1896 Freitag de« 5. Juni 130 Zweites Blatt. Amts- und Anzeigeblutt für den Tlveis Gietzen. Hratisbeikage: Gießener IamMenbkätter. I zu gestehen. Zeuge vor Gvarr itnX y t Doi Anzeigen zu kr Nachmittag» für den fefgtiär Tag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr. M 8, den 7. jOl lKrt nadj j 20 Mi», eiiemäßiglmg nd bei MWji das GautiMi bis lmgsteki ll _____Derk Schwurgericht. W. Gießen, den 3. Juni 1896. Tin -Vorsitzende, Herr LandgerlchtSrath Rullmann, rröffrsuor um 9 Uhr die Sitzung und wird nach AuSloosung öer (Sfittnotenen in die Verhandlung gegen den 36 Jahre ren .-MUknecht Johanne» Jritzge» von Rainrod wegen Me nintl >eingetreten. Die Staatsbehörde wird von Herrn ^taauttknitüalt Roch vertreten, die Vertheidigung sührt Herr cd}t*lkfltualt Ratz. 66 sind neun Zeugen zu vernehmen. Der : in Unklage zu Grunde liegende Thatbeftand ist der virrlelfährigrr X»#«eaBnil»FtrU l 2 Mark 20 Pfg. nrU vringrrlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Nedaclion. epffbitiea und Druckerei: -ch>r«r.tzeAr.7. Fcraiprccher 51. vereidet. c _ . c Dem Angeklagten wird nun der Vorwurf gemacht, datz er verschwiegen habe, daß die Marie Kröll und er bet der Abfassung der Ratten mit htnetngesprochen. Ferner hat der Angeklagte beschworen, daß Jakob Schwab die Adresien ge- schrieben, wahrend dieser auch die Textsrite theilweise beschrieben hat. Auch die Bekundung de» Zeugen, daß er nicht wisse, an wen die Raiten adresfirt gewesen, soll falsch gewesen fein. Besonders trifft aber den Angeklagten der Borwurf, daß er bei seiner Zeugenvernehmung kein Wort über daS Anheften der Karten am Gemeindebackhaus gesagt. Der Angeklagte erklärt, daß er erstens vom Amtsrichter nicht danach gefragt worden sei und zweitens habe er geglaubt, er brauche die Wahrheit gegen sich selbst nicht zu sagen, wenn er sich damit selbst belaste. Er habe die Absicht gehabt, die volle Wahrheit zu sagen, mit Ausnahme natürlich soweit es seine Person betraf. ~ v ... . Die Vernehmung deS Jakob Friedrich Schwab von Rainrod als Zeuge ergibt, daß er unter dem Beirath der Marie Kröll, ihres Bruders und des Angeklagten die Karten geschrieben habe. DaS Anheften der Karten habe er und der Angeklagte besorgt, Marie Kröll hat die Nagel dazu gereicht. Der Zeuge deponirt weiter, daß der Angeklagte nach seiner Vernehmung in Schotten ihm gesagt habe, er hätte die Wahrheit gesagt und die Sache, so wie sie war, eingestanden. , , . War«- Kröll van SRotetob, 28 Jahr- all, wird 6om B°rsib-od-n, wir auch der Borzeuge, vorerst unv-r->d-t der- nommen, gibt zu, beim Adresseuschreibeu Ihren Rath erthellt zu haben. Sie gibt auch zu, daß st- die Nägel gereicht, um die Karten anzuhesten. Auch bestätigt diele Zeugin, daß nur vor der Vernehmung vor dem Amtsanwalt die Dereinbarunz unter ihnen getroffen war, zu streiten. Eine Verabredung, vor dem Termin vor dem Amtsrichter zu Schotten beim Leugnen zu beharren, hat nicht stattgefunden. [{enriqoe^-® uotrie, Berlin taffee nis -nden Zahl ■ rogate Alle Innotuen-Buteouf de» In- und AuSlande» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" ««gegen Dx trH^t ägllch, mit t L e^mt de» In agi. ' ffl A rhener »erdM^m Anzeiger »öchaoth dreimal kjöegt. hr am Thorhach ___Derl Bad-Nä ieisinger Qt I. Rang lgerecht tingtrii ieisesai fad) prämititi, ; Kevaill« tittbt zu Machen M m-Braucr« ichtetea Hot« Hard.__ V. 7. Jlini-.f ttntQ9 ben ■•Nthit ^pr-iSnAju Me Wei« ir.t ^en. wird gtber. Gießener Anzeiger Keneral-Wnzeiger. Jakob Kröll VII. von Rainrod war auch bet der Kartenschreiberei zugegen, hat sich aber dabet nicht betheiligt und schildert den Vorfall wie die Borzeugen- auch dieser Zeuge hat irn Vorverfahren gegen Schwab, wo er Mitangeklagter war, geleugnet, etwas zu wiffen und sich erst päter zum Geständniß bequemt. Gustav Seipel von Rainrod, einer Derjenigen, an den die schmutzigen Karten gerichtet waren, bemerkt, der Angeklagte habe ihm am 2. Januar auf sein Befragen ofort mitgetheilt, wer die Karten geschrieben und wer dabet ge- wesen. Jacob Kröll VI., der Dienstherr de» Ange agten, bekundet, daß ihm dieser, ehe er die Vorladung erhielt, mit- qetheilt habe, wer die Karten geschrieben, er hat auch zu- gegeben, daß er zwei der Karten angeheftet. Der Zeuge hat ihn ermahnt, vor dem Amtsgericht die Wahrheit zu sagen. Nachher hat ihn der Zeuge gefragt, wie es gegangen und da hat Fritzgen geantwortet, er habe Alles gesagt. Herr Amtsrichter Dr. Ackermann-Schotten hatte den An geklagten zeugeneidlich vernommen- derselbe habe zuerst nicht» gestehen wollen, auf eindringlichen Vorhalt habe er ein Ge- ständniß wegen deS Schreibens der Karten gemacht. Eine Frage, wer die Karten angeheftet, hat der Amtsrichter nicht an Fritzgen gerichtet. Ebenso wenig ist dem Angeklagten bei seiner Vernehmung der Hinweis gegeben, daß er seine Aussage verweigern könne, wenn er sich durch seine Aussage etwa selbst belasten könne. ES sei dem Fritzgen aber gesagt, er mllffe Alle« sagen, waS er von der Sache wisse, «er Angeklagte ist vor einem Meineid eindringlich verwarnt worden. — Herr Bürgermeister Diehl von Rainrod schildert den An- geklagten als einen ordentlichen, fleißigen Dienftknecht, der allerdings ab und zu sich betrinkt, aber nur nach F-ierabend. Der Bürgermeister hält den Angeklagten für einen beschrankten Menschen. Herr Accessist I o st, der als Gerichtsschreiber bet der Vernehmung deS Angeklagten vor dem Amtsgericht Schotten fungirte, erinnert sich, daß dieser wegen deö AnhangenS der Karten überhaupt nicht gefragt worden sei. Auf ihn hat der Zeuge nicht den Eindruck gemacht, al» ob er etwas ver- heimlichen wollte. Die weitere Beweisaufnahme bringt nichts Wesentliches mehr zu Tage. Der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath Rullmann , theilt mit, daß der Gerichtshof beschloffen habe, den Ge- schworenen 3 Fragen vorzulegen sei, 1. Ob wissentlicher falscher Eid au» §. 154 deS R. St.-G. 2. Im Fall der Bejahung dieser Frage, ob dem An- geklagten der MilderuugSgrund deS § 157 Pont. 1 oe» R.-St.-G. zuzubilligen, Das Donauweibchen. Von Ernst Lenbach. (1. Fortsetzung.) Ul wir aber vor ihrer Wohnung, in einer winkeligen, rnge-mSa'sse der Altstadt, angelangt waren und ich ihr Herz- ■' -JOM Nacht" wünschte, sagte sie seufzend: M danke Ihnen sehr, - aber daraus wird wohl mchvt W werden, ich bin so voll Sorge für meinen Sohn jKaufoior acht Tagen schrieb er mir, daß er unwohl sei und -eitbii« tat er mir nicht mehr geschrieben. kl währeno sie die» sagte, sah ich im flackernden /ate«v!«t die Hellen Thränen über ihre gefurchten Wangen 'Un,WDEi lieber Gott, welch ein Handwerk!" dachte ich, als ich mit mit einigen gut gemeinten Trostworten von der °--°b,ch,°d-. M-. Mi, dieser Sarge Im zerM-amm-it- sie da tagaus, tagein ihr-Tanze herunter, 'M Broschen für den Sohn zusammenzusparen, den sie in Ufa mütterlichen Angst vielleicht schon auf dem Sterbe- lizufähr^eine Woche darauf kehrte ich noch früh Ta««-« einem Spaziergänge heim. ES war schöner FrLGiz»morgen, wolkenlos und heiß weit ^er die Jahreszeit-;nt» Hund ließ die Zunge lang hangen und mtrfelbn war« IXLHanffee zwischen der Vorstadt und meiner Wohnung vocks.:i! so schattenlos und öde vorgekommen. Da sah ich >a»6 t:muutt)etbd)en abseits der Straße auf dem steinerne« Gitr^Kell eines Landhauses fitzen. Ein Rtrschbaum streckte von« ton an« dem Borgarten seine Zweige IberJu au« unba liünente ihr schwarzes Häubchen mit weißen Bllthen. Eiei! k; ganz still, den Ropf gesenkt und die Hande tm IchLmte eine Bauersfrau, die auf der Wallfahrt unter- RE WOI i j]| . - äs» wegS rastet und halb tm Traume noch mechanisch ihre Ge- bete weiterspricht, und eß überfuhr mich eiskalt bet dem Gedanken, ob daS Donauweibchen vielleicht wirklich bete, Todtengebete für ihr Kind. Meine Befürchtung erwies fich glücklicherweise als grundlos. Ihrem Sohne ging es wieder ganz gut, wie sie mir mit einem seligen Leuchten Ihrer Mutteraugen berichtete. Sie selbst aber hatte allerdings Grund genug, ein wenig zu rasten. Denn wie sie mir nun im langsamen Weiter schreiten erzählte, hatte fie die vorige und die vorvorige Nacht bei Gesellschaften in der Gartenvorstadt draußen aufgespielt, daS eine Mal von acht bis zehn und dann wieder von zwölf bis vier Uhr, daS andere Mal gar bis fünf. „Ach ja," meinte fie, „e« ist freilich nicht leicht. Aber man muß doch Gott danken, wenn man ordentlich zu thun hat. Jetzt, wo der Frühling kommt, da hört es doch bald mit dem Verdienst auf. Sehen Sie, es ist ja te^r fd)dn, wenn die Bäume blühen, man fühlt ordentlich etwas tn sich selber mitblühen, — wenn ich nur nicht immer dabei denken müßt, daß eS nun auch bald mit den Gesellschaften und Tanzkränzchen zu Ende geht. WaS ich mir dann im Sommer mit Handarbeiten verdiene, daS ist doch lange nicht so viel. Und mein Sohn, der muß doch auch im Sommer sein „Wie viel bekommen Sie denn wohl für» Spielen?" fragte ich. „Da« «st j- nachdem/' erwiderte sie, .die Einen geben eine Mar! und sünszl, für die Stunde, Ich hab auch schon mal zwei Mark ieiommen; aber In der Regel gibt e, dach nur eine Mark. Und wenn e« nicht für meinen Sahn Max wäre, dann wären mir manchmal die Einmarksfamtlien noch am liebsten. Denn wißen Sie, tn d-n ganz °°-n°h-,«n Häusern, da wird man doch auch manchmal danach behandelt. Da muß man dann mit den Dienstboten essen und tn der Küche warten, bis die Herrschaften mit dem Souper fertig * ' . Nachdem der Angeklagte nun die Ladung al« I vW. dem Amtsgericht erhalten, sprach er mit der Marie | Kröll und deren Bruder und nun nahm man sich vor, so lange zu leugnen, bi« eß an« Schwören gehe. Marie Kröll bestärkte ihn noch, indem fie sagte, er solle nur fest bleiben, wenn er Strafe bekäme, wolle fie diese bezahlen. Der Angeklagte schildert nun seine zeugeneidliche Vernehmung vor dem Amtsrichter. Dieser habe ihn gefragt und er habe geantwortet- danach, wer die Karten angeheftet, sei er nicht gefragt worben, er sei auch nicht darauf hingewiesen, daß er Aussagen, die ihn selbst belasten könnten, nicht abzugeben brauche. Der Angeklagte ist damals nach seiner Vernehmung sind. — Obzwar," setzte fie hinzu, „eß auch wieder genierlich ist, wenn man so bei den Herrschaften selber unten °m Tische fitzt, wo man doch nur ein Bezahltes ist und nichts Ein- geladenes. Am liebsten hab -s, wie bei Ihrem Herrn Vetter, da läßt mir die Frau Justizrath allein in einem Himmerchen decken und gibt mir auch allemal ein gutes Buch zu lesen, daß mir die Zeit nicht lang wird wahrend der Tafel. Und auch daS muß ich loben, wie in der Villa hier draußen, wo ich gestern war, da gönnt mir die H°uSfr°u für den Rest der Nacht ein Schlafsopha, so brauch ich doch nicht mitten in der Nacht heim. Aber so gut hat man« nl$t i””trtoenn @ie fclB Schlafsopha bekommen, da laufen Sie wahrhaftig nach all der Mühe noch den Weg bis tn bie Stadt? „der Weg ist freilich etwas lang, aber dann denk ich an meinen Sohn Max, und da merk ich oft kaum, wie spat ich nach Hause komme.' Mit dieser Unterhaltung war meine Achtung für Frau Metzle wieder um ein Bedeutendes gewachsen und alfl> tdj einige Zeit darauf mich anschickte, die Stadt zu verlassen, erinnerte ich mich, daß meine Reise mich auch durch den Ort führte, wo der Sohn Max derzeit seiner künstlerischen Vollendung entgegenreifte. Somit beschloß ich, dem Donau- Weibchen einen Besuch abzuftatten und zu fragen, ob sie nicht« an den Sohn zu bestellen habe. Frau Metzle bewohnte tn einem alten, düsteren Haufe zwei Zimmerchen im Erdgeschoß. DaS himmlische^Sonnenlicht mußte fich jedenfalls ganz verzwickter Kunststücke- be- dienen, um einige seiner Strahlen in diese Räume hinein, zupracticiren, und doch lag über dem ganzen ärmlichen HcmS- rath etwas wie unvergänglicher Sonnenschein, \o sauber und freundlich war alle« geordnet und gehalten, so freundlich und klar vor allem baß Wesen ber Bewohnerin selbst. (Fortsetzung folgt.) ;elßet)Dk: t , Der Sylvesternacht dieseß Jahre» war in ber Wohnung de« Kröll IV. zu Rainrob eine Gesellschaft junger tute:: msc-mmen, man amüstrte fich mit Gesang, Tanz und -ihn > wünschte fich um 12 Uhr alles Gute unb trennte ch «ich zt-mlich spät. Nur einige der jungen Leute blieben noch i jifammen und eS kam da« Gespräch aus Neujahrskarten. Die Hiatt ial« Zeuge zu vernehmende Marte Kröll, Tochter .8 ‘3M Kröll, erzählte, fie habe auch schon Witzkarten ■'otnmtn nmd holte diese herbei. Nun machte sich die auS- gclaftw Gesellschaft daran, bie Abreffen zu änbem unb bie larti :a nwd) mit unsittlichen Btlbern unb Texten zu ver- st Lite Bezug hatten auf einzelne Personen im Ort. Dian, idtae batauf mit Nägeln die Karten an baß Gemetnbe- z3adl:«til wo dieselben am andern Morgen gefunden und byeiBMiDtt.n wurden. Eß erfolgte Anzeige und nun wurde aß -Smmfahren gegen Jakob Friedrich Schwab und ^euvitz» «egen Vergehen« gegen die Sittlichkeit eingeleitet nb ilta Ziageflagte, sowie bie Marie Kröll vom Amtsanwalt 1« j gtügesi vernommen. Beibe erklärten btefem gegenüber, oa Üit gnnzen Sache nichts zu wiffen. Hierauf würbe der vor dem Amtsgericht Schotten am 14. Februar I. M^euetdUch vernommen. Bei diesem Vernehmen hat rr i Bqttiagte nur theilweise Angaben gemacht, aber zur 5a*»Miürtge8 verschwiegen unb darin sieht die Anklage ^aß iWldtbichen des Meineides. In lÄngeklagte erklärt, wegen Diebstahl mit 6 Monat orb*f< zu fein. Die Karten werden vom Dorfitzenben erlcW irnb haben sämmtlich einen recht schlüpfrigen Jndalt. Dir • hü^laßte schildert nun, wie fich bie Kartenschreiberei lugtiRltiL. Nicht er habe dieselben geschrieben, sonbern iakoi» Fc-kdrich Schwab, er sowohl wie bie anderen An- «6* Haden aber dabei mitgewirkt, indem sie drein prac tza Er habe zwei der Karten an daS GemeindebackhauS -ingeiäM, die andere habe Schwab angeheftet. AIS die Sachqumchbar wurde, nahmen sich die Genossen vor, nichts ericW . Giessen. R « 3. 3* o/ jjortuffhl® lll" Sri Verdingung Neubau // // qm M n empfehlen billigst 5024 Geschw. Heer;, örurnmrg 7. :oh za । INI 633 240 135 940 2100 2974 390 1317 620 260 1600 643 616 7 2 2 1) 2) ff // // n ßctmsfe? 1 JAVA- \kwfee Vi 2V. Vr 7 (frutear Vr ttrntt, ernt l‘cbtd gg itllt « tzrMh tratt, l-rttj, unb In «st it^alb rivr *ntn. 3m L tmltt unb in S i- 6id gtngnt lerrtfa juweile >4 bleibt die 10— 6— 2— 3. Im Fall der Verneinung der Frage 1, ob de« An- geklagten ein fahrlässig falscher Eid zur Last fällt. Der Vertheidiger, Herr Rechtsanwalt Katz, stellt den A«trag, auf Grund der §§ 158 und 163 weitere Fragen an die Geschworenen zu stellen. Der Gerichtshof zieht sich hierüber zur Berathung zurück. Nach Wiedereintritt in den Saal eröffnet der Vorsitzende aufs Neue die Beweiserhebung und coustatirt Weiteret aus den Acten. Hierauf werden den Geschworenen folgende Fragen vorgelegt: 1. Hat der Angeklagte vor dem Amtsgericht Schotten am 17. Februar 1896 wissentlich ein falsches Zeuautß abgelegt? Für den Fall der Bejahung der Frage 1: 2. Konnte die Angabe der Wahrheit eine Verfolgung wegen eines Verbrechens oder Vergehens nach sich ziehen? Auf Antrag der Vertheidiguog: 3. Hat der Angeklagte, bevor eine Anzeige gegen ihn er. folgte, oder eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet und bevor ein RechtSuachtheil für einen Anderen aus der falschen Aussage entstanden war, diese bet der- jenigen Behörde, bei der sie abgegeben war, widerrufen? Im Falle der Verneinung der Frage 1: 4. Hat der Angeklagte vor dem Amtsgericht Schotten am 14. Februar fahrlässig ein falsches Zeugniß abgelegt? 5. Hat der Angeklagte, bevor eine Anzeige gegen ihn er« folgte oder eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet und bevor ein RechtSnachtheil für einen Anderen aus der falschen Aussage entstanden war, diese bet derjenigen Behörde, bet der sie abgegeben war, widerrufen? 450 750 An- Die Ausführung folgender Bauarbeiten und Lieferungen, nämlich: steinfabrik, Korn bei der Schönen Aussicht, Korn am Launsbacher Steg, Weizen am Wismarer Weg, schwedischen Klee bei dem Blausteinw., Wiese daselbst, Badetücher, Badehauben, Badeanzüge, Badehosen Montsg den 15. Juni d. I., Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Er umfassen: a) MaurersSteinsetzer -Arbeit. Beseitigung abgängiger Bordsteine, 326 lfde. Meter, Versetzen neuer Bordsteine auf Beton, 1142 lfde. Meter, Versetzen von Bandsteinen, 72 lfde. Meter, Versetzen von Straßensinkkasten, 4 Stück. Herr Staat-anwalt Koch plaidirte auf Schuldig im Sinne der ersten Frage uud führte an der Hand der ve. weiSaufnahme aus, daß der Angeklagte einen glatten Mein, etd geschworen, ebenso sei eS zweifellos, daß, wenn der An. geklagte die Wahrheit gesagt hätte, dieses gleichbedeutend mit der Selbstbezichttgung eines vergehens gewesen wäre, darum sei auch die zweite Frage von den Geschworenen zu bejahen, von einem Widerruf durch den Angeklagten könne hier gar nicht die Rede sein, denn er habe ja nichts zurück zu nehmen gehabt, er habe ja daS Wesentlichste, was er von der Sache gewußt, verschwiegen. Herr Rechtsanwalt Katz ist im Gegensatz zum Staats, anwalt der Meinung, daß der Angeklagte nie und nimmer wtffeotlich falsch geschworen habe. Der Mann hat vor dem Amtsgericht Schotten alles das beantwortet, wonach er ge. fragt wurde,- so feine juristische Unterschiede zu machen, wie der StaatSanwalt es verlange, das könne man von einem Menschen, der auch etwas schwer von Begriff sei, wie mehrere Zeugen bekundet, nicht verlangen. Der Angeklagte konnte nicht wiffe», daß eS besonders auf das Annageln der Karten bei seiner Vernehmung ankomme, hat doch selbst der ihn vernehmende Richter darauf kein Gewicht gelegt; denn hätte er dies gethan, so hätte er den FritzgeS auch danach gefragt. Aber der Vertheidiger ist auch der Meinung, daß sein Client fahrlässig, nicht falsch geschworen habe und daß auch die Ge« schworeoen, nachdem sie die Frage wegen Meineid verneint haben, die vierte Frage wegen fahrlässigem Falscheid ver- neinen können. Sollten sie aber gegen alles Erwarten dennoch die vierte Frage bejahen, so habe doch die von dem Vor- Die diesjährige Emte von ca. 38/< Morgen Korn bei der Blend. Mk. 196 a. Arbeitslohn . . . b. Materialienlieferung 3) Steinhauerarbeit . . 4) Zimmerarbeit . . . 5) Dachdeckerarbeit. . . 6) Klempnerarbeit . . . 7) Schreinerarbeit . . . 8) Schlosserarbeit . . . 9) Glaserarbeit.... 10) Anstreicher, und Tapezierarbeit ..... 11) Innere Einrichtung. . LL ■* « soll öffentlich vergeben werden. ___ schlag, Zeichnungen und Bedingungen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten zur Einsicht auf. Angebote sind mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Samstag bett 6. Juni, Vormittags 11 Uhr, daselbst einzureichen. WreH b et t* sM- b) Pflaster- unb Chauffirarbeit. Pflasteraufbruch . . rd. 740 veranschlagt zu Erdarbeit..... Maurerarbeit WohnungsdcMkm Ich wohne vom 1. 3tni c Marttftratzt 3ii., 5063 Hebamme Glace-Handschuh schwarz, weist mb empfiehlt in guter CumT*:- Kaufmännischer Verein Giessen. Beitrag für unterstützende Mitglieder . . ordentliche Mitglieder . . . EinttittSgeld nur für Letztere. „ Wetzlar, den 29. Mai 1896. Der Kreisbaumeister: W. Witte. 5151 -•wiiin nur, ' ■' '"’iifimn üoerbiew • Ikri^t tint ' _ b „ nun h. Iußboden-Mriit Oelfarbe in nfa rasch und hart trocknend. Leiuölficeatif pim knoten. Bernstein - Oel - Lack färbe in alle» Fmßm. Oehlers Parqaet Wach ' Stahlfpähne, sowie all« sonstisea Artitei U«vr«tch Sitf« * Fußböden, empsiehlt 8007 Emil Fischbach Ireitag, den 5. Juni, Nachmittags 2 Uhr, im Pfau (Neustadt 55) zu Gießen werden durch den Unterzeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigert: eine Parthie Weißzeug (Tisch-, Bett- und Handtücher, Servietten, Bettbezüge, Hemden re.), fast noch neu, eine größere Parthie Colonial-undSpielwaaren, mehrere Schließ- uud Waschkörbe u. s. w. Versteigerung bestimmt. 5196 Engel, Gerichtsvollzieher. Gießen, den 1. Juni 1896. Das Stadtbauamt. Schmandt. 5152 i all« ml aü floucD gehl d- fur btt »ahlrkil! I Miaifioi eil I V Mai i »ehl k'tlr gro wt »st geringe i mge» aafstell i einstellea weao , t iai:en so i fitbcnng. 3nl bd ditr titrcDi . «och denehea w: i 7atet tonn au iiligea «Betreibe >,it bU 6 Marl I obnt be\ i tnikpielfen wtsp Verdingung. Die für die laufende bauliche Unterhaltung der Gebäude des städtischen Hospitals erforderlichen Maurer-, Dachdecker- uud Weistbiuderarbeiteu sollen Samstag den 13. Juni, Bormittags 11«/, Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Beding, ungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf dem vorgeschriebenen, bei uns erhältlichen Formular sind bis zum genannten Termin einzureichen. — Zuschlags- frift 14 Tage. Gießen, am 28. Mai 1896. Das Stadtbauamt. Schmandt. 5060 BL ' Möglich Ümpflasterungen . . „ neues Goffenpflaster . „ Chauffirung (neu) . . „ Herstellung v.Kiesbanketen „ c) ASphaltirnngen. Herstellung von 20 mm = Fachschule (fremdsprachlicher Unterricht). vergünstigu«ge«r Bibliothek, 1000 Bände. - Vorträge (Eintritt frei). - Gesellige Unterbot- tungen. - Preisermäßigung bei EulerS Warmbäder - Anstalt; Neues Theater«- Theater-Verein; Concett-Verein; Krauße- schen Abonnement-Concerten. 129 Bereinsabend: freitags. Vereinslocal: n amLaunsbacherSteg, „ am Wismarer Weg soll aus der Hand verkauft werden. Zu erfahren 5117 ' M ttne gute ( ; haüwegl günfti 1 führet! an Setze ! J^itn find auij ' |tk»4t wölben 1 Weizen: orräthe I I lafinft an L 1 »Topätittn Lani 1 liegt. 1 allgemein ' * liueu (h ! billige, ■ rmchtrnurten, ^Migehsken, b w Ittrinl)anbi starkem Asphaltbelag auf 12 cm hoher Betonschichte, 1227 qm, desgleichen von 30 mm starkem Belag auf 20 cm Betonschichte, 80 qm. Pläne, Arbeitsbeschretbung und Bedingungen liegen während der Dienst, stunden auf unserer Amtsstube Nr. 7 zur Einsicht offen und sind daselbst Formulare für Angebote, welch letztere bis zum genannten Termin bei uns einzureichen sind, zu erhalten. Zuschlagsfrist 14 Tage. stunden oorgeuommene Sonst arir an» aul e daß der Angeklagte vor demselben tr die eidliche Deposttion gemacht In » v°llständigt habe, bevor eine Lei!' stattet oder eine Untersuchung gegen unb bevor ein RechtSnachtheil für einen falschen Aussage entstanden war. Ehe anx hat sein Client seine Aussage berichttgt, nnb bittet, alle diese Umstände bet Abwägung b,< in Rücksicht zu ziehen. Nach sehr lebhafte selten» des Vertreter» der Staatsbehörde ttai — diger noch einmal sehr warm für die 8ernehuJ* unb vierten Frage ein, unb wiederholte im d» Schuldfrage wegen fahrlässigen falscheo^?*^ unbedingt die Frage fünf von der Jury beiah^k t,, — Nach sehr eingehender Rechtsbelehrung Geschworenen zur Berathung, die eine halbes '' ' zurück. Da» Lrgebniß, welche» al» Dbntann? kaut Otto Schäfer Büdingen verkündete Frage wegen wissentlich falschen Eide» nen/enn L? '• Geschworenen fanden den Angeklagten des fabrUH^ Tide» für schuldig und verneinten die au» S 18.3 eL*1. : R-Str.-G. an sie gerichtete fünfte Frage, burivL’* ‘ lahuug der Angeklagte straffrei hätte ausgeben Staatsanwalt Koch beantragte hierauf, aus 9 sangniß zu erkennen, Herr RecktSanwalt RIB b4 milderes Strafmaß. Der Gerichtshof erkanme 2 ?.'! ' Gefängniß. 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