Nr. 203 Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, Bitt Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aomitieuvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Freitag den 30. August Gießener Anzeig er Amerak-Mnzeiger. isaa vierteljähriger Avonnemcatsprets: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen # 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedier o» und Druckerei: Schukstrahe Zlr.1. Fernsprecher 51. Anrts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jiamitienötätier. " .......... - «»e» Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Gießen, den 29. August 1895. Bekanntmachung, betreffend: Schweinerothlauf auf dem Markte zu Langsdorf. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnitz, daß unter einem von dem Händler Martin Kl öS zu Vilbel her- stammenden Transport von Schweinen des Händlers Louis Diefenbach zu Echzell auf dem Markte zu Langsdorf, Kreis Gießen, die Rothlauffeuche constatirt wurde. v. Gagern. Neueste Nachelchteu. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 28. August. Die Morgenblätter veröffentlichen die Grundzüge für die Organisation deS Hand» Werks, wie sie der kürzlich hier stattgehabten Handwerker- couferenz von der Regierungscommission vorgelegt und von ihr berathen wurden. Die Grundzüge sind: ZwangSorgani- sation des Handwerks, Regelung des LehrlingSwesenS, Er- richtung von Handwerkerkammern; Innungen sollen nur für gleiche oder verwandte Gewerbe gebildet werden- Jnnungs- mitglieder werden Krast des Gesetzes die selbstständigen Hand' Werker sein- die Verfaffung der Innung ist durch ein Statut geregelt, welches die höhere Verwaltungsbehörde erläßt- in den einzelnen Bezirken der Haudwerkerkammern werden JnnungsauSschüffe errichtet. Kastel, 28. August. Der Kaiser und die Kaiserin reisten heute Nachmittag von Wtlhelmshöhe ab. Die Bevölkerung brachte dem Kaiserpaare zum Abschiede begeisterte Huldigungen dar. Kurz vor der Abreise wurde der Oberpräsident Magdeburg und der commandirende General v. Wittich empfangen. Der Kaiser hatte zuvor noch die Stadt besucht. Schloß AdolfSeck bei Fulda, 28. August. Die Erb- großherzogin von Oldenburg, Prinzessin Elisabeth von Preußen, ist hier plötzlich an Unterleibsentzündung schwer erkrankt. Der Erbgroßherzog ist bereits am Krankenbett etngetroffen, desgleichen Sanitätsrath Dr. Neuber aus Kiel, der mit SanitätSrath Dr. Schneider aus Fulda die Behandlung übernommen hat. Adolfseck bei Fulda, 28. August. Die zum Besuche hier weitende Erbgroßherzogtn von Oldenburg, geborene Prinzessin Elisabeih von Preußen, ist gestorben. Feuilleton. A SrmmniuM eines freiwilligen Sanitätsmannes au den August- und Kkpkmbertngen der Jahres 1870. (6. Fortsetzung.) Für den Nachmittag deS 26. August wurde ein Streifzug durch daS Bois des Ognons bestimmt, wo unsere Heffen, besonders auch das Gietzener Regiment, am Abend des 16. August in den Kampf eingriffen. DaS Bois des Ognons haue dichtes Unterholz, in welchem noch verwundete Sol- baten, die sich nicht fortbewegen könnten, angeblich liegen sollten. DaS Gerücht erwieS sich als unrichtig. Zerbrochene Waffen und Ausrüstungsgegenstände jeder Art fanden sich noch zahlreich vor. Unter einem kleinen Strauche ragte eine abgeschoffene menschliche Hand heraus. Dieser Anblick verursachte mir eine heftigere seelische Erschütterung, als em gefallener oder verwundeter Krieger. Es fing bereits an zu dunkeln, als wir in unser Scheuer- quartier zurückkamen. Eine hessische Ordonanz hielt vor dem Hause, welcher ich die Reymann'scheu Specialkarten für die Division anvertraute - sie wurden pünktlich abgeliefert. Don der Ordonnanz hörten wir, daß die Franzosen einen Ausfall gemacht und unsere hessische Division von PterrevillierS und Marange nach Maizier an der Mosel marschtrt sei. Das bewog uns, am folgenden Morgen, 27. August, in aller Frühe aufzubrechen. Zuerst wurde noch die Stelle besucht, wo König Wilhelm I. auf einer provisorisch hergerichteten Bank, deren Ende durch den Leib eines tobten Pferdes ge- stützt wurde, am Abend des 18. August die Siegesbotschaft durch Moltke empfing. Don Gravelotte zieht die große Straße nordwestlich bis Malmaison, wendet sich dann nahezu westlich über Doncourt nach Eiain, während eine kleinere Hamburg. 28. August. Heute Nachmittag 41/« Uhr trafen etwa 50 deutsch-amerikanische Veteranen von Bremen hier ein und wurden am Bahnhofe vom Vorstande des Kriegerverbandes und verschiedenen Abordnungen mit 12 Fahnen freundlichst begrüßt. Die Musik spielte „Deutschland, Deutschland über Alles". Während der persönlichen Begrüßung stimmte die Musik die amerikanische Nationalhymne an. Die am Bahnhof angesammelte Menschenmenge empfing die Amerikaner mit brausendem Hurrah. Sodann begaben fich die Amerikaner per Wagen in ihre Hotels. Für morgen Vormittag ist ein Besuch beim Fürsten Bismarck, für morgen Abend ein CommerS im Concerthaus Ludwig in Aussicht genommen. Augsburg, 28. August. Der Genossenschafts tag faßte nach sehr beifällig aufgenommenen Reden des Prof. Dr. Huber - Stuttgart und des BankdirectorS Thorwart- Frankfurt a. M. auf Antrag des schlesischen Verbandes einstimmig einen Beschluß zu Gunsten der Goldwährung. Paris, 28. August. „Echo" meldet, der Herzog von Orleans habe vor seiner Abreise nach Marienbad allen von ihm subventionirten Blättern mitgetheilt, daß am 1. October jede Subvention aufhöre, da es verlorene Mühe fei, gegen die Republik auzukämpfen. Paris, 28. August. Der dramatische Schriftsteller Hippolyte Raymond hat fich in der vergangenen Nacht in Saint-Mande erschossen. Constantine, 28. August. Eine Wasserhose verwüstete gestern Abend daS Gebiet von Stdi Aich. In einem arabischen Dorfe wurden 14 Personen getödtet, ebenso viele verwundet. Depefchen deS Suteeu .Herold". Berlin, 28. August. Dem „Reichsanzeiger" zufolge ist das Schriftstück, welches die in Magdeburg erscheinende socialistische „Volksstimme" aus dem Buche von Biedermann: „Deutschland im 18. Jahrhundert" abdruckte und welches eine angeblich im Jahre 1798 erlassene Cabinets- ordre betreffend das Verhalten besonders der jungen Offiziere dem Civilstande gegenüber enthält, eine Fälschung. Berlin, 28. August. Polizeilich verboten wurde die Abhaltung einer von socialtftischer Sette nach Schönhausen einberufenen Volksversammlung, in der der Krieg 1870/71 besprochen werden sollte. Die Beschwerde gegen das Verbot des Amtsvorstehers ist von dem Landrath des Kreises Nieder-Barnim als unbegründet verworfen worden. Berlin, 28. August. Der bei der Botschaft in Berlin beglaubigte franz ösi sche Militär-Attachö, Major E. L. de Foucauld vom Generalftab wird den Kaiser- manövern in Pommern nicht beiwohnen. Die französische Armee bleibt in diesem Jahre unvertreten. Die „Post" fügt hinzu, die Gründe seien bekannt und begreiflich. Posen, 28. August. In Karezewo haben Kinder ein schweres Brandunglück verschuldet. Dieselben zündeten Stroh an, wodurch ein ArbeiterhauS in Brand gesteckt wurde. Daffelbe wurde total eingeäschert. Sechs Personen find dabei umgekommen. Posen, 28. August. Das Mörderpaar Mathilde Heintze und OScar Heilmann, welche im vorigen Jahre den Ehemann der Heintze mit Arsenik vergifteten und nach Amerika geflohen waren, von wo sie auSgeliefert wurden, find nun im Gefängniß zu Llffa untergebracht worden. München, 28. Auguist. Katholikentag. DaS Wort erhält Dr. Bachem zu dem Thema: „Die Weltanschauung deS Sozialismus." Derselbe führt aus: Vom Liberalismus übernahm der Sozialismus die Lehre von der absoluten Souveränität des Volkes. Nicht selbstlose Männer würden aber in diesem Falle Führer des Volkes sein, sondern nur solche, welche demselben am meisten zu schmeicheln vermöchten. Redner glaubt, daß der sozialistische Staat erst recht der Autorität, die er zu untergraben gewillt ist, bedürfe, eine Autorität, die so stark sein müßte, wie sie wohl kaum geschaffen werden könne. Wohl noch keine Theorie sei so zielbewußt auf die Mafien zugespitzt worden, wie die sozialistische, denn sie ist darauf berechnet, einerseits die Wahrheit zu ver- düstern und andererseits die Leidenschaften aufzurütteln, der Sozialist, welcher weiß, daß der heutige Mensch für einen Zukunftsstaat absolut untauglich ist, construirt sich einfach einen Menschen, der in den Zukunftsstaat hineinpaßt, einen Menschen, der gehorcht ohne Autorität, der arbeitet ohne Aufsicht. Auf der ganzen Linie würde daS Centrum angegriffen, aus der ganzen Linie müßte es kämpfen. ES müßten die Arbeiter wieder organisirt werden, und in den katholischen Arbeiter-Vereinen würden auch die einzelnen Arbeiter sich wiederfinden. Redner schließt: Wir wollen bis in den letzten Ort und in die letzte Fabrik bringen, um die Arbeiter wieder zu einigen, die christlichen Arbeiter. (Brausender Beifall). Inzwischen ist ein Telegramm seiner Königlichen Hoheit, des Prinzregenten eingelaufen, in welchem er der Versammlung für die dargebrachte Huldigung in kurzen Worten seinen Dank ausspricht. Hierauf spricht LandtagS- .abgeordneter, Lehrer Woerle aus Pfersee über: „Unsere Forderungen für die Volksschule". Redner beleuchtet die Wichtigkeit der Volksschule, welche die Zukunft des Vaterlandes und der Gesellschaft entscheide. Die Loosung im Kampfe muffe heißen: Hie Christenthum, hie Atheismus. Der Simultan-Unterricht mit gesonderten Religionen sei ein Zwei Seelen-System, ein Unding. Die Sinmltan-Schule bilde nur den Uebergang zum gemeinsamen religiösen Unter» Bicinalftraße fast genau nördlich von Malmaison nach Verne- ville, darauf das Bois de la Gusse durchschneidend über Haboeville nach St. Marie aux CheneS führt. Malmaison liegt also in dem Straßenwinkel, der durch die Straßen Gravelotte—Doncourt und Gravelotte— Verneville gebildet wird. Wir befanden unS hier auf den Feldern, wo am 18. August die grauenhaften Kämpfe ftattfanden. Man begreift nicht, daß nur ein einziger deutscher Soldat mit dem Leben davonkommen konnte, wenn man diese furchtbaren Positionen sieht und erwägt, daß die Franzosen in vorzüglicher Deckung die ganze Gegend in einen Kugelmantel hüllten. Sie müssen entsetzlich schlecht geschossen Haden, anders läßt sich die Sache nicht erklären. Wären die Stellungen umgekehrt gewesen, d. h. hätten unsere deutschen Truppen so gute Stellungen und Gewehre gehabt wie die Franzosen, von den letzteren wäre kein einziger lebendig in die deutschen Positionen eingedrungen. Unsere zahlreicheren Truppen wurden stets durch die besseren französischen Stellungen reichlich ausgeglichen. Nur spartanisch deutscher Muth, Todesverachtung und glühende Vaterlandsliebe konnten so herrliche Thaten verrichten. In Verneville erfuhren wir, daß der gestrige Ausfall der Franzosen nur ein Scheinangriff gewesen, weßhalb fich unsere Hessen wieder in ihre Positionen zurückgezogen hatten. Wir wandten und deßhalb nach Anoux la Grange, wo Herr Stabsarzt Dr. F., ein uns befreundeter trefflicher Mediciner und Soldat — er ist jetzt auch bereits zur großen Armee abgegangen — das Sanitätswefen leitete. Es war bewunderungswürdig, was in der kurzen Zeit vom 18. bis 27. August hier, wie überall, gethan worden war. Unsere Soldaten und Offiziere waren Helden auf dem Kampfplatze, nufere Aerzle, Krankenträger, Diakonissinnen und barmherzigen Schwestern waren eß nicht minder auf dem Felde der Barmherzigkeit und Menschenliebe. Bis in die vordersten Reihen sah man die Krankenträger mit ihren Wassereimern dringen, um den brennenden Durst der Verwundeten zu stillen. Nagender Hunger thut nicht so wehe, wie glühendbrennender Durst. Geradezu erstaunlich war es, wie diese Krankenträger, mit der Pfeife im Munde und den Waffereimern in den Händen so seelenruhig in diesem Weltbrande herum- gingen, als befänden sie sich auf dem Kasernenhofe. Es war eine große Zeit anno 1870 und große Zeiten erzeugen große Menschen. Von Anoux la Grange aus hatten wir Gelegenheit, die Stellungen unserer Hessen, ihre Kämpfe und Leistungen am Eisenbahndamm, ihr heroisches Aushalten im Bois de la Gusse, wie überhaupt als Centrum der ganzen Armee, welches den Anprall des Feindes abweisen mußte, zu bewundern. Die Thaten der Hessen am 18. August können sich jeder anderen Kriegsthat des Jahres 1870/71 an die Seite setzen. DaS spricht sich auch in den Verlusten aus. Die hessische Division, welche etwa halb so stark war alS das sächsische Armeecorps, hatte die gleichen Verluste wie letzteres, d. h. sie waren doppelt so groß. Für den Krieger ist es das Schrecklichste, wenn er weder vor- noch rückwärts kann, auf der Stelle aushalten und fich von einem fast ganz unsichtbaren Feinde niederschmettern lassen muß. Diese Aufgabe haben unsere Hessen glänzend gelöst. Wie am 6. August bei Wörth Preußen, Bayern und Württemberger Schulter an Schulter kämpften und fich in Tapferkeit und Todesverachtung zu übertreffen suchten, so standen am 18. August Preußen, Sachsen und Heffen in treuer Waffenbrüderschaft zusammen und schlugen den Erbfeind zu Boden. (Fortsetzung folgt). richt aller Kinder. Die einzige Forderung der Katholiken laute auf dem Gebiete der Volksschule: „konfessionelle Schule und nur confesfionelle Schule". Am Schluffe seiner Ausführungen trat Redner für eine Reform des Lehrplanes rin. Lauter Beifall begleitet feine Schlußworte. Sodann ergreift das Wort Gymoafiallehrer Dr. Orterer Eichstadt, um Über Umsturz in Wissenschaft und Schule zu sprechen. Die Katholiken müßten dafür Sorge tragen, daß in allen unseren Schulen ein wahrhaft christlicher Geist seinen Einzug halte. Die moderne Wissenschaft, welche vielfach die Socio- logie mit der Zoologie verwechsele, sei Umsturz in des Wortes vollster Bedeutung. ES gelte nicht allein zu bekämpfen den Umsturz beim Proletariat, sondern auch den Umsturz im Salon. Redner schließt mir den Worten: Wir danken Gott, daß wir in der katholischen Kirche erzogen find, und nach dieser R'chrung hin mehr zu wirken vermögen, als andere Eonfesfionen. RetchSrarh Frhr. von Hertling verbreitet sich sodann über daS Thema: „Der Papst und die römische Frage". Vor 25 Jahren sei ein Sturm der Entrüstung durch die katholische Welt gegangen, als ein Beweis dafür, daß auch im 19. Jahrhundert die religiöse Frage die H rzen am meisten bewegt. Der Papst sei heule nicht mehr Herr in Rom, er sei ein Gefangener in seinem Palast. Man könne ein Gefangener sein ohne Ketten und vergitterte Fenster, so beim Papst, der sein Gebiet nicht verlassen könne, ohne den Insulten des modernen Publikums ausgesetzt zu f'tn. Mögen auch hunderttausende von Votanten erklärt haben, Rom ist die Hauptstadt Italiens, wir sagen doch: Rom ist uvS Rom und der heilige Vater unser Oberhaupt geblieben. Der Papst muß frei sein, denn er kann als Souverän nicht der Untergebene eines weltlichen Herrschers fein, die territoriale Souveränität ist eine unabwendbare Nothwendigkeit für die Ausübung des PapstthumS. Dem Papst die territoriale Macht rauben, heißt, den Papst und die Kirche in die Katakomben zurückdrängen. Wir haben keine politische Macht, aber als eine Gewalt können wir uns fühlbar machen, das ist die öffentlich^ Meinung. Halten wir fest an dem heiligen Glauben und der Sieg der Kirche, der Sieg im Lager des Papstes, wird uns sicher sein. (Brausender Beifall). München, 28. August. Katholikentag. Heute Vormittag fand die dritte geschlossene Generalversammlung statt. Domcapitular Stigloher berichtet über die Berathuagen des Ausschusses für Mission und christliche Charitas. Eine Reihe von Anträgen auf Förderung der verschiedenen Missions- Vereine wurden angenommen, ebenso ein Antrag LingenS auf volle Freiheit der Ordensthätigkeit. Sodann berichtete i^eneralsecretär Hille»Berlin über die Verhandlungen des Ausschusses für die sociale Frage. Im Anschluß hieran wurden Anträge angenommen, betreffend Erweiterung der Sonntagsruhe für die Soldaten, Abschaffung des Duells, Herstellung billiger Arbeiterwohnungen, Förderung der MäßigkeitSbeftrebungen. Schließlich referirte Juftizrath CustodtS - Köln über die Berathungen des AusschuffeS für BereinSwesen. — Als Ort der nächstjährigen Generalversammlung wurde Dortmund gewählt. Wien, 28. August. Die „Polit. Corr." erfährt auS Konstantinopel, die Regierungen von England, Frankreich und Rußland hätten beschlossen, daß, nachdem die Antwort der Pforte auf die von den genannten Regierungen in der armenischen Frage eingeleitete Action für ungenügend befunden und die Entsendung Schaktr-PaschaS nicht zur Kenntntß genommen wurde, nunmehr auf stricte Durchführung des § 61 des Berliner Vertrages energisch zu bestehen sei. Wegen diesbezüglicher Schritte sollen bereits Verhandlungen eingeleitet sein. vrüx, 28. August. In der Bahnhofstraße hat sich eine neue Erdrinne gebildet, durch welche die Bevölkerung wieder stark beunruhigt ist. Florenz, 28. August. Hier wurden wiederum mehrere Verhaftungen, darunter solche hochstehender Persönlichkeiten, vorgenommen, die unter dem Verdacht stehen, einer Falschmünzerbande anzugehören. Eine Werkstatt ist bisher nicht entdeckt worden. Die Verbreitung von falschen 100 Lire-Noten der Nationalbank, die täuschend nachgeahmt find, dauert fort. Paris, 28. August. Die großen Manöver, welche in den Ostprovinzen stattfinden, sind die größten und wichtigsten seit langer Zett. Vier Armeecorps nehmen daran Theil. Paris, 28. August. AuS Maubeuge wird gemeldet, daß daselbst ein gewisser de Grands, Handlungsgehilfe aus London, verhaftet wurde. Derselbe wurde dabei überrascht, als er Auskunft über die Verproviantirung der FortS zu erhalten suchte. Die Militärbehörde hat den Verhafteten unter Anklage deS Spionageversuchs gestellt. London, 28. August. In Milttärkreisen herrscht große Erregung. Die letzten Manöver sollen nämlich bewiesen haben, daß der weitaus größte Theil der englischen Infanterie nicht marsch fähig war. Eine diesbezügliche Interpellation soll demnächst im Unterhause eingebracht werden. Belgrad, 28. August. Aus der Station Rakonitza, wo gerade Kirchweihfest war, überfuhr der Orientexpreß, zug mehrere Personen. Ein Gendarm wurde getödtet- drei Personen sind tödtlich verletzt. E. AlSfeld, 29. August. (Privat - Depesche.) Seine Königliche Hoheit der Großherzog traf kurz nach 11 Uhr vormittags hier ein. Nachdem er die Front der aufgestellten 860 KriegervereinSmitglieder abgeschritten, besuchte er die Ausstellung, woselbst er eine Stunde verweilte. Restaurateur Reinhold credenzte Sr. Königl. Hoheit Gießener Actienbier. WB. Berlin , 29. August. DaS Torpedoboot 8 41 ist gestern in der Nordsee gekentert und untergegangen. Dabei ertranken Oberfeuermeister Reichenberg, Oberfeuer- meisterSmaar Plümm, FeuermeisterSmaat Krüger, Obermatrosen Urban, Allerkawp, Oberheizer Wiese, Bätzel, Matrosen Bruckwitzkt, Hannemann, Kurscheit, Schmidt, Heizer Pohle, Wimmer-. Der Krieg von 187Ö|71, geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit. (Nachdruck verboten.) 30. August. Nach osficiellen telegraphischen Nachrichten ist am 29. August Mac Mahon von der Armee deS Kronprinzen von Sachsen mit dem 4., 12. (sächsischen) und einem bayerischen CorpS geschlagen und von Beaumont bis Mouzon zurückgedrängt- 12 Geschütze, ewige Tausend Gefangene und viel Material gerieth in unsere Hände. Verluste mäßig. Zu den erfreulichsten Erscheinungen deS gegenwärtigen großartigen Krieges gehört auch die wirklich wunderbare Einigkeit, ja, selbst herzliche Kameradschaftlichkeit, welche stetS alle Truppen ohne Ausnahme, Preußen, Bayern, Württemberger, Badener, gegen einander beweisen. Wer früher bayerische und preußische Truppen in einer Garnison zusammen sah, z. B. in Frankfurt a. M., dem konnte eS nicht entgehen, daß stets eine gewisse Spannung zwischen ihnen herrschte, und 1866 haben unter allen sich gegeaüberftehenden Feinden vielleicht die Bayern und Preußen sich am erbittertsten geschlagen. Jetzt ist'daS gerade Gegentheil eingetreten Von allen Kameraden find besonders die Bayern und Preußen stets die besten zusammen, die auch keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ihre Brüderlichkeit recht sichtbar zu zeigen. Wickede erzählt in Bezug darauf: So sah ich, daß preußische Infanteristen mühsam Wasser herbeischleppien, um bayerischen CheveauxlegerS beim Tränken ihrer Pferde zu helfen, und wieder theilen die bayerischen Soldaten gewiß ihren letzten Trunk aus der Feldflasche und ihren spärlichen Tabak im Tabaksbeutel mit den Preußen. Eine höchst komische Scene war es, als Soldaten vom 18. preußischen Regiment, geborene Polen, die etwas angehettert waren und nun, wie eS der Pole liebt, wenn er viel getrunken hat, ihre Freude durch Küssen zu bezeugen, sich recht herzhaft mit bayerischen Jägern, lauter stämmigen Alt Bayern, abschmatzten und umarmten. Später spielte ein Pole auf dem Dudelsack, den er Gott weiß wo aufgetrieben hatte, und Polen und Bayern tanzten nun Fran-aise auf daS Lebhafteste miteinander. Und so ist eS überall, Bayern, Württemberger, Preußen, Badener, kurz, alle Soldaten der Südarmce sind ein Herz und eine Seele und auch noch nicht die mindeste Unordnung ist zwischen ihnen vorgekommen. Die Gießener Industrie auf der Alsfelder Ausstellung. (Origtnalbericht für den „Gießener Anzeiger".) III. Gehen wir jetzt Vom Schulhofe aus in daS alte Realschulgebäude, in dessen zu ebener Erde gelegene Räume der Buchhandel und die vervielfältigenden Künste untergebracht sind. Einen hervorragenden Platz nimmt hier die Verlagsbuchhandlung von Emil Roth ein. Die Wandflächen sind mit geographischen Karten für den Anschauungsunterricht bedeckt, Bücher und Broschüren, die im Roth'schen Verlag erschienen find. AlbumS oder Maphen, enthaltend Lichtdruck- Reproductionen in Photographie-Manier füllen einen etagenartigen Aufbau und entspricht daS gut wirkende Arrangement der Bedeutung dieser Firma voll und ganz. Hier in diesem Gebäude hat auch die Brühl'sche Druckerei mit ihren Erzeugnissen Unterkunft gefunden. In zahlreichen Original-Platten wird die eigene Stereotypie, Galvanoplastik, die Monogramm- und Siegel- Prägerei veranschaulicht^ besonders werden die sauber hergestellten Papiermatritzen, mittelst deren die Platten verfertigt werden, von dem Laienpublikum bewundert. Ausgestellte Druckarbeiten aller Art, welche auch im Hauptausstellungsgebäude, eine Treppe hoch, von der Hof- und Univ ersit ätS-Druckerei, Curt von Münchow, ausgestellt find, liefern den Beweis, daß Gießen in diesem Zweige der ErwerbSthätigkeit auf der Höhe steht und die Concurrenz der größeren Städte keines Falls zu scheuen hat. Buchbindermeister Richter veranschaulicht sein Können an zwei Bänden der Dorischen Prachtbibel, welche in Sasfianleder gebunden, mit Metallecken und Auflagen aus- gestattet und Goldschnitt versehen find. Außer mehreren kleineren Einbänden, die mit ihren Pressungen von gutem Geschmack zeugen, ist eS besonders noch ein in dunkelgrünem Plüsch gefertigter Schmuckkasten, der im Innern mit mattrosa Seide gefüttert ist, welcher besonders Beachtung verdient. Nun betreten wir den unteren Raum der neuen Real- chule, in dem Schlossermeifter Wilhelm Ziegler einen eisernen Geldschrank zur Ausstellung bringt, dessen Construction trotz des darauf bemerkten billigen Preises äußerst solid ausgeführt ist. Die eine ganze Breitseite des Turnsaales nimmt die Firma F. Krogmann mit einer ganzen Serie feuerfester und diebessicherer eiserner Geldschränke in allen Größen ein. Hier findet man Behälter, die für Millionen berechnet sind, aber auch der Mann, der nur über Tausende gebietet, kann sich das für ihn Passende heraussuchen. Selbst für den ganz kleinen Capitalisten ist bestens Vorsorge getroffen. Eiserne Rafettcn in der verschiedensten Construction und inneren Eintheilung finden sich vor. Dieser Zweig der Gießener Industrie ist durch die Firma F. Krogmann vorzüglich und ihrer Bedeutung würdig in Alsfeld vertreten. Man sollte nun meinen, wer einen solchen Schätzebewahrer erworben, der könnte ruhig schlafen, damit er aber auch ganz ruhig sich Abends ins Bett legen kann, find an mehreren Krogmann'ichen Schränken die F. Baumann'fchen Lärm-Apparate angebracht und ist es besonders deren von Zeit zu Zeit hörbares Geläute, welches ein zahlreiches Publikum hier zufammenlockt. Im unteren Stock der neuen Realschule hat auch Photograph PH. Uhl in künstlerischer Vollendung Porrrait-Gruppen und Genrebilder in elegantem, geschmackvollen Arrangement zur Schau gestellt. Zwei große Photographien sind eS br* 'ovderS, bic^ die AusnellungSbefucher fesseln, erstens die des Festausschusses des 22. mittelrheinischen Turnfeste- vor ber Fefthalle, welches in Gießen ja allgemein bekannt ist und zweitens bie Aufnahme des CorpS „Hasfia" vor dessen CorpShauS anläßlich des 50jährigen Stiftung-festes dies-4 CorpS. Ferner ist als besondere künstlerische Leistung ttne Vergrößerung in Lebensgröße daS Portrait deS verstorbenen MedicinalrathS Professor "Dr. Werner, in Platin auS- geführt, zu betrachten. Außerdem find noch weiter eine Menge Platinbilder verschiedenen Formats ausgestellt, die technisch und künstlerisch vollendet zu nennen find. Begeben wir unS in dem Gebäude eine Treppe hoch, wo bte Möbelschreinerei ihre Erzeugnisse zur Anschauung bringt. Die Möbelfabrik von Wilh. Reiber bat hier in pompösester Weise ihr Leisten und Können gezeigt. Ein Speisezimmer, stylgerecht in deutscher Renaissance, tn antik Eichenholz ausgeführt, ist betreffs seiner Gesammt- Wirkung blendend. DaS Prunkstück in diesem Raum ist damit reichem und gediegenem Schnitzwerk ouSgestattete Buffet, woran sich diesem ebenbürtig der prächtige, mit persischen Teppichen bezogene Divan anschließt. Der gediegen gearbeitete, 16 bis 18 Personen bequem Raum gewährende Der Tisch ist von mit gepreßtem Leder bezogenen Stühlen umgeben, ein geschmackyoller Credenz- und ein Serviert sch vervollständigen das hochvornehme Mobiliar. Um ben ganzen Raum zu beleben und daS Ouadrat des SchulraumeS zweckentsprechend herzunchten, hat der Aussteller eS verstanden, in sehr origineller, vorzüglich wirkender Weise einen Erker herzurichten, wodurch der ganze Raum anheimelnd und gemüthllch auf den Beschauer wirkt. Dieser Eindruck wird noch erhöht durch die in ihrer Zeichnung künstlerisch gestalteten Gobelins. Die Wände und Möbel find mit Zierrathen aller Art verziert, welche die Firma Bach am SelterSweg geliefert hat. Ein zweiter Raum bildet ein Schlafgemach in englischem Styl. Ein prachtvoller, in creme und blau gehaltener Himmel überwölbt, kunstvoll arrangirt, zwei hübsche Betten. Ein eigenartig componineS Möbel (Sptegelschrank) vereinigt sehr geschickt einen Aufbewahrer für Kleider und Wäsche und bildet gleichzeitig eine Commode. Diese Bereinigung ist originell und practisch zugleich glücklich durchgeführt. Eine Waschtoilette und zwei Nachttische mit mattrosa Marmorplatten und hierzu paffenden Porzellangeschirren find auf da» eleganteste wirkend gestaltet. Ein vornehm mit Stoff bropirter Toilettentisch mit Spiegel giebt bem Ganzen eine Abwechselung. Der ganze Raum beS Schlafzimmers ist faltig, mit himmelblauem Stoff brapirt, von bem sich, ben in Eichenholz mit Vogelahorn eingelegt gefertigten Möbeln entsprechend. Fenstervorhänge abheben. Die Firma Wilh. Reiber hat sämmtliche ausgestellte Möbel, auch beten Polsterung, in eigener Werkstatt gefertigt unb bamit bewiesen, daß sie Meister in ftylgerechten Wohnungseinrichtungen auch für den verfeinertsten Geschmack ist. Auf daS Speisezimmer mit feiner ganzen Einrichtung soll übrigens das VerloofungS- Cornits reflectiren und kann man bem eventuellen glücklichen Gewinner schon im Voraus dazu gratuliren. Coceks unt protrifajWCk#, Gießen, den 29. August 1895 * * Seine Königliche Hoheit ber Großherzog pafsirte heute Vormittag 10 Uhr aus der Reise nach AlSfeld mit kurzen» Aufenthalt die hiesige Station. * * Ernennung Seine Königliche Hoheit der Großherzog baden Allergnädigft geruht, den praktischen Arzt Dr. Ernst Walger auS Pfungstadt zum KreiSasfistenzarzt für die Kreise Schotten unb Bübingen mit bem Amtssitze zu Gedern zu ernennen. • • Dedicatiou. Wie mir erst heute erfahren, wurde am letzten Montag Herrn Geh. Hofrath Dr. Oticken von einer Deputation seiner früherrn und gegenwärtigen Schüler rin prachtvolles Album mit den Photogrophieen der Schüler überreicht. Die Anregung zu dieser Ehrung ging auS vor» den Herren Professor Dr. Mangold in Berlin, Dr. Han- Heim in Darmstadt, Dr. Bernbeck in Bingen und stud. Geißler in Gießen. Der aus oxydirtcm Silber gearbeitete, reich mir Allegorien gezierte Deckel deS AlbumS trägt die Widmung: „Ihrem hochverdienten Lehrer, Herrn Geh. Hofrath Professor Dr. Oncken, auS Anlaß feine? 25 jährigen segensreichen akademischen Thätigkeit an der alma mater Ludoviciana in treuer Dankbarkeit gewidmet von seinen Schülern." * * Zur Ausstellung nach AlSfeld fuhren heute mit dem 8 Uhr Zuge mindestens 300 Personen von Gießen auS. * * Manöver. Heute Morgen 7 Uhr 20 Min. verließ ein Theil unserer Garnison in 24 Wagen den Bahnhof, um nach Darmstadt zu fahren. Der Rest fuhr 8 Uhr 45 Min. in 41 Wagen dahin ab. Die Verladung geschah in circa 12 Minuten. * • Don ber Kaiferparabe ber 116 er, wird vom „Mainzer Anz." berichtet, daß unser Regiment am besten den Vorbeimarsch auöführte. Genannte- Blatt schreibt: „Der Vorbeimarsch im weichen Flugsandboden deS großen SandeS war meistens ein guter, am Besten aber wohl ber beS Regiments 116, baS, frisch vorwärts gehend, am Defilirpunkt mü allen Compagnien gradlinig abschnitt. Dabei war bfff Gießener „116 em" unser Sandboden ein vollständig gewohntes Terrain. Wie dieses Regiment an bie Reihe des Vorbeimarsches kam, sprengte der Kaiser daraus zu und stellte sich hinter der Musik vor die erste Compagnie, zog den Degen und führte die erste Compagnie seine- Regiment» dem Großherzoge vor. Am Defilirpunkt ritt er zum Groß- Herzog unb nahm, als daS ganze Regiment vorbeimarfchirt war, an seiner linken Seite Platz." Der „M A." «eitet weiter: „Zwischen dem ersten und zweiten Vorbeimarsch bemerkte man, daß der Kaiser dem Großherzog etroaß Angenehmes gesagt haben mußte, denn Letzterer verneigte sich mehrmals mit militärischem Gruß gegen den Kaiser und gust 1885 pafsirte heute mir kurzem [tnb « bh « blt «tzbtt . 'n unb 5 5: Öl^ aus, «int *lt, t!e 'Ä kd), l!,‘» >’ 1"?- ®efamnib i» d,i «»in»-» ««ein g!: 8'lvährende len Stühle, Serviert!,- Ita i6 ^chulraA,/ ?r es btx< 'btt Weiir ^oum qq, El- Dieser unb Mvveb b't Tnm eiter Raum Eia pra^. überwölbt, Ein eigev «ißt sehr 6' e unb bilbn ist origimH w Miet' satten unb ckganttüt : LvÜenrli' Wechselung, nit himmcl- chenholz mit evtsprechenb, Reiber Hal isteruuß, in in, datz sie auch sür den -zimmer mit %ttloofung$> in Michrn irr Großrischeu ÄTjl taMeuzarzr ImtSsitze zu , wurde am n non e'wer TchArr tw der Schüir ging aus vvt n, Dr. Havt stud. Geißltt tett, reich «t Die Mmng: srarh Prosess°l legenSreichev > Ludoviciana jMn." eute fflü ießen aus. Mn. verlies Bahnhos-u" 3 Uhr 45 M- ischah in clrca ' den Lvrbe schreibt: ,/Te r»6<" ®”nl lli dli ®e,!' >bel »« ' if i«“n‘ \ ;®ä S- Beide schüttelten sich die Hände. Wie wir spater hörten, wurde in diesem Augenblick der Großherzog zum General- '.ieutenant befördert. Nachher wendete sich der Kaiser an den commandirenden General von Wittich, und übergab diesem Etwas, woraus sich dieser mit lebhafter Freude beim Kaiser bedankte. Er hatte von Letzterem den Rothen Adler-Orden erster Klaffe mit Eichenlaub und Schwertern verliehen bekommen. Ein Schreiben, das er gleichzeitig erhalten, wurde einem Adjutanten übergeben und enthielt ungefähr 30 Ordensverleihungen und Beförderungen. Der zweite Vorbeimarsch, der dann folgte, bot für die vielen Zuschauer, denen man erlaubt hatte, mit ihren Wagen ganz dicht herbetzusahren oder hinzugehen, großes Jntereffe. — Nach beendetem zweiten Vorbeimarsch, der erste bette 50 Minuten, der zweite nur 28 Minuten gedauert, ritten sämmtliche Offiziere dis zu den Hauptleuten und Rittmeistern zum Standpunkt des Kaisers hin, der dann von annähernd 100 Offizieren aller Waffengattungen umgeben war. Die Ordensauszeichnungen und Beförderungen wurden bekannt gegeben, worauf jeder Ausgezeichnete beim Kaiser vorbei ritt. Jedem gab er die Hand. Der Kaiser übte dann noch eine eingehende Kritik, die, wie wir vernehmen, vorzüglich für alle betheiligten Truppen- theile ausgefallen sein soll. — DaS Regiment Nr. 116 wurde in zwei Extrazügen um 7 Uhr 5 Min. (24 Wagen, 500 Mann und 20 Offiziere) und um 8 Uhr 40 Mm. (36 Wagen, 1000 Mann und 40 Offiziere) nach Gießen zurücktranSportirt. Q, Lollar, 28. August. Die Gemeinde Lollar ehrt ihre Veteranen am Sedansfeste (1. September) durch Einladung zu gemeinsamen Mittagessen, an dem alle erwachsenen OrtSeinwohner sich betheiligen können- ebenso an dem um 9 Uhr stattfindenden Kirchgang, verbunden mit Festact am gemeinsamen Kriegerdenkmal des Kirchspiels in Kirchberg, Bekränzen der Kriegergräber und Pflanzen einer FrtedenSltnde auf dem Hof der neuen Schule in Lollar. + Lich, 28. August. Bei der heute dahier stattgefundenen Gemeinderathßwahl wurden die Herren Spengler Karl Zimmer unb Untermüller H. Zimmer wieder-, sowie Peter Dietz III. und Bäcker Jacob Jhring neu- gewählt. e. Saasen, 27. August. In der Nähe des hiesigen Ortes, aber auf Harbacher Gemarkung, unweit des Ktrch- wegs zwischen hier unb Harbach, würbe heute Vormittag bie Leiche eines anscheinend m den vierziger Jahren stehenden unbekannten Mannes gefunden. Bekleidet ist der Verstorbene mit guten wollenen Strümpfen — Schuhe find nicht vorhanden — einer Hose, einem Hemde aus HauSmacherleinen gefertigt und mit K. L. gezeichnet. Bis jetzt ist die Persönlichkeit deS Verblichenen noch nicht festgestellt. * Marburg, 27. August. Eine für Radfahrer wichtige Entscheidung bat die hiesige Strafkammer in ihrer heutigen Sitzung ausgesprochkn. Ein Einwohner auS Raboldshausen (Kr. Ziegenhain) war in einer ihn betreffenden Strafsache, in welcher er an die Strafkammer appellirt hatte, zur heutigen Sitzung vorgeladen. Den ziemlich weiten Weg von Raboldshausen nach Ziegenhain legte der Betreffende heute Morgen per Fahrrad zurück und verunglückte unterwegs, infolge deffen er den Eisenbahnzug, der ihn nach Marburg bringen sollte, nicht mehr erreichte. Er sandte von Ziegenhain aus an das Gericht eine Depesche, in welcher er von seinem Unglück Mittheilung machte und um Verlegung deS Termins bat. Von Setten des Herrn Staatsanwalt wurde Verwerfung der Berufung beantragt, da er die Entschuldigung nicht für genügend begründet erachtete, weil ein Fahrrad nicht als sicheres Beförderungsmittel anzusehen sei. Das Gericht entschied jedoch zu Gunsten des verunglückten Fahrers und bewilligte demselben neuen Termin, indem eS die Entschuldigung des Betreffenden als genügend begründet erachtete. O. Ztg. Ms.* Ans tturheffen, 28. August. Ein entsetzlicher Vorfall beschäftigt die Gemüther in den Kreisen Fritzlar, Homberg, Melsungen re. in hohem Grade. Vor etwa vierzehn Tagen entfernte sich deS Nachts aus dem mit der Mutter gemeinsam getheilten Schlafzimmer die erst 26 Jahre alte Frau Vieh sohn in Frttzlar, nur ganz leicht mit Hemd unb Unterrock bekleibet, lief auS bem Hause, auS ber Stabt und war unb blieb feitbem verschwunden. Alle Nachforschungen ber Angehörigen waren vergeblich, selbst eine ausgesetzte Belohnung von 100 Mk. half nichts. Vorgestern würbe nun bie Aermste als Leiche in einem Wälbchen bei Wabern aufgefunben. Die arme Frau, welche an zeitweiser Geistesgestörtheit litt, hat förmlich menschenscheu sich jebem Menschen zu entziehen gewußt, ist in ben Wäldern umhergeirrt und hat sich von Obst unb Beeren zu ernähren ber» sucht, bis sie schließlich auS Hunger und Kälte starb. AuS Zweigen und Moos hatte sie sich unter Bäumen ein Lagir bereitet, auf dem sie zum Scelett abgemagert tobt lag. Ms.* Hersfeld, 28. August. Ein furchtbares Hagelwetter hat gestern in den Kreisen HerSseld, Rotenburg:c. geroütbet unb ber Landwirthschaft großen Schaben gethan. Fast bie Hälfte aller noch im Felde befindlichen Frucht ist vernichtet. Der Schaden ist sehr groß. * Frankfurt a. M, 28. August. Im Zoologischen Garten ist am kommenden Sonntag Vormittag von 7 bis 12 Uhr der Eintrittspreis auf 20 Pfg ermäßigt. Nach 12 Uhr wird der Garten geschloffen unb gehört alsdann für ben Rest beß Tages bem (Somite für bas Sebanfest, welches bestimmt hat, baß Niemanb Zutritt haben foll, biß ber Festzug vollstänbig eingezogen ist. ES werden bis dahin — unb das wirb wohl erst um 5 Uhr ber Fall fein — weder Eintrittskarten verkauft, noch bie mit Billeten bereits ber« fehenen Besucher eingelassen. Ein Vorrecht für die Abonnenten deS Gartens gibt eß an bem Tag nach 12 Uhr nicht. • Schweidnitz, 28. August. Anna Jungnitfch, bie ihren leiblichen Vater geschlachtet unb mehrere Tage vor ber Leiche gesessen hatte, ist jetzt alß geisteßkrank erklärt und aus dem hiesigen Gcsängniß entlaffen worden.______________ Verkehr, Caub* unb Volkswirthschaft. Stimmte, 28. August. Frachtmarkt. Rother Weizen X 12,60, weißer Wetzen X 00.00, Korn X 9.00, Gerste X 0.00, Hafer X 6.15. S Kreiensteinau, 27. August. Der heute hier abgehaltene zweite dteSjährtge Vliehmarkt war in Schweinen stark befahren, (Rindvieh war nicht ausgetrieben), deshalb war auch, da nur wenige Käufer da waren, der Handel im Allgemeinen sehr flau. Gegen 400 Stück Schweine waren da, meistens junge Ferkel, das Paar, 6 bis 7 Wochen alt, kostete nur 16 biß höchstens 20 Mk., 7 biß 10 Wochen alt, 20 biß 30 Mk., nut wenig verkauft ^erin. Ferner waren sogenannte Läufer aufgetrieben, wovon daß Paar mit durchschnittlich 35 biß 45 Mk. verkauft wurde. Fiühjahrßferkel kostete daß Paar 60 biß 70 Mk., wovon auch nur wenige verkauft wurden. Huchtfchweine unb fette Schweine waren keine vorhanden, auch hierin sind die Preise sehr gedrückt. Eß war bteß der letzte dieß- jährige Viebmarkt. ___________ Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 29. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Waffer 16°, Lust 18° int Schatten. Rübsamen'sche Bade- und Schwimmanstalt. Bekanntmachung. Daß Frühobst von den Bäumen am Krofborfer-, Wiesecker-, Anne- roher» unb Steinbacher < Weg, am Lutherberg und am Lärchenwälbchen, sowie bie Kastanien von ben Bäumen an ber Garten-, Grünberger- und Licher-Straße sollen Freitag, 30. August, Nachmittags 4 Uhr, an Ort unb Stelle meiflbietenb versteigert werben. Zusammenkunft um 4 Uhr auf ber Lahnbrücke. Gießen, ben 28. August 1895. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 7188 6491 Bekanntmachung. Donnerstag, den 5. September I» I., Vormittags 10 Uhr, wird auf dem hiesigen Rathhaus der an der Frankfurterstratze «enerbavte, sehr schön belegcne Gasthof - Hotel RolandSeck - (Besitzer Josef Pütz) öffentlich meistbietend verweigert. In dem zur Aufnahme von Kurfremden e ngerichteten, mit einem sehr geräumigen Saal ausgestatteien Etabliffement wurde seitber im Sommer wie im Winter eine stark fregnente Wirthfchaft betrieben. Die Versteigerungs- bedingungen sind von unterzeichneter Stelle abschriftlich zu erhalten- Bad-Ravheim, den 29. Juli 1895. Gr. Hest. OrlSgericht Bad-Xauheim. Wörner. Grotzh. Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach i. O. Daß Wintersemester beginnt Montag den ,7. Oktober. Lehrfächer : Zeichnen und Modelliren, Schnitzen in Elfenbein und Holz, Borträge über plastische Anatomie, Stillehre und Materialienkunde, Unterricht in Buchführung, Rechnen, Deutsch n. f. w. Schulgeld pro Halbjahr 10 Mark. Unbemittelten Schülern kann bie Entrichtung beß Schulgelbeß nach- gelassen, auch bie Stellung ber Zeichenmaterialien unb bie unentgeltliche Überlassung ber Werkzeuge für bie Dauer beß Besucheß ber Schule bewilligt, sowie außwürtigen ber Besuch ber Schule burch einen -Unter- stützungßbeitrag erleichtert werben. Bei Gesuchen um Gewährung der einen ober anberen Art btefer Erleichterungen, welche bei bem Hauptlehrer einzureichen sinb, werben neben ber Vermögenslage beß Schülers auch bie Vermögensverhältniffe der Heimathßgemeinde oder daß Vorhandensein geeigneter Sttftungsmittel in Betracht gezogen. , Anmeldungen nimmt der unterzeichnete Hauptlehrer entgegen und ist auch zur weiteren Außkunftßertheilung bereit. Erbach, den 10. August 1895. Der Vorsitzende des Aufsichtsrathes. Der Großh. Hauptlehrer, ßimpert._____________® ör ig._________ Kaufmännischer Verein. Samstaa den 7. September, Abends 9 Uhr, im Vereinslocale „Postkeller": AtzkmdkMk ®nirralutt(amnilung. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes. 2. Eventuell weitere Anträge ber Mitglieber, bie laut § 50 ber Satzung mindestens 4 Tage vorher bem Vorstande schriftlich eingereicht werden müffen. Um recht zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 7201 Der Borstand. Verdingung. Die zu den Anbauten an den Großviehstall und die Freibank im städtischen Schlachthof erforderlichen 1) Erd- und Maurerarbeiten, 2) Steinhauerarbeiten, 3) Zimmerarbeiten, 4) Dachdeckerarbeiten, 5) Spenglerarbeiten, 6) Eisenlieferungen, 7) Schreinerarbeiten, 8) Schlofferarbeiten, 9) Glaserarbeiten, 10) Weißbinderarbeiten und 11) Pflasterarbeiten sollen auf unserem Stadtbauamte öffentlich verdungen werden und wird Termin hierfür auf Dienstag den 10. September d. I., Borm. 11 Uhr, anberaumt. Arbeitßbeschreibung, Bedingungen nnd Pläne liegen während der Arnts- iunden auf dem Stadtbauamte offen. Angebote sind auf vorgeschriebenem Formular, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zu genanntem Termin dorthin einzureichen. Zuschlagssrift 14 Tage. Gießen, den 28. August 1895. Großh. Bürgermeisterei Gießen. _________Gnauth.______7211 Donnerstag, 5. September, Bormittags 11 Uhr, sollen in der Gemeinde Allendorf a. d. Lumda nachstehende Wegbauarbeiten öffentlich in Accord gegeben werdenveranschl. zu JL 1) Planirarbeit .... 260.— 2) Lieferung von Grundbausteinen und Aufsetzen derselben ...... 552.50 3) Herstellung der Chaussi- rung....... 390.— 4) Lieferung und Decken von Deckstemen..... 390.— 5) Ueberdecken der Chaussi- rung mit Sand . . . 97.50 6) Goffenpflasterung . . . 577.50 Allendorf a.d.Lda., 27.Aug. 1895. Gr.BürgermeistereiAllendorfa.d.Lda. ____________Rein.________7191 Stähl Schlchlhavs. Freibank. [7198 Heute und morgen: Kuhfleisch, richt Labenrein, pr. Pfd. 52 Pfg. Im Concurs über baß Vermögen des Friedr. Wilh. Reuschling zu Meinlinden ist Rechnung ge stellt und auf der Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts Gießen zur Ein- icht der Betheiligten offen gelegt. Die verfügbare Maffe beträgt 2112 Mk. 35 Pf., die hieran be- rechtsten Forderungen 6685 Mk. 03 Pf., so daß eß den Gläubigern 31 6 pCt. Dividende erträgt. F. Hoffmann, 7212___________Concursverwalter. Srsßh. KkMe Stglltseisendahlleu. Verdingung der Bauausführung der Rampenmauer auf Bahnhof Grünberg für die Reubaulinie Grünberg—Londorf. Die 22 cbm Erdarbeiten, 84 cbm Maurerarbeiten unb 16,5 cbm Steinhauerarbeiten umfassende Bauausführung soll öffentlich verdungen werden- Die Bedingungen nebst Zeichnung sind im Bureauzimmer Nr- 3 der unterzeichneten Behörde in Gießen (Frankfurterstraße 64) oder im Bureau der Neubau- Abtheilung UI in Grünberg (Gasthaus zum Englischen Hof) einzusehen, zu beziehen jedoch nur von der erstgenannten Stelle insgesammt gegen postfreie Einsendung von 1 X 40 der Ber- dingungsanschlag allein kostet 10 H und ein Blatt Zeichnung allein 50 H. Angebote find postfrei und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum Eröffnungstermin Samstag den 14. September d. I , Vormittags 10 Uhr, einzureichen. Zufchlagsfrist 8 Tage. Großh. Baubehörde für Nebenbahnen ____________in Oberheffen.________7193 SroA Hessische Staatsriseubchurn. Verdingung der Lieferung der Warnungstafel«, NeigungSweifer und Krümmungszeichen für die Reubaulinie Grün berg« Londorf. Die Lieferung der 96 Stück Warnungstafeln, 33 Stück Neigungsweffer und 52 Stück Krümmungszeichen, sämmtlich aus Holz, foll öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen nebst Zeichnung find im Bureauzimmer Nr. 3 der unterzeichneten Behörde in Gießen (Frankfurter- straße 64) oder im Bureau der Neubau- Abtheiluna UI in Grünberg (Gasthauß zum Englischen Hof) einzusehen, zu beziehen jedoch nur von der erstgenannten Stelle insgesammt gegen postfreie Einsendung von 1 X 70 -5i; der Ver- dingungsanschlag allein kostet 10 H und ein Blatt Zeichnung allein 50 Angebote find postfrei und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum Eröffnungstermin Samstag den 14. September d. I., Vormittags 11 Uhr, einzureichen. Zufchlagsfrist acht Tage. Großh. Baubehörde für Nebenbahnen in Oberheffen._______7194 Ein neunjähriges Pferd mit Ge- schirr nebst zwei Feberwagen unb ein Oeconvmiewagen zu verkaufen. Näheres in ber Exped. b. Bl. 7062 \\>t MWkstickttki!!! bringe die Anfertigung von Kupfer - Schablonen, Monogramms zz in empfehlenbe Erinnerung, zs Ferner empfehle fertige Buchstaben als Ersatz für Handstickerei. Auszeichnung sauber ausgefuhrter Monogramms für ganze Ausstattungen übernehme billigst. J. H. Fuhr, 7053_______Sonnenstraße 25. Gel'egenheitskauf! Einen großen Posten feines Dmenschreibpapier in Cartons verkaufe ich mit 50 pCt Rabatt. Karl Krebs, Buchhandlung, 7004 Schulstratze 10. Feuerwerks- ---- körper und bengalische Beleuchtungsartikel in reichster. Auswahl empfiehlt Louis Lind, 6i6i____________Kirchenplatz 10. ZSPfe, Dreher, Haar- ’Uhrkette«, Scheitel, Per- rücke«, TonpeS werden -t ü & billigst angefertigt bei V Z H. Tichy 141 Seltersweg 43. ANNONCEN für den Deutsch. Arbeitsmarkt befördert die Agentur Giessen A. 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Für die vielen Beweise herzlichster Theilnahme an dem uns so schwer betroffenen Verluste sage innigsten Dank. Im Auftrag der Hinterbliebenen : Adolf Fischer. 3 CD fl A v 7