Nr. 267 Erstes Blatt. Donnerstag den i2. November ueßener Anzeiger Henerat-Anzeiger. Rtbaction, Exprditio« und Druckerei: SLukgratze Ar.". Ferusprechrr 51. Vierteljähriger Akonncm.utsprciur 2 Murk 20 Pfq. mit Bringerlcbu. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg. Die Gießener Aamttienk kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der HK-errer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen Hratisöeikage: Hieß euer Aamikienötätter. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehme« i Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenvcn Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Amtlicher Theil. An die Bürgermeistereien des Rentamtsbezirks Gießen. Wir ersuchen Sie, in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen, daß die zu Martini 1896 fällig werdenden Domanialgefälle, als Steig- und Loosholz, Laubstreu-, GraS- und Zeitpachtgeldrr, Beiträge zu den Forstdtenerbesoldungen pro 1896/97 nur noch bis zum Sö. dss. MtS. ohne Kosten bezahlt werden können. Nach dieser Zeit wird das BettreibungSoerfahreu eingeleitet. Gießen, den 2. November 1896. Großherzogliches Rentamt Gießen. Dexh eime r. Bekanntmachung. Dienstag den 17. November 1896, Nachmittags 2 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller zu Gießen eine Generalversammlung deS laudwirthschaftl. Bezirksvereius z« Gießen abgehalten werden. Zu dieser Versammlung werden alle Mitglieder deS Vereins und der landwtrthichaftlichen Localvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch freundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister werden ergebenft ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern deS Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf recht zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. Tagesordnung: 1. Die Nothwendigkeit der Abänderung der hesfischen Instruction für die chemischen Untersuchungsämter zur Untersuchung der Milch. Referent: Rechtsanwalt Jost in Gießen. 2. Aufzucht der Schweine und Fütterung derselben. Referent: Herr Oberamlmann C. Hoffmann zu Hofgüll und Herr Pachter v. Oven in Hungen. 3. Beschlußfassung über gemeinschaftlichen Bezug von künstlichem Dünger. Gießen, den 26. October 1896. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins. C. Jost. Deutsche» Reich. e Ploen, 9. November. Hofprediger Dr. Fromme! ist heute früh 8f/a Uhr gestorben. Dr. Emil Fromme!, der am 8. Januar 1825 zu Karlsruhe geboren, gehörte zu den beliebtesten Kanzelrednern. Nachdem er die Pfarrämter in Altlußheim bei Heidelberg, Karlsruhe und Barmen bekleidet, wurde er 1869 als Garnisonspfarrer nach Berlin berufen. Die hochselige Kaiserin Augusta war auf ihn schon früher in Holland, wo Fromme! auch als Geistlicher wirkte, aufmerksam geworden und bewirkte seine Berufung als Hofprediger. Unter General v. Werder hat Frommel am Kriege 1870/71 als Feldprediger theilgenommen. In Ploen wirkte er als Seelsorger der kaiserlichen Prinzen. Schon verschiedene Male tauchten beängstigende Gerüchte Über den Gesundheitszustand des verehrten Geistlichen auf. Frommel unterzog sich einer schmerzvollen Operation infolge eines Geschwürs- diese verlief ganz glücklich, so daß die Todesnachricht ganz unerwartet kommt. Frommel erwarb sich auch als Bolksschriftsteller einen gefeierten Namen. — Das Kaiserpaar hat den Hinterbliebenen sein tiefstes Beileid auSgedrückt. Xteucfte Nirchrichsesk Bolff» telegraphisches Correspond en»-Bure»«. Berlin, 10. November. Nachdem am SamStag zwei Kellner wegen MünzverbrechenS verhaftet worden waren, ist heute ein dritter Kellner wegen desselben Ber- brechens verhaftet worden. Die verhafteten befaßten fich mit der Fabrikation und dem Vertriebe falscher Z oeimark Stücke mit den Bildnissen deS Königs von Sachsen (1877 E) und Kaiser Wilhelm I. (1876 A), sowie falscher Etnmark- Stücke (1883 A). Die Bande unternahm häufig Ausflüge nach anderen Städten, so auch nach Hamburg, wo sie eine größere Anzahl von Falflficaten unterbrachte. Die Stücke find an dem fehlenden Klang und Gewicht leicht erkennbar. Besonder« schlecht ist der Rand gefertigt. Berlin, 10. November. Die ZeitnngSmeldungen über deutsch-russische Verhandlungen zollpolitischer Natur find der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge nur insofern begründet, als allerdings demnächst in Berlin eine deutsch- russische Commission zusammentreten wird, um Schwierigkeiten zu berathrn und zu begleichen, die auf handelspolitischem und veterinär-polizeilichem Gebiete entstanden sind. Rathenow, 10. November. Amtliches Wahlrefultat. Bei der Reichstags-Stichwahl im Wahlkreise West Havel- land-(Stadt) Br an den bürg wurden inSgesammt 19,405 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Schriftsteller PeuS- Dessau (Soc) 9720 und auf Landrath v. Loebell Rathenow (conf.) 9685 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Frankfurt a. M., 10. November. Der Bankier A. Federltn und dessen Theilhaber Hirsch find heute verhaftet worden. Düsseldorf, 10. November. Dr. Vo lbeding wurde zu 4 Jahren und 1 Monat Gefängniß, 3000 Mk. Geldstrafe und fünfjährigem Ehrverlust verurtheilt- die Mitangeklagten: Könnkcke zu halbjähr gem und Win gerath zu zweimonatigem Gefängniß. Bolbeding wurde sofort verhaftet. Bremen, 10. November. Der „Br. Cour." meldet au« Wilhelmshaven: Nachdem am 25. October bereits zwei Gerettete vom „Iltis" hier eingetroffy find, läuft heute die Meldung ein, daß auch die übrigen Geretteten am 17. November in Wilhelmshaven ankommen werden. Für einen feierlichen Empfang werden besondere Vorkehrungen getroffen. Meran, 10. November. Die feierliche Veisetzung der Leiche des Herzogs Wilhelm von Württemberg hat heute Vormittag in Anwesenheit der Erzherzogin Maria Theresia, der Erzherzöge Franz Ferdinand und Carl Ferdi- nand, der Herzöge Nikolaus und Albrecht von Württemberg, der Großsürsttn Alexandra, des Kriegsministers Edler von K.ieghammer, des LanbeSvertheidigungSmimsterS Baron Fejer- vaiy und zahlreicher Regimentsdeputationen stattgefunden. Den Leichencoaduct eommandirte der Kriegsminister. Am Sarge wurden viele Kränze niedergelegt. Unter den Spenden befanden fich solche deS Deutschen Kaisers, des Kaisers Franz Joseph und des Königs und der Königin von Württemberg. Depeschen deS Bureau .Herold". Berlin, 10. November. Der Kaiser empfing heute Vormittag den österreichisch ungarischen Botschafter v. Szö- gyeny-Marich und wohnte um 12 Uhr Mittags zu Potsdam der Vereidigung der Rekruten der in Potsdam garnisonirendrn Gardetruppen bei. DaS Frühstück nahm der Kaiser im Kreise des Osfizier CorpS deS 1. Garde-Regiment« zu Fuß ein und fuhr nach demselben nach dem Neuen Palais zurück. Berlin, 10. November. Die Kaiserin ist heute früh 4 Uhr 25 Min. aus Piön mittelst SonderzugeS auf der Wiltparkftation wieder eingetroffen. Sie begab fich von dort zu Wagen nach dem Neuen Palais. Berlin, 10. November. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß deS Kaisers an den Minister des Innern: „Auf Ihren Bericht vom 1. November d. I. bestimme ich hiermit in Abänderung de« Allerhöchsten Erlasses vom 22. October 1882 als Farben der Provinz Pofen die Farben weiß, schwarz, weiß und überlasse Ihnen, die dieserhalb erforderlichen Anordnungen zu tr-ffen. Neue« PalaiS, den 9. November 1896. Wilhelm, I. E. Berlin, 10. November. Der BundeSrath beschäftigte fich heute nochmals mit dem Entwurf dkS Reichs haushalt« für 189 7/98 und zwar bildete heute zunächst der Haushalt der Colonien den Gegenstand feiner Berathung. Wie die „Post" hört, wird erst morgen der Militär-Skat auf der Tagesordnung stehen. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß der Etat Ende der Woche dem Reichstage zugehen wird. Frankfurt a. DL, 10. November. Heute tagte hier eine BertrauenSmänner-Bersammlung der christlich- socialen Partei, zn welcher 60 bis 70 Theilnehmer eingetroffen find. Den Vorsitz führte Graf zu SolmS- Laubach, Hofprediger a. D. Stöcker hielt die einleitende Ansprache. Er sührte gegenüber dem Ausspruch „Christlichsocial ist Unfinn" anS, daß die christlich-sociale Bewegung ein Bedürfniß für den monarchiichen Staat sei. Die Aufgabe der Partei sei eS, die christlich-socialen Ideen durch den Wirrwarr der Zeit zu retten. S öcker schloß mit den Worten: So wollen auch wir, ohne nach de» Schutz der Obrigkeit un« zu sehnen, schlicht und recht weiter unsere Pflicht thun. Lio. Weber - M. Glabbach sprach über das Thema: „DaS Christliche in Christlich-social." Außerdem waren noch einige andere Redner vorgesehen. Heute Abend findet eine Volksversammlung statt, in welcher Stöcker und Chefredaetenr von Oertzen über die socialpolitische Lage und Aufgabe sprechen werden. Leipzig, 10. November. Im Proceß Auer und Genossen, der bekanntlich die Gesetzmäßigkeit der socia- lisiischeu Partei-Organisation zum Gegenstand hat, ist heute das Unheil der Berliner Strafkammer vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückgewiefcn worden. Das Reichsgericht hat in dem angefochtenen Urtheil die Feststellung vermißt, daß die Parteileitung ein Verein fei, welcher politische Er- örierungen in Versammlungen bezwecke, was die Zugrundelegung deS § 8 des Vereinsgesetzes erfordere. Criminal- Commissar Schöne wohnte im Auftrage des Berliner Polizei- präfidenten der Verhandlung bei. München, 10. November. Die „Münch. Freie Presse" veröffentlicht heute unter der Ueberschrift: „Auf unseren RedactionSktsch geflogen" folgendes Actenstück: „An ....... P. P. ES ist neuerdings die Wahrnehmung gemacht worden, daß Staatsbeamte Petitionen unterzeichnet haben, welche darauf abzielen, die parlamentarischen Körperschaften zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Regierungsvorlagen oder zu einer wesentlichen Abänderung derselben zu bestimmen. Auch an öffentlichen Versammlungen, in denen solche Petitionen berathen worden sind, haben Staatsbeamte einen Antheil genommen, welcher erkennen läßt, daß es diesen nicht um eine Abwehr, sondern vielmehr um eine Förderung der gegen Regierungsvorlagen unternommenen Agitation zu tbun war. Ein solches Verhalten ist unvereinbar mit den Pflichten eines Staatsbeamten. Derselbe hat fich der Theil- nahme an Bestrebungen zu enthalten, die darauf gerichtet find, der Durchführung der Regierungspolitik Schwierigkeiten zu bereiten. Das Staatsministerium hält es für angezeigt, die Beamten sämmtlicher RcssortS hierauf mit dem Bemerken hinzuweisen, daß die Regierung Willens ist, dieser ihrer Auffassung eintretenden Falles unnachsichtlich Geltung zu verschaffen. Berlin, den 18. April 1896. Königliches Staat«- Ministerium. (Unterzeichnet von sämmtltchen Ministerien.) Rom, 10. November. DaS nächstjährige Budget wird trotz der Mehrausgaben von 12 Millionen für die Armee kein Deficit aufweisen. Paris, 10. November. Der „Newyork-Herald" meldet, daß der amerikanische Dampfer „TexaS" tm Hafen von Brooklyn infolge einer Explosion, welche unter dem Wasser- spiegel ein großes Leck verursachte, untergegangen ist. Toulouse, 10. November. Man schätzt die Zahl der Toci ältst en, die Aussicht haben, in den Gemeinderath gewählt zu werden, auf 25. London, 10. November. „Times" und "„Standard" drücken ihre größte Befriedigung über die gestrige Rede Salisburys aus. „Standard" sieht fich besonders dadurch befriedigt, daß England während der Dauer der Unterhandlungen in der Orientfrage vom Dreibund unterstützt wurde. Moskau, 10. November. Das Gebäude der Traber- gesrllschaft und zehn umliegende Wohnhäuser find von einem großen Brande heimgesucht worden. Der Schaden ist sehr bedeutend. Konstantinopel, 10. November. Die Militär Attache« der Botichastrn haben die Vorarbeiten für die Reorganisation der Gendarmerie beendet und die Entwürfe den Botschaftern überreicht. Newyork, 10. November. Der Polizei ist e« gelungen, eine Bande zu entdecken, die seit langer Zeit die Check- fälschung syiematisch betrieb. Der Schaden, den zahlreiche Geschäfte durch die Bande erleiden, beträgt eine halbe Million Dollars. Die Verhaftung der Checksälscher gelang durch einen Zufall- einer derselben hat bereit« etn umfassende« Geständniß abgelegt. Berlin, 11. November. Die CentrumSfraction de« Reichstage« hat gestern beschloffen, im Reichstage eine Interpellation über die jüngsten diplomatischen Enthüllungen einzubringen. — Gegen den Premierlieutenant a. D. von Schön tft ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Körper- Verletzung mittel« gefährlicher Werkzeuge eingeleitet worden. ES handelt fich um ein Rencontre zwischen Schön und de» Maler Strohmann. Berlin, 11. November. In der Conferenz der soeia- listischen Parteipresse, welche am 8. und 9. d. Mt«. int Reichstagsgebäude tagte, wurde dem „Vorwärts" zufolge unter Anderem beschloffen, ein Bureau zur Lieferung selbst- ständiger parlamentarischer Berichte für die Part'ipresse zu errichten, welche« in der nächsten ReichstagS-Sesfion in Thätigkeit treten soll. Berti», 11. November. Heute vormittag wird ans Befehl de« Kaiser« eine große Trauerfeier für den Hof- Prediger Dr. Fromme! tu der Garnisonskirche stattfinden, an welcher auch daö Kaiserpaar thetlnehmen wird. Vorher soll die Leiche eine Stunde lang in der Kirche öffentlich aufgebahrt werden. Frankfurt «. M.. 11. November. Der christlich- sociale BertrauenSmännertag nahm im Verlauf seiner gestrigen Verhandlungen eine R solution an, in der Vorstand und Vertrauensmänner der christlich-socialen Partei die Mitglieder der Partei ersuchen, der nach Erfurt berufenen Versammlung der um die „Hilfe" und die „Zeit" sich schaarenden Socialpolitiker fernzubleiben. In der für gestern Abend von der Partei rinberufenen Volksversammlung, in welcher Stöcker und v. Oertzeu sprachen, kam es während der Debatte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Alten und den Jungen, den Stöckerianern und Naumannianern. Königsberg, 11. November. Gegen den Chefredacteur der „Hartung'schen Ztg.", Walter, war Zeugniß Zwangsverfahren wegen Veröffentlichung des CommanvauturbefehlS, der den Offizieren den Besuch des BöriengartenS verbietet, c'.ugeleitet,- Walter verweigerte vor dem Commaudauturgericht die Nennung seines Gewährsmannes. Loburg, 11. November. Die Soctaltften siegten auch im 9. Wahlbezirk, so daß bis jetzt sieben socialtsttsche Abgeordnete im Gothaischen Landtage fitzen. Brussel, 11. November. In Mittel-Belgien wurde gestern eln leichtes Erdbeben verspürt. CoceUs tmb Ließen, den 10. November. Ernennung. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 4. November den Lehrer au dem Dr. Hoch'jchen Conservatorium in Frankfurt a. M., Gustav Otto Trautmann, zum Mufikdtrector bet der Landes-Universität zu Gießen mit Wirkung vom l.December 1896 zu ernennen. ** Local Gartenbau-AuSstellung. Mit rührigen Händen wird bei Tag und Nacht an der Vollendung der Gartenbau-Ausstellung in Steins Sälen gearbeitet,- der Grottenbau, Wasserfall und die Schmückuug der Säle gehen Ihrer Vollendung entgegen. ES verspricht das Ganze ein wohlgelungenes Bild einer Gartenbau-Ausstellung zu geben. Aus Versehen ist auf den Anschlagszetteln der Eintrittspreis für Sonntag Mittag nach 1 Uhr anstatt 50 Pfg. auf 75 Pfg. angesetzt worden. •• „Gibt es Sunde?" ist das Thema des dritten Vortrags, den Dr. Joh. Müller übermorgen, Freitag Abend 8 Uhr, diesmal ausnahmsweise in der UniversitätSaula halten wird. Wen interessirte nicht diese Frage auf daS lebhafteste, sie ist ja so persönlich wie möglich! Jahrhunderte lang ist sie bejaht, ist eS den Menschen gepredigt und von ihnen gefühlt worden, bis sie in neuerer Zett vom Grund der Naturwissenschaft und Psychologie auS verneint und die ganze Anschauung als eine oberflächliche und pessimistische erklärt worden ist. Ist daS richtig? Stehen wir „jenseits von Gut und Böse", oder find wir böse, sündig? Die Behandlung dieser Frage wird um so mehr intereffiren, da ja ein Jeder die Ausführungen des Redners durch seine eigenen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen controlliren kann, da die Frage eine höchst pracitsche Lebensfrage ist. Deshalb sei ganz besonders darauf htngewiesen. •• Theatervereiu. Men macht der literarischen Orthodoxie mit Recht den Vorwurf, daß sie Motive, Verhältnisse und Empfindungen, deren Darstellung sie in der gehobenen, elasfischen Dichtung bewundert, bet den Neueren mit einer gewissen Hühnerbltndhett zu mißkennen und zu verketzern Pflegt. Jede Zett hat ihren eigenen Inhalt und muß darnach streben, ihn in daS goldene Gefäß der Poesie zu fassen, wenn sie nicht in der Schablone verdorren will. Der direkt zum Herzen aller Mitwelt führende Weg des bürgerlichen Dramas, den Schiller in „Kabale und Liebe" eingeschlagen hat, und den Hebbel in seiner „Maria Magdalene" fortsetzle, ist erst von der jüngeren Dramatikergeneration mit zirlbewoßter Energie wieder betreten worden. Eine Tragödie, modern, wie „Kabale und Liebe" vor hundert Jahren, ist Arthur Schnitzler'- Schauspiel „Liebelet", mit dem daS Frankfurter Stadttheater die heurige Saison des Thcaterveretns eröffnet. Die Handlung dieses interessanten Schauspiels ist gering, sie vollzieht sich fast ganz innerlich und gtebt zu „starken" Scenen keinen Anlaß. Die Eifiadung scheint eine bloße Abschrift de- Lebens zu fein, dennoch enthüllt sich unS in ihren schlichten Zügen die ordnende Hand eines Künstlers. Ebenso wird auch die Sprache von oem ungesuchten Ton deS alltäglichen Lebens beherrscht, der sich allerdings in allen entscheidenden Momenten zu den Naturlauten echtester Empfindung aufschwingt. Und über dem Ganzen weht der weiche Hauch deS Wienerthums, deS goldenen Leichtsinns und der LtebeSsehnsucht, die an der schönen blauen Donau leichter alS anderswo das Herz zum Herzen führt. Ein leidenschaftlich bewegtes SchickialSbtld zeigt sich uns im Rahmen eines korrekten und haltbaren Theaterstücks, daS sich bei aller Einfachheit durch klare und folgerichtige Entwickelung auSzeichnet, und naturalistischen Auswüchsen keinen Raum gewährt. **H. Stadltheater. ES wäre gewiß ein recht dankbare- Thema, über „Gießener Kunftanfichteo, Kunstverständniß, Kunstansprüche und Kuvstanerkennung" ein Feuilleton zu schreiben, in welchem zwar, um keinen Sturm geheuchelter Entrüstung zu entladen, Ironie und Satire auS dem Spiele bleiben müßten. Die Referenten auf allen Gebieten der Kunstentfaltung hiesiger Stadt waren wiederholt schon ge- uöthigt, in gerade nicht schmeichelhafter Weise sich über die Anerkennung seitens des kunstverständigen Publikums über gebotene Leistungen auf dem Gebiete der Musik, des Gesanges, der Malerei, ganz besonder- aber deS Theater- auS- -«sprechen, sie alle sanden, daß hier große Forderungen gestellt werden, jedoch bei möglichster Erfüllung dieser in undankbarster Weise unbeachtet blieben, allerdings mit der einzigen Ausnahme dessen, was hier von vornherein in der | Sphäre unserer hiesigen tonangebenden Kreise sanctionirt wurde. Die Gegensätze berühren sich — ganz besonder- in einer Universitätsstadt. Daß da- Geschilderte auch zutreffend bei dem jetzigen Theater-Unternehmen der Direktion Krusetz elm, wird kein Einsichtsvoller zu widerlegen wagen. Diese hat bi- jetzt so viel schon geboten, daß selbst verwöhnte TheaterhabitueS befriedigt werden konnten. Keine Mühe, keine Kosten wurden gescheut, um dem Geschmack, den Anforderungen, der Abwechslung Rechnung zu tragen. Gute Leistungen deS heimischen Personal- wurden wiederholt con- statirt, hervorragende Künstlerinnen und Künstler absolvirten schon Gastspiele und gegenwärtig, wo Fräulein Emma Frühling, eine anerkannte Größe im Fache der Soubretten, hier gastirt, lohnt ein nur mittelmäßig besetztes tzauS I Leistungen, welche gestern und vorgestern in Frankfurt bei vollen Häusern enthusiastisch ausgenommen wurden. Wo bleibt namentlich unsere akademische Jugend, der man allerdings nicht zumuthet, Trauerspiele oder zum Denken anregende Stücke zu besuchen, aber wo Humor, frohe Laune mit „Geist und Grazie" ihr Scepter schwingen, könnte sie diesen doch ein paar Stunden widmen. Doch wollen wir nun über die gestrige Vorstellung berichten. Gegeben wurde „Der jüngste Lieutenant", eine vieractige Poffe von Jacobsohn. Die Titelrolle verkörperte Frl. Frühling in einer Weise, daß sie sich gleich bei den ersten Scenen den Beifall der Anwesenden eroberte. Welch' prächtige Nüancen verstand sie diesem Lieutenantstypus zu geben, welche Natürlichkeit, Schneidigkeit, die im wahrhaften Sinne des Wortes als „pyramidal" bezeichnet werden muß. Bei dem Vortrag der chic und mit guter Stimme gebrachten Couplets fand sie allerliebste graciöse Pointen, so daß man des Lachens und ApplaudirenS nicht müde wurde. Wir freuen uns im Voraus auf den heutigen Abend, wo Frl. Frühling in „Die wilde Katze" einen Wilbfang erster Sorte in „Mar- quita Garcia" uns vorführt. Die übrigen Mitwirkenden accompagnirten durch flottes, gutes Spiel vortrefflich, so daß das Publikum über das Gehaltlose dieser Posse angenehm htuweggetäuscht wurde. Wir erwähnen deshalb die guten Leistungen der Herren Director Helm, Frttzfchler, Peickner, Leuschner, Schröder und Kunert, sowie der Damen Kruse, Diener, v. Winter st ein, Dell- mar und Leno- sie Alle verhalfen zu dem Lach-Erfolg des Abends und wurden mit lebhaftem Beifall bedacht. e Paul Bulß am Hofe deS Königs von Dänemark. Die Concerte deS Kgl. Sächs. Kammer- und Kgl. Preuß. Hof- operusängerS Paul Bulß in Kopenhagen hatten einen so ungewöhnlich glättenden Erfolg, daß der berühmte Sänger nicht weniger als drei veranstalten mußte. Der König, die königliche Familie, sowie die höchste Aristokratie waren stets zugegen, und der große Künstler sang so wundervoll, daß ein Jubel und eine Begeisterung herrschte, wie sie in Kopenhagen noch kaum jemals vorgekommen find. Paul Bulß, mit seiner unvergleichlich schönen Stimme, seinem gluthvollen Vortrag, war der Gegenstand fast unerhörter Ovationen. Dieser einzig dastehende Gesangsoirtuose mit seinem vornehmen, ritterlichen Auftreten, ist eine Erscheinung im Concrt- saale, wie wir ihr selten begegnet sind, denn zweifelsohne find die meisten Bühnenkünstler keine Concertsänger. Wie ist man aber erstaunt, wenn man Paul Bulß ijöit; wie singt er z. B. Schubert, Schumann, Löwe, oder wie die Compo nisten alle heißen mögen, die das Glück haben, von ihm interpretirt zu werden! Man muß es hören, mit welchem geistvollen Vortrag der Sänger seine Darbietungen auS- stattet, wie er gleichsam seine ganze reiche Seele htneinlegt. Kein Wunder bet Anwesenheit einer so vornehmen Zuhörerschaft, daß bet Paul Bulß' Auftreten Saal und Logen überfüllt waren, und die Damenwelt tn den prachtvollsten Toiletten und Brillanten glänzte, um dem deutschen Meistersänger ihre Bewunderung und Verehrung entgegenzubringen. Eine ganz besondere Auszeichnung für den Künstler aber hatte der König von Dänemark ihm zugedacht. Derselbe lud ihn zum Frühstück ein, wobei die ganze königliche Familie zugegen war und der Künstler in der größten Zwanglosigkeit mehrere wunderschöne Stunden verlebte. Zuletzt mußte Paul Bulß auf specielle Bitte deS König- mehrere Lieder singen, und Seine Majestät der König überreichte ihm höchsteigen- händig für den Kunstgenuß zum Andenken daö Ritterkreuz des DanebrogordenS. Tag- darauf begegnete dem Kron- Prinzen von Dänemark unser gefeierter Sänger auf der Promenade,- Se. Kgl. Hoheit sprachen den Künstler an und verweilten längere Zeit mit ihm zusammen. Die ungewöhnlichen Ehren und Auszeichnungen, die man Paul Bulß dar- brachte, grenzten bet der Presse nun geradezu an lieber- schwängltchkeit, die Zeitungen waren täglich voll von Erzählungen und Mittheilungen über die enormen Erfolge, die die Paul Bulß-Abende hatten. So schrieben „Danebrog": „ES sollte sämmtlichen Sängern befohlen werden, Bulß' Concerte zu besuchen"- „Politiken": „Bulß ist ein Cröst«, der seinen großen Ueberfluß freigiebig nach allen Seiten auöstreut". Ferner lesen wir: „Diese Stimme zwingt jedes Auditorium, sich sofort auf Gnade und Ungnade zu ergeben." — Alle, die den Helden de-Sange- gehört haben, rufen dem liebenswürdigen Sänger-mann „Auf Wiedersehen" entgegen. *• DaS Panorama in den Neuenbäuen hat in dieser Woche eine neue Prachtserie ausgestellt, die auch eine Vorstellung von der Großartigkeit der Hochalpen zu geben vermag. Schönere Ansichten wie Annecy am See, Schloß Tuingt am See, die hohe Brücke von Caille über die Schlucht, St. Gervais, die Fier-Schlucht, Albertville, den großen St. Bernhard mit Ho'piz, die EiSgrotten, Schluchten, Schnee- tunnels x. dürfte da- Panorama noch nicht geboten haben. Die geschmackvolle Auswahl, die überraschend naturgetreue Farbengebung, Beleuchtung und Perspective gibt diesen GlaS- photograwmen eine seltene Vollendung. ee Ei« fremder Sa«ner, der durch da- sog. S mmel- blätichcnspi.l tn hiesigen Wirtschaften mehrere junge Leute gerupft hatte, wurde in vergangener Nacht am Bahnhöfe, al- er im Begriff stand abzureisen, verhaftet. •• Feuer. In der Lackfabrik Znrbuch in den Eich- gärten entstand gestern Nachmittag kurz nach 5 Uhr Feuer dadurch, daß daS siedende Oel in Brand gerieth. Die ganze Anlage, bis auf das massive Lagerhaus, brannte nieder, ebenso ein Tbeil der daraustoßenden Wmter'ichen Ziegelei. •• Die «rbeiterhiufer der Baugenossenschaft bei evangel. Arbeiter-Vereins. In der Landmannstraße find nach Pläne« des Herrn Architecten Hamann weitere vier Doppelhäuser für Arbeiter-Familien fertig gestellt worden. Die Sockel der Gebäude find bis zur Kellerhöhe aus Lung- steinen, welche sauber gefügt find, auSgeführt, worauf fich das Parterregeschoß, aus rothem Verblendstein Material her- gestellt, aufbaut. Das Kniestockwerk ist bei einzelnen der Wohnhäuser massiver Putzbau mit geschmackvoller einfach wirkender Verblendsteingliederung, bei den anderen Gebäuden in Holzfachwerk hergerichtet, dessen Steinflächen geputzt find. Zur Dachung hat man Falzziegel gewählt, während die Dachgauben mit Schiefer gedeckt find. Zu ebener Erde find außer der Kücte, die nach dem Hofe hinaus untergebracht, nach der Straße zu belegen zwei Zimmer, diese sind unterkellert. Iw Obergeschoß find je nach Größe 3—4 kleinere Raume vorhanden. Diese Häuser in der Landmannstraße machen unstreitig einen einfachen, aber angenehmen Eindruck auf den vorübergehenden, der fich noch freundlicher gellalten wird, wenn die Straße selber erst auSgebaut sein wird, und die Vorgärten vor der Häuserreihe in Ordnung gebracht find. Die Häuser sind, soweit dieselben bezngSfähig, bereits bewohnt. * Alters- und ZovaliditatS-Verficherung. Ein wichtiger Paragraph ist, wie die Erfahrung lehrt, gar vielen der bei der JnvaliditätS- und AlterS-vet sicherung beteiligten Personen völlig unbekannt. Die gegenwärtige Jahreszeit, die die meisten Veränderungen, besonder- im Baufach, herbeisührt, bietet Veranlassung, die Aufmerksamkeit der Interessenten auf den betreffenden Paragraphen de- KledegesetzeS von Neuem hinzulenken. ES heißt dort: „Wird ein zwischen einem Der- sicherten und einem bestimmten Arbeitgeber bestehende- Arbeit-- ober Dienstverhältniß derart unterbrochen, daß ersterer ander BerficheruugSpfl'cht vorübergehend ausscheidet, so kann sür einen vier Monate nicht übersteigenden Zeitraum daS VersicherungSverhältniß auch ohne Betbringung von Zusatz- marken dadurch freiwillig aufrecht erhalten werden, daß der Arbeitgeber oder der Versicherte die bisherigen Beiträge fortentrichtet." 4- Nidda, 10. November. Seit diesem Herbst wurde hier erst ein Diphtheriefall, und zwar vorgestern, festgeftellt, welcher aber nur leichter Natur ist. — Da- wichtigste Kennzeichen dieser Erkrankung ist bekanntlich weiß- gelber Belag im Rachen und auf den Mandeln. Solcher kommt aber auch bei ungefährlichen Halsentzündungen vor und ist es sonach für den Laien häufig sehr schwer, die Diphtherie richtig zu erkennen. Man schicke daher alsbald zum Arzte- bis dieser eintrtfft, mache man Eisausschläge um den Hals, lasse mit Citronenwasser gurgeln und mit Kalkwaffer inhaliren- auch sondere man die Kinder ab, weil diese Krankheit im höchsten Grad ansteckend ist. Darmstadt. 10. November. Der Mörder Georg Weygandt kam gestern Nachmittag unter Bewachung einet Unteroffiziers und zweier Soldaten, welche Gewehre trugen, mit dem Zuge der Riedbahn um 2 Uhr 17 Min. hier an. Die Bedeckungsmannschaft führte den Mörder bi- zu einer Droschke und fuhren sodann nach dem Militärgericht-gesängniß in der Riedeselstraße, woselbst Weyzandt in sicheren Gewahrsam genommen wurde. Wcygandt soll die That noch leugnen, aber er mußte bereit« zugestehen, daß da- am That- ort aufgesundene Portemonnaie sein Eigenthum sei. Bei drn geradezu erdrückenden Schuldbewetsen wird ihm auch alle- Leugnen nicht- helfen. Wie schon bemerkt, führt das Militärgericht die Untersuchung und wird von dcms.lben ver- muthlich auch da- tn vorliegendem Falle nicht zweifelhafte Urtheil gefällt werden. ES würde dann gleichzeitig auf Aus- toßung auS dem Militär erkannt und der Verurtheilte a« da- Civil^richt, zur Vollstreckung de- UrtheilS an die Civil- behörden auSgeliefert werden. Möglich wäre es aber auch, daß Wehgandt, weil er noch nicht den Fahneneid abgeleistet, alsbald an da- Civilgericht abgeliefert und von diesem ab» geurteilt würde. Die Hauptsache ist jedenfalls, daß der Mörder seiner Strafe nicht entgehen wird. > Groß-Seran. 10. November. Am Samstag Abend starb n der hiesigen VerpflegungSftation ein reisender Handwerks- bursche infolge Herzschlags. Er saß gerade beim Essen, al« er plötzlich von der Bank fiel und sofort tobt war. Der verstorbene ist, dem „Darmst. Tägl. Anz." zufolge der 41 jährige Heinrich Wagner von Großen-Buseck. Seine Leiche wurde nach der hiesigen Friedhofshalle verbracht. Mainz. 10. November. In einer Vertrauensmänner- Versammlung der nationalliberalen Partei wurde heute vormittag als Parole für die bevorstehende Stichwahl zwischen dem socialdemokratischen und dem ultramontanen Candidaten Wahlenthaltung beschlossen. lieber die Persönlichkeit Me Kinleys, de« neugewählten Präsidenten der vereinigten Staaten von Nordamerika, entnehmen wir einem interessanten Interview desselben durch den amerikanischen Vertreter der bekannten illustrierten Zeitschrift „Dom Fel« zum Meer", Herr« C. F. Deweh, folgende Einzelheiten: „Die zahlreichen, a« die Oeffentlichkeit gelangten Bilder von Mr. Mc. K'nleh geben thn im Ganzen getreulich wieder. Sein Gesicht tst scharf geschnitten und hat auffallend kräftige Konturen. Die starken Wölbungen über den Augen deuten auf einen durchdringenden verstand- der Ausdruck seines Gesichte« gewinnt noch durch dte dichten Brauen, denen die jugendlich braune Färbung noch jetzt eigen ist. Auf feinen Anzug verwendet er, wohl au- angeborener Ordnungsliebe, die größte Sorgfalt, ohne indessen nur im ertfernteften den Eindruck eine« Modenarren zu machen. Seine Kleider scheinen weder «e«, «och alt und geben überhaupt zu einer Bemerkung keinerlei tot* ® i» * ftol IM«1“ ftl»! 1.1 8»«"“’" ntbtnnonn » eine« $annel sittlich blc' riegeln rratket- 9 Btnbtn $anl1 iibutn, bol t die gcfäll'ge ginn, lto*hna^ tb'tfW bOn N«m tin zwischklr einem Ver- °btt bestehende« ÄMtz- bast nstein nur !b. Q*H |o tonn R* Zeitraum d°i öe'.bitngung von Zusatz, halten werden, daß der )ie bisherigen Leitiiige tlt diesem Herbst wurde und zwar vorgestern, ter Natur ist. - Dal R ist bekanntlich Weitz- den Mandeln, Tolcher u Halsentzündungen bor fig sehr schwer, die Diph- chieke daher alsbald zu« n ISIfauffdilägt um btn In unb mit ialfmaffcr Habet ab, tttll bltft ist- irr Mdrdrr Trar^ unter Bewachung eine« welche Gewehre trugen, Uhr 11 Min. hier an. in Mörder bi« zu einer eMililärgerichtsgesangwtz ihzandt in fichereu 9:* lanbt soll die Thal N stehen, dah dar am Thai- tzigenthuur sei. Bei h seu wird ihm auch aller ,n bemerkt, M » wird von demi.lbeu bei- , Falle nicht zweiselhafie inb bei * ,e UrtfclB -- M M««l> I,t eil w bW'" * Ijt jebenfatt*, »«6 ta «n* «gfl ,„-te beim A-»'' lolo« tobt m ■ ® , , « zusolgt, tN Ofll. «Nj. 8 Ä.lgl »roie«-«"1 V Ks ,i »<«•* ---'-7^', s- >er »•» 1,1 «die b krisllS^ ,|ntn H* 5gs Sä>* ^lrrlaß. ES würde mich in der That überraschen, den Gon« veroeur Mc. Kinley in einem andern Anzug zu sehen, als in seinem gewöhnlichen Straßencostüm. Er Ist ungefähr fünf Fuß acht Zoll groß und wohlproporttonirr. Behende «nd sicher tu seinen Bewegungen, scheint er fich einer starken, gute» Gesundheit zu erfreuen. Seine etwa» blaffe Gesichtsfarbe verleiht ihm indessen den Anstrich eines Gelehrten, der mehr Zett tu seinem Studierzimmer, als in freier Luft bei den Vergnügungen des Sport» zubrtngt. In Canton, wo Jedermann Mc. Kinley kennt, steht er allgemein im Rufe eines Manne», der stets feinen eigenen Weg geht, sauft und freundlich bleibt, so lange er kann, aber auch vor härteren Maßregeln nicht zurück,chrrckt, wenn er sie für unvermeidlich erachtet. Jedem, der ihn kennt, fallen seine feinen, gewin- «enden Manieren auf und daS sanfte, fast frauenhafte Be nehmen, daS er im alltäglichen Leben zur Schau trägt. Doch die gefällige Außenseite birgt einen kalten, berechnenden Sinn, eint« eisernen Willen, ein positives Sireben, Jeden «nd Alles seinen Zwecken dienstbar zu wachen. Die Frau Mc Kinley» ist, wie allgemein bekannt, schon viele Jahre hindurch schwer leidend. Seit 25 Jahren ver- heirathet, bewohnen die Beiden noch immer dasselbe Haus, in da» sie als junges Ehepaar etngezogen find. Zwei Kinder, die ihnen geboren wurden, hat der Tod schon vor Jahren unter allgemein traurigen Berhältniffen dahingerafft; Mrs. Mc Kinley hat fich von den Folgen dieses Schickialschlages nee ganz erholt. In bewunderungswürdiger, rührender We'se versteht fie iudeß, aufheiternd und ermunternd auf das Herz «nd Gemüth Anderer zu wirken. Wie sehr ihr Gatte auch in politische Arbeiten vertieft sein mag, stet» findet er Zeit, den geringsten Ansprüchen seiner Frau gerecht zu werden. Selbst pflegt er ihre kleinsten Wünsche zu erfüllen, und fern läge es ihm, Freunden oder Bediensteten die Sorge für ihr Wohlergehen zu übertragen. In ihren gesunden Tagen soll MrS. Mc Kinley eine ungewöhnliche Schönheit gewesen sein, und noch jetzt ist fie schön! Besitzt sie doch eine Schönheit, durchgeistigt von geduldig ertragenen Leiden, geadelt durch Muth und Ergebung, die siegreich mit der schmerzlichen Hilf« lofigkett ihres armen kranken Körpers ringen. Wenn Mr. Mc Kinley am 4. März nächsten Jahres sein bescheidenes Heim im Westen verläßt, und sein Amt in der Hauptstadt des Landes autritt, wird in dem „White House", der osfictellen Wohnung aller Präsidenten Amerikas, ein echter „Gentleman" seinen Einzug halten. Wie seine Bewohner ist auch das „Weiße Hau»" spezifisch amerikanisch. Weit entfernt von prahlerischem Aufwand, ist es auSgestattet mit jedem nur denkbaren Comfort und den schönsten Erzeug- utffeu der Gartenkunst, wie fie in einem südlichen Klima allein gedeihen können. Lauter Jubel wird diese historischen Hallen erfüllen, wenn am ersten „Empfangetag" des neuen Präsidenten Taufende herbeigeströmt kommen, um dem Erwählten des Volkes „die Hand zu schütteln." — Der die Laufbahn des Erwählten der amerikanischen Nation schildernde Artikel in „Vom Fels zum Meer" ist mit einer Anzahl schöner Illustrationen auSgestattet, die für den vor« nehmen Lharacter dieser empfehlenSwerthen Zeitschrift Zrugutß ablegen. Dermifd?tes. • Wiesbaden. 10. November. Heute Morgen wurde in dem hiesigen Bahnhof-Hotel ein Liebespaar, welche- gestern dort abgestiegen war, erschossen aufgefunden. Der Mann wurde als der dem 11. Pionier-Bataillon zu kastel angehörende Lieutenant Franz Kayser und die Dame als ein Fräulein Ztckwolf aus Mainz ognoScirt. * Nürnberg, 7. November. Der bekannteZechenbezahluugS- Proceß de« früheren PolizeihauptmannS Palmberger wird ein Nach'piel haben, da in einer Kellnerversammlung gestern einstimmig beschlossen wurde, gegen den Verthetdtger Palm« bergerS Klage zu stellen, weil er in der Vcrtheidigung seines Clienten die Frage aufgeworfen hatte, ob überhaupt Jemand einen Kellner kenne, der noch nicht die Gäste betrogen habe. * D«S Zehnmarkstück. Ein Herr stand und wartete auf einen OmutbuS, al« sich ihm ein alter Mann näherte und ihn leise an der Schulter berührte. „Entschuldigen Sie, mein Herr, haben Sie soeben dieses Zehnmarkstück verloren?A Mlt diesen Worten hielt er ihm die betreffende Münze in der offenen Hand entgegen. Der Gefragte schauie fie einen Augenblick an; der Ausdruck seines Gesichtes verrieth plötzlich große Aufregung und hastig suchte er in den Taschen seines Anzuges herum. „Ja, wahrhaftig, ich hatte es noch gar nicht bemerke," rief er lebhaft, die Hand nach dem Geldstück auSstreckend. Der alte Herr zog langsam ein Notizbuch hervor: „Ich dachte eS mir." Er schrieb fich Nome und Adreffc deS Verlierers auf, steckte daS Geld in feine eigene Tasche und wandte sich zum Gehen. „Nun", sagte der Andere, „wollen Sie denn Alles als Finderlohn behalten?" „Ich habe überhaupt nichts gefunden, aber der Gedanke kam mir plötzlich, daß in einer so großen Stadt wie diese täglich eine Menge Geld verloren gehen müffe. Ich habe mir deshalb erlaubt, bei verschiedenen Herren anzufragen; das Verlieren ist viel häufiger, als Sie glauben, Sie sind heute Morgen der Einunddreißigste, der ein Zehnmarkstück verloren hat." * Die Erben der verschollenen Frau Ludmilla Orth. Gattin des mit ihr verschollenen Johann Orth, weiland Erzherzogs Johann, haben beim CantonSgericht in St. Gallen einen Proceß angestrengt, über den die „Ostschweiz" folgendes berichtet: „Ehe Johann Orth mit seinem Schiffe als Capi- tain in See stach, brachte er große Gelder in offenen Depots bet verschiedenen schweizerischen und deutschen Instituten, so in der Schweiz je eine Million bei der Freiburgtschen Cantonalbank und der Bank in St. Gallen, mit der Bestimmung unter, die Summen nur auf feine Weisung herauS- zugeben. Gleichzeitig gab er auch seinem juristischen Berather in Wien, Ritter v. Haberl, eine Generalvollmacht, die hinterlegten Summen erheben zu können. Man hat jetzt allen Grund zur Annahme, dah Johann Orth und deffen Gattin sammt Sch'ff und Mannschaft, von der ebenfalls keine Spur mehr zu entdecken war, am Cap Horn untergegangen seien. Wahrscheinlich dürften die Verwandten der Frau, einer Schauspielerin, der zulieb der Erzherzog seine Fürftenwürde niederlegte, auf daS Erbe drängen." * DaS Grab i« der Beresina. Ganz gewiß wird ein Ereigniß in größeren Kreisen Aufmerksamkeit erregen, über daS ein Correspondent der „Now. Wr." berichtet: Vom Grunde der Beresina sind Reliquien heraufgeholt worden, die daS Bild des Unterganges der „großen Armee" vor unserem geistigen Auge wieder erstehen taffen. Der Corre- spondeut deS genannten Blattes schreibt aus Borissow: „Zwölf Werst von Boriffow liegt das Dorf Studenka und diesem gegenüber, am anderen Ufer ter Beresina, daS Dörf chen Brtli. Zwischen diesen beiden genannten Dörfchen schlugen die Franzosen zwei Biücken, die eine für die Artillerie und den Train, die andere für die Infanterie. Seitdem find 84 Jahre verflossen und nun ist eS, Dank einem Zufalle, einigen stummen Zeugen des tragischen Finale der Epopöe von 1812 betrieben gewesen, wieder an da« Tages licht zu kommen. Die Berefina bildet bekanntlich einen Theil des Berefina-Canalsystems, da sie durch den Berefina-Canol mit der Ulla, einem Nebenfluß der Düna, verbunden wird. Um daS Holzflößen auf diesem Canalshstem zu et leichtern, hat daS MlNlstertum der Commun cationen das Flußbett reinigen und das Fahrwaffer vertiefen laffen. Im Juli und August dieses Jahres arbeitete die Baggermaschine dem Dorfe Studenka gegenüber, gerade dort, wo einst jene Brücken erbaut wurden. Hier hat nun die Baggermaschine menschliche Schädel und Gebeine, Pferdescelette und die verschiedensten Waffen- und Uniformstücke emporgezogen, Flinten, Bajonette, Picken, Säbel, Kanonenkugeln, Helme, Trommelschlegel, Sporen, Knöpfe mit den Nummern verschiedenster französischer Regimenter, Münzen u. s. w. Alle diese Gegenstände find sehr verrostet und größtentheils verbogen und zerbrochen, was durch die Schläge der Schöpfschaufeln erklärt wird. Außerdem hat die Baggermaschine eine ganze Menge Pulver emporgefördert, da« in einer Schicht von s/< Ar'chin auf dem Boden be« FluffeS lag. Alle gefundenen Gegenstände wurden genau regtstrirt, in einen großen Kasten gelegt, versiegelt und dem BerkehrSreffort zur Verfügung gestellt. Das VerkehrSreffo-r hat fie nun dem Stabe des Wilna'scheu Militärbezirks zukomm-n laffen." CHeratur und ICunft — »Born Fel« zum Meer", die allbekannte illustrirte Zeitschrift für datz brunche HauS, Hal auch in dem neuen 16. Jehrgange die feit der Umwandlung in eine Halbmonaislchrifl angeftrebte Tendenz, ein modern ausgestattetes und oornebm gehaltrnes Familien- blait zu fein, in schönster Wei. I. (eins, Mrgrrmrifteret liegen. Znr Vrrh tzntichadignng Frei auf dem 8 Lel-gestrrn Die Eigei sowie solche Per Nrchlr B. ( dingliche Recht werden Hindu, i. Siowend schluffe« fruchte i @rfl6run( Meldung •• Anträge i de« AuSsl Anträge Meldung v. 26. Jl e- Anträge a »eldie für l^en Int ^achthelle 8p Au« dnr rtz «ießcn- w®8" ff,« . ,N- fer , Xu/natn,r Kontags- «KI, 11,n k°°'" t» tojtt «b-.br.ch, S l* °"»r - "3", ®»lin 1‘ Ä1" $(l s&:<: rx-7>; Lassen Sie sich beim Einkauf von VelourS- Schutzborde durch die vielen Nachahmungen von thcilweise sehr geringer Küte. Achten Sic genau aus Borwcrk'o unver- / n / / z> wuttlichc Original Qualität; Nicht irre des Erfinders aushinq, unter der a Marke „Vorwerk“ eine nnnOer- ähnlichem Gtiqucttc - meistens nicht einmal billM? - ®rtauft worbe',?"?er'en uVitVnrf«1 >i'!ü Tra9®n sofort herauöstcllte. Vorwerk'ü Original' -^.nalrtat ,|t fortan kenntlich an dem in kurzen Abständen auf die Borde dentlick ansgedruckten Namen „Vorwerk *. Bcrlangcu 2ic sowohl beim Einkauf auch am fertig bezogenen Kleide diesen Nachweis, und wenn derielbe, weil neu eingefuhrt, an allen Farben noch nicht vorhanden ift io ortiten UJ' allen Umstanden bei der Vorwcrt'schen Original Daore am Ictzten Ende eines jeden Stückes ein rothes Siegel mit bem 917™ Vorwerk" m'd' »b" gleicher Weise sind die unentbehrlichen Borw'crt schen toe- branchsark kel Nundgcwcblc Kragen- und Gürteleiniaae Nockaurt n,.d 1887 r - Weihnachten " " - . " Bestellungen auf Monogramm-Stickereien ' s=ss für Taschentücher = erbitte möglichst frühzeitig behufs prompter und bester Ausführung. Fritz Nowack, Wäsche-Fabrik. Kaufgesuche. 9950 Neuen Baue 6. 9604 Mäusburg 7 Italiener Rothweine „Kaiserhof." 10882 Dienstmädchen gesucht 10028 SetterSweg 53 Mäusburg 7 Frankfurter Börse vom 10. November 1896. Prvcrni IC 3.00 der Oesterr. SteatSbahn v. 1885 91/ 0 4 Jtal. staatSgar. Eisend. 53.40 5 bio. 3Vi DeutscheGrdsch.B. unk. b. 1906 101.00 Seidsorte«r Stadt Darmstadt o. 1891 Stadt WormS unk. b. 1901 103.40 98 60 102 55 20 Franken-St. Enal. Sovereign- Dollars in Sold 4V. 4 3 6 4 4 4 3 3 8 Tüt 16.21 20.87 werden arbeit. 9990 Klasse, an die 9834 «el» 80 86 [170.0 4.16 «rld 16.17 20.33 4.18 86.lt 103.66 26 1t 92 36 318t 10150 102.9t 101.06 101.06 10100 102.60 Oesterr. Silberrente Ung. Gold-Rente Portugiesen Mkxtcaner Monopol-Griechen von Eisend. Rentenb. Odl. BuderuS Odl. Neue Kliniken. 9984] Cin kräftiges Dienst- mädcheu, welches kochen kann, auf alsbald gesucht. Gesucht Mädchen für Küche und HauS, Sehr gute Stellcn. Vermielhfrau Müller, TeufrldlustgSrtchen 26. Handtücher, grob und fein. Wischtücher in diversen DeffinS. Süchentücher in diversen D-ffinS Staubtücher in diversen DeffinS. Taschentücher, leinene Scheuertücher. Serviette« in allen Preislagen. Wischtücher am Stück und abgepaht. Nein Leine« zu Hemden usw. 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