Getreidepreise hätten ihre natürlichen Untcrgrcnzen. Heute ständen Roggen- und Weizenpreise höher, als zur Zeit des JnkrasttretenS des russischen Handelsvertrages. Auch die Viehpreise hätten sich gehoben, der Viehbestand sei im Vergleich zu 1893/94 ca. 800 Millionen Mk. mehr werth. Die landwirthschastlichen Verhältn'.ffe seien zu btffern durch Erleichterung des Verkehrswesens, Meliorationen, Unterricht, Verbilligung deS Zinsfußes, deshalb seien die Freisinnigen Anhänger des GenoffenschafttwesenS, die Genossenschaft sei ein Mittel, mit dem dem kleinen und mittleren Landwirth geholfen und er gestützt werden könne, was fiüher nur durch Wuchergeschäfte versucht worden- das landwirthschastliche Genossenschafts- wesen habe pH mehr und mehr ausgebildet und erweitert durch Einkauf»- und Absatzgenoffeuschafteu- tu dieser Beziehung stehe aber die freifiunige Partei für Hebung der Landwtrthschaft ein. Erfolgreicher aber würde die Hebung vor sich gehe», wenn durch die Antisemiten nicht die Aufmerksamkeit abgelenkt würde von den sogen, kleinen Mitteln auf die großen, wie sie sich u. A. in dem Antrag Kanitz darstellten. Der Antrag Kanitz wolle eine bestimmte Steigerung des Getreidepreises über den üblichen hinaus- mau könne aber doch den Preis nicht erhöhen uud festlegen, ohne die Gewißheit zu haben, daß er auch von den Cousumenteu bezahlt werde. Mit dem Antrag Kanitz nehme man der Regierung auf der einen Seile, was man ihr auf der anderen gebe- von dem Antrag Kanitz hätten nur die Besitzenden Vortheil, d. h. diejenigen Bauern, die über fünf Hectare Grundbesitz haben; in Hessen seien aber 54,000 landwirth- schastliche Betriebe bis zu je einem Hectar Größe, die anderen la'ndwirthschaftlichen Betriebe umfaßten je durchschnittlich 5Hectar, könnten also sehr wenig Getreide verkaufender Bortheil fiele einzig und allein auf die ostpreußischen Junker. WaS im Osten über den eigenen Bedarf gebaut werde, bedürfe der Westen, ja sogar noch der Zufuhr auS dem AuSlande. Wenn man nun die Preise der landwirth- schaftltcheu Pruducte durch Maßnahmen der Regierung erhöhen wollte, warum nicht auch diejenigen für gewerbliche Erzeugnisse- warum könnte man dann auch die Grundrente nicht erhöhen? Hier würde die Folge sein, daß auch die Löhne in die Höhe gingen und der Erfolg wäre gleich Null- das System der staatlichen Einmischungen, wie eS im Anträge Kanitz angeftrebt, würde Alles verwirren. Solche Pläne müsse mau doch in ihren Folgerungen auSdenkeu, um sofort den Bauernfang zu erkennen, durch solche Agitation würde die Landwtrthschaft nicht gefördert. Das Fiasco der unter Zuhilfenahme der Nationalltberalen zu Stande gekommenen Zuckersteuernovelle erkenne man heute schon. Die freisinnige Partei habe sich gegen daS Gesetz ausgesprochen, deshalb sei sie angegriffen worden. Infolge der Erhöhung der Ausfuhrprämien ist in anderen Staaten ein Wettlauf hervorgerufen, demzufolge die Engländer billigeren Zucker essen, als die Deutschen- infolge des Gesetzes seien die Rohzuckerpreise gefallen, der auS diesem Grunde empfohlene Zuckerrtng werde eine Verminderung der Production herbei- führen. Für die Verbrauchsabgabe hätten die Antisemiten gestimmt- als eS sich um Abwehr einer fiscalischen Ver- rheuerung gehandelt, hätten bei der Abstimmung die meisten Antisemiten gefehlt. Redner ging hierauf auf die Behandlung der Wrldschadensfrage im Reichstage ein, wobei die Conservativen das bürgerliche Gesetzbuch abzulehnen drohten, wenn die Ecsatzpflicht für Hasenschaden angenommen werden sollte- bei der Abstimmung darüber fehlten von 15 Antisemiten 12, einer enihielt sich der Abstimmung, einer stimmte für, der andere gegen die Ersatzpfltcht: so würden von ihnen die Interessen der Bauern gewahrt! Die Antisemiten seien für Bauernfeinde zu halten. Sie gefährdeten die Freiheit des Grundeigenthums durch die Zustimmung, welche der Plan eines HeimfiättengesetzeS bei ihnen gefunden, daS ebenfalls von ihnen befürwortete Verbot der Mehraufnahme von Hypotheken gleiche der Vernichtung des Bauernstandes, während doch das Ziel wahrer volkswirthfchaftlicher Bestrebungen sein müsse, durch Erleichterung der Erlangung von Hypotheken auch denjenigen die Erwerbung von Grundbesitz zu ermöglichen, die noch keinen haben- er sage, je mehr Landbesitzer im Reiche, desto besser, dies sei daS beste Mittel zur Bekämpfung der Toetaldemokratte. Zum Anerbenrecht Übergehend, bezeichnet er dasselbe als in hohem Grade geeignet, Unfrieden zwischen den Geschwistern zu säen, die Festlegung deS Werthes des an den Erstgeborenen übergegangenen bäuerlichen Grundbesitzes in ZinS- renten mache die Auszahlung von Capitalien an die Übrigen Geschwister unmöglich, wo gerade die CapitalSabfindung zur Erhaltung des Bauernstandes nöthig fei, durch das System der ZinSrente hätten auch die Anerben keinen Genuß, weil durch die damit verbundene Beschränkung die Güter an Werth verlieren. Aber nicht nur bauernfeindlich sei der Antisemitismus, er fei auch handwerkerfetndltch, denn die Antisemiten träten ein für die Zwangsinnungen. Er freue sich, daß hiergegen wenigstens die Nattonallibcralen oppo- nirten. Die freisinnige Partei sei kein Feind der Innungen, im Gegentheil, sie wünsche, daß die Vereinigungen der Hand- Werker von der Regierung erleichtert werden, eS sei doch ein Unterschied, ob man die Handwerker zwangsweise oder freiwillig zusammenbringen wolle. Die Zwangsinnungen würden dargestellt, als seien sie im Interesse des Hülfspersonals geplant, nun stehe .'aber statistisch fest, daß die Mehrzahl der Handwerker gar keine HülfSarbeiter beschäftige- für die Schiedsgerichte seien die Gewerbegerichte da, wozu seien JnnungSkrankenkaflen nöthig, wo bereits freie HÜlfS-, Gemeinde- und sonstige Krankenkassen vorhanden? Die Hand- werkerbtldung werde durch freie Vereinigungen gefördert, denn an der Fortbildung der Handwerker hätten nicht nur die Meister, sondern die ganze Gemeinde, die Oeffentlichkeit ein Interesse. Auch die Regierung wolle den JnnungSzwang nicht, sondern die Zünftler und Antisemiten. Der obligatorische Befähigungsnachweis werde nur von den Handwerkern verlangt, warum nicht auch von den Landwirthen, Kaufleuten und Fabrikanten? Gerade den heute am lautesten schreienden sog. Landwirthen würde eS schwer werden, den Befähigungsnachweis zu erbringen, sie verständen sich besser auf Jagd, Pferde u. s. w. Und habe denn daS Handwerk einen Rückgang in seinen Leistungen zu verzeichnen! Wer daö behaupte, hätte die Ausstellungen in Berlin, Nürnberg u. s. w. besuchen sollen, um sich vom Gegentheil zu Über- zeugen. Wohl kämen Klagen über die Unpünktlichkeit der Handwerker im Abltefern ihrer Erzeugnisse und im AuS- stellen ihrer Rechnungen, daran aber seien sie selbst schuld, und wer frage vom Publikum nach den Innungen, man frage nur nach den Leistungen, das Werk solle den Meister loben. ES liege nicht im Interesse des Handwerkes, durch Zwangsinnungen die Zahl der Meister zu verringern, ein solches Verlangen erschwere die Concurrenz des Handwerks gegen den Fabrikbetrieb. Der Befähigungsnachweis setze eine scharfe Abgrenzung der Betriebe voraus und dies sei unmöglich, wenn man sich nur die Thätigkeit der Saisonarbeiter vorstelle, die ihre sommerliche Beschäftigung im Winter mit einer anderen vertauschen müßten. Alle derartigen Bestrebungen liefen auf eine Schädigung des Handwerks hinaus. Die antisemitische Partei stelle sich als Vertreterin des Mittelstandes hin, die freisinnige Partei wolle keine Standes- Partei fein, sondern dem Ganzen dienen. WaS hätten denn die Antisemiten bisher gethan? Drei Anträge hätten sie im Reichstage eingebracht, darunter einen, nach welchem der Dermiether berechtigt sein soll, dem mit der Miethe rückständigen Miether daS ArbettSgeräth zu pfänden. Sei das im Interesse des Mittel und Handwerkerstandes gehandelt? Die Antisemiten redeten vom Mittelstand, wenn eS aber gelte, dessen Forderungen zu vertreten, so wüßten sie nichts. Auch unter sich seien sie zerfahren, dies hätten die CornrnisfionS- fitzungen bet Berathuug des Bürgerlichen Gesetzbuches bewiesen, als eS sich um die obligatorische Civtlehe handelte- währeud der Abgeordnete Btelhaben für deren Beibehaltung gestimmt, habe Pfarrer Jskraut sich dagegen ausgesprochen. Der Abg. Kroeber habe s. Z. gesagt, die antisemitische Partei könne überhaupt nicht mehr ernst genommen werden. Bei dem Bürgerlichen Gesetzbuch, durch daS Deutschland auch in seinen inneren Verhältnissen gefestigt werden sollte, hätten die Antisemiten ihr Deutschthum bethätigen können, sie hätten sich aber, soweit sie überhaupt bei der Abstimmung zugegen waren, derselben enthalten. Der freisinnigen Partei werde ferner von den Antisemiten der Vorwurf gemacht, sie vertrete die Interessen der Börse und des GroßcapitalS. Hierzu erkläre er, daß der Freisinn sich gegen Alles wende, was eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit in Angebot und Nachfrage zur Folge habe. Die Freisinnigen hätten gegen das Verbot des Terminhandels mit Getreide gestimmt, eS werde sich aber bald nach Inkrafttreten des Gesetzes Herausstellen, daß durch das Verbot gerade die Landwtrthschaft geschädigt werde. DaS Termingeschäft wirke anSgleichend auf den Preis wie auf Production und Consumtion. Der Bauer müsse suchen, nach der Ernte sein Getreide zu ver- werthen, da aber sich die gesammte Ernte nicht aus einmal verarbeiten lasse, sondern der Consum sich auf das ganze Jahr vertheile, so müssen die Müller auf Termin kaufen. Wenn der Dorwurf gerechtfertigt wäre, die Freisinnigen verträten die Interessen deS GroßcapitalS, so müßten sie sich gegen die Convertirung der Staatsschuld wenden; diese Convertirung ermögliche aber nicht nur dem Mittelstände und Kleinbauern die Beschaffung billigen Geldes, sondern setze in Folge der ZinSersparniß auch die Staaten in die Lage, die Verhältnisse ihrer Beamten und Uoterbeamten zu verbessern. Die Geschichte der Partei schütze sie übrigens vor dem Borwurfe, daß sie das Capital begünstige- die Partei sei oft von der Regierung angegriffen, ja, ihr sei schon die Vaterlandsliebe abgesprochen worden. Wie ein rother Faden ziehe sich durch die Geschichte der freisinnigen Partei die Einführung der zweijährigen Dienstzeit- diese komme doch sicher nicht den Besitzenden zu Gute, sondern den Arbeitern, Bauern und Handwerkern- durch die zweijährige Dienstzeit würden diese nicht länger als unbedingt nöthig in ihrem bürgerlichen Berufe unterbrochen. Er widerlege den Vorwurf, daß die freisinnige Partei gegen die zweijährige Dienstzeit gestimmt, sie habe nut gegen die Militärvorlage, die die zweijährige Dienstzeit mit einer Erhöhung der Präsenz- ziffer bepackte, gestimmt- dagegen feien die Antisemiten umgefallen, sie hätten für Erhöhung der Militärlaften gestimmt, sie hätten durch ihre Abstimmung diese Mehrbelastung vermeiden können- sie hätten nicht einmal für die dauernde Belassung der zweijährigen Dienstzeit gestimmt- wenn bis 1898 nicht ein anderes Gesetz zu Stande komme, so trete die dreijährige Dienstzeit ohne Weiteres wieder in Kraft und diesen Zustand der Unsicherheit hätten die Antisemiten verschuldet, damit aber auch zugleich ihre „Dolksfreundlichkeit" dargelegt. Nur bezüglich der Tabaksteuer sei man mit den Antisemiten einig gewesen, die Antisemiten aber hätten diesen Widerstand gegen die Regierung in der Tabaksteuer wieder ausgeglichen durch Bewilligung der Colonialanforderungen. Herr Richter kam hierauf auf die Socialdemo- frotte zu sprechen. Durch die Socialdemokratie sei das Bürgerthum gespalten worden, deshalb trete die freisinnige Partei für dasselbe ein. Der Erfolg der Socialdemokratie im Jahre 1893 im hiesigen Wahlkreise sei durch die unklare Stellung, die der damalige Kandidat der freisinnigen Partei zur Militärvorlage eingenommen, herbeigeführt worden. Für Alles aber, was zum Besten des Volkes in freiheitlicher und socialer Beziehung diene, sei die freisinnige Partei immer eingetreten. Die Socialdcmokratie verlange aber Unerreichbares in Bezug aus Besteuerung, Militärwesen usw. Bezüglich der Frage über ihren Zukunftsstaat verstecke sich die Socialdemokratie hinter allgemeine Ausflüchte. Die von ihr geforderte Verstaatlichung aller Betriebsmittel bedeute Con- fiScation des Einzelnen, die persönliche Freiheit höre auf, da der Staat der einzige Arbeitgeber sei, der Einzelne werde in seinen Entschließungen über den Beruf gehindert. Dem gegenüber müsse er aber darlegen, daß eS persönliche Freiheiten gebe, in die sich Niemand hineinreden lasse, der größere Antheil des Einzelnen an der Production entspreche nicht d.kw Verlust der persönlichen Freiheit- jedes ©igenintereffe höre mit Einführung der staatlichen Production auf, dies drücke den Consum wie die Productivität herab, schneide die freie Concurrenz ab. AuS diesen falschen Anschauungen in die Zukunft kämen die falschen Anschauungen über die Gegenwart. Redner stellte Vergleiche an zwischen den Sorgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und betonte, daß, so lange die Arbeiter im Arbeitgeber nur den Ausbeuter kennen, werde das Arbeitüverhältniß vergiftet, wahrend doch zu bedenken sei, daß in den letzten Gründen die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern solidarisch seien. Die verwehrte, durch harmonisches Zusammenwirken Beider herbei^ geführte Arbeitsgelegenheit fördere die UnternehmugSlust und mit der Vermehrung der Arbeitsgelegenheit stiegen die Löhne ohne Strikes. Die Arbeit-Verhältnisse seien heute besser, wie vor einem Menschenalter, die Arbeitszeit sei verkürzt, die Löhne erhöht, und der Arbeiter in der Lage, mit diesen Löhnen mehr und besser zu kaufen als früher. — Die Sicherheit im Erwerb hänge ab von der Erhaltung de» Frieden» nach innen und außen- der heutige 18. October sei der Geburtstag des Kaisers Friedrich- er fei ein Friedensfürst gewesen, der stets seine Pfl-cht zum Ausbau deS Deutschen Reiches in freiheitlicher Beziehung und die Erhaltung der verfassungsmäßigen Rechte des deutschen Volkes betonte und schon vor seinem Regierungsantritt der Hoffnung Ausdruck gegeben habe, daß die Generation, die mit ihm zu thun habe, ihn in freiheitlicher Beziehung unterstützen werde. Die errungene Einheit Deutschlands könne aber nicht garautirt werden ohne Freiheit, die Vorbedingung einer freiheitlichen Entwickelung aber fei ein angesehene« Parlament, die» sei nur zu erreiche«, wenn die wüsten Jntereffenkämpfe aufhörten, wenn sich die Parteien leiten lassen von der Sorge um daS Ganze. „Wenn Sie bei der bevorstehenden Reichstagswahl dem Professor Stengel das Vertrauen schenken, in diesem Sinne zu wirken, so gesellen Sie uns einen treuen Mitarbeiter zu für da» Wohl des deutschen Volkes und des deutschen Vaterlandes." (Lang anhaltender Beifall.) Herr Landtagsabgeordneter Metz dankte dem Redner für den lehrreichen und interessanten Vortrag- er gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Vortrag ausktärend wirken möge in allen Kreisen und beseitigen möge die Mißverständnisse über daS, was die freisinnige Partei wolle, ebenso hoffe er, werde der Vortrag beseitigen die Mißverständnisse, die sich an den hervorragenden Führer der freisinnigen Partei, Engen Richter, knüpfen- die Wähler möchten Alles, was sie auS dem Munde Richters gehört, prüfen und vergleichen mit dem, wa? andere Parteien im bevorstehenden Wahlkampfe noch vortragen werden- er bitte die Wähler, ihre Schuldigkeit zu thun, es möge Jeder zeigen, daß er im Interesse des großen Ganzen lebe- was in der Partei und im Reia-Stage erstrebt, eS dürfe nur erstrebt werden im Interesse der Wohlfahrt des Volkes und Vaterlandes. Diesem Gelöbniß möge die Versammlung Ausdruck geben in dem Stufe: „DaS deutsche Vaterland hoch! hoch! hoch!" Nach lebhaftem Beifall und einem Hoch auf Herrn Richter wurde die Versammlung geschloffen. Mittelst Wagen begab sich Herr Richter sofort nach dem Bahnhofe. ** Sitzung der Großh. Handelskammer vom 9. Octbr. 1896. Anwesend die Herren: Koch, Gail, Heichelheim, Hornberger, Katz, Klingspor, Wortmann. Die deutsche Handelskammer in Brüssel benachrichtigt ihre diesseitigen Schwesternkammern, daß in Folge mannigfacher Anregungen Ende vergangenen Jahres, im Verein mit der Mehrzahl der belgischen Handelskammern, bei dem belgischen Finanzministerium beantragt worden, daß Sendungen vom AuSlande nach dort, welche auS irgend einem Grunde nicht zur Ablieferung kommen können, ohne Zollspesen an den Absender zurückgelangen können. Dieser Antrag bezog sich aus Sendungen, welche frucht- und zollfrei expedirt, von der Bahnverwaltung der Endstation verzollt und dann — mit den Zollspefen belastet — den Adressaten zur Abnahme angeboten, aber nicht angenommen werden. Gemäß besonderer Uebereinkunst zwischen mehreren europäischen Staaten, so auch zwischen Deutschland und Belgien, wird bei Postsendungen der so vorgelegte Zoll zurückerstattet, nicht aber bei Bahnsendungen. Das belgische Finanzministerium verhielt sich gegenüber dem sehr eingehend motivirten Anträge, die Vergünstigung zollfreien Rückgangs auch aus den Bahnversandt auszudehnen, ablehnend und begründet diese Haltung mit dem Umstande, daß die beantragte Maßregel bis jetzt in keinem der anderen Staaten bestehe. Die deutsche Handelskammer glaubt aus die Geneigtheit des dortigen Ministeriums rechnen zu können, einem internationalen Abkommen, bezüglich dieser Angelegenheit zwischen den durch Handelsverträge verbundenen Staaten die Hand zu bieten und hat von diesem erweiterten Gesichtspunkt au» aufs Neue bei ihrem Ministerium einen Antrag eingebracht. Zugleich ist an die deutschen Schwesternkammern die Aufforderung ergangen, in geeigneter Weise bei ihren Regierungen gleiche Schritte zu thun, um desto sicherer einen Erfolg zu verbürgen. Die Handelskammer beschloß, da» ihrige zur Verwirklichung dieser wichtigen, dem Handelsverkehr dienlichen Maßregeln in geeigneter Weise beizutragen. — Seitens de» ReichScommissarS für die im Jahre 1900 in Pari» stattfiudende Weltausstellung, Geheime- rath Richter in Berlin, wurde der Handelskammer eine Anzahl Drucksachen, betr. die Betheiligung deS Reiche» an dieser Ausstellung, nämlich Ausstellung-Programme, Anmeldungsformulare, sowie „die allgemeine Classification der zur Ausstellung gelangenden Gegenstände nach Gruppen und Klassen" übersendet. Denjenigen Firmen unseres Bezirk», sowie de» sonstigen TheileS der Provinz Oberheflen, welche sich für die genannte Ausstellung intereffiren, werden jene Drucksachen auf Wunsch alSbald übersandt werden. — Außerdem wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß am 21. l. MtS. Mittags 12 Uhr im Concerthause der Liedertafel in Mainz, Große Bleiche, eine VereinS-Bersammlung de» mittelrheinischen Fabrikanten-Verein» statt- findet- auf der Tagesordnung steht eine Besprechung über die Weltausstellung. Der Herr ReichScommissar wird diese Sitzung mit einem einleitenden Referat eröffnen. — Am 15. October l. I. und den folgenden Tagen findet eine außerordentliche Plenarversammlung de» deutschen HandelStrageS in Berlin statt. Auf der Tagesordnung steht die Berathung eine» Entwurfs de» Handelsgesetzbuch». Die Kammer wird in der Versammlung durch Herrn Geh. Commerzienrath Michel in Mainz vertreten sein. — Einer Eingabe der Bergischen Handelskammer g, W H ,1 I,, «Ito«' kl«1111"”!6 Ile « ««., 1 meteW”. sKsÄ irtlMl1 l* ii "'S»’11 Rtichsbonkftcue v°"h,r T schwin i $,| Sielen« I »I» 1896/97. I»«« hl °°° de« 3" '” ! »i'1» ,ann ”« . >-che- *«« b-de- Me Sttigvtt, über c verfiial, wie der ®tai Otiftrattn-flnljang, sow „erther Mer verfall Maauificenz des derzeit! fcfior Dr. S. Stade ge “H. Stadttheater. ftolie eine» trüben, reg' such des Theaters, nanu bück wie die Pofst „Tl! tat Stück bietet eine' in Mittelpunkt die boi München früher kennen nun mit ihrer Muht „Schützenlisl" steht. 1 l-ebt und will ste hei durch deren Schatz, gleichfalls von Stöpsel und diese als echte Weitere wirkungsvolle Verwechslungen, komis dübfche GeiangSeinlag Schnadahüpfln und zm — Die Darstellung r nahe ausverkaufte Hair unb jibtm 8t derDte/rolle, Krl.De/ Durch ihr flottes, ledhas Sesang war fie daS bei l-'va- derber Komik, wt h:rr Director Helm l einfach zum Todt! Rnnert alt ,P^ke". ler Wiedergabe tragisch, hn' erregte nunmehr $ rae Komik, mit welche Helm als „Mtwe M ieno °ls deren Töch rmhirn recht gMick .Hedwig" durch ihx m «?!'E°°gSvollsten Fi Mler, sowie die ü rechter Pllsemaons. f ;intn Reisenden, wie °°°"' 8”611 Sieb», t d-° 6tiol Sss: 5, a*b' *•! Seiet ? i Ä S'ltz tt:, .SS?**' \ £*bl« 19 ' RftgenÄ«* ttttlg dkt . AS* Srtedevr ^«obtt s,t v ÄffÄS i»S '"M! Unb K«- «Mir &«*; r!trt Serben obnt fich Me »Mtn, f* ,ÜI d°« ^tn ^öittianbtg» ntlt de« Redlirr rtlQ6/ » gab der °°Mrend wirken dieMibvttsiäadlliffe M° He tr, werbe fit, bk stch 6D fc(n "kl, Eugen Richter, 16 qö6 dem Munde t dem, toa? andere ' llvch Vorträgen uldigkett zu thun, l«efie des großen ^eioi-tage erstrebt, rrstr der Dshlfcht Griöbnih möge die We: „Daö deutsche bhaftem Beifall unb ie Versammlung ge» Herr Richter sofort r öom S. Octbk. 1896. Helheim, Homberger, ntsche Handels« t ihre diesseitigen tgsacher Anregungen t btt Mehrzahl -er belgischen Finanz« ngen vom LuSlanbe nde nicht M Äd- en an den Absender bezog stch aus Ten« birt, von der Bahn« dann — mit den zur Abnahme an« Gemäß besonderer Wen Staaten, so ird bei Postsendungen icht aber bei Bahn« sterium verhielt fich iAnträge, die Ler- gs auch auf den uenb und begründet bk beantragte Maß- >n Staaten bestehe. af die Geneigtheit üunen, einem W ngeiegenheit Me° j Staaten die Hand in SefichtSpuvkt an- re!«»«*" M bei 14»» * heft’ MJ" * L, btm tzR !«»“"'',ar a»1' ist--"'» b"Ä|#»' » «'i"V« f«t ist««, * * Drll" lverdeU' t VtS- 1,6 M in $%? s «*■3» n «'»?,. d-r t’wl* l#tlin st°"' si beb ein«» d i«X8N«i K>'^ zu Leunep an den Herrn HanvelSminister, betr. die Zollbehandlung der Retourwaaren, schließt fich die Kammer nicht an, da fie die Eingabe für aussichtslos hält. — Dom König!. Rumänischen General -Consul tu Frankfurt a. M. wird mitgetheilt, daß in den Transporttarifen der Rumänischen Eisenbahnen für unrichtige oder ungenaue Declaration von Maaren, welche durch die rumänischen Eisenbahnen befördert werden sollen, hohe Geldstrafen angedroht sind. Die Interessenten werden deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß die Declarationen über Maaren, welche in Rumänien eiugeführt werden sollen, sehr detaillirt und bis ins Kleinste specificirt werden müsien. — An folgenden Orten wurden RetchSbanknebenstellen eröffnet: Ami. October zu Hadersleben, abhängig von der Reichsbankstelle tu Flensburg, am 7. October zu Demmin, abhängig von Stralsund und am 15. October zu Rendsburg, abhängig von der ReichSbankftelle in Kiel. — Das Verzeichniß der Kammer über schwindelhafte Firmen im Ausland hat einige Erweiterungen für Japan, Ntederländisch-Jndien unb Transvaal erfahren. ** Das Gießener Univerfitätstaschenbuch für das Wintersemester 1896/97, herauSgegeben von Frees u. Tascho, UniversitätS Buchhandlung hier, ist erschienen. Das Buch, das von den Interessenten gratis in Empfang genommen werden kann und in seinen vorhergehenden Auflagen stets einer günstigen Aufnahme stch erfreute, ist im Vergleich zur vorigen Auflage bedeutend erweitert und sonach in hohem Maße geeignet, über die einschlägigen Verhältniffe der Universität, wie der Stadt präciS Auskunft zu geben. Ein Jnseraten-Anhang, sowie ein großes Verzeichniß empfehlens« werther Bücher vervollständigen das mit dem Bilde Seiner Magnificenz des derzeitigen Rectors Geh. Kirchenraths Pro- feffor Dr. B. Stade geschmückte Merkchen. **H. Stadttheater. Ein gutes Recept gegen die Melancholie eines trüben, regnerischen Sonntagwetters ist der Besuch des Theaters, namentlich wenn ein so echtcS Sonntagsstück wie die Poffe „SchützenltSl" zur Aufführung kommt. Das Stück bietet eine lose aufgebaute Handlung, in welcher im Mittelpunkt die von dem Berliner Rentier Stöpsel in München früher kennen gelernte, von ihm eingrladene und nun mit ihrer Muhme Staudigl zu Besuch kommende „Schützenlisl" steht. Stöpsel ist in die naturfrische LiSl verliebt und will sie heirathen, erleidet aber eine Niederlage durch deren Schatz, den Stutzenfranzl, der durch Zufall gleichfalls von Stöpsel zu einer Schützenfesttvität eingeladen und diese als echter Gemsenjäger verherrlichen sollte. Weitere wirkungsvolle Zugaben sind: ein Quiproquo von Verwechslungen, komische Figuren, gute und schlechte Witz?, bübsche GesangSetnlagen in Abwechselung mit imitirten Schnadahüpfln und zum Schluß einige obligate Verlobungen. — Die Darstellung war eine vorzügliche, so daß das beinahe ausverkaufte Haus zu wahren Lachsalven angeregt wurde und jedem Actschluß Beifallsstürme folgten. Die Vertreterin der Titelrolle, Frl. Dell mar, bot eine fesche „Schützenlisl^. Durch ihr flottes, lebhaftes Spiel, ihren recht ansprechenden Gesang war fie das belebende Element des Abends. Mit etwas derber Komik, wie es die Rolle verlangt, personificirte Hrrr Director Helm den Rentier Stöpsel. Sein Spiel war einfach zum Todtlachen. Jbm ebenbürtig war Herr Kunert als „Putzte". Der hochbegabte Künstler, der in der Wiedergabe tragischer Effecte volle Anerkennung gefunden, erregte nunmehr Bewunderung durch die überaus wirksame Komik, mit welcher er dies Factotum ausftattete. Frau Helm als „Wittwe Murmel" sowie Frl. Egger und Frl. Leno als deren Töchter waren in der Wiedergabe ihrer Parthien recht glücklich, namentlich gefiel Frl. Leno als „Hedwig" durch ihr munteres, ungezwungenes Spiel. Eine der wirkungsvollsten Figuren war der „Püsemanu" des Herrn Schalter, sowie die ä la Geschwister Barrtson costümtrteu Töchter Püsemanns. Herr Petckner bot als Felix Brause einen Reisenden, wie man ihn sich nicht besser wünschen konnte. In der Wiedergabe solcher ihm gut liegender Rollen kann er stets des Erfolges sicher sein. Von den übrigen Darstellern zeichneten sich noch Frau Kruse al« „Muhme Staudigl", sowie die Herren Fritzschler, Goldbach und Ebers aus. Herr Capellmeister Kruse entledigte fich seiner Aufgabe mit Geschick, desgleichen mögen die guten Leistungen der Regimentöcapelle nicht unerwähnt bleiben. ** Stadttheater. Wir wollen nicht unterlaßen, unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß daö längst mit Spannung erwartete neue Lustspiel von Oscar Blumenthal „Gräfin Fritzi" morgen in Scene geht. •• Coucert. Wie aus dem Jnseratentheile ersichtlich, st idet nächsten Mittwoch, den 21. d. MtS., im Stein'schen Saalbau daS Concert zum Besten hilfsbedürftiger Musiker des deutschen Heeres und der Marine, gegeben von unserer Regimentsmusik und den hier eingezogenen Lehrern, statt. Wir lassen daS Programm hier folgen: I. Th eil. 1. In Treue fest zum Zollernhause! Festmarsch von MachtS. 2. Ouvertüre z. Athalia (Mendelssohn). 3. Zwei Männerchöre : a) Liederfrethett (Marschner), b) Unterm Lindenbaum (Sturm), 4 Vorspiel zu Hansel und Grethel (Humperdink). II. Th eil. 5. Siebentes Conzert f. d. Violine (de Beriot), 6. Zwei Männer Quartette : a) Wiegenlied (Brahms), b) Lehnmanns Abschied (Humperdtnk), 7. Espana-Walzer (Waldteufel), 8. Barbarossa, Chor mit Orchester (Jakobs). III. Th eil. 9. Zwei Männerchöre: a) Im Hinterland (Krauße), b) Waldmorgen (Köllner), 10. Der LiebeStraum, Fantasie f. Piston (Hoch), 11. Ein Mann, ein Wort!, Männer- chor (Marschner), 12. Fantasie a. d. Oper „Tannhäuser" (Wagner). Der stattliche Männerchor (120 Mavn an der Zahl), lauter Leute im angehenden ManneSalter mit den jugendlich frischen Stimmen, dazu Lehrer, welche alle musikalische Bildung besitzen, dürfte dem Coneert eine besondere Anziehungskraft verleihen, umsomehr, als eS wohl zu den Seltenheiten gehört, einen Männerchor in so gleichmäßig jugendlichen Altersstufen zusammengesetzt zu wissen, wie es eben nur bet den Jüngern des Mars der Fall sein kann. Herr Muflkdirector Krauße führt uns dazu als Orchester- fachen Perlen aus seinem Repertotr vor und so wünschen wir dem guten Zwecke auch einen guten Erfolg. ** Religiöse Vortrage. Wie wir hören, wird Herr Dr. Johannes Müller«Leipzig, der durch seine Vorlesungen zu Anfang dieses Jahres begeistertes Interesse in weiten Kreisen gefunden hat, in nächster Zeit wiederum einen CykluS von Vorträgen in unserer Stadt abhalten. Sie finden wieder Freitags, Abends 8 Uhr, diesmal in Steins Garten statt und beginnen bereits in dieser Woche, am 23. October. Dr. Müllers Vorträge find ein ganz eigenartiges Unternehmen, fie lassen sich noch am ersten mit den dort so beliebten Confirmus in Paris vergleichen. Es find keine Lehrkurse und keine Partetreden, die Kenntnisse oder Ueberzeugungeu verbreiten wollen, sondern freie Erörterungen actueller Fragen des geistigen Lebens, die das eigene Nachdenken anrcgen wollen. Sie wenden stch also an die denkenden Menschen aller Stände, an die wahrhaft Gebildeten. Allerdings ist das freie, nicht berufsmäßige Denken und Nachdenken, der Sinn für die Probleme des Geistes, das Interesse an Klarheit und Sicherheit der Weltanschauung in unserer Zeit sehr zurückgegangen. Aber deshalb sind eben die Vorträge Dr. Müllers ein Culturunternehmen ersten Ranges, auf das wir nicht genug aufmerksam machen können. ** Caf6 Ebel, Neubau. Am verflossenen Samstag fand die Einweihung des Neubaues der Frau Carl Balzer Wtwe. (Cafs Ebel) fiait. Der stattliche, schmucke Bau enthält in seinem unteren Stockwerk das sehr elegant und behaglich auSgestattete Heim der Studentenverbindung „Adelphia" und im oberen Stock einen größeren und einen kleinen Saal, die durch äußerst practische Klappthürvorrichtungen in einen großen Raum umgewandelt werden können, sowie eine prächtige Glasveranda. Circa 70 Stammgäste und Freunde des Hauses hatten fich zu einem kleinen Festessen eingefunden, bei dem sich Dank der vortrefflichen Verpflegung bald eine sehr ge- müthliche Stimmung entwickelte. Herr Archttect M e y e r gab ein kurzes Bild der Vorgeschichte und Ausführung des Baues und schloß mit einem Hoch auf die Besitzerin, Frau Carl Balzer Wtwe., worauf Herr Brauereibefitzer Bichl er in warmen, anerkennenden Worten der Leiter des Baues und sämmtlicher dabei betheiligter Bauhandwerker gedachte, und Herr Bergen, Director dcs städtischen GaS- und Wasserwerks, die allbewährte Anziehungskraft des „(Safe Ebel" auf sämmt« liche Kreise der Einwohnerschaft und der Umgegend prieS. Wünschen wir dem beliebten Gasthaus, welches sich, nebenbei bemerkt, jetzt seit gerade 20 Jahren im Befitze der Familie Balzer befindet, ein ferneres Blühen und Gedeihen. * Von der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Einige st a t i st i s ch e Angaben über die am 15. October beendigte Ausstellung werden einem Berliner Localblatte gemacht. Wir geben diese Zahlen, die auf Vollständigkeit erfichtlich keinen Anspruch machen können, im Nachfolgenden wieder: Die Haupt-Ausstellung selbst wurde besucht von etwa 3 500000 zahlenden Besuchern. Da die Ausstellung während 168 Tagen geöffnet war, ergibt das eiren Durchschnittsbesuch von etwa 20800 Per« fönen täglich. Dir SpecialauSstellung Kairo hatte 2000000, Alt-Berlin 1790000 Besucher auszuweisen. Die electrische Rundbahn von Grbrüder Naglo ist von 2500000 Personen benutzt worden- zu ihrer Beförderung wurden rund 40000 Züge zu einem, zwei und mitunter auch drei Wagen abgelaffen. Die Stufenbahn hat b-i 141 Betriebstagen zu zehn Stunden 960000 Bill ts verausgabt. Die Marineschauspiele veranstalteten vor 1600000 Besuchern circa 850 Vorstellungen- daS Kaiserschiff wies 800000 Gäste auf, vor denen der Taucher 2500 mal in Thätigkeit getreten ist. In der SanitätSwache der Ausstellung find 2943 Erkrankungsfälle aller Art zur Behandlung gekommen. Erwähnt sei noch, daß die Zahl der in den Aschinger'schen Stehbierhallen ver« kauften Würstchen sich auf eine halbe Million beläuft- A. Hefter hat in der Ausstellung etwa 100000 Pfund Fletsch zu Wurst verarbeitet, was einem Material von 180 Rindern, 800 Schw'inen oder 1200 Kälbern entspricht. Als Bei- kost find 7000 Brode und 70 Gentner Mostrich verbraucht worden. Die Wurst ist in die Därme von 14000 Hammeln gefaßt worden, die, da die Därme eines Hammels 20 Meter lang find, an einander genäht die stattliche Länge von 280 Kilometer ergeben würde. * Der größte Soldat der deutschen Armee dürfte zur Zeit neben dem Major v. PlÜSkow ein Rekrut sein, der als Freiwilliger beim Regiment der Gardes du CorpS eingetreten ist und die Größe von 2 Meter 3 Ctm. hat. • Die Ausstellung für Kuustgewerbe und Eleetrolechuik in Stuttgart, die am 5. b. M. geschloffen wurde, hat ein finanzielles Ergebniß gehabt, um das fie andere Ausstellungen dieses Jahr beneiden werden. Man schätzt den Ueberschuß vorläufig auf etwa Mark 300,000. Dagegen ist vom deutschen Sängerfest noch ein Fehlbetrag von Mark 20,000 zu begleichen. * Der aus dem Elsaß stammende Menonit Prahler weigerte sich bekanntlich wahrend seiner Dienstzeit bei der Garde in Berlin beharrlich, die Waffen zu berühren. Zwei Jahre find jetzt verflossen, seit der Mann zum Militär einberufen wurde, und während dieser Zeit hat er seiner Weigerung wegen drei Festungsstrafen verbüßt, zuletzt eine von sechs Monaten mit erschwerter Einzelhaft. Jetzt find die mit ihm Ausgehobenen wieder in die Hetmaih zurück- gekehrt, er aber muß, wie aus Mülhausen gemeldet wird, noch ein Jahr in Spandau abfitzen. In der festen lieber» zeugung, recht zu handeln, hat er alle Strafen still und ruhig ertragen und sich auch sonst willig gezeigt, nur die Waffen wollte er aus religiösen Scrupeln nicht ergreifen. * Ein kluger Jüngling. Einen Vorschlag zur Güte macht ein Student in Neapel, einer von jenen, denen das Studiren Nebensache ist. Er will, daß anläßlich der Feier der Vermählung des Prinzen von Neapel sämmtliche Studenten, die bei den letzten Juliprüfungen durchgefallen sind, ohne neue Prüfung zu Aerzten, Anwälten u. s. w. ernannt werden. — Kein übler Gedanke! * Im Elysee ist eine Krisis ausgebrochen. Der Oberkoch des Herrn Fanre ist von seinem Posten zurückgetreten, weil das große Effen beim Präsidenten in einer Pariser Wirthschaft hergestellt und nicht ihm anvertraut war. • Ein Zukunftsbild. Weiblicher Examinator: „Herr Candidat, entweder Sie heirathen mich — ober ich lasse Sie durchfallen!" * Kleiner Wink. Er: „Merkst Du nicht auch, lieber Schatz, wie in einer jungen Ehe die Stunden so schnell verfliegen?" — Sie: „Aber, liebes Männchen, wie sollte ich daS wirklich merken können, ich habe ja noch keine Uhr!" * Eine feine Sorte. A.: „Wie sind Sie denn bloß durch die Menschenmenge hindurchgekommen? Ich mußte eine halbe Stunde warten!" — B.: „Ich habe die Cigarre geraucht, die Sie mir gestern verehrt haben, da wich mir jeder aus!" * Nachtgedanken. Am Nordpol dauern die Nächt' sechs Monate? Da möcht' i Nachtwächter sein, da kann m'r 'sich amal ordentlich auöschlafen! Literatur uud Auust» — ,»Ho«eWori*, Lahr 1. v. Jllustrirte Svortzeitschrift für.das gesummte Radfahrwesen, pro Quartal Mk. 1.50 bei jeder Postanstalt. — Inhalt der Nr. 33 (32 Seiten stark): Zur Verwendung des Fahrrads in der Jugendbtldung. — Die Montechi und Capuletti des Nads.- — Flieger und Stayer (Schluß). — Ein radelndes Volk. — Ausland. — Radlerwinke (Schluß). — Unser neuer Titel. — Sportliches auS Roubaix. — Die Radwettfahren des „Petit-Marscillais". — Mode. — Welcher ist der Beneidens- wertheste? (drei Illustrationen). — Pariser Briefe. — Chronik. — Rennberichte. — Sports-Kladderadatsch. — Eine ganz neue Sports- Verbindung. — Handel und Industrie. AirchlicheAnzeigen der evang.Gesnernde. Bibelstunde am Montag, den 19. October, Abends 8 Uhr, im Confirmandensaal der Johanneskirche. 2. PetruSbrief Kap. 1. Die von Gott reich Gesegneten sollen fich nach Gottes Willen halten. Pfarrer Dr. Naumann. Verkehr, Land- und VoLkswiethschaft«. Grstuberg, 17. October. Fruchtpreise. Weizen JL 15,32, Korn vA 15,00, Gerste 12,02, Hafer X 12,12, Erbsen 00,00, Linsen A 00,00, Wicken A 00,00, Lein X- 00,00, Kartoffeln 0,00, Samen 00,00. Mer Har- unb Credit-Actien-Gksellslhalt in M. Rechnungsabschluß für das Jahr 1895. Activa. vtt H An Kassen-Conto . . 25546 51 „ Debitoren-Conto. . 417498 94 „ Kaufschillings-Conto. 51767 70 „ Werthpapieren Conto 41228 30 Passiva. je H Per Kreditoren Conto . 470540 52 „ Zinsen-Conto . . 454 55 „ Dividenden-Conto . 168 — „ Actien-Kapital-Co, to 23600 — „ Ueberschuß-Conto . 41278 38 536011 45 Die Gesellschaft besitzt außerdem 328 Mk. 69 Psg. An Dividenden werden 8 Prozent unbezahlt. 536041 45 an Mobilien einen Werth von per Actie an die Actionäre baar 9265 Lich, den 19. October 1896. Der Vorsitzende: Vogt. Der Rechner: Dörmer. Der Controleur: Schäfer. ehördlicheAnzeigen Aufgebot. Der im Jahre 1803 geborene, mit unbekanntem Aufenthalt abwesende Sohn des zu Butzbach verstorbenen Fruchtmessers Hahn — Louis Hahn — wird, im Falle Todes seine Erben, auf Antrag des Curators, Großh. Bürgermeisters Joutz zu Butzbach, aufgefordert, Ansprüche an das seither dahier für ihn curatorisch verwaltete, etwa 132 Mark betragende Vermögen spätestens im Aufgebotstermin Mittwoch, 6. Januar 1897, Vormittags 9 Uhr, bei unterzeichnetem Gericht anzumelden, als sonst Louis Hahn für tobt erklärt, seine etwaigen Erben mit Ansprüchen an das Vermögen ausgeschlossen und solches Großh. Hess. Fiscus als herrenloses Gut überwiesen werden würde. Butzbach, den 15. October 1896. Großherzogliches Amtsgericht. Engel. 9258 Mittwoch den 21 Mbr. l.I., Nachmittags 2 Uhr, werden hn vieker'schen Saale — Neustadt 55 — versteigert: Sophas, Commoden, Kleiderschränke, Tische, Spiegel, Bilder, 1 Verticow, 1 vollst. Beit, 1 Nähmaschine, 1 Cassa- schrank, 1 Partie Glas- und Por- zellanwaaren, 1 Partie Wollengarn, 3 Wagen, 1 Sommerwagen, 1 Pia- nino u. v. a. 9269 «eitzler, Gerichtsvollzieher. Mittwoch den 2. Derembrr, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die der Wilhelm RiSmamt Wittwe in Gießen gehörige ideelle Hälfte an nachbezeichneter Hofraithe: Flur 1 Nr. 1108 — 69 qm bei der Kirche öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 20. October 1896. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A: Bogt. 9260 Samstag den 31. Moder, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Karl Ludwig Leib und der Marie Leib in Gi ßen gehörige Hofraithe: Flur 1 Nr. 1093 — 203 qm hinter dem Burggraben öffentlich meistbietend versteigert werde«. Gießen, den 17. Oktober 1896. Großh. OrtSgericht Gießen. 3- »ogt. 9269 Theilnehmenden Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, dass unser lieber, unvergesslicher ______ _______ 1__________. Theilhaber der Firma Haubach & Feine, Frankfurt a. M A> Frankfart a. M, Giessen, den 17. October 1896. Ami RSarie Metzner 9285 Giessen, IvennischteAnzeige^ Verloren u. Gefunden. □OOOOOOOOOOQO 0 G. Throm. 9281 Entree 50 Pfg. Anfang Abends 8 Uhr. 9266 Seine Freunde. Billete sind im Vorverkauf in der Musikalienhandlung des Herrn 9191 Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger) zu haben. I. Boeck, Concursverwalter. 9’64 sitz- Empfehlungen. Vermiethungen. Frankfurter Börse vom 17. Octobec 1896. Pro c ml 6 Stadl Darmstadt v. 1891 toiaci ■juarmnaoi v. ioyi —n Stadt WormS unk. b. 1901 1(3.50 4 1887 53.50 Jtal. staatSgar. Eisend. Vergnügungen. 3% 4 Frks.LowCcrd.Bk.unk.b.1900 102.80 ’ 3Vi DeutscheGrdsch.B. unk. b. 1906 101.00 4 L^MietivGesuche. | *"33 Stellen-Gesuche. 309.«/* Dämmst. Bk.-Actien 9/72 ffaolon«'iaffe 14 II. ■ 103.40 98 45 103.85 4Vi 4 3 0 0 0 0 0 ß 0 4 4 3 3 Brief 16.21 20.39 120 Geld 16.18 20.35 4.16 DnWlrrgasse, Ntürvwkz, Plockftra anlagt, Trufrieluftga aalage Nr. 1—20. Oesterr. Stlberrente Ung. Gold-Rente Poitugiescn Mexicaner MonopolGrtechen von Stellung suchen Haus» und Fahr« burschen Oeconomieknechte Tagel lShner u s w für sofort und später Cei tral'PtactrungS Bureau, verschieden, ist. Um stilles 20 Frankrn-St. Engl. Sooetrhn5 Dollar« In Gol" In der ConcurSsache über das Vermögen des A. Bachrach in Giesteu betragen inhaltlich des heute bei der Gerichtsschreiberei Gr. Amtsgerichts Gießen überreichten Verzeich- niffes der bei der Schlußvertheilung zu berücksichtigenden Forderungen die letzteren 33251 Mk. 19 Pfg., während der verfügbare Maffebestand sich auf 5419 Mk. 95 Pfg. berechnet, also eine Dividende von 163/10 % zur Vertheilung gelangt. Gießen, den 19. October 1896. 92M ] Eine Famtlienwobnung im N S, i« ,7 * abzugeben.______Bahnhofsiratze 12. m11 RebengebLude und i (Karten in benerem Stadt- kompletter Krenner mit Slrumpfdjrn und Wndrr 4 Mark, Glühstrumpf eben, für jeden Brenner paffend, beste Qualität, Mk. 1.20 sowie alle Zubehörteile, als Cyliuder, Glocken, Blacker u. s. w. empfiehlt billigst 8982- A. Gretscher, Neustadt 78. Ooursbericht DJU J. Kurz & So., Giessen, Kahih-fflraßk 63. Mittwoch, den 21. October er. Steins Karten-Saalbau: Großes Nocal- unb Ioßrmneotoi-Conmt zum Besten des Unterstühungssonds hilfsbedürftiger Mufiker des deutschen Heeres und der Marine ausgesührt von den hier eiugqogenen Lehrern aus dem KestrK des 11. Armeerorps (120 Manu) und der ganzen Capelle des Zuf.-Lgts. Kaiser MhelA 2. Grohh. Kess. Ar. 116 (42 Mann) unter persönlicher Leitung des Großh. Musikdirectors Herrn C. Krauße. Z‘a Frankstr. Hyp.Bk.unk.b.1906 101 50 3»/t Hambrgr.Hyp.Vk. unk.b 1905 4*/, S'k'.VNv.Cred.B. unk. b. 1906 101.00 3V« Dreuh ^yp.Ä Bk.unk.b.1905 bto. unk. b 1905 104.r0 3'/» Po mm Hyo. Ä Bk.unk.b.1906 Brief ««» , 80.89 1169.90 — 1 4.17 O0000L2000<2.085 Lustspiel in 3 Acten oti 11 Crvedui«n b ><> 92 rp • Oscar B 1 um< ntfial FÜV Schneider. 9284] Zwei irichtige Arbeiter werden gesucht. _____ivahnhofstrafie S. Füv Schneider! 9ib2] Ein tüchtiger Arbeiter g-sucht _______D a mmstratz t3 0. Einige tüchtige Arbeiter finden sofort baue nbe Beschäftigung 9283 Joh. Ötscher, Alicefiroße 19. Lehrling sofort gesucht. 92821 I. Benner, Schuhmachermeister. 9Uo6i tSio tüchttger, Pferdeknecht findet bet hohem Lohn dauernde Stellung bei M. Rosenthal. Liebigfiratze 13. 9267] Suche für sofort eine flotte, tüchtige Taillenarbeiteritt bei fr. St. und g. Gr halt. Dieselbe braucht nicht zu;ufLneiden. Johanna Vachenheimer, Kirchßain. 9u6i Ein «tndermüdchen, nicht unter 16Jah7en. welche« auch etwa- Hausarbeit übernimmt, tagsüber gesucht. Indertval itteuknwcg 39. II.