och au, e: Peisen. W Wrßitz errnT.«i„ u°d ©itf 'MW,- rolitz für & «g4Uh!^ Haus y Th« lbends 8 L den. Dam, Vorstand, nsteii ent Caroc! ?ung öorstao-. Feinte: mceit hercli lettln). j Aasflvj cknfl Hieras' )iejenigen, «ta Der Vom W ?rt. Ljnfgjti and. Idle: Ig von 4 llt- rt. rt «j«#' Rt. 81 Der Ließe«» Anzeiger erscheint täglich, öit Ausnahme deS Montag-. Die Gießener W««trten v kälter »erden dem Anzeiger »rchentlich dreimal brigelegt. Zweites Blatt. Sonntag den 5. April 1896 Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Bierteljährige» JUtnemteUat* I 2 Mark 20 Pfg. «tt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg. •Ubdction, Lxpcditio» und Druckerei: -chulstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Anrts- und Anzeigeblutt für den Äreis <6iefzen» Kratisöeikage: Hießener Aamitienbtätter Annahme von Anzeigen zu dec Nachmittag» für den jokgmden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Alle Lnnonccn-Lureaux de» In« und Lu»lande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Ostern. Auferstehung, neues Leben! — so predigt zur Ofterzeit -ie erwachende Natur, so kündet» daS frohe Ofterwort vom «srrstandenen Herrn. Dem tiefsten Sehnen der Menschen- sttle, die den Gedanken der Ewigkeit in sich trägt, kann nicht» Genüge thun als die Botschaft von einem Leben, darüber der Tod keine Macht hat, daS in unser« irdischen Dasein unter Gotte» Gnade als verborgener, köstlicher Keim ßrnährt, am Tage der Garben zu seeligen Herrlichkeit reifen toird. DaS letzte Wort der Schöpfung ist nicht der Tod, sondern daS Leben- die oberste Herrschaft in der Welt hat nicht daS Fletsch, sondern der Geist. Der steht die Erde mit blinden Augen an, der in ihr nur die Vergänglichkeit und ta» Verderben und nicht auch die ewigen Güter und den bleibenden Segen von oben wahrnimmt. Wie sich die Natur alljährlich neu verjüngt, so ringt in jede« Menschenherzen sich ein neues Leben des Geistes dem Lichte entgegen, und der beraubt sich alles wahren Glückes nnb alles ewigen Friedens, der in dem weltlichen Verlaufe fein«» äußeren Leben» die» Sehnen seine» inneren Menschen »oterdrückt und ertödtet. Neue» Leben — die» Trostwort zuerst all Denen, die ta Schmerz über liebe Verstorbene trauern. Wa» auf Erden Vahr und heilig gewesen ist, da» hat die Gewähr ewiger Dauer in sich. Und weil nicht» wahrer und heiliger ist al» die Liebe, die Gott selber ist, darum heißt eß: die Liebe höre» nimmer auf und wer in der Liebe bleibet, der bleibet ta Gott. Neue» Leben — die» Verheißung-wort all Denen, die in der Trübsal dieser Zeit, in Kummer und Sorge, in Gram uob Anfechtung sich bedrückt fühlen. Au» der Enge der Gegenwart hebt die Hoffnung un» in den freien Raum, in die Nacht unserer Sorgen leuchtet ein Strahl de» ewigen Lichte»- e» soll auch unser Herz licht und weit werden, und -neue- Leben einziehen in unser beschwerte» Gemüth. Draußen »wacht Baum und Busch und der Vöglein Lied erklingt, — der ist daS Gletchniß für das Leben, oaS in der Seele erwacht, denn das Ofterwort sich neu belebt: ich bin die Auferstehung vnd das Leben. Neues Leben — dies Mahnwort zuletzt unserer deutschen Wsstenheit insgemein. Wie schläfrig und matt zum heil- tarnen, guten Werk, wie eifrig und befliffen auf den selbstischen, Kitschen Vorthetl, wie verschloffen dem ewigen Licht, wie ^saugen im Dienste der Eitelkeit erscheint heute unser Volk. €in neue« Leben, das ist eS, wa» ihm wohl thut. Einen amen Geist in der Hütte wie im Palast, ein neues Wirken zaur gemeinen Besten, ein neues Bekennen der alten ewigen Sahrheit, da» wolle uns Gott zum Osterfeste schenken, damit vir mit Freuden rühmen können: der Herr ist auferstanden, ir lebt bei unS! Fenilleton. Die Scheere meiner Großmutter. Eine Ostergeschtchte von E. Fahrow. (Nachdruck verboten.) Ja, daS war ein wunderliches und hochwichtiges Ding, Bit bcheere meiner Großmutter, und sie spielte eine große «olle in unserem Hause. Für mich war sie in meiner Svabenzeit schon so eine Art Skelett im Hause, vor dem man Mn ungeheuren Respekt hat und daS man dabei doch gar ii gern fassen möchte. Jene Scheere aber gehörte für mich |i den „unfaßbaren" Dingen. Sie hing an einem gestickten Vrideuband, welche- einst ktrschroth gewesen war, am Fenster« tritt meiner Großmama, und sie war einfach — heilig r (nicht Bit Großmutter, sondern die Scheere). Die Griffe bestanden am Perlmutter, die Klingen au- feinstem Stahl mit Gold- Magen. Diese Scheere war ein alte» Erbstück von vor hundert gelten. Wenn Großmama, bei der ich erzogen wurde — ttlne Eltern waren längst tobt — dort auf ihrem Tritt- Kilt saß, daß filberweiße Haar wellig um die strenge Stirn gtorlnet, die brillenlosen Augen auf eine nützliche Hand arbeit gerichtet, bei welcher sie die kostbare Scheere benützte, Lum stand ich still vor meinem Spieltisch und wagte nicht, lut zu sein- und ich hätte doch so gern gelärmt und ge- tibt, und vor allem hätte ich so sehr, sehr gern die schöne ent ere gehabt, um mit ihr zu schnipseln. Aber die bekam timie. Vern-ischtes * Breslau, 30. März. Vor der Strafkammer wurde gegen die hiesigen Graveure Fritz und Paul Sedlatzek wegen Wuchers und Betrugs verhandelt. Im vorigen Jahre erstattete der Leiter einer hiesigen VorbereitungSanstalt bei der Staatsanwaltschaft Anzeige, daß Fritz Sedlatzek, der hier am Ring ein offene» Geschäft betreibt, in der unverschämtesten Weise Gymnasiasten, Studenten, junge Kaufleute, Schüler der Fähnrichspreffen und Offiziersaspiranten durch wucherische Ausbeutung in die schlimmsten Lagen bringe. Die Untersuchung lieferte so schwere Verdachtsgründe, daß die Verhaftung des Fritz Sedlatzek angeordnet wurde. Sedlatzek flüchtete noch zeitig nach der Schweiz, wo er fich in einer Billa am Züricher See von der Last seiner hiesigen „Geschäfte" ungestört erholen wollte. Als die hiesigen Behörden von seinem Aufenthaltsort Kenntniß hatten, begannen die Unterhandlungen mit der Schweiz bezüglich der Auslieferung des Sedlatzek. Im deutsch-schweizerischen Auslieferungs- Verträge ist daS Vergehen des Wucher» nicht vorgesehen, sodaß die Auslieferung auch nur auf den Thatbestand des Betrugs hin erfolgen konnte. Die Verhandlung vor der Strafkammer entrollte folgendes Bild von der Geschäftsart des Angeklagten. Sedlatzek hatte ein besonderes Zimmer für den „Verkauf von Studenten- und Offiziers-Bedarfsartikeln" eingerichtet, da» die verschiedensten Sachen, tote Paukzeug, Humpen, Bierzipfel, Renommirknüppel, Gold- und Stlberschmuck, Uhren u. s. to. enthielt. Hier gaben fich die jugendlichen Kunden häufig Stelldichein. Einige hübsche Verkäuferinnen sorgten für die Unterhaltung, während Fritz Sedlatzek Erfrischungen wie Cognac, Bi«c, Wein herumreichen ließ. Die kaum dem Knabenalter entwachsenen Jünglinge wurden mit „Herr Docior" oder „Herr Lieutenant" angeredet und schließlich dazu aufgefordert, unter den vorhandenen Sachen etwa» recht hübsches für Mitschüler ober für Damen auS-uwähleu. Ohne große Schwierigkeiten wickelte fich baS Geschäft zwischen Käufer und Verkäufer ab. Nach bem Abschluß wurde den Herrchen zur Unterschrift ein Schein mit folgenbem Wortlaut vorgelegt: „Ich Unterzeichneter, MÜnbiger unb nicht unter väterlicher Gewalt Stehenber habe folgenbe Sachen bei Fr. S. bestellt . ... unb in Empfang genommen. Ich verzichte im Fall bet Klage auf jebe Einrebe, namentlich auf die bet Verjährung unb unter» werfe mich bem Urtheil beö hiesigen Gerichts." Die jungen Leute unterzeichneten ohne jebe Ueberlegung. Nach kurzer Zeit erhielten sie dann von Seblatzek Briefe, in denen sie zur sofortigen Bezahlung aufgefordert wurden, unter bem Bedeuten, daß sie falsche Angaben über ihre Mündigkeit gemacht hätten. Da S. mit Anzeige drohte, sahen fich die jungen Leute, die natürlich keinen Heller besaßen, genöthigt, auf ihre Schuld bei S. Wechsel zu accepttren, die nebst den Schuldscheinen in den Händen des S. verblieben. Die Preise für die veräußerten Gegenstände waten nach den Aussagen bet 42 gelaberten Zeugen, unter denen fich zwei Eine» Tage», al» ich schon Quartaner roor, erzählte mit „Ohma" bie Geschichte jene» zierlichen Instrument». Zuerst war e» ein Geschenk be» Urgroßvater» an bie bräut- Uche Urgroßmutter gewesen unb zwar auch damals schon bas Geschenk eines Erbstücks. Dann wor Unglück übet bie Familie gekommen, sechs blühenbe R nber starben dahin unb allen schnitt bie Urgroßmutter eine Locke mit bieset Scheere ab. Seit die sechs Tobremöckcheu bamit geschnitten waren, würbe sie schon al» etwas Besondere» betrachtet. Meine gute, strenge Ohma blieb al» Einzige leben, unb auch sie verlor mehrere Rinbet, boruntet auch schließlich ba» letzte — meine Mutter. Nun wat ich ihr einziger Enkel unb auf mich verwanbte sie alle Liebe nnb Weisheit ihrer edlen Natur. Weit entfernt davon, mich zu verwöhnen, hielt sie wich in strenger Zucht und Widerspruch gegen ihren Willen duldete sie nicht. An jenem Tage — e» wat ein Ostettag — al» sie mit die Geschichte bet Scheere erzählte, holte sie auch ein Schilbpattkästchen herbei, in welchem die sechs blonden Löckchen ihrer Geschwister und die drei anderen ihrer eigenen, vet- ftorbenen Kinder lagen. Eine davon war broncefatben, nicht blond, nicht braun, nicht roth, aber etwas von jedem. „Dies hier ist die Locke Deiner Mutter," erzählte Ohma, indem sie die schillernden Broncesträhnchen hochhielt. „Sie wat mein Lieblingskind, und Du gleichst ihr im Wesen, aber gar nicht im Aeußeten. Ach, sie war sehr schön und ich habe nicht einmal ein Blld von ihr!" Großmutter meinte! Da» wat etwa» so Unerhörtes, daß ich zunächst nur ein maßloses Staunen empfand, bann Prinzen von S. befanben, ungeheuer hoch. Der eine Prinz' hatte für eine Uhr 380, für einen Brillantring 650 Mk. laut Schulbschein gegeben, erhielt aber im Versatz, amt kaum 10 Prozent beS Kaufpreises. Der Werth ber goldenen Uhr wurde von Sachverständigen auf 60 Mk. ge* schätzt. Ein adeliger Schüler hatte bei S. eine Schuld von 3148 Mk. für Gegenstände wie goldene Brosche 500 Mk., Nadel 950 Mk., Parabe-Ulanensäbel 84 Mk. u. s. w. auf- summen laffen. Die Schmucksachen würben versetzt ober verschenkt. Ein Ring, den ein Pharmaceut für 402 Mk. entnahm, wurde von einem Goldarbeiter auf 5 Mk. geschätzt- dieser Pharmaceut hatte bet S. eine Schuld von 9714 Mk. Ein Schüler Zarncke erhielt für eine um 460 Mk. bei S. gekaufte Uhr auf bem Leihamt nur 15 Mk. Ein Stubent hatte für 1740 Mk. Werth gekauft unb später einen Wechsel über 2000 Mk. unterschrieben- er bekam auf bem Leihhaufe für seine Kleinobieu an 60 Mk. Von einem anbern Runben würbe ein Hanbschuhkasten für 100 Mk. erworben, der nach sachverstünbigem Urtheil 8 Mk. werth war. Für einen Stock, den jeber Hausitet für 75 Pf. verkauft, verlangte unb erhielt S. 25 Mk. Bei all bieten Geschäften leistete ihm sein Brnber Pani hilfreiche Hanb. Fr. S. bestreitet, baß er bie Runben betrügen wollte - er habe auf seinen vielfachen Reisen jene Maare selbst zu hohen Preisen angekauft. P. S. will nur bie Aufträge seine» BruberS auSgeführt haben. Von ber Staatsanwaltschaft wurde betont, daß baS Verabreichen geistiger Getränke nur bazu gebient habe, bie jungen Leute in eine animirte Stimmung zu versetzen unb zu unsinnigen Käufen unb Debtcativnen willfährig zu machen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Fr. Seblatzek wegen Betrug» bas höchste Strafmaß von fünf Jahren Gefängniß unb Ehrverlust auf gleiche Dauer, gegen P. S. wegen Bei- Hilfe zum Betrug unb verschleierten Wuchers drei Jahre Gefängniß unb fünf Jahre Ehrverlust. Das Urtheil lautete gegen Fritz Seblatzek wegen Betrugs in 11 Fällen auf brei Jahre Gefängniß, 1000 Mk. Gelbbuhe unb fünf Jahre Ehr Verlust; gegen Paul Seblatzek wegen Beihilfe zum Betrug, verbunben mit Betrug zu einem Jahre Gefängniß, 300 Mk. Gelbstrafe unb einem Jahre Ehrverlust. ♦ Rothenburg » Tauber, 1. April. Das historische Festspiel „Der M ei ft er tr unk" wirb, tote im vorige» Jahre, mit barauf folgendem Festzug unb gelblager nur einmal unb zwar am Pfingstmontag, ben 25. Mai, zur Aufführung kommen. ES bürste gerathen sein, rechtzeitig bei bem Hauptausschuß fich Karten zu bestellen. ♦ Wien, 1. April. Der hiesige Kaufmann Richard Wagner ließ für seine Pfaiblerwaaren eine Schutzmarke registriren, bie auS bem Bildnisse deS verstorbenen Corn- ponisten Richarb Wagner bestaub. Cosima unb Sieg- frieb Wagner in Bayreuth klagten auf Löschung ber Marke. Der HanbelSminister gab jeboch dem Klagebegehren keine Folge, weil sie im Gesetze keine Begrünbung finde. aber etwas Dickes in meinem Halse aufsteigen fühlte und in meiner unbeholfenen Verlegenheit unb um eine Beschäftigung zu haben, «ach ber Scheere griff, bie aus bem Nähtisch lag. Großmutter achtete nicht auf mich unb ich war gottlos genug, ihre Rührung zu benützen und mich ganz still mit ber Scheere auS dem Zimmer zu schleichen. Raum war ich im Garten, als ich mich in ber Erwartung, ganz besondere Schneidewunber zu erleben, auf einen Baum schwang unb bort allerhanb ZerstörungSwerk begann. Ich schnitt grüne Blättchen entzwei, bie eben herauSgekommen waren, Rirschdlüthen schnitt ich ab, schließlich versuchte ich meinen ledernen Schnürsenkel zu durchschneiben, aber bamit erreichte ich nichts als — einen kleinen Knacks. O Gott, bie Scheere war zerbrochen! Was nun? WaS ttzun? Ich fürchtete fe sehr den Zorn meiner Großmutter, daß ich zunächst nur andern Garten flüchtete. Draußen vor bem Thore rief mich meine kleine Spielkameradin Lotti an. „WaS gibt« denn, Erwin? Ist Dir übel?"' Ich schüttelte stumm mein jedenfalls tief erblaßte» Hanpt. Dann nahm ich Lotti bei der Hand, wir rannten querfeldein und draußen am Stadtgraben erst erzählte ich ihr von meinem „Pech". „Pech!" sagte sie verächtlich. „DaS ist Deine eigene Schuld gewesen und Pech hetßts nur, wenn man nicht selber schuld ist. Zeig die Scheere mal her." Kleinlaut holte ich sie heran»- ber Griff war abgebrochen, aber ba» Metall unverletzt. „Vater wirb fie Dir wieber ganz machen, sei nur ruhig," tröstete sie mich, unb flugS beschlossen wir im SriegSrath, daß ich mit zu Latti'S Vater gehen unb mich bort verbergen sollte, bis ber Schaben gut sei. Gesagt, gethan! Lotti'S Vater war ein Tauseubküostler. Er brechselte, malte, stopfte Thiere au-, machte Brillen — was konnte der nicht alles! Kopfschüttelnd hörte er unsere Erzählung unb bie Bitte mit au, seine Kunst auf ber Stelle zu probireu. „Nette» Ostervergnügen," brummte er- aber er konnte seinem Töchterchen nie etwas abschlagen, unb so machte er sich an bte Arbeit. — Während ich mit hochklopfenbem Herzen zusah, wie er klopfte, bohrte, feilte unb polirte, hockte Lotti neben wir auf einem Schemel unb streichelte meinen Arm. Ich konnte baS sonst nicht leiben (wenn ein Dritter zugegen war) aber heute in «einer Angst ließ ich mir alle» gefallen. Eablich nach einer langen, bangen Stunbe war baS Kunstwerk fertig, — wahrhaftig, — es war nichts mehr zu merken. „Was kostet eSk" fragte ich zaghaft, benn ich hatte nicht viel Taschengeld. Der Meister sah mich belustigt über seine Brille hin. weg an. „ES kostet nichts, Erwin," sagte er lachenb, „nun lauf, daß Deine Großmutter sich nicht um Dich ängstigt." DaS letztere brauchte ich nicht zu befürchten, denn ich war oft unb lange vom Hause fort. Aber welche Aufregung, als ich in bte Halle trat. Großer Gott! Wenn eS gebrannt hätte, konnte ber Trubel nicht schlimmer sein. Die Scheere, wo ist die Scheere! Alles suchte, stürzte, jammerte. Unb ich, wie ein Helb, marschtrte zur Großmutter unb sagte: „Ach, bie Scheere, Ohma? Sei nicht böse, bie hatte ich vorhin mit mir genommen, — hier ist fie." „Junge!" Zunächst erhielt ich eine Ohrfeige unb bann würbe bie Scheere sorgsam von allen Setten tnspicirt — bem Himmel sei Dank, man sah nichts von bem Unheil. Hierauf hielt mir Ohma eine lange Rebe über bie Heiligkeit solcher Gegenstänbe unb bie Folge bavon war, baß tch jegliches Interesse für bie Scheere verlor. Lange, lange Jahre später kehrte ich als Referendar in bas HauS meiner Großmutter zurück, welches ich als Student verlassen hatte. Ohma war alt unb gebrechlich geworden, aber bennoch hielt sie mich an eisernem Zügel, denn ich war gänzlich von ihr abhängig. Währenb ich eines TageS im eben frühlingSgrünen Garten meine Etgarrette rauchte, fiel mir bie alte Scheere wieder ein — unb Lotti. Unb in demselben Augenblicke tauchte am Gitterthor eine reizenbe junge Dame auf, welche unzweifelhaft Lotti war, Lotti, zwanzigjährig unb bilbhübsch. Und ihr ehemals röthlicheS Haar umbauschte jetzt in brouce» farbigen, modischen Wellen ihre Stirn. Sie ging mit lächelndem Gruß auf daS HauS zu. „Lotti!" rief ich ohne Umstände unb schüttelte ihr herz- haft die Hand. „Wie find Sie schön geworden." „DaS kann mau von Ihnen nicht sagen," antwortete fie lachend, „Sie find ja ein Riese, ein Hüne — viel zu groß!" Ich lachte auch, denn in der That blickte ich von beträchtlicher Höhe auf fie herab. „Dafür kann ich nichts — so wenig wie Sie für Ihre Schönheit," versetzte ich . . . Verkehren Sie bei meiner Großmama?" „Ich bin nur ihre Vorleserin — und ich muß wich beeilen, sonst bekomme ich Schelte." Kopfnickend eilte fie ins HauS und ließ mich in hellen Flammen zurück. Gerechte Götter, waS war daS Mädchen doch entzückend! Diese Anmuth, der feine Umgangston, der sich in Gruß unb Gang offenbarte, unb bie schelmischen Grübchen in den frischen Wangen! Neugierig schlich ich mich in daS Zimmer neben ber Wohnstube, wo LottiS klare Stimme erklang. Sie las altmodische Sachen unb bann auch wieber ganz Modernes vor- Großmama hörte behaglich zu und — ich auch. — Als die Stunde vorbei war, trat ich zu den Damen und Großmama hörte mit Erstaunen von unserer Jugendfreundschaft. Eine kleine Wolke des Mißvergnügens legte fich über ihre Stirn und als Lotti fort war, erklärte fie mir, „baß sie nicht gesonnen sei, thörichte Liebesgeschichten unter ihren Augen zu bulben." Ich verwahrte mich mit männlichem Stolz gegen solche Voreiligkeit, aber fie ließ fich nicht überlisten. „Erwin, mein Junge, ich kenne Dich zu genau! Leun Deine Augen so glitzern, bist Du verliebt — dar war sch,, so, als Du noch Srcundaver warst. — Du bist ja alt genug, um den Rath Deiner alten Großmutter entbehren z, können, aber baS sage ich Dir, in Bezug auf Deine künftig Frau werbe ich sehr wählerisch sein." Ich wollte aufbrausen unb ihr sagen, baß wählerisch i, biese« Falle nur ich allein zu sein hätte — aber ednt Achtung vor ihre« weißen Haar schloß mir auch jetzt fcti Mund wie so oft. — Verstimmt verließ ich baS Zimwer unb beschloß, mich in keiner Weise von Großmama beirre, zu lassen. Die Sache kam, wie eS ganz natürlich war: Lotti ich würben einig, ehe zwei Wochen in» Land gegangen tonte unb ich hatte Großmama meine unwiderrufliche Berlobeeg mit Lotti kundgegeben. „Dann warte, bis Du selbst eine Frau ernähren kannst,« sagte fie kalt. „Von mir bekommst Du keinen rothen Heller Zulage mehr, sobald Du hetrathest." Die Borlesestunden hatten natürlich aufgehört und Voth unb ich sahen eine lange Zeit schwerer Kämpfe vor hbI Daß ich schließlich siegen würde, wußte ich wohl, aber »st sollte die schlimme Zeit bis dahin vergehen? Lottis Vater war längst tobt unb fie hatte da» kläre Häuschen unb ein paar tausend Mark geerbt. Dort Itkt sie nun unter bem Schutze einer alten Verwandten und der. biente fich hier unb da etwa» dazu. Großmutter that nach ihrem UriheilSspruch, al» wdr absolut nichts vorgefallen. Sie fuhr jeden Nachmittag * mir spazieren unb stieg bann im Walde auS, wo fie m meinem Arme ein wenig umherging unb allerhanb Zeng p „Walbmosaik" in ihren Arbeitsbeutel sammelte. Dies» Arbeitsbeutel enthielt zu meinem unsäglichen Amüsement aast jedeSmal die heilige Scheere, zu welcher fie eine mit ki Alter zunehmende kindische Zuneigung gefaßt hatte. (Schluß folgt.) ■ Aliceschule. Der Unterricht in sämmtlichen Curseu beginnt Moutag den 13. April. Hauptaufnahme: Morgens 10 Uhr im Schullocal. Vorherige Anmeldungen nimmt Fräulein Möser, Oberlehrerin, Garten- ftraße Nr. 30, entgegen. 3225 Alice-Schule. Die Kochschule beginnt Montag den 13. April, Vormittags 8 Uhr. 3169 Anmeldungen nimmt entgegen Fräulein Nenner in der Aliceschule. Allgmkiner Mein für Armen- und Krankenpflege. Wir benachrichtigen unsere Mitglieder, daß unsere Dienerin, Frau Bickel, mit der Erhebung der Jahresbeiträge für 1896 beauftragt ist. Solchen, die noch nicht Mitglieder sind, wird durch Vorlegung der Liste Gelegenheit gegeben werden, sich als Mitglieder einzuzeichnen. Wie wir in unserem Jahresbericht mitgetheilt haben, haben wir die Mittel zu dem dringend nölhigen Neubau unseres Schwesternhauses durch Ausgabe verzinslicher Schuldscheine beschafft. Wir haben dafür in dem kleinen Kreise, an den wir uns gewandt hatten, ein sehr dankenswerthes Entgegenkommen gefunden, und es sind uns auch einzäne namhafte Geschenke zugewandt worden. Nichtsdestoweniger haben wir uns damit doch eine bedeutende Schuldenlast aufgeladen. Den Muth dazu fanden wir in dem Vertrauen, daß die Freunde unserer Sache uns durch kräftige regelmäßige Beitragsleistungen, wie seither, so auch ferner in den Stand setzen werden, die großen und mannigfaltigen Aufgaben unseres Vereins zu erfüllen. Wir hoffen, uns darin nicht getäuscht zu haben und bitten daher um freundliche Ausnahme unserer Sammlung. 3051 Gießen, den 28. März 1896. Der Vorstand: Fr. Dr. Brüel. Fr. Baron v. Gagern. Fr. L. Homberger. Fr. Professor Siebeck. Frl. P. Stammler. Fr. A. Weidig. Frl. Windecker. Frl. Wort- mann. Frl. I. Zimmermann. Herr Juftizrath Baist. Herr Director Bansa. Herr Dr. Baur. Herr Pfarrer Dingeldey. Herr Amtsgerichtsrath Dornseiff. Herr E. Kauffmann. Herr Metzgermeister I. Klein. Herr Pfarrer Schlosser. Herr Karl Schwan een. Herr R. Stuhl. Herr Stadtverordneter H. Vogt. Herr Revisor A. Wilker. Herr Beigeordneter Wolff.________________________________________________________________ Damen- Harderobe -Auschneide-Schute Grünbergerstr. 16, Mittelbau. Elegantes Schnittzeichnen, sowie gründ!, prakt. Unterricht wird ertheitt na$ den neuesten Facons in Eostumes, Mänteln und Kmderkleidern. Eintritt jeden Montag. Anfertigung eleganter Damenkleider im Hause. Achtungsvoll Lin» l*etri, gepr. Lehrerin. Gießener DamenbekleldungsWe. Beginn des nächsten Eursu» den 14. April. Anmeldungen werden jederzeit entgegen genommen. Aach werden daselbst Eostume angefertigt. Math. Müller, 3166 Steinstraße 68, Vorderhaus. Farben, Lacke und Firnisse aller Art liefert tu besten Qualitäten billigst August Noll, 2659 Bahnhofstr. 51. — Telephon 102 Vergebung von Banarbeite«. Die bei der Herstellung der Canalifirnug des chemischen Laboratoriums, sowie des rückseitig gelegenen Theiles des Universitätsgebäudes zu Gieffeu vorkommendenArbeiten, als: 1) Assheben von Rohrgräben für Haupt- und Nebenstränge (ca. 400 Ifdm), 2) Verlegen glasirter Steinzeugröhren von 10—17,5 cm lichter Weite, nebst Liefern und Versetzen von Sandfängen und Sinkkasten, zus. 14 Stück, 3) Herstellen von vier größeren Revisionsschächten, 4) Abbruchsarbeiten des alten Canals, sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Die Angebotsunterlagen können im Amts- local unterzeichneter Behörde, Goethe- straße 52, eingesehen und Angebotformulare daselbst bezogen werden. Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um diese Arbeiten und ihre Ausführung wird auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 verwiesen. Die Angebote sind bis Donnerstag den 16. April 1896, Vormittags 11 Uhr, ebendaselbst einzuretchen. Zuschlagsfrist: 14 Tage. Gießen, den 28. März 1896. Großherzogliche Baubehörde für die Universitäts-Neubauten. Reuting. 2979 Verdingung von Pftasterarbeit. Die laufende Unterhaltung des Straßenpflasters ,im Rechnungsjahr 1896/97, veranschlagt zu 2000 qm, soll Lamstag den 11. April d. I., Vormittags ll1/, Uhr, öffentlich verdungen werden. Bedingungen und Arbeitsbeschreibung liegen zur Etnsicht der Interessenten bet uns während der Dienststunden offen. Angebote auf Vordruck, der von uns zu beziehen ist, sind bis zum genannten Termine einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 31. März 1896. Das Stadtbauamt. Schmandt. 3213 Verdingung. Die zur Aufstellung von Ruhebänken in verschiedenen Anlagen und auf dem Friedhöfe erforderltchen Arbeiten, wie: Maurerarbeit (Versetzen der Postamente), Steiuhauerarheit (Lungsteinlieserung), Schreinerarbeit (Herstellung der Sitze), Echlofferarbeit (desgletchen), Weißbinderardeit (Anstrich der Bänke) sollen öffentlich bei uns verdungen werden und ist Termin hiersür auf Dienstag den 14. April d. I., Vormittags 11 Uhr, festgesetzt. Zeichnungen, ArbeitS- beschretbung und Bedingungen liegen bei uns während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der bei un» erhältlich, sind bi» zum genannten Termine einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 31. März 1896. Da» Stadtbauamt. Schmandt. 3212 Samstsg Örn 2 Mai, Nachmittag» 2 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht die bem Martin Lämmer in Gießen an nach- stebi nder Hofraithe, gehörige ideelle Hälfte: Flur 1 Nr. 4*/io — 231 qm in der Neustadt öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 20. März 1896. Großh OrtSgericht Gießen- ____________I. A-: 2733 Verdingung von Kieslieferung. Die Lieferung und Anfuhr de» im Rechnungsjahr 1896/97 zur Unterhaltung der Schoor- und Anlage wege rc. erforderlichen Lahukiefes (Naturkies), insgesammt 1000 cbm, soll Samstag den 11. April d. I., Vormittags 11 Uhr, oosweise oder im Ganzen vergeben werden. Es umfaßt: Loos 1 . . . 300 cbm LooS 2 . . . 400 cbm LooS 3 . . . 300 cbm Die Lieferungsbedingungen liegen >ei uns während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind bis zum genannten Termine einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 31. März 1896. Das Stadtbauamt: Schmandt. 3211 Holz-Versteigerung. Es werden versteigert: Dienstag den 7. April d. I in dem District Franzenwald ai< den Abtheilungen Hexenbusch, Tiefe» Thal, Fuchsbau, Tannacker, Rehloch nnd Günthcrsgrab: Nutzholz: Eichen: 15 Derb- Mangen mit 0,68 fm. Brennholz Buchen: 2 rm Knüppel; Erche» 12 rm Knüppel, 5820 Wellen, 140nn Stöcke. Nadelholz: 143 m Knüppel, 2530 Wellen, 50 rm Stöcke. Weichholz: 4360Beten, 106 rm Stöcke. Zusammenkunft Vormittag» 9 Uhr bei dem Uebergang über bie Bahn auf der Schützenschneise. Nähere Auskunft erteilt der Großh. FÜcher Menges, Großen-Linden. Gießen, den 27. März 1896. Großh. Oberförsterei Schiffender-. 3012 Heyer. I Jur Konfirmation empfehle: «olbetu Herrs» Uhren Rt von 40 er . »oldeue Dams» abrtti RL oonHOJlir. Silberne Heere» $ Uhren Rt. von 16^4« Silberne u» «hre« Rt. von 19 ^l an Nickel-Uhren Rt. von 12 x «n Außerdem alle Arten Uhrfrttt» Halsketten Kreuz,, Ringe Brocken Lhrringe re. in größter Auswahl den billigsten Preisen. 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