Dienstag den 13. Oktober 1806 H 241 Erstes Blatt Vierteljähriger Kenerat-Anzeiger. Aints- und Anzrigeblatt für den Kreis Gieren Hratisöeitage: Hießener Aamilienötätter. Lunahmr von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, folqrnbtn Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr. Redaction, Expedition und Druckerei: KchukKrahe Är.7. Fernsprecher 51. Die Gießener ^««itienblälter |KtOen dem Anzeiger ».ch'Ntlich dreimal beigelegt. Der fL lener Anzeiger n scheint täglich, jnt Ausnahme deS Montags. Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Meßmer Anzeig er ® Deutsche» Reich. ■Berlin, 10. Oktober. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht tir Bekanntmachung betreffend die Führung der Börsen - tkßister und die Ausstellung der Gesammtliste vom I Oktober 1896. Berlin. 10. Oktober. Die „Post" schreibt: DaS Schicksal tu Vorlage betreffend die Organisation des Handle rtks im BuudeSrath laffe sich jetzt noch nicht übersehen - ri habe aber den Anschein, als ob Preußen in Bayern eine e finden werde, Württemberg aber auf alle Fälle bet feiner ablehnenden Stellung bleiben werde. Man halte eS ckr in BundeSrathSkreisen nicht für auSgeschloffen, daß die kttllmngnahme einer größeren Anzahl norddeutscher Regier- DgtT gegen die Vorlage nicht einflußlos bleiben werde. ES ..gelte als sicher, daß die Gegner bei neuen Vorlage den sogen. Mbcher'schen Entwurf von Neuem dem BundeSrathe unter» kelti-n werden. Wie wett dieses Vorgehen innerhalb der Erblindeten Regierungen auf Unterstützung rechnen könne, ■lltibe abzuwarten. !Berlin, 10. Oktober. Professor Gerhard ist heute »oki kder Familie deS Grafen Schuwalow nach Warschau tau'ien wordep, da der Zustand deS Grafen sich ver» Wimmert hat. IBerlin, 10. Oktober. Der Hausdiener einer Export- -fimc in der Mittelstraße ist heute nach Unterschlagung von 1001)0 Mark slüchttg geworden. Berlin, 10. Oktober. Wie daS „Kleine Jouru." aus ichei Quelle erfahren haben will, werden die Kaiserzimmer hi ersten Stockwerk des russischen BotschaftöhotelS zum -8mpfanfl des Zaren in Bereitschaft gefetzt. iRnrnberg, 10. Oktober. Wie der „Fränk. Kur." aus -trlajigen meldet, hat eine jüngst dort vorgenommene Controlle in Marken für Invalidität-- und AlterSver- siti rung ergeben, daß über 19600 Marken nicht ein» jtlleht waren. GS sind sehr zahlreiche Strafmandate ergangen. Paris, 10. October. Dem „TempS" zufolge hat der gai von Versailles aus an seine Mutter ein Telegramm ^schi ckt, in dem er seine große Freude über den warmen .jvpffang ausdrückt. LhalonS, 10. October. Bet der Abfahrt des Zaren- frareS sah man fraternifirende Gruppen französischer und -llllsischer Offiziere, welche sich wiederholt umarmten. Der ,5« schien sehr bewegt. Der Zarin standen die Thränen d bsn Augen. Beide Majestäten reichten beim Abschied auf Hm Bahnhöfe Bouy dem Präsidenten Faure, dem Senats» tpWenten Loubet, dem Kammerpräsidenten Brisson, dem iMi'sterpräfidenten Msline und allen anderen Ministern die istnti. Als der Zar die Plattform feines Wagens bestieg, leinten sämmtliche Offiziere vor ihm. Einigen derselben Nichte er die Hand, der Zug fuhr 5 Uhr 55 Mio. ab. Als derselbe in Bewegung setzte, erschienen die Majestäten iai Finster und grüßten wiederholt. Die auf dem Perron ftimben offiziellen Persönlichkeiten und die Volksmenge Nichm in begeisterte Hochrufe aus, bie Truppen präsen» Itittm baS Gewehr unb die Musikcapelle spielte bie Ruffen- ss|iiK!lie. Der Zug beS Präfibenten Faure ging 10 Minuten Derr ab. Bet seiner Ankunft tn Parts würbe Herrn Faure ft: Der zahlreich anwesenden Menge ein sehr warmer Em- Ufing bereitet. ES erschollen die Rufe: ES lebe die Republik, al Lebe Felix Faure. Herr Faure bestieg mit General Kuriaier den bereit stehenden Landauer, der von Kürassieren abrtkt wurde und fuhr inS Elysee. Er dankte mit Ver» Tagungen für die dargebrachten Ovationen. Auf der Reise Hi Irin Zwischenfall vorgekommen. TonrS, 10. October. DaS Leichenbegängniß des Siir er als Trochu fand unter sehr zahlreicher Betheiligung, eia in ganz prunkloser Weise statt. Präsident Faure hatte ihm Vertreter entsandt, die Regierung einen Kranz gewidmet. Rtn letzten Willen deS Verstorbenen gemäß wurden am @arg;t keine Reden gehalten und keine militärischen Ehren- iö«!L,zungen erwiesen. ilkopeuhage», 10. October. Die russische Kaiserin Kit Uwe sandte dem Präsidenten Faure telegraphisch ihren Ä-°k' für den warmen Empfang ihres Sohnes. «Sofia, 10. October. Wie die „Swoboda" meldet, werden ÄAurichtSverhandlungen wegen der Ermordung Stam- Kiioiws am 13./25. b. MtS. beginnen. Borgelaben finb 110 j^ugen, meistens au« bem Innern beS LanbeS. Die KiSmden haben angeorbnet, daß bie Zeugen erforberlichen Kütk! unter Bebeckung vorzuführen feien. btl «nrrms „£;«»«>' Wien, 11. Oktober. Der Bischof Bauer von Brünn erließ anläßlich bet LanbtagSwahlen einen Hirtenbrief, in welchem bie Wähler aufgefordert werden, keinen Feind der katholischen Kirche zu wählen und auch solchen ihre Stimme nicht zu geben, welche nicht treu zu Kaiser und Reich halten unb verrätherisch über bie Grenze schielen. Pari», 11. Oktober. Die Royalisten haben bet ber Abreise beS Zaren ihre Existenz kunbgegeben burch einen Bries, ben baS royalistische Gemeinberathrmitglieb Lambeltn an ben Zaren gerichtet hat, worin er in dem russischen Kaiser den Vertreter beS monarchischen Erbrechts begrüßt unb bebauet*, baß Frankreich dieses Erbrecht verkannt habe. Er hoffe, daß das Vaterland die momentan unterbrochene Tradition wieder aufnehwe. Bukarest, 11. Oktober. Die während der Anwesenheit der Prinzessin Gisela von Bayern erfolgte Ankunft deS Königs von Serbien in Sinaia wird mit einem HeirathSproject in Verbindung gebracht. Berlin, 12. October. Wie die „Welt am Montag" 6e» richtet, seien bei einem hiesigen Börsenblatte vor kurzer Zeit Unterschlagungen im Betrage von 120,000 Mk. entdeckt worden, die sich der erste Angestellte der Expedition habe zu Schulden kommen lassen. Derselbe habe sich erschossen , während dem Procurtsten der Expedition seine Stellung gekündigt wurde. Berlin, 12. Oktober. Vorgestern Nacht schoß in der Nähe der Ausstellung der 22jährige Gürtler Liebe auf den Wagenführer und Schaffner eines nach Treptow fahrenden elektrischen Straßenbahnwagens. Der Thäter wurde verhaftet. Er will die Schüsse nur aus Uebermuth abgefeuert haben. Gotha, 12. Oktober. Der socialistische Parteitag Deutschlands wurde gestern Abend 7 Uhr unter starker Betheiligung im Gasthause „Zu den vier Jahreszeiten" in Stebleben eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt der Abgeordnete Bock. Er erinnerte in derselben an den Gothaer Vereinigungs Congreß vor 20 Jahren. Zu Vorsitzenden wurden die Abgeordneten Singer und Bock gewählt. Singer dankte und feierte die Gothaer Genoffen wegen ihrer Erfolge bet den kürzlichen Landtagswahlen. Alsdann wurde daS Bureau gewählt und tn längerer Debatte die Tagesordnung festgesetzt, welche wie folgt aneinander reiht: Geschäftsbericht, parlamentarische Thätigkeit, Arbeiterschutz, Maifeier, Londoner Congreß, Frauenagitatton, Organisation, Proportionalwahlen, sonstige Anträge, Wahl der Parteileitung. Der gestrigen Sitzung, die bis 81/< Uhr währte, wohnten etwa 300 Delegirte bei, darunter befanden sich Liebknecht, Bebel, Singer, Auer, Schönlank, Schtppel, Grtllenberger, Quaick, AronS, Frau Zetkin u. A. Heute Vormittag werden die Berathungen fortgesetzt. Ulm, 12. Oktober. Am SamStag Nachmittag trat hier- selbst der 17. Parteitag der deutschen Volkspartei zusammen. Von den Reichstagsabgeordneten waren erschienen: Galler, Hausmann, Ehni und Dr. Konrad. Nach ber Bildung des Bureaus erstattete der RetchStagSabgeordnete Ehnt ben Parteibertcht, worauf Dr. Galler über bie neue Martnepolittk unb ihre Gefahren sprach. Nach einer lebhaften Debatte wurde bie gründliche Behandlung dieser Frage einem anderen Parteitage Vorbehalten und eine allgemein gestellte Resolution angenommen, welche daS Bestreben nach einer würdigeren Stellung der Frau als berechtigt anerkennt. Am Sonntag fand anläßlich der Parteitages eine Volksversammlung statt, die von etwa 400 Personen besucht war. Das Zarenpaar in Darmstadt. nn. Die zu Ehren der Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin von Rußland von den hiesigen Vereinen heute Abend dargebrachte Serenade verlief in glänzender Weise und gestaltete sich zu einer großartigen Ovation, welche Zeugniß davon gab, mit welch' hoher Liebe und Verehrung die Bürgerschaft Darmstadts an der hessischen Fürstentochter, die jetzt den russischen Kaiserthron schmückt, „ber Prinzessin Alix", immer noch hängt. Der Louisenplatz, an welchem baS alte Palais liegt unb in welchem für ben heutigen Abenb baS Kaiferpaar zu ber Prinzessin Lubwig v. Battenberg, bet Schwester ber Kaiserin, zum Thee geladen war, erstrahlte in einem Hellen Lichtmeer. Seitens ber Stabt war bet weite Platz burch acht elektrische Bogenlampen unb eine große Anzahl von GaSfackeln tageshell beleuchtet und auch die umliegenden Gebäude hatten ihre Fa-aden auf daS Prächtigste illuminitt. Besonders daS Palais des Prinzen Alexander, die Reichs» post, das „Hotel zur Traube- u. A. waren durch zahlreiche farbige Gassterne und Pyramiden auf das wundervollste beleuchtet. Punkt 9 Uhr traf der Kaiser und die Kaiserin sowie der Großherzog und die Großherzogin in geschloffenem Wagen im alten PalatS ein, auf dem Weg zu demselben mit Hochrufen deS vieltaufeodköpfigen Publikums, das den Platz umsäumte, begrüßt. Die Kaiserin dankte für die Ovation, indem sie wiederholt mit dem Taschentuch bem Publikum Grüße zuwtnkte. Nach ihnen folgten Großfürst SergiuS nebst Gemahlin sowie Prinz Heinrich unb Prinz Wilhelm von Hessen. Sofort nach bem Eintreffen im Palais erschien ber Kaiser unb bie Kaiserin, umgeben von bem Großh. Paar, ben Prinzen Heinrich unb Wilhelm unb bem Großfürst unb Großfürstin Sergius unb Prinzessin Ludwig von Battenberg auf dem Balcon. Der Kaiser trug russische Uniform unb Pelzmütze, währenb die Kaiserin ein weißes Seidenkleid trug, auf bem zahlreiche Diamanten schimmerten. Auch im Haar unb um ben Hals trug die Kaiserin Diamantschmuck. Der Großherzog trug russische Uniform, welche ihn trefflich flelbete unb bie russische Feldmütze. Nun rückten bie zahlreichen Theilnehmet an ber Sere- nabe unter Lampions- unb Fackelbeleuchtung mit Musik auf bem Platz ein unb nahmen vor ben Herrschaften Aufstellung. Rasch gruppirten sich bie vereinigten Gesangvereine Darm- stadtS, unb unter btt trefflichen Direktion beS Herrn Muflkdiroctors Richatb Senff tönte baS herrliche Lieb „Gott grüße Dich" in mächtigen Accorden bem Kaiferpaar entgegen. Nachbern daS Lieb verklungen, bestieg Herr Bei- geordneter Köhler die Tribüne und hielt an die Majestäten folgende Ansprache: Hocherhabener Kaiser! Hocherhabene Kaiserin! Jubelnd begrüßt die Bürgerschaft der Stadt Darmstadt die erhabenen Gäste unseres allverehrten FürftenpaareS. In alter Treue begrüßen wir heute die Tochter unseres Fürstenhauses wieder und es schlagen unsere Herzen ebenso warm entgegen Eurer Majestät als der gefeierten Fürstin des großen Kaiserreichs Rußland. Mögen die heimathlichen Klänge tu Eurer Majestät Herzen liebe Erinnerungen wachrufen unb mag bie Ovation, bte wir Euren Majestäten barbringen, von ber Freube Zeugniß geben, wie uns Eure Majestät werth geworden und in unseren Herzen sich den ersten Platz gesichert haben. Indem ich Eure Majestäten in unserer Stadt nochmals herzlich willkommen heiße, wollen wir in Liebe und Verehrung etnftimmen in den Ruf: „Seine Majestät der Kaiser Nicolaus II und Ihre Majestät die Kaiserin Alexandra Feodorowna leben hoch! hoch! hoch! Tausendstimmiges Hochrufen der Theilnehmer an der Serenade und des Publikums folgte der zu Herzen gehenden Ansprache des Herrn Beigeordneten. Die sämmtlichen Musik- capellen spielten die russische Kaiserhymne, welche von den Anwesenden entblößten Hauptes gehört wurde. ES war ein herzerhebender Moment unb auch ber Kaiser unb bie Kaiserin waren sichtlich über biese herzliche unb aufrichtige Ovation ber Bürgerschaft DarmstabtS erfreut. Nachbem nunmehr noch brei Chöre von ben Sängern vorgetragen waren, befahl ber Kaiser unb bte Kaiserin bte Präsidenten ber milwirken- ben Gesangvereine sowie ben Beigeorbneten Köhler unb ben Dirigenten ber heutigen Serenade zu sich und drückten die Majestäten und insbesondere die Kaiserin ihren Dank für den schönen Gesang und bie Ovation aus. Nunmehr bewegte sich ber Zug an ben Herrschaften vorüber nach ber Rhein- straße unb jetzt erst konnte man bte coloffale Theilnehmer» zahl an bemselben constatiren. 40 Vereine mit ihren Fahnen unb 6 Mufikcorps waren in bemselben vertreten. Besonberen Beifall errangen sich ber Darmstädter Bycicle-Club, der auf Rädern, die mit Lampions in den russischen Farben geschmückt waren, im Zug fuhr - ebenso der Radfahrerverein, dem ein riesiges Transparent mit „Willkommen in Darmstadt" vorangetragen wurde. Auch die Darmstädter Fecht- clubs waren in ihrer kleidsamen Tracht und mit Wachsfackeln erschienen und gaben dem Zug ein wechselvolles Bild. Die am Rhetnthor erbaute prächtige Ehrenpforte war in feenhafter Weise electrisch beleuchtet und bildete den Mittelpunkt deS JntereffeS der Bevölkerung. Um 10 Uhr war die Serenade beendet und um 1/411 Uhr fuhren die Majestäten unb bas Großherzogliche Paar in bos Neue PalatS zurück. □ Darmstadt, 11. October. Ein mächtiger Confluxaa hominum, ein außergewöhnliches Zusammenströmen von Menschen hatte die gestrige Serenade ber vereinigten Gesangvereine, denen sich viele andere Vereine zu einem iwpo» sauten Lampionzug angeschloffen hatte, auf ben „MonumentS- platz" zu Ehren des russischen KaiserpaareS, veran» Iaht, das mit dem LandeSsürstenpaar und den anderen an* ] wesenden Fürstlichkeiten dieselbe vom Balkon des sog. alten PalatS, das gegenwärtig Absteigequartier des russischen Gefolges ist, entgegennabm. liebet 3000 Theiluehmer fahre der Zug, dessen Vorbeimarsch beinahe eine halbe Stunde dauerte und der über ein halbe- Dutzend Musikcapellen sowie Trommler und Pfeifer, welch letztere manchmal einen eigenartigen „Ohrenschmaus" boten, enthielt. Der mehrere hun- dert Mann starke vereinigte Chor, deffen heterogene Elemente Herr Richard Senff trefflich zu gemeinsamem schönsten Zusammenwirken gebracht hatte, sang vier ächt deutsche Lieder in wirkungsvollster Weise. DaS Hoch auf die russischen Majestäten, von der Volksmenge kräftig ausgenommen, brachte der städtische Beigeordnete Herr Köhler in beredten Worten au6; die Kapellen spielten sodann die russische Hymne. DaS russische Kaiserpaar verfehlte nicht, den Veranstaltern der Ovation Anerkennung und Dank auszusprechen. Der mächtige Platz war durch electrische und GaSkörper in wunderbarer Weise erleuchtet. Das nach Tausenden zählende Publikum verharrte tu bester Ordnung, nur gegen Schluß der Veranstaltung kamen einige Scenen vor, die man zum Thetl dem zu raschen Eingreifen der berittenen GlnSdarmeo zu- schreibt, ob mit Recht oder Unrecht, ist hier nicht zu erörtern. Der Festtag hatte durch die glänzende Serenade und die theilweise Illumination der festgescymückten Stadt einen würdigen Abschluß gefunden. Am Samstag Nachmittag hatten das Katserpaar und die anderen Herrschaften eine Spazierfahrt durch den Wildpark unternommen, wobei die Großherzogin den Wagen der Gäste selbst lenkte. Darmstadt, 12. October. Die gestern zu Ehren des Zarenpaares Im Hosrheater gegebene Festvorstelluug nahm einen glänzenden Verlauf. Schon von 6 Uhr an begann sich das Theater mit einem sehr gewählten Publikum zu füllen. Der erste Rang und die ersten sechs Rethen im Parket waren für geladene Gäste reservtrt. Kurz nach 6V8 Uhr erschienen die hohen Herrschaften in der FÜrften- loge. Die Zarin trug eine mattrosa seidene Robe und hatte das Band des AndreaSordenS angelegt, der Zar erschien in der Uniform des LeibkosakenregimentS. Sein Aussehen war ernster als am Tage vorher. Beim Erscheinen der Herrschaften erhob sich daS Publikum und Herr Hoftheaterdirector Werner brachte ein Hoch auf daS Zarenpaar aus, worauf die russische Nationalhymne gespielt wurde. Nach dem ersten und zweiten Act wurde Cercle abgehalten. — Wie eS heißt, wird daS Kaiserpaar nicht nach Schloß Wolfsgarten übersiedeln. CoceUs rrrrd provhtjkUef* Sieben, den 12. October. •• Zur Reichstagswahl. Am Sonntag den 18. October, Vormittags 11 Uhr, wird Herr Reichstagsabgeordneter Eugen Richter in Steins Saalbau zu den Wählern des Kreises sprechen. *• Reichstagswahl. Allmälig scheint die Agitation bezüglich der bevorstehenden ReichStagSwahl in Gang zu kommen. So fanden in voriger Woche zwei gut besuchte Versammlungen, welche das freisinnige Wahlcomite einberufeu hatte, statt und zwar am 7. l. MtS. in Langsdorf, dem der- maligen Wohnort des seitherigen ReichStagSabgeordneten Köhler, am 10. l. MtS. in Grün berg. In ersterer Versammlung führte Herr Heinrich Roth XL den Vorsitz, in Grünberg Herr Mühlendefitzer Keil. In beiden Versammlungen entwickelte der Candidat der freisinnigen Volkspartei, Herr Proseffor Stengel, unter lebhaftem Beifall der erschienenen Wähler sein Programm, während Herr Rechtsanwalt Dr. Jung die Programme der Übrigen in Betracht kommenden Candidaten und Parteien kritisch beleuchtete. Am gestrigen Sonntag fanden Nachmittags */,4Uhr in Hungen und Abends 8 Uhr in Li ch Versammlungen statt, in welchen je etwa 150 Wahlberechtigte erschienen waren. In beiden Versammlungen entwickelten Herr Profeflor Stengel und Herr Rechtsanwalt Metz das Programm der freisinnigen Volkspartei, wobei namentlich Letzterer auch die Programme der nationalltberalen, antisemitischen und socialdemokratischen Partei einer kurzen Betrachtung unterzog. In beiden Versammlungen suchte Herr Schmidt von Gießen darzuthun, daß die Wähler, namentlich auch die kleinen Handwerker und kleinen Bauern, gleich den Arbeitern nichts von den bürgerlichen Parteien zu erwarten hätten, sondern daß ihnen nur geholfen werden könne, wenn sie der Socialdemokratie beitreten und socialistisch wählen würden. Die Herren Metz und Stengel wiesen dem gegenüber auf die von dem socialdemokrattschrn Landtags- abgeordneteu Müller in einer Gießener Versammlung gcthane Aeußerung hin, daß dem kleinen Handwerker und dem kleinen Bauer innerhalb der jetzigen Gesellschaftsordnung überhaupt nicht geholfen werden könne. Herr Stengel that insbesondere unter dem Beifall der Versammlung dar, daß man wohl nicht auf die Zustände in der demnächftigen socialistischen Gesellschaft warten könne, sondern daß es gelte, durch geeignete zweckmäßige Maßregeln auf dem Boden der jetzigen Gesellschaftsordnung die Besserung der bestehenden Zustände herbei- zuführen. Beide Versammlungen wurden mit einem von Herrn Profeffor Stengel au-gebrachten Hoch auf das deutsche Vaterland geschloffen. **H. Stadttheater. Daß eine SonntagS-Vorstellung stets ein dankbares Publikum findet, bewahrheitete sich auch gestern. Gegeben wurde das seine Zugkrast seit seiner Entstebung noch innehadende DolkSstück „Mein Leopold" von L'Arronge., DaS Stück hat neben manchem Unbedeutsamen seine nie versagenden Schlager sowohl in guten komischen Intermezzo-, al- auch in den Scenen herzergreifender Realistik. Die Handlung darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden. Die Aufführung befriedigte in jeder Weise. Herr Direktor Helm zeichnete den reichen, protzenhaften, bann, als das Blatt sich gewendet, arm, alt und bescheiden gewordenen Schuhmachermeister Weigel mit lebenswahren Strichen. Ihm gelang die charakteristische Wiedergabe in Mienenspiel und Sprache auf da- Ueberzeugendste. Herr Goldbach hätte seinen „Leopold" | besser auSftatten dürfen, er ließ daS Individuelle der Rolle verwiffen, auch sprach er durchweg zu leise. Fräulein Egger führte die Parthie der „Clara" recht natürlich und temperamentvoll durch. Bon den drei Töchtern des StadtrichterS Zernikow verdient die Wiedergabe der „Emma" durch Fräulein Delinter lobende Erwähnung; ihr Spiel war gefällig, der Gelang ansprechend. Herr Fritzschler stattete seinen Werkführer „Starke", der um die Tochter Weigels freit, von diesem je- doch verhöhnt und abgewiesen wird, anfangs besser auö als zum Schluß. Einige Momente gelangen jedoch dem Künstler recht überzeugend und gut, so besonders in der Versöhnung mit dem durch daS Unglück gebeugten armen alten Manne. Nicht zu vergeffen sei die prächtige Wiedergabe de- Dienstmädchens „Minna" durch Frau Helm. Die übrigen Rollen wurden mit lobenSwerthem Eifer durchgeführt. DaS gut besetzte HauS spendete reichen Beifall. Unangenehm ist es, wenn eine Mufikcapelle ein Unternehmen im Stich läßt. Auch unsere RegimentScapelle, welche bisher die gern gehörte Zwischenact-musik leistete, brachte die- fertig, wie eine diesbezügliche Mittheilung vor Beginn der Vorstellung bestätigte. — Daß die Nachmittag- stattgefundene Kinder-Vorstellung die volle Anerkennung der kleinen Welt gefunden, sah man den heimkehrenden befriedigten Gesichtern schon von Weitem an. *• Stadttheater. Am Dienstag gelangt eine Blumen- thal'sche Lustspiel-Novität: „G r ä f i n Fr i tz i", zur Aufführung. Die gesammte Kritik spricht sich sehr günstig über diese neue Arbeit des beliebten Lustspieldichters aus. „Gräfin Fritzi" ist augenblicklich Repertoirstück sämmtlicher guten Bühnen und findet überall die wärmste Aufnahme. Ohne Zweifel wird „Gräfin Fritzi" auch hier seine Zugkraft bewähren. ♦♦Hl. Jubelfeier. Gestern feierte der Gesangverein Harmonie in den festlich geschmückten Räumen von „Stein's Saalbau" das 50jährige Stiftungsfest durch Concert, Ball und Fahnenweihe. Außer hiefigeu und auswärtigen Vereinen waren auch unser Herr Oberbürgermeister und die Herren Stadtverordneten der ergangenen Einladung gefolgt. Die Feier wurde durch einen von Herrn Musikdirector Krauße compouirten „Stiftungsfestmarsch" würdevoll eingeleitet, dem die von Mitgliedern des „LahnthalsängerbundeS" vorgetragene, von dem Dirigenten der „Harmonie", Herrn Klaus, geleitete „Hymne" mit Orchesterbegleitung von Herzog Ernst folgte. Hierauf bewillkommnete der Präsident deS Jubelvereins, Herr Reitz, die zahlreich erschienenen Festgäste und entwarf sodann eine kurze Biographie des Verein-, der wir entnehmen, daß sich im Jahre 1846 eine kleine Schaar wackerer Männer zusammenfand, die zur Gründung deS damaligen „Bürger-Gesangvereins" schritten, welchen Namen derselbe im Jahre 1848 mit dem eines „Arbeiter-Gesangverein" und Im Jahre 1862 beim Eintritt in den „Lahnthalsängerbund" mit seinem jetzigen Namen „Harmonie" vertauschte. Redner schloß mit einem begeistert angenommenen Hoch auf den Männergesang. Hieran schloffen sich in angenehmer Abwechselung orchestrale und gesangliche Vorträge. Die ersteren wurden in gewohnter präciser Weise von unserer Regimentscapelle, die letzteren von der hiesigen „Sängervereintgung" und von den Bundesvereinen „Bauer'scher Gesangverein" und „Harmonie" ° Gießen, sowie der „Liedertafel".Marburg recht wirkungsvoll zu Gehör gebracht. DaS Mitglied unserer Regiwentsmufik, Herr Schwarz, zeigte sich in dem „Silver Stream“ von Rollinson als ein vorzüglicher Trompeten Solist, der sich auf allgemeinen Wunsch zu einer Einlage entschloß, die ebenso wie das erstere durch stürmischen Beifall ausgezeichnet wurde. Die Vorträge der „Liedertafel'"Marburg: „Der Nachtigall Antwort" von Keller wie der „Maientag" von Kewitsch zeugten von tüchtiger Schulung, die sich sowohl in der Aussprache, wie in der Steigerung vom zartesten Pianisfimo zum stärksten Fortissimo knndgab, was dem Dirigenten Herrn Schneider zur größten Ehre gereicht und vom Publikum nach Verdienst gewürdigt wurde. Dasselbe ist auch vom „Bauer'schen Gesangverein" zu sagen, der, unter der bewährten Leitung deS Herrn Capell- meister Polster, mit dem Lied „AuS der Jugendzeit" von Hauptmann die Zuhörer zu feffcln verstand. Wahre Be- geisterung, die sich bis zu allgemeinem Beifallsjubel steigerte, aber rief das „Waldlied" von Zenner hervor, welches der „Bauer'fche Gesangverein" an Stelle deS am Erscheinen verhinderten „Liederkranz"-Marburg vortrug. Auch die hiesige „Sängervereinigung", unter Leitung des rühmlichst bekannten Dirigenten Herrn Bauer stehend, bewies durch den Vortrag der Lieder „Schottischer Bardenchor" von Silcker und „Der- laffen" von Koschat, daß auch sie sich die Pflege des Gesanges zur Aufgabe gestellt und dieselbe in trefflicher Weise zu lösen verstand, weshalb denn auch das Publikum mit dem gespendeten Beifall keineswegs geizte. Nach Beendigung des ersten TheileS erfolgte unter den Klängen eines flotten Marsche- die Ueberreichung der von Frauen und Jungfrauen deS BereiaS gestifteten, von der dekaouten hiesigen Firma Schulze recht geschmackvoll angefertigten Fahne durch Fräulein Hansel mit einer herzlichen Ansprache, die mit einem Hoch auf den Gesangverein „Harmonie" endete, welche- unter DankeSworten von dem VereinSpräsidenteu mit einem kräftigen Hoch auf die edlen Geberinnen erwiedert wurde. Als Zeichen der Werthschätzung, welche der Jubilar hier und außerhalb genießt, wurde demselben vom „Bauer'schen Gesangverein" eine künstlerisch auSgesührte Gedenktafel, vom Backerverein „Frühaus" eine Fahnenschleife, von der „Lieder- täfel"-Marburg ein trefflich gelungene- Gruppenbild der activen und passiven Mitglieder und von dem Mitglied der „Harmonie", Herrn Seidewand, ein eigen- zur Feier von ihm verfaßte-, schwungvoll vorgetragenes Gedicht unter entsprechenden Ansprachen überreicht, denen Toaste auf den Jubelverein, den „Bauer'schen Gesangverein", den Bäckerverein „Frühaus" und den „Lahnthalsängerbund" folgten. Glückwunsch-Telegramme gingen ein von den DundeSvereinen „Liederkranz"-Marburg und „Liederkranz"-Weilburg. Sin schön verlaufener Ball beendete die Feier, welche gewiß noch lange in dem Gedächtniß aller Festtheilnehmer fortleben wird. Wir aber wünschen dem Verein auch fernerhin stete- Blük^ und Gedeihen! •• «hrung-AFreitag Abend, den 9. d. MtS., bereitete da- Lehrercollegium des hiesigen Realgymnasiums uvd t(e Realschule seinem am 1. November nach 40 jähriger Die^- zeit ehrenvoll auS dem Amte scheideaden senior $trrn frffor Dr. O. Bindewald eine einfache Abschiedsfeieri, der Restauration „Zum Andre-", die, wie wir hören, riot, recht schönen und gemüthlichen Verlauf nahm. Wie 'fll8nte lich und herzlich da- Derhättniß ist, in welchem der Sesetrn' zu dem Collegium stand, in dem auch einige frühere des ersteren sich befinden, davon liefert die Thatsache Beweis, daß außer den verschiedenen ihm gewidmeten toahr dem langjährigen Mitarbeiter ein sehr schöne-, finniges schenk überreicht wurde, daS derselbe gerühtt, mit herz'.ite» Dank und sichtlicher Freude entgegennahm. Einen ih» Setten der Schüler angebotenen Fackelzug hat de« nehmen nach der bescheidene Mann dankend abgelehnt. können nur wünschen, daß der hoch verdiente, durch so !r?«, Thätigkeit mit der Schule eng verwachsene, unermüdlich thin« Lehrer sich noch einer recht langen Ruhezeit in guter y'. sundheit erfreuen möge. Ob ♦ Hunde Ausstellung. In der auf der „Schönen gj sicht" vom Verein zur Züchtung reiner Hunderaffeu oera statteten Au-stellung waren etwa 80 Hunde aafgtfteu* Unter den ausgestellten Thieren waren 33 Jagdhunde, :: runter tadellos schöne Exemplare, ebenso waren unter tu 21 Dachshunden prächtige Thiere. Auch die so sehr e Mode gekommenen Foxterrier- waren in 13 Exemp.aik- vertreten. 3 Bernhardiner, darunter ein an Körper^-p gewaltige- Thier, 3 rauhhaarige Pintscher, 2 King Chanel x vervollständigten die Ausstellung, auf der die Familie hrt: der Spitze und Wachtelhunde gänzlich fehlte. Es ift mch? zu verkennen, daß da-, was gestern an edlen Wt;un:tr vorgeführt wurde, sich sehen laffen kann und den iinnlr.r Besitzern und Züchtern zur Ehre gereicht. Preise erhie 1. Klaffe. Schweißhunde, a) hirschroth. 2 Bewerber. 3. frtu „Sepp" Rüde, Besitzer H. Strater-Rheydt. 8. fttanc Deutsche Vorstehhunde a) Rüden, b) kurzhaarig haus 10 Bewerber. 1. Preis „Trcff" Laubach, Besitzer kl1 Züchter Gräfl. Leibjager Becker- Laubach. 2. Preis „£nn* Besitzer Forstaufseher L. Waldmann-Hausen bet BuydaH 3. Preis „Mentor", Besitzer Dr. Adolf Sch man-Gießer b) Hündinnen. 1. Preis „Betty-Frischauf", Besitzer i>7 Züchter H. Strater-Rheydt. 3. Preis „Flora Pfalz, Bk sttzer cand. med. vet. Scherrer-Gießen. 4. Klosse. Deutsch Vorstehhunde, kurzhaarig brauntiger, 4 Bewerber. 1 Preis „Mentor",BesitzerRechtSanw. Grünewald-Bießen. 2. Preis „Teil", Besitzer Fr. Brückmann-Hof Birklar. 3. Pr^ „Hector", Besitzer A. Bieler-Gießen. 6. Klasse. Ltut'tr Vorstehhunde, langhaarig braun. 2 Bewerber. 3 Prns „Hector von der Lahn", Besitzer Reinhardt Buderus-Lolln 7. Klaffe. Deutsche Vorstehhunde, stichelhaarig. 3 Bewerte, 3. Preis „HarraS", Besitzer Oberförster Andre Caubci 8. Klaffe. Griffon-, drahthaarig. 3 Bewerber. 1. fyw „$eje«W.", Besitzer und Züchter Ferd. Windeier Gießen. 2. Preis „Senta", Besitzer Ehr. übroee- Ehringshausen. 11. Klaffe. Irish Setter, einzige« (tytrpici „Tttrz-Haut", Besitzer A. P a cka r d - Wetzlar. 13 ».ant Dachshunde, schwarz-roth. 10 Bewerber. 1. Preis Besitzer und Züchter Förster Roggendors - Oberbiel. 3. Preis „Grete", Besitzer Ferd. Schmidt-Gießen. 14. Ä.-nr Dachshunde, roth. 6 Bewerber. 2. Prei- ,51m Grete", Besitzer Forstausseher Weber-Straßebei,^^ 3. Preis „Reinecke", Besitzer O. Manne-Großem (d- 15. klaffe. Dachshunde, braun mit gelb. 8 Bewerber 1. Preis „Dally-W.", Besitzer und Züchter Ferd.kinkecker- Gießen. 2. Preis „Waldmann-W.", Besitzer und Achter derselbe. 20. Klasse. Foxterriers, a) Rüden. 5 Bewerber. 1. Preis „Nox of Frankfurt", Besitzer Alb. Rauch-Fr^! furt a. M., b) Hüntnnnen, 7 Bewerber. 1. Preis Hellern", Besitzer H. Sprengel - Ruppertenrod. 2. Preis „Blitzmädel", Besitzer I. Reif-Gießen. 3. Preis ,8^ - Besitzer Aug. Gabriel - Gießen. Bon den Lvxusdant«. deren im Ganzen 13 vorhanden waren, erhielt der racl- haarige Pinscher „Jolly", Besitzer Anton Detgand-V"?^. den 3. Preis. Außer den Preisen wurden noch 2 Pritticru. nämlich: Höchste lobende Erwähnung und lodende ücw^- nung reichlich vertheitt. Für die besten Hunde nhie'.:,' außerdem deren Besitzer Ehrenpreise. •* Kur die Berloosuug zu der vom 13. bi- 16. Rov.'sbe» in Stein'- Sälen stattfindenden Local-Gartenda« Ausstellung gelangen von heute ab Loose in im Joseraie», theil noch näher bezeichneten Stellen zum Berkaus, werden, wie unS versichert wird, nur solche Pfianzeo zr Berloosuug angetauft, die für da« Publikum einen b’.etbeni Werth haben. Bei der geringen Anzahl von Loo-en K eine bedeutende Anzahl von Gewinnen vorgesehen. Für • ersten 10 Hauptgewinne sollen noch Gegenstände, a°8 • Pflanzen, al« Blumentische, Basen rc., ongekautt wc'.er: Dem Publikum ist Gelegenheit geboten, für den gerirzr- PreiS de- Loose- einen schönen Gewinn zu erzielen •• Fahneneid Heute Bormittag 11 Uhr fan. ” Exercirhause der Zeughau-kaserne die B er ei di -vo S am 1. October d«. IS. neu eingetretenen Einjährig An- willigen statt. - •• Die Wilddiebe, welche s. Zt. mit dem Förster ® zu Ilbenstadt zusammenstießen, wobei der Förster emen erhielt, find nunmehr ermittelt und zur Hast gebraat nro ■ Ein junger Mann von Heldenbergen, der als I“ • Betracht kommt und tret andere, die der Tyeilbo c verdächtig find, wurden gestern ftftgenommen. w mitelungen und an der Festnahme beihetl'gte sich * 1 * 3 * * * 7 8 * * * * * * 15 . p trage der Großh. Staatsanwaltschaft mit Erfolg hiesiger Schutzmann. . , ’• Schlag»-,. In bnflefjen» Wait > . Leute in der Bahnhofstraße einen Streit. Hit"" ' Im anderen nach, fiel dabei zur Erde und brach ein lebn. Derselbe wurde tu die Klinik gebracht. •* Die 22. ordentliche Hauptversammlung bei Lierschutziereioß fvr das Großherzogthn« Hessen findet Sams, iip, den 31. October, Nachmittags 3 Uhr, im Gasthaus jjim Deutschen HauS" zu BenSheim a. d. B. statt. Die ^eSordnung für dieselbe lautet: 1. Protocoll der letzten harptversommlung. 2. Rechenschaftsbericht für 1896. 3. Rech- angsablage für 1895. 4. Kaffrnbericht für 1896. 5. Bor« oschlag sür 1897. 6 Anträge deS AuSschufieS. 7. Etwaige Li träge der Mitglieder. 8. Vortrag des Herrn Seminar- letrer Buxbaum (Benshe'm): Unsere Freunde unter den SIriothieren, mit Borlage von Präparaten und Abbildungen. -j- Grävberg. 11. October. Am 14. und 15. l. MtS. stdet hier der sogen. GalluSmarkt, einer der bedeutendsten iterlhesfischen Jahrmärkte, statt- derselbe trägt von Alters |tr daS Gepräge eines Volksfestes und erfreut fich immer tiieS sehr zahlreichen Besuches aus der ganzen Provinz, gar Hebung der Vergnügungen wird am Mittwoch Abend riv Ball abgebalten. + Geiß-Nidda. 11. October. Herr Bürgermeister kinid dahier wurde mit Rücksicht aus seine Gesundheit wünsch- von dem Amte als Bürgermeister enthoben, welches tt beinahe 24 Jahre zur großen Zufriedenheit feiner Vor- hegten verwaltete. In Anerkennung dieser letzteren That- lach« wurde unserem bisherigen Gemetndeoberhaupt bereits tu 21. März cr. daS allgemeine Ehrenzeichen mit der In- Ifrfft: ^Für langjährige treue Dienste" verliehen. Mit der rivftweiligen Fortbesorgung der Bürgermeiftereigeschäste ist hrn Beigeordneter Bin ding commlttirt worden. Darmstadt, 10 October. DaS Schwurgericht verurtheilte 6$ute Abend die Ehefrau Marte Htrschinger wegen Silserverletzung mit tödtlichem Erfolg zu zwei Jahren Srsängniß. Die>e hatte am 28. Mai d. IS. ihr acht- jLhchgeS Söhnchen, nachdem eS bereits vom Vater wegen liidbtcher Ungezogenheiten Strafe erhalten hatte, derart miß« lonlidt, daß daS arme Kind eine Schädelzertrümmerung da- iontnig ur* zwei Tage später starb. Die Geschworenen scklin der jähzornigen Frau mildernde Umstände zugebtlligt. Darmstadt, 11. October. Die „Neuen Heff. VolkSbl." gelben: Ein auswärtiges Blatt läßt fich den Bären auf- Habi-n, es seien 60 russische DetectiveS hier eingetroffen. 61 rind allerdings einige russische Geheimpolizisten, welche im Kaiser stets begleiten, hier eingetroffen, deren Zahl ist über nur gering. Ebenso ist in daS Reich der Fabel zu ver- Nisan, daß daS Personal deS HoftheaterS den Ruffen vor- schellt worden fei, damit sich keine Fremden dort einschlichen. Daß in jeder Beziehung Vorsichtsmaßregeln getroffen sind, ist j» natürlich, wer aber die Verhältniffe kennt, kann über Md)! ungeheuerliche Aufschneidereien nur lächeln. Schwurgericht. W. Gießen, den 12. October 1896. .Heute Vormittag 9 Uhr begann die Verhandlung gegen iro Kljährigen Viehhändler Feist Sommer von Crainfeld itflcn Betrug, Meineid und Untreue. Bei Bildung der Siiij worenenbauk werden zwei Erfatzgeschworene ausgeloost. Die Anklage wird von Herrn Staatsanwalt Koch ver- htttai. Am Vertheidiqertlsch nehmen Platz die Herren Rechts- ntoi;(te Katz und Dr Jung. 36 Zeugen find zu hören. 'Der Thatbestand der Anklage ist der folgende: 1. Sommer hatte erfahren, daß der Landwirth Kraft i-Menfchlirf beabsichtige, ein Pferd anzuschaffen. Er setzte fj icaraufhin mit dem als Zeugen zu vernehmenden Jakob d Verbindung, welcher im Besitz eines Gaules war. Nach der zwischen Sommer und Jakob getroffenen Vereinbarung ging beffen Thier behufs Verkauf an Kraft für den Preis von 183 Mk. an Sommer über mit der Bedingung, daß der Mehrerlös für den Braunen zwischen dem Angeklagten und Jakob getheilt werden sollte. Nun begann der Gäuls- handel zwischen Sommer und Kraft. Der Erstere verlangte für daS Prachtpferd stramm 620 Mk., indem er die Güte desselben mit einem Schwall von Worten herauSstrtch. Nack vielem Handeln und Feilschen wurden die Parteien endlich mit 400 Mk. Handelseins, jedoch will Kraft diesen Preis nur gewährt haben auf die Versicherung des Sommer hin, daß das Roß fehlerfrei und nicht älter als neun Jahre sei. Gar bald aber merkte Kraft, daß er einen Veteranen von Sommer aufgehalst erhalten, er ging der Herkunft der Rofinante nach und ermittelte, daß dieselbe über 20 Jahre alt war. Die Staatsbehörde erblickt in diesem Handel die Merkmale des unter Anklage stehenden Betrugs. 2. Der als Zeuge zu vernehmende Landwirth Löffler stand mit dem Angeklagten seit mehreren Jahren in Geschäftsverbindung. Anfang des Jahres 1892 hatte der Angeklagte von feinem Kunden .ein größeres Guthaben zu fordern und übernahm für dasselbe im Februar 1892 Vieh im Ge- sammtwerth von 1020 Mk. Nun soll zwischen Sommer und Löffler am 14. Februar 1892 gegenseitig dahin abgerechnet worden sein, daß der Erstere an Löffler 320 Mk. 40 Pfg. herauSzuzahlen hatte, deren Behändigung bald darauf erfolgen sollte. Sommer leistete aber keine Zahlung, so daß Löffler die Klage zuerst wegen der runden Summe von 300 Mk. anstrengte. Der Prozeß erledigte fich, indem der Angeklagte zunächst verurtheilt wurde, einen Theil der 300 Mk. zu bezahlen, wegen des Restes wurden demselben zwei Eide zu schwören auferlegt, die er aber nicht leistete, sondern durch Vergleich die Verpflichtung der Restzahlung, sowie die Tragung der ganzen Gerichtskosten übernahm. Zwei Tage nach Proto- collirung dieses Vergleichs klagte Löffler gegen Sommer auf Grund der Abrechnung vom 14. Februar seine Restforderung im Betrage von 20 Mk. 40 Pfg. ein. Auch in dieser Sache wurde dem Beklagten Sommer ein Eid auferlegt, den dieser auch annahm und dahin leistete: Es sei nicht wahr, daß er am 14. Februar 1892 mit Löffler abgerechnet habe und daß aus dieser Abrechnung zu Gunsten des Klägers ein Guthaben von 320 Mk. 40 Pfg. verblieben wäre. Dieser Eid, den der Angeklagte am 26. Juni 1892 geleistet, soll, wie die Anklage behauptet, wiffentlich falsch geschworen sein. 3. Die Untreue erblickt die Staatsbehörde in folgendem: Anfangs der neunziger Jahre wanderte die Wittwe Benjamin Bär, die bis dahin in Crainfeld gewohnt hatte, nach Amerika aus. Behufs Ordnung ihrer Verhältniffe, nämlich zum Zwecke der Eintreibung von Außenständen, Einziehung und Verwendung des Geldes rc., stellte die Frau dem Angeklagten Sommer eine Generalvollmacht aus. Es wurde jedoch zwischen der Vollmachtgeberin und dem Bevollmächtigten ausdrücklich vereinbart, daß eine Spareinlage, die im September 1894 mit zugeschriebenen Zinsen den Betrag von 2058 Mk. 65 Pfg. ausmachte und welche die Erstere bet der Vorfchußkaffe Crainfeld gut hatte, unter allen Umständen dort stehen bleiben sollte. Zu aller Vorsorge wurde diese Vereinbarung schrist- lich gemacht und von der Bürgermeisterei Crainsetd beglaubigt. In diesem Schriftstück ist klar und deutlich fest« gelegt, daß der Generalbevollmächtigte ohne verherige schriftliche Ermächtigung der Wittwe Bär die Spareinlage nicht antasten oder erheben dürfe. Entgegen die Bestimmung soll nun der Angeklagte im September 1894 das Geld doch erhoben und in seinem Nutzen verwendet haben. Allerdings hat der Bürgermeister von Crainfeld, welcher dahinter kam, wie Sommer gehandelt und der die getroffene Vereinbarung mit diesem kannte, später vom Angeklagten nach vieler Mühe so nach und nach daS Geld zurück erhalten, jdoch hat die Wittwe Bär infolge dieses Vorkommnisse- die Generalvollmacht zurückgezogen. Sommer bestreitet entschieden den ihm zur Last gelegten Betrug, ebenso, daß er im fraglichen Fall einen Meineid geleistet- er gibt aber die Entnahme der Bär'schen Spareinlage zu, indem er behauptet, er sei damals der Ansicht gewesen, daß er als Generalbevollmächtigter das Recht habe, über diese Einlage verfügen zu dürfen- auch will er die getroffene Vereinbarung mit der Wittwe Bär betreffs dieser Spareinlage vergessen haben- das bezügliche Schriftstück habe seine Unterschrift erhalten, ohne daß er von dem Inhalt vorher Kenntniß genommen. Der Angeklagte erklärt, in Crainfeld geboren zu sein und seit dem 15. Jahre seinen Handel getrieben zu haben. Er hat zehn Kinder, von denen der älteste Sohn Arzt ist, darunter vier Töchter, von denen zwei mit einer Mttg.st von zusammen 15,000 Mk. verheirathet sind. Sein Grund- befitz sei 10—12,000 Mk. werth. Der Angeklagte erklärt, im Ganzen ein Vermögen von 40,000 Mk. zu besitzen, doch habe er mit seiner Frau 15Q0 Gulden erheirathet. Der Angeklagte bestreitet ganz entschieden die ihm zur Last gelegten Delicte. Er habe selbst nicht das hohe Alter des an Kraft verkauften Pferdes gekannt, diesem aber auch nicht ausdrücklich garantirt, wie alt der Gaul ist. Derselbe war auch 400 Mk. werth, denn später ist daS Thier auf dem Ortenberger Markt für 320 Mk. verkauft worden. Sommer hat später den Braunen zurückgenommen und einen anderen geliefert. An diesem zweiten Pserd hat Sommer allerdings rd. 100 Mk. profittrt und um diese Summe will Kraft geschädigt fein. Betreffs des Handels mit Löffler behauptet Sommer, dessen Vieh im Februar 1892 für 1000 Mk. und nicht, wie die Anklage behauptet, zu 1020 Mk. übernommen zu haben. Eine Abrechnung habe nicht stattgefunden. Es werden nun die Urtheile des Amtsgerichts Herbstein in Sachen Löffler gegen Sommer wegen Zahlung von 320 Mk. 40 Pfg. verlesen; deren Inhalt deckt fich mit dem im Thatbestand der Anklage Enthaltenen. Der Angeklagte behauptet, da thatsächlich eine Abrechnung nicht stattgefunden, habe er den fraglichen Eid auch leisten können. (Forts, folgt.) vermischtes. * Marburg, 10. October. Im Dorfe Wickenrode bei Witzenhausen erschlug ein betrunkener Fabrikarbeiter Brack seine schwangere Ehefrau. Der Gattinmörder wurde verhaftet. kirchliche Anzeigen der evang.Gemeinde. Montag den 12.Ddober, Abends 8Uhr: Erste Bibelstunde im Confirmandensaal der Johannesktrche. Pfarrer Dingeldey. Bergpredigt, Matth. 5, 1 ff. Dienstag den 13. October, Nachmittags 6 Uhr: Versammlung der neuconfirmirten Mädchen der Lucasgemetvde im Schwesternhaus. Pfarrer Dingeldey Heute Dienstag den 13. October, Abends8Uhr: Vereinigung der confirmirten Mädchen aus der MarcuSgemeinde im Confirmanden- saal der Neustadt Nr. 61. Dr. Grein. Verkehr, nnd volkswirthschaft Gründer-, 10. October. Fruchtpretse. Weizen X 15.02, Korn X 14,00, Gerste X 00,00, Hafer X 12,00, Erbsen X 00,00, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0 00, Samen X 00,00. ■ ■ ■ ff ! h währtesten Sorten, lose und in allen Packungen 796 Niederlage bei Eberhard Dort, Gieße». Etiquetten, fertigt I, billig.’n I .'i.-i die Brühl’sche Univ.-Druckerei (Pietsch L Schift Scbületraeee 7. Hamburger Engros-Lager - Alexander Salomon S Co. empfehlen zur Jahreszeit: mi Jederbefiitze, Plüsch, Sammt, Seidenstoff in reicher Musterauswahl. Pfttdrdnklht gksulht. M2I Maurermeister Langsdorf. Unterzeuge, Schultertragen, Capotten, Strümpfe, Handschuhe Krimmer, Astrachan, Wollplüsch für Capes und in Streifen.__ 9034] Pferdeknecht sofort gesucht. LtcherNratz« 6. Erdarbe 9035 I »i werd a angrn ckel, Licherstra C n noch ommen ze 5. Damen- und Kinderröcke, Schürzen, Damen- und Herrenwäsche, Crava tten. oursbericht von Conrad Dietz, Bankgeschäft, Gießen, Schulstraße 10. 1 Eouvse vow 3/10. H0./10 R Lo«rss vom 3./.10 jlO./lO. ir Eourse vom 3./10. 10./10. X Eonrs« vom 3./10. I10./10. - 24 71 eii. 141 - 16-1 iSfcl 1««* H es» 14*1 nr« 14** i»4 iTF l»t2 s* IS»-- -- T» s 8ebacrton: H. Scheyda. — Druck und Crtlafl brr Brühl'schrn UniDerfititfl-8ii(6* und Steinbrutferei (Pietsch & Lcheyba) in ®if Aie Di*utif,