1S9<» M. 2 LierteljZhriger Freitug den 3. Januar «edactum, ®n>ebitior unb Druckerei: Schnlstrage Ar.I» Fernsprecher 51. Sringerlohn. Durch die Post bezöget 2 Mari 50 Pf- DK Gießener »«»tttenSkLIIer dem Anzeiger »Gchevtlich dreimal bdfltieflt tj Avsnnementsprei- x §7 2 Mark 20 Pfg. nut Der AKchemr Z«,etger «scheint täglich, mit Ausnahme deS Montag«. Gießener Anzeiger Gmerat-Wrzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den TLreis Giefzen Gratisbeilage: Gießener Kamilienölätter. | kurzer Hand | Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Teilnahmean de^ , .. .. . linh ihrtr ptmaiaen An vrüche au. 2lmtlid?er Theil wollen. v. Gagern. Bekanntmachung, Die Bekanntmachung, December 1895. schaftlich die Hand. * Hllsl VIS zu VWV --- 7 " ? ... £ Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche am Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden. Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur: Zett abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- unb Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien de« Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lasten. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bei folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. a» die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Unter Hinweis auf vorstehende Bekanntmachung benachrichtigen wir Sie, daß Ihnen eiu Exemplar der Unfaü- Herhütungsvorschriften mit einer „Anleitung für erste Hülse- betreffend die Maul- und Klauenseuche. D e Maul-und Klauenseuche in der Gemarkung Nied er- Gemünden ist erloschen und die angeorduete Gehvst- und Bemarkungssperre aufgehoben. Gießen, den 31. December 1895. Großherzogliches KreiSamt Gießen, v Gagern. Eine Tage später wollte Ernest Nachmittags einen Besuch bet Cscile machen. Auf dem Hausflur trat ihm der alte Diener Morin entgegen und sagte: „Einen Augenblick, Monsieur!" „Nun, Alterchen? War «ollen Sie mir sagen?" frug Ernest. * Nach zwei Wochen waren die Armeen der großen Ration tnS Feld gezogen. Gewitterschwüle lastete über Parts. Da brachte die falsche Siegeskunde von Saarbrücken Gießen, den 3. Januar 1896. Der Ctvilvorfitzende der Großherzogltchen Ersatz - Commission Gießen. Dr. Meltor. lrlstung bet Unjällen vor Ankunst deS Arztes" I zuqehen wird, welches Sie in Ihrem Amtslocal auShängen Deutsche» Reich. Berlin, 31. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bestätigt, daß der bisherige UnterstaatSsecretär im Reichsamt des Innern, vr. v. Rottenburg, aus dem RetchSdienst ausscheiden wird. Berlin, 31. December. Die vier Manner, die vor einigen Tagen die Prtngeilin Friedrich Leopold vom Tode des Ertrinkens erretteten, wurden am Sonntag naw den Schlöffe Glienicke besohlen, wo ihnen Hofmarschall Generalmajor von Nickisch-Rosenegk im Namen des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold dankte und jedem der Männer 2000 Mark als Geschenk überreichte. Zu- qletch wurde den Lebensrettern der Prinzessin mitg-.thetlt, daß sie sür die staatliche Rettungsmedaille vorgeschlagen worden seien. _ , , , , q. .. r. Berlin, 31. December. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe gedenkt mit seiner Familie heute Abend aus Wien wieder hier einzutreffen. Berlin, 31. December. Prozessor Dr. Behring, der Erfinder des Diphtherie-Heilserums und Ordinarius der medictvtscheu Facultät der Universität Marburg, hat den Titel Geheimer Medicinalrath erhalten. — Wie zu erwarten stand, ist der preußische Landtag auf den 15. Januar zu seiner neuen Session einberufeu worden. Hiermit beginnt wieder die alte fatale Concurrenz zwischen dem Reichsparlamente und dem Landtage des füh- renoen BundeSstaat-S in die Erscheinung zu treten, die sich schon bislang so überaus störend geltend wachte. DteS wird auch jetzt wohl nicht anders werden, ein beträchtlicher Theil bc; preußischen Landboten gehört ja zugleich dem Reichstage an, welcher Umstand ersahrungsmäßig den Besuch der Reichs- tagSsitzungen zu beeinträchtigen pflegt. Der Reichstag war bereits in dem SessionSabschuitt vor Weihnachten meist nur sehr mäßig besetzt, nach dem Zusammentritte deS preußischen Landtages wird aber diese Besetzung vielleicht eine noch schwächere werden. Alle Aunonccn.Bureaux bes In« unb AuSlande» nehm« Anzeigen für bett „Gießener Anzeiger" entgegen. Bekanntmachung, betreffend die UnfallverhütungSvorschrifteu der Heffen- Naffauischen BaugewerkSberusSgenoffenschast. Die Hessen-Nassauische Baugewerksberussgenoffeoschaft! hat in Gemäßheit der §§ 78 u. ff. des UnfaüverficherungS. -esctzes und deS § 44 des Bau-UnsaüoerficherungSgesetzeS UnfallverhütungSvorschriften mit einer „Anleitung für erste Hülfeletstuug bei Unfällen vor Ankunft deS Arzte» erlösten, die nicht nur für die Betriebe gewerbsmäßigee Unternehmer Mub Gen°N-nschofts>Mlglieder, sondern namentlich auch fit die nicht gewerbsmäßigen Bauarbeiten — Regiebetriebe Gültigkeit haben und bei Ausführung von Bauarbeiten jeglicher Art, auch von den Regiebau-Unlernehmern in jeder Beziehung zu beobachten find. Die UnfallverhütungSvorschriften und die „Anleitung für erste .Hülfeletstuug vor Ankunft deS ArzteS" sind zu Jedermanns Einsicht in.den AmtSlocalen jeder Bürgermeisterei, in Gießen auf dem PolizeiamtSbureau, auSgehängt. Wir fordern die Jntereffenten auf, diesen Vorschriften bei jeder Gelegenheit in genügender Weise Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, daß die Vorschriften, soweit sie für die Bauarbeiter tu Betracht kommen, von denselben ebeusallS beobachtet werden. „ . . Die Nichtbeachtung zieht strafrechtliche Verfolgung Feuilleton. In Paris Erzählung aus dem KriegSjrhre 1870/71 von E. ». Falkenberg. (2. Fortsetzung.) DaS Ehepaar Eclair besprach Familienangelegenheiten und Ernest und Cscile waren sich dann einige Minuten selbst überlasten. „Lieber Ernest," sagte sie, „wirst Du mir auch treu bleiben, wenn Kämpfe schwerer Art zwischen Frankreich und Deutschland unausbleiblich sind?" Geeite," gab er zurück, „die Liebe ist international. Traurig genug, daß zwei Nationen, wie die Deutschen und Franzosen, sich noch bekämpfen wüsten. Wenn sich erst ein- mal alle Menschen wirklich als Brüder ansehen, das wäre der größte Sieg, der alle Schlachten aufwiegt'. Ich bleibe Dir ewig treu, Du liebe, gute, einzige Cscile!" „O, ich danke Dir, Ernest!" sagte das junge Mädchen und drückte Ernest die Hand. Da blickten die Augen RougtwontS ungesehen boshaft auf das Paar und die schmalen Lippen de» Buchhalters Msterten: „Wollen schon anfpaffen und Dir die Suppe versalzen, Monsieur BekamttmachMg, betreffend die Veranstaltung von Berloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS. Der Ortsvorstand zu Friedberg beabsichtigt mit den am 19 Februar 1898 und am 27. und 28. October 1896 zu Friedberg abzuhaltenden Fohlen- und Pferdemärkteu je eine Verloosuug von Fohlen und sonstigen Gegenständen zu ver- ^^DaS Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser beiden Berloosungcn unter der Bedingung ertheilt, daß der jeder derselben nicht «ehr als 12000 Loose zu 1 Mark das Stück auSacgebeu werden dürfen und mindestens 60pCt. des Brutto- eriöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinn- gegenständen zu verwenden sind, sowie zugleich den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet. Gießen, den 27. December 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Leben in die Pariser. Man jubelte, man i^umintrte, man sang und trank, bis eine wahre Nachricht kam: Die Depeschen von den verlorenen Schlachten bet Weißenburg und Wörrh, und von dem Stege der Deutschen bei Spichern. Entrüstung und grenzenlose Wuth der Pariser folgten nun auf den maßlosen Taumel. Die Ausweisung aller Deutschen aus Frankreich und zumal auS Paris wurde brschloffen, da die Anweienheir der-- selben staatsgesährlich sei. In daS Comptoir von Eclair u. Praille trat der Poli- zeiageut Rscord, verbeugte sich vor Ernest Robin und sagte: „Ich habe Befehl, Sie als Deutschen binnen vterund- zwanzig Stunden auS Frankreich auszuweisen!" „Aber Monfieur Rscord," rief Herr Eclair bestürzt, „Monsieur Robin ist ja französischer Abstammung, seine Eltern waren Franzosen, die nach Berlin übergesiedelt waren." „In der Thal?" fragte der Polizist. „Allerdings," sagte Ernest. , „Das genügt einstweilen", erklärte Herr Record, „die Maßregel der Ausweisung nicht gegen Sie anzuwenden! Entschuldigen Sie! Guten Morgen!" Herr Adolphe Rougimont zog über diesen AuSgang der Sache eine Fratze und Herr Eclair reichte Ernest freundbetreffend das Ersatzgefchäft für 1896. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahre 1876 geborenen Militärpflichtige«, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich chrer Verpflichtung zum oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Ghmnasiasteu und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schaftsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder tu ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgefb.dert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle tu der Zeit vom 10. bis zum 25. Januar 1. I bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres AufenthaltS- . ortes, zu melden, und dabet, wenn sie an diesem Orte nicht fl=6->rtn ihren Geburtsschein, welcher nunmehr Das Grokberzoaliche Meisamt Metzen 6on bem betr-ss-»»-» St°nde-amt zu erwirken „„ »ue («voiiii Bürgermeistereien der Land- ist, und wenn sie stch bereits bei einer srliheren Musterung an Die wtono. w« l aoo!ung6,@4tin vurzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung Unterlasten, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit «ach sich. Gießen, den 30. Großherzogltches Kreisamt Gießen. Morin zog den jungen Herrn in sein Stübchen und sagte: „Fünf Häuser von hier links wohnt mein Vetter Matthten, der einen Friseurladen hält!" ^Nun, was wollen Sie damit sagen, Morin?" „Ja, dort ist erzählt worden, man würde Sie heute verhaften und per Schub über die Grenze bringen! Denn es heißt, daß Sie doch ein Deutscher seien trotz Ihrer französischen Abstammung." Mein Gott! Was soll da auS mir und Cscile werden, wenn meine Ausweisung erfolgt," seufzte Ernest!" „Müffen Sie in der preußischen Armee dienen? frug Morin. „Bewahre, ich bin wegen meines SehnenfehlerS am linken Fuß militärfrei!" „So! Man hat sogar erwogen, ob Sie nicht nach Algier zu bringen seien in die Fremdenlegion, damit Deutschland ein Kämpfer entzogen würde. Ha, ha, ha!" „Uad meine arme Braut, meine Cscile?" rief Robin. „Nein, nein, es darf nicht zu Ihrer Ausweisung kommen. Berathen Sie sich mit den Damen. Und sehen Sie, was dann am besten zu thun ist." Der alte Morin hob jetzt einen Vorhang auf und zeigte 1 ^Ste führt in die Katakomben*)," flüsterte der Alte, „und bei meinem Vetter Matthieu ist wieder so eine Treppe. Ich weiß dort Bescheid. Es ist mein Weg, wenn ich dort unbemerkt einen Besuch abstatten will!" •) Katakomben find tu Paris die wetten Unterirdischen Stein» brüche, welche gleichzeitig *16 Grabstätte bienen. v. Gagern. Gießen, den 30. December 1895. — Der im November begründete Bund der Industriellen, welcher dem Bunde der Landwirthe als Gegen» gewicht dienen soll, hat nunmehr einen Aufruf zum Beitritt erlafsen. Die Kundgebung kennzeichnet zugleich die Ziele und Bestrebungen des neuen Bundes und betont dabet ausdrücklich, daß derselbe bemüht sein werde, fich von allen politischen Parteiströmungen fern zu halten. Berlin. 31. December. DaS Armee-Berordnungblatt veröffentlicht eine Allerhöchste CabinetSordre über Abänderungen bezüglich oer Cavallerie-Jnspectionen. Frankfurt t. M., 31. December. Wie der „Franks. Ztg." auS Straßburg gemeldet wird, wurde der 55jährige Maler Wilhelm Bühner von der dortigen Strafkammer wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängniß verurtheilr. Bühner hatte die betreffende Aeußerung im angetrunkenen Zustande gethan. Waldenburg, 31. December. Die Explosion schlagender Wetter im Wrangelschachte ist angeblich durch die Entzündung eines SchuffeS derbeigeführt worden. Bon den 50 zur Zeit des Unglücks im Schacht befindlichen Grubenarbeitern sind bis jetzt 23 Tobte, 9 Schwer und 3 Leichtverletzte in daß KnappschaftS-Lazareth geschafft worden. Weitere FörderungSarbeiten find im Gange. Karlsruhe. 31. December. Die „Karlsruher Zeitung" meldet: Die Karlsruher Studentenschaft bringt am 24. Januar dem Großherzog von Baden zur Erinnerung an die unter feiner Theilnahme erfolgte Gründung des Deutschen Reiches eine Huldigung in Gestalt eines FackelzuoeS dar. Zu dem fick hieran anschließenden CommerS hat der Großherzog seine Theilnahme zugesagt. Arr-land. Wien, 31. December. DaS „Extrablatt" meldet auS Newyork, daß ein Deutscher, NamenS Georg Rupprecht in Evansville im Staate Indiana während de» Gottesdienstes eine gewisse Paula Baum erdolchte. Die Polizei mußte den Mörder vor der ihm zugedachten Lynchjustiz schützen.' Wien, 31. December. Nach einer Meldung des „Extrablatt" aus Philadelphia befindet fich diese Stadt in vollem Aufruhr. Die sämmtlichen Straßenbahnen find außer Betrieb. Täglich finden grobe Exceffe statt. Frauen, welche in dichten Schaaren die Stadt durchziehen, zerstören die gesammten Bahnanlagen und Kabelleitungen. Die Polizei vermag die Strikcnben, welche berittene Führer haben, nicht zur Ruhe zu bringen. Alle Gastwirthschaften wurden geschlossen. Wenn die Bewegung der Ausständigen noch weiter um fich greift, wird der Gouverneur die Miliz einberufen. Budapest, 31. December. Blättermeldungen zufolge wird der Minister des Innern Perczel demnächst im Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf über die Verhinderung der Verbreitung ansteckender Krankheiten ein- dringen. Rom, 31. December. Der König hat ein Decret unterzeichnet, durch welches dem Commandanten des Armee- corpS in Stcilicn die Ausübung der Polizeigewalt entzogen wird. Das Decret wurde überall gut ausgenommen. Rom, 31. December. Die Nachricht, daß König M en elik zu sehr günstigen Bedingungen mit den Italienern einen Friedensvertrag schließen will, wird bestätigt. Rom, 31. December. Privat-Depeschen zufolge hat bei dem Dorfe Cidciano bei Nola vom 28. d. MtS. ein sehr heftiges Erdbeben stattgefunden- einige Personen find getödtet, einige verletzt worden. Paris, 31. December. Der Botschafter Loze hat gestern Abeud Paris verlassen und ist auf seinen Posten nach Wien zurückgekehrt. Madrid, 31. December. Einem osficiellen Telegramm aus Cuba zufolge haben die spanischen Truppen die Banden der Insurgenten unter Maceo, Gomez und Rodriguez verfolgt, das Lager der Insurgenten eingenommen und diesen große Verluste beigebracht. Loudon, 31. December. Der „Standard" betont, daß fich Frankreich immer mehr bestrebe, unter den Völkern den ersten Rang einzunehmen. So lange dieser Ehrgeiz fortbestehe, habe man keine Friedensgarantie. London, 31. December. Johannisburger Privat - Meldungen schildern die Lage dortselbst zwar als aufgeregt, halten aber die Gefahr blutiger Conflicte vorläufig für ausgeschlossen. Loudon,31. December. Nach Nachrichten aus Venezuela herrscht unter der dortigen Bevölkerung andauernd eine kriegerische Stimmung. Der Präsident erklärte osficiell, das Land sei völlig kriegsbereit und der Krieg könne schon morgen beginnen. TUudjte Deprsch« des Burron .Herold*. Berlin, 1. Januar. Wie die Morgenblätter melden, wird Hammerstein voraussichtlich nicht von der Strafkammer, sondern vor dem Schwurgericht abgeurtheilt werden. Unter den Urkunden, deren Fälschung ihm zur Last gelegt wird, befindet fich auch eine Bescheinigung, welche die Unterschrift eines Mitgliedes des KreuzzeitungS« ComiteS trägt. Hammerfiein soll nicht nur diese Unterschrift, sondern auch die Beglaubigung des AmtSvorfteherS gefälscht und diese mir einem gefälschten Siegel versehen haben. Wien, 1. Januar. Das „Extrablatt" meldet auS Petersburg: Ungeheurer Aufregung bemächtigte sich vorgestern der hiefigen Studenten, da sich die Nachricht verbreitete, daß die Universität umzingelt und sämmtliche Studenten in Haft genommen werden sollten. 200 Studenten verließen an diesem einen Tage die Stadt und reisten in das Ausland. Die Polizei soll nämlich eine weit verbreitete, geheime Action entdeckt haben, unter der Bezeichnung : „Nordische Verbindung", deren Mitglieder er sich zur Aufgabe machten, socialistische Ideen zu verbreiten. Die Studenten waren Wanderpredtger dieses Bundes, dessen An Hänger geschworen hatten, durch einfache Lebensweise, Enthaltung aller geistigen Getränke, des Spiels und Tabaks rauchi.nS ein gutes Beispiel zu geben. Alle hierdurch gesparten Gelder gelangten in eine gemeinsame Kaffe, um damit ein Partei - Organ zu unterhalten. Die Druckerei dieses Blattes wurde durch die Polizei entdeckt und eine große Anzahl Exemplare beschlagnahmt. In diesen wird ein vollständiger Umsturz des Reiches und der Familie gepredigt. 300 Personen, darunter Mitglieder der vornehmsten Stände, wurden verhaftet. Weitere Maflenverhaftungeu stehen bevor. Der Krieg von 187M, geschildert durch Ausschnitte «u8 Zeitung» - Sttnmuern jener Zett (Nachdruck verboten.) 3. Januar. Der Wegnahme und Besetzung des Mont Avron, welche schon deshalb von großer Bedeutung war, weil sie den Parisern die Ausfälle auf der Oftseite, die ihnen durch jene Position sehr erleichtert wurden, für die Zukunft erschwert, ist die weitere Beschießung der nächftgeleaenen Forts gefolgt, und zwar mtt so glänzendem Erfolge, daß bereits das Feuer der FortS Nogeut, RoSny und Notsy veistummt ist. Mittlerweile wird ohne Zweifel aus dem Mont Avron mtt aller Energie an der Herstellung von Verschanzungen gearbeitet, um dort mit Sicherheit Geschütze und Mannschaften aufstellen zu können. Vom Avron können bequem bis in den Mittelpunkt der Vorstadt Belleville die Bomben geworfen werden, und die Bewohner dieses unruhigen Stadtviertels werden alsdann in anderen Quartieren untergebracht werden müssen. „Vor Paris. Das Gedröhne deö Bombardements ist so stark, daß der Tisch, an dem ich schreibe, nicht zittert, sondern zu zerspringen scheint. Die Geschosse der 50-psün- digen Mörser, theilS bayerische, theilS preußische Prachtexemplare der artilleristischen Kunst, wiegen nicht weniger als zwei Centner und reichen 10,000 Schritt weit. Sie helfen, alles zerstörend, was von ihnen getroffen wird, den breschelegenden 24-psÜndigen, ebenfalls gezogenen Geschützen nach. ES ist-, alS sollten wir alle in die Luft fliegen, so stark erdröhnt der Erdboden und so heftig erzittert die Luft um unS her. Man bombardirt nicht in zu rascher Folge, aber dafür um so sicherer, jeder Schuß soll ein Meisterschuß sein, wirkend, imponierend, den Feind außer Fassung bringend. Ich kann nur In Absätzen schreiben, so fürchterlich ist der Lärm ringS um mich her und die innere Aufregung. Es kracht über mir. Ich eile and Fenster meiner kleinen Spelunke und gewahre, daß eine Granate vier zusammengestandene Schornsteine vom Dache des Nebenhauses herunter- geriffen hat. Unmittelbar darauf stürzt, 200 Schritte vor uns, ein Stallgebäude ein. Um 1/l 10 Uhr Vormittags nimmt das Bombardement zu, in so hohem Grade, daß uns Hören und Sehen vergeht. Ich muß zu schreiben abermals auf* hören, schon weil die Hand, vor Frost erstarrt, nicht mehr den Bleistift halten kann." (Wiener Presse.) ___CacaUs tmfc ^provinzielle-. Gießen, 2. Januar 1896. * * Ans dem Justizdieust. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Großh. KreiSrath i. P. Gustav v. Zangen unter Belassung im Pensionsstande zum Mitglied des VerwaltungSgerichtShofeS, den LandgerichtSrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Hermann Schäfer, zum Landgerlchtsdirector bei diesem Gericht, mit Wirkung vom 1. Januar 1896 an, zu ernennen. * * Sine deutsche Frauen Universität in Gießen. Unter dieser Spitzmarke schreibt die „Frankfurter Zeitung": Binnen Kurzem wird in Berlin eine Broschüre erscheinen, deren Herausgeber an hervorragende Vertreter der Wissenschaft mit der Frage herangetreten ist, ob die Frau zum akademischen Studium befähigt, respective berechtigt ist. Zu diesem Gegenstand äußert sich der bekannte Rechtslehrer Professor Dr. Heinrich Dernburg wie folgt: „Nichts ist unzweifelhafter, als daß es Frauen gibt, welche zum akademischen Studium befähigt, also auch berechtigt sind. Eine andere Frage ist, ob eS für unsere Universitäten ge- rathen ist, Frauen wie Männer zu den Vorlesungen unterschiedslos zuzulaffen. Zweckmäßig wäre eß, eine der deutschen Universitäten vorzugsweise zum Frauenstudium zu bestimmen. Man könnte zum Beispiel Gießen, im Mittelpunkte Deutschlands und in anrnuthiger Lage, zur deutschen Frauen- Universität erheben." * * Der Uebergang vom alten zu« neuen Jahre wurde hier in der üblichen Weise gefeiert. Wer nicht vorzog, in seiner Klause den wichtigen Moment deS Jahreswechsels zu feiern, wartete dies entweder in seiner Stammkneipe ab oder nahm Theil an dem allgemeinen Rummel, der fich kurz vor und nach dem Glockenschlag 12 im Centrum der Stadt vollzog. Das günstige, nicht zu kalte Wetter gestattete daS Promeniren in den Straßen und tausendstimmig erscholl durcheinander daS Profit-Neujahr-Rufen. Glücklicher Weise bedurfte der allgemeine Spektakel nur kurze Zeit zur Ueber- schreitnng seines Höhepunktes, die Massen verzogen fich, nach' dem zwei Dutzend Sylvesterschützen gebührend vorgemerkt und sonstige Radaugeister gebannt waren. Nur ab und zu machten nach 1 Uhr einzelne heimsegelnde Sylvestergafte ihrem Herzen durch ein „Profit-Neujahr" Luft, der Morgen des neuen Jahre» fand Gießen wieder in tiefster Ruhe. * * Kriegerdenkmal. Am Montag Abend war der Haupt- auSschuß für Errichtung eines Kriegerdenkmal» versammelt, um den Bericht seine» Vorstandes über daS Er gebniß der bisherigen Sammlungen entgegenzunehmen und Beschlüsse über das fernere Vorgehen zu fassen. ES gereicht dem Gemeinfinn weiter Kreise unserer Bürgerschaft zur großen Ehre, daß in fe kurzer Zeit bereit» eine Summe von beinahe 17,000 Mk. gezeichnet ist, die die Gewahr dafür bietet, daß der schöne Gedanke in absehbarer Zeit zur Verwirklichung gelangen und auch unsere Stadt ihr ErinnerungS-- denkmal an die Kämpfe, Siege und Errungenschaften der großen Zeit haben wird. Diel bleibt allerdings noch z» thun, die gezeichneten Bettrage reichen bei Weitem nicht auf, um ein Denkmal herzustellen, das unserer Stadt und dem Zweck würdig wäre. Gar manchem unserer Mitbürger ist in Folge der gewählten Art der Sammlung noch nicht Ge- legenheit zur Zeichnung geboten worden, mancher, dessen Mittel ihm einen größeren Beitrag für den schönen patrio- ti'chen Zweck gestatten, hat wohl nur deshalb wenig gezeichnet, weil er das Zustandekommen de» Projects bezweifelte. Allen diesen ist jetzt noch Gelegenheit geboten, mit vollen Händen dazu beizutragen, daß nun auch ein Denkmal geschaffen werde, daS eine Zierde für unsere Stadl bildet und den Wettbewerb mit unserem herrlichen Liebig-Denkmal aufnehmen kann. DaS Liebig-Denkmal ist der Stadt geschenkt,, aus eigener Kraft möge nun die Bürgerschaft ihm eia zweites Denkmal zur Seite stellen, das noch nach Jahrhunderten Zeugniß dafür ablegt, daß Gießen nicht nur eine Stätte der Wissenschaft, sondern auch eine Heimath opferfreudiger, vaterländischer Gesinnung und Begeisterung gewesen ist. Zur Ergänzung der Zeichnungen wird allen unseren Mitbürgern, welche noch keine Beiträge gezeichnet haben, von denen solche aber zu erwarten sind, die Liste noch vorgelegt werden, und eß werden im Januar ucb Februar die festlichen Veranstaltungen ftattfinden, von denen wir bereits früher schon Mittheilung gemacht haben. Bei dem Bankhause A. Heichelheim liegen auch Listen zur Zeichnung jeder Zeit offen. Die Versammlung wählte einen Sonderausschuß, dem dte Vorberettungen für die Ausführung de» Denkmals selbst überwiesen wurden- dieser Ausschuß besteht aus dem Ehrenvorsitzenden, dem engeren Vorstand und den Herren Director Bergen, Dr. Sauer, Stadt- baumeister Schmandt, Hauptlehrer Traber und den Archt- tecten Stein und Meyer. * * Gold, Weihrauch und Myrrhen. Das von zahlreichen Mitgliedern oller Stände der katholischen Gemeinde am ersten Weihnachtsfeiertag so vortrefflich aufgeführte Herr» liche Weihnachtsspiel „Gold, Weihrauch und Myrrhen", ein dramatisches Spiel in 8 Auszügen, das auch in Bezug auf scenischen Aufwand allgemein befriedigte, soll am 5. Januar, Abends 5 Uhr, im Festsaal de» Cafe Leib wiederholt ge- gegeben werden. Obwohl die» nicht ohne erhebliche Opfer aller Mitwirkenden geschehen kann, hat man fich doch in an- erkennenSwerther Weise dazu nochmals bereit gesunden, besonders weil bei dem starken Zudrang zur ersten Aufführung Vielen keine Karten mehr au» Raummangel verabreicht werden konnten, und weil ein etwaiger Ueberschuß Über bie Kosten der Aufführung einem anerkannt guten Zweck zu- gewiesen werden wird. Gegen em mäßige» Eintrittsgeld (fiehe Inserat in diesem Blatte), daS zum Besten der hiefigea- darmherzigen Schwestern verwendet werden soll, ist allen Freunden dieser Art Festspiele nochmals eine willkommene Gelegenheit geboten, fich einen Herz und Sinn erhebendkn erbaulichen, höchst edlen Genuß zu verschaffen. Wir find Überzeugt, daß die zweite Aufführung in keiner Hinsicht hinter der ersteren zurückstehen wird. ” Wegen Feilhalteus bezw. Berbreituug vou Neujahrskarte»' aus denen sich unzüchtige Abbildungen befanden, wurde gegen einen Colporteur und einen Kaufmann von hier Anzeige auf Grund deS § 184 des ReichSftrafgesetzeS erhoben. Eine Partie dieser Karten wurde beschlagnahmt. * * Zu der Neujahrsuacht wurden, obschon im Allgemeinen grobe Ausschreitungen nicht vorkamen, 27 Personen wegen Schießens rc. zur Strafanzeige gebracht. * * Sachbeschädigung. Einem Bewohner der Fruok- furterstraße wurden gestern Morgen srüh zwei Fensterscheibe« mit Steinen eingeworfen. Hoffentlich gelingt eß, den Thüter zu ermitteln und ihn wegen Sachbeschädigung zu belangen. * ♦ Verhaftet. Aus dem hiesigen Bahnhofe wurde gestern Morgen der angebliche Hausbursche Wilh. Lorsch durch den Polizetdiener von Krofdorf und einen hiesigen Schutzmann feftgenommeri. Der Verhaftete steht im Verdacht, mit noch zwei Cornplicen, die bereit» in Krofdorf verhaftet waren, einen größeren Gelddiebstahl in Frankfurt ausgeführt zu haben. In feinem Besitze befanden sich 357 Mark und ein scharf geladener Revolver. * * Neujahrs-Ovation Die Bewohner der vorderen Westanlage wurden mit dem Glockenschlage 12 in der Neujahrs- nacht mit einem tadellos rein vorgetragenen Trompeten Solo angenehm überrascht. Der Künstler spielte von dem Choral „Wie groß ist de» Allmächt'gen Güte" drei Verse. * ♦ Sachbeschädigung. In der Nacht vom 29. auf 30. v. Mts. wurde einem Bewohner des AsterwegS die in feiner Gartenhütte zum Trocknen aufgebängte Wäsche zerschnitten und sonstiger Unfug verübt. Die Thäter wurden heute ermittelt und dürften eine empfindliche Strafe zu erwarten haben. * ♦ Bor 25 Jahre, stand der größte Theil der hessische« Division zu Weihnachten in und um Orleans, und wäre» unsere Truppen eifrig beschäftigt, VertheidigungSwerke herzurichten, da man jeden Augenblick einen neuen Angriff de» Feindes erwarten konnte. Trotzdem wurde da» Fest von den Soldaten so gut eß eben ging, gefeiert. — Live schwere Aufgabe war dem auß dem Großh. 2 Infanterie - Regiment Nr. 116, dem 2. Dragoner-Regiment Nr. 24 und der reitenden Batterie bestehenden „Detache«ent Rantzau" zugefallen. Da über die Absichten de» Feinde» an der oberen Loire keine Klarheit gewonnen werden konnte, o wurde am 20. December daß vorerwähnte Detachement unter dem Eommandeur der 25. Eavallerie-Brigade, Generalmajor v. Rantzau, nach Montargis (68. Kilow. östlich Orleans) entsendet, um auszuklären, ob Bourbaki über Mon- targiß nach Pari» vorzugehen beabsichtige. Am 22. Decbr. traf daß Detachement in dem Städtchen ein ohne auf de« Feind zu stoßen und wurde hier daß Weihnachißsest gefeiert. Weiter südlich an der Loire bei Briare wurden starke feindliche Kräfte vermulhet. Am 25. trat die Abtheilung 1 1 1 1 I. E.: Wiener. 113 121 | Aug. Voigt. 146 Caviar, feinsten grobkörnig, empfiehlt J. M. Schulhof. Wtrthe erkalten billigste Vor.uaspreise. fieklennaäslbondons p Schellfische 165 Java Eis-Galoschen 117 (zur Verhütung des AuSgleitenS) rvied-r eingetrostcn bei 124 L. Süß, Marktstraße 9. । ^iehiisten o o erficht ver XoheSiüfte tu Gieße». 52. Woche. Vom 22. December bfi> 28. December 1895. Effnvohnerzshl: angenommen zu 22 400 (tncl. 1600 Msrin dPüiiär). Sterblichkettsziffer: 20,89, nach Abzug der Ortsfremden 16,25^. Kinder SS starben en: Zusammen: Erwachsene: hn ww 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Schellfische große, garantirt frisch, Cablia«, groß und fett, im Ausschnitt, billig 48_______im „Rebstock". 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