1S96 Mittwoch den 15 Juli Ur- 164 Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren Gratisbeilage: Gießener Aamitienötätter 6084 \ retheüt 2952 iraörir™ sehen* lin’B Haus. 'eonig. 3631 I* «»nähme von Anzeige» zu der Nachmittag- für de» fügenden Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Alle «nnoncen.Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen ■Gesellst loydM Der Gesetz-Entwurf, betr. den Besuch von Tauz- belusttgungen und Wirthschaften von Seiten jagend- sicher Personen, wurde bekanntlich von Zweiter Kammer abgelehnt. Der berichtende Ausschuß beantragt Nichtbettritt zu diesem Beschluß. Präsident Fürst zu Isenburg-Büdingen kann diesem Gesetz-Entwurf nicht zustimmen. Durch den- selben würden insbesondere auf dem Lande alte Traditionen und Gebräuche zerstört. Er selbst habe ländlichen Festen beigewohut, bei denen Alt und Jung getanzt habe, aber selbst der strammste Sittenrichter hätte hier nicht tadeln können. Er könne es nicht auf sich nehmen, daß man sage, er habe sich daran betheiligt, dieses Gesetz zu Staude zu bringen. Graf Laubach, Freiherr von Heyl, Präsident Gold- mann und Prälat Habicht sprechen sich für ein solches Gesetz aus, das dazu bestimmt sei, jugendliche Personen vor Verführungen zu schützen. Freiherr von Hehl verweist auf die Schweiz, wo durch die Abstimmung des Volkes ein der- artiges Gesetz erlösten worden sei. Gegen die Stimme des Fürsten zu Jsenburg-Büdingen findet sodann das Gesetz die Annahme des Hauses. Die Rückäußerung Zweiter Kammer bezüglich der Anstellung weiblicher F abrikinspectorinnen, des Gesuchs der hessischen Mitglieder des deutschen Kriegs- und Friedens- Invaliden-Verbandes um Steuerbefreiung und Peu- sionserhöhung sowie das Gesuch des pensionirten Oberwachtmeisters K. Gieß zu Romrod und des GestütSdienerS i. P. Lohr in Darmstadt um Pensi ons serhöhung wird conform den Anträgen Zweiter Kammer genehmigt. Der von dem Abg. Wasserburg in der Zweiten Kammer gestellte und dort abgelehnte Antrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes gtebt heute wieder Veranlaffung zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem BischofHaffner und dem Staatsminister Finger, Präsident Goldmann, Prälat Habicht und dem Grafen zu Laub ach. Letzterer weift darauf hin, daß der Jesuitenorden gegründet und von der katholischen Kirche geschützt worden sei, nur um die evangelische Kirche zu bekämpfen. Er beantragt Ablehnung des Antrages. Prälat Habicht weift auf die Christenverfolgungen durch die Jesuiten hin und giebt dem Hause einige Proben aus der Moraltheorte deS JesuitenpaterS Gurh zur K-nntniß, dessen Lehrbuch in dem Seminar in Mainz eingesührt sei. Präsident G o ldmann spricht sich mit Entschiedenheit für Ablehnung des Antrages aus. Bischof Haffner sucht die Darlegungen deS Prälaten Habicht zu widerlegen und bezeichnet die über die Jesuiten verbreiteten Anschauungen als Märchen, Eine chinesische Mauer möge man um daS Großherzogthum bauen, daun würden die Jesuiten doch kommen. ES würde dem hohen HauS zur Ehre gereichen, wenn eS für Aufhebung dieses abscheulichen Gesetzes eintrete. Sei dies nicht der Fall, so beantrage er, Großh. Regierung zu ersuchen, für Aufhebung deS JesuitengesetzeS Mitwirken zu wollen. — Staatsminister Finger steht nicht au, auch in diesem Hause zu erklären, daß er niemals den Hessischen Gesandten instruiren werde, daß er für Aufhebung deS JesuitengesetzeS eintreteu möge. Das Gesetz sei ein dauernder Protest gegen die Jesuiten. Gegen 4 Stimmen wird der Antrag abgelehut. Ebenso der Antrag deS Bischofs Haffner. Schluß der Sitzung V82 Uhr. Morgen Sitzung. putation der deutschen RetchSavgehörigen statt, welche eine Glückwuuschadreffe zur KrönungSfeier überreichte. Um 4 Uhr Nachmittags kehrten die Osfiziere und Cadetteu nut dem kaiserlichen Dampfer „Possilnh" nach dem Schulschiffe zurück. _____________ Wolff* telegraphisch-» Lorrespondenr-Burum. Lardalsore», 13. Juli. Während deS Sonntages lag die „Hohenzolleru" bet Marifjären 'vor Anker. Vormittags hielt der Kaiser den Gottesdienst ab. Den ganzen übrigen Tag widmete er der Erledigung von RegierungSgeschäfteu zu dem Abends abgehenden Courier. Nachmittags fuhr die „Hohenzollern" nach Lärdalsören. Heute Vormittag unternahm der Kaiser einen längeren Spaziergang an Land. Auf die Nachricht, daß der französische Dampfer „Chanzy" bet Faroe auf Grund gefahren sei, befahl der Kaiser am SamStag Abend dem „Gefion", dem Dampfer zu Hilfe zu kommen. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen ist eS nun heute geglückt, den Dampfer abzuschleppen. Petersburg, 13. Juli. Heute Morgen kamen auf der Station Alt-Peterhof die Offiziere und eine Anzahl Cadetten der deutschen Schulschiffe unter Führung der Commandanten Ahlefeldt und Thiele au. Die Osfiziere wurden von der Station in Hofequipagen abgeholt. Sie machten eine Spazierfahrt durch die Parkanlagen in Peterhof und frühstückten dann im alten Schloß Peterhof. Nach dem Frühstück wurden die Offiziere und Cadetten in Hofequtpageu nach dem KaiserpalatS gebracht, woselbst fie dem Kaiser vorgestellt wurden. Bald darauf fand die Vorstellung der De- Vierteljähriger JU)0»»emenBptcU * 2 Mark 20 Pfg. mtc Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Nedaction, Lxpedttio* und Druckerei: Schulstratze Hkr.l, Fernsprecher 51. & & Petry, affe 31. "Us aPourklim, dH ' «itzt mH dmjmigrtt Mb wir auch niemals Sfführi, au» jetzt nicht ifetmann günstige Ge- e Waarm zu billigen D. 0. Dspssch« bi» »«reo »fcaalb* Berlin, 13. Juli. Die „Nordd. Allgem. Ztg." sagt zu dem Artikel der „Köln. VolkSztg.", wonach neuerdings Söhne von Postunterbeamteo, auch wenn sie ein gutes Abiturienten- Examen gemacht hätten, von der Postverwalung als Postelev en nicht angenommen würden, weil der Vater Unterbeamter fei: Die Annahme von Posteleven ist lediglich Sache der Ober-Post-Directionen. ES besteht keinerlei Bestimmung, nach der die Annahme von Söhnen von Unterbeamten anders zu beurtheilen wäre, als die von Bewerbern aus höheren Gesellschaftsklaffen. Berlin, 13. Juli. Wie das „Kleine Journal" au« Paris erfährt, hat sich Fritz Friedmann mit seiner Geliebten und einem Stenographen nach einem französischen Seebade begeben, um daselbst sein Buch: „Unfreiwillige Muße" zu schreiben. Hannover, 13. Juli. In der letzten Nacht wurde der Maschinenmeister AhreuS von der chemischen Fabrik der EggerSdorser Salzwerke von Arbeitern erschlagen. Lohndifferenzen sollen der Grund dieser That sein. Düffeldorf, 13. Juli. Der „Düsseldorfer Gen.-Anz." meldet, daß die Apotheke deS Ho möop athen vr. Vol- beding auf Anordnung des CultuSministerS geschloffen und die Medikamente beschlagnahmt worden find. Bonn, 13. Juli. Wegen eines Streites wurde heute in Plittersdorf ein Knecht durch Faustschläge gegen die Schläfe getödtet. Leipzig, 13. Juli. In Auergrottendorf hat sich am SamStag Abend eine entsetzliche Familien-Tragödie zugetragen, welcher drei Menschenleben zum Opfer gefallen find. Die Ehefrau des WetnzapferS Schtpke hat ihre beiden Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren durch Erhängen umgebracht und sich dann selbst getödtet. AuS hinterlaffenen Briefen geht hervor, daß die Frau die That wegen ehelichen Unfriedens begangen hat. München, 13. Juli. Die Ehe des Professors Lenbach ist heute von der ersten Civilkammer des Laud- geiichtS I getrennt worden. Die Kosten wurden der Frau Lenbach wegen böswilligen VerlaffenS auferlegt. München, 13. Juli. Ein seit dem 3. d. MtS. ver- mißteS Liebespaar, ein 23jährtger Schlosser und eine 19jährige Büglerin, wurde gestern Nachmittag in der Isar aufgefunden. Die Beiden waren an den Hüften mit eine« Strick zusammeugebunden und hielten fich eng umschlungen. In einem bet ihnen vorgefundenen Briefe bitten fie um ein gemeinsames Grab. Wien, 13. Juli. Gutsbesitzer Brabek in Udvar erschoß seine Frau und fünf Kinder und daun fich selbst aus unbekannten Gründen. Tranteuau, 13. Juli. Infolge Umstürzens einer Schtebe- leiter wurde während des GaufesteS der Feuerwehr ein Mann getödtet und zwei andere schwer verletzt. Budapest, 13. Juli. In Tapolesa find 56 Wohn- und viele WinhschaftSgebände niedergebraunt. Mehrere Personen werden vermißt. Neapel, 13. Juli. Der Kegel deS Vesuvs, der wieder in voller Thättgkeit ist, gleicht einem Flammenmeer. Infolge der thalwärtS strömenden Lava ist die Verbindung de« Observatoriums mit der untersten Station der Drahtseil- dahn bereit« unterbrochen. Parts, 13. Juli. China widersetzt fich dem Project einer Eisenbahn nach der russischen Grenze. Der HauptverhaudlungSpunkt mit Lthung-Tschaug bezog fich auf die Schaffung dieser Bahn, zu der die rusfischen und französischen Finanziers die Mittel gezeichnet hatten. London, 13. Juli. Die „Morntug Post" bespricht den Artikel der „Hamb. Nachr." betreffend den Dreibund und meint, der letztere scheine seinem Ende entgegen zu gehen, seine Auflösung stehe bevor. Deutschland kehre zur Politik BtSmarckS zurück, d. h. zur Freundschaft mit Rußland und lege dabei gleichzeitig den Grund zur Verständigung mit Frankreich. Loudon, 13. Juli. Wie aus Schoa gemeldet wird, hat König Menelik erklärt, trotz seiner tiefsten Verehrung für den Papst müsse er dessen Wunsch auf Freigabe der italienischeu Gefangenen so lange verweigern, bis zwischen Abeffynteu und Italien ein Friedens- und FreundschaftS- bündniß abgeschloffeu sei. Erstes Blatt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, Wil Ausnahme deS Montag«. Die Gießener M«Witte«btLtter »etben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. fllt 5 ‘ t frei in’» 08 Gießener Anzeig er Generat-Wnzeiger. k geben wir unser chatt e Unterziehzeuge, Kttcn, Shltzsr, rünberg — mdernahnmg a!8 bi vollkommen»« aller lüMchea empsoslcn. : tmb Awr.titoii. WrM mbitbme. 1 Itei ««»■ i Erbrechen "d Turchiall. M and erjnit die in dey-lbeu lehiende» mbtn Stoffen. M genommen 0 W IM- der K°-rmi,ch glimmende ibßl. 94: rhrtnSlM. ien »er Ma « 1185____ Juli. "d A 0,35. 0 60- °-70 bis W. 1J etUn*O,5oJ >on % l.oo an. u"Pguug eintreteu Aus de« Verhandlungen der Ersten Kammer der hessischen Stände. nn. Darmstadt, 13. Juli 1896. Unter dem Borfitz deS Fürsten zu Isenburg- Büdingen trat heute die erste Kammer der Stände zu mehreren Sitzungen zusammen. Die Sitzung wird um halb 10 Uhr eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung pellt der Staatsminister dem Hause den Regierungsrath v. Biegeleben als technischen Referenten vor. Nach Be- kanntgabe neuer Einläufe erfolgt die Berathung der Vorlage der Regierung wegen Herabsetzung deS Zinsfußes bet Darlehen aus der LaudeScredttkasse. Die erste Kammer tritt den Beschlüffen zweiter Kammer bei. Ebenso bezüglich de« Gesetzentwurfs wegen Herabsetzung der TilgungS- qnote. Die Vorlage der Großherzogl. Regierung, Erlaß eine« Neuen Kunftstraßengesetzes, gibt zu einer längeren Debatte Veranlassung. Zunächst ist eS Graf zu SolmS- Laubach, der fich gegen die von der Regierung geplanten Stetnlagerplätze in den Waldungen wendet. Dadurch würden die Privatbesitzer von Wald schwer geschädigt. Er beantragt Strich derselben. — Oberbaurath Schäffer steht auf dem Standpunkte, daß dieselben unbedingt nöthig sind. Die Regierung werde diese nur da anlegeo, wo sie eß für erforderlich halte. — Fürst zu Jie nburg-Birstein spricht fich ebenfalls gegen diese Lagerplätze aus. — Commerzienrath Oehler ist für Beibehaltung der Fassung, wie fie von der zweiten Kammer angenommen wurde, und wird demgemäß beschlossen. — Weiter findet eß Graf zu SolmS-Laubach bei Art. 34 und 44, die davon handeln, daß von jetzt an bei den Kreißämtern je ein Kreißbaumeister dem KreiSrathe beigegeben werden soll, der die Leitung deß Straßenbau- tvesenß übernimmt, nicht für gerecht, daß man die Kreißtechniker, welche fich doch in allen Stücken deß Straßenbaueß bewährt haben, so ohne Wettereß bei Seite setze. Eß empfehle fich doch hier nicht, Leute, die fich in der Praxis glänzend bewährt, akademischen Beamten unterzuordnen, die erst Beweise ihrer Tüchtigkeit abzulegen hätten. Hier müsse ein Uebergangsstadtum geschaffen werden, um besonders be- fähigte Kreistechniker an Stelle der Bauinspectoren zu ver- wenden. — Ministerialrath vr. Schäffer hebt die Schwie- rigkeit einer derartigen Organisationsänderung hervor. Der jetzige Straßenbau gehöre in die Hand eines akademisch gebildeten Technikers. — Regierungßrath v. Bi ege leb en hält die durch den neuen Gesetzentwurf festgelegte Stellung her Kreißtechniker für entschieden bester als seither. Außer einer Aufbesterung der Gehalte würden diese jetzt Staatsbeamte, was fie seither nicht waren, und würden dadurch penfionßsähig. Mehr zu thun, müste die Regierung entschieden ablehnen, um die ganze Organisationsfrage nicht zu gefährden. — In gleichem Sinne spricht Finanzminister Stber. — Freiherr v. Heyl weist auf die guten Er- sahrungen hin, die man mit den Kreißtechnikern gemacht habe. Er halte eß ebenfallß für eine Zurücksetzung, wenn man jetzt die Kreißtechniker kurzer Hand neben hin lege. Er verweist dabei noch auf den Kreißtechniker Häußler in Michelstadt, der selbstständig die schwierigsten Straßenbauten außgeführt habe tmb jetzt zum Hilsßarbeiter degradirt werde. — Graf zu Solmß-öaubach hält trotz den Erklärungen vom Regie- rungßtische seinen Antrag aufrecht, der zur Berathung dem Außschuß überwiesen wird. Im Weiteren findet der Gesetzentwurf die Annahme des Hanseß. Ebenso ohne Debatte der Gesetzentwurf, den Schutz der Heilquellen im Großherzogthum betreffend, nach dem Beschluß der zweiten Kammer. Bezüglich deß Gesetzentwurfeß, daß oberste Ber- waltungsgericht betreffend, hat die zweite Kammer be- schloffen, nichtjuristische Personen von der Berufung in daß- selbe außzuschließen. — Namenß des berichtenden Ausschusses beantragt Commerzienrath Michel die Zuziehung nicht- juristischer Personen in Steuerfragen. Nur müßten bei Be- schlüffen und Entscheidungen die Mitglieder des Berwaltungß- gerichtßhofß in ihrer Zusammensetzung der Mehrheit nach die Dualität deß Richteramtes besitzen. Auf Empfehlung der Annahme des Antrages durch Ministerialrath v. Krug wird derselbe einstimmig angenommen. Die Regierungsvorlage, Herstellung des Re- zierungsgebäudes, Neckarstraße 3, sowie tauschweise Abtretung von Gelände in der Gemarkung Vilbel, wird genehmigt, dagegen einem Gesuch der Katharine Michel- wann zu Hain-Gründau, Nachangeleg enh eit betreffend, »ad dem Gesuch deS Metzgers Leopold Baum IV. von Alzey «m Unterstützung, keine Folge gegeben. Berlin. 14. Juli. Wie aus Lauterberg den „Berl. , Neuest. Nachc." gemeldet wird, bessert fich das Befiaden deS Gouverneurs Major v. Wißmann langsam aber stetig. Berlin, 14, Juli. Die Arbeiten für den Bau deS Elbe- Trave Canals find an die Firmen C. D eh ring in Hamburg und Philipp Holzmaun u. Co. in Frankfurt a. M. vergeben worden. Berlin, 14. Juli. Eine allgemeine Handwerker- Conferenz Nord- und SüddeutfchlaudS zur Berathung deS in Kürze zu veröffentlichenden Organisations-Entwurfs, betr. das Handwerk, ist für Anfang September tu Ausficht genommen. Pest, 14. Juli. Der liberale ReichSrathSabgeordnete Graf Stefan Sztaray wurde gestern in seinem Zimmer in Nagymthaly ermordet aufgefunden. Details fehlen noch. Odessa, 14. Juli. In der Eisenhütte zu Nischnt Ter- zinSkt fand eine Hochofen-Explosion statt. 13 Arbeiter wurden getödtet, 10 schwer verletzt. Darmstadt, 14. Juli. Zum Bau eines sechsten Badehauses zu Bad-Nauheim ist der zweiten Kammer eine Regierungsforderung von 460000 Mk. zugegangen. WB. Budapest, 14. Juli. Nach Blättermeidungen ist Reichsrath-abgeordneter Graf Stefan Sztaray zu Nagy- Michaly io vergangener Nacht ermordet worden. Der Mörder schoß durch das Fenster auf den im Bett liegenden Grafen, welchen er tödtlich verletzte. Verdächtig ist ein ent- laffener Beamter, welcher anscheinend einen Racheakt verübte. CocaUs nnö protHnjicUcs, Gießen, den 14. Juli. * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donuer-tag den 16. Juli 1896, Nachmittags 3x/2 Uhr pünktlich: 1. Die Uebersicht üver die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule Gießen für 1895/96. 2. Gesuch der Großh. Direction der Oberhesfischen Eisenbahnen wegen Entwäfferung. — 3. Gesuch deS Emll Schwall um Erlaubniß zur Anbringung eines Firmenschildes. 4. Desgleichen des Otto Schmidt zur Anbringung einer electrifchen Uhr am Hause Marktstraße 1. 5. Baugesuch der Firma Heyligenstaedt u. Comp. für die projectirre verlängerte Liebig- straße. 6. DeSgl. deS Heinrich Wtnn für die Hofmann- straße, Ecke der Hollergaffe. 7. Ausbau deS Riegelpfades. 8. Beschaffung von Zerchenschränken für den Sradtgeometer. 9. Wirthschaftsplan über die Waldungen der Stadt Gießen für 1897/98. 10. Gesuch der hiesigen Ztegenbefitzer, betr. das Halten eines Ziegenbock«- hier: Gewährung eines Zuschusses. 11. Einrichtung eines städtischen Arbeitsnachweises. 12. Die Ferien der Stadtverordnetenversammlung. 13. Gesuch deS Carl Euler um Ertheilung der Erlaubniß zum WirthschaftSbrtrieb im Hause Hammftraße 16. 15. DeSgl. des Daniel Wichard im Hause Hammftraße 14. R ** Rudersport. Die Meldungen zu der am 26. Juli stattfindenden sechsten Ruderregatta find vorzüglich ausgefallen und versprechen mehr als je zuvor scharfe und intereffante Kämpfe im friedlichen Wettstreite auf unserer immer mehr Anklavg findenden Regattastrecke. Nicht weniger als 30 Boote mit 140 Ruderern find gemeldet und zwar in folgender Zusammenstellung: Vierer, Wanderpreis der Stadt Gießen: 1. Mainzer Ruderveretn, 2. Frankfurter Ruderclub. Zweiter Vierer: 1. Gießener Rudergesellschaft, 2. Oberrader Rudergesellschaft, 3. Offenbacher Ruderverein, 4. Offenbacher Rudergesellschaft „Undine", 5 Frankfurter Ruderclub, 6. Würzburger Ruderverein, 7. Frankfurter Ruder- gesellschast „Sachsenhausen". Einser, Lahnpocal: Gießener Rudergesellschaft (A. Oßmann). Junior Vierer: 1. Frankfurter Ruderclub, 2. Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen", 3. Oberrader Rudergesellschaft, 4. Mainzer Ruder- verein. Zweiter Einser: 1. Gießener Rudergesellschaft (Conr. Rübsamen), 2. Würzburger Ruderveretn (Georg Schwarz). Dollenzweier: 1. Kreuznacher Ruderveretn, 2. Oberrader Rudergesellschaft. Anfänger-Vierer: 1. Frankfurter Ruderclub, 2. Frankfurter Rudergeseüichaft „Sachsen- Hausen", 3. Offenbacher Rudergesellschaft „Undine", 4. Kreuznacher Ruderverein, 5. Wetzlarer Ruderclub. Dollenvierer: 1. Gießener Rudergesellschaft, 2. Offenbacher Ruderveretn. Achter, GroßherzogSpretS: 1. Frankfurter Ruderclub, 2. Wetzlarer Ruderclub, 3. Oberader Rudergesellschaft. • * Kirchen Eoucert. Am Freitag Abend wird der Evangelische Kirchen-Gesang-Verein sein« Sommer- Aufführung in der JohauneSktrche halten. Dieselbe bringt eine Reihe von Chorgesängen auS älterer und neuerer Zeit- zunächst eine Choral-Motette von Johann Michael Bach (1648 bis 1694), einem Oheim deS berühmten Jobann Sebastian Bach, welch' letzterer die Tochter des OheimS, Marie Barbara, heirathete. Die Motette des wackeren Organisten, der zu Gehren bet Arnstadt gewirkt hat, flicht den in vierstimmigem Satz gehaltenen Spruch: „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde" — mit dem Choral: „O Jesu Chrtste, Gottes Sohn „zu einem kunstvollen und wirksamen Ganzen zusammen. ES folgen zwei vierstimmige Choräle im Satze deS Erzvaters der Harmonie, I. S. Bach, sodann zwei Compofitionen desselben Meisters, die in dem Schemelli'schen Gesangbuch von 1736 enthalten sind, die eine („Liebster Herr Jesu, wo bleibst du so lange?) ein Lied voll inniger Sehnsucht und wehmüthiger Klage, die andere („Kommt, Seelen, dieser Tag") ein schwungvoller, matfrtscher Pfingft- gesang. Endlich bringt der Chor eine Compofition deS bekannten geistlichen Volkslieds „Schönster Herr Jesu" von Otto Scherzer, deren seingesügter contrapunkrischer Bau und edle Haltung den vornehmen Tonsetzer bekundet. — An Solo- Gesängen enthält das Programm zwei „Biblische Bilder" von Eduard Laffen, dem auch hier aus seinem Zusammenwirken mit Buff - Gießen wohlbekannten Weimar- fchen Tonmeisters, der fich in den lieblich anmuthenden Stimmungsbildern („Berg des Gebets", „Bethania") von der I liebenswürdigsten Seite zeigt. Besondere Bereicherung erfährt das Programm durch die gütige Mitwirkung des Herrn Profeffor Or. Krüger, welcher uns durch den Vortrag zweier Blolincompofitionen (I. S. Bach, Le Clair) erfreuen wird. Die sterS mit besonderer Sympathie begrüßte Chorschule wird nebst dem Gluck'schen Gesang („Äih' auS Deines HimmelShöhn") eine englische Weise („Herr, bleib bei unS") ingen, und endlich Herr Organist Trautmann das Ganze mit zwei Orgelvorträgen (e-Äur-Präludium von Bach, Fuge von Mendelssohn) in den würdigen Rahmen etnfaffen. Die Leitung des Ganzen hat Herr Geh. Kirchenrath D. Köstlin Übernommen. Steinl Garten. Nächste Woche wird fich die Piston- virtuofin Frl. Sophie Branden hier hören laffen. lieber die künstlerischen Leistungen der Genannten schreibt die „Köln. VolkSztg." u. A.: „DaS Flora Concert vom vergangenen Sonntag Nachmittag dürfte alle Zuhöhrer in hohem Maße befriedigt haben. Ein Genuß ganz eigener Arr wurde durch das Auftreten der Solistin auf dem Cornet ä Piston, Frl. Sophie Branden, geboten, und die Vorträge fanden reichen, ungeteilten Beifall. Die junge Dame bewies sich als Meisterin ihres Instrumentes, verfügt Über eine hervorragende Technik, und, fern von dem Bestreben, nach Effect zu Haschen, weiß sie den Tönen, auch in den höchsten Lagen, einen Schmelz und Wohllaut von ungewöhnlicher Schönheit zu verleihen. Mit großer Feinheit und Exaktheit der Au«- ührung verbindet sie verständnißvolle Auffassung und Wärme )eS Ausdrucks. Ganz besonders gilt dicS von dem ewig chönen „Verlassen bin i" von Koschat, das als Zugabe türmischen Beifall fand. Fräulein Branden wird noch in vier Concerten auftreten'" * • Säuger-Vereinigung Gießen. Zn dem Concert am Donnerstag den 22. d. MtS., auf welches wir schon wiederholt in unseren Spalten hingewiesen Haden, find nun alle Vorbereitungen erledigt. In den Proben wird seit Wochen schon mit emsigem Fleiß gearbeitet und Dirigent wie Sänger wetteifern miteinander, um das Concert wirklich zu einem Concert zu gestalten. DaS ist auch mit ein Grund, weshalb man davon abgesehen hat, daS Concert im Garten bei einem Glase Bier abzuhalten. Ein anderer Grund war reiltch auch der, fich nicht von dem sehr launenhaften Wettergott abhängig zu machen- aber bestimmend war denn doch bie Absicht, etwas wirklich Gediegenes zu leisten- und wie ein schönes Bild durch einen passenden Rahmen gehoben, so wird auch eine gute musikalische Leistung gewinnen, wenn sie in geschlossenem, zu einer Aufführung hergerichteten Saale dargebotea wird. Die Sänger-Vereinigung hat nun keineswegs die Abficht, den erhofften Ueberschuß für ihre Zwecke zu verwenden, der ganze Reinertrag ist auch diesmal wieder der Allgemeinheit zugedacht. Der Gleiberg- Verein, eine Anzahl Herren, die es sich zur Aufgabe gestellt haben, das alte Wahrzeichen Gießens dem Verfall zu entreißen, soll der Empfänger sein. Zu diesem Zweck gehört Geld, viel Geld und wenn dem Vereine auch die wohlverdiente Sympathie durch eine stattliche Mitgliederzahl n klingender Weise entgegengebracht wird, so reichen diese regelmäßigen Eingänge nicht zu. Hier heißt es eingreifen, weitere Einnahmequellen schaffen und der Appell an unsere Einwohner, daS Concert recht fleißig zu besuchen, dürfte icher auf guten Boden fallen. Schon heute können bei Herrn Challier reservirte Plätze (1.50 Mk.) vorgemerkt werden, wo auch der Situationsplan ausliegt. ♦♦ Verein zur Züchtung reiner Hunderaffen in Gießen. Die im Gießener Anzeiger bereits zweimal besprochene Gründung eines „Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen" hat n weiteren Kreisen lebhaftes Interesse gefunden und hat sich ienn auch bereits eine größere Anzahl von Mitgliedern theils schriftlich, theils persönlich gemeldet. Es ist dies für einen erst entstehenden Verein gewiß ein erfreuliches Zeichen und zugleich die Gewährleistung, daß ein BedÜrfniß that- sächlich vorlag, daß seine Existenz nöthig wurde. Wenn wir Umschau halten in der Hundewelt Gießens, so beleidigen eine Menge von „Fixkötern" — Conglomerate seltsamster Natur, das Auge deS Sportsmann und Kenners. Wir wollen aber nicht allein und einzig nur diesen Standpunkt — für den Hundeliebhaber zunächst der wichtigere — einnehmen, wir wollen auf etwas allgemein JntereflirendeS ein geben: Wie find die Hunde gehalten und gepflegt, und darauf müssen wir antworten: schlecht. Schlecht, oft nicht nur aus Nachlässigkeit, sondern vielfach auS Unkenntniß. Wie oft ficht man hier Hunde herumlaufen mit äußerlich sichtbaren Krankheiten, Hautausschlägen, womöglich sogar mit Räude! Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, ein Thier, daS in Allem dem Menschen am anhänglichsten und treuesten ist, daS, kurz gesagt, sein bester Freund ist, auch zu halten und gut zu halten. Wir weisen nicht auf die vielen einzelnen, vorzüg- lichen Eigenschaften deS Hundes hin, durch die er feinen Herrn dankbar belohnt. Dieses Thema ist schon so vielfach behandelt worden und eS weiß jeder Hundeliebhaber, jeder Jäger, wer nur immer Hunde gehalten hat, Proben davon wiederzugeben. ES ist für den Verein eine gewiß von vielen Seiten dankbar aufgenommene Aufgabe, belehrend in Bezug auf Pflege und Haltung unserer vierfüßigen Freunde zu wirken. Ein weiteres und namenlich für den Waidmann hervorragend wichtiges Interesse bietet der Verein durch Anlage eines Schliefplatzes für Teckel und Foxterriers, wo sie ihre Hunde für den Fuchs und Dachs gründlich einarbeiten lassen können. Außer den wenigen hier genannten Dortheilen, die der Verein den Hundefreunden zu bieten im Stande ist, wären außer einer gemüthlichen Geselligkeit die Abhaltung von Zeitschriften, von guten Büchern, gelegentlich Vorträge zu erwähnen, die namentlich anregend wirken und das Interesse an der ganzen Sache zu erhalten geeignet sind. Ein weiterer Passu« ist indeß noch zu erwähnen, daS ist der materielle vortheil, den der Verein feinen Mitglie- dern zu bieten die Absicht hat. ES ist ja jedem Laien bekannt, wie andere Preise ein rassereiner Hund erzielt einem „Fixköter" gegenüber. ES steht fest, daß der Verein einer Ankauf von Hunden leichter und billiger bewcrkstcllen kann und daß eS dann nicht leicht oder geradezu ausgeschlossen ist, beim Ankauf über» Ohr gehauen zu werden — der Hundehandel geht ja bekanntermaßen beinahe über den Pferdehandel. Eine gelegentliche GratiSverloofung eines selbstverständlich rassereinen HuudeS dürfte desgleichen Manchem sehr will- kommen sein. Es find bereits einige überzählige Vierfüßler von den Herren Besitzern zur AuSloosung in liebenswürdigster Weife zur Verfügung gestellt worden. Noch zu erwähnen wären die Preis- und Prüfungssuchen, die Hundeschauen, die der Verein anftellen wird, die Dlplomierung guten Ma- terialS und die Collectivbeschickung von Ausstellungen. ES weiß Jeder, der Ausstellungen einmal beschickt hat, waS für Umständlichkeiten, Kosten, Aerger und Sorge, abgesehen von i Gesundheitsgefahren der vierfüßigen Lieblinge damit verbunden find. Kurzum, der Verein hat ein sehr weites Gebiet, auf dem er wirken und fördern kann und muß. Mögen diese kurzen Ausführungen dazu beitragen, die Bestrebungen deS Vereins in weiteren Interessentenkreisen verdiente Anerkennung finden zu lassen und durch eine zahlreiche Mitgliederschaft die Gründung und gedeihliche Ausbildung fichern. ES wäre sehr erwünscht, wenn die am Mittwoch Abends um iP/i Uhr im Hotel Kaiserhof stattfindende Generalversammlung recht zahlreich besucht würde, da ja Wichtiges vorliegt: DorftandSwahl. Genehmigung der Statuten. Festsetzung des Jahresbeitrages (3 Mark) • * Ernennung. Herr Dr. Carl Zimmer, Lehrer an der höheren Mädchenschule dahier, wurde zum Lehrer an der Realschule und dem Progymnafium zu Alzey ernannt. ♦ * Im Lombardverkehr der ReichSbank können in erster Klasse beliehen werden die 4procentigen Anleihescheine der Stadt Gießen von 1887, sowie die 3*/* procentigen von 1890 und 1892 bis 1896. Postalisches. Wer seine Wohnung oder Geschäfts- räume im Laufe dieses Jahres mit der Stadtfernsprecheinrichtung verbinden lassen will, muß seine Anmeldung baldigst, spätestens bis Anfangs August d. I., an daS hiesige Kaiserliche Postamt einsenden. Spätere Anmeldungen können erst im ersten Bauabschnitt deS nächsten JahreS zur AuS- sührung kommen. N. Nidda, 13. Juli. Eichenlohrinden find in unserer Gegend etwas seltenes, weil derartiger Waldbetrieb wenig vorkommt. Im District Hainborn wurde hübsche Eichenlohrinde erzielt, der Gentner ging zu Mk. 4.65 an ein hiesiges HauS über. Im südlichen Odenwald, nach dem Neckarthale, find ganze Quadratmeilen mit Eichenschälwalduugen bedecke und wenn die Rinden geerntet werden, erhalten die Kinder Rindenferien, weil alles mithelfen muß, was Hände hat. E. Echzell, 13. Juli. Nächsten Sonntag den 19. d. M. werden Sc. Hochwürden Herr Prälat Dr. Habicht aus Darmstadt eine große Kirchenvisitation in diesiger Gemeinde abhalten. Bekanntlich finden alle 10 Jahre Visitationen durch den Superintendenten, welcher für die Provinz Oberhessen zugleich Herr Prälat Dr. Habicht ist, statt, während alle fünf Jahre Visitationen durch den Decan des betreffenden DecanatS vorgenommen werden. M.W. Aus der mittleren Wetteran, 13. Juli. Die Horloff wird bei unS an verschiedenen Stellen auSgeputzt und geräumt. Leider zeigt fich hierbei, daß der Bestand an Fischen bedeutend gelitten hat und weiter leidet. Der Wafferstand ist nämlich ungemein niedrig und sehr warm, alle Fischfeinde haben daher leichtes Spiel. Die Trockenheit, welche seit April nur durch sehr vereinzelte Regentage unter- brochen wurde, fängt an, wieder recht unangenehm zu werden, weil alle Gemüse und die Kartoffeln deutlich darunter leiden. □ Darmstadt, 13. Juli. Die hiesige Section des Odenwaldclubs war gestern in einer Stärke von ca. 40 (so wenig wohl wegen des heißen Wetters und der vielen sommerlichen BereinSoeranftaltungen hier) in dem unterhalb der Neunkircher Höhe schön gelegenen, letzthin auch viel von Sommerfrischlern besuchten Lützelbach, in dessen Nähe aus Betreiben des rührigen GaftwirtheS Meyer und der Sectiou „Ober-Modauthal" eine sog. Alpensennhütte eingewelht wurde. DaS ländliche Fest gab wieder einen schönen Beweis von dem guten Sichzusammenfinden der städtischen und ländlichen Elemente im Club. — In der Notiz in Nr. 162, 3. Bl. soll eS bez. Dr. Walther heißen: „zu ansehnlicher Stellung gebracht." Mainz, 13. Juli. Infolge von Zwistigkeiten mit den hiesigen Socialdemokraten beabsichtigt der ReichStagSabgeord- netc Joest, sein Reichstagsmandat und LaudtagSmandat niederzulegen. △ Au« Rheinhessen, 13. Juli. In den Weinberger der Gemarkung Büdesheim werden bereits farbige Frühburgunder Trauben angetroffen. Allenthalben hängen die Stöcke so voll, wie seit langen Jahren nicht gesehen worden. ______________________________________ Unlauterer Wettbewerb. (Nachdruck verboten.) 4. Trügerische Benutzung fremder Name» u»d 9in»e», unlautere Ausnutzung von Fabrik- und SeschSftSgeheimniße». Das Handelsgesetzbuch trifft bereit« Bestimmung dahin, daß jede neue Firma sich von allen an demselben Orte oder in derselben Gemeinde bereit« bestehenden und in da« Handelsregister eingetragenen Firmen deutlich unterscheiden muh. Damit wird ein gewisses unredliches, auf Täuschung deS Publikums berechnetes GeschäftSgebahreu nicht genügend getroffen- bisweilen giebt Jemand seinem Geschäfte einen Namen, eine Firma oder eine Bezeichnung, die große Aehn- lichkeit mit Namen, Firma oder Bezeichnung eine« andere» Geschäfte« hat. Dadurch sucht er tut Publikum einen Jrr- rhum zu erregen, und Kunden auzulocken, die sich dem anderen Geschäfte zürnenden wollen oder jedenfalls ohne die täuschende Benennung nicht zu Ihm kommen würden. DaS ist ein unlauterer Wettbewerb, gegen welchen einzuschreite» •‘-•'Ji9*'"'’“ rntlks^ Sttwtf -Ät-’S ^abe"LÄs“d,"< i°M Wb-- UZ » w ®u SS rnt W NN”1 ,a 8wt 6*33 r?r2 D0rau8M Ä. % Ri Gr.DdnhMchkö Nachstehende, bei An! MgSgleises auf Statik kommenden Arbeiten u nämlich: M Kubikmeter Erdausb MO Quadratmeter Glei- W Meter Sßerroneinfaf) IM Kubikmeter Lungs ißUtn vergeben w rden- Mnungen, Arbeit? vrdtvgungen liegen auf itamer Unterzeichn. A Stationsbüreau n kchrWche ^gMe sind JWI., VsrmittaaS l einzureichen 11 AchlaMtst io Tag «l’felb den 137$ ltr Eisenbahn __Simon. Äk itot,®?*1» Hin 8>ÄIlb*bl'Ä 6bt2^W>W “'»»tatft®'* : »°-ta -S«s°ch-°, bu°? i« «toäv «8 ton Ä* R» °«°l Ä*' « u«i Sorg, &“ ft 1'6 Lhbll».,' ft* 'ta fl ±'bl* °b-ft°«-°°d,eÄ 8 ty?«äx Stig? ittfittdeude a,„ ,nb6 uv i*TJh'ft1* taTW borltegt: 6lelulm- Schs-tz'o, ’*«Ä5 77'°'° ««utunaj ' ' {otole bie b'/rprocentiger obet Geschäsu. ""der Stadtsernsprech^ E, «ß feine 3nmelbunc ?ug°ft d. I, an daS hiefi« Spätere Anmeldungen fönntn 6 ^fUn Jahre- zur Aul- tnlohrinden find in unfern »artiger Waldbettieb tvenix orn wurde hübfche Sichenlch zu Mk. 4.65 an ein hiesige» !llwald, nach dem Neckarthale t Elchenschälwaldungen beitdi werben, erhalten die Kinde, sen muh, was Hände hat. Gen Sonntag den 19. d.M ’ Prälat vr. Habicht au» Isitation in biefiger Gemeind! alle 10 Jahre Wtatioim irlcher für blt fyoDiy Ober ’ fiabitt (ft, statt, währen h Ui n Wetterau, 13. Juli. Di< erschiedenen Stellen auSgepotzi h hierbei, daß der Bestand ar 3t und weiter leidet. Dv ein niedrig und sehr war«, lchtes Spiel. Dir Trockenheit, r vereinzelte Regentage unter >t recht unangenehm zu werden, ,te tat« b«tuit« leiben. Die W Sectio" bei m (n einer Stätte m ».« S-Lr ?SSfiS s °°d 2-»'** »eeben b«1'1? jaIj(n hin,e° -«;*** ■* (5!‘4W nnb M" -'S »-‘15 5 <.UnnnSe “ff*1- 7-, »-"L t>a3 am 1. Juli in Qraft getretene Gesetz volle Beran- laffang sand. Es bestimmt, daß, wer im geschäftlichen Ber> kehr einen Namen, eine Firma ober die Bezeichnung eines Er- «erbsgeschäfts, eines gewerblichen Unternehmens oder einer Druckschrift in einer Weise benutzt, welche daraus berechnet und geeignet ist, Verwechselungen mit dem Namen, der Firma oder der besonderen Bezeichnung hervorzurufen, deren sich ein Anderer befugterweise bedient, diesem Anderen zum Ersätze des Schadens verpflichtet ist. Ruch kann brr Anspruch aut Unter» lassung der mißbräuchlichen Art der Benutzung geltend gemacht werden. Der fünfte und letzte Art. des unlauteren Wettbewerbs, wogegen das G setz sich wendet, ist der Verrath von Fabrik- und Geschäftsgeheimnissen. Nach dem Gesetz zur Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbs wird mit Geldstrafe vis zu dreitausend Ma'k ober mit Gefänqniß bis zu einem Jahre bestraft, wer als Angestellter, Arbeiter ober Lehrling eines Geschäftsbetriebes Geschäfts- ober Betriebsgeheimnisse, bie ihm vermöge bes Dienstverhältnifles anvertraut ober sonst zugänglich geworben finb, währenb bcr Geltungsbauer bes Dienstverhältnisses unbefugt an Anbere zu Zwecken bes Wettbewerbs ober in bet Absicht, betn Inhaber bes Geschäftsbetriebs Schaben zuzufugen, mittheilt. Gleiche Strafe trifft Denjenigen, welcher Geschäfts- oder BetriebSgeheimnlffe, deren Kenntniß er durch eine dem Angestellten, Arbeiter oder Lehrling verbotene vorerwähnte Mittheilung oder durch eine gegen das Gesetz oder die guten Sitten verstoßende eigene Handlung erlangt hat, zu Zwecken des Wettbewerbs unbefugt verwerthet oder an Andere mittheilt. Wer zum Zwecke des Wettbewerbs eS unternimmt, einen Anderen zu einer unbefugten Mittheilung vorerwähnter A.t zu bestimmen, wird mit Geldstrafe bis zu zweitausend Mark ober mit Gcsängmß bis zu neun Monaten bestraft. Ueber diese Bestimmung deS Gesetzes find verschiedene BesÜrchtungen laut geworden und mancherlei Bedenken erhoben worden. Es ist namentlich dagegen geltend gemacht worden, daß die Gesetze über das Patent-, Muster- und Markenwesen einen ausreichenden Schutz gegenüber der unberechtigten Ausnutzung von Geschäfts- und BrtriebSgeheim- niffen bart ölen, dah es mit dem Princip dieser Gesetze unverträglich, auch auS practischen Gründen nicht empfehlens- werth sei, den industriellen und kaufmännischen Geheimniffen einen besonderen Rechtsschutz zuzubilligen, daß die Bestimmungen dieser Art Arbeiter und Angestellte benachtheiligen, die Berwerthung von gewerblichen Verbesserungen hemmen und bei der Anwendung auf den einzelnen Fall Schwierigkeiten Hervorrufen würden. Diese Befürchtungen und Bedenken find unbegründet. Die den gewerblichen Rechtsschutz regelnden Gesetze geben dem Kaufmann kein Mittel an die Hand, die Liste feiner Bezugsquellen ober Abnehmer, Zusammenstellungen über Selbstkostenpreise, Gewinnabschlüffe u. a., an deren Geheimhaltung sich ein mehr oder minder erhebliches geschäftliches Interesse knüpft, gegen mißbräuchliche Berwerthung zu sichern. Sie versagen auch für viele Verhältnisse deS industriellen Betriebes. Der Werth eines Erzeugnisses bestimmt sich sehr häufig durch gewisse, ihrer Natur nach weder zum ErfindungS- noch zum Gebrauchsmusterschutz berechtigte Besonderheiten des Herstellungsverfahrens, beispielsweise Mischung verschiedener Ingredienzien, Wahl gewisser Temperaturgrade, Zeitdauer der Einwirkung eines electrischen Stromes u. a. Die Angestellten endlich haben durch diese Gesetzesbestimmung eine Schädigung tn ihren berechtigten Interessen nicht zu fürchten. Den Arbeitern in einem Geschäft ober in einer Fabrik sollen rücksichtlich dessen, was sie dort gelernt haben, und was fie zu ihrem spateren Fortkommen auSnutzen müssen, durch diese GrsetzeSvorschrift keine Beschränkungen auferlegt werden. DaS, was der Lehrling im Geschäft seines Meisters oder PrincipalS gelernt hat, das soll er auch zu seinem ferneren Fortkommen für sich nutzbar machen. Der wesentlichste Grund für die Vorschrift liegt darin, daß in einer Zeit, wo ungeachtet der allgemeinen Solidität und Ehrbarkeit der erwerbenden Stände doch die Ausnutzung fremden Gutes einen immer größeren Umfang annimmt, es doch geboten ist, den Lehrherrn, den Meister, den Principal zu schützen gegen das Bestreben seines Concurrenten, sich die Geheimnisse anzueignen, die ein Lehrling in dem Geschäft gelernt hat und mit Recht trifft das Gesetz sehr scharfe Bestimmungen für die Bestrafung dritter Personen, welche zum Berrath der Geheimniffe verleiten. Der unlautere Principal, welcher den Handlungsgehilfen eines Anderen engagirt, ihn feinem bisherigen Brotherrn abspenstig macht und nun von ihm die GeschäftSgeheimniffc des früheren Dienstherrn herauS- lockt, um sie für sich nutzbar zu machen, darf einer möglichst strengen Bestrafung für solches unehrenhafte, unlautere Ge- schästsgebahren fernerhin nicht entgehen. AIS Geheimniß anzusehen ist allgemein das, waS sonst nicht bekannt ist, ein Fabrik- oder GeschäftSgeheimniß ist für den Fabrikanten, für den Geschäftsinhaber das, waS seiner Geschäftsgebahrung, seinem Fabrikbetriebe, seiner Handwerksthätigkeit so eigenthümlich ist, daß eS in anderen Geschäftskreisen nicht bekannt ist und nicht zur Anwendung kommt. Wer unbefugt, daS heißt, ohne daß er aus irgend einem Grunde ein Recht zu der Mittheilung oder zu der Berwerthung hatte, zum Zwecke des Wettbewerbes oder in der Absicht, dem Inhaber des Geschäftsbetriebes Schaden zuzusügen, derartige Geheimniffe mittheilt ober verwerthet, verfällt den obenerwähnten Strafbestimmungen des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, und eS ist nur zu wünschen, daß jeder Geschäftsmann, jeder Fabrikant etwaigen Berrath seiner Geschäfts- oder BetriebSgeheimniffe, namentlich aber jede etwaige Verleitung seiner Angestellten zu diesem Berrath auf daS Unnachsichtigste zur Strafverfolgung bringt. Zum Schluß geben wir ein Beispiel für eine Klage wegen Verleitung zum Berrathe von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. ,3E, ben........ 1896. Privatklagc bes Fabrikanten Otto Fritzsche hier, Klägers, wider ben Musterweber Paul Unlauter hier, Beklagten, wegen Vergebens nach § 10 des Reichsgesetzes zur Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbes vom 27. Mai 1896. Begründung. Kläger fabriclrt halbwollene Maaren, namentlich Stoffe für Damenkletder. Die Muster setzt er fick selbst zusammen. Die Zusammensetzung dieser Muster, namentltch der schatiirten Muster, ist sein Geheimniß, welches nur den in der Fabrik beschädigten Musterwebern und Kettenscheerern vermöge ihres Dienstverhättniffes anvertraut ober sonst zugänglich wird. Am 4. d. Mts hat der Beklagte die in meiner Fabrik beschäftigten Kettenscheerer August Treu und Bernhard Bieder in der Wirtschaft „Zum goldenen Engel" hier angetroffen, hat sich zu ihnen gesetzt, fie gefragt, ob die Muster für die Herbstsaison schon entworfen waren, ob Re ihm einige dieser Muster, namentlich der schattirten Muster, zur Benutzung für feinen Principal gegen gute Belohnung verschaffen wollten. Beweis: Zeugnisse der bei mir beschästigtm Kettenscheerer August Treu und Bernhard Bieder. Der Beklagte hat hiernach die vorgenannten, in meiner Fabrik beschäftigten Kettenscheerer zu verleiten gesucht, ein ihnen vermöge ihres Dienstverhältnisses anvertrautes Geheimniß meine? Fabrik- und Geschäftsbetriebes zu Zwecken des Wettbewerbes mitzutheilen, und hat sich damit gegen die Bestimmung des S 10 des Reichs- gesetzeS zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes vergangen. Ich stelle wegen dieses Vergehen« hiermit Strafantrag und beantrage, die Hauptverhandlung vor dem hiesigen Schöffengerichte stattfinden zu lassen. Otto Fritzsche, Fabrikant. Dertelyr, £an$» tmO eufctn, 14. Juli. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Psd. X 0.80-0,90, Hühnereier pr. St. OA, 2 St. 11-12 4, Enteneier 6 4, 2 St 04, Gänse- gier pr. St. 00—004, Käse pr. St. 5-10 4. Käsematte pr. ©LS 4, Erbsen pr. Liter 17 4, Linsen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Pa« X 0,60 bis 0,90, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,20, Hahnen pr. Stück X 0,60—1,00, Enten pr. Stück X 1,60—2,00, Gänse pr. Pfund X 0,00—0,00, Ochsenfleisch pr. Psd. 70—74 4, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 64-68 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 50 bis 66 4, Schweine- fleisch, gesalzen, pr. Psd. 70 4, Kalbfleisch pr. Md. b0-00 4. Hammelfleisch pr. Psd. 60—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,( 0 bi« 0,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 4, Zwiebeln vr. Partner X 7,00—8,00, Milch vr. Liter 16 4, Kirschen pr. Piund 15-25 4- Temperatur der Lahn und Lust nach Reaumur gemessen am^l4. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 18, Lust 20°. ___________ Rübfamen'sche Badeanstalt Foulard-Seide 95 Pf bis 5.85 p. Mk. — japanesische, chinesische rc. in ben neuesten DesstnS u. Farben, sowie schwarze, weiße anb farbige Henneberg-Sti-S von 60 Pf. bis Mk. 18.65 p. Met. - glatt, gestreift, karrirt, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Oual. und 2000 oersch. Farben, Dessins rc.), Porto- and steuerfrei ins Haws. 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