Sonntag den 5 Januar 1S96 M. 4 Zweites Blatt. Der Wltwtt Anzeiger «scheint täglich, att Ausnahme bei Montag-. Die Vießener ,A«mlrteo vtätter werben dem Anzeiger »Lchentlich dreimal bdgelegt Gießener Anzeiger Kenerat-Ztnzeiger. vierleltährlger AvonncmentrpretA r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Uedaction, LxpeditioO und Druckerei: Kchntstratze Ar.I« Fernsprecher 51. # Aints- unfc Atrzeigebltrtt für bett Krefe Giefzen. | Hratisbeitage-. Hießener Kamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Ausländer nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmtlid?er Theil. Gießen, 3. Januar 1896. Betr.: Das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an das Großh. Polizeiamt Gießen mnd die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vöm 26. Februar 1886 (Anzeigeblatt Nr.. 46) sehen wir der Einsendung der vorschriftsmäßigen Auszüge aus der von Ihnen zu führenden Tabelle über die im Jahre 1895 vor« genommenen Untersuchungen von Nahrungsmitteln und Ge. brauchsgegenständen bis zum 20. Januar d. I. entgegen. Sie wollen in der Tabelle auch angeben, bei welcher Stelle (z. B. dem chemischen Untersuchunqsamte für die Provinz Oberheffen) die betreffenden Untersuchungen stattgefunden haben. Die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden werden diesbezüglich auf unser Ausschreiben vom 26. März vor. I. (Anzeiger Nr. 75, betr.: Ausführung der Controls von Nahrung«» und Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen durch das chemische Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen in dem Kreise Gießen) hingewiesen. v. Gag ern. Bekanntmachung, betreffend das Ersatzgeschäfl für 1896. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahre 1876 geborenen Militär- pflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt habe«, oder in demselben als Studenten, Gymnafiaften und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schaftsbeamte, Handlungsdtener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgefordert, sich behufs E ntiagung ihrer Namen in die Stammrolle, in der Zeit vom IO. bis zum 25. Januar l. I. bet der Bürger- meisteret threS Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden, und dabei, wenn sie an diesem Orte nicht geboren find, ihren Geburtsschein, welcher nunmehr von dem betreffenden Standesamt zu erwirken ist, und wenn fie fick bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren LoosuugS-Schein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlaffen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschloffen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden. Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrtkherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Großherzogltchen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu laffen. Gießen, den 3. Januar 1896. Der Civtlvorfitzende der Großherzogltchen Ersatz-Commission Gießen. Dr. Melior. Der Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches. Mit dem bevorstehenden Wiederbeginn seiner Arbeiten im neuen Jahre wird der Reichstag auch an eine Aufgabe herantreten, wie sie von solcher Bedeutung und Wichtigkeit, und zugleich von solchem äußerlichen Umsange, die deutsche Volksvertretung seit Jahren schon nicht mehr beschäftigt hat. Denn wie bestimmt verlautet, wird der Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches im Laufe des Januar an den Reichstag gelangen, und steht eS zu erwarten, daß alsdann daS HauS ohne Zögern die Berathung dieses gewaltigen gesetzgeberischen Materials beginnen wird. Man darf wohl hoffen, daß sich die deutsche Volksvertretung bet den Verhandlungen über daS bürgerliche Gesetzbuch vor Allem von patriotischen Erwägungen und großen nationalpolitischen Gesichtspunkten leiten laffen wird, handelt eS sich doch um daS endliche Zustandekommen der langersehnten Recytseinheit unseres Volkes, durch welche daS gewaltige Bauwerk des deutschen Reiches erst seine eigentliche Krönung ersahren würde. Denn daS bür gerliche Gesetzbuch, welches jetzt nach mehr als 20 jähriger mühevoller und gewissenhafter Vorarbeit dem Reichstage zur Beschlußfaffung unterbreitet wird, ist bestimmt, dem bunten Durcheinander deS bisherigen Rechts in Deutschland mit hundertlei verschiedenen Arten von Laudrechten, Gaurechten, Loealrechten u. s. w. ein Ende zu bereiten, und an seiner Stelle ein der politischen und nationalen Einigung Deutschlands entsprechendes einheitliches Recht zu setzen. Man kann der zweiten Commission, welche sich sieben Jahre lang mit der Prüfung und Umarbeitung des ursprünglichen EntwurseS deS bürgerlichen Gesetzbuches beschäftigte, das Zeugniß nicht vorenthalten, daß fie es hierbei verstanden hat, bei allem Festhalten an den praktischen Bedürsniffen deS Lebens im neuen Reiche doch auch gewiffe hergebrachte particulare Eigenheiten möglichst zu schonen, und dergestalt manche tiefeingewurzelte Anschauungen mit dem erstrebten einheitlichen Rechte nach Kräften in Einklang zu bringen. Demnach stellt das Werk des bürgerlichen Gesetzbuches in seiner jetzigen Gestalt keineswegs einen radtcalen Umsturz aller unserer Einrichtungen und Gepflogenheiten auf dem Rechtsboden dar, sondern gewtffermaßen eine Verschmelzung älterer und neuer Zeit, welcher Charakter gewiß nur dazu dienen wird, die Einführung des künftigen Gesetzbuches zu erleichtern. Nicht verkennen läßt sich, daß der Entwurf deS bürger- lichen Gesetzbuches sowohl in Laienkreisen, wie im Juristen- stande bereits auf zum Theil recht lebhafte Gegnerschaft gefloßen ist. Man har hierbei dem großen Werke Vorwürfe nach verschiedenen Richtungen hin gemacht, namentlich soll ihm recht sozialer und wahrhaft deutscher Geist fehlen, es soll keine volkSthümliche Sprache reden, und die meisten RechtSsragen in abstracter, unpractischer Weise behandeln. Aber diesen Einwendungen steht wiederum die schon öfters von ganz hervorragenden RechtSlehreru, u. A von dem berühmten Leipziger Juristen Profeffor Sohm, ausgesprochene Ueberzeugung deS entschieden größten TheileS unserer Juristenwelt gegenüber, daß der vorliegende Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches seiner Bestimmung im Großen und Ganzen gerecht werde, und besonders gerade das soziale Wohl neben dem Jntereffe des Einzelnen berücksichtige. Allerdings ent* hält die Arbeit, wie man auch von letztgenannter Seite unumwunden zugiebt, noch eine ganze Anzahl mehr oder weniger hervorstehender Fehler und Mängel, aber dieselben werden Feuilleton. In Pari». Erzählung auS dem KriegSjahre 1870/71 von C. v. Falkenberg. (4. Fortsetzung.) Aber daS Renommiren half den Parisern nichts. Die deutschen Truppen erschienen bald in der Nähe von Paris. Die Vororte mußten geräumt werden und bald war Paris mit dem eisernen Gürtel deutscher' Belagerungstruppen umfaßt. Auch die Familie Lacroix wußte ihren Landsitz zwischen Paris und Versailles aufgeben und ihr HauS in der Rue deS ClochetteS in Paris beziehen, wo jetzt auch Ernest wohnte. Einige Zeit hegten die Pariser von ihrer Widerstandskraft noch fabelhafte Hoffnungen, aber die Siege über die Belagerer blieben auS. In Paris wurden ferner mit der zunehmenden Belage« rungSnoth und Theuerung — ein Pfund Cervelatwurst kostete schon nach wenigen Wochen 15 Francs, ein Pfund Rindfleisch 22 Francs — alle Leidenschaften der leicht erregten Bevölkerung wach und fanatische Geister gelangten zu Einfluß in der Führung der öffentlichen Angelegenheiten. Schon hatte sich die Gruppe der Communisten in der Kammer enger zusawmengeschloffen, schon spielten einzelne Revolutionäre eine große Rolle bei dem Volke. DaS Pariser Volk sehnte sich eben immer nach neuer Veränderung! Zu diesen Menschen gehörte in dem Viertel, wozu auch die Rue Dupreil zählte, Monsieur Longtrard, der Freund RougimontS, jetzt Capitän der Nationalgarde. Don dieser wurde der Sicherheitsdienst auf der Straße gehandhabt. Der Befehlshaber von Paris, General Trochu, der den Mann des Volkes spielte, hatte sich mit der allgemeinen Einrichtung der Nationalgarde bei der Bevölkerung einen Stein ins Brett gesetzt, während er zugleich damit verdeckte, daß nicht viel Liniensoldaten zur Vertheidigung der Riesen- lestang zur Hand waren. * * Ernest Robin besuchte auS Vorsicht die Straße Dupreil nur zur Abendzeit, obwohl ein Zusammentreffen mit Adolphe Rougimont, der ihm allein Widerwärtigkeiten bereiten konnte, nicht gerade zu sürchten war. Niemand ahnte, daß der Schurke Rougimont das HauS, worin Cecile wohnte, Tag und Nacht umschlich. Eines Abends hatte Ernest die Straße Dupreil noch nicht erreicht, da seffelte seine Aufmerksamkeit ein Volksauflauf, welcher mit Waffengewalt unterdrückt werden mußte. Nationalgarden schloffen einen Bäckerladen, den der hungernde Pöbel von Paris stürmen wollte. Plötzlich hebt Ernest den Blick und schaut in daS erstaunte Gesicht — RougimontS. „Ein preußischer Spion! Ein preußischer Spion!" ruft da der Schurke mit lauter Stimme und läuft dem rasch Davonschreitenden nach. „Ein Spion!" schreit er immer fort, und die Volksmenge, die jetzt einen anderen Zeitvertreib in Aussicht hat, stürmt hinter Ernest drein. Bald ertönen wilde Rufe: „Haltet den Spion? Paris ist verrathen! Hängt den Spion! An die Laterne mit dem Berräther!" Capitän Longirard war auch gleich mit Nationalgardisten zur Hand und besetzte den HauSeingang bet Eclairs. Ernest stürzte leichenblaß in MortnS Stübchen und rief: „Rasch, rasch, Vater Morin! Rougimont und eine böse Rotte ist hinter mir! Der Elende hat mich für einen Spion erklärt." Der Alte hörte das Getobe des Pöbels und stieg schnell mit Ernest die verborgene Treppe zu den Katakomben hinab, wo sich Ernest in einem dunkeln Winkel verbarg. Dann eilte Morin zurück, um dem Pöbelhaufen entgegenzugehen. Longirard führte das große Wort. Ein Spion sei inS Haus gelaufen, er müffe ihn verhaften. „Sie irren!" sagte Morin ruhig. „Hier ist Niemand!" Da trat Rougimont vor und schrie: „Alter Fuchs, Du spielst mit Robin unter einer Decke! Du bist von Cecile, welche den Preußen liebt, gekauft, um ihm beizusteheu." „Schämen Sie sich!" entgegnete der alte Mann, und zu dem Capitän gewandt, sagte er: „Durchsuchen Sie daS Haus!" „Ja, sucht!" gebot der Capitän seinen Leuten. Aber jetzt trat Herr Praille, der als angesehener Republikaner mit in der Regierung saß, den Leuten entgegen. „WaS wollen Sie hier, Capitän?" frug er. „Einen Spion fangen!" war die Antwort. „Aber das ist wohl ein Jrrthum! Wie soll in die belagerte Stadt jetzt ein Spion kommen? Auch gibt es hier nicht- zu sptontren." Jetzt rief aber Rougimont frech: „Wenn Herr Eclair, Ihr Compagnon, seine Tochter mit einem hergelaufenen Deutschen verlobt, so ist hier Alle- möglich !" Ein furchtbarer Knall überhob Praille der Antwort. Eine Bombe auS den weittragenden Geschützen der.Belagercr fiel auf der Straße nieder, explodirte und tödtete und verwundete mehrere Schreier. Außerdem flogen Glasscherben von zertrümmerten Fenstern und Thüren umher. Wie weggefegt war gleich darauf der Pöbelhaufen: „Diese Preußen beschießen die Stadt!" schrie man entsetzt und floh nach allen Richtungen. Auch Capitän Longtrard verschwand sammt seinem Freunde Rougimont und den Nattonalgardiften. Ernest Robin wartete inzwischen unten in den Katakomben zwei lange, bange Stunden vergeblich und hielt sich schon für verloren. Da erschien endlich der ehrwürdige Morin, erzählte Ernest, daß eine einschlagende Bombe die Schreier sammt den Nationalgardisten vertrieben habe und führte dann Ernest durch die Katakomben zu Matthieu, wo er einstweilen in einer Kammer versteckt wurde, da man zunächst gar nicht wußte, wohin man den Verfolgten bringen sollte. ES war gegen Ende November und die Dinge fingen an für die belagerte französische Hauptstadt sehr bedenklich zu werden. Die Lebensmittel wurden jeden Tag theurer. Fast sämmtliche Zugpferde, soweit ^sie nicht von der Armee bereits in Anspruch genommen waren, wurden auSgemustert und geschlachtet, um den Hunger der Bevölkerung zu stillen, sich zweifellos später meistens noch auSmerzen lasten. Worauf eS jetzt zunächst ankommt, ist, daß das hochwichtige gefetz geberische Werk endlich einmal unter Dach und Fach gelangt, da eS in seiner Gesammthe't doch immerhin e'nen gewaltigen Fortschritt für unser Volk in wiflenschaftlich-rechtlicher Be- ztehung, wie auch nicht minder in politischer, wirthschaftlicher und sozialer Hinsicht bedeutet. Hoffentlich wird darum der Reichstag alle kleinlichen Bedenken gegen den Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches fallen lasten, und das seinige dazu thun, daß derselbe noch im Jubeljahre der Proclamirung des deutschen Kaiserreiches nunmehr zu Stande komme. Der Krieg von 1870J71, geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.) 6. Januar. Die Pariser haben den Deutschen mancherlei zugetraut, nur nicht dieses Feuer. Die Artilleristen des Forts RoSny gestanden am ersten Tage des Bombardements, diese» Feuer sei gewaltiger, als das bei Sebaftopol. Die deutschen Bomben hätten alles durchschlagen und man hätte trotz der stärksten Werke daS Gefühl vollständiger Schutzlosigkeit. — Es wird auch sehr unbehaglich in Parts selbst. Die deutschen Granaten fliegen in Menge (in einer Nacht 2000) in die innere Stadt, sie haben in dem Pantheon, im Odeon, auf den Straßen und Plätzen bereits Tod und Verderben angerichtet; an einem Tage wurden in den Straßen 15 Menschen ge- 1 übtet und viele Häuser gingen in Flammen auf. DaS Wort Capitulation tritt unwillkürlich den Parisern auf die Zunge, sie sträuben sich aber noch, eS auszusprechen. Trochu weift in einer Proclamation die Capitulation zurück und die Barrikaden« Commission hat geschworen, Paris Schritt vor Schritt zu vertheidigen. Die Generale Ducrot und Peltsfier wurden in den FortS durch Bombensplitter verwundet. In Paris werden jetzt täglich 650 Pferde geschlachtet und verzehrt, auch die beiden letzten Elephanten und Bären im Pflanzengarten find den Weg allen Fleisches gegangen, daS Pfund Bärenfleisch kostete 14 Francs. Die Bärenköpfe wurden im Schaufenster ausgestellt. „So möchte ich die Köpfe Bismarcks und Rockns sehen", sagte ein Vorübergehender laut, 6. Januar. ZeitungS - Ragout von französischen ProviantirungS- Artikeln: Paris ist dem Hungertode nahe (Bosfische Zeitung)- unser Parlamentär fand den General Trochu mit seinem ganzen Stab^bel einem lucullischen Male (Spenersche Zeitung) und eine Frau mit sieben Kindern wurde gestern begraben, die in den letzten 14 Tagen nur von alten Schuhsohlen gelebt hatten (Provincial-Zettung). Es ist schreckhaft zu sehen, wie in Par,S die saftigsten Bratenstücke vergeudet werten (National-Zeitung) und eine ganze Pension junger Mädchen liegt im letzten Stadium des Hungertyphus (Nordd. Allgem. Zeitung). Säuglinge werden in frischer Kuhmilch und Greise in starker Rinderboutllon gebadet (Kreuz - Zeitung), ebenso werden Pferdehufe seit Wochen zu den Leckerbiffen gezählt (Publizist). Parts wird durch den Hunger zur Uebergabe gezwungen (Staats - Anzeiger), denn es tst mindestens noch sechs Monate mit Proviant versehen („Post"). Nach officiösen telegraphischen Depeschen hat am 5. Januar früh 9 Uhr die Beschießung der Süds orts von Parts, bei 9 Grad Kälte ohne Schnee, begonnen. Die Beschießung der Ostfront wird ebenfalls energisch fortgesetzt. 8"' mmö / □ Ruppertenrod, 30. December. Eine eigen thum- liche So ldaten liebe bekundete der Hund, eine Art Dogge, des hiesigen GaftwirthS I. Schmidt. Als im Herbste d. I. die hier im Quartier befindlichen weißen Dragoner aus Darmstadt abrückren, um in der Richtung nach Fulda hin zu manüveriren, war auch der Hund des genannten GaftwirthS verschwundon. Er war mit den Dragonern gezogen und im Manövergelände bei Fulda gesehen worden. Nach Beendigung der dortigen Corpsmanöver kam der Hund zu seinem Herrn zurück, hielt sich aber nur kurze Zeit auf und verschwand wieder. Nach hierher gelangten Nachrichten hatte man den Hund in Darmstadt bemerkt. Er war also mit seinen geliebten Dragonern zur Garnison zurückgekehrt. Sein Herr hatte seit dieser Zeit den Hund fast vergessen, aber wer beschreibt sein Erstaunen? — am ersten Weihnachtsfeiertag kehrte der Vermißte unvermuthet zurück. Ob er bloß auf WeihnachtSurlaub gekommen, oder seinen ständigen Aufenthalt wieder bei seinem alten Herrn erwählt, bleibt abzuwarteu. Jedenfalls aber ist diese Zuneigung eines HundeS zum Militär eine bemerkenswerthe. § Ans dem Kreise Alsfeld, 30. December. Der letzte, dritte Weihnachtsfeiertag ist nach alter Sitte in unserem Kreise der Wechselpunkt der Dienstknechte und Dienstmägde. Dieser Wechsel, der fich früher unter Sang und Klang vollzog, wird in viel stillerer Weise bewerkstelligt. Nur vereinzelt noch begleiten Kameraden oder Kameradinnen den aus dem Dienste gehenden Knecht oder die in einen neuen Dienst tretende Magd. Dieser Dienstbotenwechsel gibt Veranlaffung, eine Parallele zwischen den heutigen und früheren Löhnen für das Gesinde zu ziehen. Vor dreißig Jahren bekam eine tüchtige Magd einen Lohn von 15 bis 20 Gulden — 25 bis 33 Mark, ein Knecht erster Güte 70 bis 80 Gulden ----- 120 bis 137 Mark. Gegenwärtig erhält eine gute Magd einen Lohn von durchschnittlich 170 bis 300 Mark, ein tüchtiger Knecht 300 Mark. Die heutigen hohen Löhne für daS Gesinde find im landwirthschaftlichen Betriebe ein Ausgabepunkt, der vor allen anderen erschwerend inö Gewicht fällt. Ein Landwirth, der zu seinem Gute einer Magd und eines Knechtes bedarf, muß an Gesindelohn jährlich die Summe von ca. 500 Mark aufbringen. Bei dieser außerordentlich hohen Ausgabe steht die Einnahme aus Getreide im umgekehrten Verhältniß zur Zeit der niedrigen Gefindelöhne. Damals erhielt der Landwirth das Malter Weizen mit 24 bis 28 Gulden — 41 bis 48 Mark bezahltheute erzielt er fast nur den vierten Theil des damaligen Preises. Allerdings verwandelt fich die Zeit und wir mit ihr- aber Thatsacke bleibt eS, daß die Gefindelöhne gegenwärtig zu hoch bemessen find in Hinsicht der Rentabilität deS land- wirthschaftlichen Betriebes. Neu Ulrichstein, 28. December. In unserer Arbeiter- colonte wurde am vergangenen Montag das WeihnachtS- fest auch Heuer wieder in, erhebender Weise gefeiert. Im Speisesaal waren zwei große, schön geschmückte Christbäume ausgestellt worden, unter deren Lichterglanz sich am Abend die Beamten und Colonisten versammelten. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Liede: „O du fröhliche, o du selige", worauf der evangelische Geistliche, Herr Pfarrer Jaudt von Maulbach (der katholische, Herr Pfarrer Seipel, war durch Krankheit verhindert, der Feier beizuwohnen) ein Gebet sprach und baß Weihnachts-Evangelium verlas. Nacb dem Gesang des Liedes „Jauchzet, ihr Himmel" folgte die zu Herzen gehende WeihnachtS Predigt des Pfarrers, worauf das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht" die Andacht beschloß. Bei der nun folgenden Verkeilung der Geschenke wurden sämmtliche Colonisten, 107 an der Zahl, reich bedacht. Sie erhielten theilS Hemden, theilS Unterhosen, Socken und Taschentücher^ sowie Cigarren, Aepfel und Nüffe. Die Soften der Be- scheerung wurden auS der Hauptkasse und aus den von drei Vorstandsmitgliedern im Betrage von 40 Mk. gespendeten Gaben bestritten. Außerdem hatten der Frauenverein in WormS und Fräulein von Follenius in Darmstadt Strümpfe, die Herren I. Marx in Kirtorf, Gail und TribuS und Sunt- heim in Gießen Cigarren geschickt. Allen freundlichen Gebern gebührt unser aufrichtiger Darf. * Die gekrankte Unschuld. DaS „Mainzer Journal" berichtet über folgenden Scherz, der sich in Darmstadt abgespielt haben soll: Einer der dort bet einer Weinknelperet betheiligten Herren kam nämlich in fröhlicher Laune auf den Einfall, fich heimlich ein GlaS Essig geben zu laffen. ^Rufen Sie mal den Wirth", wurde bann bem Kellner befohlen. Hurtig eilt ber Gastwirth herbei, um fich nach den Wünsche« seiner Gäste zu erkundigen. „Aber, Herr Wirth, soll daß Winkler Hasensprung sein, kosten Sie doch selbst einmal, wie sauer daS Zeug ist!" Nichts ahnend setzte der Wirth daS GlaS an den Mund und nimmt einen festen Schluck. Zwar verzieht fich sein Geficht sofort in Mitleid erregender Weise und man sieht, wie die Säure seinen Gaumen prinigt. Aber daß es Esfig gewesen ist, ahnt er nicht, und auf feinen Wein darf er doch nichts kommen lasten. Mit heroischem Muth bringt er also feine Mienen wieder in Ordnung und meint dann mit dem Tone gek.äukter Unschuld: „Na, tin dem Wein ist doch nicht- auSzusetzen." * Daß Wiedersehen oft auch traurig machen kann, da» hat ein junger WeihnachtS Urlauber eines Posener Regiment- erfahren wüsten. Der Soldat hatte seit Sonntag Urlaub und kam nach Berlin, um die ©einigen zum ersten Male während seiner Dienstzeit besuchen zu können. Des Sonntags Vormittags hier angelangt, begab er fich unverzüglich nach der in der Brunnenstraße belegenen Wohnung der Eltern. Leise schlich er fich an die Thür, klopfte und da ihm nicht geöffnet wurde, öffnet er selbst. Hier aber bot sich ihm ein entsetzliches Bild: am Fensterkreuz hing die Leiche deS alten Vaters. Der Unglückliche, ein kranker Arbeiter, hatte sich kurz vor der Ankunft des Sohnes, während seine Frau und Tochter in der Kirche weilten, den Tod gegeben. * Elberfeld, 31. December. Heute Morgen 8 Uh- wurde der Mädchenmörder Blae sing aus Solingen durch den Scharfrichter Reindl hingerichtet. * Myslowih, 31. December. In Za borze-Poremb» kamen beim Brande eines Wohnhauses die Frau des Eisen- bahnarbeiterS Brontzel mit drei Kindern im Alter von dreiviertel, sechs und sieben Jahren in den Flammen um. * Leipzig, 31. December. DaS hiesige Landgericht verur- theilte den vormaligen Redacteur der „Leipziger Volkszeitung", Simon Katzenstein, wegen M a je ft ä t sb e lei di g u ng zu drei Monaten Gesängntß. ES handelt fich um eine Kritik ber Berurtheilung Liebknechts. * Ergebnisse der Volkszählung vom 2. December. Bonn 44,56Q (4- 4755), Augsburg 80,798, (-f- 5170), Regen«- bürg 41,317 (> 3380), Kaiserslautern 40,503 (-s- 3450), Ludwigshafen 39,503) (+ 7900), P rmafenS 24,400 (-1- 3360), Amberg 20,232 (+ 1150), Erlangen 20,42t (+ 3300.) ♦ Der deutsche Ceutralausschuß zur Forderung der Jugend- und BolkSspiele lehnte die Betheiitpung an den alle wer Jahre geplanten, 1896 in Athen, 1900 in Paris abzuhaltenden internationalen olympischen Spielen ab, weil daS dafür ein. denn eS hatte sich herauSgestellt, daß für die zwei Millionen Einwohner in Paris doch viel zu wenig LebenSmittelvorräthe vorhanben waren. Unter diesen Umständen steigerte sich die Wuth ber Pariser gegen die Deutschen bis zum sinnlosen Wahnwitz und ein auf ber Straße noch entdeckter Deutscher ober „Prassten", wie die Pariser in ihrer ebenso lächerlichen als blinden Preußenfresierei jeden Deutschen zu nennen pflegten, lief Gefahr, von dem fanatischen Pöbel sofort todtgeschlagen ober an einen Laternenpfahl aufgehängt zu werben. Da mußte Ernest Robin in Sicherheit gebracht werden, sonst war er, verfolgt und schließlich wiedererkannt, ein Kind deS Todes. Am Tage war er fast immer in den Katakomben und wurde von dem alten Morin mit Speise und Trank versehen, und nur Abends wagte er eß, fich in MatthieaS Wohnung zu schleichen, wo er auch manchmal seine Braut und deren Mutter sah. (Schluß folgt.) Wochenbrikfe aas der Residenz (Ortginalbericht beß „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 4. Januar. Aus dem Kuustlebeu. — Neujahr. — Feier bei 18. Januar. — Allerlei. Wir find unseren Lesern noch den Bericht über die festlichen Veranstaltungen, namentlich die Feiertagß-Vorstellungen im Hoftheater schuldig. Der 2. Feiertag brachte eine sehr gute Aufführung von Richard Wagnerß „Lohengrin", der hier seit Jahren zu den beliebtesten Opern gehört. BeiondereS Jntereffe erweckte die-mal der neue Vertreter der Titelrolle, Herr Basser mann, der schon durch seinen „Tannhäuser" seine große Befähigung für den Wagner'ichen GesangSsttl bekundet hatte. Der 3. Feiertag bescheerte dem Publikum der oberen Ränge nach altem Brauch eine Poffennovität „Der Mann im Mond", eine tolle Ver- wickelungßcomödie, die jedoch namenlosen Inhalts ist, maß man von den meisten gegenwärtig beliebten Schwänken nicht gehaupten kann und jedenfalls trefflich unterhält. Dank dem regen Eifer aller Mitwirkenden gelangte die Novität zu durchschlagender Wirkung und brachte einen hübschen Erfolg. Ein wirkliches künstlerisches Ereigniß jedoch wurde die Premiere von SmetanS tragischer Oper „Dalibor" am vergangenen Sonntag. Der „böhmische Richard Wagner" ist für Darmstadt keine unbekannte Größe mehr gewesen, seine reizende Oper „Die verkaufte Braut" wurde vor zwei Jahren aufgeführt, errang aber bei unserem in künstlerischen Dingen oft unberechenbaren Publikum nicht den verdienten dankenden Erfolg, der ihr sonst überall beschieden gewesen ist. Diesmal läßt sich Günstigeres berichten, 1 enn „Daliboi" sand eine glänzende Aufnahme und die berufene Fachkritik bezeichnete die Oper einstimmig als Meisterwerk, daß einen Ehrenplatz in ber Musikgeschichte beanspruchen darf. Die Handlung verwerthet eine böhmische Nationalsage, in deren Mittelpunkt der sangeßfrohe Held Dalibor steht. Allerdings ist da- Textbuch nicht frei von Mängeln. Oft stockt die Handlung, einzelne ©eenen wiederholen sich und wirken dadurch ermüdend, auch der Schluß ist nicht bühnenwirksam, doch neben den wunderbaren Klangbildern, die daS Orchester hervorzaubert, verschwinden diese Fehler als geringfügig. Namentlich der 2. Act ist reich an ganz herrlichen Orchester- stellen, daß große Duett zwischen Dalibor und Mtleda bezeichnet wohl deren Höhepunkt. Die Aufnahme beß grandiosen Werkes Seitens des Publikums war denn auch enthusiastisch und die Darsteller der Hauptrollen Frl. BorcherS und Herr Bassermann ernteten den Dank beß Publikums in reichem Maße. Hoffentlich ist unserer Hofbühne in dem Werke ein dauernder ZuwuchS zu ihrem Spielplan gegeben und Freude jedes Mufikverständigen, der nur bedauern kann, daß die Schöpfung des böhmischen Meisters ihren Lauf über die deutschen Bühnen so spät antritt. Sonst ist aus dem Kunstleben der abgelaufenen Wache nicht viel zu berichten. Am Neujahr-tcrge wurde der prächtig außgefiattete „SommernachtStraum" gegeben. DaS HauS erstrahlte auS Anlaß beß Festtages in strahlendem Lichtglavze und baß Großherzogliche Paar wurde mit lauten Hochrufen und dem Klang der Nationalhymne empfangen. Für die nächste Zeit steht als bemerkenswerthe Aufführung die erste „BolkS-Bor- stellung" in Aussicht, die am 11. Januar Schiller« „Räuber" bringen wird. Man ist sehr gespannt, ob daß Unternehmen Erfolg haben wird. Ueberhaupt dürste nach Mittheilungen in der Preffe der Spelp'an in den nächsten Wochen wieder eine größere Auswahl klassischer Vorstellungen bringen. Die Feier des Neujahr Stage« unterschied sich in nicht« von früheren. Wie alljährlich fand baß große Neujahrßeffen statt, die Galatafel im Neuen Palais wurde auf den 4. Januar festgesetzt. Der 18. Januar soll Seitens ber Stabt, wie schon in dem letzten Briefe gemeldet, festlich begangen werden. Da jedoch der Saalbau für den eigentlichen Festtag an bie „Humanitaß" vergeben ist, so wird man wohl, die Feier auf den 19. verlegen müssen. Am Freitag berathschlagte eine besonders berufene Versammlung über daß Festprogramm. Auf Anregung beß Herrn Oberbürgermeisters Morneweg beschloß man, eine gesellige Vereinigung mit patriotischen An» sprachen, vocalen und instrumentalen Vorträgen zu ver- , anstalten. Ein eigen- gewählte- Comits wird die Einzelheiten berathen und endgültige Beschlüffe faffen. Ob außer Seitens der „HurnanitaS" noch besondere Berein-veranstal- tungen aus dem gleichen Anlaß zu erwarten sind, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Am Hofe wird sich dieser Tage eine nicht unwichtige Personalveränderung vollziehen. Der seitherige preußische Gesandte, Graf Dönhoff, der etwa feit Jahresfrist hier verweilt, will in den einstweiligen Ruhestand treten, und aa feine Stelle soll der frühere deutsche Gesandte in Buenos- AyreS, von der Goltz, kommen. DaS Großherzogliche Paar nimmt am öffentlichen Leben zur Zeit regen Antheil. ES erscheint fast in jeder Vorstellung und in den öoncerten im Hoftheater und neulich besuchte die Großherzogin auch eine in der Freimaurerloge veranstaltete Chriftbescheeruug für arme Kinder. Don größeren Hoffestlichkeiten während der Ballsaison hört man noch nichts. Der Carneval zieht nun mit feinem munteren Treiben bald ein. Die „Nanhalla" steht die-mal an Stelle der „Carneval-gefellschaft" an der Spitze de» närrischen Lebens. Ueber das Programm für die Fasching--' zeit berichten wir im nächsten Briefe. ■«Jä» Ä: w?'n “on bul rzr-Porembt Zrau des Eisen« ti im Altrr von Flammen um. iandgeiicht verur« er Volkszeitung", Sbeleidigung I um eint Äiltit trnDflbtrM^- en alle vier Jahre !- abzuhaltendrn [ daS * ein» Btt*. Bonn 5170), Regen-« ,503 (+ SW, masenS 24,400 itlanfltn 20,421 Lw7--"' Im«1 ,a I« 9t(i' -il-k ’ -ivder. er ((|öt» 0* ® diesmal )Q8 Unternehmen ß Mthelluntzkn n Wochen wieder -en bringen, schied sich la "ichtS ;§e NeujahrSchn lU|b(n4.3anuar Stadt, wie W» «!«««'» n Festtag an # »«* °° ;tatWa«“ lS FW°-'°'«- „s Mornewes irW° £ - lt« fl«1' 1,1' ,1. intiW'l1 ««' " .,61« * z««iE ‘"fr”. >«,!(, ilf.it«. b“»taW« M; soll bat ^vch selbst Mnd nt einen fester ,rt in Mitleid Säure seinen « ist, ahnt er e kommen lasten. Mienen wieder gek.änkter Un- 'uszusetzev.« ehe» kann, da» euer Regiments iog Urlaub und »Male während Tvnntagi Bor« Üglich nach btt t Eltern. Leise m nicht geöffnet ihm ein tnk fl dir Leiche kranker Arbeiter, !, während seine en Tod gegeben. Morgen 8 Uh- Solingen durch gesetzte internationale Somit« offenbar die Mitwirkung deutscher Thetluehmer zu vermindern wünscht. * Von der amerikanische» Armee ist die Kopsstärke durch zwei Congreßacte vom Jahre 1869 und 1870 auf 25 OOU festgesetzt. Zur Zeit erreicht der Effectivbestand noch nickt einmal diese Höhe. ES zählen: der Generalstab 392 Ojfi ziere, das BerpflegungSwesen 58 Offiziere, 485 Mann- das Jnaenieurcorps 121 Offiziere, 500 Mann - Kavallerie (10 Regimenter) 432 Offiziere, 6050 Mann- Artillerie 230 Offiziere, 3675 Mann- Infanterie (25 Regimenter) 8.7 Offiziere, 12 125 Mann. Zwei Kavallerie- und zwei Infanterie-Regimenter bestehen aus Farbigen. Außerdem besitzt jeder Einzelstaat seine Miliziruppen, und da jeder omertkaniscke Staatsbürger vom 18. bis 44. Lebensjahre zum Heeresdienste verpflichtet ist. so berechnet sich die Ge° sammtstärke der amerikanischen Wehrkraft auf etwa neun Millionen Mann — auf dem Papier. • Uebirttitt der Juden zum Christeuthu« In den Jahren 1872 bis 1879 traten etwa 66 Israeliten jährlich über, 1880 waren es 120, 1888 erreichte die Zahl 348 und in diesem Jahre wird sie 500 »übersteigen. Der Hauptantheil kommt aus Berlin und zwar aus den Kreisen der Finanzwelt und der Akademiker. Bon letzteren sind es wiederum Juristen und Philologen. * «in kurzes Wort. Chrmicprofeffor (vortragend): „Durch diesen Proceß entsteht daS Trimethylderivat des Dtbenzhltricarbonfäuretmids, das wir, kurz gesagt, als Alpha- methyldibenzylorthosulphotricarbonsäuremethyl'midmethy'ester bezeichnen können. * Die Bescheernug. Die Gattin stickte, Die Aelteste stickte, Die Zweite stickte, Die Dritte stickte, Und Keine strickte Und Keine flickte. Nun hab ich vier Paar gestickte Schuh Und keinen ganzen Strumpf dazu. ItttivcrfUäi». Nachrichten. — Die Gesammtzahl der an den deutschen Unioer- sitäten, einschließlich Münster, immatrtcultrten Sludirenden beträgt 29117 gegen 29107 im letzten Sommer und 28 158 im vorigen Winter. Also wieder eine bedeutende Zunahme; überhaupt haben wir gegenwärtig die höchste Frequenz seit dem Sommer 1890, wo 29 318 Studenten gezeählt würben. Von der Gesammtzahl ent fallen 1450 (gegen 140t im vorigen Win er^, auf die katholische und 2917 (gegen 3084) auf die protestantische Theologie, 7791 (gegen 7432) auf dteJuristen, 7763 (gegen 7768) aus die Medtctner, 3451 (gegen3083) auf die Philologen und Historiker, 2771 (gegen 2525) auf Mathematik und Naturwissenschaften, 1158 (gegen 1214) auf die Pharma- ceuten, 870 (gegen 883) auf das Studium der Landwirthschaft, 587 (gegen 413) auf die Cameralia, 359 (gegen 352) auf die L>tu- dtrenden der Zahnbeilkunde. Somit ergiedt sich bei den Juristen, Philologen und Naturwissenschaften wieder eine weitere Zunahme, bei der evangelischen Theologie und den Medtcinern ein weiterer Rückgang; die Zahl der ersteren hat seit Sommer 1889 um 2000 abgenomw'N (von 4998 auf 2917). — Die Gesammtzahl der Studirenden an der Universität München beträgt 3621, 143 in der theologischen Facucultät, 1040 in d.r juristischen, 45 in btt staatswtssenschastlichen, 1201 in der medicinisck. n. 503 in der philosophischen I. Sectton, 317 in der philosophischen II. Section, 265 Pdarmacenten. Hiezu kommen 115 Hörer. Aus Bayern stammen 1888 Studirende; die Zahl der Nicht- bayern beträgt 1733. Preußm hat 878 entsandt, Württemberg 140, Baden 97, Sachsen 83, Hessen 75, die Schweiz 47, Rußland 32, O.st rretch Uiiga n 23, die Vereinigten Staaten von Nordamerika 26. Citrratur und — .Neueste Erfindungen und Erfahrungen- auf den Gebieten der practischen Technik, Electrotechntk, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hautzwirthschaft rc. (A. Hartlebens Verlag in Wien). Pränumerattonspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. — Diese gewerblich technische Zeitschrift, welche in ihrem dreiundzwanztgsten Jahrgang erscheint, verfolgt nur rein practische Zwecke. Die Mitarbeiter sind nur Männer der Praxis, welche am besten die wirklichen Bedürfnisie der Techniker und Industriellen zu ermeffen verstehen. Die Zeitschrift, reich an Originalbeiträgen und constructtven Abbildungen, bietet einen vollständigen Ueberblick über alle Fortschritte im gewerblichen Leben. Besonders werthvoll erscheint es, daß in dieser Zeitschrift immer practische Wege zu neuen Erwerbsarten, verbesserte Arbeitseinrichtungen und practische Anleitungen zur Erhöhung der Concurrenzsähtakett gegeben werden. Dadurch empfiehlt sich dieselbe von selbst für reden Vorwärtsstrebenden. — Allgemein« Weltgeschichte mit 122 Illustrationen in feinstem Farbendruck und 648 Setten Text, bearbeitet von W. Christian, Verlag von G. Löwensohn, Fürth. 24 Lieferungen & 50 Pf. Mancherlei große und größere Werke, die sich mit den politischen und culturellen Verhältnisstn der civilistrten Völker und Staaten der Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen, weist der Büchermarkt auf. Diese Werke sind jedoch zumeist nicht für die breiten Schichten des Volkes bestimmt und geschrieben. Sie find der Ausfluß unermüdlichen Forschens, umfassender Belesenheit und großer Gelehrsamkeit, bearbeitet von Gelehrten und berühmten Professoren für solche, die Gelehrte werden wollen, oder für Schüler, welche die Geschichte studiren unter steter Führung ihrer Lehrer, oder für solche, denen bereits große Vorkenntnisse eigen find. Das vorliegende, prachtvoll ausgestattete Werk füllt eine seit langem schon empfundene Lücke in der Volksliteratur aus. In fesselnder, schöner und leichtverständlicher Form gehalten, gewährt es unter Uebergehung des Nebensächlichen und gebührender Berücksichtigung des Wichtigsten eine übersichtliche Darstellung über die bedeutsamsten Ereignisse und einflußreichsten Personen aller Zetten uud Völker, soweit letztere bislang überhaupt in die Weltgeschichte Aufnahme gefunden haben. Das Interesse des Lesers wird um so reger, als zahlreiche, künstlerisch vollendete Illustrationen in Chromodruck, ro e sie wohl eine Weltgeschichte bisher in gleicher Schönheit noch nicht auszuweisen batte, den Text ei läutern und ergänzen. Trotz des bedeutenden Umfanges des Werkes und der werthvollen Kunst-Beilagen hat die DerlagSanstalt den Preis äußerst niedrig gestellt Den weitesten VolkSkreisen ,st deshalb unsere „Allgemeine Weltgeschichte" zugänglich gemacht; dem reifen und werdenden Manne wird sie eine reiche Quelle der Unterhaltung und Behrung bieten; jeder HauSbibltothek wird das Werk sicher zur Zierde gereichen. — Die Mihnachtsnummer der »Jllnstrirte« ötlt* (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstall) hat auch ein weihnachtlich Gewand angezogen — in Bild und Text. Don Herzen zu Herzen zu sprechen, das hat das all beliebte Familienbuch immer alS seinen höchst« Beruf au’icfafc!. Drum weht uns gleich in dem ersten Bilde — einer doppelseitigen Kunstb-ilage in Buntdruck — die echte Weth- nachtsluft entgegen. Aus dieser frostdurchzttlerten, wetten Schneelandschaft mit den freundlich blinkenden Lichtern der Bauernhäuser im Hintergründe, spricht etwas Chrtstnacktlich Deutsches. Und fast glauben wrr es zu hören, das himmlische „Stille Nacht, heilige Nacht", das von den lichten Engelsgestalten mitten in der eisigen Wtnternacht cmvo,steigt. Stimmungsvolle Holzschnitte reihen sich an. So „der We-hnachlsmarkt am Tbomastag in Nürnberg", ein gemüthvolleS Bild voll L den und Festirrudtgkeit in der alten Reichsstadt. Auch das lustige Wien sendet uns einen Christgrutz in seinem „WeihnachtLmarkt". Zu dem kleinen Volk kommt der „Weihnachtsmann" — eine allerliebste Träumerei im Bild mit guten (Engeln und süßen Ktnderköpfen. Damit auch der poetisch verklärte Ernst deS Lebens nicht fehle und die kirchliche Weihe, bat unS ein echter Künstler die schneebedeckte Waldesnacht vorgezaubert; dort liegen Arm in Arm Mutter und Kind erfroren an einem morschen Baumstamm, um einen brennenden Ch^istbaum auf der Lichtung aber schweben die Enaeletn. Der „Gang zur Christmette" zeigt uns ein erleuchtetes Waldktrchletn, von dem ganzen poetischen Duft einer frostklaren, mondbeschienenen Weihnachtslandschaft umwoben. — Die eigentlich künstlerische That des Heftes aber find die „Papageien", ein prächtiger Bildercyclus in Aquarelldruck, der die farbenprästigen Kinder der Tropen mit einer Naturwahrheit und einem colortstlschm Reiz wtcdergibt, daß sie unS zu leben scheinen. Der Text b« findet sich durchweg auf der Höhe der Illustrationen. — Die Aufbahrung der Märzgefallenen vor dem Deutschen Dome in Berlin 1848, ein unvollendetes, nach der Natur gemaltes Bild Adolph Menzes ' -Ibct einen überaus werth- vnllen Beitrag zu der Extra-Nummer, welche die rSRo&Q Kirchenplatz 11. 9 T am mit großem Lchau- » AjRUwIl fenster per 1- Aprll 1896 zu verm Seltersweg 8». «r c. ! o ,'*■ 1 K O Wllh. Wirsig, Handschuh-Fabrik Selters weg* IO Grosse Auswahl in flecht Ziegenleder-, Glace-, Ooxcin-, Wildleder-, Seide- und Trient-Handschuhen in allen Preislagen. 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Th. Chocolade Ankauf vonSchlachtpserden. Man segele nicht unter falscher Flagge. Es ist schon de« Oefteren vorgekommen, daß sogenannte Pferdehändler sich für Metzger ausgegeben haben, es stellt sich dann nachher heraus, daß sie die gekauften Thiere nicht schlachteten, sondern damit weiter Handel trieben. Wem daher daran liegt, daß sein Pferd wirklich geschlachtet wird, der wende sich direct an mich. Die einzige Pferdemetzgerei in ganz Oberhessen ist die meinige in Gießen und Niemand ist beauftragt, für mich Pferde zu kaufen, da ich den Einkauf selbst besorge. Wie bisher so zahle ich auch weiterhin die höchsten Preise. Die Pferde werden im städtischen Schlacht. Hause in Gießen geschlachtet und durch den großen Versandt meiner Fleisch - waaren kann ich nie zu viel Schlachtpserde bekommen. Achtungsvoll M. Kessler, 203________________________________Pferdeme tzger. Spanische Weine direct bezogen, von ärztlicher Seite empfohlen, zu billigstem Preise. Italiener Rothweine Feinst spanischen wie auch deutschen Cognac. Rheinweine (Ober-Ingelheimer Rothwein, Hochheimer Weisswein) und Moselweine. 387 ”?? *bÄ6t$r Omnibus-Verbindung 'Abonnement billiger Anie A Marburgerftraße—Bahnhof und zurück. Grünbergerftraße—Bahnhof und zurück. Linie C Markt-Schtftenbergerwald und zurück Linie D MarburgerNraße—Wieseck und zurück. Redaktion: L. Scheyda. — Druck *wb Verlag der Brühl'schen Universitite-Vuch- imb Stnndrnckerei (Pietsch A Schepda) in Gießen.