Er. 54 Mittwoch dm 4. März Zweites Blatt 1890 Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger Amts- und Anzeigeblutt für den Uveis Gietzen. Hratisöeitage: Hießener Jamilienötätter ds-VoMuni;. hnenltn. müffen. Feuilleton der r Inin “2 1896- ,ert »=* wie der Nacht« schon zu später der Lärm vereine Equipage Alle Annoncen-Bureaux bei In» und AullandeS nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Reich war ich also gewesen. Und jung auch. Jung! Das ist ohne Zweifel mehr werth als aller Reichthum Erde. Das hatte ich wohl erkannt und meine Jugend Die Gießener -a»rrte«§lL11er eerben bem Anzeiger «Scheatlich dreimal beigelegt. hat es so weit gebracht, daß sich seine Einnahmen nicht nur mit den Ausgaben decken, sondern daß die ersteren sogar ein wenig überwiegen- Togo bedarf also zum Mindesten keiner finanziellen Unterstützung auS dem Reichssäckel mehr. Dagegen erfordern die übrigen deutschen Colonien auch jetzt theilweise nicht unerhebliche Zuschüsse seitens des Reiches. Dieselben beziffern sich, was das nächste EtatSjahr anbelangt, für Ostafrika auf ca. 41/, Millionen Mk., für Südweftafrika auf wehr als 2 Millionen Mk., für Kamerun auf etwa 680,000 Mk.; auch die deutschen Schutzgebiete in der Südsee find auf fortlaufende Unterstützungen aus ReichSmttteln angewiesen. Auch sonst machen sich noch allerlei finanzielle Aufwendungen für Eolonialzwecke nöthig, so daß sich sür das Reich immerhin ein nicht zu unterschätzender jährlicher Kosten» auswand zu Gunsten seiner Colonien ergibt. Trotz alledem kann jedoch selbstverständlich nicht im Entferntesten von einem etwaigen Wiederverzicht Deutschlands auf seinen Colonialbesitz die Rede sein, dessen Festhalten ja schon vom Standpunkte der Wahrung der Weltmachtsstellung Deutschlands und seines Ansehens im AuSlaude aus geboten erscheint. Auch darf mit der Zeit doch eine günstigere wirthschaftliche Entwickelung unserer Colonien erhofft werden, sobald nur erst deren größere Erschließung durch Anlage von Eisenbahnen, Vergrößerung deS Straßennetzes, rationelle Ausdehnung des Plantagenbaues, definitive Unterwerfung noch aufftandslüsterner Stämme u. s. w. ermöglicht wird. Zugleich gehört aber auch zu einem gedeihlicheren Fortschritte der Colonien die Bedingung, daß in deren Leitung künftig nicht mehr solche verhängnißvollen Fehler begangen werden, wie solche z. B. durch die Entsendung ganz ungeeigneter Colonialbeamten dargestellt werden, man braucht da nur an die Fälle Leist und Wehlan zu denken- gerade in unserer practischen Colonialverwaltung brauchen wir die richtigen Männer, sonst stehen immer wieder bedenkliche Rückschläge in unserem colonialpolitischen EntwickelungSgange zu befürchten. ein solches armes Mädchen heirathen, daS nichts ist und nichts hat! Du, dem die besten Häuser offenstehen, den alle Mütter heirathSfähiger Töchter als willkommenen Schwiegersohn an« sehen! Laß sie fahren — Du kannst ganz andere Partien machen !" Das hatte mir eingeleuchtet. Ich war kühler und kühler gegen Anna geworden, ich achtete ihrer Thränen und ihrer Beschwörungen nicht, bis eines Tages des elternlosen Mädchen- einziger Bruder Richard zu mir kam und mir die heftigsten Borwürfe machte. ES gab eine Scene zwischen unS und dann war alles auS. Anna sandte mir den Ring zurück. Meine Freunde aber, als sie das erfuhren, hatten in die Hände geklatscht, hatten mich einen „tüchtigen Kerl" genannt und mit mir auS Freude über meine wiedererlangte Freiheit Champagner getrunken, den ich natürlich bezahlte. Und dann kam über mich ein wilder Taumel. Bis auf die Hefe wollte ich den Freudenkelch deS Lebens leeren. Und ich thatS. — — ThatS, bis ich mir auf einem Balle jene Krankheit zuzog, von der ich nicht wieder auferstehen sollte. Lange hatte ich kämpfend zwischen Tod und Leben gelegen, aber endlich hatte der erstere die Oberhand behalten und mich zum Einzug in sein blutloses Reich abgeholt. Und nun, da ich, ein todter Mann, auf dem Sterbebette lag, mußte ich mich aller jener Ereignisse erinnern. Ich konnte sie nicht bannen und wir war eS, als ob der große Welteurichter die Waagschale in Händen halte, mit der er Recht und Unrecht wiegt, und als ob hierbei ein junge- Mädchen an ihn herangerreten sei und in die Schale, darinnen daS Unrecht war, einen kleinen goldenen Reif lege-- Der -ietzener Anzeiger erscheint täglich, unt Ausnahme deS Montag-. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für ben folgenden Tag erfcheinenben Nummer bi- Sonn. 10 Uhr. OaS war meine Todtenfeier. Am 23. November 189 ., tiriür SamStag, Nachmittags 61/» Uhr, war ich gestorben. Ich war gestorben. Der Arzt hatte eS gesagt, hatte mir den Puls gefühlt, r.nch den Schlägen meines Herzens gelauscht und hatte dann Li»iT»dtenschetn geschrieben. Die Diakonifle, welche mich während meiner letzten Ktz.vkheit gepflegt, drückte mir die Augen zu, legte mir ein feW» Tuch über di- Gesicht und faltete mir die Hände ciafl bett Brust. Dann nahm sie meine sechs silbernen Leuchter, genieur Schoren, den Ingenieur und Lieutenant a. D. Pfeiffer und den Correspondenten Ringbauer. Den Vorsitz de- Gerichts führte Senatspräfident Dr. v. Wolf. Gegen zwanzig Zeugen, sowie mehrere Militärsachverständige sind geladen. Nachdem der Eröffnungsbeschluß verlesen worden war, wurde die Oeffeotlichkeit auSgeschloffeu. fehlen, daß ich mir mit Hilfe meines vollen Geldbeutels zahlreiche Freunde erwarb, die meine Soupers lobten, meinen Weinen alle Ehre anthateo und sich über meine gelegentlichen Bonmots todtlachen wollten. Du lieber Himmel! wenn man reich ist, hat man eS so leicht, sich Freunde zu ver» schaffen, die einem für alle Zetten Freundschaft schwören DaS hatten natürlich die weinen auch gethan — und als ich auf dem Krankenbette lag, hatte mich kaum einer von ihnen besucht. Ich konnte eS ihnen eigentlich auch gar nicht verdenken- ich hätte eS selbst nicht bester gemacht, und ein kranker, reicher Mensch ist ein ebenso wenig begehrenswertheS Geschöpf als ein armer kranker Teufel. Eine gewisse Enttäuschung bereitet den allzu eifrigen Woiontalenthusiasteu auch die wirthschaftliche Entwickelung unlner Colonien. Obwohl deren Ausfuhr und Handel sich acLrMch zu heben beginnen, so decken ihre finanziellen Ein- nebrea im Allgemeinen doch noch lange nicht die Kosten ilsrer Verwaltung und Erhaltung, das Reich muß also immer txnEibir mehr oder weniger zuschießen. Nur das Togoland A Crainfeld, 28. Februar. Eine Sitzung der „Ge- sammr".Gemeinde-Kirchenvertretung unseres Kirchspiels sollte kürzlich hier stattfinden- dieselbe wurde jedoch nicht beschlußfähig, da von etwa 36 Mitgliedern außer dem Herrn Pfarrer nur noch ein Mann erschienen war. §§ Bom oberen Vogelsberg, 27. Februar. Zu dem Artikel „0. Aus Oberhesten" in Nr. 48 dieser Zeitung über „daS Verschwinden deS Dorfes BolkartShain bei Gedern" schreibt unS unser § Berichterstatter, welcher in der Nähe des „verschwundenen" OrteS wohnt, Folgendes: Große- Aufseben erregte die Nachricht über das Verschwinden des Dorfes Volkartshain in der letzten Nummer des „Hess, evangelischen Sonntagsblattes", obwohl dieses Dorf noch so gut extsttrt wie jeder andere Ort. ES ist thatsächlich unerklärlich, wie sich genanntes Blatt einen solchen „Bären" hat aufbinden lasten können. Freilich stehen die Pfarrgebäude seit etwa 18 Jahren leer, indem die Gemeinde etwas klein ist und die Kosten für einen eigenen Pfarrer schwer zu beschaffen find. Einen eigenen Lehrer und Schule hat VolkartS- Hain, auch befinden fich darin einige Bauern, welche 18 bis 20 Stück Rindvieh, sowie 2 Pferde im Stalle und vorläufig keine Lust haben, nach Amerika auszuwandern. Dem Ver- nehmen nach wird der Ortsvorstand von VolkartShain gegen das „Hessische evangelische SonntagSblatt" resp. besten Berichterstatter vorgehen. Und hochauf flog die andere Schale. Mir graute. Regungslos lag ich nun da und hörte, wind durch daS Fenster strich. ES mußte Stunde sein- draußen auf der Straße war stummt. Hin und wieder nur hörte ich Rohseidene Bastkleider Mk. 13. 80 bis 68.50 per Stoff z. compl. Robe — Tuesors und Shantung-Pongees — sowie schwarze, wciße und farbige Henneberg-Letde von 60 Pf. bis Mk. 18.65 p. Met. — glatt, gestreift, carrtrt, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Qual, und 2000 oersch. Farben. Defsins rc.), porto- und steuerfrei Ins Haus. Muster umgehend. 197 Seiden-Fabriken 6, Henneberg (k. u. k. hoa.), Zürich. hatte ich genossen. Heiß hatte mein Herz geschlagen, besonder- damals, als ich die schöne Anna Bertling kennen lernte. Und nun, da ich tobt war, trat diese Episode meines Lebens in erschreckender Deutlichkeit vor meine Augen. Ich sehe ihn klar vor mir, jenen köstlichen Abend, wo über der schweigenden Haide der Mond aufging, wo der Schlag einer verspäteten Amsel zu uns herüberdrang, wo uns die Lust der Julinacht so mild und weich umwehte — jenen zauberischen Abend, da ich, meiner Gefühle nicht mehr Herr, vor Anna ntedersank, ihre Hand an mein heftig schlagendes Herz zog und ihr zuflüsterte: „Anna, sei mein!" Sie aber hatte kein Wort gesagt, hatte mich zu fich emporgezogen, ihr schönes blonde- Haupt war an meine Brust gesunken und in diesem Augenblicke war eS mir, als ob die Amsel dort drüben noch tausendmal schöner als sonst schlüge, als ob die stille, träumerische Nacht noch tausendmal berauschender und als ob daS Leben der kostbarste Besitz deS Menschen sei. Und nun begann für Anna und mich eine Reihe schöner Tage. Schnell floffen sie unS dahin, wir waren beide glücklich, bis-- Bis es eines Tages die alte Geschichte war! Ich war Anna überdrüssig geworden. Daran waren zum Theil meine guten Freunde schuld. „Narr," hatten sie zu mir gesagt, „warum willst Du 8 Uhr, t Programm. \ Kuldn- und Sfa lb,!U tnnafclgttn o uet rlnzuWrell. Unsere Colonien. Im Reichstage dürfte baldigst nach Ablauf der gegen- eirtigen BertogungSpause u. A. auch der Colonial-Etat zur öerathung gelangen, die zweifellos wiederum lebhafte AuS- rinandersetzungen zwischen den parlamentarischen Gegnern mb Freunden der deutschen Colonialpolitik veranlasten wird. Oaß die letzteren, und mit ihnen die Regierung selber, hierbei keinen allzu leichten Stand haben werden, dies kann man ichon jetzt als sicher annehmen. Die überschäumende Be- leisterung, mit welcher weite Kreise deS deutschen Volkes den Antritt des neugeeinten Reiches in die Reihe der Colonial- vichte begrüßten, ist inzwischen verflogen und hat einer ge* vissen Ernüchterung unverkennbar Platz gemacht. ES find tltn im Laufe der noch so jungen deutschen Colontalgeschichte io manche hochfliegenden Erwartungen und Voraussagungen :injcrn unbedingten Colontalschwärmer bereits zu nichte ge» 'vordem, und da begreift fichS, wenn man selbst in entschieden «lonialfreundlich gefirmten Volks- wie Parlamentskreisen richt mehr mit so hoffnungsfrohem Auge auf die deutsche ' iolonialpolitik schaut. Dor Allem muß es nun als feststehend •Ulten, daß fich die deutschen überseeischen Besitzungen fast .imchtzängig nicht als eigentliche Ackerjaucolonien eignen, daß klirna und Bodenverhältnisse derselben eine Maffenbefiedelung riit deutschen VolkSgenoffen nicht gestatten und daher die • Inlronnberung aus dem übervölkerten Mutterlande nach ^irsim oder jenem Theile des Colonialgebietes auch fernerhin uni in höchst beschränktem Maße wird stattfinden können, j öet Gedanke, daß die deutschen Gebiete in Afrika und in dl« Siibfee einmal im Stande fein könnten, einen beträcht- Willh-fer, Schlohgasie afermefi/ norrs k- m preis 85 Pfg-pro Schach! Schutz-TAarkö 8.500,000 Flaschen^ D.R.P <■1 Lj 1328 B.BADEN // W/11 JcFRANKFUi fl^KAISERLKONIGL A 11 Ä HOFLI EFERAf 8.80 u. 3.50 pr Pfd. Tonflgl. Qualmt. Prob«paak.t. »o PL Md 2087 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. im Distrikt Buchwald: 1924 Buchenstämme von 38—51 cm 10 11 1462 ST Louise Sonderburg. Stock-. 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