1896 Freitag den 20. März Zweites Blatt Ur 68 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Amtlicher Theil liessen, ätzMMA 1Z. altung Feuilleton Alle Annonccn-Bureaux deS In- und AuLlandc- nehm« ' Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. (Arotzherzogliche Fachschule zu Erbach i. O. Das Sommerjemester beginnt Dienstag den 14. April mit folgenden Lehrfächern: Freihand- und Linear-eichaen, k-astgewerblicheS Zeichnen und Entwerfen, Modelliren nach ornamentalen und figürlichen Motiven, Schnitzen und Drehen van Elfenbein, Horn, Holz usw., Stseliren und Moutiren in Kastel, 16. März. Ueber einen Selbstmord aus Furcht vor Strafe berichtet das „Mainz. Tgbl.: Seit ungefähr 14 Monaten ist der Unteroffizier Johann de- hier liegenden 11. Pionier-Bataillons verschwunden. Alle Nachforschungen nach dem als Deserteur Ausgeschriebenen blieben erfolglos. Bor einigen Tagen kam die Nachricht an daS Bataillon, daß einer seiner Unteroffiziere bei Oberwesel gelandet worden sei. Ein Unteroffizier wurde nach Ober- wesel geschickt, um die Identität der Leiche festzustellen. An der Uhr und der Uniform erkannte er den lang vermißten Unteroffizier Johann, der einst auS Furcht vor Strafe den Tod gesucht hatte. Die Leiche war versandet, wurde durch daS Hochwasser aber an die Oberfläche getrieben. Edelmetall. Bortrage über plastische Anatomie. Stillehre und Materialienkunde. Die Anstalt ist im neuen Schuljahr durch die Werkstätten für Dreherei und Eiseliren erweitert. Das Schulgeld beträgt pro Halbjahr 10 Mk. Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schul- gelbes nachgelafien, auch die Stellung der Zeichenmaterialien und die unentgeltliche Ueberlaflung der Werkzeuge für die Dauer des Besuches der Schule bewilligt, sowie auswärtigen der Besuch der Schule durch einen Unterstützungsbeitrag erleichtert werden. Anmeldungen nimmt der unterzeichnete Hauptlehrer entgegen und ist auch zur weiteren AuSkunftSertheilung bereit. Erbach, im März 1896. Der Vorsitzende des AuffichtSrathes: Limpert. Der Großh. Hauptlehrer: Gärig. vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Rtbaction, kxpcdirio» und Druckerei: ><6*rflr«|e Mr.1. Fernsprecher 51. seinen Brieskasten zu leeren, nicht aufzuerlegen sei. — De« gegenüber empfiehlt sich dringend, in Fällen, wo die rechtzeitige und verläßliche Behändigung des Briefes von Werty ist, die Einschreibung in Anwendung zu bringen, u. A. mit noch größerer Sicherheit der persönlichen Empfangnahme: „Einschreiben, eigenhändig", der Brief rc. kommt dann nur in die Hände *8 Adreffaten selbst- oder endlich, um selbst den EmpfangSbelag in die Hände zu bekommen: „Einschreiben, eigenhändig gegen Rückschein." Der vom Empfänger vollzogene Ablieferungsschein wird dem Absender unter Ein- schreibung zugestellt. — Gesammtgebühr nur 50 Pfg. für den einfachen Brief. * Au« dem Hefte der kleinen Clementine. Eine Lehrerin stellte den „Münchener Neuesten Nachrichten" folgenden reizenden Aufsatz einer kleinen Schülerin über Karl den Großen zur Verfügung: „Karl der Große war ein sehr guter Kaiser und er hatte auch viele Eier, die er zählte. Zwei gab er dem Schweppermann, der brav war. Er zog viel in den Krieg und dort eroberte er den König von Sachsen, weil er nicht in die Kirche gehen wollte. Dann ging er wieder in die Kirche. Er hieß Wittekind und wurde im Dom von Aachen mit seinem Gewehr aufbewahrt." _ vermachtes. * Mutz man seinen Hausbriefkasten leeren ? Diese für manche Fälle wichtige Frage ist vom Landgericht München verneint worden. Ein Postbote hatte einen Brief, deffen Inhalt auf eine Kündigung hinauSlief, rechtzeitig in den Briefkasten des Adreffaten gesteckt- letzterer aber hatte den Briefkasten erst geöffnet, als die Kündigungsfrist verstrichen war. Der Briejausender wurde mit seinen Ansprüchen an den Adreffaten abgewiesen, weil letzterem eine Verpflichtung, Bekauutmachung, betreffend: die Maul- und Klauenseuche. Die Maul- und Klauenseuche in der Gemarkung LallerSdorf, Kreis Alsfeld, ist erloschen und die an- zcordnete Gehöft- und Gemarkungssperre aufgehoben worden. Gießen, den 18. März 1896. Grobherzogliches KreiSamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Nachdem Johannes Martin dahier das Gewerbe als Dienftmann niedergelegt und die Aushändigung der von th-m hinterlegten Dienstcaution verlangt hat, werden Diejenigen , welche Ansprüche auf diese Caution aus der Eigenshaft des p. Martin als Dienftmann erheben zu können gl auben, hierdurch aufgefordert, solche bei Meldung des Ausschlusses binnen acht Tagen bei uns vorzubringen. Gießen, den 17. März 1896. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. E. v. Bechtold, RegierungS-Affeffor. Novellette von H. Erltn. (Schluß.) Aber daS that er nicht- dafür war er sehr galant und versteckte Beilchensträußcheu in ihren Servietten — ganz wie damals. Einma. sogar verstieg er sich zu Rosen — daS war bedenklich, und Ella lächelte vielsagend. Als er dann aber eine» Tages mit Orchideen kam, nahm Ella die Spende mit einem ahnungsvollen: „Du hast mal wieder etwas auf dem Herzen, Walter," in Empfang. „Mal wieder . . .?" wiederholte er darauf langgedehnt. Nach einer gedankenschweren Pause setzte er dann gemüthS- ruhig hinzu: „Ach soo — daS hatte ich ganz vergeffeu." Die Blumenspenden hörten trotzdem nicht auf, vermehrten ftch sogar und ihre Uebergabe war mit Seufzern, langen Blicken und Handküssen verbunden. Da ging Ella energisch vor und eS entspann sich folgendes Zwiegespräch: Sie: „Ich bitte Dich nun ernstlich, mit Deinen Aufmerksamkeiten ein Ende zu machen und mir zu sagen, wa» Du eigentlich von mir willst, — und Du willst doch etwas?" Gr: „Ella — Liebste, Beste, wie Du mein Herz er- rräthst — ja denn, mich bedrückt, peinigt etwas —" Eine abwehrende Handbewegung unterbrach seine Rede und mit geriogschätzendem Lächeln versetzte sie ihm die MiniaturboSheit: „Du kannst es mir ja wieder im Gartenpavillon sagen — für jetzt habe ich genug." Die nächste Scene spielte Nachmittags fünf Uhr im Warteopavillon, wo er es ihr sagte. Aber sie machte eS ihm in ihrer eisigen Ruhe so schwer, Laß er Herzklopfen und Schwiudelanfälle dabei bekam. Wie sie sich auch verändert hatte — die Kleine von dtamal-! mer-S*" reff * Bekanntmachung, betreffend: Maul- und Klauenseuche. Zu Rod heim v. d. H., KretS Friedberg, ist die Maul- uib Klauenseuche au-gebrochen und wurde da- betr. Gehöft --sperrt. Gießen, den 18. März 1896. GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen. v. Gagern. . sBorfta«!' ,rlc« 9 » MÄ Uhr, in 6teifen- wi Parfamerio - Fihnk. (Sm neues, noch ungebrauchtes DameuZweirad abzugeben. 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