Nr. 58 Drittes Blatt. Sonntag den 8. März 1896 Gießemr Anzeiger Kenerat-Wnzeiger Redaction, Expedition und Druckerei: S-kulgratzeVr.' Fernsprecher 6L vierteljähriger AVonnemeutspreis, 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post begoger 2 Mar! 50 Psg. Die Gießener Pomtlten vlätter werden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt. Der chtehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. 2lints- und Anzeigeblatt für den Äreis Gieren. | Gratisbeilage: Gießener Aamilienbkätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden stkummer bis Borm. 10 Uhr. Alle AnnonceN'Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen Sitzung -er Stadtverordneten am 6. März 1896. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Wolff und Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, EmmeliuS, Faber, Flett, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Jughardt, Keller, Kirch, LooS, Löber, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schmall, Dr. Thaer, Bogt und Wallenfels. Zu dem Gesuch des Herrn Jacob Hildebrand von Heuchelheim um Erlaubniß zur Belaffung eines Backstein- Häuschens im Neustädter Feld beschließt die Versammlung Verlängerung der s. Z. ertheilten widerruflichen Erlaubniß bi» Frühjahr 1897. Gegen das Gesuch deS Herrn H. EmmeliuS um Er- laubnlß zur Errichtung einer Remise in Backsteinmauerung, mit Falzziegeln gedeckt, am Schwarzlachweg, hat die Der- sammlung nicht- zu erinnern- die Befürwortung des Gesuchs erfolgt ausnahmsweise und widerruflich. Herr Goldarbeiter Carl Brück hat um Erlaubniß zur Errichtung eines Neubaue- an Stelle seines abzubrechenden alten Hauses an Kreuzplatz- und KaplanSgaffe-Ecke nach- gesucht. Der Neubau soll in Fachwerk, mit vorkragendem Erker errichtet, und deshalb die Dispensation von den Bestimmungen deS 8 18 des OltSbaustatutS oachgesucht werden. Die Versammlung befürwortet das Gesuch unter der Bedingung, daß der Neubau in die Fluchtlinie des Ktnkel'schen HaufeS zu stehen kommt, und die Ecke nach der KaplanS- gaffe zu abgeschrägt wird. Der Versammlung ist Seiten- deS Großh. KreiSamtS das Projekt der Kreisstraße von Gießen nach Wißmar (W e g in der Lichtenau) nebst den Erläuterungen vorgelegt worden- die Angelegenheit wird die nächste Kreis- bezw. ProvinzialtagS Sitzung beschäftigen. Der Stadt wird danach an- gesonnen, daS ersorderltche Gelände vollständig kostenfrei zu stellen, sowie die auf 30,000 Mk. veranschlagten Kosten, wovon V* = 7500 Mk. die Stadt ganz zu übernehmen hat, zinsfrei vorzulegen. Die Straße erhält eine Kronenbreire von 6 Meter, soll in Abständen von 50 Meter Material- lagerplätze erhalten und mit Obstbäumen bepflanzt werden. Die Versammlung erhebt den hierzu von der Baudeputatton gestellten, mit den obigen Angaben im Allgemeinen überein- stimmenden Antrag zum Beschluß. Da- der vorigen Versammlung vorgelegte Local- reglement, nach welchem während b eß Gottesdienstes über den Ktrchenplatz die Fuhrwerke nur im Schritt fahren sollen, wurde nach nochmaliger Berathung in der juristischen Commission mit der Aenberung wieder vorgelegt, daß die während de- Gottesdienstes aufzustellenden Warnungstafeln bei etntretender Dunkelheit zu erleuchten find. Was die Strafandrohung aus § 366, 10 betreffe, theilt Herr Oberbürgermeister mit, daß die Com- misfion von einer solchen nicht habe absehen können, weil das Reglement sonst seine Wirkung verfehle- man habe in der Commission die Ueberzeuguug, daß die Polizei vorzugsweise sich auf Verwarnung beschränken, und nur in groben Fällen von Uebertretung Strasverfolgung eintreten laffen werde. Die Versammlung beschloß nach längerer Debatte Annahme des Reglements mit 13 gegen 13 Stimmen, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Sttchentscheid zu Gunsten de- Reglements gab. Zum folgenden Gegenstand: Erlaß einer Wochen- markt-Ojrdn ung lag der Versammlung ein Entwurf vor. Herr Oberbürgermeister Gnaujth gab hierzu die Erläuterungen über die Gesichtspunkte, welche bei Entwurf der Matktvordnung maßgebend gewesen. Als solche werden vorzugsweise angeführt: Entlastung deS Marktplatzes angesichts der Ausdehnung des mit der Entwickelung der Stadt Schritt haltenden MarktverkehrS- Schutz besonderer Markt- arttkel vor Verderben durch Ungunst der Witterung- Einschiebung eines weiteren Markttages infolge eingetretenen Bedürfniffe« und mit Rücksicht auf solche Markttage, welche durch ungünstiges Wetter oder auf sie fallende Feiertage beeinträchtigt oder unmöglich gemacht werden. Von Erhebung von Marktftandgeld soll abgesehen und solches nur für die Marktlauben (für ständige Besucher vielleicht zum Satze von 75 Mk. jährlich, für unständige zu 3 Mk. wöchentlich) erhoben werden. Die Erhebung von Marktftandgeld wurde als außerhalb des Verhältnisses zwischen dem Auswand an Controle u. s. w. und dem Ertrag stehend bezeichnet. In der GeneraldiScuffion sprach sich Herr Haubach für Gestattung deS HausirenS aus verschiedenen Gründen, auch im Jntereffe der am Markkbesuch behinderten Hausfrauen miß. — Herr Jughardt wüvscht, die Mark.dauer nicht zu sehr einzuschränken, auch mehr Berücksichtigung der Jahreszeiten. — Herr Wallenfels ist für Belaffung deS Buttermarktes auf dem Marktplatz- Herr Löber für Gestattung des Verkaufs von Butter außerhalb des ButtermarkleS, namentlich an heißen Tagen. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß daS Haufiren an Nichtwochenmarkt' tagen nicht verboten fei. — Herr Bogt ist für Verlegung des Buttermarktes. — Herr Scheel tritt für den dritten Markttag ein, hat auch nicht-gegen das Verbot deS HausirenS etnzuwenden. — Herr Jughardt möchte auch denjenigen Rechnung tragen, die Butter, Eier ufw. an Händler abgeben, demnach während des Marktes in den Geschäften der Auf käufer verkehren wüffen. — Herr Helfrich wünscht, daß auch dem Kletnverkauf von Kartoffeln Rechnung getragen werden möge durch Zulassung derselben auf die für Gemüse bestimmten Plätze. Der Entwurf wurde hierauf in nachstehender Faffung angenommen: §. 1. Am DienStag, Donnerstag und SamStag jeder Woche findet in Gießen Wochenmarkt statt. §. 2. Die Marktzett dauert dabet in der Zeit vom 15. April bl- 15, September etnfchl. von 7 Uhr Morgens biß 1 Uhr Mittags, im Uebrigen von 8 Ubr Morgens dis 2 Uhr Mittags. 3. Zum Verkauf auf den Wochenmärkten zugelafsen sind die fämmtlichen in 8- 66 der Gewerbeordnung aufgeführten Gegenstände deS WochenmarktverkehrS; die Wochenmärkte sind aber vorzugsweise bestimmt zum Fetlbteten solcher Erzeugniste des Boden-, der Land- und Forstwtrthschaft, wie der Jagd und Fischerei, welche alS Lebensmittel dienen, sowie von Blumen, Pflanzen und Samen. 8. 4. Zu Wochenmärktp'ätzen sind zunächst bifttmmt: a. der Marktplatz für Geflügel, Wfldpret und F'sche, b. die Schulstraße für Beeren und Obst in einzelnen Körben, c. der Lmdenplatz für Kartoffeln, Gemüse, Pflanzen, Blumen und Samen, t „ d. die Marktlaubenstraße für Butter, Safe und Eier, c. der Eanzleiberg und Brand für Kartoffeln, Kraut und Obst auf Wagenladungen, f. der Oswaldsgarten für Heu und Stroh, Holz und Brennmaterialien auf Wagenladungen, g. die Marktlauben für die unter a.biS d.aufgesührten Gegenstände. 8. 5. Die auf den offenen Marktplätzen (a btS f.) deS $ 4 Feilbtetenden bekommen ihre Plätze durch den Marktmeister nach der Reihenfolge ihres Eintreffens und in der Art angewtefen, daß die Maaren gleicher Gattung sich thunlichst in denfelben Rethen befinden, und der freie Durchgang nicht behindert wird; ebenso müffen die Zugänge und Zufahrten zu den umliegenden Häusern ftrtbleiben. Kein Verkäufer darf ohne Erlaubniß des Marklmetfters den einmal eingenommenen Patz wechseln; spätesten- mit Ablauf der Marktzett jedoch baden die Verkäufer th,e Plätze zu räumen. Standgeld ist für diese Plätze nicht zu entrichten. 8. 6. Die gedeckten Marktlauben (g. des S- 4) dagegen werden je aus die Dauer eines Rechnungsjahres unter die Liebhaber meistbietend versteigert; einzelne Lauben, welche nicht fürs ganze Jahr vergeben sind, werden auch auf kürzere Zett, zum Mindesten aber auf die Dauer einer Woche an die Verkäufer nach der Reihenfolge der Anmeldung zu der tarifmäßigen Gebühr abgegeben. 8. 7. Außerhalb der Markttage und Marktzeiten ist das Feilbieten von Gegenständen des WochenmarktverkehrS am Stand auf den vorgenannten offenen VerkaufsplStzen verboten und nur in den gedeckten Maiktlauben gestattet. Ausnahmsweise kann im Bedarfsfälle auch das Filbtelen von Obst und Bodenerzeugnissen am Stand an bestimmten anderen P ätzen der äußeren Stadt, und an den Thoren der inneren Stadt in jeder Zett wtderrmUcher Weise von Großh. Poltzetamt im Etn- verständniß mit der Stadlverordneten-Dersammlung und gegen — im Einzelfall festzusitzende — Gebühren erlaubt werden. 8. 8. Gegenstände des WochenmaiktoerkrhrS, welche an Markttagen oh- c feste Bestellung von außerhalb hier etngesührt werden, dürfen vor Beginn der Marktzett überhaupt nicht, und während der ersten drei Stunden nur auf den dafür bestimmten und angewiesenen Verkaufsplätzen, also auch nicht im Umherztehen fett geboten werden. 8. 9. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende Wochenmarktordnung werden in Gemäßheit deS 8- 149, 6, der Reichsgewerbeordnung mit Geldstrafe btS zu 30 Mk., im Falle des UnoermSgenS mit Hast bis zu 8 lagen bestraft. (Schluß folgt.) Fenilleton. Wochendriese aus der Residenz. (Originalbericht deS „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 6. März. Der „Deutsche Abend" des Schvlvereins. — Bo» Hoftheater. — Städtische Frage«. — verschiedene». Mit einem Über alle- Erwarten günstigen Ergebniß hat der am vergangenen SamStap vom „Verein für Er- Haltung des DeutfchthumS im AuSlande" veranstaltete „Deutsche Abend" abgeschloffen. DaS erfreuliche Resultat war wohl in erster Linie dem vortrefflich zusammengestellten Programm zu danken, daS die Namen hervorragender Künstler zierte, dann aber auch der regen Thätigkeit deS ComitöS. Eine dichte Zuschauermenge, darunter Prinz Wilhelm von Hessen, füllte den Saalbausaal. Die Eröffnung deS Programms bildete ein von Herrn Rützel in Mainz gedichteter, schwungvoller Prolog, den Herr Hosrath Wünzer mit bekannter Meisterschaft declamirte. Daran schloß fich ein Concert, dem Fränl. Ab ich und die Herren Richmel und Eckel ihre bewährte Mitwirkung geliehen hakten. Die festliche Ansprache, die Zwecke und Bedeutung deS Vereins auseinander- setzen sollte, hatte Herr Gymnafialdirector Nodnagel freundlichst übernommen und seiner Redekunst fiel eS nicht schwer, die Nothlage deS DeutfchthumS im Ausland zu schildern. In historischer Betrachtung toteß der Redner nach, welche Verluste daß deutsche Wesen im Osten, Süden und Westen erlitten habe, wie sehr eine Unterstützung der muthigen Vorkämpfer für deutsche Art in den gefährdeten Provinzen nothwendig sei, eine Unterstützung, die freilich der Staat nicht leisten könne, sondern die patriotisch gesinnten Bürger übernehmen müßten. Sehr wirksam arrangirte lebende Bilder, die Herr Maler Horst zusammengestellt hatte, veranschaulichten die Worte des Redners. Außerdem brachte das Programm noch die Aufführung eines luftigen Schwankes „Lukretia", deffen Derfaffer selbst verdienstvoll mitwirkte. Um die Einstudirung harte sich Herr Hofschauspteler Hacker bemüht, so blieb denn der Erfolg nicht aus. Dem künst- lerischen Thetle des Programmes folgte natürlich noch ein flotter Ball. Das finanzielle Ergebniß der Veranstaltung war glänzend, und wir vermuthen, daß der Verein, der übrigens auch in Gießener Studentenkreisen viele Mitglieder besitzt, von nun an öfters mit ähnlichen Darbietungen hervortreten wird, die auch ganz geeignet sind, ihm neue Mitglieder zuzusühren. Eine recht interessante Woche war die verflossene auch für die Besucher des Hoftheater-. Herr Schneider von München, der schon am Mittwoch tn Otto Ludwigs „Erb- sörster" einen glänzenden Erfolg hatte feiern dürfen, setzte sein interessantes Gastspiel am Freitag als „König Lear" fort. Auch tn dieser Rolle fesselte er sein Publikum in jeder Scene und die sonst so zurückhaltenden Darmstädter bereiteten dem trefflichen Künstler große Huldigungen. Herr Dreher, der schon zum zweiten Male in dieser Spielzeit bei uns Einkehr hielt, um drei seiner Glanzrollen zu spielen, hat fich schon durch sein erstes Gastspiel zum Liebling des hiesigen Publikums gemacht,' daß bewies der starke Andrang an den Abenden, wo er auftrat, und der reiche Beifall, der feine in der That überwältigend wirkende Comik belohnte. Zunächst dürfte nun tn den Gastspielen eine kleine Ruhepause eintreten, denn in der nächsten Woche soll die erste Wiederholung von Grillparzers Trilogie „Daß goldene Vließ" beginnen und die Oper rüstet fich laut Zeitungßmeldungen zu zwei interessanten musikalischen Premieren, Gramann- „Irrlicht" und C. Flinschß, eineß Darmstädters, „Morton". Endlich sollen auch noch in dieser Spielzeit Wagners „Nibelungen", durchweg mit einheimischen Kräften besetzt, zur Darstellung gelangen. Für den Monat April steht uns dann noch ein Künstlerjubiläum bevor, die Feier der 25jährigen Zugehörigkeit des Herrn Hofschauspieler Edward zur Darmstädter Hofbühne. — Eine für die Stadt fehr wichtige Frage wurde jüngst in einer Versammlung des MartinviertelS-VereinS besprochen, die beabsichtigte Verlegung der Direction der Main- Neckarbahn nach einem anderen Platze. Don Neuem zeigte diese Protestversammlung den Segen des Bestandes der Bezirksvereine, in denen städtische Fragen von allgemeinem Jntereffe nun immer in richtiger Weise und — toaß die Hauptsache ist — zu richtiger Zeit besprochen werden können. Die heftige Opposition der Bürgerschaft gegen daß VerlegungS- project, die fich in dieser Versammlung deutlich zu erkennen gab, wird wohl mit dazu beitragen, die ganze Frage in einem für die Stadt günstigen Sinne zu lösen. Daß Programm für die Feftfeier des 275jährigen Bestandeß deß Leibgarde-Jnfanterie.Regiments am 10. und 11. März ist nun auch bekannt gemacht. Da- nach soll am 10. März Abends tn den Räumen des Regt- mentScafinoS ein Commers der inacttven und activen Offiziere deS Regiments stattfinden. Am Morgen deS 11. ist dann große Parade vor Seiner Königl. Hoheit dem Groß- Herzog und Mittag- findet großes Festessen statt. Für den Abend wird eine nur für geladene- Publikum bestimmte Feft- vorstellung im Hoftheater geplant, in der nur Militärperfonen Mitwirken. Es sollen dabei lebende Bilder au- der Geschichte deS Regiments und Chorgesänge ausgesührt werden. Die Mannschaften werden den festlichen Tag dann noch durch Compagntebälle rc. feiern. Von sonstigen interessanten Veranstaltungen wäre dann rli Tlixti Mäusburg 7 Italiener Rothweine Seltersweg dir. 22. 2259 Benner. 2292 Mäusburg 7 (9 ULMo'L' Omnibns-Verbindung — Druck und verlaß >er Brühl Ichrn Un,verfität--Vuch- und 6itinbrudeitt (Pietsch * Schetzda) m 116 500 » S w ff ff $ 2* :<5 Zipfenwald: 23 15 3 1 5 6 570 von Trei» nach Mainzlar. Treis a. d. Lda., den 6. März 1896. Grobherzogliche Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. Spanische Weine direct bezogen, von Ärztlicher Seite empfohlen, za billigstem Preise. Starte A Marburgerftraße—Bahnhof und zurück. Starte B Srünbergerstrahe—Bahnhof und zurück. # M Linie v »arkt-Schtfienbergenoald und zurück gänftiger°Witterung) Avie P Marburgerftratze—Wiefeck und zurück._______ Stedactirn: B. Schevda. Feinst spanischen wie auch deutschen Cognac. Unser Garten im Mir;. Der Frühling braust heran! Hört Ihr in hohen Lüft«i feine Stimmen' Sie ziehen über den Bergwald, über die Wipfel der alten Fichten, den wieder erwachten, vom Felsen stürzenden Gebirgsbach; über die Städte, Dörfer, Seen und Felder! Und von den knofpenden Erlen fchallts zur schlanken Birke, von ihr zum treuen allen Fliederbufch htnterm Haufe; in den Garten dringen di« Stimmen, aus dem ihnen Schneeglöckchen den Willkomm entgegen- läutet H Täglich kommen und ziehen neue Frühlingsgäste vorbei. Hoch im fonntgen Aether kreist die Weihe; in den Sumpfwie'en umkre fchen lustig die Kiebitze Meister Langbein mit Gemahlin, das erste wieder- gekehrt« Storchenpaar. Drüben im MooSwald 'st ganz heimlich, trotz de« Warnungsrufe« unfere- Sonntag« „Renuniscere (Richtet die Gewehre!) die Waldschnepfe eingezogen, ohne erst ,OoaU'- abzuwarten; in ihrem Reviere und im nahen Park beginnen Roth-, Wachholder- und Singdrosteln, vom Weidenlaubvögelchm begleitet, ihre einzig schönen »bendconcerte. Und im Obstgarten, da wippen lustig graue und gelbe Bach- stelzchen über dm frischen Maulwurfshügeln, rufen dem emsig wühlmdm Schwarzsräckchen ihr „Grüß Gott!* zu; Fink« und Hänflinge durchstreifen die fronen der alten Apfelbäume. Aus der schüchtern ergrünenden Wiese üben, schwatzhaft huschend, Staarm ihre Feldhüterpflichtm; der Rohrammer lockt aus dem Schilf und in der Haselhecke jubiltren kurze, liebliche Tacte aus des lieben Ro h- kehlch?lnd^w!r sttzt denn da wieder und knixt aus der Wetterfahne des GartenhäuSchen«? DaS HauSrothschwänzchm, daS treue ist«; e« ist wieder da: „Nun feget aus den alten Staub Und macht die Laube blank! Laßt ja kein schwarze- Wtnterlaub Mir Hegen auf der Bank! Die erste weiße Blüthe flog Mir haut in« Angesicht, Wtllkommm Lmz! ich lebe noch Und weiß vom Leide nicht." So zwitschert e« munter fund verspricht, drüben im Psirfich- spalter, In der Mauerlücke, als kleiner Obstwächter, wieder sein Nestchm^^u^baum ache^ Laube blank*, greisen in der lockendm, warmen Märzsonne fröhlich zu Spaten und Rechen - Wtatterlaub und Wintergram au« dem Garten zu treiben, da« kleine Thor der retchm, Geist und Körper erfrischmdm Gartenfreuden zu offnen, um Rheinweine (Ober-Ingelheimer Rothwein, Hochheimer Weisswein) und Moselweine. 387 W6*" Ä »r»iOfl noch da» große Ballfest des Ak ad emisch en Verein- zn erwähnen, über besten Verlauf unser nächster Brief ausführlich berichten fall, dann das sechste und letzte Cancert unserer Hofmusik, zu dem zwei hervorragende Solisten verpflichtet find. Ein interestantes Concert steht uns dann noch bevor. Herr Dr. Franz HarreS, ein jugendlicher Covcertsanger aus unserer Stadt, der in Berlin und Leipzig in den letzten Wochen sehr schöne Erfolge errungen hat, will sich nun auch seinen Landsleuten vorstellen und gedenkt demnächst in einem eigenen Eoocerte hervorzntreten. — Bei dieser Gelegenheit fei auch ein schöne- Wohlthätigkeit-.Concert erwähnt, da» unsere tüchtige Artilleriecapelle unter Leitung ihre» Meister- Stützet vor Kurzem veranstaltet hat. ES galt dem Unterstützungsfond- zur Verabreichung eine- warmen Frühstück- an arme Schulkinder und hat dem guten Zwecke ein stattliches Sümmchen, den wackeren Mufikera aber auf. richtigen Dank und fchönen Erfolg gebracht. Holzverfteigerung. In den Mitgebrauchswaldungen der Gemeinde TreiS a. d. Lda. Strohhüte werden gewaschen, gefärbt und nach neuesten Formen fa-onnirt. C. L. Gail, werden versteigert: m I. Mittwoch den 11. März 1S96, von Vormittag- 9 Uhr an, au» den Distrikten Reue-Wald und Aspenstrauch. 7 Eichenstämme mit 3,29 cbm Inhalt, 2 Buchenstämme mit 2,47 cbm Inhalt, 224,4 Rmtr. Buchen, 2 Rmtr. Eichen-Scheiter, „ „ 3 „ , Knüppel, „ „ 20 „ „ Zopsreis, 6 „ Buchenstöcke, 60 Rmtr. Weiden-Zopftet-. II. Donnerstag den 12. März 1896, von Vormittags 9*/i Uhr, aus den Distrikten Hainbuch, Bannenstein, Todtenberg, St w Op-M° cu, faflenbe J V. ■»« M--r ° Großher So tagte er, und klappte endgültig zu. 2r fühlte sich doch zu sehr Anfänger, um e» wogen zu dürfen, minder, e« geht nicht laßt mich tn Ruh'.E Za, das ist sehr schade, daß sich so Mancher abschreckm läßt, und noch bedauerlicher, daß, wenn c« trotzdem gewaat wurde, der mit Freuden begonnene Gartenbau bald wieder verleidet ober versumpft, weil Alle« verkehrt angefangen wurde, bloß deshalb, well die Hauptgrundzüge, das einfache Handwerksmäßige der Sache dm Arbeitenden fehlte. Aber Alle in solcher Lage tollten die Flinte nicht ins Korn wetfen. ES giebt guten Rath dagegen. Der beste Rath ist ja immer der an Ort und Stelle, von Mund zu Ohr und Hand, vom practisch, reich Erfahrenen an den Anfänger Aber wie teilen ist daS möglich! Ich freue mich nun, endlich nach Jahren, dem Heere der hllfe- suchmden Gartentaujünger und -Laten, eine dem allgemein« Le- dürfniß entsprungene Unterwerfung In dieser Hinsicht, al« vollkommm brauchbar und zweckdienlich empfehl« zu konnm. Ich thue btt« selbst auf die Gefahr hin, in dm Verdacht de« Reclamemachm« für dm Buchhandel zu gerathm; er kann mich nicht abhaltm, eine gute Sache zu fördern, die geeignet ist, Dielen Taufenden über die Schwierigkeit« wegzuhelfm, die der Belhäligung ihrer Freude am Gartenbau gleich zu Anfang ent gegen treten. Johannes Böltner, den Hauptleiter der «Lriftstelle de« bi weiten Kreisen familiär gewordenen „Pract. Rathgeber« tan Obstund Gartenbau", selbst gelernter GLrtnersmann, hat e- — wie wetianb Goethe — „wie hungrige r&wen angefallen': durch zehn Jahre hindurch Hal er durch die jährlich Dielen Tausende von Anfragen bei dieser Stelle, wie kein anderer, die Nöthm der bedrängt« Seelen dileltirenden Gartenfreunde kenn« gelernt Da hat er nun ein Buch geschaffen „Gartenbuch fürjAnfänger' . Eine Unterweisung im Anlegen, Bepflanz« und Pfleg« deS HauSgartm«, im Obstbau, Gemüsebau und in bet Blumenzucht; mit 459 Abbildung» Frankfurt a. O., Trowltzsch u. Sohn, Mk. 6,—. E« ist kein Werk wiiimfchaftlicher Gartenkunst, fonbem ein ächte«, rechte« latar Brevier in Garlmnöthen viel taufmb Nothfchreie hab« eil in« Leb« gerufen — viel taufmb Röthen wirb e« verstummen mach« Unb da- in einer fchlichlen Sprache, ble Jedermann versteht, In Bildern, die nicht nach dem grünen Tisch, sondern erfrischend nach Gartenerde riech«. ES wirb Viel« da« kleine Thor zu den Garlcns. eub« öffn«, wie wir sie oben schiibertm, weil e« ohne Weitere« ihnen bte Hand dazu führt. Wir können leidet im befcheldmm Rabmm einer Plauderei in daS Handwerksmäßige der ungeheuer vielseitigen Gartmarbeit« nicht näher eingehen, da« fröhliche Thun, da« jetzt in dm Frühling»- gärten wieder erwacht, nur kurz streif«. — Wer jetzt feine Beete vorbereitet hat, der fLe Erdfen, Puffbohnen, Salat. Mohrrüden. RadieS, Zwiebeln, Lauch, Spinat unb Petersilie; auch Schwarzwurzel Die ersten Steckzwiebeln und Frühkartoffeln können gelegt werd«. Ueberall geht da« sorgfältige Pflanzen der ObstbLume aller Formen, bet Obst- unb Ziersträucher vor sich Die Epalierbäume wollen gefchnitt« unb geheftet, zu oerebelnbe Obstdäumchm gepfropft fein. Auch bte Königin Rofe können wir jetzt fchon pflanzen müsien sie aber, bamlt sie sicher anwächst, gleich noch einmal zu Boden leg« unb zubecken. Eine wichtige Maßregel darf der kluge Aplel,achter zu Ende deS Monat« nicht vergesim: dm furchtbaren Femd fetnew köstlichen Kernfrucht, der ihm die Blüihen in der Wiege fchon mordet, ben winzigen Rüsselkäfer „Apselblüthenstecher" wiederholt auf unterlegte Tücher auSzuklopsen, zu fammeln unb zu vernichten Württemberg, unser Hauptobstland, hat im vortgm Jahre,. B. ca. 7100 Eisenbahn wagen Aepfel — bar unter 966 aue Frankreich — eingelü,rt Ebmsovtel hat ihm jedenfalls bet kleine Rüsielkäfer geraubt! Und man läßt ihn leiber fast überall nach HetzmSlust schalten und walt« Heinrich Freiherr v. Schilling. die unS Alle, Alle beneidm bürf«, taten in bet dumpf«, staubig« Tretmühle de» Leben» kein ^-ogel'ang, kein Morgenthau, kein vlumm- dlühmdaS Herz erfreut; die das Gefühl bet Ftnrde, ta Sewunta rung nicht kennen, au« dem selbst gelegten Eammkornchen da« geheimnißvolle Wesm Pflanze, bad uns so reiche^ so nützliche Gab« spendet, wachsen zu sehen; am seldstgepflanztm Bäumch« da- Werb« bet süßen Frucht zu belauschen, zu behüt«! Der März, bet In jetan un» neu geschmktm Jahre dm so ersehnt« Frühling in unsere beutsche Gart« läßt, er ist ein freunblitter und tr«er Mahner für so viele Hunderttaufende, der« Berus unb LebmSgewohnheltm sie bem Bobmdau ferner Nehm ließ«, sich unb besonberS auch ihre heranwachsmbm Kinber, ba Fteub« be« Gartenbaues theilhasti« zu machen. Der Gartenbau ist, wmn ich io sag« barf, bte muhelo« zu pflückmbe Blume Poesie be- LanbbaueS: er bringt nicht die schweren Sorgen be- letztet«, bedingt webet nennmtzwerthe Mittel noch besonb.re Arbeitskräfte, läßt sich in baS kleinste eingefriebigte Ettlckchm Muttererde bann« unb bringt nicht nur Erholung unb Fteube, ionbetn auch Nutz«, bet, was G-mufe, Obst, auch Blum« betriff, für eine Famllte, sei es tn der Großstadt oder auf bem Lanbe, oft al- sehr erheblich zu veranschlagen ist! Ja Diel«, bie ihren Erwe.b, trotz aller Anstrmgung, tn schwersten Sorgen nicht fand«, warf schon ein tn b« Freistunbm fleißig gepflegte- HauSgärtch« erwünschte Hilfe tn b« Schooß. .. . _ , . . _ ... Hg ist frellich wahr: Vielen, die der Berus in das yauiet- aewitr der Städte fesselt, kann der Wunsch nach einem eigen« ober gepachteten Gart« nicht erfüllt werb«. Viel« Ander« aber, die vor dm Thoren der Städte, tn Kleinstädten und aus dem Land' leben, ihren Wohnsitz nehm« können, wäre der Wunsch nach einem Gart«, unb sollt« sie ein Pacht- ober eigenes Gärtchen sich erst schaffen müssm, so leicht erfüllbar! . „ „ m ,, u Gewiß haben die meist« davon auch ben still« Wunsch barnach, wenn sie tn fröhlich« Sommertagm bekannte ober fretnbe Familien ihre Gartenlust gmießm sehen. Die Hausfrau wünscht sich, eben o herrliche- Gemüse in Hülle unb Fülle selbst bauen »u können, ebenso wunberschöne Rosen für ihre - meist leeren - Blumengläser zu l?ebenilnb die Kinder, mitsamml dem Vater: wie wünsch« sie ein Gärtchen, das ihnen bte prächtig großen Aepfel, so eble Btrnm, saftige Pfirsiche und Aprtkosm liefert, wie sie der alte Herr Nachbar schmunzelnd — unb ein wenig geizig — jahraus, jahrein, auf der niederen Leiter in seine Fruchtkorbe pflückt! Und Elli unb «ja: wie wollen sie hacken und gießen, sich unermüdlich bücken, bte achenden AnanaS-E'dbeeren zu pflücken, bte bei der dicken Obstfrau fo tbeuer, und fo köstlich duft«. Nicht eine wollten sie dabei efien, bi- sie Mama und Alle gesehen, Papa zum Nachtisch sie oertheilte. „Ach lieber Vater, gitb unS auch einen Garten' Wir wollen Dir ja so helfen, tn Allem, wie Du eS un« sagst!" So klingt eS mit glühenden Wangen beim FrühlingSspaztergang, wenn hinter Gittern, im fremden Garten, auf sonnigem Rasen, das junge Volk sich jubelnd tummelt, die kleinen Mädchen im breiten Strohhut die grün« Gleßkännchm füllen unb sich bte ersten weißen, gelb« unb lila ErocuS zeigen! , 3a, ba mag sich mancher Vater ein w«ig hinter bem Ohre grauen: er möchte ja schon, da drüben wär ja auch wa-zu »pacht«, aber — Gärtner kann er kein« nehmen; selbstmachen, ja ba» gtaige schon, und die Kinder anweism, zu gesunder, nutzbringender Beschäftigung, natürlich! , . ,. , . . Aber — er hat ja im Stillen fchon daran gedacht, er hat auf dem Lesezimmer sich jedesmal in die neue Gartenzeitung vertieft, ja er hat bei feinem Freund Hauptmann a. D., der dm Rummel versteht, einige dickleibige Gartenbücher geliehen, bie biefer Ja m l Recht fehr lobte. Da war der „Regel", der „Jäger", der alte „Christ , der „Dietrich", „Gärdt", „Hofacker" der große „Walter" u. f. w., u. f. w. ; er möchte gewiß auf alle schwören, aber — er Hai fo Jotele» nicht verstanden, mit seinem „beschränkten Latenverstand" Die ©arten- meister gingen ihm oft zu hoch: Die vielen verdammt« FachauSdrücke I Gerade da» Einfachste nicht erklärt! „Mir wird von Alledem fo dumm, «l» ging mir ein Mühlrad im Kopf herum!" ÄL Zlhltchthlms. Freibank. [2275 Heute unb Montag: 8chweineffeilch nicht labenrein, per Pfd. tISPsg. Ochsensieisch nicht labenrein, pr. Pfd. 54Pfg Nadelscheit, 73 „ Nadelstamm-, 240 Rmtr. Nabel-Zopfreis, 2 „ Buchen-, 4 ,, Nadel-Stöcke. Zusammenkunft ist am ersten Tage im Distrikt Neue-Wald bei Mr. i, am zweiten Tage im Distrikt Buchwald, unmittelbar an der Straße De« 64. HleurM DU Bnaihung □crtxieb leifN#« »rtx,<|t. , f ??[ dazu gefttl tte UdKrfleHunfl nur ki vanbeiregierungm y. Jinif Reich obligc 16g. Wegner (' ;usfi.T, ®enn all jene« tr'ii -wz verboten i Aog. v. Stumm i'iaunlgaioiie Engel lei, Iüt übertrieben. ctiatlfecretär v. Oimbnerl, ob die 6 ra, rt komme darau icnfile oder nicht. De e;t |u bdaiien, es elf täXw auch bejüplid Smendemenl Hitze beji gen«imen iovsamven «!'. ob sie I obc:Mt Az. tzieitzbau- b n Hinden der Bei •Vereine die Eovcessioi ) 2ntrafl i ^^ipslichtigm wntr ein an Mr sä® bas^ sss fegS, I. ([. Willmskls Ä empfiehlt seine Damps-Färberei u. chemische Wasch-Anstalt 2277 (auf’fl Beste eingerichtet) für Damen., Herren- und Kinder-Garderoben rc., sowie sümmtliche in das Fach einschlagende Artikel. Sofortige billigste Bedienung. Auswärtige Aufträge prompt. Eichenstämme mit 16,36 cbm Inhalt, Nadelstämme mit 3 cbm Inhalt, Rmtr. Buchen-, 49 Rmtr. Eichen-Scheiter, ff /, Knüppel, /, « Zopfreis, „ Nadel-Knüppel, xxxxxxxx«xxxxxxx*äxxhxxxxxxxxx^xxx*x* l Profeffor Gärtners Fettmilch l tt ist * die beste Säuglingsnahrung. H Die Niederlage für Oiesten befindet sich bei M J Herrn Eberh. Metzger $ Frankfurterstrasse Nr. I und Neustadt Nr. 8 X 2 316 Telephon 65. X wxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxsxx ff 13 /, 100 2261] Einige sehr gut erhaltene Oefen, darunter ein schöner Porcellanofeu, find billig abzu geben. — Nähere« bei Ofensetzer Heft, Neuenweg 31. (5olossal Riesen Dogge, wohl eine» ber größten unb schönst« Eiemplare, sür Offiziere ober Coleur ftubfnten prachtvoll geeignet, verkauft ein häh. Beamter für nur 250 Mk, eben!« auch feinen hocheblen Batfei^se» für 200 Mk. Rebme eo. bi« 7b Mk. Nützlicher in,Tausch Offerten unter A. B. 26 pjj« restante Nordhorn. 2202] Zu verkauf« |W«i StÜ« Äe«> Nähere» «oUengaffe 17.