Dienstag den 2. Juni m. 127 Zweites Blatt 1N96 Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Amts» unb Zlnzeigeblatt für den Kreis Gießen. Hratisbeikage: Hießener Iamitienbkätter. Älk Nimoncen-Burcaux de» In- und LuSlandc» nkhmro Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. fllhni! tn« dom Anzeigen zu der Nachmittag» für de» t° flp'D Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Nedaclion, Gxpcditto» und Druckerei: -chNlärcktze Ar.7. Fernsprecher 51. BieNrlf ihriger A5oRnem,nt,prti»» 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Pfg. t Aießener WlMi«M»rLl1er Anzeiger »vatsrrch dreimal ! ijielegt. Der •W* Anzeiger « r: r täglich, m ir iMl nähme de» R imtag». Sperrsitz ja ,, ?®rla . hn Prai^ wrevt, r. ’i MU ß Uch Hon WWt * gtfti) in 7. ft »ttag Z H >00 Perjom chvhe. ses itnM von dir i» Rr. 116 Mi WM, j|; inberfpidt ist btstrni, Duvkelhtii: ‘olonaise, ih bengalische? »dNsstmeats. estsllü: I n Streichorchester ok Bier in erson 20 kst g Erwochsener, fiel1 ; den B-usond jut r erzozthum Heilen d? eichen Besuch der fc ' Ftchlotrn«! «d Kietz»- . , im) dlfmü! leitz) Weste zu wafdjtß Gardilltu ä Blue Deutsche» Reich keeüi», 30. Mai. Bet regnerischem Wetter sand heute frültzm 9 Uhr auf dem Tempelhofer Felde in Gegenwart de» d Lüs^rpaareS und der hier anwesenden Fürstlichkeiten die |tom Frühjahr-Parade der ia Berlin und Umgegend liegqotln Garde Regimenter statt. Btrbin, 30. Mat. Da» „Kleine Journal meldet auS l^axBrll: -Seit vorgestern ereignete sich gestern schon da» z:oe MDipn a m t t»A t t e n t at auf dem Boulevard Sebastopol. Ort iviprstrigen Explosion hatte man keine Wichtigkeit bei- qtoeiifm umd sie für einen kindischen Scherz gehalten. Nun ■'Ciaittmi eS sich zweifellos um anarchistische Frevelthaten zu I ftmbtbn. Die gestrige Explosion zertrümmerte vier riesige - es ^st5benster und eS st als ein Wunder zu bezeichnen, b: üttiBanb verletzt wurde. Die Polizei sucht eifrig nach demn Lhirder. 8ttfcm, 30. Mai. Für die heutige Kaiserparade Inn Tempelhofer Felde sind wiederum sämmtliche zur fcnr Colonial-AuSstellung befindliche Neger befohlen wor dÄw. Bttb b, 30. Mai. Der Kaiser hat seine Anwesenheit auf l| til hbewerbe-AuSstellung gelegentlich des Besuchs der e n gliflislhie n Schiffsingenieure am 13. Juni officiell .nmmtlbtn Ilassen. Bitltm, 30. Mat. An Stelle de» verstorbenen Poltzet- athMv. Mauderode ist Graf v. Sti llfri ed -Kattowitz zum PolliMatü, und Vorsteher der Executive der politischen P oliüsei ernannt worden. Btrln, 30. Mat. Um 12 Uhr heute Mittag kehrte het ilSilfatr an der Spitze der Fahnen Compagnie, überall uuai x fnbllkum lebhaft begrüßt, vom Tempelhofer Felde ins Ächlioes MÜck. ktvaSheu, 30. Mai. Der Kösener S.C. hat auf seinem ■,u P!isizstorn abgehaltenen Congreß u. A. eine Erweiterung der Mm»petenz der Ehrengerichte beschlossen, welche geet^zrü sst, eine Einschränkung der Pistolenduelle herbei« zufü'.Wen. Att-La«-' stritt, 30. Mai. General Billot soll entschlosien sein, eine t krrsgüngung in dem höheren OfsiziercorpS und HU Schaffung des Grade» eines Corps Commandanteu tn LIMl-ag zu bringen. Für die CorpS Commandanten soll die grenze auf 68 Jahre festgesetzt werden. stritt, 30. Mai. GueSdeS Partei gab gestern den Ctliii|li tcn der socialistlschen G em e i nd e r ä th e von ;G,Meich einen Punsch, bet welchem GueSde und Lafargue RedeM^lten. Parts, 30. Mat. Im Mtnisterlum deS Innern sind bedeutende Unterschlagungen entdeckt worden. Seit 1886 wird nämlich jede» Jahr ein Credit von 400 000FrS. im Haushalt für Subvention eines Kabel- nach der west- afrikanischen Küste verzeichnet, welche» bi» heute noch nicht gelegt ist. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. Pari», 30. Mai. Figaro, Journal de DebatS, TempS, Autorit«, Echo de Part», GauloiS, Soleil, Voltaire und Steele bekämpfen in heftigen Artikeln die Besteuerung der Rente. Dcrmtfc^te». * Berlin, 27. Mai. Was Alle- in den Wagen der Berliner Stadtbahn liegen bleibt. Rund 8000 Gegenstände, Packete, Schirme, Ueberzieher, Umhänge u. f. w. find während der drei Pfingstfeteriage in den Wagen der Berliner Stadt- und Ringbahn von Fahr« gasten zurückgelasien und von den Bahnbeamten aufgesunden worden. Der vierte Thetl der Fundgegenstände bestand auS Packeten mit Lebensmitteln, sodaß eS mit der Verprovianttrung mancher Familien übel au-gefehen haben mag. Wie ärgerlich muß eS gewesen sein, wenn Vater und Mutter am Endpunkte der Fahrt die Häupter ihrer Lieben glücklich bei einander sahen, aber der für daS „Picknick im Walde" bestimmte Proviant fehlte, der Kuchen, die hartgesottenen Eier, der Schinken, die Wurst. Die Packele mit Lebensmitteln wurden nach dem Bahn-Bureau Alexanderplatz gebracht und ihrer leichten Verderblichkeit halber versteigert, wenn sie nicht innerhalb 24 Stunden reclamirt worden waren. Die übrigen Gegen« stände wanderten nach dem allgemeinen Fundbureau am Schlesischen Bahnhos. * Der Vorstand des verein» zur Bekämpfung der öffentlichen Sittenlosigkeit wurde auf der letzten allgemeinen Con- ferenz in Essen beauftragt, ein Ausschreiben an die Vorstände der deutschen studentischen Verbindungen zu veran- lasien, welche» dieselben au die hohen sittlichen Aufgaben der akademischen Jugend und an die Wiederaufnahme deS KeuschheitS- PrinctpS, insoweit dasselbe fallen gelassen sein sollte, erinnern und sie veranlassen soll, tn diesem Sinne ihren Einfluß geltend zu machen und auf ihre Commilitonen einzuwirken. Dieses Schreiben ist vom Generalsecretär deS Verein» auSgearbeitet und wird in der nächsten Zett den betreffenden Vorständen zugesandt werden. DaS Correspondenzblatt dc» Vereins beginnt seinen 10. Jahrgang und zwar mit der Aufforderung, neue Abonnruteu werben zu helfen. Dazu heißt eS: „Daß unsere Arbeit von Jahr zu Jahr nöthiger wird, weiß Jeder, der da» öffentliche Volksleben mit offenem Auge anfieht. Die Verrohung der Sitten nimmt zu, die Wrrth- schätzung des Familienlebens und der Ehe finkt immer mehr. Die Wehrkraft, die Widerstandskraft, die Lebenskraft unseres Volke» wird Jahr um Jahr mehr bedroht. — Diesem Niedergänge unseres Volkes entgegenzuarbeiten, den Finger un- abläsffg auf die Wunde zu legen, au» der unser Volk sich verblutet, die öffentliche Meinung aufzurütteln au» tiefem Schlafe, damit die Unzucht endlich wieder als Sünde und Unehre empfunden und gehaßt werde, die Gesetzgebung im Sinne der deutschen Sittlichkeitsbewegung zu beeivflusien, die Scharen derer zu mehren, die mit uns dafür eintreten, daß das deutsche Volk seiner Tugenden Fülle, seinen Familiensinn, seine Eigenart und damit auch seine Liebe zum Evangelium wieder finde — diese hohe, herrliche Aufgabe hat sich unser Eorrespondenzblait gestellt. Spirlplea der ifrrbd|trn jrtnkfartrr Stsdtthkiter. Opermdav». Dienstag den 2. Juni: Hugenotten. Mittwoch den3. Juni: Fledermaus. Donnerstag den 4. Juni: Lili-Tsee. Hierauf Nachtlager in Granada. Freitag den 5. Juni: Obersteiger. SamStag den 6. Juni: Walküre. Sonntag den 7. Juni: Ltli- Tsee. Vorher: Lucretta. Gcha«fPteU»aa». DienStag den 2. Juni: Komtesse Guckerl. Mittwoch den 3. Juni: Madame Sans-GSne. Donnerstag den 4 Juni: Die Räuber. Freitag den 5. Juni: Untreu. Vorher: Gleiche Gegner. SamStag den 6. Juni: FieSco. Sonntag den 7.Juni: Goldfische.________________________________________________ Verkehr, Canfc» tmb Velkswirthschaft. — Der Geschäftsbericht der Bremer Leben»v«rficheru«g». Bank über das Jahr 1895 constatirt, daß daS Resultat de» verstossenen Jahres ein recht zufriedenstellendes gewesen ist. Dem Berichte entnehmen wir, daß inSgesammt neue Anträge über 12029400 Mk. zur Erledigung kamen und zwar in der LebenS- verstcherungs-Abtheilung 9138 500 Mk., in der AusstruerversicherungS- Abtheilung 2 019 200 Mk. und in der Militärdienstoerficherurrgö- Abtheilung 871 700 Mk. Der Versicherungsbestand der Bank erreichte mit Jahresschluß die Summe von 65 206 336 Mk. Die Einnahme an Prämien, Zinsen und Mietbbeträgen erhöhte sich von 2 587 850 Mk. im Jahre 1894 auf 2 828 500 Mk. im Jabre 1895, e» ergab sich demnach eine Mehreinnahme von 240750 Mk. Die Prämienreserve und Prämienüberträge vergrößerten sich um 1 446 600 Mk. und beliefen sich am JahreSschluß auf 13 450 900 Mk. An fälligen Versicherungssummen waren 557715 Mk. zu zahlen. Die Sterblichkeit bei den Todesfalloersicherungen ist erheblich hinter der rechnungsgemäß zu erwartenden zurückgeblieben, fodaß auch in dieser Beziehung ein günstiges GeschästSergebniß zu verzeichnen war._________________ Uebersettete Theerschweselseise von Bergmann & Co., Berlin v. Frkft. a. M. Marke: Dreieck mit Erdkugel und Kreuz ist thatsächlich unvergleichlich in ihren Wirkungen gegen alle Hautunreinigkeiten und Anschläge, sowie zur sofortigen Herstellung einer sammetweichen, blendend weissen Haut- und Gesichtsfarbe. Vorräthig 50 Pfg. pro Stück bei 4246 H. Tichy, Seltersweg 43. a, II; ein undurchdringlicher Schleier zog eS sich mehr und mir um diese gehetwnißvolle Sache zusammen. Hefe fl'btwrt übte eine niederschmetternde Wirkung au». j|nr und Frau von Hiller litten schwer darunter. Freuest« rmd Bekannte beeilten sich, ihnen ihre warme Theil- Tc.F)mt'MiIbekennen und ihnen Trost zuzusprechen. ES würde, t? m w. sich noch alles aufklären. Stjitem endlich der Thatbestand zu Protocoll genommen 1111 224.'/' An üNeldbetrag war am bestimmten Tage eingezahlt ^Lü! DordiNt» M pünktlich in Lichterfelde eingetroffen. Diesem Feuilleton. Um Nichts. Skizze auS dem Leben. Don Doris Frettn von Spättgen. (Schluß.) 103.— 102.20 r vom 123./5. 101.60 103.90 101.30 104.40 ■ Factwm gtjigenüber standen die Hillers wie vernichtet. — fiPr! Lergech? — Carl hatte e» also nur vergeffen! ' k General lief selbst nach dem in der Nähe gelegenen ^ß.k! !tit sofort eingeleitete Untersuchung förderte nichts DtM*! oeiteMii Tage, als einen kleinen Papierstreifen, der auf dem Tifdjiiigim Dtenerzimmer lag und worauf mit Bleistift hin- gekrtüjtzi, allein deutlich zu lesen stand: S4* trit:e Mutter, ich bin unschuldig! Für meine Ehre taffe iltuietn Leben." NS 158.75, > 179.70 4 143.30 5 153.30 3i ) 186-50 ) 206.80 g . 155-30 4 i 109.90 g . 291!'« 3 S'/i ) 117.403 421-70 . 15730 ) 46." > 161." ) 15T.<0 153-10 jtaHi»-- kirrem endlich der Thatbestand zu Protocoll genommen Sfi;. and : \i. Leiche deS unglücklichen Carl Wehnert aus dem Häuf'«!::i»nacht worden war,', erinnerte sich der General Xy barotrann feinen Sohn zu telegraphiren. Dieser kannte die ■ PiinWlcrit seines Vater» und mußte über da» Nicht- - tlntrernfn Iber verhängnißvollen zwanzig Mark selbstverständlich iefrdeiii 'lein. fsW6' H:i drei Stunden kam die Antwort zurück. Allein gerade __ Schnellste B tgenb: Narlch^ ißt 10. Postbureau. Dort wußte man nichts davon. Darauf bestieg er eine Droschke und fuhr nach dem Hauptpostamte. Dabei schoß ihm plötzlich eine Erinnerung durch» Hirn. Dort auf der nämlichen Straße wohnte ja sein Vetter und gerade an jenem verhängnißvollen Morgen hatte er Carl mit einem Auftrage zu diesem gesandt. Offenbar hatte der Bursche den Betrag auf der Hauptpost ausgegeben. Warum aber leugnete er den Empfang, des Geldes? Hatte er daS wirklich nur vergeffen? Am Postschalter wurde dem General aus seine dringende Frage sofort der Bescheid, daß die Summe von einem Osfizierburscheu wirklich eingezahlt worden sei. Die Quittung habe dieser jedoch liegen laffen- sie wurde Herrn v. Hiller bereitwilligst verabfolgt. O, warum, warum mußte daS so kommen? Am Tage vor der Beerdigung deS armen Carl traf dessen Mutter ein, nachdem Herr v. Hiller diese durch ein lange», ausführliche» Schreiben von dem entsetzlichen Ende ihres Sohnes und den damit verbundenen schmerzlichen Umständen benachrichtigt hatte. Mit banger Scheu hatten Herr und Frau v. Hiller dem Eintreffen der schwergeprüften, alten Frau entgegen- gesehen. Würde diese nicht Aufklärung verlangen über die geheimnißvollen Motive zu des SohneSf verzweifelter That? Würde ihnen nicht dennoch ein Vorwurf zu Theil werden? Der Auftrag feine- General- war gewissenhaft ausgeführt — und doch war da- blühende junge Leben mit eigener Hand vernichtet worden — um Nicht-1 — — Es war ein banger Moment, al- die Mutter des Heimgegangenen über die Schwelle von Herrn v. Hillers Arbeitszimmer trat, ein gebückt schreitende-, runzelige- Weiblein, aber mit noch klarem, unerschrockenen Blick. Heiße Zähren rollten ihr unaufhaltsam über die welken Wangen nieder, während der General ihr nochmal- den ganzen schmerzlichen Hergang tn schonendster Weise klar- zulegen versuchte. Nachdem er geendet hatte, seufzte sie tief und schwer und sagte in ihrer halb derben, halb rührend schlichten Art: „Grämen Sie sich nur nicht gar zu sehr, Herr General, es ist halt sein verhängniß gewesen. Ich habe ja längst gefürchtet, daß 'mal so wa» kommen würde. Als kleiner Junge war der Carl auch so oft schon gedächtnißschwach und verdreht. DaS liegt im Blute. Sein Vater — Gott hab ihn selig — hat sich ebenfalls entleibt, weil er glaubte, ich wollte ihn verhungern laffen! Du meine Güte, und ich hab den Seligen doch so gut versorgt. Aber da- ist wie böser Giftsamen im Menschengeift, irgendwo und zu irgend welcher Zeit wuchert er wieder auf. Ihnen und der gnädigen Frau aber ist keine Schuld betzumeffen. Sie haben nur Ihre Pflicht gethan." Carl Wehnert erhielt ein ehrliches Bcgräbniß. Ja, Herr v. Hiller und seine Gemahlin liehen e- sich nicht nehmen, die erste Scholle Erde auf des verblichenen Sarg zu werfen. Der Garnisonprediger hielt eine tief ergreifende Rede, bei der kein Auge trocken blieb. Er sprach von der Glückseligkeit eine- reinen Gewissen», von Pflichttreue und Soldatenehre. Aber er hob darin auch scharf hervor, daß der Keim einer verheerenden Krankheit daS Denkvermögen des armen Dahingeschiedenen bereit- langsam zu umnachten begonnen. Einzig in einem Anfalle von acuter Geistesstörung habe Carl Wehnert Hand an sich gelegt — um Nichts! iftt 2lttt Dein7pfschifffahrfs- Gesellsch AnrtU Wer La» ustralien TorddeidsdierLIbyd,Bremen^ fcung. vermischte Anzeigen CO 3844 4976 Expedition d. Bl. trifft von jetzt ab täglich in frischer 2enbui^ 5089 | PILSNER BIER au3 protocoimte der J . n.. - ., n 5043 Th. Bogt, Löwengasse. t itÜlUN Gebrüder Roeder, ®?? SnMr Omnibus-Verbindung Ox ßinte Marburgerstraße—Bahnhof und zurück. Linie B < C Linie Gebe*. 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