Sk. 226 Der Giesjener Anjeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AKmitieavtLtler werden dem Anzeiger «vchentlich dreimal beigelegt. Erstes Blatt. Donnerstag den 26. September ____________ Gießener Anzeiger Kenerat-Z^nzeiger. 189* Vierteljähriger AvouncmenlspreiSr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg. Redaktion, Expedition und Druckerei: ZLnkstratze Ar.7« Fernsprecher 51. Zlints- und Zlnzeigeblatt für den Nreis Gieren. ___ — —_____ Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Uhr. Gratisbeilage: chießener Aamitienökätter Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutscher Reich. Berlin, 24. September. Schier um die Wette wird jetzt von allen Seiten versichert, daß die namentlich von der sreiconfervativen „Post" vertretene Zeitungsnachricht von der angeblichen Vorlegung eines anderweitigen Tabaks st euer- gesetzeS in der kommenden ReichStagSsesfion jeder Begründung entbehre. Dieses saft allgemeine Dementi klingt allerdings auch ganz glaubwürdig, denn die Aussichten auf Annahme eines neuen Tabaksteuergesetzes find im Reichstage keineswegs bessere geworden, die Ablehnung einer solchen Vorlage könnte darum schon jetzt als sicher betrachtet werden. Ueberhaupt soll es gar nicht in der Absicht der ReichS- regterung liegen, dem Parlamente in der bevorstehenden Session mit abermaligen Steuer- und Finanzreformprojecten aufzuwarten, abgesehen von einem nicht zu umgehenden Zuckersteuergesetz. Der Regierung ist es vielmehr, wie be- stimmt verlautet, fürs Erste nur um die Erledigung dringender wirthschaftlicher Vorlagen und außerdem um die Durchberathung des bürgerlichen Gesetzbuches zu thun, besten nach langjähriger Arbeit beinahe fertiggestellter Entwurf dem Reichstage im Laufe feiner Wtnterseffion endgültig zu- gehen dürfte. Daß aber die Reichsregierung auf ihre einstweilen gescheiterten steuer- und finanzpolitischen Pläne zu einem geeigneteren Zeitpunkte doch wieder zurückkommen wird, dies kann trotz des augenblicklichen Verzichtes auf die- selben als ausgemacht gelten. Norrefte Wolffs telegraphisches Corresponden,-Bureau. Berlin, 24. September. Der „Nordd. Allgem. Zig." zufolge tritt der BundeSrathöauSschuß für Handel und Verkehr morgen zu einer Sitzung zusammen. Auch der JustizauSschuß wird demnächst die Berathungen wieder aufnehmen. Berlin, 24. September. Saat en stand per Mitte September im Deutschen Reiche: Wtnterkartoffeln 2,6, Klee 2,9, Wiesen 2,7 (hierbei bedeutet 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering). Die vorläufige Schätzung der Roggenernte im September ergibt — vom Hectar in 100 Äg. — bei Winterroggen 13,2 gegen 13,9 im Vorjahre, bei Sommerroggen 10,3 gegen 10,6 im Vorjahre. Kassel, 24.September. Der Verbandstag deutscher Gewerbeveretne beschäftigte sich heute mit der preußischen Central-GenostenschaftS-Kaste, mit der Versicherung der Arbeits- losen, dem Ausbau der socialpolitischen Versicherungs-Gesetzgebung und dem Submissionswesen. Die dabei gemachten Vorschläge wurden dem Verbandsvorstand zur wetteren Prüfung überwiesen. Alsdann wurde in einer Resolution ausgesprochen, daß durch eine mehr planmäßige Vergebung der Lohnarbeiten der Arbeitslosigkeit gesteuert werden könnte, und es wurde als Ort für den nächstjährigen VerbandStag Stuttgart gewählt. Darnach wurde der Verbandstag geschlosten. Glücksburg, 24. September. Die Kaiserin ist in Begleitung des Herzogs Friedrich Ferdinand von Schleswig- Holstein-Sonderburg-Glücksburg heuteVormittag gegen 11 Uhr hier eingetroffen. Sie wurde am Bahnhofe von der Herzogin Karoline Mathilde empfangen. Die Kaiserin begab sich als- dann nach dem Schlöffe. Dresden, 24. September. In der heutigen Vormittags- Sitzung des Literarischen CongresseS wurde nach längerer Debatte im Princip folgender Antrag von JuleS Lermtne-PartS angenommen: Der Dresdener Congreß ist der Ansicht, daß es im internationalen Interesse liege, ein universales Verzeichniß der Werke der Geschichte, Literatur und Kunst, welche, in der ganzen Welt erschienen sind und erscheinen werden, zu begründen. Die Berathung über die Ausführung dieses Planes soll dem nächsten Congreste überlasten werden. Dresden, 24. September. Das „Dresdener Journal" meldet: Der Bahnwärter Wolf, durch besten verhängniß- volles Signal daS Eisenbahnunglück bet Oederan herbeigeführt wurde, ist am Sonntag auf Anordnung der königl. Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Hamburg, 24. September. Der „Hamburgischen Börsenhalle" zufolge ist entgegen anderslautenden Meldungen bei der kürzlich in Paris stattgehabten Besprechung von Vertretern der Standard Oil Company und russischen Petroleum- Interessenten ein Uebereinkommen über die Versorgung der verschiedenen Länder nicht perfect geworden. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 24. September. Der Geheime Medicinalrath Professor Dr. v. Bard eleben, Director der chirurgischen Klinik der königlichen Charitv, ist heute Nachmittag im Alter von 76 Jahren in seiner hiesigen Wohnung gestorben. Berlin, 24. September. Wie der „Reichsanzeiger" bekannt gibt, ist dem Corvetten-Capitän Siegel, Attachv bei der Botschaft in Paris, das Offizierskreuz des französischen Ordens der Ehrenlegion verliehen worden. Berlin, 24. September. Der „Localanzeiger" meldet aus Parts: AuS Madagascar laufen neue Alarm- Nachrichten ein. Die Intendantur wird beschuldigt, große Sendungen Liebesgaben an die Soldaten auf Madagascar, Medicamente und Stärkungsmittel für Kranke ihrer Bestimmung entzogen zu haben. Gleichzeitig wird bekannt, daß der Kriegsmintster daS Anerbieten der Cap Regierung, die französischen, auf MadagaScar erkrankten Soldaten aufzunehmen, abgelehnt hat. Leipzig, 24. September. Der am 23. November v. I. in Frankfurt a. M. ins Leben getretene Leutralverbajnd von Ortskrankenkassen im Deutschen Reiche, derzeitiger Vorort Wiesbaden, Vorsitzender Berlagsbuchhändler Schnegelberger daselbst, hält am 29. September (Sonntag) im Theatersaale deS CrystallpalasteS dahier, Vormittag» 10V2 Uhr beginnend, • seine erste ordentliche Versammlung ab. Wie», 24. September. In Felixdorf ist eine Pulverfabrik explodirt. Der Grund der Explosion ist noch nicht aufgeklärt. 600 Kilo Pulver flogen in die Luft. Zwei Arbeiter wurden buchstäblich in Stücke gerissen. Rom, 24. September. Die radtcalen Blätter theilen mit, daß die drei verhafteten Socialtstenführer Defelice, Barbato und Garibaldi nicht in die Amnestie ein- begriffen sind. Dies hat auf Stcilien große Erregung her- vorgerufen und man glaubt, daß daraufhin neue Kund- gedungen stattfinden werden. WB. Berlin, 25. September. Der Steckbrief gegen Freiherr« v. Hammerftein, datirt vom 23. September, wurde erlassen wegen mehrfacher schwerer Urkundenfälschungen in Verbindung mit Betrug und Untreue. CeceJk* nti» ptoofaiiieOte*. Gießen, den 25. September 1895. ♦♦ Ordensverleihungen. Seine Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, zum 21. September dem Präsidenten des landwirthschaftlichen Vereins der Provinz Oberhessen Graf Friedrich zu Solms-Laubach, Erlaucht, die goldene Medaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirthschaft, und dem Oberbürgermeister der Provinzialhauptstadt Gießen Feodor Gnauth das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. ** Den ersten Gewinn der landwirthschaftlichen AuS- stelluugS-Lotterie gewann Herr H. Heidemann in Vilbel, welcher daS L00S direct durch die Lotteriecollecte deS Herrn L. F. Ohnacker, Darmstadt, bezogen hatte. Der 4. Preis kam nach Bleichenbach, der 5. nach Winterheim. Der 6. Preis (eine Drillmaschine) fiel in die Collecte des Hrn. Buchacker hier und wurde von Herrn Hoboist Emse gewonnen. Den 7. Preis erhielt Lehrer Heck in Dudenrod. Der 2. und 3. Preis fielen auf Loose, welche auf dem Ausstellungsplatz verkauft wurden. — Dank der überaus rührigen Thätigkeit deS Generalunternehmers der Lotterie, Herrn L. F. Ohnacker in Darmstadt, konnte die Ziehungsliste bereits gestern Mittag 1 Uhr in über 10,000 Exemplaren zur öffentlichen Ausgabe gelangen und durch Genannten im Laufe des TageS auch an alle auswärtigen Collecteure versandt werden. Die Zusammenstellung der Gewinn Nummern, welche sofort nach Feuilleton. Sein Ideal. Humoreske von E. Greiner. (Fortsetzung.) .Du bist ein Kameel," brummte Müller, sich eine Cigarre anzündend. Der mit diesem Compliment Beehrte zuckte verächtlich die Achseln. , Möglich, daß Philisterseelen tote die Deine für die höhere Poesie des Lebens nicht empfänglich find- ich — Gottlob — bin eS. Doch laßt Euch erzählen. Also ich biege auS der Moltke- in die Katserstraße, als mir der Wind ein reizendes Damenhütchen vor die Füße weht. Selbst- verständlich bücke ich mich danach, und als ich eS aufhebe, da kommt ein entzückendes, junges Mädchen angstvoll auf mich zugeeilt. „Ach, der entsetzliche Sturm!" und dabei drückte sie die zerzausten Löckchen fest. „Mein armer Hut! Wie gut von Ihnen, daß Sie den Ausreißer aufhielten," stammelte sie athemloS und befestigte ihr Eigenthum, von dem ich, fo gut es ging, den Straßenstaub abgeklopft und abgeblasen, wieder auf dem Kopfe. Dann — ich schäme mich, so oft ich daran denke — griff sie in ihre Tasche. „Darf ich Ihnen —" Doch da hatte sie mich wohl erst ins Auge gefaßt und gefunden, daß der Alonso Meyer doch nicht aussah wie einer, dem man ein Trinkgeld geben konnte. Heber und über roth werdend, was ihr ganz entzückend stand, zog sie die Hand aus der Tasche zurück und reichte sie mir mit einem Blick, den ich nicht vergessen werde und wenn ich so alt würde wie Methusalem, und sagte: „Ich danke Ihnen nochmals." „Famos, famoS!" krähte der Tertianer. „Die hat sich gehörig in Dich verschossen, das kenne ich. Und nun bist Du hoffentlich der schönen Unbekannten von ferne nachgegangen, um zu erkundschaften, wo sie wohnt? Dann ist auch leicht herauSzubekommen, wie sie heißt. So habe ich es bet meiner ersten Flamme auch gemacht. Deren Vater war der Conditor Hölzer auf dem Theaterplatz, Du weißt schon, wo die Offiziere verkehren. Vielleicht, daß ich den niedlichen Käfer heute noch verehre, denn sie brachte mir vorigen Winter manch schönes Bonbon mit auf die Eisbahn, aber seit ich mich einmal ganz gehörig bingesetzt und sie sich darüber todtlachen wollte, schneide ich sie, worüber sie sich natürlich riesig ärgert." Alonso nickte träumerisch vor sich hin. „Und hast Du Dein Ideal seitdem wiedergesehen? Hast Du sie angesprocheu?" forschte Willy interessirt weiter. Jener seufzte. „Gesehen wohl, denn Du kannst Dir denken, daß ich mich jetzt mehr in den Straßen, als bei Herodot und Cicero aufhalte, aber angesprochen — kein Gedanke. DaS einzige Mal, wo ich ihr begegnet, ging sie mit einer alten Dame —" „Der unvermeidliche Drache!" fiel Willy ein, seinen geistvollen Witz mit einer Lachsalve begleitend. „Selbstverständlich grüßte ich sie, als ob sie eine Königin wäre," fuhr der Erzähler fort, „ist sie doch auch die Königin meines Herzens. Zuerst sah sie mich fremd an, dann mich erkennend, dankte sie lächelnd und ich konnte bemerken, wie sie ihrer Begleiterin etwas zuflüsterte." „Natürlich, sie wird gesagt haben, daß Du ihren Hut gerettet. Eigentlich hättest Du einen Dank von ihr fordern sollen, wie eS sonst die alten Ritter bei ihren Damen gethan haben. Weißt Du, Don Alonso," schloß der Kleine mit pfiffigem Lächeln, „ich glaube, in der Behandlung deS schönen Geschlechts ist die Tertia der Secunda doch noch über." „Bilde Dir keine Schwachheiten ein," verwies jener den Renommisten, „jedenfalls habe ich den „Umgang mft Frauen" länger studirt als Du. Uebrigens werde ich bald genug wissen, was ich von meinem Ideale zu hoffen habe, denn — da seht her!" Und mit einer gewissen Feierlichkeit entfaltete er ein beschriebenes rosenfarbenes Blatt. „An Sie," begann er nach vielversprechendem Räuspern. „Es lebt in meinem Herzen Ein holdes Ideal, DaS macht mir viele Schmerzen Und große Liebesqual. Wie müßt ich doch so gerne, Ob Du die Sehnsucht kennst. Und ob auch Du von ferne Für mich in Liebe brennst! Wenn heut die sechste Stunde Schlägt vom Marienthurm, Dann steh mit meinem Hunde — Trotz Nacht und Wettersturm — In hellem Rock und Hose Bor „Cafs Bauer" ich, Im Knopfloch eine Rose, Daran erkennst Du mich. Laß warten mich nicht sehre, Denk, Liebchen, an den Hut! Beglückt wär ich — auf Ehre! — Sprächst Du: „Ich bin Dir gut!" Alonso Meyer. Der Blick deS Lesers flog von einem Hörer zum andern, um sich an der Wirkung seines sensationellen VortrageS zu weiden. Nun, er konnte zufrieden sein. (Schluß folgt.) der Ziehung im Hotel Schütz erfolgte, nahm die Thätigkeit I der damit Betrauten bis gegen 3 Uhr früh in Anspruch, worauf das Manuscript in die Druckerei des „Gießener Anzeigers" befördert und dort sofort mit dem Satz begonnen wurde. * • Alsfelder AuSstelluugllotterie. Die Gewinnliste über die am 16. dS. MtS. in Alsfeld ftattgehabte Ziehung wurde gestern herauSgegeben. * * Die gestern versprochene PrämiirungSliste der Land». Ausstellung konnte heute noch nicht beigelegt werden, da sich die Herstellung derselben etwas verzögert hat. * * Die hüttenberger Katharinen. Sophien, Christine» unb Marien, welche, wie bereits berichtet, die Insassen deS Ihren Königl. Hoheiten vorgesührten Erntewagens bildeten, kamen gestern wieder in vollem Staat in die Stadt und wurden von Herrn L. Orth in den Neuenbäueu recht gut ausgenommen, d. h. photographisch. — Herr Orth hat übrigens noch eine Anzahl anderer Ausnahmen während des landwirthschaftlichen Festes auSgeführt, u. A. die Turner- pycamide in der Liebigstraße, das Innere der Festhalle während des zu Ehren Ihrer Königl. Hoheiten stattfindendeu Frühstücks, die Ehrenpsorte am SelterSthor, die Festhalle, und schließlich auch den am Spieß bratenden Ochsen. * ♦ Da» Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm ist im Laufe der vergangenen Nacht mit Extrazügen der Bahnlinie Gießen- Fulda hier wieder auS den Manövern etngetroffen. Die Truppen, welche in der neuen Kaserne liegen, wurden gleich am Bahnwärterhaus au der Ltcherstrahe ausgeschifft. Die Entlastung der Reservisten fand heute früh statt. Das 6. Bataillon trifft später ein. * * OmnibuS Verbiudung Schiffeubergerwald. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß von heute ab an Wochentagen nur noch ein Wagen auf dieser Linie verkehrt und zwar um 3 Uhr Nachmittags ab Marktplatz. — So lange die günstige Witterung anhält, wird an Sonn- und Feiertagen der seitherige regelmäßige Verkehr weiter statt- staden, nur daß die Rückfahrten ab Wald bereits 6^ Abends beginnen. (Siehe auch Jnferatentheil.) • * Siu festlicher Empfang wurde den mit dem Ehrenpreis Sr. Durchlaucht des Herrn Grafen zu SolmS-Laubach und anderen Preisen ausgezeichneten Ziegen und Böcken deS Zuchtvereins zu Nieder-Moos bereitet. Man schreibt UNS von dort unterm 23. September wörtlich: „Bet Ankunft der Ziegen hatte sich eine große Anzahl Menschen eingefunden, es war bet Anbruch der Dunkelheit und wurde dann noch ein festlicher Zug durch unfern Ort unternommen. Zuerst gingen einige Personen mit Lampions (Papier«), dann spielte die hiesige Musik-Capelle, nachher suhr der Wagen mit den Ziegen, dann folgte der Ziegenzucht - Verein und wurde der Zug überall mit Begeisterung begrüßt. ES fand schließlich noch eine „Sitzung" des Vereins im Saale des Gastwirth Rühl hier statt (an welcher leider, wir wir hören, die preisgekrönten Ziegen infolge der Anstrengungen der Festtage in Gießen nicht theilnehmen konnten. Red.). Sämmtliche Mitglieder nicht allein, sondern auch alle Orts« einwohner waren hocherfreut über die Anerkennung ihres Vereins von Seiten der PrämiirungS-Commission in Gießen, denn es erhielt der hiesige Ziegenzucht - Verein unter ver- fchiedenen anderen Preisen den „Ehrenpreis" für die beste Leistungen in der Ziegenzucht. Möge es dem jungen Verein vergönnt fein, auch ferner noch wettere Fortschritte zu machen, wie seit der Zeit seines Bestehens. Erwähnt sei an dieser Stelle noch, daß nur die guten Erfolge deS Vereins den beiden Vorstandsmitgliedern, Veterinärarzt Dr. Nuß und Pfarrer Scriba hier, zu verdanken sind." ♦* Die hessischen VolkSschullehrer sind nach den hessischen Wahlgesetzen weder in den Landtag noch in die Gemeindevertretung wählbar, dagegen die Lehrer an den höheren Lehranstalten gewählt werden können. In dieser Nichtwählbarkeit erblicken die VolkSschullehrer gegenüber den übrigen Lehrern eine Zurücksetzung, weßhalb, wie daS Organ der Volksschullehrer, die „Hess. Schulblätter" mittheilen, gegenwärtig eine Agitation im Gange ist, um bei den gesetzgebenden Factoren zur Beseitigung dieser Ausnahmebestimmung zu wirken. •* Rach der allgemeinen Ansicht deS Publikums kann bei zerrissenen Gel dschetnen Derjenige Ersatz verlangen, der die Nummer de» Scheines besitzt. Dies ist keineswegs der Fall, da nach dem Bankgesetz vom 16. März 1875 nur dann Ersatz zu leisten ist, wenn der Inhaber entweder einen Thetl präsrntirt, der größer ist als die halbe Note oder den Nachweis führen kann, daß der Rest der Note, von der er nur die Hälfte oder einen geringeren Theil besitzt, vernichtet fei. Srüuberg. 21. September. Die Zwetfchenernte | fällt in diesem Jahre ungemein reichlich aus, und sind viele , Leute nicht in der Lage, ihre Erträge selbst zu verwerthen. Am Bahnhof wurden heute große Mengen von Zwetschen verladen- dieselben wurden von einem hiesigen Händler zu einer Mark das Simmer aufgekauft. — Weit geringere Erträge liefern die Aepfelbäume. Infolge deffen sind auch die Preise der Aepfel ziemlich hoch, und auch bei den gegenwärtig stattfindenden Obstverstetgerungen werden beträchtliche Einnahmen erzielt. DaS Malter Kelterobst gilt bereits 9 Mark. = Lad Nauheim, 24. September. Sonntag den 22. d. M. versammelten sich auf Anregung des Herrn Adolf Arnold, Zitherlehrer aus Gießen, im Locale deS Herrn Weidig dort- felbst Mitglieder der Zithervereine Gießen, Bad-Nauheim, Marburg :c. zwecks Gründung eines „Lahnthal-Zither- bundeS" und soll die Ausgabe dieses Bundes sein, den Zitherspielern deS LahnthaleS, Vereinen sowohl als auch Einzelspielern, Gelegenheit zu bieten, durch Zusammenkünfte resp. größere BundeSconcerte dem Zitherspiel mit größerer Lust zu huldigen, um die schöne Munft desselben zur vollen Geltung zu bringen. — Nach gegenseitiger kameradschaftlicher Begrüßung ging die Versammlung zur Tagesordnung über. Herr Adolf Arnold au» Gießen leitete auf Wunsch die Versammlung und wurde Herr Alb. Stoll auS Bad-Nauheim mit Führung de» Protokolls herangezogen. Herr Adolf Arnold au» Gießen verlas die von ihm provisorisch auf- | Vermifdrtef. flefteUten Statuten, welche mit einigen kleinen abänbetungen • 25. September. Herr ObersS.ster Freiherr als entsprechend von ber Ser amenlung °ng-n°mmen wurd n. @ „„„ unb Jn $tle[66ti„ ist zum Regierung«, atsbann ich ritt man zur Wahl emeS pr°°ii°rschen Vorstandes, J g°rstro,h ernannt und ,um 1. Cc.aber b. I. an bie aus welcher salgende Herren al. gewählt «• R5nigUd)e Regierung zu Arnsberg versetzt warben. 2 WW«: ®0 $Äs Marburg Su^be"' * Mit. 24. September. Die hundert,ährtge Schrift, dirigent. Adolf Arnold aus Gießen, 1. Bundesschriftführer: stellerin Mühling, Mutter de» Besitzers de» Hotel de Rome, Heinrich Löschhorn aus Bad-Nauheim, 2. Bundesschriftführer: ist gestern gestorben. Heinrich Sonntag aus Gießen, Bundesrechner: Gustav Sonntag * Berlin, 22. September. Der Oberstlieutenant und aus Gießen, Controleur: Radenbrock aüS Marburg. — Nach Director der Militareifenbahn Bahr hat sich am Mütwoch einem kräftigen „Gut Klang" endete die von allen Zither- Abend io seiner in Schöneberg gelegenen Wohnung erschossen, spielern gewiß freudig begrüßte Versammlung und trennten Unglückliche Familienverhaltniffe find da» Motiv zur That. sich die Herren mit dem Wunsche, baldmöglichst eine stark Bahr, der al» tüchtiger, wenn auch al» sehr strenger Offizier besuchte Bundesversammlung abzuhalten. galt, und im Feldzug von 1870 das Eiserne Kreuz erworben q AlSfeld, 24. September. Während der letzten An- hat, war vor etwa zwei Jahren von seiner dem Anschein Wesenheit des Großherzoglichen Paares io Oberheffen nach von ihm sehr geliebten Frau geschieden worden. Seither war daffelbemit dem Prinzen Heinrich von Preußen lebte er allein und hatte die Gewohnheiten eines Sonder- und dessen Gemahlin, welche sich bekanntlich bei ihren Der- ltngS angenommen- so durfte weder die Dame, welche seine wandten zu Besuch aufhielten, nach Wallenrod in» Manöver Wirthschaft führte, noch auch nur sein Bursche jemals sein gegangen. Auf dieser Station stand schon der Extrazug zur Zimmer betreten. Seine vier Töchter, von denen die beide» Rückfahrt der Fürstlichkeiten nach Zell-Romrod bereit, der jüngsten noch die Schule besuchen, waren außerhalb Berlin» Locomotivführer Peter Geroand von Gießen prüfte noch einmal untergebracht worden- die beiden älteren Schwestern leben jedes Ventil an seiner Maschine, als zum Erstaunen des in einem Pensionat in Rom, während daS jüngere Schwestern- Beamten zwei Offiziere und zwei Damen das Dampfroß paar neuerdings zu der Mutter übergesiedelt ist, nachdem bestiegen und erklärten, sie beabsichtigten die Fahrt auf der diese in jüngster Zeit eine neue Ehe mit einem Arzt ein- Locomotive mitzumachen. Für die Damen wurden gleich gegangen ist. — Seit ihrer Verheiratung hatte Bahr seine darauf durch einen Bedienten Stühle gebracht, während der Frau, mit der er bis dahin noch ab und zu zu einer Be- eine der Herren es sich auf dem Kohlenvorrath im Tender fprechung zusammengetroffen sein soll, nicht mehr gesehen, bequem machte, worauf unter vollem Dampf die Reise an- Da die pecuniären Derhältniffe deS verstorbenen durchaus getreten wurde. Unterwegs erklärte der eine der Offiziere geordnete sind, auch eine andere Deranlaffung für einen in Artillerieuniform den Mitfahrenden daS Joeinandergreifen Selbstmord nicht zu ersehen ist, wird angenommen, daß der deS Räderwerks und der Führer gab auf Befragen der Damen Kummer über fein durch die Wiederverheirathung seiner Frau zu, daß diese Erklärungen richtig seien. Am Ziel angelangt unwiderruflich zerstörte» Familienglück ihn In den Tod ge- bedankten sich die Passagiere und nun merkte der Beamte trieben hat. Am Mittwoch Abend empfing Oberstlieutenant erst, welch hohe Gäste er um sich gehabt. Der Großherzog Bahr den Besuch seines Adjutanten, welchem er erklärte, daß und dessen Schwager Prinz Heinrich (Letzterer war der er sich krank fühle, und den er daher bat, einen Militärarzt Artillerieoffizier) wollten einmal erproben, wie e» sich auf au» der Kaserne zu besorgen. Seine Wirthschafterin batte so ^ner Locomotive fährt und deren Gemahlinnen wollten er vorher angewiesen, ihr Zimmer unter keinen Umständen nicht allein im Salonwagen fahren und hatten sich bereit zu verlaffen. Dem jungen Offizier gab er den Drücker zu erklärt, die Fahrt mitzumachen. seiner Wohnung mit. Al» der Arzt nach einiger Zeit in nn. Darmstadt, 24. September. Einen „Roman auS Gesellschaft deS Adjutanten eintraf, fand man Bahr, der sich dem Leben einer Gräfin" kann man die Verhandlung unterdeffen eine Kugel durch den Kopf gesagt Hatte, noch am bezeichnen, die sich heute vor dem Forum der Strafkammer II. Leben, sedoch in hoffnungslosem Zustande vor. Erst nach drei des Großh. Landgericht« dahier abspielte. Als Angeklagter Stunden trat der Tod ein. erscheint der stud. phil. Adalbert Tomber, alias Graf ♦ Schueidemühl, 24. September. Hier wurden zwei v. Nesselrode und Großfürst Alexowitsch, Adjutant Sr. elegant gekleidete Männer verhaftet, die eine große An« Majestät des Kaisers von Rußland wegen Bedrohung, nach- zahl Gold fach en bei einem hiesigen Uhrmacher verkaufen dem die Anklage wegen versuchten Todschlags von der Gr. wollten. Die Verhafteten legitimirten sich al» Kaufmann Staatsanwaltschaft fallen gelassen wurde. Aus den Ver- Otto Förster und Kellner Emil Lux auS Berlin. Bei den- handlungen geht hervor, daß der Angeklagte der Sohn eines selben wurden gegen 20 verschiedene Schlüssel gefunden. Man Zuschneiders Tomber zu Budapest ift, geboren im Jahre 1874. vermuthet, daß die Goldsachen von einem in Berlin verübten Er studirte zu Wien, Budapest und Heidelberg Philosophie, Einbruchdiebstahl herrühren. und kam im Jahre 1893 als Hauslehrer zu der verwitt. ♦ Oldenburg t. Gr., 20. September. Heute Nachmittag weten Gräfin Waldeck resp. zu deren Tochter als HauS- eine der drei großen Jnfanterie-Kafernen total nieder- lehrer auf deren Schloß nach Nicza. Wie sich nun weiter au- I gebrannt. DaS Militär befindet sich noch im Manöver, den Aussagen des Angeklagten ergeben hat, muß derselbe Die Ursache deS Brandes ist unbekannt. mit der Gräfin Wittwe und deren Tochter sehr eng ttirt . $nm Watnenben eetfpiel! Wegen fahrlässiger Tödtung gewesen sein, denn er lebte mit denselben auf deren verschie- ^Qtte t(iriüd) bte 48 gQ^te alte Waschfrau Müller denen Schlöffern in Ungarn, .sowie zu Kürnbach an der Qor bem Landgericht in Leipzig zu verantworten. Die An- badischen Grenze und machte mit der gräflichen Familie große gesagte pflegte auf dem Fenstersims ihrer im vierten Stock- Reisen nach Italien, der Schweiz u. s. w., wobei er toer^ gelegenen Wohnung Blumentöpfe aufzuftellen, ohne daß sich al» Graf Tomber auSgab, und von der Diener- b|e|e befestigt und vor dem Herabfallen gesichert worden schäft u. s. w. der Gräfin als solcher behandelt wurde. togren Juli d. I. war einer der Blumentöpfe herab- Ende 1893 wurde rc. Tomber zum Militär eingezogen und rlft t unb ^Qttc cin 14 Monate alte» Kind eines Bank- diente als Einjährig-Freiwilliger beim 1. Artillerie-Regiment beamten, daS gerade im Kinderwagen an dem Haufe vor- zu Budapest. Noch vor Ablauf seines Dienstjahres verließ beigefahren wurde, so unglücklich auf den Kopf getroffen, daß I er seinen Truppentheil und wurde fahnenflüchtig, begab sich bn6 ftinb nQd) roenlgen Stunden starb. DaS Gericht ver- wieder zur Gräfin Waldeck, die ihn in offenen Armen empfing urtheilte die Angeklagte zu 3 Monaten GefLngniß. und machte nun mit derselben und deren Tochter Reisen nach e ^nneben, 24. September. Nad) einer Mittheilung be» der Schweiz u. s. w. und kehrte mit der gräflichen,F°m ili königlichen Ober - Bahnamtes ist am 22. d. Monat» früh Ende 1894 auf deren Schloß zu Kürnbach.ein,^um als Gras B * ^QffQU üor Abfahrt des Personenzuges 445 Tomber herrlich und in Freuden zu leben. Doch , Ctn mit fünf Pferden für Frankfurt a. M. beladener Wagen Geschickes Machten rc., denn hier sollte den ^budo-Grafen österreichischen Staatsbahn in Brand gerathen, sein Schick al ereilen. Dte Kürnbacher und insbesondere die ‘. Jugend von dort waren von jeher nicht gut auf die gräf- wobei 4 Pferde verbrannten. liche Familie zu sprechen. An einem Sonntag deS ver- flossene'n Frühjahr» vergnügte sich die Kürnbacher Jugend ^cmffsnacqrtcptett* damit, daß sie auf der Schloßmauer hin- und herlief und Norddeutscher Lloyd, in Gießen oertreten durch die Agenten Earl vor ben Finstern be« Schlosses allerlei Unsinn trieb. Der Loo« unb 3- M. Schulho!. Wub°.®raf und di-®r°W. Wittwe standen am Schlosts-nfter und verbaten sich das Geschrei, wa« jedoch mcht beachtet Bremen, ist gestern, 9 Uhr Vormittags, wohlbehalten in wurde. Nachdem sich auch noch größere Burschen an dem Newyort «»'gekommen. Scandal betheiligten, schickte Tomber einen HauS-Diener vor ■ ■■1 — 11 da» Schloß, um die Störenfriede zu vertreiben. Al» der- und Attnst. selbe zu den Burschen kam, wurde auch er von denselben bedroht und soll demselben zugerufen worden sein: ^Geh Auf eigene Faust, das t» eines der Zeichen, unter denen hinein zu deinem Lumpengras" Hi-r°u'n°hm Tomber -inen «tag»» Ib* dem verstorbenen Grafen Waldeck gehörigen Revolver, lud coeben erschienenen 6 Heft de« Lieferungs Prachtwerke» „KrtegH- denselben mit 6 scharfen Patronen und begann nun 5 Schüffe erin«ervnge« r Wie wir unser User« »t<«| erwarben* unter die Tumultuanten zu feuern. Verletzt wurde Niemand (Deutsches Verlagshaus Bong & 60., Berlin W. 57, und Leipzig, un.c . . o f tv. (0 gjfell, * \ M S6 »reii Heute und Ltierf T.^t lobmrein, pr. IS95/9' «8 (U «iet ° B ito * ti« I395 b>«» drt Tanger nach >7, NU «sch« und bitfer Ze« Men wir ««* 61 Lbottit entgeß«”- an der Mer Die gemeinde ■’ gießen. W einen v,jen dienst ndern t-btn M w ej tuf der hiesigen Bm »uselden. Rödgen, 23. t Nrohh. 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