✓vpnmvtr, MM -Uhr, 8080 statt. sfest. i> Hmdernißsahren, lld8063 ort on Karl MW •M te. beginnt im Maum: i neuer Cursus in lOgraphie. r'schen Buchhandlung und m Der Vorstand. 341-0° IP1, i2 85.95 103.M 27^ 95<0 1887 3»63 /(tio) 102 40 S«owole» L. 6tß' ■je___________ Btw -ii" ■änderw-» alt 78. W irten. iretscher, » uni LoosegescWt , gur LUSt b. Harne'1' aä* i in'6«iie8enZrhl“”j Wird«- rn Vorlagen, Schlat j69i2 richt Portugleiv' SS&«** r^'L- Zweites Blatt. Sonntag den 29. September 189» M. 22S Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. Redaction, ExpeditioO und Druckerei: -chutstratzeAr.^ Fernsprecher 61. vierleltähriger AVoaaemeatspreiB t 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg. Die Gießener iDamtkieavkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der »ießener Aazeiger erscheint tiiglich, mit Ausnahme deS Montags. Amts, und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gissten. HratisKeikage: Hießener Aamilienökätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Lag erscheinendra Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Alle Annoacen-Vureaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmtlid?er Theil. Nachrichten über den Saatenstand im Grostherzogthum Hetzen UM die Mitte deS Monats September 1895. Zusammen gestellt bet der Großherzogltchen Oberen landwirthschaft- lichen Behörde. Provinzen i ErhebungSbezirke. Saatenstand. Note 1 — sehr guter, 2 — guter, 3 — mittlerer, 4 — geringer, 5 — sehr geringer Stand Ernteausfall in 100 Kilo per Hectar bet Wtnterroggen Kartoffeln Klee (auch Luzerne) Wiesen Weinberge Provinz Starkenburg. 16 1 KreiS Bensheim .... 2,5 3 2 — 2 „ Darmstadt. . . . 3 4 4 — 16 3 „ Dieburg .... 2,5 4 — — 24 4 „ Erbach..... 2 2 — 12 5 „ Groß-Gerau . . . 3,5 4 4 —— 20 6 „ Heppenheim . . . 7 „ Offenbach .... 2 — — 14 3 3,5 — 16 Durchschnitt für Starkenburg 2,6 3,4 33 — 17 Provinz Oberhessen. 16 8 Kreis Alsfeld..... 3 3 — — 9 „ Büdingen .... 2 2,5 — — 16,5 10 „ Friedberg .... 3 4 — — 18 11 „ Gießen..... 2 2 — — 17 12 „ Lauterbach.... 2 — 3 — 15 13 „ Schotten .... 25 3 3 — 18 Durchschnitt für Oberhessen 2,4 2,9 3 — 17 Provinz Rheinhessen. 32 14 Landw. Vereinsbezirk Alzey 3,5 5 — 3,5 15 „ Bingen. . 3,5 5 4 3,5 20 16 „ Flonheim . 3 5 4 3,5 31 17 _ „ Ingelheim. 3 3,5 3,5 2,5 25 18 „ „ Mainz . . 3 5 5 2 28 19 „ „ Nteder-Olm 2,5 4,5 4 4 26 20 „ „ Oppenheim 2 5 5 2 29,5 25 21 , „ Osthofen . — 4 — 2,5 22 ,, „ Pfeddersheim 2,5 5 4 2 30 23 „ „ Wöllstein . 2 5 — 3,5 22 24 „ „ Wörrstadt. 3 4 — 4 24 25 „ „ WormS . 2,5 3 3 3 26 Durchschnitt für Rheinhessen 2,8 45 1 4 3 26 Durchschnitt f. d. Großherzogth. 2,6 3.6 1 3,4 3 20 Bemerkungen: Äartof ein und Wurzelfrüchte haben unter der anhaltenden Dürre sehr gelitten, ebenso Klee und sonstige Futter- »stanzen. In einigen Erhebungsbeztrken Rheinheffens (Flonheim, Wöllstein und Wörrstadt) dau-rt der Mäusesraß fort, in einem Er- Hebungsbezirke (Pfeddersheim) wird außerdem über Beschädigung der Klee-, Kartoffel- und Rübenfelder durch den Hamster geklagt. Der Stand der Weinberge ist unverändert; eS gibt wenig, aber voraus- sichtlich guten Wein. Der durchschnittliche Ertrag des Roggens wird auf 20,Doppel- centner per Hectar geschätzt, liebet diesem Durchschnitt steht die Provinz Rheinhessen mit 26,5 Doppelcentnern; unter demselben bleiben di« Provinzen Starkenburg und Oberhesien mit 17 Doppelcentnern. Das Maximum mit 32 Doppelcentnern erzielte der Erhebuno.sbezirk Alzey, während der Bezirk Erbach das Minimum mit 12 Doppel- centnern zu verzeichnen hat. __ ____ verarschte». ♦Ms. Bo» der Rhön, 26. September. In dem Städtchen Tann an der Rhön hat fich unter Borsitz des Herrn Stadt- Vorstehers Wagner ein Eomitö gebildet, welches vorbereitende Schritte zur Errichtung eines Denkmals für den aus dem Kriege 1870/71 rühmlichst bekannten General Ludwig von der Tann-Rathfamhausen thun will. * liebet die Personenbeförderung mittelst Omnibus, Pferde-, Stadt- und Ringbahn und Dampfbahnen in Berlin im Jahre 1894 bringt die Fachzeitschrift des Fuhrgewerbes, der „Fuhr- Halter", nach amtlichen Quellen recht interessante Statistiken, welche ein genaues Bild von dem gesammten Verkehr der Reichshauptstadt entrollen. Es wurden befördert: durch die „Allgemeine Omnibus - Actien- Gesellschaft" 23,212,032 Personen gegen 22,458,705 im orjahre- durch die „Große Berliner Omnibus-Gesellschaft" 9,652,019 Personen- durch daS „Dampsftraßenbahn-Consortium" mittelst dessen Omntbus- linien 1,905,203 Personen- durch die „Grunderwerb- und Rau-Gesellschaft" 137,950 Personen- durch daS Fuhrwesen Thten 1,060,000 Personen. Die Gesammtsumme der durch obige Gesellschaften beförderten Personen betrug 35,967,204, was ein Mehr gegen daS Vorjahr von 2,717,277 Personen bedeutet. Welter wurden besördert: durch die Große Der- lmer Pserde-EisenbahN'Aetien-Gesellschaft 131,800,000 Personen, gegen das Vorjahr ein Mehr von 1,700,000 Personen, durch die Berliner Straßenbahn 6,749,007 Personen, durch die Neue Berliner Pferdeeisenbahn 17,100,000 Personen- durch die Stadt und Ringbahnen incl. Grünewald wurden 68,727,069 Personen gegen 60,295,517 Personen im Vor» jahre befördert, durch die Dampfstraßenbahnen 2,838,314 Personen, dieselben haben gegen das Vorjahr 171,745 Personen weniger befördert, was wohl daher kommt, daß im Winter der Verkehr nach den Vororten geringer ist als im Sommer. Im Uebrigen scheint fich der größte Verkehr doch innerhalb der Stadt abzuwickeln, wovon die ungeheuren Zahlen der „Großen Berliner Pferde - Eisenbahn - Actien - Gesellschaft" beredtes Zeugntß ablegen. Die Zahl der benutzten Droschken ist im Abnehmen begriffen, denn inSgefammt wurden auf den Bahnhöfen 541,218 Droschken gegen 550,048 im Vorjahre benutzt. ♦ AuS Potsdam wird der „Nordd. Allgem. Ztg." ge« schriebeu: Sämmtliche Kriegshunde des Garde-Jäger- bataillons find an einem Augenleiden erkrankt- die Hunde, die inS Kaisermanöoer mitgenommen worden waren, erkrankten in Pommern an den Augen und nach Rückkehr der Thiere nach PorSdam sind auch die hier zurückgebliebenen Kriegs- Hunde von der Krankheit befallen. Unter allen Hunden leidet am meisten der werlhvolle Hund Franz, der zu Dresden in der Prüfung deutscher Kriegshunde den 2. Preis errang- er wird wohl an einer Lungenentzündung etngehen. * Reichenbach (im Boigtland), 24. September. Eine furchtbare Thar hat dieser Tage der bisher in einet hiesigen Schneidemühle angestellte Hausmann Lenk begangen. Er tödiete feine beiden Kinder, zwei Mädchen tm Alter von fünf Jahren, bezw. neun Monaten, durch Erwürgen und schnitt fich darauf selbst die Kehle durch. Er wurde zwar noch lebend inS Krankenhaus gebracht, doch dürste er kaum am Leben bleiben. Lenk hat die That aus Verzweiflung darüber begangen, daß er auS dem Dienste entlasten worden war. ♦ Wie spricht bie englische KöaigSfamilie? Aus London wird der „Fr. Ztg." berichtet: Nachdem sich die englische Preste seit Monaten mit der Frage beschäftigt hatte, ob die Familie, die auf dem englischen Thron sitzt, daS Recht habe, sich englisch zu nennen, eine Frage, die übrigens ziemlich übereinstimmend verneint wurde, wirst sie jetzt die weitere Frage auf, welche Sprache in der englischen KönigSfamilte gesprochen wird. Der Bradford Observer ist in der Lage, versichern zu können, daß in ihr fast durchweg die deutsche Sprache gebraucht wird. „ES war das Unglück der Königin^, schreibt da« genannte Blatt, „daß ihre Mutter, die Herzogin von Kent, nur wenig englisch verstand und daß in Folge dessen während der Jugend der Königin in der Familie nur deutsch gesprochen wurde. So ist es geblieben bis zum heutigen Tage, die Mitglieder des königlichen Hauses ver- kehren mit einander nur in deutscher Sprache. Deutsch war die Muttersprache der Königin und des Prinz Gemahls und so mußte sie natürlich die Umgangssprache der Familie werden. Deutsch ist in der Hauptsache auch die Verkehrssprache im Haushalt des Prinzen von Wales, wenn es in Sandrtngham auch mit sremdartigem Accent gesprochen wird. Nur im Hause des Herzogs von York, der die deutsche Sprache blos mühsam beherrscht, wird lediglich englisch gesprochen.,, Mit einer gewisten Befriedigung constatirt das genannte Blatt, daß es seit Wilhelms IV. Zeilen das erste Mal ist, daß in einem Zweige der englischen KönigSfamilte die Landessprache gesprochen wird. * Noble Zeit. „Du, Onkel, heute haben wir mal nobel gespeist!" — „So! Was hatS denn gegeben ?" — „Kartoffelsuppe und Häring!" — „Und das ncnnst Du nobel?" — „Ja, weißt Du, wir haben um vier Uhr gespeist, weil die Mutter so spät nach Hause gekommen ist." Schifssnachrichterr. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl LooS und I. M. Schulhof. Bremen, 25. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Crefeld, Eapttän W. Bodenstedt, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. , , Bremen, 25. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Stuttgart, Capitän D. Köhlenbeck, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist heute, 8 Uhr Morgens, wohlbehalten in Baltimore angekommen. Der Postdampfer „Noordland" der „Red Star Line- in Antwerpen ist laut Telegramm am 24. September wohlbehalten in New- york angekommen. Feuilleton. Wochendriese aus der Residenz. (Originalbericht des „Gießener Anzeigers"). Z. Darmstadt, 27. September, tzerbstmeße. — Nachklange »om Kriegerfest. Begünstigt vom herrlichsten Herbst-, ja man kann ruhig sagen Sommerwetter, hat am vergangenen Sonntag die diesjährige Herbstmesse ihren officiellen Anfang genommen. i$me Stadt auS Buden und Zelten ist in ein paar Tagen inmitten der friedlichen Residenz emporgewachsen und stört die behagliche Rübe jener auf ganz empfindliche Weise. Nicht etwa den inneren Frieden, denn unsere Geschäftsleute find vachmalS an die Concurrenz gewöhnt, die ihnen durch den Zuzug der Meßfremden erwächst, ja Manche freuen fich ihrer sogar, denn die Beobachtung ist schon häufig gemacht worden, Laß gerade in der Meßzeit die einheimischen Ladengeschäfte mehr verkauften, als zu mancher anderen Jahreszeit. Nein, la« ist's nicht, was uns stört, der äußere Friede — wenn van fich so ausdrücken kann — der ist'S, den man in den tagen am meisten vermißt. Gewiß, gegen die auf dem Markte in dichten Reihen erbauten Verkaufsstände läßt sich ja in dieser Hinficht nichts sagen, abgesehen davon, daß diese auS schmutzigen Brettern hergestellten und mit noch schmutzigeren tüchern überdeckten Hütten für daS Auge eben fein sehr an- ziehendes Bild bieten und daß es für die Hausfrauen des weitaus größten TheileS der Stadt bet der herrschenden hohen Temperatur eben auch kein großes Vergnügen ist, nach dem entfernteren Luifenplatz zum Wochenmarkte dreimal per Woche hin zu pilgern und dort schließlich unter den veränderten Verhältnissen erst noch lange nach den gewohnten Verkäufern zu suchen. Schlimmer ist, was ich im vorigen Jahre an dieser Stelle schon anbeutete, daß der, oder hier richtiger gesagt die sogenannten Juxplätze sich noch immer inmitten der Stadt und dazu noch in den dichtbevölkertsten Theilen derselben, in den besten GeschästSvierteln befinden. Der Verkehr, der naturgemäß in jenen Straßen stets am regsten ist, wird aufs allerempfindlichste gestört und dann der ohrenzerreißende Lärm! Man denke nur, welchen Genuß eS bereiten kann, eine mit Stentorstimme, womöglich verstärkt noch durch ein Sprachrohr, recitirte Auseinandersetzung über die wüstesten Folterwerkzeuge der grauesten Zeiten des Mittelalters oder über die beiden „schwersten" Mädchen der Welt mitanzuhören, während dicht neben dem mit der krächzendsten Stimme begabten Sprecher eine Drehorgel daS elegische Lied von der „theuren Margarethe" mit beneidenswerther Beharrlichkeit wimmert. Oder man lasse einmal die nicht minder geräuschlos vorgetragene geradezu bluttriefende Biographie „KarraehoS", des wildesten aller Sioux-Indianer, derltäglich mehrere lebendige Kaninchen mit Haut und Haaren zur Erhaltung seines grausamen „Ich" bedarf, auf fich wirken, während hinter dem Rücken deS lebhaft geftttulirenben „Rufers" eine buntbemützte Musikcapelle den „Wiener Walzer" möglichst falsch executirt- Fürwahr da braucht man kein besonders zart besaitetes Individuum zu sein und kann doch fühlen, daß die Existenz der Nerven im menschlichen Organismus zeitweise fich recht unangenehm bemerkbar macht. Unsere Polizei hat gethan, was sie konnte, sie hat ein Verbot erlaffen, wonach in zwei nahestehenden Meß-VergnügungSetabliffementS zu gleicher Zeit Drehorgeln nicht in Betrieb gesetzt werden dürfen, aber den „Wilden" und ihren „Impresarios" rc. den Mund zubinden können sie doch nicht. Es wäre einem wirklich dringenden Bedürfniß abgeholfen, wenn eS unserer Stadtverwaltung gelänge, mit ihrem in den hiesigen Tagesblättern besprochenen Plane durchzudringen, die große Festhalle auf dem Exercierplatz und den um sie Herumliegenden Boden von dem ReichsmilitärfiScus käuflich zu erwerben, um dorthin bann alle jene Lärm verursachenden öffentlichen Vergnügungen zu verlegen. Uebrigens, wo doch gerade von der Festhalle die Rede ist, sei noch einmal des vergangenen Kriegerfestes gedacht, über dessen finanziellen Abschluß in den verschiedenen Kreisen der hiesigen Bevölkerung die allervagsten Gerüchte circuliren, nach einer Version sollen die Ueberschüffe den Betrag von 2000 Mark übersteigen, während Andere von einem Deficit in fast der nämlichen Höhe wiffen wollen. Wer die Verhältniffe näher kennt, dem wird keine der angegebenen Summen wahrscheinlich erscheinen. Genaue Angaben von Seiten deS EomitSs waren bis jetzt noch gar nicht möglich, da die einzelnen Rechnungen, trotzdem bereit- ein Monat seit der Feier verflossen ist. noch nicht alle etngelaufen waren- an einem der letzten Tage noch veröffentlichte der Finanz- Ausschuß eine geharnischte Aufforderung zur Einlieferung der immer noch ausstehenden Rechnungen mit der Drohung, Rücksicht auf die jetzt noch Säumigen nicht nehmen zu wollen. Sobald eine ofsicielle Uebersicht über das Verhältniß von Einnahmen und Ausgaben Seitens des zustäudigeu LomitöS erschienen ist, wird Ihren Lesern darüber Bericht zugehen. Theorie und Praxis. _ SRoDtUeltc von Paul Bliß. (Schluß.) „Aber wenn Du sie liebst — —" „Liebe! — immer dies schöne Wort!" rief ich erregt. „Liebe ist ein imaginärer Begriff, ein Wort, das nur ein Zehntel so viel bedeutet, als daraus gemacht wird. Und mit dieser schöoen Theorie wirst Du in eine arge Sackgasse gerathen, lieber Freund! Kein praktischer Mann braucht diese- Wort heute in dem Sinne mehr. Das Leben ist viel zu ernst geworden durch die ewigen Kämpfe, die wir durch- machen müffeu, und wir modernen Männer sind viel zu nüchtern geworden, wir denken praktisch." Er war nicht zu überzeugen. „Weßhalb aber diese kleine Bitte nicht erfüllen, die doch ganz gewiß harmlos war?" fragte er noch einmal. „Einfach darum nicht, weil ich mich nicht in Schulden stürzen will. Man muß sich nach der Decke strecken. In jeder jungen hübschen Frau steckt ein GesellschastSteusel, und wehe dem Manne, der zu schwach ist! Um seine Ruhe ist eS geschehen und in seiner Kaffe wird ewige Ebbe sein." Jetzt schwieg er und dachte nach. Ich freute mich schon, ihn überzeugt zu haben. Da aber stand er auf, trat ent- schloffen zu mir heran und sagte mit voller Stimme: „Und trotz alledem bleibe ich bei meiner Theorie: wer seine Frau lieb hat, darf sie nicht so behandeln, wie Da eS eben Deiner Frau angethan hast." Nun wurde ich beinahe grob. „Glaubst Du deon, daß ich mein Weibchen nicht gern habe? — Erst recht? Ich hätte sie küffen können vorhin, als sie so erregt dastand. Aber ich habe eS nicht gethan, weil ich mir keine Blöße geben darf! Wie alles im Leben ist auch die Ehe ein Kampf. Der Stärkere siegt. Der Stärkere aber muß der Mann sein. Und glaub mir nur, eine Ehe, in der der Mann regiert, ist noch immer die beste." „Nun," sagte er lächelnd, „wir wollen unS sprechen, wenn ich Ehemann sein werde, dann sollst Du sehen, wie ich mir daS Leben gemüthlich machen werde." Damit verabschiedete er sich von mir. Ich ließ ihn gehen. Ueberzeugeu konnte ich ihn nicht, mochte es die Wirklichkeit thun. Aber innerlich freute ich mich doch, wenn er den ersten Krach haben würde in seiner Ehe und dann zu mir kommen und sich Rath holen würde. Man möge nur gar nicht glauben, daß ich ein schlechter Mensch sei — bewahre! Nur ein wenig schadenfroh bin ich geworden, seit ich verheirathet bin. ♦ ♦ • Ein halbes Jahr später. Meine Frau und ich find längst auSgesöhnt. Inzwischen haben wir unS wohl hundertmal noch gezankt und uns natürlich ebenso schnell wieder vertragen. Meine Frau, die ein ganz entzückendes kleines Weibchen geworden ist, hat nach und nach eingesehen, daß ich der Stärkere doch bin, und darum hat sie gelernt, sich zu fügen. Und seit wir nun den ersten strammen Jungen haben, kann ich sie — wie man so sagt — rein um den Finger wickeln. Einige Wochen später traf ich meinen Freund. Er war bereits seit vier Wochen Ehemann. „Nun, wie lebt sichS in der Ehe?" fragte ich mit leiser Bosheit. „O, wir sind sehr glücklich!" entgegnete er stolz, wurde aber roth und suchte seine Unruhe zu verbergen. Halb prüfend, halb mitleidig sah ich ihn an. „Hör mal, Du, kann ich Dir irgendwie mit einem Rathe dienen?" fragte ich lächelnd. Doch er überhörte es und sagte schnell: „Wir kommen in den nächsten Tagen zu Euch." Dann war er fort. Aha, dachte ich, der arme Junge hat sich schon fest- gefahreu. Er that mir leid. Doch ließ ich ihn gehen. Nach einigen Tagen stellte er unS seine Frau vor. O, sie war sehr hübsch, sehr geistvoll, aber auch unheimlich energisch. Ich wußte genug. Alles, was ich ihm voraus- gesagt, war genau eingetroffen. Sie war der Stärkere und er that alles, was sie haben wollte. „Aber Mensch," sagte ich und nahm ihn bei Seite, „wie konntest Du Dir so alle Rechte nehmen lassen!?" Er zuckte resignirt die Schultern und antwortete sehr kleinlaut: „Du hattest Recht, ich war ein Narr damals, aber nun ist es zu spät." „Nein, noch ist rs Zeit." Doch er fiel mir ins Wort: „Laß nur," sagte er, „ich erwarte alles von dem ersten Jungen." Ich muhte lächeln, schwieg aber und dachte : unverbeffer- lieber Idealist! Als fie dann gingen, wagte mein Weibchen, kühn geworden durch die energische junge Frau, noch einen letzten Ausfall: „Siehst Du, das ,ft eine glückliche Ehe- da thut der Mann alle», was die Frau haben will." Ich aber nahm fie in meinen Arm und fragte ganz leise: „Sag doch mal ganz ehrlich, ist Euch Frauen denn ein ächter Mann nicht lieber, als solch ein Schwächling?" Darauf antwortete mein kluges Frauchen nicht», aber ganz unversehens bekam ich einen heißen Kuß. Bekannnnachrmg. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß für den ersten Wildschadensbezirk, welchem die Gemarkung Gießen zugetheilt ist, al- Sachverständige gewählt sind die Herren: Gutsbesitzer Sch lenke zu Hardthof (zugleich Vorsitzender der Sachverständigen- Commission), Forstmeister Amendt zu Treis a. d. Lda., Pachter Rudolf Güngerich zu Heibertshausen und als Ersatzmänner die Herren: Friedrich Helfrich zu Gießen (zugleich Stellvertreter des Vorsitzenden der Sachverständigen-Commission), Forstwart Schlag zu Baumgarten, Louis Flett zu Gießen. Ansprüche wegen Wildschadens in der Gemarkung Gießen sind zum Zwecke der Einleitung de- Sühneversahrens bei uns anzumelden. Gießen, den 24. September 1895. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________________Gnauth.__________8000 Hospital zum heiligen Geist» In dem Hospital zum heiligen Geist dahier ist die Stelle der Oberwärterin der chirurgischen Abtheilung neu zu besetzen. Gehalt Mk. 500 bei freier Station und Wäsche. Anmeldungen bis zum 10. nächsten Monats. Gute Zeugniffe erforderlich. Bewerberinnen, die bereits in ähnlicher Stellung waren, erhalten den Vorzug. Frankfurt a. M., den 24. September 1895. Pfleg - Amt 7958 ___________des Hospitals zum heiligen Geist. VrG. Milche Stsatskjsenbllhnkll Großh. tzcsßlche ätaatstisellbahlleu. Verdingung der Lieferung von Sementröhren für die -tenvaulinte Friedberg—Hungen. Die Lieferung von circa: 20 Ifbm. Cemrntröhren 0,25 m weit nebst 4 Kopfstücken 200 „ „ 0,30 m weit nebst 50 Kopfstücken 70 „ * 0,40 m wett nebst 18 Kopfstücken 150 „ „ 0,50 m weit nebst 22 Kopfstücken auf den Babnhos Friedberg oder ans die Lagerplätze bei Dorheim und bei Melbach, sowie von ca 70 Ifbm- Cementröhren 0,25 m weit nebst 20 KopPück n 170 , „ 0,80 m wei' nebst 62 Kopfstücken 90 „ , 0,40 m wett nebst 26 Kopfstücken 120 „ „ 0,60 m wett nebst 28 Kopfstücken auf den Bahnbof Hungen oder auf die Lagerplätze bei Berstadt und bei Inheiden soll öffentlich verdungen werden- Die Bedingungen sammt Zeichnung der Kopsstücke stnd im Bureauzimmer Nr- 3 der unterzeichneten Behörde tn Gießen (Frankfurterstraße 64) etnzusehen, können auch von da inSgesammt gegen postfrete Einsendung von 1 JT 30 oder tbeilweise gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, dezw. für jedes Actenblatt, und von 60 H für die Zeichnung der Kopfstücke bezogen werden. Angebote sind postsret und unter entsprechender Aufschrift an die unterzetch nete Behörde bi- zum Eröffnungstermin Samvtag den 6. October d. I., Lor- mittaa« 11 Uhr einzuretchen- ZuschlagSfrift drei Wochen- Großh- Baubehörde für Nebenbahnen tn Oderheffen. 7783 Verdingung der Lieferung von gußeisernen vr«stenrShre« für die «eubaultnie Friedberg - Hungen. Die Lieferung von 92,0 Ifbm. gußeisernen Muffenröhren, 0,15 m weit 33,5 „ „ Musflnröhren, 0,o0 m weit 6,0 „ „ Muffenröhren, 0,40 in weit 94,0 „ , Muffe, röhren, 0 50 m ro;it, auf ben Bahnhof Frtebberg, sowie von 141,0 Ifbm. gußeisernen Muffenröhren, 0,16 m wett, 18,0 „ „ Muffenröhren, (',30 m weit, 27,0 „ „ Muffenröhren, 0,40 m weit, 6,0 „ . Muffenröhren, 0,50 m weit, auf ben Bahnhof Hungen, soll öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen sind im Bureauzimmer Nr 3 der unterzeichneten Behörde tn (Steßen (Frankfurterftiaße Nr. 64) rinzusehen, können auch von da inSgesammt gegen postfreie Einsendung von 9' H oder theilweise gegen Entrichtung von 10 für jeden Actenbogen, bezw. für jedes Actenblatt, bezogen werden Angebote sind postfrei und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bt« zum EröffnungSiermin SamStag den 6. October dS- IS.. Dor- mittaaS 10 Uhr einzuretchen- Zuschlagsfrist drei Wochen. Großh- Baubehörde für Sieben bahnen in Oderhessen. 77ö4 Gebrauchter Herds! billig zu verkaufen. Krerrzplatz 8. Großh. HMche Staatskiltubahuell. Verdingung der Bauausführung der Rampenmaner« auf de« Bahn- Häfen Lumda, Geilshausen und Londorf. Die nachgenannte Arbeiten umfassende Bauausführung soll im Ganzen ober nach Bahnhöfen getrennt öffentlich verdungen werden: Für Lumda Q®’ Londorf cbm cbm cbm Erdarbetten 14 12 — Maurerarbeiten 45 38 54 Steinhauerarbeiten 11 9,5 17 Die Bedingungen nebst Zeichnungen sind im Büreauztmmer Nr. 3 der unterzeichneten Behörde tn Güßen (Frank, surterstraße Nr. 64) ober im Büreau der Neubau - Ablheiluna HI in Grünberg (Gasthaus zum englischen Hos) etnzusehen, zu beziehen jeboch nur von der erstgenannten Stelle tnSgesammt gegen postfrete Einsendung von 2 JL 60 & oder theil- wetse gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, bezw. für jede« Acten blatt, und von 60 4 für jede Zeichnung- Angebote stnd poftfret und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde biS zum Eröffnungstermin Montag den 7. Oktober b. I, Dor» mittags 10 Uhr, einzuretchen. Zuschlagsfrist bret Wochen. Großh. Baubehörbe für Nebenbahnen _____________in Oberhessen. 7786 Grokh. tzesstsche Staatseiskllüahueu Verdingung der Lieferung von Porttand Cement für die Reubaulinie Friedberg-Hungen. Die Lieferung von circa 90 000 kg Portlanb-Cement aus ben Bahnhof Frtebberg, sowie von circa 40 000 kg Portlanb-Cement auf ben Bahnhof Hungen, soll öffentlich oerbungen werden. Die Bedingungen sind im Büreau zimmer Nr 3 der unterzeichneten Behörde in Gießen (Frankfurterstrabe 64) einzu- sehen, können auch von da inSgesammt gegen postfrete Einsendung von 80 4 oder theilweise gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, bezw. für jedes Actenblatt, bezogen werden. Angebote sind postfrei und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum EröffnungSlermin Montag den 7. October b I., Vormittags 11 Uhr, einzuretchen. ZuschlagSfrift bret Wochen Großh. Baubehörbe für Nebenbahnen in Oderheffen._________7785 Submission. Für die Großh. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung nachbenannter Products auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden und zwar: 20 Etc. Aepfeln, 600 M gute Speisekartoffeln (500 Ctr. magnum-bonum, 100 Ctr. Spätrosa), 20 Ctr. Kartoffeln, sogenannte Mäuschen, 10 „ untererdigeKohlraben, 2 „ obererdige Kohlraben, 8 „ Zwiebeln, 2 „ rothe Rüben, 2 „ Meerrettig, 10 „ Gelberüden, 40 Ctr. Weißkraut, 150 Stück Rothkraut, 400 „ Wirsing, 200 „ Lauch, 350 „ Sellerie. Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungebüreau der neuen Kliniken an den Wochentagen, Nachmittags von 3—5 Uhr, eingesehen werden. Offerten sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum Samstag, 5. Oktober 1895, Mittags 12 Uhr, auf dem oben erwähnten Büreau einzureichen. Zuschlag erfolgt am 11. October 1895. Gießen, den 18. September 1895. Gr. 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