1S96 Ur 9 Zweites Blatt. Samstag dm II. Januar Der -«zelger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener ,* *mlCic*6Cdl(er werden dem Anzeiger »bcheotltch dreimal brigelegt. (Gießener Anzeiger Henerat-Mnzeiger. vierteljähriger AöouucmeutsprelBr 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Rcdaction, Erpeditio, und Druckerei: Schntstraße Fernsprecher 51. An»ts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren. Uauahmr von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Corrn. 10 Uhr. Hratisöeikage: Hießener Aamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche* Theil. Nc. 1 deS Reichs Gesetzblattes, ansgegeben den 3. d. M., enthält: (Nr. 2285 ) Uebereinkunft zwischen dem Deutschen Reiche und der Schweiz, betreffend bte Großherzoglich badische Gemeinde Bösingen. Vom 21. September 1895. Gteßen, den 9. Januar 1896. Großherzogltches Kceißamt Gießen. v. Gag ern. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgefttzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat December 1895 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 14,10, Heu Mk. 5,00, Stroh Mk. 4,20. Gießen, den 8. Januar 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, am 8. Januar 1896. Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a.d.Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dors-Gill, Eberstadt, Grohen-Ltnden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinhetm, Trais-Horloff und Utphe. Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thiere» und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergessen ist. v. Gagern. Tabelle über die in der Gemeinde........vom .... 18 . . bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere. Namen der Besitzer Der krepirten ober getödteten Thiere <$ ! 5 OQ j a Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt festgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Ca daver. Vom deutschen Arbeitsmarkt. Der erfreuliche Aufschwung, welchen das Erwerbs- und Geschä'tSleben In Deutschland während des vergangenen Jahre» im Großen und Ganzen verzeichnen konnte, scheint sich auch i« neuen Jahre erhalten zu wollen. ES muß jedenfalls als ei« recht günstiges Zeichen für die wirthschaftliche Lage betrachtet werden, daß die jähe Krisis, welche im November 1895 über die europäischen Börsenplätze hereinbrach, und viele Hunderte von Millionen verschlang, nicht vermochte, die Thätig- keit der deutschen Industrie zu hemmen. Im Gegentheil, dieser Börseogewitterfturm ist für unser Erwerbsleben im allgemeinen nur von Vortheil gewesen, er reinigte dasselbe von den üppig ins Kraut geschoffeuen faulen Speculationen, und ließ dem gegenüber die soliden Unternehmungen um so gefestigter erscheinen. ES ist eben zur Zeit auf dem Weltmarkt ein so großer Bedarf an Artikeln, bei deren Herstellung die deutsche Industrie eine hervorragende Rolle spielt, vorhanden, wie dies schon seit einer ganzen Reihe von Jahren nicht mehr der Fall war. Die günstige Conjunctur scheint auch weiterhin anhalten zu wollen, und selbst die drohende Aussicht auf das Wiedereinlenken der amerikanischen Zollpolitik io die Bahn der berüchtigtrn Mcc Kinley B»ll hat hierin noch keine kritische Wendung zu schaffen vermocht. Bon den einzelnen wichtigsten Industriezweigen, bei welchen sich die im alten Jahre begonnene geschäftliche Neu- belebung fortgesetzt bemerklich macht, ist zunächst die Textilindustrie zu erwähnen. Im Speclellen sind namentlich in der Wirkwaarenbranche die Aufträge noch immer so zahlreich vorhanden, daß vielfach dieselben nur mit großer Mühe und Ausbietung aller Kräste bewältigt werden können. Mit besonderer Genugthuuug darf man hierbei die Thatsache verzeichnen, daß auch in der hausindustrtellen Wirkerei, wie sie z. B. in Sachsen, Thüringen u. s. w. daheim ist, meist volle Beschäftigung herrscht, nachdem gerade dieser von so vielen tausend fleißigen Händen betriebene Erwerb unter der Ungunst der Zelten lange und schwer zu leiden gehabt hatte. Ebenso wird in den großen mechanischen Webereien, in den Wirkereifabriken und in vielen Spinnereien flott, theilweise mit Ueberstunden, gearbeitet. Dafür läßt jedoch der Geschäftsgang in der Spitzen- und Slickereiinduftrie zu wünschen übrig, es machen sich bet ihr noch immer die mißlichen Folgen der Ueberproductton, welche durch die starken Bestellungen im Jahre 1894 hervorgerufen wurden, geltend. Stark beschäftigt sind neben den meisten Zweigen der Textil-Jndustrie die Maschinen-- und die Eisenindustrie. Die deutschen Maschinenfabriken müssen vielfach die Arbeitszeit verlängern, neue Arbeiter einstellen und die Betriebe erheblich erweitern, welcher gesteigerte Geschäftsgang auch fast überall zu einer Erhöhung der Arbeiterlöhne im Maschinenbauwesen geführt hat. Die gegenwärtigen Verhältn'ffe in den Mittelpunkten der deutschen Eisenindustrie, in Rheinland- Westfalen und in Schlesien, find durchschnittlich gleichfalls recht befriedigende. Selbstverständlich ist, daß sich in der jetzigen winterlichen Jahreszeit namentlich in der Kohlen- induftrie eine überaus günstige Conjunctur bemerklich macht, von weiteren großen Jnduftrieen weisen dann noch der Schiffs- bau und die Glasindustrie lebhafte Thätigkeit und fortdauernde Aufträge auf. Leider deuten schon mancherlei Anzeichen darauf hin, daß der lebhafte Aufschwung in den genannten Industrien seitens der in ihnen beschäftigten Arbeiter zum Anlaß benutzt werden wird, im kommenden Frühjahre wieder größere SlrikeS in Szene zu setzen. Es ist bet der derzeitigen Geschäftslage möglich, daß die Arbeiter durch die geplanten Strikes noch eine weitere Aufbefferung ihrer Löhne erzielen, aber fie sollten trotzdem bedenken, daß ein Rückschlag früher oder später unausbleiblich ist, und daß StrikeS für die Arbeiter stets sehr zweischneidige wrrthschaftliche Kampfwaffen bleiben. Der Krieg von 187O|71, zeschlldert durch Ausschnitt- euS ZeitungS - Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.) 11. Januar. 750 Francs Prämie find allen gefangenen französischen Osfiz'eren versprochen, wenn sie ihr Ehrenwort brechen, nach Frankreich fliehen und dort Kriegsdienste gegen die Deutschen nehmen. Von der Eisenbahn, die von CH au m o nt nach Troyes führt, find schon dreimal die Schienen abgerissen und locker wieder aufgelegt worden, um ein Unglück herbeizuführen. Dasselbe geschah auch bei Bricon, wobei ein ganzer Militärzug aus dem Geleise gerieth. Kaum war das geschehen, so stürzten auch die Franktireur» aus dem Walde hervor, um die Mannschaft gefangen zu nehmen. Damit aber war es nichts. Die preußischen Landwehrleute hatten keinen Schaden erlitten, sammelten sich schnell und empfingen die heranftürmenden Franzosen mir einigen wohlgezielten Salven, so daß diese schnell mit Hinterlassung von Todten und Ber- mundeten die Flucht ergriffen. ♦ Berlin, 8. Januar. DaS Boot-Hau- deS Berliner RuderclubS ist niedergebrannt. Der Schaden beträgt etwa 80,000 Mk. • Görlitz, 8. Januar. Der „Neue Görlitzer Anzeiger" berichtet: I« Marklissa ermordete in der verflossenen Nacht der Fabrikarbeiter Hecken in seiner Wohnung feine Ehefrau durch Hammerschläge auf den Kops. Der Mörder wurde verhaftet. ♦ Leipzig, 8. Januar. Der Berlagsbuchhändler Phil. Reclam, der Begründer der bekannten Universalbibliothek, ist gestorben. * Aus Thüringen, 8. Januar. Auf dem Bahnhose ta Meiningen wurde zur Abendzeit der HilfSweichenfteller Hildebrand auS Walldorf von der Locomotioe eineZ Zuges erfaßt, eie ihm beide Beine vom Körper trennte. 1 er 93er« unglückie starb bald darauf. • AuS Baden, 8. Januar. In Kehl find einem Soldaten, der sich während 14 Tagen in einer Kiste innerhalb der Kaserne aufhielt und sich deS NachtS von Abfällen auS dem Spülicht nährte, beide Beine erfroren, so daß fie ampu- tlrt werden müssen. • Neber eine Hochzeit in Dar es salaam wird Folgende» berichtet: Seit mehreren Jahren befindet fich im Dienste der Deutsch-Ostafrikanischen Schntztruppe der Feldwebel Seidlitz, der Sohn eines General-Agenten aus Landsberg a. W. Bei einer Expedition wurde der Feldwebel nicht unerheblich verwundet, sodaß er auS dem activen Dienst ausscheiden mußte, und als Militär-Beamter in Dar-eS-Salaam bezw. Ktlwa eine Stellung erhielt. Der junge Mann war verlobt mit einer Tochter des Stadtraths Brahts zu LandSberg a. W. Die junge Dame hat im August v. I. die Reise nach Dar- es-Salaam angetreten, um sich mit ihr em Verlobten zu ver- hetrathen. Sie reifte damals mit der Frau des bereit» in Ostasrika weilenden Herrn v Eberstein von Hamburg auf einem Woermann-Darnpfer ab, und traf am 26. September in Dar es-Salaam ein. Beretts am nächsten Tage war die Hochzeit. Die kirchliche Einsegnung fand in der evangelischen Kirche statt. An dem Hochzeitsmahl nahmen sämmtliche Militärs höherer Chargen, soweit sie nicht in anderen Garnisonen waren, theil, auch Herr Dr. Bumiller befand sich unter ihnen. ♦ TödtlicheS Gift. In früheren Zeiten wurde, besonders auf dem Lande, häufig zur Beseitigung unliebsamer Persönlichkeiten ein Gift angewendet, daS in schleichender Art wirkte, aber stet» unausbleiblich tödtende Wirkung hatte. DaS Geheimniß der Zusammensetzung dieses Giftes war und blieb lange Zeit ein wohlbehüteteö und unaufgeklärtes- erst spätere Zeiten brachten Licht in die Sache — das so wirkende Gift bestand aus nichts anderem, als einem Glase Wasser, das man unter das Bett eines Sterbenden gestellt und während dessen Agonie und Tod dort belassen hatte. Der Niederschlag der in der nächsten Atmosphäre des Kranken befindlichen, von demselben ausgeströmten Angststoffe der Todespein verleibt sich dem Wasser in einer Art ein, daß der Genuß desselben tödtlich für andere wirkte. Diese geiährliche Thatsache ist zwar freilich nicht so bekannt, daß sie als Warnung zur Vorsicht dienen könnte, jedenfalls aber dürfte sich in diesem Punkte die größte Vorsicht bet Kcankenfällen und in den Zimmern Sterbender empfehlen in Bezug auf Speise und Getränke. Es wird hierin auS Rohheit, Unwissenheit und Leichtsinn vielleicht gar oft gefehlt. Und mancher Fall von Unwohlsein und Krankheit möchte sich auf die Unvorsichtigkeit zurückbeziehen, die manchen OrteS, besonder- bei den unteren Ständen, in solchen Fällen geübt wird. Wo peinliche Ordnung und regelrechte Krankenpflegung herrscht, da sind ja die Gefahren folcher Unvorsichtigkeit ausgeschlossen, aber manchmal wird mit einer Unklugheit verfahren, die geradezu unbegreiflich ist. Mau kann nicht selten die Beobachtung machen, so schreibt Prof. Dr. Gustav Jäger in seinem Monatsblatt", daß Speiseüberreste, die tagelang im Zimmer eine» Schwerkranken gestanden hatten, noch einem Kinde verabreicht werden und die Betreffenden glauben, damit noch etwas Gutes zu thun, da es ja etwas „Feineres" war, was das Kind ja gern ißt und was wegzuwerfen schade wäre. In Städten, wo der Raum'in den Wohnungen sehr oft beschränkt ist, habe ich auch schon oft beobachtet, daß im Z mmer eines Schwerkranken ein Buffet ober ein offener Speisekasten stand, der zur Aufbewahrung von Speiseresten, von Fleisch, Bäckereien u. s. w., auch Zocker, Thee, Kaffee, Brod u. a., während der Kranken- zeit benutzt wurde- eß ist anzunehmen, daß dies der Nahrung schädlich ist, während in zweiter Richtung auch der verschiedenen Nahrungsmitteln entströmende Geruch für den Kranken nicht zuträglich ist- auch die beste Lüftung vermag die doppelte Gefahr nicht zu beseitigen. Ebenso zu tadeln ist es, vom Kranken nicht berührte oder nur zum Theil genossene Nahrung im Krankenzimmer — oft gar über Nacht — stehen za lassen, um dieselben dem K-anken später wieder zu bieten; daß hettzt den Kranken mit dem eigenen Gift vergiften, noch schwererer Erkrankung außsetzen. * Zm Quartier. „Alle Wetter, habe ich nicht gestern streng befohlen, daß ich meine Scküsftl extra bekomme und nun löffelt der Alte wieder in meiner Suppe herum! — Um Vergebung, Herr Lieutenant, da darf Jhna net grausen, Ihrer Supp'n g'schieht nix, der Vater fangt bloß die Fliegen 'rau-!" , * Pflichtbewußtsei«. Lehrer. „WaS thut man, Karl, wenn man nach schwerer Krankheit wieder gesund wird?" Karl (Sohn eine» Arzte»): „Man bezahlt den Doctor. Feuilleton. Unjrr Gsrlrn im Ianusr. Wtrder -rigt die erste Speiche des altgermanischen Jul-Rade« aus unsere in tiefem Winterschlaf liegenden Gärten herab. Bedächtig, aber unaufhaltsam, wie der Zeiger der Weltenuhr, dreht fich daS Rad durch die Morgenröthe des jungen JahreS--waS wird eS un» bringen?! , .... . . „Was euch im Zettenschohe bestimmt ist!", weht tf leise durch die schlafende Gemeinde der Baum- und Strauchknospen. Des TageSgefttrn, dem der Weg »um Stege schon wieder von Neuem gebahnt, ist eben, am späten Morgen heraus hinter dichten Dunst ranken und Schneewolken. Seine blendenden Strahlen, aber ein unbeschreibdar feierliches Licht sendet der verhüllte rosenschtmmernde Sonnenball über die Schneelandschaft — und Alles das heute im vollen Zeuber de« RauhfrosteS! Die Lieblichkeit eines erschlossenen sonnigen MaimargenS, wenn blüthenfchwere Bäume ihre nächtlichen Diamanttropfen über lachendes Iugendgrün deS Rasens, über die Farbenpracht der Tulpenbeete schütteln, des Rothkehlchens süßer Schlag aus den Brautschleiern des Weißdorns schallt, wirkt Herz-- und finnerfreuend; daS Flimmern des CrystallsaaleS eines hochwinterlichen vollendeten RauhfrosteS am gradesstillen Januarmorgen reißt nur zu staunender Bewunderung fort. Auch der einfachste Garten und Park, vom eisdusttgen Wtntertag in solchen Crystallsaal verwandelt, bietet ein entzückendes Bild, dessen Schönheit von jedem nicht ganz für Naturreize erstorbenen Gemüth bewundert werden muß. Um «ine solche Erscheinung in unserer in liefen Winterschlaf verfallenen Natur darf uns wahrlich der Südländer beneiden! . , „ . irx m Wie prangt Garten und Park, wie erst der deutsche Wald, im Schmuck der Milliarden von Dtamantnadeln! Alles Organische und Unorganische: Die Zweige der Bäume und Sträucher, das kleinste erstorbene GraShälmchen, die zartesten Arme deS MooseS, die Drähte der Spaliere find dicht behangen und -art überkrustet, weiß, wie mit Weihnacht«,ucker überstreut. o t . DaS allerprächtigste Bild aber gewährt uns ein Gang durch den Nadelholzpark. Da neigen fich die reich befransten Aeste der Fichte unter der Last ihrer Juwelenpracht zu uns hernieder, wie wenn ste uns fragen wollten: Habt ihr AehnlicheS von der kunstfertigen Menschenhand schon gesehen? Denn eine jede Kante der Nadel deS Baume« ist mit Hunderten zartester EiScrystalle geschmückt; und diese Prismen, Lanzen, Dolche und Stäbchen wachsen fortwährend nach in der feuchten Luft, um bet der geringsten Luftströmung abzubrechen und als silberner Staub ntederzuwtrbeln. Fällt durch solchen ntederwirbelnden Eisschleter ein goldener Sonnenstrahl, so brechen sich die Lichter der niederschwebenden Crystalle und in zauberhafter Schönheit flimmert die Farbensklala eines Etsregen- bogens vor dem Tannendunkel auf. Steh dort, das Blitzen der JrtS in etner ganzen Eisstaubwolke, dte von der hohen Samen- ^id,U War es der lustige Tannenkobold Eichhörnchen, der durch einen kühnen Sprung dte Zweiae erschütterte? Ach nein - wie reizend - ein Meisenoölkchen tst'S, da« durch dte Kronen zieht! Sieh, wie sie sich dort an dem Fichtenzapfen schaukeln; von einem zum andern turnend, dte reifen öligen Samen aus den Schuppen zu hämmern ! Tannenmdfen find'«, die hier tm juwelenbltnkenden Ftchtenretch so fröhlich und pottvertrauend ihr Sitü fitü sitü! erschallen lasten. Und in ihre Gesellschait heben stch flinke komische HaubenmetSchen gemischt, | die Freunde unserer Grünröcke, Zweig um Zweig, Änotpe um Knospe nach schlimmem Ungeziefer, daS fich hier etwa eingewtntert, abzusuchen. Und al« beider Gefolge schließt ein Flügchen zarter, grünlicher Bögelchen, die scheinbar rothgold'ne Krönchen tragen, den beweglichen Zug. Goldhähnchen find'«, dte wtnterltchen Metsen- freunde, dte fich, rote Schutz zu suchen, ihnen anschließen und Freud und Leid der ost so herben Wintertage mit ihnen zu thetlen. Welch reizendes Bild, wenn die kleinen Treuverbündetm so durch die crystallenen Hallen de« winterlichen ParkwaldeS ziehen: rote ein Stückchen Poesie des WinterrnärchenS webt eS vor unseren Augen durch den Forst, steht aus Hunderten klarer Aeuglein zu unS hernieder, bis es tm Erystallgefunkel und im tiefen Tannendunkel verschwunden ist. Und da« find nur drei unserer treuesten kleinen Wtntergäste, deren ich hier im EtSgcflimrner gedachte; die beiden Meifenarten sind dte fast am wenigsten bekannten, aber auch dte am häufigsten vorkommenden; rote Bielen, die dieses lesen, find diese Bögelchen fast unbekannt, wie Bielen ist das hochnützliche Treiben unserer Meisen in den Gärten, Obstanlagen, Forsten usw. ein Buch mit fieben Siegeln! Selbst ein großer TheU der Obstzüchter weiß es nicht, was er unseren Meisen zu verdanken hat, rote großen Nutzen er fich durch Winterfütterung, Hegung durch Bieten von Ntstgelegenheit verschaffen kann! Seit langen Jahren habe ich diese Erfahrung gemacht und diese Mängel nur lebhaft bedauern können. Wem unser deutscher Obstbau am Herzen liegt, der sollte — Jeder in seinem Wirkungekreise — dafür sorgen, daß ste besserer Einsicht Platz machen. In solchen Dingen helfen klare, volksthümliche Belehrungen mit naturwahrem farbigem Bilde erfahrungsgemäß am meisten. Freilich nur dann, wenn ste in die weitesten Bevötkerungsschtchten bringen. Biel verbreitete Volks- und Gartenbauschriften können dankenSwerth wirken. Die gelesenste deutsche Gartenbau-Zeitschrift*) hat es mir am Schluß ihres letzten Jahrgang« ermöglicht, mich in der Meisenfrage an dte deutsche Jugend zu wenden, ihr dte Vögelchen in ihren bunten Kleidern zu zeigen und in schlichtem Wort deren hohen Nutzen, Hegung usw. darzulegen. Doch schwetsen wir nicht zu wdt ab vom diamantfunkelnben Reich unseres Rauhsroftes, denn wem die SchönhettSkrone in diesem rasch entfielenben, rasch dahtnschwindenden Zauber gebührt, haben wir noch nicht gesagt: den zarten Geweben und Radnetzen der Spinnen, dte noch, vergessen, da und dort die Kunstbauten herbstlicher Luftschlösier andeuten. Tin noch einigermaßen erhaltems Radnetz der Kreuzspinne tm Rauhsrost spottet allen Juwelierkünsten der Erde! Mtt lächerlich geringen Mitteln, Spinnfäden und etwas Luftfeuchtigkeit, versteht «6 die Natur, in wenigen Stunden Kunstwerke von solch erhabener Schönheit zu schaffen, daß ste den Beschauer zur Bewunderung hinretßen. Die winzigen Tröpfchen, dte der atmosphärische Wasserdamps am einzelnen Spinnschlauch angesetzt, machten diesen schon zur wundervoll zarten Perlschnur, rote sie keine Königin besitzt. Und nun haben ftillwebende Naturkräste aus jeder Perle einen leuchtenden C'ystall geschaffen und die Crystalle untereinander durch mikroskopische Spitzengeroebe auS kleinsten Eis- nabeln in nahrhaft prunkvoller Weise verbunben. *) Der Practische Rathgeber im Obst- unb Gartenbau. Frankfurt a. O. So starren die ganzen, von der emsigen Spinne einst gezogenen Fäden in einer unausiprechitch feinen Ciystallbekletdung. die, fallt windstille Lust herrscht, nicht allein selbst au« regelmäßigen sechs- kantigen Nadelprtsmm besteht, sondern deren größere Nadeln wieder feinste Garnituren von Nebenci ystallen zeigen. Wer hat fich schon dte Mühe genommen, am kalten, klaren Sinter tag etn solches Kunstwerk, da« schon dte Nähe des menschltchen AthemS in seiner Herrlichkeit zerstört, unter dem Vergrößerungsglas zu betrachten? Menschenhand kann solch unerreichbares Werk nicht auSführen: König Winter vermag es spielend! Während der Garten äußerlich sein brillantenbesäeteS Kleid übergeworfen, geht eS unter der Schnee- und Laublchicht in manche« Erdkämrnerchen und Winkelchen fchltcht-gemüthltch zu. Da fitzt die alte kluge Christwurz mit ihren dicken Wurzel« gemächlich im Erdreich und um ste herum eine ganze Gesellschaft Schneeglöckchenzwiebeln. Die Christwurz hatte viele kräftige, fast schwarze Blätter Hände und sogar ein halbes Dutzend röthlich angehauchte BlÜthenknospm in den Schnee hinaufgesandt. Da« that ste seit Alters her und blldete fich viel daraus «in, daß stet» ein paar große Blüthensterne von ihr unter dem Weihnachtsbaum de» Hause» parabiren durften. „Ra, Jüngelchen, wie weit seid ihr nun eigentlich frug sie die Schneeglöckchen. „O danke," tuschelten diese, „die Hauptvorarbett ist soweit beendet! Stengel, Glöckchen mtt ollen Zuthaten, zwischen den Blättchen fest und eng gepackt und gut „embaHnt", liegen fit und fertig bereit. Wir können jetzt die Hände ruhig in den Schooß legen und Eurer weisen Winterlehren und Erzählungen lauschen. Braust der Märzsturm und dte Thauwasier rauschen, dann kommt dte Reihe an unS: wir sprießen lustig und blühm — läuten den üeben Frühling ein!" „So, „Die Reihe"; et thr Gelbschnäbel, könnt thr euch nicht noch despecttrltcher ausdrücken! Mit mir in eine Reihe stellen? heb? Lächerlich! Was seid ihr denn dem Menschen unb was bin ich ihm! Könnt ihr ihn niesen machen? heh? Könnt ihr ihm Melancholie und Geisteskrankheit auStreiben? Wißt ihr waS Hippo- krates von mir sagte, ihr Dreikäsehoch? und wißt ihr waS eie Helleboroe ..." Hier brach die kluge Wurzel plötzlich ab, benn bi« Erde w schütterte fich unb e« knarrte scheußlich wie das ungeschmierte Rad des Weltgerichts! ES war aber bloS bas ber Düngerkarre be» bieberen Vater Thälig, ber seine Gartenarbeiten verstanb unb auch tm Januar düngte, „wenn es tüchtig gefroren". Der schöne Ranh- froftmorgen hatte ihn zur Arbeit gelockt: seine Spinat- unb Salatbeete hatte er nachgesehen, ob ber Nordost ihm bie beckenben Fichten« jweige nicht roeggefegt. Jetzt büngte er sein Cleblingfibäumd»«, weil er wußte, baß der Boden unter dem Schnee noch offen. Die Letter hatte er auch schon heraus und dtc Baumscheere, um „au«,» putzen" und Jagd auf die Raupennester zu machen. Und auf dem Gartentisch standen sechs neugezimmerte SommerhäuSchen für feine lieben kleinen Wintergäste, Nistkästchen, für die er bk richtigen Plätzchen im Gezweig schon wußte. Morgen, wenn dte Sonne bluttgroth über den Schneegefubm niebergebt, da schlüpft wohl schon etn kletner Gast mtt blauen Sammetkäppchen zur Nachtruhe hinein. hat am Häuschen gezirkelt, befriedigt genickt: Sit fit - der Miethscontract ist abgemacht! Heinrich Freiherr Schilling. M. »IW 011 i kV II*11 «GW I glffltfll ki littet tzhknd. 61 WM fr. 116 Mittwl Vit die «°d ein N lande i nannte nd)tm Lützel! tnufl halb Habet Vlüui N G-aufstt Itgibtn. 91 Holzversteigerung int Gießener Stadtwald. Montag, 13. Januar 1896, vormittags 91/« Uhr beginnend, soU. n im Gießener Stadtwald, Distric- icu Brauhof und Wanne, versteigert werben: 62 Kiefern- und Fichtenstämme mit 26,90 Festm., b?5 Kiefern- u. Fichtenstangen mit 1,33 Festm., 48 Rmtr. Buchen-Scheitholz, 69 „ Eichen- „ 97 „ Nadel. „ 13 „ Buchen-Knüppelholz, 83,5 „ Eichen- „ 57 „ Nabel« „ 18 „ Buchen-Stockholz, 101,5 „ Eichen« „ 28 „ Nadel« „ 730 Wellen Buchen-Reisig, 3360 „ Eichen- „ 4780 „ Nadel« „ Das Stamm- und Stangenholz kommt am Vormittag zum Ausgebot. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 6. Schneise. Gießen, den 7. Januar 1896. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 317 Domanial-Fischerei- und Jagdverpachtungen. Mittwoch den 5. Februar L I., Stacbmtttag« halb zwei Uhr, sollen tm Gasthaus zum Hirsch in Grünberg nach- stedend benannte Fischereien und Jagden anderweit verpachtet werden und zwar: A. Fischereien. 1. vtzerförsteret Haindach r Im Ertenröderdach, den beiden Hirsch- dächlein in der Gemarkung Burg. Gemünden und dem Mehlbach in der Gemarkung Ehringshausen (Fischerei- bezirk I); in der Felda in der Ge- markg. Nieder-Gcmünden (Ftschrrei- hezirk II); in der Ohm von der Einmündung der Felda bi« an die Hornberger bezw. WälderShäuser Grenze mit dem sogen Htrschbächlein in der Gemarkung Nieder«Gemünden (Fsschereibezitk 111); ». Oberförsteret Nieder - Ohmen r Im Seenbach in den Gemarkungen Flensungen und Merlau bis an die Triebmühle bei Merlau, tm Ilsbach tm Jlrdorfer, Herrnmüllers- und 5. 383 Nr. 950 — 826 qm Grabgarten, Slurl git.Schl>t>ch,»>chf..Ludwig«platz. Flurl 176 Die Lieferung des Bedarfs für 1896/97 von Wildprethändler (£bd. 873 Heu N.d-.noo: Ä. Sch-yda. — ä)rwd ue* fücrlag b* Brühl'schni Uorv-rsteüw-vuch- «U 6lrinbnutad (Pietsch A Schktzda) tu Gütz«. »ch Irl«! II Stzr. Wirker, Ederstraße. Neuenbäue. Schillerfiraße. Wetzsteinstr. LudwigSstraße SelierSweg. I|r. Schiatzalo, W 3*ieber, /, FL X 1.70, */( Fl. 3 JL empfiehlt F. Schott, 174 Bahnhofatr. 23, tiieeeen. Pa. Nusskohlen, „ Anthracitkohlen, „ Briquetts, Kleingemachtes Holz, fuhren- u. centnerroeife, empfiehlt billigst daselbst, $Iur409ir.267V„-1^|,>m”^|nl Sartfelb in ber Schwarzlach, öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, den 27. December 1895. Großh. OrtSgertcht Gießen. I. A.: Vogt.389 «Fanter * C«., Hochheim edicinal-Champagner teinnter, dentecher 8ect Dit Bet Das u die Sir nnb Nt Reg Rw 20. V» Kap Das M. 5 Bett an die 11 ®‘Ntief( Z?*lfferur fei LK