1S96 Donnerstag den 8, October Erstes Blatt. str. 237 LierteliLhriger Amts- und Anzeigeblatt für den ICrcis Gieren Hratisöeikage: Hießener Aamikienbkätter. 4 verkaufe 1 INgSvoll lifam die ML ilen Bitt'imf! Wlebaiüt m *' Der und rief Stoppeln Der Ferne. vor landschaft wüthevd nach seinem Hühnerhund, der in den einen Hasen aufgejagt hatte. Andere stand nachdenklich dabet und blickte tu die seinen Augen versank die dammerduukle Herbst« mit den öden Feldern und kahlen Bäumen, mit Durch dir Post be-oß« 2 Mark 50 W Rebactiim, (tptbtde# und Druckerei: Ach»rstr«ße Mr.R« Fernsprecher 6L "Anfang 9 Kn. im Ofen buck. Bei seinem Anblick sprang sie auf und zupfte an dem kurzen Röckchen, als wolle sie ihre nackten Füße verstecken, und wurde roth, o, so glühend roth. Und doch glänzten ihre Augen ihn an mit verräihertschem Glanz und kokett warf sie die dicken blonden Zöpfe, die sie ebcn glatt geflochten, in den Nacken zurück. Und waS für Zöpfe und was für ein Nacken unter dem grobletnenen Hemd! Konnte er vorübergehen? Borübergehen an seiner Kinder- gespteltn, die schon mit ihm und dem Bruder hier in dem alten Backofen Räuber und Soldaten gespielt hatte? Er ging nicht vorüber, er schüttelte ihr die Hand und hielt die kleine derbe Hand fest. Er war TagS zuvor von der Universität auf Ferien gekommen, er war solch ein lustiger Student. Und wie er ihre Hand hielt, geschah da- Wunder, da- sich in jedem Menschenleben einmal vollzieht. Die Erde war plötzlich ein Paradies. Und sie standen beide im Garten Eden unter dem Baume des Leben-.------— —----- „Hat der verfluchte Racker wahrhaftig einen Hasen im Lager erwischt!" schrie der Gutsherr. Der andere kam wieder zu sich, das Frühlingsbild verschwand und er sah die Pfützen der Landstraße vor sich, durch welche der ungehorsame Jagdhund jetzt seine Beute schleifte. Er dachte au das alte Weib auf der Kartoffelmiete und die Welt war ihm noch nie so trist erschienen, wie an diesem Herbstabend. „Es wird Winter," sagte er und schlug fröstelnd den Kragen feiner Jagdjoppe in die Höhe. Die Fiaker verlangten phantastische Preise- bald war gar kein Wagen mehr in der Stadt zu haben. In den Straßen, die der Zar durchfahren sollte, bildete ein ganzes Pariser ArmeecorpS Spalier. Hinter einer dreifachen Reihe von Soldaten standen Schutzleute, dahinter unabsehbare Volks« maffen. Alle Fenster und Dächer der Häuser find dicht besetzt. Der ganzen Avenue des Champs ElhsäeS und der Avenue du Bois entlang ist frischer Sand gestreut. Ueber dem Eingang der Avenue du Bois hängen Blumenketten und eine riesige russische Kaiserkrone. Kurz vor dem Bahnhofe, der am äußersten Ende deS BotS liegt, bildeten afrikanische Truppen, TurkoS und Zuaven mit arabischen Mufikcapellen Spalier. Asrtkanische Reiterei hielt vor dem Bahnhofe, der festlich decorirt und dessen AuSgänge in eine Triumphpforte verwandelt ist, mit den Initialen der französischen Republik in der Mitte. Der BahuhofSperron ist mit Blumen und bunten Draperien förmlich bedeckt. Dort wartete die Ehren« Compagnien mit Musik, vor dem Bahnhofe find mehrere Tribünen aufgerichtet für Herren und Damen der osficiellkn Welt und die Presse. Alle Minister trafen zur Begrüßung deS Zaren ein. Bald nach 10 Uhr fuhr der kaiserliche Zug durch die grünen Bäume des Bois .hindurch ein, von den Dächern der umliegenden Häuser mit endlosem Jubelgeschrei und Tücherschwenken begrüßt. Mufikcapellen auf dem Bahnhof spielten fortan ohne Unterlaß abwechselnd die russische Hymne und die Marseillaise bis zur Abfahrt. Der Zar schritt die auf dem Perron aufgestellten Ehren'Compagnieen ab. Die Kanonen begannen zu feuern, deren Schießen bi- zum Emtreffen des Zaren in der russischen Botschaft cmhielt. Während dem ritt draußen der erste Theil der kaiserlichen Escorte an, über tausend Reiter von allen Waffengattungen der französischen Cavallerie, darunter CasseurS auf lauter weißen Pferden, SpahtS in festlichen weißen Turbans mit prachtvoll aufgeschirrten Pferden. Nachdem der Zar eine Viertelstunde im Bahnhof verweilt hatte, bestieg er den unter der Triumphpforte wartenden vierspännigen Galawagen. Unmittelbar vor dem Wagen ritten zwölf Araber ScheikhS in prachtvoller maurischer Rettertracht auf wilden Hengsten, die mit Seidenschabrackeu oder Tigerfellen bis auf die Knöchel behängt waren. Hinter den Scheikhs gingen zu Fuß einher deren arabische Diener. Dann kam Montjarret, Piqueur deS Elysee, als Spitzreiter, dann ein Galawagen von kostbar aufgezäumten schwarzen Pferden gezogen. Der Galawagen war ganz offen und hatte keine Reiterei zur Sette. Zur Linken saß her Zar in der Uniform eines russischen Infanterie- Obersten mit Pelzmütze und Röhrenstiefeln. Neben ihm saß die Kaiserin, ganz weiß gekleidet mit weißer Pelerine, kleinem Capothut, halb herabgelassenem Schleier und in der Hand einen weißen Sonnenschirm, den sie später öffnete. Auf dem Rückfitz saß der Präfident der Republik, dem Zaren gegenüber. Auf dem freien Sitz neben ihm lag ein Blumenstrauß, der dem dürren, faulenden GraS und Laub am Wegesrand, er sah den Frühling und die Welt in Blüthenpracht. Er sah den alten Backofen unter dem wilden Birnbaum hinter dem Dorfe, ganz bedeckt mit schimmerndem Blüthengezweig und Veilchen und Goldneffel um sein Gemäuer blühen. Blau- golden leuchtete der Himmel über dem verräucherten Schornstein und saftgrün dehnte fich vor seinen Augen die Trist mit den Störchen, den Schwalben und dem Lockruf der Kiebitze. Hinter dem alten Backofen lag das Dorf im Frühlings- grün versteckt mit seinen altväterischen Bauerngehöften, den Arbeiterhütten und dem GutShof voll WerkeltagSrreiben und fröhlichem Kinderlärm, aber hier, unter dem Birnbaum, im Schutz des Gemäuers, war er allein in wildblühender Einsamkeit, allein mit einem Weibe, so jung und schön wie der Frühlingstag. Sie hatte unter dem Baume geseffen, als er mit der Flinte aus den Wiesen daherkam, fie hütete das Brod, das Arrrlaitd. Parts, 6. October. Der Eipzug des Zaren- paareS begann um »/,!! Uhr. Ungeheurer Enthusiasmus. Warmes Wetter, der Himmel etwas bedeckt, aber die Sonne dringt durch. Die gesammte Pariser Bevölkerung zog, wie bei großen Volksfesten, vom frühen Morgen an ins BoiS. dOlLH.1*1 1 ---- I »nahm i BO» Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden tag erscheinenden Rummtr bi» Bonn. 10 Uhr. *w hoseu unb idenS Deutsche» Reich. Berlin. 6. October. Ueber die Aussichten der Handwerker - Organisation-- Vorlage äußert fich die clericale „Kölnische Volksztg.", indem fie schreibt, daß die Vorlage im Reichstage kaum etwa- zu befürchten habe, da da- Centrum und die Conservativen sie unter Beihilfe von kleinen Gruppen schon durchdringen würden. Gefährlicher sehe e- aber im BundeSrathe aus. Zwar wenn Preußen und Bayern fest blieben, sei nicht- zu befürchten, aber da- Blatt besagt, der Wind könne hier umschlagen, ehe die Vorlage im sicheren Hafen ist. Das Organ deS CentrumS gibt des Weiteren za, daß man bisher gewohnt war, nur die Handwerker zu sehen, die für den Jnnungszwang agitirten. Jetzt aber könne man die Gegnerschaft gegen die Vorlage doch nicht ganz ignoriren. Diesem Widerstande gegenüber sei eS zu empfehlen, den Bogen auf einmal nicht zu stark zu spannen, sondern zunächst den Zwang, die Staatsaufsicht, die Anforderungen an den Geldbeutel möglichst milder zu gestalten, vor allem auch die Vorlage nicht unnöthig zu verschärfen. ■ack Alle Annoncen-Bureaux de- In« und Au-landts nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Bekanntmachung, öttneffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Riugels- hauseu, Kreis Gießen. Nachdem sich mehr als ein Fünftheil der betheiligten Tmndeigenthümer in der Gemarkung Ringelshausen, «eiche mehr als die Hälfte der betheiligten Fläche besitzen, itntsrschristlich für die Einleitung des Verfahrens der Feld- becrünigung der Gemarkung Ringelshausen erklärt haben, xni nachdem innerhalb der gesetzlichen Frist keine Einwend- linken gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit diese- Ergebnisses erhoben worden sind, hat die Großherzogliche Obere landwirthfchaftliche Behörde den Beginn der Feld- berüinigungsarbeiten angeordnet. Indem ich dies zur öffentlichen Kenntniß bringe, lade ich gleichzeitig fämmtliche betheiligten Grundbesitzer zu der in Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. September 18817, Samstag den 24 October l. I., Vormittags 11 Uhr, zu Ringelshausen stattsindenden Versammlung ein. Diese Versammlung hat: 1. zu bestimmen, wie die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächengehalt, oder den Abschätzungswerth der Grundstücke, die erste Ursache, daß ich so ein uustäter Weltbummler geworden bin. Herrgott, wie thöricht ist doch die Jugend! Aber ein schöne- Frauenzimmer war-, ein Raffeweib vom besten märkischen Schlag, da- muß man ihr laffen. Ja, und schließlich, wenn man sich'- recht überlegt — wa- kommt wohl im späteren Leben nach solch einer ersten Jugendeselei gleich an Lust und Rausch?" Gut-Herr hatte die letzten Worte überhört, er pfiff vekmmtmachnng. Mit Bezugnahme aus unsere Bekanntmachung vom 21. März d. I. (Anzeiger Nr. 72) bringen wir hiermit mb er zur öffentlichen Kenntniß, daß Großh. Ministerium bc8 Innern die Verschiebung der dem Verein „Kunstfreund" In Darmstadt gestatteten Berloosung von Oelgemälden auf Cftteru k. I. genehmigt und zugleich fich damit einverstanden uklArt hat, daß anstatt 25000 Loose nur 10 000, eintretenden Falls höchstens 15000 Loose zur Ausgabe gelangen. Gießen, den 6. October 1896. Großherzogliches KreiSamt Gießen. v. Gagern. Der Wdeeer Ziel,er erscheint tSglich, eit Ausnahme des Montags. Dte M eß en er p,Witte«ör»1ter werben dem Anzeiger -.»-chentlich dreimal beigelegt. oder durch Bildung und Verkauf von Maffegrund- stücken, sowie ferner ob die Beiträge nach Bedürfniß erhoben, oder ob die Kosten durch Capitalaufnahme aufgebracht werden sollen. 2. Die zur Vollzugscommission zu berufenden Sach- verständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mit- glied des Schiedsgerichts und dessen Stellvertreter zu wählen. Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der Betheiligten vorgebracht und berathen werden. In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende be- theiligte Grundeigenthümer eine Stimme; die Beschlüsse erfordern zu ihrer Gültigkeit eine Mehrheit von Zweidritttheilen der Anwesenden und sind unter dieser Voraussetzung auch für die nicht erschienenen Betheiligten verbindlich. Kommen gültige Beschlüsse nicht zu Stande, so hat zu 1. die Vollzugscommission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, zu 2. die Großherzogliche Obere landwirthfchaftliche Behörde die Sachverständigen und Schiedsrichter zu ernennen. Friedberg, den 6. October 1896. Der Bereinigungscommissär: 8896 Dr. Göttelmann, Kreisamtmann. obtt 7 »Ä nrpl* ,* "i ,, c*» ’ *5? und p., Fabrpl»D r» be botentn wirklich bescheiden, bei Abnahme von 12Harten loht: I der Sperrsitz Mk. 1,50, baß 1. Parquet 1 Mk., las 2. far- quet 0,75 Psg. Auch haben biese Dutzend-Karten bei Öäftt« Giltigkeit, stets werden diese bei erhöhten Preisen in Z-d lung genommen. Indem wir hoffen, daß unsere flullafiurg auf fruchtbaren Boden fällt, bemerken wir noch, daß htr, Ernst Challier sich bereit erklärt, den Vorverkauf sowii den Kartenumtausch auszuführen. •• Sranzöfischer Borttag. Der Lector der Uniötrfui': Kiel, Herr L. Gauthey des GoulteS, btabftdjtüß Ende dieses Monats einen Vortrag hier zu halten. 8r witll dabei Proben aus den besten französtsqen Schnsistellerr^ von den Klassikern bis auf die Neuzeit, zu öetör bringte- Freunde und Kenner der französischen Sprache und Viiterotcn toerben biese Gelegenheit, wieder einmal gutes Sranjini* ^u hören, um so freudiger begrüßen, als Herr Gautdev M: GoutteS wegen feines ausgezeichneten Vortrages in Kreisen bekannt ist. I« WieSbaben, Frankfurt und andere» Städten, ist er bereits ein ständiger Gast. In Frünlivrl hat er u. A. auch während des letzten französischen Feste*- curfuS Vorträge gehalten und reichen Beifall gefunden. De» Studirenden der neueren Philologie fei der Besuch des Vortrages ganz besonders empfohlen,- ebenso wird tl für F'c Schüler der oberen Klaffen der höheren Lehranstalten lehrreich und anregend fein, Manches, das fie z. T. schon gelesen, auS dem Munde eines geborenen Franzosen zu hsten. Das Programm, auf baß wir uni Vorbehalten zurück kommen, verspricht in jeder Hinsicht ein zufriedenstellende» und allseitiges zu werden. •* Wn «euer Tifchevfahrpltt ist im Cerlage 6. v. Münchow, Großh. Hof. und Univ.-Druckeret hier, W.B. Paris, 7. October. Bei der Galatafel im Elyseepalast saß der Zar und Faur e auf den Mittelplätzen, I neben Faure faß die Zarin, neben dem Kaiser die Ge« mahltn Saures. Der Präsident hielt eine Ansprache, betonend, bte Gegenwart des Kaisers besiegele die Bande, welche zwei Länder in zufammenstimmender Thätigkeit ver. I binden. Die Devise „Union" übte schon ihren wohltätigen I Einfluß auf den Weltfrieden, er werde, befestigt durch die erprobte Treue, deren glücklichen Einfluß weiter üben. Redner drückte Frankreichs Wünsche für das Kaiferpaar und das Zarenreich auS, dankte für den Besuch der Kaiserin, die Er. innerung daran fei unverlöschlich und trank auf das Wohl beß Kaisers und der Kaiserin. Der Zar erwiderte: Ich bin tief gerührt von der Aufnahme, die unS in der großen Stadt Paris, an der Quelle so vieler Genies, beß guten Geschmackes und so vieler Erleuchtung bereitet worden. Treu der unvergeßlichen Ueberlieferung bin ich nach Frankreich gekommen, um in Ihnen baß Oberhaupt einer Nation zu begrüßen, mit ber unS so werthvolle Bande verbinden. Diese Freundschaft kann, wie Sie sagten, durch ihre Beständigkeit nur den glücklichsten Einfluß außüben. Ich bitte Sie, diese Gefühle ganz Frankreich auSzudrücken. Für die ausgesprochenen Wünsche dankend, trinke ich auf daß Wohl । Frankreichß, erhebe mein Glaß zu Ehren beß Präsibenten ber Republik. — Die Illumination ber BonlevarbS, Plätze und Bauwerke verlief unvergleichlich. Eine ungeheure i Menschenmenge begleitete bie Fahrt beß Kaiserwagenß mit stürmischen Hochrufen. WB. Paris, 7. October. Auf bem Opernplatz unb in den angrenzenden Straßen wogte eine ungeheure Volksmenge. Um 9 Uhr erfolgte bie Anfahrt beß Kaiserpaares,- daffelbe würbe mit nicht enbenwollenben Ovationen begrüßt. Nach bem Banket begaben sich bie Majestäten unb Faure nach ber Oper, auf bem ganzen Wege von begeisterten Zu- rufen begrüßt. Beim Betreten ber Logen erschollen minuten- lange Rufe: „ES lebe Rußlanb, eß lebe ber Kaiser, eß lebe die Kaiserin." Der Vorstellung wohnten bei bie Admirale, Generale, die arabischen und tunesischen Häuptlinge, die hohen Beamten und (Senatoren, die Deputaten. Reiche Toiletten und blendender Diamantschmuck war sichtbar. Daß Zaren- paar wurde durch die Ruffenhymne begrüßt. Faure saß zwischen dem Kaiserpaar, Madame Faure zur Rechten beß Kaisers. Die Künstler Gruppe auf ber Bühne sang unter wieberholtem Beifall unb begrüßte baß Zarenpaar mit ber Ruffenhymne. WSHrenb beß ZwifchenacteS unterhielt sich ber Scaifer mit ben arabischen Häuptlingen. Daß Kaiserpaar trat Portsmouth, 6. October. Währenb ber Rückkehr ber Kriegsschiffe mürben bei heftigem Sturme vier Matrosen von einer Sturzwelle über Borb geworfen. Drei würben gerettet, einer ertrank. ber Kaiserin gespendet worden. Hinter bem Wagen ritten zwölf Offiziere, die bem Kaiserpaar während ihres Aus. enthalteß in Frankreich attachirt find, neben ihnen zwei JuffW Offiziere zu Fuß. Hinter bem kaiserlichen Wagen folßte in fünfzehn Galawagen die kaiserliche Suite; in jedem Wagen saß ein französischer Minister auf dem Vordersitz. Schon die dem Wagen vorausreitende Cavallerie, besonders die arabischen Reiter, wurden vom Publikum mit Beifall- uatfdjen begrüßt. Als das Zarenpaar sichtbar wurde, brach ein unbeschreiblicher Enthusiasmus los. Hüte unb Tücher tourben geschwenkt, Arme in bie Lust geschwungen, endlos brausten bie Rufe: Es lebe ber Zar! Es lebe bie Zarin! ®ß lebe ber Kaiser! Die Suite würbe mit bem Ruse: Es lebe Rußland! begrüßt. Der Zar dankte ruhig und langsam militärisch grüßend mit jener kühlen Gelassenheit, bte man bereits gestern in Cherbourg beobachten konnte. Die Zarin, bie ber Menge ganz besonberS zu gefallen schien, bankte sichtlich überrascht unb erfreut burch ein häufiges ttefe« Neigen beS Hauptes unb freundliches Lächeln. Die Begeisterung gab sich (unb mit gleicher Stärke auf dem ganzen Wege beS Zuges. Zuerst fuhren die Wagen hinter dem Bahnhof im Schritt, setzten sich aber bann offenbar auf Wunsch beS Zaren in leichtem Trab. Zahlreiche Militär- Musikcapellen, auf dem ganzen Wege aufgestellt, spielten bie russische Hymne, fobalb ber kaiserliche Wagen erschien. Gegenwärtig finb bie Boulevards und die Hauptstraßen der Stadt von einer ungeheuren Menschenmenge erfüllt. Die Menschenmenge in den Straßen wird von der Polizei auf rwei Millionen geschätzt. Viele Unfälle durch Erdrücken sind vorgekommen. Morgens um 9 Uhr kam auf dem Bahnhofe von Montparnaffe die kleine Großfürstin Olga mit ihrer Amme an. Von einer großen Menschenmenge erwartet und begrüßt, fuhr sie im Staatswagen nach der Botschaft. ., 7" Oktober. O.v „wv»vv. **uy. oiy. cniarr a$rd,t von einer Neuerung im juristischen Assessor-Examen für unrichtig. Berlin, 7. Octobtr. ' ■ ~«uuiui. z)iu. veröffentlicht über baß Ausscheiden Dr. Schröders aus bem Colonialrath eine Darstellung, woraus hervorgeht, daß Schröder feine Stellung als Director ber Deutsch-Ost- afrikanischen Plantagen Gesellschaft auf Veranlassung beS AufsichtSrathS niedergelegt habe und Professor Ebert an Stelle Schröders am 1. October in den Colonialrath berufen wurde. Schröder wurde durch einen Erlaß des Reichskanzlers vorn 1. October von der Mitgliedschaft zum Colonialrath entbunden. Dieser Erlaß ist Schröder durch einen Canzlei- diener am 4. October in seine Berliner Wohnung über« mtttelt, aber nicht abgenommen worden, da der Adressat, ber Übrigens an biefem Tage in Berlin antoefenb gewesen fein so«, verreist wäre. Der Erlaß ist bann nach Poggelow ab* gefanbt worben. . _ Die „Norbdeutfche Allgem. Ztg." bementirt bie Meldung, baß bie Sofias In Konstantinopel eine Demonstration veranlaßt hätten. Hamburg, 7. October. Frithjof Nansen trifft "ochste Woche hier ein. Die geographische Gesellschaft unb ein'ge andere Vereinigungen bereiten Ovationen für ihn vor. Hamburg, 7. October. Etwa 500 Buchbinder unb (Sortonage.Arbeiter von hier und Altona haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. verli«, 6. October. Die Vertreter der ftritenben Berliner GaSarbeiter nahmen heute den Einigungs- Vorschlag deS Gewerbegerichtes an, wonach die 15stündige Sonntagsschicht statt der 18ftündigen eingeführt wird. Den Arbeitern soll eine achttägige Kündigungsfrist gewährt, ein ArbeiterauSfchuß soll gebildet werden und die Betheiligung am Ausstand kein Hinderniß für die Wiederannahme ber Arbeiter bilben. Paris,6. Oktober. Die Ankunft beS kaiserlichen Wagenzuges bei ber russischen Kirche, welche von einer zahlreichen Menschenmenge umbrängt würbe, erfolgte ?ur$ nach 2y2 Uhr. Nach ber Ankunft scheuten bie d, la Daumont bespannten Pferbe beß kaiserlichen Wagens unb verwickelten sich mit ben Beinen in ben Strängen. Der Wagen stieß gegen einen Prellstein. Das Gesicht der Kaiserin würbe von Baumzweigen gestreift. Beim Der- lassen ber Kirche konnte sich ber Wagenzug nur mit Mühe neu bilden. Unter der Menge wurde sehr stark gedrängt. Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich bei diesem Anlaß nicht. Paris, 6. October. Nach dem Verlassen ber Kirche fuhr die Kaiserin um 8»/. Uhr nach ber russischen Botschaft zurück, wo sie ben Besuch von Frau Garnot empfing. Der Kaiser begab sich nach bem ElysSe, um ben Präsibenten , Faure zu begrüßen. Nach ber Rückkehr aus bem EchsSe I um 4 Uhr begab sich der Kaiser zu den Präsidenten ber Kammer unb beS Senats, ©rlffon unb Co übet, unb gab daselbst seine Karte ab. Paris, 6. October. Agenee HavaS. Im Verlaufe ber Empfänge im Elyfäe sagte ber Zar zu Ri bot: „Sie waren 1891 Minister?" Als Ribot bestätigend sich verneigte, fuhr der Zar fort: „DaS waren bte Keime!" Ribot ertoiberte: „ES war ber Anfang großer Dingel" I Der Kaiser bemerkte barauf lächelnb: „Ganz richtig." Dapesch« bei Cirrta w$cr»tK Berlin, 6. October. Der Kaiser wirb, wie bie „Voss. I Ztg." vernimmt, Mitte October mit kleiner Begleitung in Essen eintreffen, um bie Fortschritte ber Geschütztechnik in ben Krupp'schen Werken auß eigener Anschauung kennen zu I lernen. 0 I ®erHu' 6 October. Wie bte „Norbd. Allgem. Ztg." erfährt, wirb morgen tn HubertuSftock ein Kronrath stattfinden, zu welchem sämmtliche StaatSrninister Einlabungen erhalten haben. Dem Vernehmen nach hanbelt eß sich um Fertigstellung ber Arbeiten für bie bevorstehenben Paris« I mentßfefftonen. Berlin, 6. October. Die gestrige Sitzung beS Staats- mtnifteriumß bauerte fünf Stunden. An derselben nahmen außer sämmtlichen Ministern auch der Staatßsecretär beß RelchSschatzarntS, Graf v. PofadowSkh, Theil. Eß wird angenommen, daß die Vorlage wegen Converflon der preußischen 4procentigen ConfolS in SVaProcentige zur Berathung ge« ftanben hat. Heute trat baß StaatSministerium abexmalß zu einer Sitzung zusammen unter bem Vorsitz beß dürften Hohenlohe. ° 1 " Berlin, 6. October. Wie bie „Natioual-Zeitung" be« I I rj^tet, kam eß in ber Schlußsitzung beß national# Uberalen Parteitages zu heftigen «usetnander- I fetzung en zwischen bem Abgeordneten Paasche und dem Chefredacteur Köbner von der „Nat.«Ztg.", wobei letzterer I Paasche angriff. ’ Wiesbaden, 6. October. Nach einer Mitteilung beß I RegterungSorganS wird das Zarenpaar am nächsten Sonntag von Darmstadt aus der Großfürstin Constantin von Rußland einen Besuch abstatten unb Vormittags einer Messe I in ber russischen Capelle beiwohnen. Karlsruhe,6.October. Sämmtliche Gauverbänbe ber Gew erbe vereine beß Laubes erklärten sich auf Befragen ber Regierung gegen ben Gesetzentwurf, betreffenb bie I Zwangsinnungen für Gewerbekammern. .».Wien, 6. Oktober. Infolge Explosion eineß Petroleum« gefafceß Ist auf bem Bahnhofe zu Smlchow bie Maschine eineß Rangirzugeß in Branb gerathen. Der Maschinist und der Heizer stürzten von der Maschine herab, ter Zug 'Uhr führerlos davon. El« unabsehbares Unglück wurde durch die Geistesgegenwart beß Maschinisten verhütet, indem derselbe unter eigener Lebenßgefahr wieder auf bte Maschine fprang, baß Ventil schloß unb so ben Zug zum Stehen brachte. I Paris, 6.Oktober. Alle Blätter bringen Willkommen- ! Artikel anläßlich beß Zar enb esuches und stellen längere Betrachtungen über bie politische Bedeutung desselben an. m PusiS, 6. October. Die radikale und chauvinistische Presse läßt, wie vorouSzusehen war, in ihren Artikeln Revanchegelüste durchblicken. Der „Jour", baß Leib- blatt beß früheren rabicalen CablnetschefS Bourgeolß, schreibt: Daß zwischen Paris unb Petersburg zu Stande gekommene Einvernehmen habe bem Dreibunbe, voran Deutschland, welches Ihn leite, die unerträgliche Oberherrschaft Europas abgenommen. Dieses bedeutende Resultat der Allianz wird In der Folge noch wichtigere Resultate hervorbrlngen, mögen I eß nun die Diplomaten wollen ober nicht. Calais, 6. Oktober. Bei einem Canal in ber Nähe beß Dorfes Bruah würben 30 Dhnamitbomben ent« bedt. Diese Entdeckung würbe mit einer neuerlichen Strike- bewegung in Zusammenhang gebracht. Loudon, 6. October. „Daily Telegraph" melbet aus Petersburg, es sei eine beschlossene Sache, baß Präsident I poure im nächsten Monat zum Besuche beß Zaren In Ruß- I land eintreffen werde. toc*Us «nd proohtsitTUs» Bießen, den 7. Dctote: • P^avinzlLlallSfchnifihvllg. Samstag den 10 d ». p”bet tm Regierungsgebäude dahle?, öffentliche Sitzung des ProvinzialauSfchusseS der Provln, Jeffea mit folgender Tagesordnung statt: 1. ®ntL_ bei ßu« Ausbau der Llebigstraße in Gießen erforbtt i- ?fe,Ianbc^ 2< Beschwerde des Peter Rössel m 3t&enftabt tnegen Entziehung des OrtSbürgernutzws ' , , Sruennllng. Se. König!. Hoheit der Großbe- haben Allergnädigst geruht, am 26. September den n-' origen Lehrer an bem Schullehrerseminar zu ^ramtSafT,fTor Ernst H.nsing zu- an . Anstalt zu ernennen. ” HnSjei^nunj. Sk. »3ni9l. H-h-it bet «r. herzoghab-nSll-rgnadigst geruht, am 26. Septembers Bauausseheraspirant Heinrich Schlapp au« S,aui»l? die Rettung,Medaille zu «erleihen. . ™ Si°d,the.ter ©ie&ea. Die gestrige zweite aufiui- I de, Mo er scheu Lustspiei, „Der Hhp °ch°ude.- stch ebensall« eiue, außerordentlichen Beisall«. Für Dann,,, ' £en 81 C‘tobtt elnt bedeutende Novität in Sorbete--' betitelt „Der Dornenweg«. Diese« Schauspiel 0^^. Bersaffer, Felix Philippi, der stch bereit« vorher durch ' intereffante Arbeit „Wohlthäter bet Meuschbeu einen Namen al« Bllhuenbichtet erwotben, auch sammilicher Hosdühnen geöffuet unb behauptet stch neiitZ auf bem Spielplane sämmtlicher Bühnen. Die Donnertu-ü Aufführung „Der Dornenweg« dürste demnach een CIC- i yntertffe in Anspruch nehmen. - Für kommenden Frel-u ist bereit« der erste Gast Im hiesigen Stadttherrt» ZJ ptdulein Settlia Gieseke, bie beliebte N.lve der z,al surter Bühne, welche demnächst an bie Münchener Histü»- flbetfiebeln wirb, tritt In einer Ihrer besten Rollen «U tu - Stahl, reizeubem Lustspiele gleichen Namen, aui - W unerwähnt wollen wir (affen, baff sich ber to-e.karu. verlaus zur grüfferen Bequemlichkeit ber Theaterbewchet - - heute ab in der Mustkalienhandlmtg be« Herrn E. Sh all fit befindet. er Wohler Emst »L-tzW! en, 6 Last uni W )lt $irtction L W : Wer, unb ilni Swetthe Leistung lösten ^o^nuni!: 6ä) eine Silit r ichvu in aflirrcj: legtbtntn etilft. find 8ijsiD®tr/f olge gegeben wr on gfojitt Selb«- der kniM Z!ü L 3 vorhM.< beseitigt i»«1 - ’S: )irectiou-'. anftrelic i.1-- • ehuend. CX"; le rnlinum- soeben 9i!ü:c und ihm ihn iflfär, «;,: temehioen * ■ en und I«®* im önßl- lahme M arquet 1 Ml - Dutzen^'^: e#n ^!; [en, daß„ elfen wir lart/i«8^ . w e* fS , s»«i»1 । y« i« **;.' emo» tifB 8,2«iy L Er tben^ J ; jrf6* ben 7 ?S"r e tr| ®ieU ' ' ■ft,S ’* *■ 8*»f * HA h K am 26 k , ft Beifalls. t** * t!‘ dir ffltni. Wort«, ? »iWII. All; ^ste demnaE i ~ üHr ko»W»l- ’0en StadtthW, r beliebte Art« lNdieW^. :r besten SoBmü j gleichen Sam n> daß der Th«, ig der Him ' erschienen. Derselbe enthält die Fahrzeiten sowohl der in Gießen einmündenden Haupt«, wie deren Nebenbahnen, sowie ter entfernteren Bahnstrecken- deSgl. die Fahrzeiten der Gießener Omnibusse. Preis 10 Pfg. * • RetchStagbwahl. Dem Vernehmen nach wird unsere ^eichStagSwahl am 5. November stattfinden. • • Biehmarkts Bericht. Auf dem gestern zugelaffenev Luh markt war nicht ein Stück Bieh aufgetrieben, so daß r einzelnem Herrn gesucht. Seist- Offerten sub. an die ßrelü. d. BlatteS.8591 WS] Ein Beamter sucht ein möbltrtes k.hm- u. Schlafzimmer in einem ruMatn . N'lk am Wallthor zu miethen. Gest. Off. lieri D. G. an die Txped. d Bl. erbeten. Bieh'Bersteigerung. Dienstag, den 13. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, roer^cn gegen Baarzahlung öffentlich freiwillig versteigert: 11 junge schwere Schweizer-Kühe, 1 Mutterkalb, 1 Fasel-Ochs (Schweizer Raffe), 1 Fahrkuh und 1 Holländer. Sämmtliche Kühe tragen von 2—3‘/2 Monat. — Die Besichtigung des Viehes ist jedem Liebhaber zu jeder Zeit gestattet. Schweizer Milchkuranstalt Bad-Nauheim. 8897__Job. Anton Dörig.______________ 3• *• Eine Krau 8904 Nähere« Wallthorstraße 2t. SteftetbAngeböt^l 100» 2 Hambrgr.Hyp.Bk unk.b IS« Kiitscher-Nttkn Giessen. Samstag den 10. October 1896: Feier des 4. Stiftungstestes verbunden mit Theater, lebenden Bildern und Dali im Giessener Festsaal (Cafe Leib). Eintrittskarten im Vorverkauf bei Herrn Wahi, Friseur. 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