er guten n nur •Cichorien in Gries ■ Anerkannt MH billigster Satz. 525 Angstgefühle, Keilbirke Asthma, SchwichensUailt, 'erden, langjährige Dam- och oft, wenn Kneipp- und It's Bäder in Aeer Broschüre über Eigenart Hi-9 ?ra8e» “ e°iW er. ibtit MV* >on! ebJ«lt*berobt 'Meten und Hn6: We Tonneuftr. j hbM??cLbin idl in p bei blll'gstn Stted). । Sm* i. »MA MKn haMicht 894. Passiva: lommene Capita' stsanlheile der iber 'fonb srüälage minn * X 70405.61 3160.- 240.- 92.97 gyinma 74379.23 A c tzeitNgaNgö ig unb crheilno^ b«6 -«Ä to®«9 («i I“ «eben b*”' aUf biefe« M d'E'K-s-^Z ,nleß und ölt . tt rootjl hMp- W 2189 93 117 o 1 124 M Oflt i« iMn* yW 'Sää» 1893 Sonntag den 3L März Drittes Blatt Nr. 77 Amts- und Anzeigeblutt für den Tiveis Giefzen. Hratisbeitage: Gießener Aamitienbkätter. Amtlichem Theil Gefunden: 1 goldener Ring, 1 Taschenmesser, 1 Umhüngetuch, 1 Paar Schuhe und 1 weißer Strohhut. Gießen, den 30. März 1895. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.. Wolff, Regierungs-Assessor. Depeschen de8 Bureau „Herold". verli», 29. März. Infolge eines BeschluffeS des Senioren» LouventS wird die Vertagung deSReichstages morgen SamStag beginnen und bis zum 23. April dauern. Auf die Tagesordnung der ersten Sitzung nach den Ferien wird daS Zollgesetz gestellt werden. Berti», 29. März. Im Herrenhause wurde heute der Antrag Pfuel, im Sitzungssaale eine Büste des Fürsten BiSmarck aufzustellen, einstimmig angenommen. Sodann wurde die Berathung des LandwirthschaftS-EtatS fortgesetzt. Die Debatte dreht sich wiederum ausschließlich um den Antrag Kanitz. Landwirthschaftsminister v. Hammerstein erklärte, weder der Antrag Kanitz noch irgend eine aridere Monopols» firnugsart sei annehmbar und ausführbar. Hierauf wurde auf Antrag des Grafen Schlieben mit 71 gegen 34 Stimmen beschlossen, den Landwirthschafts Etat von der Tagesordnung «bzusetzeo, da Minister v. Hammerstetn erklärt hatte, er müsse Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr. vierteljähriger Avouacwentspretar 2 Mark 20 Pfg. wir Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pf,. Rcdaction, (Sfpebttior und Druckerei: Schntstraße Kr.7. Fernsprecher 51. Localer rrnd provinrieller. Gießen, den 30. März 1895. •• Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 27. März den Prtvatdocenten vr. Robert Sommer zu Würzburg zum außerordentlichen Professor bet der medicintschen Facultät und zum Director der psychiatrischen Klinik an der Landes» Universität mit Wirkung vom 1. April 1895 an zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen. „lieber die neue Agrarpolitik" war das Thema, welches in einer auf gestern Abend vom Freisinnigen Verein einberusenen Versammlung Herr Bankdirector Thorwart von Frankfurt a. M. behandelte. Nach emleitender Be- Handlung der Bestrebungen des Bundes der Landwirthe, sowie des Programms des Herrn v. Plötz ging der Vortragende auf die niedrigen Getreldepreise der Gegenwart über- er schrieb die Ursache derselben den guten Ernten der letzten Jahre im In- und AuSlande zu und bezeichnete es für ver» fehlt, wenn auf eine Erhöhung der Getreidepreise hingewirkt werde, ohne daß der Grund dieses niedrigen Preisstandes berücksichtigt werde. Wenn der Roggen- und Weizenpreis, wie dies die Agrarier forderten, auf den Durchschnitt der letzten vierzig Jahre erhöht werde, so würde dies einer Bertheuerung von 64 Mk. für Weizen und 40 Mk. für Roggen pro Tonne ausschließlich Zoll gleichkommen. Dem gegenüber hob Redner den PreiSunterfchted des Getreides in Süd- und Norddeutschland hervor, demzufolge mit Annahme des Antrages Kanitz der Weizen in Berlin 75, in Mannheim 54 Mk. steigen würde, der Roggen in Berlin 50, dagegen in Mannheim nichts. Der Antrag Kanitz rechne mit 155 Millionen Mark Ueberfchuß, aber diese Mehrbelastung würde auf die Schultern der deutschen Consumenten gelegt. ES würden seitens der Agrarier Berechnungen über die Pro- ductiouskosten des Getreides vorgelegt, dabei sei aber nicht Der Hletzeuer Anzeiger erscheint täglich, Wit Ausnahme bei Montag«. Die Gießener yemUie»6(ätter werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kennlmß , daß in den Gemeinden Himbach, Rommelhausen und Düdelsh^m, Kreis Büdingen, die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen »nd Gehöft» und Gemarkungssperre angeordnet worden ist. Gießen, am 29. März 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. gesagt, daß nach Berechnungen der statistischen Bureau» d.e Elnteerae.bnisic eine Steigerung von 22 pCt. innerhalb zeh Jahren nachwtes-n- die gleiche Menge Ackerland tiefen ctn größere Menge Getreide als früher, sie sei in "hn Jahren gestiegen um 7 Millionen Centner Getreide und 33 Millionen Eentncr Kartoffeln- dabet ging Hand in Hand mit de« höheren Ertrag der Ernte der Ertrag der Viehzucht, er oe» deute für Deutschland eine Steigung um 30 pCt. an Pro- ductcn und an Fleisch um 20 pCt. Wenn die Anhänger des Antrages Kanitz das Sinken der Getreidepreise zu Gunsten ihrer Forderungen geltend machten, so könne dem entgegengehalten werden, daß der Procentsatz im Sinken der Jndustrieproducte ein ebenso hoher, in einzelnen sogar noch ein höherer sei, als im Getreide. Hinter den hohen Getreidepreisen lägen nur wenige Jahre, den Landwirthen, die über die niedrigen Getreidepreise klagten, stünden kleine Rentner und Handwerker gegenüber, von denen die ersteren durch stetigen Herabgang des Zinsfußes, letztere durch Ver- Minderung der Werth-- Ihrer Erzeugnisse sich 9«i*ab*9‘ fühlten, ohne daß sie zu so einschneidenden Maßregeln, wie sie im Antrag Kanitz liegen, die Hülse deS Staates anrtefen. UebrigenS sei die Zahl der Getreide verkaufenden Landwirthe recht klein, wer von diesen kleinen Landwirthen verkaufe, thue es nur deS SaatwechsclS wegen- 76% der deutschen Landwirthe bewirthschaften nicht je 5 Hectar, 10% dewirth» schäften mehr wie 5 Hectar, 14% haben große Güter, und nur die letzteren hätten Nutzen von erhöhten Getreideprei^n. Die kleinen Landwirthe hätten keinen Nutzen von hohen Ge- treidepreisen, sie würden sie aber spüren durch Pre-Ssteigen der Producte für ihre Lebensbedürfnisse. Redner bezeichnete den Antrag Kanitz als zum Sozialismus führend, und tritt der Annahme entgegen, daß die Jntereffen der kleinen Landwirthe durch den Bund der Landwirthe gewahrt würden, dies sei vielfach durch Thaten und Bestrebungen der Großgrundbesitzer widerlegt. Der nationalliberale Abgeordnete Bennigsen habe den Antrag Kanitz als gemeingefährltch bezeichnet; der Antrag hätte Sinn, wenn der Staat nicht nur das ausländische, sondern auch das inländische Getreide auf kaufte, aber daS wollten die Agrarier nicht. Wenn Deutschland sich gegen den Import deS Getreides abschließe, könne es nicht erwarten, daß ihm das Ausland andere Producte abnehme. Auf die so viel angefewbete Getreidebörse übergehend, bezeichnet Redner dieselbe als nothwendig, denn die Sp:culation verhindere, daß in einem Theile eines Landes das Getreide wegen Ueberfluß verfaule, während in einem andern Theile Hungersnoth herrsche- die Preise richteten sich nach Angebot und Nachfrage, und wenn so heftig gegen die Börse gearbeitet werde, so käme es mit daher, daß viele Großgrundbesitzer s. Z. auch speculirten, aber dabei hinein» gefallen seien. Würde der Antrag Kanitz zum Gesetz er» hoben, so würden die deutschen Consumenten 800 Mill. Mk. mehr aufbringen müssen, das deutsche Volk aber habe ein Interesse daran, daß der Brod Eonsum nicht vermindert, sondern vermehrt werde zur Erhaltung der Volkskraft. — Den Kampf der Agrarier gegen die Margarine behandelnd, weist Redner darauf hin, daß dieses Nahrungsmittel von Leuten genoffen würde, die keine Naturbutter kaufen könnten- die deutsche Margarinefabrikation verarbeite jährlich 255,000 Centner der Landwirthschast entnommene Rohproducte im Werthe von 10 Millionen Mark. — Auch In der Branntwein» befteuerung trete die Begehrlichkeit der Agrarier, die schon eine Liebesgabe von 40 Millionen Mark genössen, markant hervor- die Freisinnigen seien es gewesen, welche diese Liebesgabe den Brennern zur Bestreitung der durch die HeereS- vorlage nothwendig gewordenen Ausgaben hätten entziehen wollen- angesichts des geringen Procentsatzes der zur SpiritnS- bereltung verwendeten Kartoffelmenge (sie betrage 7 % gegen» über 93 °/0 der zur Nahrung dienenden) könne man nicht behaupten, daß im Jntereffe der Landwirthschast eine Noth» Wendigkeit vorliege, die Brennereien zu begünstigen, auch hier seien, wie beim Antrag Kanitz, die Kleinen im Nachtheil gegenüber den Großen. Angesichts der geforderten Export» Prämie von 3 Millionen Mark bei einem Export von 80,000 Hectoliter im Werthe von 1,520,000 Mark sei eß besser, den zum Export bestimmten Branntwein in die Elbe zu schütten. — Zu der Forderung der Erhöhung der Zuckerausf uhrprämie weist Redner auf die Vermehrung der Fabriken, die Zunahme der bepflanzten Flächen und der Production hin- es seien eine Million Tonnen Zucker mehr pro- ducirt worden, als auf dem Weltmarkt gebraucht worden und dies drücke selbstverständlich auf den Preis - die Forderung der Agrarier nach Prämienerhöhung sei ungerechtfertigt, denn diese käme nur dem AuSlande zu gute, auch sucht Redner an der Hand von Beispielen nachzuweisen, daß jede weitere ! Prämienerhöhung undurchführbar und schädlich sei- die Land» Meßmer Anzeiger Aeneras-Anzeiger. 1 Alle Annoncen-Bureaux deS In» und AuSlande« nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Neueste Nachrichten. Wolff» telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 29. März. Der Empfang des Reich stags- prästdiumS durch den Kaiser am 1. April erfolgt bei Gelegenheit der zur Feier des 80. Geburtstage» de» Fürsten BiSmarck im Weißen Saale des Schlosses stattfindenden Fest» Berlin, 29. März. Wie die „Voss. Ztg." hört, legen sämmtliche Herren deS PreßbureauS und deS Statistischen Bureaus des Bundes der Landwirthe ihre Aemter nteber. Karlsruhe, 29. März. Die hiesige Handelskammer sprach sich für die Aufrechterhaltung der Goldwährung und gegen den Antrag Kanitz auS. Wien, 29. März. Die „Neue Fr. Pr." bestätigt die Nachricht aus Petersburg, daß 90 hervorragende Jour» naliften und Schriftsteller durch eine Commission an den Lzaren ein Gesuch gerichtet haben, in welchem sie um Re» », sion der derzeit bestehenden Preßgesetze bitten. Pari«, 29. März. Eine Vereinigung der Arbeiter der Zündholzfabriken hat gestern beschloffen, alle Manufactur- Arbeiter des Lande» aufzufordern, jedenfalls die Arbeit einznstellen. Der Beschluß ist durch Telegramme den verschiedenen Genoffenschaften zugestellt worden. London, 30. März. Die Blätter besprechen die Rede Grays in der Nachtsitzung deS Unterhauses bezüglich deS Vordringens Frankreichs gegen das Nilthal. Die „Times" findet die Erklärung, daß das Nilthal ausschließlich in der englischen Einflußsphäre liege, vollständig gerechtfertigt. Frankreich habe keinen Widerspruch erhoben, so oft England mit Italien und dem Congostaat diesbezügliche Verträge abschloß. Charleroi, 29. März. Die Directoren der GlaS» Hütten sind zu einer Unterredung mit den Arbeiter» Syndicaten aufgeforbert worden, haben aber dieser Aufforderung keine Folge geleistet. Dieselben wollen einzeln mit ihren Arbeitern die verschiedenen Schwierigkeiten beilegen. No«, 29. März. In vaticanischen Kreisen wird bet» sichert, daß der Papst seine Absicht, dem Fürsten Bis» marck keine Glückwünsche zum 80. Geburtstage zu über» feubee, wegen der feindlichen Haltung des Centrums auf» gegeben habe und wahrscheinlich den Erzbischof von BreSlau, Cardinal Fürstbischof I)r. Kopp, beauftragen wird, dem Fürsten BiSmarck die Glückwünsche des Papstes zu über» bringen. in den Reichstag gehen und könne sich an den serneren Be rathungen nicht mehr betheiligen. rtrh, Berlin, 29. März. Im pr-ustUch°° Abgeord. netenDaufe werden die Osterserien erst in nächsterW°ch-, Donnerstag ober Freitag beginnen. Man will bis dahin noch die zweite und dritte Berathung de« Gerichtskosten, gesetzes und der Gebührenordnung für Notare erledigen. Berlin, 29. März. Hinsichtlich der Neubesetzung des preußischen Gesandtschaftspostens am bayerischen Hose, der durch die Ernennung deS Fretherrn von Thielmann zum deutschen Botschafter in Washington freigeworden ist, wird der „Post" zufolge die Entscheidung noch heute getroffen werden. Berlin, 29.Marz. Freiherr von Buol, der Präsident des Reichstages, ist alter Tradition entsprechend au» der CentrumSfraction auSgefchteden und gehört keiner ^art®erli'n, 29. März. Nachdem der Reichstagspräsident die Einbringung der s o c t a l d e m o k r a tische nReso lut ton über die Depesche deS Kaisers an den Fürsten BiSmarck durch seinen Einspruch verhindert hat, wird diese Resolution nich mehr zur Sprache kommen, vielmehr von den Socialdemokraten rurückgezogen werden. , . , , Frtedrtchsrnh, 29. März. Fürst Bismarck fuhr heute Nachmittag 6 Uhr auf die Anhöhe gegenüber dem Schloß, wo die Mitglieder der Anhaltischen Bürgerschaft eine coloffale Hirschgruppe aus Bronce auf einem herrlichen Aussichtspunkte ausgestellt hatten und demselben übergab. Der Fürst saß leichter Schmerzen wegen im Wagen, dankte wiederholt, ließ sich Meister, Monteure und Arbeiter vorstellen. Die Gesichts» schmerzen sind infolge deS schlechten Wetters stärker, daS All- gemeinbefinden ist andauernd sehr gut. Bis letzt sind über 500 Geschenke etngetaufen. Graz, 29. März. Der Statthalter siftirte den jüngsten Beschluß desGemeinderatheS in Graz, etneBism at tf* eiche zu pflanzen und den Bismarckcommers osficiell zu be» grüßen. Der Gemeinderath beschloß heute, telegraphisch beim Ministerium Beschwerde zu erheben. Brüffel, 29. März. Die conservativm Blatter fordern die Soc.alisten auf, offen und frei zu bekennen, ob sie die Verantwort ng für daS bei dem allgemeinen Ausstand unaußblübliche Blutvergießen in den Straßen auf sich nehmen wollen. Petersburg. 29. März. Nach Mittheilung der russischen Telegraphenagentur soll der Mikado entrüstet über das Attentat gegen Li Hung Tschang sein und die lapantschen Bevollmächtigten in Simonsekt angewiesen haben, Li Hung Tschang zu erklären, daß Japan in die provisorische Einstellung der Feindseligkeiten einwillige. wirtschaft habe schon größere Krise», z. B. I* den Jahre» 1840 biS 1847, durchgemacht »ad habe sich immer wieder eu8 eigener Kraft emporgearbeitet. Die Klagen der Land« »irthschaft seien international, die Lage aber bei unS nicht so schlimm wie tu anderen Lindern. Am wenigsten habe die hessische Landwirthschast Grund, sich den Forderungen der Grasten anzuschließen, die hessische Landwirthschast habe sich bedeutend gehoben, Dank der Fürsorge der Regierung, deS landwirthschastlicheu Vereins- und Genossenschaftswesens, durch diese sei für die Landwirthschast besser gesorgt, als mit dem Antrag'Kanitz. Preußens Junker hätten nur das Ziel, auf Kosten der Allgemeinheit ihre Taschen zu füllen, diesen Bestrebungen sollten sich die hessischen Landwirthe mit ihrem vorwiegend kleinen und mittleren Besitz nicht anschliesten. All die Mißstände in unserem socialen und politischen Leben be. trachtet, sei die Lage der freisinnigen Partei den gegenwärtigen Zuständen gegenüber eine schlimme, die Partei sei in'S Hintertreffen gerathen, dies könne dieselbe aber nicht abhalten, mit aller Kraft für die Jntereffen der Allgemeinheit einzutreten, jeder Einzelne solle seine Schuldigkeit thun, der gegenwärtige Kampf könne und dürfe nur endigen mit dem Siege des Volkes. (Bravo.) — In der nun fol- genden Diskussion ergriff Herr Sch lenke das Wort, um in eingehender und sachlicher Weise den gegen den Bund der Landwirthe und seine in dem Antrag Kanitz zum Ausdruck gebrachten Bestrebungen erhobenen Vorwurf zu widerlegen,- er suchte unters theilweiser Anfechtung der vom Vorredner mitgetheilten Ziffern der Lage der Land- wirthschaft eingehend zu schildern, wteS auf die schlechten Ernteergebniffe von 1892 und 1893, auf die erdrückende Eoncurrenz der argentinischen Einfuhr, die Zahl der in der Landwirthschast im Berhältniß zur Industrie Beschäftigten, die drohende Arbeitslosigkeit in der laudwirthschaftlkchen Bevölkerung bei Andauer der Nothlage und besonders auf die als irrig zu bezeichnende Annahme hin, daß der hessische Bauer unter 20 Morgen kein Getreide verkaufen könne - wenn die Landwirthschast höhere Erträge habe, so basirten solche auf großen Anstrengungen in Bezug auf Düngung, V-ehfütterung u. s. w. Weiter wendete sich Redner gegen die in der Margarine-, Branntwein- und Zuckersteuerfrage erhobenen Vorwürfe, unterzog die vom Vorredner erwähnten landwirthschastlicheu Verhältniffe Frankreichs und Deutschlands einem Vergleich und wiederholte die Versicherung, daß die Landwirthschast bei der heutigen Getreideeinfuhr nicht existiren könne, daß ferner mit der Landwirthschast auch die Industrie leide. — Nach der folgenden Erörterung des Herrn Thorwart über die Schlenke'jchen Ausführungen kam es zwischen den Herren Rechtsanwalt Grünewald und Sch lenke zu einer Auseinandersetzung über die Verhandlungen der letzten Grün- berger Parteiversammlung, über welche wir aber, da sie in den eigentlichen Rahmen deS gestrigen Abends nicht einzu- fchließen ist, auch der Raum in unserem heutigen Blatte ein zu beschränkter ist, nicht berichten können. — Zum Antrag Kanitz selbst bemerkte Herr Grünewald, daß die freisinnige Partei die Nothlage der Landwirlhschaft wohl anerkenne und auch bemüht sei, deren Lage zu verbeffern, aber dabet müffe daS Wohl der Allgemeinheit im Auge behalten werden, durch den Antrag Kanitz würde den landwirthschaftlichen Arbeitern »ehr geschadet wie genützt, eS fei neu, daß die Agrarier den Arbeitern helfen wollten, wo gerade sie sich gegen Freizügigkeit, EoalitionSfreiheit u. f. w. wendeten. — Herr Sch lenke bemerkt hiergegen, daß unter den Agrariern sich Leute aller politischen Richtungen, auch der freisinnigen, befänden, er verweise hierbei nur auf die früheren freisinnigen Wähler im diesseitigen Wahlkreise, die in den landwirth- fchaftlichen Versammlungen für den Antrag Kanitz gestimmt. — Herr Dr. Gutsletsch verbreitete sich hierauf über die Folgen und Consequenzen deS Kanitz'schen Antrags, sowie gegen die zu Gunsten desselben bisher entfalteten, vom Standpunkte des wahren Volksfreundes verwerfliche Agitation. Wenn der Staat etngreifen solle zu Gunsten Einzelner, so gäbe eS keinen Unterschied zwischen dem Antrag Kanitz und den socialdemokratischen Forderungen, unter dem gegenwärtigen Nothstande litten alle Berufszweige, nicht nur die Landwirthe. Die deutsche Nation würde untergehen, wenn die Grundbedingung alles Schaffens und Strebens, der Glaube an die eigne Kraft des Einzelnen schwinde; das was die freisinnige Partei an der Socialdemokratie bekämpft habe, das forderten nun die Parteien, die sich als staatserhaltend bezeichneten- eS habe nie einen unglücklicheren Antrag gegeben, als den Antrag Kanitz, er werde, auch wenn er abgelehnt werde, schweres Elend im Gefolge haben. — Die Versammlung wurde hierauf vom Vorsitzenden, Herrn RechtSanwalt Metz, mit dem Ausdruck der Hoffnung geschloffen, daß Herr Thor- wart (nebenbei bemerkt ein geborener Gießener) bald einmal über die Währungsfrage sprechen werde und dann der Verein wieder Gäste begrüßen und gegnerische Ansichten hören könne - waS die freisinnige Partei erstrebe, sei daS Wohl de- Vaterlandes, und mit einem Hoch auf dasselbe schloß die Versammlung. H. Reue» Theater. Die angekündigte Vorstellung von Grillparzers „Medea" konnte gestern Abend nicht stattfinden, da — wie der rothe Anschlagzettel verkündete — Frau Lange-PraetoriuS plötzlich abgereift war. Statt deffen wurde ,t)ie Kinder der E^cellenz" gegeben. Wir müffen gestehen, baß wir über den Tausch gar nicht böse waren, denn mit einem Lustspielpersonal eine Tragödie im Stile der,Medea" «»szuführen, bleibt auch dann noch eine gewagte Sache, wenn die Aufführung nur den Zweck hat, einen hervorragenden Gast in einer bedeutenden Rolle zu zeigen. So »der kamen wir zum Schluffe der diesjährigen Spielzeit »och einmal zu einer Vorstellung, die für die hier vertretenen Fächer angemessene Rollen bot. Sämmtliche miiwirkenden Künstler zeigten denn auch zum letztenmal, daß der ihnen ta Laufe deS Winters gespendete Beifall wohlverdient war. Wir dürfen ihnen hente danke» für manche genußreiche Stunde, die sie »uS verschafft habe» »»d der Hoffnung Ausdruck geben, manchen von ihnen im nächsten Winter wieder ! auf unserer Bühne begrüßen zu können. Fretllch, sehr ver- f lockend mag in Anbetracht deS Besuches der Vorstellungen ein Wiederauftreteu in Gießen nicht erscheinen- aber vielleicht ist biS dahin in unseren z. Z. unhaltbaren Theaterverhält- niffen ein Wandel zum Besseren geschaffen worden, ein Wunsch, den wir heute ganz besonders betonen wollen. •• Rettung Schiffbrüchiger. Von dem Vertreter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Herrn Jean Kirch geht un» nachstehendes Verzetchniß der zur Senntniß deS Vorstandes gelangten Seeunfälle an den deutschen Küsten im Jahre 1894 zu, welches zugleich eine Uebersicht über die Thätigkeit der Rettungsstationen der Gesellschaft gibt. — JnSgesammt find hiernach 38 Schiffe mit einer Besatzung von 236 Personen verunglückt, von denen 220 gerettet und nachweislich 16 umS Leben gekommen find. Die Rettung erfolgte: bei 27 Personen durch Selbsthilfe, ,62 „ „ Hilfe Seitens anderer Schiffe, , 22 ., „ „ vom Lande, y 109 „ „ RettungSgeräthe. Von diesen wurden 102 Personen durch RettungS- boote, 7 Personen durch Raketenapparate gerettet. 21 Rettungsstationen traten 30 Mal in Thätigkeit, darunter 21 Mal mit Erfolg. Unter den verunglückten Schiffen befanden sich 28 deutsche, 5 holländische, 2 englische, 1 dänische-, 1 norwegisches und 1 russisches Schiff. Seit Begründung der Gesellschaft sind bis zum 1. Januar 1895 durch deutsche Rettungsstationen 2181 Personen gerettet worden. ♦♦ Bom Revolver znm Bügeleisen. Kam da kürzlich ein alter Herr vom Lande mit dem Erlös seines verkauften Gutes in hiesige Stadt, um feinen Lebensabend bei Anverwandten zu beschließen - aber eS kam anders. DeS Haders und der Unannehmlichkeiten bei seinen Verwandten Überdrüssig (eS waren mehrere Familien, von denen jede den Alten wegen seines Geldes gern gehabt), kommt unser biederer Landmann eines Abends in aufgeregtem und derangirtem Zustande in ein hiesiges Gasthaus, um daselbst zu übernachten. Der Wirth, welcher inzwischen wahrgenommen, daß der Gast sich einen Revolver gekauft und die Absicht hatte, sich Nachts im Gasthause zu erschießen, nimmt den Selbstmordcandidaten bei Seite und macht ihm verständlich, daß er so etwas in seinem Hause nicht dulde und stellte ihm anheim, entweder den Revolver abzuliefern oder daS HauS zu verlaffen, worauf er den Revolver an den Wirth abgab. Nachdem sich bei dem Lebensmüden über Nacht die Aufregung gelegt, wurde ihm der Revolver wieder behändigt, jedoch mit dem guten Rath, das gefährliche Ding bei dem Kaufmanne gegen ein nützlicheres HauSgeräth umzutauschen, was denn der Mann auch that und dafür ein Bügeleisen eintauschte. DaS Stadtleben war der Alte nunmehr überdrüssig, tr soll wieder nach seiner Heimath abgereist sein. f Sich. 29. März Der hiesige zweite Stift-geistliche, Herr Sicentiat Cremer, hat einen Ruf als Professor an die Universität Marburg erhalten. A Au« dem Ohmthal, 29. März. Die bekannte Witte- rungsregel: Märzenstaub bringt GraS und Laub, läßt sich bet dem nun zu Ende gehenden Monat März nicht anwenden. ES hat keinen Märzstaub gegeben, wohl aber ein FrühlingS- gewitter, das in der Nacht auf den gestrigen bemerkt wurde, wobei eS mehrmals hell blitzte und vernehmlich donnerte. Gewitterartige Regengüsse folgten in dieser Nacht fast ununterbrochen und am gestrigen Vormittag ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder. Waren Gräben und Bäche schon stark angeschwollen, so traten sie jetzt Über ihre Ufer, dazu rollten gewaltige Wassermassen von allen Seiten herzu. In den Ortschaften schlug das Wasser über die Straßen und drang in die Hofraithen ein. Bald füllte sich daS ganze Ohmthal mit schmutziggelben Wassermassen, einem See gleichend. Heute zogen wiederum Gewitter vorüber, Blitze wurden zwar nicht bemerkt, aber starkes Donnern war hörbar. Wenn die Regel: Märzenregen bringt keinen Segen Anspruch auf Bewahrheitung hat, dann würde die Aussicht auf einen guten Jahrgang nichts weniger als günstig, allein das sprossende Grün auf den Wiesen läßt etwas Besseres erhoffen. A Maivz. 29. März. Hochwasser. Bon Tag zu Tag wird die Situation bedenklicher, indem der Rhein und seine Nebenflüsse unaufhörlich steigen und die Ueberschwemmungen am ganzen Flußgebiet des Rheins beängstigende Dimensionen annehmen. Der hiesige Quai ist vollständig unter Wasser und auf der ßafteler Seite bilden vom Gustav-burger Hafen abwärts Rhein und Main einen gewaltigen See, au- dem die Brückenköpfe und Festungswerke gleich Inseln hervor- treten. Dazu lauten die Nachrichten von oberhalb sehr ernst, indem nach den heute hier eingetroffenen amtlichen Nachrichten der Main und der Oberrhein noch immer stark anwachsen und nur bei dem Neckar Stillstand eingetreten ist. Hier steigt der Rhein stündlich einen Zentimeter und hat gegen- toärtig eine Höhe von 4,30 Mtr. Bei den fortgesetzten Niederschlägen — heute Mittag zogen mehrere mit heftigen Donnerschlägen begleitete Gewitter über die hiesige Gegend — ist ein Wendung zum Bessern vorerst kaum zu erwarten und Ist im Gegentheil noch eine Verschärfung der Kalamität zu befürchten. Die Schifffahrt kämpft mit großen Schwierigkeiten und wird nur noch in sehr beschränktem Maße aufrecht erhalten. Viele Rhein- und Mainorte stehen bereits ganz unter Wasser- hier ist die Stadt selbst noch vollständig wasserfrei. Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Lenchtgases. BorschristSmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gas verbrauch 13 biS 15 deutsche vereinS-Paraffiukerzen. Monat März 1895 : 13e/4 Kerzen. Buchner. Perfcbr, €aub* unb Velf#wirtbjcbafL •irtra, 30. Mär, Marktbericht- Aul Km heutige« BoScamartt kostete: Sutter pr X 0,80- 0,90, Hühnere er per Stück 5—6 4, Enteneier pr- St. 6 4, Gänseeier pr. 64* 10—11 4, »äse pr. St. 5-8 4, kttemrtje or. et- 8 4, irbtai pr- dttcr 18 4, Linsen or. Liter 30 A. tauben pr. öaar X 1.00 biß 1,20, Hühner pr. Stück * 1.30 btl 1 50, Hohne-- pr. Stück -m 1.50—2,00, Enten pr. 6t. X 1,80-2,20, Ochs «fleisch pr. Plv. 74—78 4. Äu>n Rindfleisch pr. Vid. 66-70 4, Schwein-fleisch pr. W 64-72 4, Kolb fletsch pr. Vst. 60-66 4. Hammelfleisch pr. Pfd. 60-70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,00-7,00 X, Wetstttm.« pr Stück Zwiebeln pr. Eemuer 6,00—0,00 X. Milch pr Liter 16—20 4 Auszug OM> den 5tan0 Se-V-r-i^ 5V- anerkannt bestes j 2826 3>ie trauernden Kinterölieöeuen Gießen, den 29. März 1895. Danksagung. Für die herzliche Theilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung unserer lieben Schwester, Schwägerin und Tante fränlfiH KstthMM sowie für die zahlreichen Blumenspenden, insbesondere Herrn Pfarrer Dr. Naumann für die trostreiche Grabrede sagen hierdurch innigsten Dank OODOOOOOOOOOOOOOOO 0 oo ooooooooooooooo 2807 2870 R e u h l. 000000000000000000000000000000000000 Schneider, Gerichtstaxator. Meine Wohnung befindet sich nunmehr gärten am Krosdorfer Weg, Flur 2 Nr. 120 — 294 qm Aller Laggärten in den mittelsten Schieß« gärten, Flur 3 Nr. 11 — 88 qm Acker Gewannlappen am Wißmarer Weg, Flur 5 Nr. 19 — 180U qm Wiese in den Weiden, Flur 6 Nr. 20 —1269 qm Wiese daselbst, Flur 5 Nr. 26 — 1512 qm Wiese daselbst, Specialität in Otto NB.: Ein großer Posten gonfirmonbrngieffl bedeutend unter Preis. 2855____ Oeffentliche Bekanntmachung. Wilhelm Löber IV. zu Gießen rft als geisteskrank entmündigt worden. Rechtsgeschäfte mit demselben können giltig nur unter Zustimmung seines EuratorS, des Bäckermeisters und Stadtverordneten Wilhelm Löber VI. in Gießen, abgeschloffen werden. wahrzunehmen. Iotgende Hegenfläude empfehlen wir besonders: Xv z finbet vom 9 bis incl. 8. 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