•Rr. 244 Der Vvtfctett Anreiger irscheint täglich, ■it Ausnahme de- MontagS. Die Gießmer «mitten vtätter vecden dem Anzeiger »-chentlich dreimal beigelrgt. Erstes Blatt. Freitag den 16. Oktober W6 Gießener Anzeiger Kenerak-Mnzeiger. vierteljähriger Avonnemeuts^relsr 2 Mart 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Redactton, Expedition und Druckerei: Schutstr-fjeAr.7. Fernsprecher 51. Asnts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieren. Einnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. chratisöeikage: chießener Jiamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Neueste Nuebrniehten. Äolff» teUgraphischeS Lorresvouüent-Boruiü Berlin, 14. Oktober. Der Bun deSrath hat in seiner gütigen Sitzung den AuSschußanträgeu, betreffend die Zoll tehemdlung der auS dem Hamburgischen Freihafengebiet mit in dost eingehenden Theeproben, und betreffend die Der» »Innung der Brennsteuerüberschüffe, sowie betreffend die «chmalige Erhebung der Stempelabgabe für die convertirten Pfandbriefe der Frankfurter Hhpothekevbank in Frank« furt a. M, die Zustimmung erthetlt. Ein Antrag Badea, ittri ffend die Errichtung zweier weiteren Schiedsgerichte für len Iveztrk der badischen landwirthschastlichen Berufsgenoffen« schassten, wurde dem zuständigen AuSschuffe überwiesen. Lübeck, 14. October. Kanonenschüsse zeigen den Be« tojuein deS südlichen StadttheileS steigendes Hoch- nasser an. Triest, 14. October. Infolge wolkenbruchartiger Regen« M« traten die Kanäle aus, namentlich in der Neustadt, »ad führten Ueberschwemmungen herbei. Ganze Straßen gab Plätze stehen meterhoch unter Waffer. Zahlreiche Maga« jine find überschwemmt und große Waarenmengen ruinirt. Der angerichtete Schaden ist enorm. Depesch« bei Ihnen .HerilL". Berlin, 14. October. I« „Reichsanzeiger" werden •tinc Anzahl Ordensverleihungen an Beamte der ilm-'p'schen Fabrik in Essen publicirt. Berlin, 14. October. Die Verleihung deS rusfischeu Sndi eaS-OrdenS an den Ehef des Milttär-EabinetS, General hahnke und des russischen weißen Adlerordens an den ScießSmintster v. Go ßler werden heute im „Reichsanzeiger" ..Micirt. Berlin, 14. October. Die Ausschüsse des Colo« oial.rathS treten bereits morgen im Auswärtigen Amt Wammen, um zu der Frage der Strafrechtspflege in den lotenden, der Vorbildung der Lolonialbeamten und der Auf« stbumg der HauSsclaverei Stellung zu nehmen. Berlin, 14. October. Major vonWißmann gedenkt silltr: Abend mit seiner Gemahlin aus Lauterberg hier ein« -plrrffen. Berlin, 14. October. Gelegentlich der Rekruten« ita'stellung kam eS gestern am Kaiser Franz-Grenadier« flah, zu tu mul tu arischen ©eenen, indem eine Rotte pngetr Burschen Ruhestörungen verursachten. Die Polizei |i| fstch genöthigt, einzuschreiten. Da sie auf Widerstand stieß, pgem die Schutzleute blank, ohne jedoch von der Waffe Gebrauch p machen. Gotha, 14. October. Socialdemokratischer ?or teitag. BormittagSsitzung. Abg. Bock eröffnet die 'tzitzang. Auf der Tagesordnung steht die parlamentarische Üsätigkeit. Die gestellten Anträge beziehen sich hauptsächlich iu| »te Invalidität«- und AlrerSverficherungSgesetze. Gegen ihn Antrag auf Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre slilköhen die Abgg. Bebel und Molkenbuhr. Dr. Quarck liisünwortet die Selbstverwaltung der Krankenkaffen. Schwartz« lilbext beantragt, au das Marineamt eine Interpellation zu !d)ten betreffend die Anstimmung des FlaggenltedeS bet fchUSuntergängen hinsichtlich des JltiS-FalleS. ES seien lstch-ei Menschenleben verloren gegangen, weil man die IMLNgSarbetteu eingestellt habe. Die Abstimmung über Uiijea Antrag wurde abgelehnt, dieselbe aber der Fractiou jp Berücksichtigung überwiesen. Betreffs der Maifeier wird ihiidlbe Beschluß gefaßt wie im Vorjahre. München, 14. October. Der Ehef deS bayerischen GenS- km.erie'CorpS, Generallteutenant von Hellingrath, ist g|tiic Morgen 2 Uhr nach schwerem Leiden gestorben. Rim, 14. October. Entgegen den officiösen Dementis 8d iKonstantinopel, betreffend die Ueberretchung eines ßipsstltchen Handschreibens au den Sultan zu Mionen der Armenier erklärte Bonetti bei seiner Durchreise tibNmedig, Leo XIII. sendet mich mit einem Handschreiben oebütt Sultan, um von ihm Beileid uod Barmherzigkeit für ih Armenier zu erflehen. Ich werde meine Mission erfüllen, We auch mein Blut mit demjeutgen unserer Brüder fließen. Rizza, 14. October. Hier erschoß sich ein Belgier in fsinu Billa, nachdem er in Monte Carlo sein ganzes 8er« uhem in Höhe von zwei Millionen verspielt hatte. !DtottB, 14. October. Die Zahl der auSständtscheu arbeiter beläuft sich heute auf 1300. Dieselben eine Lohnerhöhung von 20pCt. Man befürchtet, bcif Mer AuSstand weiter um fich greifen werde. kparis, 14. October. Der „Gaulois" meldet: Der WzLifische Prinz Ludwig Napoleon, der Bruder K.isrr Napoleons, der bisher Oberst in einem Kaukasus« Regimente war, sei in die kaiserlich russische Garde versetzt worden. Parts, 14. October. Nachdem Admiral Gervais heute die gesetzliche Altersgrenze erreicht hat, wird er sein Commando niederlegen. Paris, 14. October. Die monarchistischen Ab« geordneten werden bet der Eröffnung der Kammer den Antrag stellen, die Regierung zu beglückwünschen, angesichts des prachtvollen Verlaufs der franco-russischen Feste. Cherbourg, 14. October. Die Abfahrt der russischen Kaiser-Uacht konnte bisher wegen des schlechten Wetters nicht erfolgen. Dieselbe wartet hier daS Ende der gegenwärtigen Seestürme ab. Loudon, 14. October. Seit drei Tagen herrscht an der englischen Küste ein furchtbares Unwetter. Gestern wurden drei Handelsschiffe tu der Nähe von Liverpool an die Ufer geschleudert. Nur ein Theil der Mannschaft konnte gerettet werden. Der Sturm war von Schneegestöber begleitet, welches den Gesichtskreis bis auf 10 Meter beschränkte. Athen, 14. October. Die Weigerung der Pforte, den griechischen StatiovSschiffen die Fahrt nach Kon« stantinopel zu gestatten, hat hier einige Erregung hervor- gerufen. Konstautiuopel, 14. October. DaS Geschenk deS Sultans an den Fürsten Bismarck besteht in zwei kostbaren Basen. Koustaultuopel, 14. October. Nachdem alle Versuche, eine Anleihe bei den Banken zu entriren, gescheitert sind, trägt sich die Pforte mit der Abficht, eine ZwangSanleihe vorzunehmen. Koustanlinopel, 14. October. Wie ein hiesige» Blatt meldet, haben 16000 Armenier Konstantinopel behufs Auswanderung verlassen. Konstantinopel, 14. October. Oesterreich verlangt 6000 Pfund für die Familie de» von Räubern getödteten Bice-ConsulS. Berlin, 15. October. Zur Nachfeier de» 75. Geburtstags Virchows fand gestern Abend ein Fest- Comm erS statt, wobei dem Jubilar große Ovationen dargebracht wurden, welcher gerührt dankte. Berlin, 15 October. ES verlautet, der Kolonial« director Kaiser führe die Geschäfte bis zum Abschluß der Verhandlungen des Colonialraths weiter. Seine Demiffion sei unabhängig von der Affaire PeterS. Als Nachfolger deS Major Wißmann wird Dr. Stübel, Generalkonsul in Shanghai, genannt. Ploeu, 15. October. Die Prinzen begeben sich am 21. October, dem Geburtstag der Kaiserin, nach Potsdam. Gotha, 15. October. Socialistisch er Parteitag. NachmittagSfitznng. Auf der Tagesordnung steht die Berichterstattung über den Londoner Kongreß. Abgeordneter Bebel referirt über die Beuachtheiligung der Trades UntonS, den Abfall John BurnS und über die Anarchisten-Debatte. In der darauf ftattfindeuden DiScusfiou nimmt der Delegirte Grenz-Leipzig daS Erscheinen der Anarchisten auf dem internationalen Kongreß in Schutz und betont dabei, der Kongreß sei nicht eine geschloffene Körperschaft, sondern daS Barometer aller proletarischen Anschauungen. Die Delegirten Hilde bürg, Schaepflin und Liebknecht ergehen sich hierauf in heftigen Auslaffungen gegen den Anarchismus. Sodann wendet fich der Kongreß dem Punkte der Organisation zu. Referent Auer beantragt Aufrechterhaltung des Provisorium» gegen den Partei Ausschuß in Hamburg. Graz, 15. October. Der Thronfolger Oesterreichs wird einige Zeit in Meran verweilen und dann nach Sicilien reisen, wo er den ganzen Winter verbleiben will. Rom, 15. October. Das Ministerium be« Aeußern erklärt officiell, daß der Zar nicht hierherkommt. — Am 24. October wird eine sehr weit gehende Amnestie erfolgen. Rudini gibt den Bürgermeistern ein Prunkmahl. Am 28. October findet eine große nationale Regatta auf der Tiber statt. H. Köln, 15. Oktober. Seit heute Morgen ist daS Gerücht verbreitet, ein mit Rekruten besetzter Extrazug sei in Saargemünb entgleist, wobei angeblich eine große Anzahl Rekruten verwundet, etwa fünfzig gröbtet würben. AuS der Eifel angekommenen Eisenbahnschaffner bestätigt« die Nachricht- die amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor. CoceUs «nd protHwikUef« Gießen, den 15. Oktober. ** Empfang. Seine Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am 14. Oktober u. A. den Bürgermeister Köhler aus Langsdorf, den Profeffor D. St ad e, Rector der Lande«- Uatocrfilät Gießen. *e Eine seltene Feier hat Herr Oberrabbtner Dr. Benedict S. Levy gestern begangen, nämlich den Tag, wo er in das 91. Lebensjahr getreten ist. Nur wenig Sterblichen ist eß beschieden, wenn Überhaupt, so bei körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische, wie cß bei dem Jubilar der Fall, ein so hohes Alter zu erreichen. Mit dem 23. Lebensjahre wurde Herrn Dr. Levy die Stelle als Rabbiner in Gießen verliehen, in der er 67 Jahre segensreich wirkte. Seine Thätigkeit als Seelsorger erstreckte sich seit 1842, wo daS Rabbinat Friedberg aufgehoben und mit der Stelle in Gießen verbunden wurde, über ganz Oberheffen. Von Seilen unserer Hochschule wurde dem Jubilar am 7. November 1878 das Doctor-Diplom erneuert -und nach weiteren zehn Jahren erhielt Herr Dr. Levy von der Hochschule eine ehrende Gratulationstafel ausgehändigt. Unserer Univerfität hat der Greis seine Dankbarkeit bewahrt und derselben seine werthvollen talmudischen, radbinischen und hebräischen Schriften zum Geschenk gemacht. Den gestrigen Tag verlebte Herr Dr. Levy itn Kreise seiner Familie und Freunde. Am Vormittag sprach Herr Oberbürgermeister Gnanth dem Jubilar seine Glückwünsche auS. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde erschien in corpore, beglückwünschte seinen greifen Seelsorger und überreichte demselben eine Urkunde, der zusolge daß Kapital der Levystiflung um 500 Mk. erhöht wird. Die Rabbiner auS Darmstadt, Mainz und Worms waren hierher gekommen, um ihren Amtöbruder persönlich zu beglückwünschen. Unsere Stadtverordneten hatten ihre Glückwünsche dem Jubilar schriftlich übersandt. Zahllose schriftliche Wünsche von Nah und Fern und prächtige Blumenspenden legten Zeugniß ab, welch' großer Liebe und Verehrung sich Herr Dr. Levy erfreut. Am Nachmittag fand in „Steins Saalbau" ein Festmahl, statt. Auch wir bringen Herrn Dr. Levy, dem nunmehrigen ältesten Bürger Gießens, die besten Glückwünsche dar. •• DataillistenBerein. Wie auS dem Annoncentheil ersichtlich, ist beabsichtigt, hier nach dem Beispiel anderer Nachbarstädte einen Detailliften-Verein zu gründen. Zweck des Vereins wird sein, die Jntereffen seiner Mitglieder, insbesondere auch gegen unlauteren Wettbewerb, an der Hand des bestehenden Gesetzes zu vertreten und zu schützen. Nach eingezogenen Erkundigungen haben derartige Vereine in Frankfurt a. M., Kaffel und Siegen, trotz ihres kurzen Bestehens, außerordentlich günstig gewirkt, infoferne lieber« schreitungen in den meisten Fällen, ohne den Klageweg einschreiten zu müffen, abgestellt wurden. Angeregt durch einige Herren haben sich schon 57 Kaufleute als Mitglieder eingezeichnet und liegen nun an drei Stellen Listen zu weiteren Einzeichnungen auf, um allen Detatllisten unserer Stadt Gelegenheit zum Anschluß zu geben. In der am nächsten Montag Abend itn Einhornsälchen stattfindenden Versammlung, zu der alle bis dahin eingezeichneten Herren gebeten find zu erscheinen, sollen die ausgearbeiteten Statuten be« rathen und der Vorstand gewählt werden. Wünschen wir dem nützlichen und zeitgemäßen Unternehmen besten Erfolg. • * Darmstädter Pferdemarkl-Berloofung. In die Kollekte deS Loosegeschäftes von Richard Buchacker hier fiel ein Hauptgewinn auf Loo« Nr. 19063. Die glücklichen Gewinner sind zwei Arbeiter aus Gr.-Bufeck, welche heute Morgen nach Darmstadt abgedampft find, um ihren Gewinn einzuheimsen. ** Ausübung des Hnsdeschlags. Nachbenannte Personen haben u. A. nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Novbr. 1885 die Berechtigung, baß Hufbeschlaggewerbe ohne weitere Prüfung selbstständig außzuüben, erlangt: Heinrich Heep in Rodheim, Kreis Friedberg, Heinrich Horst in Ober- Ohmen, Kreis Alsfeld, Johannes Kaiser in Stockhausen, Kreis Lauterbach, Ernst Lehning in EckartShausen, Kreil Büdingen, Hermann Mär le in Lich, Kreis Gießen, Otto Stein in Grünberg, Kreis Gießen, Heinrich Weil in OpperShoseu, Kreis Friedberg. * • Zar Beachtung. Im Jntereffe deS Publikums sei daraus hingewiesen, daß daß Abnehmen und arteignen der Gummiringe und -Schlerfen von Bier« und Mineralwasser- flaschen nach dem Gesetz alS Diebstahl bestraft wird. * * Zum Handelskammerbericht erhalten wir folgende Zuschrift: Ja der Nr. 214 de« „Gießener Anzeiger" befindet fich ein Artikel „Zum Handelskammerbericht", in welche« der über Getreide, Landesproducte ufw. handelnde Theil bei Jahresbericht- der Großh. Handelskammer in sehr abfälliger Weise kritifirt wird. Der Einsender dieser Kritik kennt die Verhältnisse so wenig, daß er die Handelskammer als solche dafür verantwortlich erklären will, wenn nach seiner Ansicht der Bericht eines Handeltreibenden den Thatsachen nicht entsprechen sollte. Die Handelskammer übernimmt für die thatsächlichen Berichte keine Verantwortung und kann auch keine solche übernehmen, da fie nicht in der Lage ist, die Angaben der einzelnen Kauf- leute aller Brauchen zu beurtheilen und auf ihre Richtigkeit zu controlliren. Wohl aber übernimmt der Gewährsmann der Handelskammer diese Verantwortung und er hält, so sehr es ihm widerstrebt, sich über die standwirthschaftlicheu Verhältnisse auf eine Polemik einzulaffen, dem Kritiker gegenüber den Inhalt feines Berichtes aufrecht. Den Berichterstatter führt sein Beruf täglich in geschäftlichen Verkehr mit großen und kleinen Landwirthen und die Erfahrung, die er hierdurch gewinnt, befähigt ihn zu einem besseren Urtheil über landwirthschaftliche Verhältnisse als einen einzelnen Landwirth, der nur seine eigene Lage kennt. Dies hat auch, nebenbei bemerkt, seine Bestätigung darin gefunden, daß einer der größten und einsichtsvollsten Landwirthe unserer Provinz, welcher im öffentlichen Leben eine hervorragende Stellung einuimmt, seine besondere Anerkennung ausgesprochen hat, indem er dem Berichterstatter gegenüber erklärte, daß der Bericht „den Nagel auf den Kopf treffe". Die Behauptung deS Kritikers, die landwirthschaftlichen Verhältnisse seien in parteiischer Weise von dem Berichterstatter beurtheilt worden, verdient scharfe Zurückweisung. Sie beweist, daß der Kritiker nicht auf objectivem Standpunkte steht und überall da Parteien und Feinde erblickt, wo man sich einseitiger agrarischer Betrachtung nicht anschließt. Die Behauptungen des Berichts entsprechen, wie erwähnt, den Erfahrungen, welche dessen Verfasser tagtäglich macht. Derselbe hat durch seinen Beruf daS größte Interesse an dem Wohlergehen der Landwirthschaft und er hat nicht entfernt einen Grund, der Landwirthschaft parteiisch und feindselig gegenüberzutreten. Der Kritiker behauptet, daß der Preis von Weizen, Roggen und Hafer kaum jemals so niedrig als im Frühjahr 1895 gewesen sei, der Weizenpreis solle also im Mai aus 15 Mk. gestiegen und auf 14 Mk. herabgegangen sein, sür die ganze Ernte 1895. Der Weizen der 1894er Ernte'solle dagegen 15 bis 15.50 Mk. gekostet haben, mithin der ganze geerntete Weizen der 1894er Ernte ohne Unterschied der Qualitäten, der Zeit innerhalb eines Jahres und unter den verschiedenartigen örtlichen Verhältnissen! Gegen solche Behauptungen allgemeiner Natur lohnt eS nicht, zu streiten. Nach Auszeichnungen, die sich in den Büchern deS Berichterstatter- befinden, hat Weizen im Jahre 1894 von Januar bis incl. December geschwankt von 15.50 5D?E bi- herab am Schluffe des Jahres auf 13 25, 13.50, 13.60, 13.75 Mk. ES hat also ein Fallen bis zum Schluffe des Jahre- fich bemerkbar gemacht. Während im Jahre 1895 der Preis des Weizens mit 13.50 Mk. begonnen hatte, sehen wir denselben schon im Monat Mai auf 16 Mk. und nach wechselnden Conjuncturen schon wieder vom 17. Juni ab bis zum Schluffe deS Jahres auf 16.80, 16.50, 16.25 Mk. steigen. Wenn sonach in dem Jahresbericht behauptet wurde, daß der Wrizen ungefähr 2 Mk. pro 100 Kilogramm theurrr gewesen sei, so ist dies als Beweis für die Stabilität der Getreidepreise gegenüber dem Jahre 1894 vollständig richtig und insbesondere mit Rücksicht auf die Zeit, in welcher der Bericht — nach Ablauf deS Jahres 1895 — abgefaßt wurde. Sollten diese Preisangaben den Kritiker noch nicht überzeugen, so können noch weitere Beweise durch Auszüge von Märkten und Börsen beigebracht werden. So z. B. befindet sich in dem Jahresbericht für da- Jahr 1895 in dem Handelsberichte unseres größten Getreideplatzes, Mannheim, Sette 11 folgende Bemerkung: „Die Weizenpreise stiegen von Anfang Januar bis Ende Juni, find von da ob bis Ende September wieder gefallen und verfolgen dann wieder eine steigende Richtung, sie waren am Schluß de- Jahres ungefähr 2 Mk. höher als am Anfang." Hieraus folgt die Unrichtigkeit der Angabe, daß das Jahr 1895 in jeder Beziehung ungünstiger gewesen sei, als das Jahr 1894. Was die weiteren Ausführungen Über Schlachtvieh rc. anbelangt, so sind dieselben irrelevant, da dieser Gesichtspunkt willkürlich von dem Kritiker hinein- getragen ist, ohne daß der Jahresbericht hierüber Bemerkungen enthielt. Der Borwurf, daß der HandelSkammerbericht falsche Angaben enthalte, daß der Berichterstatter „gefärbt" habe, daß er die Verhältnisse parteiisch beurtheile, ist hiernach ein unbegründeter und verdient ernste Zurückweisung- eS liegt nahe, ihn zurückzugeben mit dem Hinweis, daß nirgends die Verhältnisse einseitiger und parteiischer beurtheilt werden al- in den Reihen Derer, denen der Kritiker angehört: in den Reihen fanatischer Agrarier. Darmstadt. 14. October. DaS russische Kaiserpaar beauftragte den Oberbürgermeister Morneweg, der Bürgerschast die lebhafteste Anerkennung und Befriedigung über den würdigen Empfang, insbesondere die schöne Ausschmückung der Stadt, den Lampionzug und die Serenade auszusprechen. Darmstadt. 14. October. Gewählt wurden io Darmstadt: Schmeel (neugrwählt) und WolfSkehl (ntl.), in Butzbach: Joutz (Amis.), in Reinheim: Schönberger (ntl.), In Alsfeld: Gundrum (ntl.), in WormS: Reinhart (ntl.), in Pfeddersheim: Mö Hing er, in Ried: Hechler (ntl.), in Lampertheim: Bürgermeister Glaser, in Friedberg: Iöckel (ntl.). Seligenstadt, 13. October. Der 21jährige Seiltänzer Friedrich Knie au- Renchen gab hier am Sonntag zwei Vorstellungen aus hohem Seile. Gestern Vormittag vollzog unsere Gen-darmerie die Verhaftung des Genannten. Auch dessen Begleiterin, eine geb. Bertha Wandel, wurde in Polizeigewahrsam gl dagegen wurde ein Mitreisender Komiker in Freiheit g. rss.o. Die Verhaftung erfolgte auf Grund de- in Nr. 26 deS „Eentral-Steckbrief-Anzeiger- für Deutschland" vom 30. September d. I. vom Amtsgerichte Waldsee in Württemberg erlassenen Steckbriefes wegen Be- trüge. Die Wandel, wegen desselben DelicteS verfolgt, ist nicht die Ehefrau des Knie, wie dieser angegeben hatte, son- dem dessen Geschäftsführerin. Darmft. Ztg. Mainz, 14. October. Wahlmännerwahlen. In Groß-Umstadt siegte der Antisemit Ohl gegen den Nationalliberalen Lautz, in Waldmichelbach Heidenreich (natl.) gegen Frhr. v. Dorth (Etr.) Bingen, 11. October. Zwei Knaben im Alter von 14 und 15 Jahren spielten mit einem geladenen Revolver- die Waffe entlud fich und die Kugel verletzte einen Knaben, den einzigen Sohn einer Wittwe, derart, daß er nach zwei Stunden starb. __________________________ Schwurgericht. W. Gießen, den 14. October 1896. Schluß der Verhandlung gegen Feist Sommer von Crainseld. W i lh. Heister von Herbstein hat mit dem Angeklagten Geschäfte gemacht und war demselbrn Geld schuldig. Heister verkaufte Sommer eine Kuh für den Preis von 120 Mk. ohne Gewähr. Später fei der Sohn des Sommer gekommen mit einer Depesche und habe erklärt, die verkaufte Kuh sei geschlachtet und französisch befunden, er müsse für die Kuh 70 Mk. weniger nehmen, sein Vater könne von dem Preis des ThiereS nur 50 Mk. an seiner Schuld abschreiben. Der Zeuge will fich in einer Zwangslage befunden haben und einen Proceß grscheut haben, darum habe er sich die Kürzung der 70 Mk. gefallen lassen. — Heinrich Strauch von Grebenhain erzählt, daß in Herbstein im Gasthof damals, als sich David Sommer, der Bruder des Feist, erhängte, man in erregter Weise über den Angeklagten hergezogen sei und daß einer der Männer erklärt habe, daS Feiftchen müsse in dieselbe Zelle, wo das Davidchen fich erhängt habe. — Zeuge Heinrich Strauch-Crainfeld hat vor Jahren vom Sommer mit Währschaft einen Stier gekauft, den er mit Währschaft weiter verkaufte und der beim Schlachten für französisch befunden wurde. Sommer bat ihn wegen der Schadloshaltung hingehalten, bis die Frist verstrichen war und dann hat er die Entschädigung zu zahlen abgelehnt. — Bernh. Lind von Crainfeld erinnert fich, an einem Sonntag im Winter des Jahres 1891/92 bei Sommer gewesen zu sein, als Löffler dort eintraf,- ob Blumenthal dabei war, weiß Zeuge nicht. Löffler wollte Rechnung machen. Sommer holte die Bücher -herbei und nun wurden die Parteien strittig, wegen Ochsen, die Sommer von Löffler gekauft hatte. Zeuge hat nicht wahrgenommen, daß abgerechnet sei. Zeuge ent sinnt fich, daß Sommer zum Schluß erklärt hat, er rechne mit Löffler heute nicht. Zeuge erklärt, daß er fich dem Sommer nicht als Zeuge angeboten habe, er habe Über diese Sache mit der Familie Sommer nie geredet. — Der hieraus vernommene Gasthalter Kaiser von Ilbeshausen bezeugt, daß Andrea- Löffler sein Vieh schlecht gehalten und daß es daher möglich sei, daß daS vorher theuer getaufte Vieh weniger werth geworden sei. — Joh. Kraft III. von Altenschlirf hat verschiedene Male mit Sommer gehandelt. Wenn der Zeuge mit Sommer abgerechnet, ist die- immer glatt gegangen. — Der Handelsmann Bär Strauß von Crainfeld erklärt, daß der als Zeuge vernommene Blumenthal ihm gegenüber davon gesprochen, daß er in der Wohnung des Sommer zugegen gewesen sei, als Löffler VIII da war, daß es aber zwischen den Parteien zu keiner Abrechnung gekommen sei. — Der Landwirth Karl Schottel von Altenschlirf hat mit Sommer bi- in die letzte Zeit in lebhaftem Handel gestanden, hat auch Darlehen von diesem bekommen. Manches Mal konnte der Zeuge nicht pünktlich bezahlen, Sommer hat ihn aber nie gedrängt. Er kann nur sagen, er habe keine Klage Über den Angeklagten. — Konrad Schmidt, Polizeidiener von Altenschlirf, äußert fich Über den Handel, den er mit Sommer getrieben, genau so, wie der Vorzeuge. — Ed. Schrimpf von Schlechtenwegen hat ebenfalls mit Sommer Geschäfte gemacht. Unredlichkeiten seien dabei nicht vorgekommen. Die den Geschworenen vorgelegten Fragen find gerichtet: 1. Aus Betrug zum Nachtheil des Kraft aus § 263 deS Str.-G. 2. Auf Meineind § 153 deS Str.-G. 3. Auf Untreue zum Nachtheil der Wittwe Bär auS § 266 Abf. 2 des Str.-G. 4. Auf Betrug zum Nachtheil der Wittwe Bär auS § 263 des Str. G. Nebenfrage: Liegt bei Frage 3 und 4 ein und dieselbe Handlung vor. Um 4Vs Uhr ergriff der Vertreter der Staatsbehörde, Herr Staatsanwalt Koch, da- Wort zur Begründung der Anklage. ES handele sich nicht um einen Menschen, der das erste Mal strauchele und nun abgeurtheilt werden müsse, sondern eß handle sich um einen alten, schlauen FuchS, der nun endlich ein Mal ins Eisen gegangen sei. Man werde sich fragen, wie eß möglich war, daß dem Treiben deß Sommer nicht schon früher Einhalt geschehen sei. Aber Sommer habe bei seinen betrügerischen Manipulationen sich immer seine Opfer außgesucht bei Leuten, mit denen eß wirthschastlich bergab ging und diesen Leuten fehlte, wenn fie gänzlich ruinirt, von Sommer betrogen, die Energie, dcffen dunkleß Treiben zur Anzeige zu bringen. Eß bilde aller- dingß leider die Anklage nur eine kleine Außlese der Straf- thaten deß Angeklagten, aber eß genüge, um zu zeigen, waß Sommer für ein Manu sei. Im Vordergrund stehe der Meineid. Der Staaißanwalt erörtert die rechtliche Seite deß Berbrechenß deß Meineideß, sowie daran anschließend die den Vergehen der Untreue und deß Bctrugeß. Eß sei erwiesen, daß Sommer viele Existenzen zusammengerissen. Die Beweißausnahme habe ergeben, daß Sommer bei seinem Handel keine Moral besessen, denn mit Drohungen und andere Mitteln zwang er seine Opfer, ihm zu Willen zu sein. tkRarta r:i jn Sema durch zur aflgen - Der NI üermiWkf« • Berlin, 14. Oktober. Ordern 8»«1 Dr. med. Heinrich Eckert durch Messerstiche ■ gesährlich verletzt. Dr. Eckert wurde in her V durgerstraße von Mädchen angeredet und plotz " bältern überfallen und mit dem Messer entfty!' I I Der Schwerverletzte, dem aul einigen Wan en förmlich herauöspritzte, erhielt auf der natften * wache einen Nothverband nnd wurde dann n * Klinik gebracht. Die Thäter find noch ntcht er«» ■ • Die Rene bei lefetteurl. ®« MpW« \ verließ in Mö rchingen in Lothringen ein v Montag, bet begumt und vor Zum 8tfi bet lebten drei auf hallen. £er Unit. 7 Ufr «btnbi f ft frbtn I Montag, bett richtigen f bädungtschul Wlographe tdlner, Sur Montag, den wichtigen 3 -chlossrr, Si und alle for NenStag, bei TchuiyW Unter hü Nmtn, Ditufth Intern die tu pokijeillcher Ctrl bdfrilini frMer Bekannt sieben, satt* < : 64--**" ltchen ober moralischen Lebenswandel eine- Angeklagten r ein Urtheil zu bilden, welches lediglich dazu bestiw,. . den mangelnden Beweis der Schuld des Angeklaguo ergänzen. Nicht darauf komme eß an, wie die öffrn:^ Meinung über die moralische Onalification des Mac« denke, sondern darauf, was man Thatiächliches zur Sache gehörig vorgebracht hat. Eß mangele iw Kraft der Beweis, daß Sommer habe wissen wüsie- r, Pferd fei älter als 9 Jahre. Die Anzeichen eineß 9jähnge Gaules waren nach der eigenen Angabe des Kraft bei Thiere vorhanden. Ebenso verhalte eS sich mit ter & schuldigung des Meineides. ES stehe nach der Beere:?- nähme die beschworene Aussage deS Angeklagten der eib:iß: Erhärtung des Sommer gegenüber. Der Vertheitiger an Hand der angeblichen Abrechnung nach, daß überke»^ eine Abrechnung mit einem Saldo von 320 Mk. nichr hx gehabt Haden kann. In scharfsinniger Weese verwerf hierauf der Vereheidiger noch die für den Äogrf.. - günstigen Momente der Beweisaufnahme, um der schwer Position der Anklage, dem Meineid, zu begegnen, flöt Untreue, deren der Angeklagte bezichtigt, sei nicht vorij,-?., Sein Client müsse denn erst zum Nachtheil der 8äi 8 i w gehandelt haben, und eß sei daß Gegentheil der & habe der Frau Vs pCt. mehr Zinsen verschafft, all v.t tf der Kaffe bekommen. Der Vertheidiger bittet die Geschwo.e?,! fich nicht leiten zu lassen von Sympathien unb flntipa-.Vu sondern kalt zu prüfen, ob der Angeklagte Überführt 'n hi ihm zur Last Gelegten, und wenn fie nur im Oennfir zweifeln on dessen Schuld, so müßten sie ihn sreisprechro. - Rechtsanwalt Dr. Jung richtet an die Geschworen» : Mahnung, fich nicht beirren zu lassen durch das Btitir' welches ihnen hier vorgesührt unb welche! mit lern Th« bestand der Anklage nicht daß Mindeste zu thun habe 1 öffentliche Meinung gründe ihr Urtheil auf Hörensag Schon einmal habe die öffentliche Meinung einen Juden r urtheilt, der unschuldig war, er erinnere an den Fall vuschk Xanten. Der Bürgermeister Schmalbach habe el aulbriMi: bezeugt, man habe früher dem Manne nicht bal Gene, nachsagen können. Die öffentliche Meinung sei et ft gtf ihn, seitdem sein Bruder David fich erhängt. Richt der H geklagte allein sei Schuld, wenn einzelne Leute, mit hr er gehandelt, zu Grunde gingen. Ueberschulduog, schieb Wirthschaft, Trunksucht seien seine öoncurrenten hierbei :< wesen. Der Vertheidiger geht nun aus die einzelnen f. I der Anklage über unds erklärt, daß nach seiner flnfiLt : Staatßanwaltschaft eß nicht gewagt hätte, mit io:lrt lieben Beweisen die Anklage zu erheben, wenn der ftx nicht Sommer heiße, den man anzuklagen habe. Sr hr: j. den Richtern deß Volkeß daß Vertrauen, daß fie ’Jirt sprechen werden unbeirrt um daß, waß die Menge zu o Wahrspruch sagen wird. Herr Staatsanwalt Koch erklärt hierauf, daß er . > unbeeinflußt von der öffentlichen Meinung die flrk.age trete. Eß sei ja richtig, eß wäre viel geschehen, bu t habe fich viel mit dem Fall Sommer beschäftigt, aber trat - Zeitungen berichtet hätten, baß sei wahr und erwiesen, h'4. sei ja, daß der Name deß Angeklagten keine * karte für ihn sei, denn der David Sommer, sein Bruder. sich im Unterfuchungögefängniß erhängt und sein Sohn Sommer fei, deß Meineidß überführt, zu Zuchthaus ttrur?.- Aber trotz alledem wäre man gegen den Angeklagter r vorgegangen, wenn er unschuldig sei. Herr Staat!: v Koch schließt mit den Worten: „Meine Herren, gkb-r unß die Möglichkeit, den Angeklagten von Rechtswegen = zu schicken, wo sein Sohn von Rechtswegen weilt. t,,r theilen Sie den Angeklagten unb der ganze öogel!bnr » Ihnen zujubeln." — Mit glänzender Beredsawkett spr:^ nochmals beide Vertheidiger deß Angeklagten für t': 1 netnung der Schuldfragen. Nach der Rechtßbelehrung zogest sich die Gelchw-'re zur Berathung zurück. Nach einer Stunde verkünde:! Obmann, Herr Bürgermeister Leun von Großen-Linde' $ Wahrspruch. Er lautet: Schuldig im vollen ®,nne . klage. Herr Staatsanwalt Koch beantragte hieran. a den Angeklagten auf 5 Jahre Zuchthaus als Gesamw-nr ferner auf dauernde Unfähigkeit zur Eidesleistung vn lüft der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von , - zu erkennen — Die Vertheidigung bittet um eine Hera. , der beantragten Strafe. - Der Gerichtshof Angeklagten zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und der nagten Nebenstrafen. — Um 10 Uhr war die beendet. ÄH. vÄ ‘iMtn 4 *1* bMr . lQl,e ei fli; Mt <. e8«W ' «■ D» Bttitt ,nun8 N, !:: '0 von 32Q $! . .hlt sür bn'i ^Ivahlne, i| i, elb/ zu bigtf- Mtlgt, |nr- 1 Nachtheil I 6 Gtgenihi!, *n|tn betj(tr dtger bittttii,,. ylupathiii er' Angrklagie Stnr 11 . Dfib ., AÄ SÄ" 1,1 fr«;1«:: ®Qn btn g.!z - •« JiAj °°el dl.. > " Compagnie deö Infanterie-Regiments Nr. 17 die Kaserne, in «ach Frankreich zu desertiren. Er langte deS Morgens rite im Dorfe M. des CantouS Delme an, und begab sich cl Pfarrhaus, wo er dem Pfarrer seine Noth klagte und fr um Unterstützung anflehte, da er nach Frankreich flüchten nb sich für die Fremdenlegion melden wolle. Der Pfarrer, Ißt da- Schicksal des Soldaten sichtlich rührte, suchte, da er iir Deutschen nicyt genügend mächtig war, mit Zuhülfe- rityne eine- Dolmetschers den Unglücklichen von seinem bhcitte abzubringen und zur Rückkehr in seine Garnison zu iaoegen. Der Soldat begriff auch den wohlgemeinten Rath iü Pfarrer-, aber die Furcht vor einer empfindlichen Strafe rächte ihn schwankend. Darauf erbot fich der Pfarrer, ihm ra Schreiben an seinen Compagniechef mitzugeben, worin liefe r um nachsichtige Behandlung des reuig Zurückkehrenden jlbtien wurde. Der Soldat nahm das Anerbieten dankend n und trat nach empfangener Stärkung den Rückweg nach llörchingen an. Nunmehr langte ein schmeichelhafte- Dank- IfttHbcn von dem Lompagniechef bet dem Pfarrer an. • Bozen, 14. October. Der 22jährige Mediciner Robert sikmitz an- Köln, welcher Klettertouren in den Südtyroler Dolomiten beabsichtigte, wird vermißt. Schiffsnachrichteir. — Der Postdampfer „ftenfinflion* der „Red Star Einte* tn Introerpen ist laut Telegramm am 13. Ociober wohlbehalten tn Stöieor! angekommen. Literatur und ttunft. — Von EpamerS Großem Ha«b Alla- liegen unS weiterhin iirje ung 11—22 vor. Immer mehr erweist sich daS schon wleder- sill won unS empfohlene Werk nicht allein als ein vorzügliches f-echfchlagiwerk, sondern auch als ein Bildungsmittel von dauern- ktn Merih, das man jederzeit mit Interesse zur Hand nehmen wird, kit onst nirgends gebotene Vereinigung der Karten eines großen OtuhatlaB mit einem von einem ausgezeichneten Fachmanne be- niet den Abriß der Geographie mit Hunderten von kleineren Detailmd Uebersichltzkarten ist in ganz besonderem Maße geeignet, an- nzettd und tnstructtv zu wirken, und dürfte für Viele, ja die meisten, itn besitz eines derartigen Werkes erst wirklich fruchtbringend ge- tallen. Die Karten sind wie tn den früher erschienenen Lieferungen durchaus sauber und deutlich gestochen und befc irckvoll in der Farbengebung. Mit den zahlreichen Texikarten bürften solche wie „die RechtSgebtete deS Deutschen Reichs", „Verhältniß der landwirth. fchaftltchen zur gewerblichen Bevölkerung",,,Deutsch-polnische Sprachgrenze in Schlefim und Posen", „Erdb.bm und Vulkane tn Italien", „Verbeitung deS Weinbaues in Frankreich", „Culiurkarte von Afrika", ,.Culiurgrenzen und MtnerallagerstLiten in Sibirien", „Brunnen und Oasen in der Sahara", „Ausbreitung der Europäer tn Asten" u. a. besonders interesstren. Die kleine Auslese zeigt übrigens schon die ungemeine.Btelsettigkeit der Behandlung. Möge daS prächtige Werk, das sich noch dazu durch einen (ehr billigen Preis auszeichnet (drosch, nur 16 Mk.), die weiteste Verbreitung finden. — Die «omanwett. Zettschrist für erzählende Literatur aller Völker. 4. Jahrgang. ES liegt uns daS erste und zweite Heft deS neuen Jahrganges der „Romanwelt* vor, dieser vornehmen, unterhaltenden Zeitschrift, die jetzt von Otto Neumann-Hofer und Felix Heinemann berausgegeben wird und ein rechttgeS Wort des Lobes verdient. Da« ungeschickte Hochquart ist einem bequemen und handlichen Lexicon-Octav gewichen. So viel über das Aeußere der tn verschönertem Kleide wieder erscheinenden Zeitschrift. Was das Programm anbclangt, so bleibt es das alte: nämlich nur werth- volle und gediegene Lectüre zu vereinigen und dem wahrhaft gebildeten und btldungsbedürsttgen Thetle des Publikums darzubieten. So wird denn die „Romanwelt" in ihrer reizenden neuen Aus- stattung voraussichtlich mehr als je ein Schmuck des Büchertisches im gebildeten deutschen Bürgerhaus sein. Gottesdienst in der Synagoge. SamStag ben 17. October. Vorabend 5 Uhr, Morgens 9 Uhr, s Nachmittags 3 Uhr, SabbathauSgang jP» llfrr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft, | Freitag Abend 515 Uhr, Samstag Vormittag 8» Uhr, Nachmittag 3 Uhr, SabbathauSgang 6“ Ubr. Nachmittag 2U Uhr Schrifierklürung. Wehsteingasse 8. Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends 5 Uhr. Verkehr, Canö» und VolkrwLrthschaft^ 14 October. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 13,60, weißer Wetzen X 13.30, Korn X 9 65, Gerste X 7.50, Hafer X 5.60. WttterrmgSbericht vom 14. Oetober. Ueber dem Norden Europ«S, woselbst der Luftdruck sehr erheblich zugenommen hat, lagert heute ein intensives Müximum, desim Kern nicht mehr als 785 Mm. Barometerstand nördlich von Stockholm zu ernennen ist. Gegen Süden zu nimmt der uck verhältniß- mäßig rasch ab und hat sich, soweit es die ma. vaflen Nachrichten auS Süd-Europa erkennen lassen, über dem Mlttdmeer-Gebtete eine Depression gebildet, lieber Süddeutschland und Böhmen ist ein secundärer Luftwirbel zu erkennen. An den Flachlandsta'.ionen wehen leichte nördliche bis nordwestliche Winde, während an den Hochstationen, die über die Nebeldecke binauüragen, südliche Winde herrschen. Boieav-KchtliHr Sittennidi Vorwiegend trübe«, kühles Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. Verfälschte schwarze Seide. StÄ des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort (namentlich glimmen die „Schußfäden* weiter, wenn sehr mtt Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Die Seide«- fabrirm G. Henneberg (k. u. k. Hoflieferant) Zurich versenden gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefern einzelne Roben und ganze Stücke porto- und steuerfrei Ins Haus- 8694 300 Karten. 130 Chromo». 980 Tafeln. | 14. Auflage. Jubiläums - Ausgabe. Brock haus’ Soeben erscheint! en° fit BJI - ifcttn fit isch- t all dll W J las!» Ntet unb wtltti t la Rlnbtfit |o UlP ttiTi t MtimlqmM imolboi ::ti ti ■ 1 Mavoi H hl ichk AiMs I» !7 fich errängt. i tlnitlnt Latt: . lltbn'MV- ! Goncurnnttn: m W t\njc nat) Ititc. >ari M, * i nhtbtn, w. aniuUagtn SBtrtxautn ( h war bit I i** # ■ KK I । fluf u W'' ft** edlatt i- n Meim irt »Ul! unter bM (ei ivahlL' igeUagten *1*^, «!!" Me hi-: Haßten t*"; i nb drr 6(8 8161 w* M od) bl* qllchia^ °L. "Vrfiill'i”6'' idüii»“ BerannttnachNAg. In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hier- ■iur^ zur allgemeinen Kenntniß, daß die 9V Fortbildungsschule Mvmtag, den 19. October l. I., im Stadtkuabenschulhaufe Beginnt und von da an wöchentlich zweimal abgehalten wird. Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während kt ätzten drei Jahre aus der Volksschule entlasten wurden und sich hier iGwlten. Der Unterricht findet von 3 bis 5 Uhr Nachmittags, bezw. 5 bis ~1 ll|ir Abends statt. Es haben sich einzufinden: Momtag, den 19. October, Nachmittags 3 Uhr: Alle schul- : pflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische Fort- IbildungSschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, 'Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, ! Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker. Romtag, den 19. October, Nachmittags 5 Uhr: Alle schul- spflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackirer, Tapezirer, Mechaniker mnb alle sonstigen Bauhandwerker. Liemstag, den 20. October, Nachmittags 5 Uhr: Alle übrigen Schulpflichtigen. Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksschulgesetzes, wonach Lehr- tynecn, Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und -ltbs:tern die zum Besuche der Fortbildungsschule nöthige Zeit bei Meidung plisi iltcher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, so- M hie betheiligten Eltern, Vormünder rc., den Schulpflichtigen von vor« Urtder Bekanntmachung rechtzeitig Kenntniß geben zu wollen. Gießen, den 14. October 1896. Für den Schulvorstand: 9159 Gnauth, Hahn, / Oberbürgermeister. Fuhr, i Oberlehrer. Iloncmsverfahren. 3n. dem Concursverfahren über das Kmögen der Firma A. Bachrach ld Gießen ist zur Abnahme der Sk^lnßrechnung des Verwalters und ||i «Lrhebung von Einwendungen gtjin. das Schlußoerzeichniß der bei tfr Vertheilung zu berücksichtigenden Kirrungen u. f. w. der Schluß- i tentm auf Freitag den 13. No- .1 Weber 1896 , Bormittags : 116 Uhr, vor dem Grobherzoglichen ? »Gerichte Hierselbst bestimmt. Siießen, den 14. October 1896. Orth, 9137 • Sr.chtsschreiber des Gr.AmtSgerichtS. Vttanntmachung. >. dem Concurs über das Ver« • »':rnr der Wittwe des Revisors ZckmS Schäfer, Katharina, A Bier au, zu Gießen wird das . W'äihren, da eine den Kosten des- : 'i'ükm entsprechende Maste nicht vor- JjicieiLi ist, hiermit eingestellt. A'ivßen, den 10. October 1896 MoßherzoglicheS Amtsgericht. gez. Neuenhagen. Bekannt gemacht: si38 Orth, Gerichtsschreiber. Margarine FF """Ba'hrrnfUd^*' i» Pfund 70 Pfg., empfehlen 9130 A. & G. Wallenfels, _______Markt 21. — Telephon 46. Frisch eiugetroffene la. Frankfurter Würstchen empfiehlt 9151 Chr. Wallenfels, Marktplatz 17. Pelzwaaren in großer Auswahl in den neuesten Formen von den billigsten bis zu den feinsten, besonders in Capes, Schulter * Kragen , Muffen, Damen- und Kinder-Baretts, jede Art Besatz rc. rc. empfiehlt H. Rübsamen. Umänderungen und Reparaturen, sowie jede ins Kürschnerfach ein- schlagende Arbeit wird bestens ous- geführt. 9131 Neues KuchMiMMhl empfiehlt 9073 J. M. 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Koch, König!. Förster a- D, PSmbfen, Post Nieheim (Westfalen) Verloren u. Gefunden. 9134] Zugelaufen ein Teckel. Abzuholen W«tzstei«gafse 22. Giessener Stadttheater. (Wallthorstrasee 38 ) Kreitag, den 16. Oktober IvvSr Erstes Auftreten von Fräulein Clara Leno vom Breslauer Stadttheater. Die Orientreise. Schwank in 3 Acten von O. Blnmenthal und S. Kadelbnr-. ^StellenJXngeboteTJ 91ö8| sehr braver, tüchtiger Bäckergehilfe sucht unter bescheidenenAnsprüchcn alsbald St■ Publikum unaufgefordert zugesandt werden, sind bet uni in Mffti d*»1 denselben Preisen zu haben. rascheumeffer imit. SchilddiaU, lflJ. 4 1 kleine Klinge, vergold. Korkzieher, A 1.20: Scheere, geschmiedet. oerzoio A 1 —; Rastrmeffer, bohl geschliffen, A 175. Nach auswärts bet 2 Stück ebenfalls franco .—i 9144 Bruder Schmidt, Stablwaarenhandlung, Linie A Marburgerftraße—Bahnhof und zurück Linie B Gründergerftratze -Bahnhof und zurück. 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