Mr. 290 Drittes Blatt Mittwoch den 9. December 189 ü tarn, Gössen, Zlntts- unb Anzeigeblcrtt für den Kreis Gietzeir. 10tU Aintlicher Theil 1ÖJ« irze ige Inns■)int do« Anzeigen zu der Nachmittag- für bew ‘j-n Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. 25. hts- in2 1018- Der Bvrfiaub. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslände» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 1 1 . .......1 ■ Hratisbeikage: Gießener Kamikienökätter Großh. Districts-Einnehmerei Gießen I. Bon Donnerstag den 10. December 1896 ab befindet sich das Bureau Bismarckftratze Nr. 10, im Hause deS Herrn Buchbindermetster» Saun. Wacker, Rendant. niemals ein Hehl gemacht habe. Zum Auswärtigen Amt habe er niemals irgend welche Beziehungen gehabt, auch zum KrtegSmtnisterium oder zum General von Bronsart habe er keine Beziehungen unterhalten. ES folgt die Vernehmung des Fräulein Adeline Wanz auS St. Johann a. d. Saar. Sie bekundet, daß die Quittung nicht in einem Casv, sondern in der Wohnung des Angeklagten von Lützow enestanden sei. Der Letztere habe gesagt, daß er ihr eine Quitrung dictiren möchte, habe sich dann aber eines anderen besonnen, mit der Bemerkung, daß Herr von Tausch, für den die Quittung bestimmt sei, am Ende ihre Handschrift erkennen könnte. Er habe deshalb das Dienstmädchen Emma rufen laffen und ihr den Text der Quittung diclirt, sodann habe er den Hausdiener rufen lasten, der auf feine Veraulaffung den Namen „Kukutsch" unter das Schriftstück setzen mußte. Die Zeugin sagt ferner aus, ihr sei dieses Gebühren nicht aufgefallen, weil sie gewußt, daß Herr von Lützow von Tausch abhängig und ganz in dessen Gewalt sei. Ersterer habe sich häufig darüber beklagt. Der Z uge Israelit Gtngold Staerck sagt aus, er fei vor etwa Jahresfrist durch einen Polizei- Wachtmeister zum Commistar von Tausch geladen worden, um Auskunft über feine Personalien zu geben. Nachdem das erledigt war, habe von Tausch ihn gebeten, der Polizc Dienste zu erweisen. Er solle durct auS nichts Unanständiges oder Ehrenrühriges thun, er solle der Polizei nur den Namen des VerfaffkrS eines ActenstückeS nennen, wenn die Polizei eS für nöih g halte. Zeuge habe fich zwei Stunden Bedenkzeit erbeten und dann das Anerbieten acceptirt, weil er fürchtete, von Tausch würde sich für eine Ablehnung dadurch rächen, als er ihn als Oesterreicher auSwetsen würde. Herr von Tausch habe in der Unterredung auch über den StaatSsecretär Marschall gesprochen, diesen als einen Usurpator bezeichnet, der die Stellung nicht verdiene, die er einnehme. Auf die Aufforderung des Herrn von Tausch, fich an Herrn von Holstein zu wenden, um in Beziehungen zum AuSwär- tigen Amt zu gelangen, habe er fich an diesen Herrn schriftlich gewandt, aber keine Antwort erhalten, ebenso sei eS ihm bet Dr. Hamann ergangen. Während dieser Vernehmung ist der Polizeipräsident v. Wtndheim im Saale als Zuhörer anwesend). StaatSsecretär v. Marschall erklärt betreffs des Zeugen Staerck, daß derselbe deshalb nicht im Auswärtigen Amt empfangen werden sollte, weil er keinen hat 8>/r Uhr iorn: WM* 1 Wettbewerb autzchrdenida Foellmar'schen Artikeln abzulassen, da er nur die erste Hälfte habe und die zweite ihm abhanden gekcmmen sei. Das Ge- präch sei dann auf den Journalisten Leckert und von Lützow gekommen. (Während der Vernehmung des Zeugen Levysohn läßt der Oberstaatsanwalt Drescher den Zeugen Tausch ab- treten.) Nunmehr thetlt der Vorsitzende mit, daß der Zeuge von Tawch soeben unter seinem Eide bekundet habe, daß er nie dem Chefredacteur Levysohn erklärt habe, Leckert sei im Auswärtigen Amte empfangen worden. Zeuge Levysohn entgegnet, daß er bei seiner abgegebenen Aussage bleibe. In etnrn weiteren Aussagen bemerkt der Zeuge, von Tausch habe oft zu ihm über die Regierung in den ungeschminktesten Ausdrücken gesprochen, so daß er ihm mißtraute und eS für eine Provocation hielt. Er, Zeuge, habe gewußt, daß er einen Beamten vor fich hatte und habe besten Mitteilungen nie für sein Blatt verwerthet. StaatSsecretär von Marschall erklärt hierauf, unmittelbar nach dem Erscheinen im „Berl. Tagebl." habe er den Zeugen Levysohn über das Entstehen dieses Artikels befragt. Herr Dr. Levysohn habe ihm genau dasselbe erzählt, was er soeben hier gesagt, nur habe er die Sache so dargestellt, als ob er seine Mittheilungen von einem Anonymus habe- er habe den Namen von Tausch nicht genannt, sondern gesagt, er könne den Namen deS Betreffenden nicht nennen. AlS jedoch er, Marschall, den Namen von Tausch nannte, habe Levysohn nichts darauf erwidert. Er babe die Empfindung gehabt, als wenn dies der richtige Namen gewesen sei. Oberstaatsanwalt Drescher ergreift daS Wort und führt auS: Angesichts dieser Maßnahmen ist der Moment gekommen, den ich fürchtete, der Moment, in welchem ich gezwungen bin, den folgenschweren Antrag zu stellen: den Zeugen von Tausch wegen dringenden Verdacht- deS wiffentlichen Meineids zu verhaften. Auf wiederholte- Befragen des Vorsitzenden, ob von Tausch bei seiner Behauptung, daß er nie zu Dr. Levysohn gesagt habe, Leckert sei im Auswärtigen Amt empfangen worden, bleibe, entgegnet der Zeuge: Jawohl. Das Gericht beschließt hierauf, den Zeugen von Tausch wegen dringenden Verdachts des wtflent- lichen Meineids zu verhaften, von Tausch hebt noch einmal die Hand und betheuert: Was ich gesagt habe, ist wahr. (Zeuge von Tausch wird abgesührt.) Nunmehr wird Haupt- mann König vernommen. Er sagt auS, er sei der Versaster deS am 28. April in der „Köln. Ztg." erschienenen Artikels mit der Ueberschrtft: „Flügeladjutanten-Politik", woraus er Bei der Redaktion eingegaugeue Bücher re. — „Die Rote*. PracttscheS, kurzgefaßtes Universal Handbuch ur Erlangung der Notenkenntniß und zur Erlernung deS Singens nach Noten. Spectell für Vereinszwecke. Von Julius Berger. H. Kiutkes Verlag, Slallupönen, Ostpr. 48 Seilen Taschenformat. 40 Pfg. Zu beziehen durch jede Buchhandlung, — Die- Merkchen ist in der That geeignet, einem der gefühltesten Vereinsbedürfmsse abzuhelfen. Es gibt eine Menge kleinerer Gesangvereine und eS gibt eine Menge anderer Vereine, die Sängerabtheilungen resp. Sängersectionen haben. Können da alle Mitglieder nach Noten singen, ja kennen sie überhaupt die Noten? Daß eine solche-Kenntniß ab r zweifelsohne zum guten Gelang gehö.t, wird wohl Niemand bestreiten. Dieses Ziel erreicht ein Jeder ii. wenigen Wochen durch die in Rede stehende Broschüre, die von einem namhaften Mufik- krtttker Leipzig« für äußerst vortheilhast und proctisch befunden und allen Vereinen auf das Wärmste empfohlen wurde. günstigen Eindruck gemacht habe. ES sei ihm trotzdem gelungen, bet Herren verschiedener Abtheilungen Zutritt zu erlangen. Hierauf erhielten die Diener den strikten Befehl, Herrn Staerck bei Niemandem mehr anzumelden. Derselbe habe den Eindruck gemacht, als wenn man ihm gegenüber vorsichtig fein müßte- er, Zeuge, bitte nun den Zeugen Staerck, zu erklären, wie er dazu gekommen sei, Herrn v. Huhn fälschlich als Verfasser der Artikel- der „Köln. Ztg." zu nennen. Zeuge Staerck entgegnet, er kenne die Herren Leckert und v. Lützow nicht, er habe auch nie im Auswärtigen Amt einen Besuch zu dem Zwecke gemacht, die Herren Im Auswärtigen Amt auszuhorchen, er habe auch niemals versucht, für Herrn v. Lausch zu spioniren. Herrn v. Hahn habe er allerdings genannt, weil er wußte, daß dieser Herr Corrrspondent der „Köln. Ztg." ist. Wirklicher Legat onSrath Dr. Hamann bestätigt daS, was Staat-- secretär Marschall über daS Aufiauchen deS Staerck im Auswärtigen Amt gesagt hat. Er sei von Anfang an mit etwas Mißtrauen behandelt worden: so oft er auch abgewiesen worden sei, Herr Staerck sei immer wieder gekommen. Auch auf die Beamten habe Staerck einen ungünstigen Eindruck gemacht und die Dermuthung sei laut geworden, daß Herr Staerck ein Abgesandter deö Herrn v. Tausch sei. Zeuge Levysohn sagt, er habe nicht daS Geringste gewußt, daß Herr Staerck Beziehungen zu Herrn v. Tausch unterhalte. Die Beweisausnahme ist hiermit ge- schloffen. ES tritt eine Pause ein, nach welcher daS Plaidoyer deS Oberstaatsanwalts Drescher beginnt. Derselbe führt auS, daß der Gipfelpunkt deS Proceffes heute erreicht worden sei in dem Moment, als ein Mann zur Haft gebracht wurde, der in dieser Sache eine Gefahr bringende, eine verhängniß- volle Rolle gespielt, der Mann werde seinem verdienten Schicksal nicht entgehen. Der Proceß habe eine politische Bedeutung. Diese sei allerdings nicht in den Persönlichkeiten der Angeklagten begründet. Höchstens die beiden angeklagteu Redacteure konnten auf etwas politische Bedeutung Anspruch machen, die anderen Angeklagten hätten nicht die geringste politische Bedeutung. Leckert jr. und von Lützow bezeichnet er als gewöhnliche Verleumder, beiden fehle die Liebe zur Wahrheit, die Liebe zur Ehre. Man glaube augenscheinlich vielfach im Publikum, daß der Behörde durch Anstellung von Vertrauensmännern ein gewiffer Makel anhafte, dagegen müffe die Behörde geschützt werden. Bisher sei die Behörde gezwungen, solche Vertrauensmänner zu halten, daS sei unentbehrlich im SicherheitStntereffe. Berlin, 7. December. (Proceß gegen Leckert und v. Lützow.) Oberstaatsanwalt Drescher fortfahrend: Man wüste äußerst vorsichtig sein beim Annehmen solcher Der- trauenSmänner, sonst treten derartige Verhältniffe ein, wie sie in dem Proceß zu Tage getreten sind. Die politische Bedeutung deS ProcrfleS liege in den Personen der Be- theiligten und der Kleidung. Die Hauptaufgabe des ProceffeS sei geworden, Nachweis dafür zu erbringen, daß alle die Vorwürfe, welche feit langer Zett und systematisch gegen das Auswärtige Amt geschleudert wurden, in Nichts zerfallen, daß sie unwahr sind von A bis Z. DaS sei in vollstem Umfang erreicht. Auch nicht der Schatten eines Verdachts, auch nicht die Spur eines Makels fei an den Beamten des Auswärtigen Amtes haften geblieben. DaS Gegentheil sei erwiesen und daS verleihe dem Proceffe die eminent politische Bedeutung. Oberstaatsanwalt Drescher stellt alsdann folgenden Strafantrag: Gegen die Angeklagten Leckert jr. und v. Lützow je l1/» Jahre Gesängniß, gegen Dr. Plötz 1 Monat Gesängniß, gegen Foellmer 300 Mark Geldstrafe, gegen Berger 2 Monat Festung und gegen Leckert sen. Freisprechung. Hierauf folgen die PlaidoyerS der Vertheidtger, worauf Oberstaatsanwalt Drescher seinen Antrag gegen Dr. Plötz dahin berichtigt, eS sei nicht an- gängig, auf Festung zu erkennen. Er beantrage die entsprechenden Gefängnißstrafen, ferner Publikation deS UrtheilS. Deutsches Reich. Berlin, 7. December. Prozeß gegen Leckert und v. Lützow. Der Andrang zur heutigen Verhandlung ist ein grnz coloffaler. Gleich nach Beginn der Verhandlung citiä-.i Oberstileutenant Gaede, daß der Verdacht gegen daS „Litterarifche Bureau" fich nur darauf beschränke, daß einer der betreffenden Herren wiffeu könne, von wem die Notiz in Bekamitviachims. In den Gemeinden Leusel, Wallersdorf und Strebendorf, Kreis Alsfeld, und in Harheim, Nie der- Florftadt und Okarben, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöft- und GernaikungS- sperre verfügt worden. Gießen, den 4. December 1896. GroßherzogltcheS KretSamt Gießen. v. Gagern. ben „Münchener Neuesten Nachrichten" herrühre, aber jeder ! Verdacht der eigenen Täterschaft und Beihilfe sei von vorn- hiret" auSgeschloffen gewesen. Ferner erklärt Gaede, daß die Quillung mit der Unterschrift „Kukursch" irn Krieg-- mlm|tettum von vornherein nicht für echt gehalten worden sti. Oberstaatsanwalt Drescher theilt dann mit, daß der Botschafter Eulenburg vor Gericht Auskunft geben werde über einige in der Verhandlung zur Sprache gekommenen Thatsachen. Außerdem fei der Chefredacteur de- „Berliner Tageblatt", Dr. Levysohn, alS Zeuge geladen. Es erfolgt die Vernehmung des Botschafter- Eulenburg, der erklärte, ec habe den Commtffar v. Tausch in Abazzia kennen gelernt unb j rar 1894. Seitdem habe er ihn wenig gesehen- da- letzte Lebenszeichen von Tausch sei ein Brief gewesen, den ec, Graf Eulenburg, im October d. I. in Liebenberg erhielt. Dieser Brief habe einen Zeitungsartikel enthalten, der fich mit der Fälschung deS ZarentoafteS beschäftigte. In dem Br efe habe Herr v. Tausch gebeten, ob eS nicht möglich sein würde, ihn, den Zeugen, zu sprechen, er habe Interessante- mitzutheilen. Graf Eulenburg habe darauf geantwortet, daß ba» vielleicht in Berlin möglich sein würde. Er habe aber damals schon die Absicht gehabt, den Herrn v. Tausch nicht zu empfangen. Er habe mit v. Tausch alsdann keine anderen Beziehungen gehabt. „Ich erkläre hier," so führt Graf Eulenburg weiter auS, „wo jede» Wort unter meinem Eide steht, eS für Verleumdung und böswillige Erfindung, wenn behauptet w rd, ich hätte Beziehungen zu Tausch unterhalten, namentlich solche, die mit den Art.kelu in der „Welt am Montag" in Zusammenhang stehen. Derartigen Machen- schäften intriguanter Natur und derartigen Verleumdungen, die in irnem Artikel zu Tage traten, stehe ich gänzlich fern." 81 folgt hierauf eine längere Auseinandersetzung -wischen dem StaatSsecretär v. Marschall und dem Cornmiffar v. Tausch über b!e politische Polizei, in welcher ersterer fein Mißtrauen gegen dieselbe begründet. Auf die Frage di- Oberstaatsanwalt-, ob Tausch nunmehr die Erlaubniß habe, ben Namen seine- Gewährsmannes zu nennen, den ihm von Huhn als den Derfaffer des Artikels in der „Kölnischen Leitung" bezeichnete, entgegnet Tausch, eS sei der Journalist Siaerck vom „Berliner Tageblatt" gewesen. Der Staat-- mwalt erwidert, Herr Staerck sei bereit- vorgeladen und Dtrbe vernommen werden. Auf die Bemerkung de- Recht»- llnwaltS LubSzinSki, daß fich daS Geständniß de» Angeklagten b. Lützow bisher in allen Purk en als wahr erwiesen habe,' uwd daß Tausch eß nicht Übel nehmen könne, wenn er, LuibSzinSki, annehme, daß v. Tausch den ersten Artikel schon vo»r seinem Erscheinen gekannt habe, antwortet der Zeuge b. Tausch: Nein, er habe w.der diesen Artikel, noch sonst irzgeud einen politischen Artikel inspirirt. Der nächste Zeuge ist: der Chefredacteur des „Berl. Tagebl.", Dr. Arthur Lervyfohn, welcher erklärt, daß die im October dsS. IS. im „Tageblatt" erschienene Notiz, wonach Leckert im Auswärtigen tae empfangen worden sei, vom Criminal • Cornmiffar b. Tausch gewesen fei. Am Abend deS 21. October Haide die Unterredung zwischen dem Zeugen und v. Tausch ftaattgefunben. Letzterer habe dabei den Zeugen gebeten, ihm die zweite Hälfte der vom „Tageblatt" gebrachten icßcncr Anzeiger Kenerak-Wnzeiger. vierteljähriger Zvo««e«e«t»Prei-: 2 Mark 20 Pfg. mü Bringerlohn. Durch die Post bezogn 2 Mark 60 Pfg. Aedaction, Lxptbitio, unb Druckerei: -ch»tftr«tze Mr.t Fernsprecher 61. Der #<|ener Anzeiger erschein! täglich, »U Ä iZnahme bei Mcntag» Die Gießener >«mtriett»fdl(er »erden bem Anzeiger »tchenllich breimal beigelegt. —10711 tsn lC|r,SelW«ll 1 3#'«, BehördlicheAnzeigen SelterSweg SS. 10400 M. Kann. Kirchraplak 10408 CD F Empfehlungen. nähen, Flicken u. Bügeln Auf der Bach 8. 1 KZ. Preisen. 10779 4 2 1000 1 1 1 Bekanntmachung. Im Jahre 1897 werden Bekanntmachungen aus unserem Handelsregister in der Darmstädter Zeitung, sowie in dem Kreisblatte desjenigen Kreises, in welchem die Firma ihren Sitz bezw. ihre Zweigniederlassung hat und die Bekanntmachungen aus unserem GenossenschastSregisttr für kleinere Genossenschaften im Deutschen Reichsanzeiger, sowie in dem Kreisblatte desjenigen Kreises, in welchem die Genossenschaft ihren Sitz hat, für andere Genossenschaften außerdem noch in der Darmstädter Zeitung erfolgen. 10787 Hungen, den 4. December 1896 Grotzh. Amtsgericht. Buckskins In großer Auswahl zu besonders billigen Preisen offeriren 1.0058 Aug. 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Um die Frühstunde, in der noch vor wenigen Monaten am schönen Morgen die Sonnenrosse den goldenen Wagen weit über den Saum der blauen Berge gefahren, in der seine warmen Wahlen schon Milliarden funkelnder Thaudi.manten an Blumen und G'äsern autaesoaen. da ist jetzt noch tiefe, grämliche Nacht, im öden, in bleittnen Schlaf gesunkenen Garten. Durch« kahle Fliedergezwetge fällt das matte röihltche Lampenlicht au« halb verhängten Fenstern, hinaus auf die kalten grauen Beete oder aus deren leise über Nacht ^^^Wngsumre^ngslose Stille; nur einige hochgeschoffene Himbeerstauden wanken und schwanken an der dunkeln HeA in der leichten Lustbewegung: lange, dür. e Arme, deren erfrorene Blätterbü chel wie kohlschwarze Hände hinauf zum trüben Firmament und^ seinen^ erbleichenden Sinnen drohm und winken. Seht ihrs, un« fliehen üUe ^Jetzt^streicht mit weichem, lautlosem Flug ein schwarzer Körper vom Rasen auf. LeiseS Eimerkltrren am Brunnen hat hn au - geschreckt: im kühnen Bogen, ohne Flügelschlag,er die dunkle TaxuSsäule, lenkt nach dem nahen Scheunendach, in besten Giebelluke er verschwindet. Unsere hochnützltche Verbündete und Nachbarin Schleiereule ward, eine ganze „Quaste Mäuse zum stärkenden Frühmahl im^Schna!Morgen, träge dämmernd: läßt nur noch btub licher das trostlose Hingestorbensein des Garten« «kennen. Do» balt! Was klingt da, ganz fidel, von der ziegeleingefaßten Rabatte her? , x ir t , „Wer lange lebt, hat viel erfahren; Nichts Neue« kann für ihn auf dieser Welt geschehn: Ich habe schon in meinen Wanderjahren . Krystalltsi'teS Menschenvolk geseheni" Da hört doch AlleS auf! Unter dem dunkeln, dichten Fichten- deckceisig drang eS hervor — solcher Ulk von der winterlichen TodeS- stälte! Steckt da ein kleiner Mephisto darunter? Durchmu« ntch : blos ein kleine«, keckes, lustiges Völkchen, daS sich vom Winter so leicht nicht „unterkriegen" läßt. Eine kräftige Tulpenzwiebel warS, schon halbfingerlaug, trotz Eis und Schnee, herau«, die den philosophischen Spruch that; und um n< »trum, In ihrem Erdensts l.ul»lm «lnls- k-lm«>d-. dicke Nachbarinnen Hyazinthen, und ganz nahe bet ihr die sinnige, erprobte Busenfreundin Türkenbundlilie usw. - . Dräute der Winter noch so sehr: in diesem traulichen Garten winkelchen blieb immer Leben; da gab« stets zu schwatzen und zu la4e«Tü^kenbun d":*D ugst, liebe Tulpe, „krystallistrteS" Menschen. °°lf ^lulpe: „Ja, reineweg verknöchert, krystalltsirtl" Junge Hyazinthe: „Ja aber in wa« denn? Tulpe: „Einfach: in Tulipomanie." Alle anderen: „Hört nur, wa« ist denn da«? Tulpe: „Da«, liebe Leutchen, will ich euch erzählen. Drahtwurm: „Darf ich auch zuhören?" '"'“‘Ke H,a,inlhr: „4250 SOW. ist I» «5er eine Istrchlerttche Summe für eine einzige Zwiebel: Die Tulpe muß ja n untere ll gewesen sei»! Aber ist denn daS alle« verbürgt?" Tulpe: „Du dumme« GänSchrn! Schöner wie ich war die Tulpe auch nicht; und verbürgt ist allerdings alles. Ich habe die alte Rolle mit der Aufzeichnung von Abraham Wunting selbst ge- sehm. Freilich war eS den Leuten ja um die Zwiebel eigentlich gar nicht zu thun: Die Tulipomanie, die von Kaufleuten, ihnen voran die Hebräer, in« Werk gesetzt worden, und die bald Edelleute, Bürger, Handwerker, Schiffer, Bauern, Torsträger, Schornsteinfeger, Knechte, Mägde, Trvdrlweider usw. wie zehrendes Feuer erfaßte, war nichts anderes als «in Börsenspiel, ganz wie daS saubere „Diffnenz- geschäft in Gelreide", dem Gottlob jüngst der Kragen uwgrdreht wurde. . , _ Kinder! durch dies Spiel wurde mancher Schuft damals mühelos reich, und mancher arme Teufel gerieth vollends an den Bettelstab oder in« Schuldgefängniß. Der Speculant bot und bezahlte da große Summen — in Einzelfällen, wie bei der nur inzwei Exemplaren vorhanden gewesenen Tulpe .Semper AagustuB“, bl« zu 7000 Gulden (— 11900 Mk.) — für eine Tulpenzwiebel, die er me erhielt und nie zu haben verlangte. Ein anderer versprach Zwiebeln, die er nie gehabt hatte, nie herbeischaffte und nie ablieferte!' Türkenbund: „Aber, Liebste! Da« versteh' ich nicht recht'.' Tulpe: „Na, der Wtndhaadel war doch leicht zu versteh«; ein Händler verbrach z. B. einem Schornsteinfeger nach sech« Mo. naten für die und die Tulprn,wiebel 1000 Gulden zu bezahlen. Nach diesen sechs Monaten war der Preis dieser Tulprnart entweder ge. stiegen oder gefallen, oder aber unverändert geblieben. W«r wollen annehmen, die Zwiebel kostete .alsdann nickt mehr 1000 sondern 1500 Gulden, so verlangte der Händler die Tulpr nicht mehr, sondern der Schornsteinfeger mußte ihm 500 Gulden (die Differenz) bezahlen. Also nackie« Hazardspiel! ES überlebte sich nach schlimmen Raufereim endlich und verschwand." . _ Alle Blumenzwiebeln: „Wie die Tulipomanie, so werden stet» alle unlauteren Dienten vor dem Reinigung-sturm gesunden VolkS- gcistes dahinstnkm!" , Drahtwurm: „Na, na! und Monaco?!! nee, wffsen Sie, so lange nicht der ganzen......__ , . , „ Weiter kam er nicht — in tollen Sätzen sprang ein große« Wiesel im prächtigen weißen Winterhermelin mit schwarzer Schwanz- sp tze durch den Garten, und verschwand, gerade über dem Plauter- stübchen, unter dem Deckrei«: daS ErzählungSstünbchen hatte für heute ein Ende! , , , IÄ1 . Jetzt sckwebten und tanztm leise, wie leichte Flaumfedern, Schneeflocken vom sckiefergrauen Himmel herab, auf die 'chwarz- grünen Nadeln der Fichtenzweige, auf die kahlen Beete, den Flieder, die Hecke, die schwarzen Todtenhände der Himbeere; auch aus ter Eule gastliche« Giebeldach. Der Reigm wurde immer bewegter, immer dichter: dem in Ruhe gesunkenen Garten mit seinen vielen Keimen, mit seinen schlafen gegangenen Thierchen, au« Myr^den von Myriaden glitzernder Sternchm die erste tüchtige weitze Decke des WtnterfriedenS zu weben. Heinrich Freiherr Schilling v. Eanstatt. Backe nur „Maisflocke“! Mai.-flocke giebt köstliche Bisquitkuchen. Orig.-Packet 60 Pfg., Oberall käuflich. Tulpe: „Meinetwegen, aber die Freßzangm gehalten! —" Seht mal, Modeblummiucht gab e« hnmn. Einmal war e» die, einmal jene Blume. 1633 war e« z. B. die Ranunkel, die der Deztr Kara Mustapha - derselbe, der mit ietnem fürchterlichen Heer vor Wien geschlagm wmde — einführte. Gleich darauf geschah das mtt "AUe^Hyasinthe: „Ach, ihr'ikamt wohl mit unS durch Kaiser Ferdinand« l. Gesandten am türkischen Hose, Herrn BuSdecq, zur etn,U2ulpt: „Nein, umgekehrt: ihr mit unS! meine Beste; da« bitte ich mir aus! Konrad Geßner cultivirte meine Ahnen zuerst 1559. Daher Tulipa Gesneriana! Unsere Hauplvergölterung fiel in die Jahre 1634—1640. WaS wir da galten, da macht ihr guten Dinger euch gar kein« Begriff davon! Euch würde es ergangen sein wie dem Matrosen. , m t , «■ Türkenbund: „Wie welchem Matrosen? t t , Tulpe: „Na, dem englischen Matrosen, der damals einem Holländer Kausherrn eine Waare mitbr.chte, dem schenk eder Holländer, freigebig, wie er sich hatte, einen Hering. Jack, hungrig, wie er sich hatte, aß ihn natürlich gleich auf, aber nicht ohne zu dem alt« trockenen Gesellen sich noch zwei saftige Zwiebeln zu genehmigen, die er auf dem Gewölbetisch herumliegen sah. Kaum «der ha te er nach diesem Frühstück das Gewölbe verlassen, stürmte ihm der Handelsherr nach: „Unglücksmensch! wo hat Er mttne Awt.beln gelüsten!?" „Hier!" grinste Jack, indem er mit dem Zeigefinger auf seinen Magen deutete „Herr tes HtmmelS! Was hat er an- gefiellt! Es waren zwei lieferbare Tulpenzwiebeln! — Nun, der Kaufherr verstand seine Sachen: der englische Rheder mußte für den Kannibalismus seines Matrosen zahlen, daß er schwarz wurde. Ranunkel: „Die paar Guiegroichen! Tulpe: „Paar gut« Groschen?! Bist Du verrückt geworden! Nein, in so sckundigem Preise wie heute bewegten wir unS damals Gottlob nickt: Der türkische Großsultan hat an goldener Tafel noch niemals so kostbar dejeunirt aiS unser armer Matrose mit seinem Hering. Seht mal, die Tulpenzwiebelart, die er ausknabberte, hieß Viceroy". Diese Sorte wurde damals zu Amsterdam, »arlern, Utrecht, Leyden, Rotterdam usw. zu unerhörten Pre sen gehandett. Für eine solche Zwiebel wurden dem, der sie zu liefern versprach, i B folgende Maaren im folgenden Wertbe verschrieben: 2 Last (— 60 hl) Wchen an Werth 448 Gulden (— 761,60 Mk.) 4 „ (--120 hl) Roggen,, „ 558 „ (= 948,60 „ 4 fette Ochsen „ „ 8 „ Sckw.'ine „ n 12 „ Sckase » * Verlag von Emil Roth in Gieße». Künzel-Soldan tzkffen. Lebensbilder aus Vergangenheit u. Gegen» wart- Zweite umgearb. Aust. — Mit dem Bildniß u- Faksimile Sr. Kgl. Hoheit de« Großherzogs Ernst Ludwig von Heffen. — Ge- widm. Sr. Kgl- Hoh. Ernst Ludwig, dem Groß- Herzog zu Heffen u. bei Rhein.— ■y In gediegenem Lederbd. JL 10.50; in Letnenband X 10.— Itt g und Gartenbau, X eine wöchentlich erscheinende, reich illustrirte Marien,eitschrift, in« L.b« M 2 gerufen worden, welche au« kleinen Aniängen schnell mrporgedlüht^h''»k 5 die gelesenste Gartenzeitichrift der Wett geworden ist- Der »r tstck» Ratbaeber ist jetzt ein Unternehmen von einzig dastehender ^roßarttgrei, g 5 welch?« nur sür die Prari« arbeitet. An der Spitze der R-daction stebm * X vier wtffensch.stlich gebildete Gärtner ein SroßerKretS °lmAutorUSlen G jt arbeitet mit. Unter der Redaction sieht ein wiffenschaftttcher Vniuck* R 5 garten für Neuheiten und ein 45 Morgen proßer, practischen Ver'uckeo g X dienender Dersuchsgarten „Der H-dwigSberg" In,/^er eigmen V- ag jt suckSkellerei werden Sorten- und Maschinenve suche mit Obst- und B en g 2 weinen gemacht. Der practische Rathgeber ist "ich illustrirt. Alle » H X bedungen werden nach lebenden Modellen, Pflanzen rc. nur |g 5t Rathgeber gezeichnet. Vierteljährlich wird ein bunte« Aquarell g W btldungen von Obstsorten, Blumen, Jnsecten rc. - ^gegeben, da« o H X hervorragendem künstlerischem Werth. Der practische RathS'ber im * 1t und Gartenbau, auf den man bei leder Postanstatt oder Buckha 5 abonntren fann, kostet vierteljährlich 1 Mk.. mit Bestellgeld 1,15 Mü- M bei direktem Bezug unter Streifband 1^0 Mk Proben um meru w ag 5 ,«n unen”,wt»bk ^äntgt. ^.f(»«»n>dlerri ,e.»ltzs« »• 5-»* " g Arauäfurt a. d. Hder. XXXX*WKXWXXWtiXXWWW****S@ Summa 2500 Gu d n (—4250,— Mk.) Die Preise sind für den heutigen Bauern und Volkswtrth xxxxxxxxxxxxoxxxxxxxxxxxx X Zur Belehrung aller Freunde des Obst- und Gartenbaues ist vor £ nunmehr zehn Jahren X Der praktische Ratgeber im Obsl- Vermiethungen. § Der 2. Stock Markt 21 ist anderweit zu oermiethen. ___________«. & S. Wallenfels. SMlööJ Logis an ruhtge Leute zu oer- M'eihen. ___________Neustadt 11» 7öö7J Zweiter Stock, 3 Zrmmer mit allem Zubehör zu oermiethen. L. Seidel, Sonnenstraße 8, II. 77ö7J Kleine Famitienwohnung per sofort zu oermiethen. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. 6472) Der dritte Stock (seither von Herrn Canzleirath Schäffer bewohnt) per sofort zu oermiethen. «mit Kalbfleisch, Licherstraße 1. v.42j >Neu hergertchtete eleg. Wohnung, zweiter Stock, 7 event. 9 Zimmer, mit Balkon, Badeeinrtchtung und Garten- antheil rc., sofort zu oermiethen. Rordanlage "9773) Dritter Stock, 4 Zimmer mtt allem Zubehör, per 1. 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