Nr. 303 Zweites Blatt Mittwoch den 25 December IS9I Asnts- und Anzeigeblntt für den Ureis Giefzen Hratisöeikage: Hießener Kamitienökätter 1. Faulftich, WeiterShain H als Köhler, Langsdorf, « als Erfatzmttglieder für die drei nächsten Jahre durch Zuruf Otto, Beuern, u Sommerlad, Wteseck, y 5. 2. 8. 4. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Yorm. 10 Uhr. Oeconom von Oven, Hungen, Bürgermeister Roth, Muschenheim, Mitglieder und Bürgermeister Leun, Großen-Linden, Apotheker Weicker, Allendorf a. d. Lda., daS KreiSauSschuhmitglied: Bürgtrmetster Faul stich, WeiterShain, der KretSingenteur Stahl, der Protocollführer, Großh. KreiSamtSgehülfe Schi ff nie. LandfchaflSbtld. Doch feine Bewohner empfinden nicht so sehr die Schönheit ihrer Gegend, ihre rege Thärigkett, ihre intensive Sparsamkeit läßt ihr Sinnenleben nach anderen Beziehungen aufgehen. Der Herr arbeitet wie der Knecht, und die Leute kommen sichtlich vorwärts, trotzdem der Bauernstand sich wahrlich keiner goldenen Zeit erfreut. Fleiß und Arbeit gelten heute, wie vor Zetten als eine der ersten Tugenden beider Geschlechter. Dies geht schon aus dem üblichen Kose- namen der Eltern und Großeltern gegen die kleinen Kinder hervor, die sie mit Vorliebe mei Knäacht (mein Knecht), mei Maaho (meine Magd) benennen. Der weibliche Theil der Bevölkerung ist ungemein anspruchslos und in seinen Feldarbeiten von mnstergilttger Emsigkeit. Vieh und Aecker genießen die größte Sorgfalt, manchmal sogar auf Kosten der eigentlichen Haushaltung, deren Pflege in einzelnen Punkten wohl hie und da zu wünschen übrig läßt. Doch, wo find keine Schattenseiten? Uebrigens ist es in der gedachten Beziehung in den letzten Jahren im hessischen Theile des HütrcnbergS nach unseren Wahrnehmungen entschieden bester geworden. Wir loben an dem Hüttenberger seine derbe Gradheit, er sagt es in den meisten Fällen, wie er'S denkt, und es waltet in ihm ein nicht zu verkennender, rechtlicher Sinn, wir müssen ausdrücklich seine Ehrlichkeit anerkennen - Leute, die das Mein und Dein nicht scharf unterscheiden, werdm im Hüttenberge verachtet. Wenn auch oft der sittlich religiöse Sinn von dem Trachten nach dem Irdischen überwuchert wird, so halten die Leute doch sehr viel auf feine, äußerliche Zucht. Sie gehen pflichtgemäß zur Kirche, zweimal jährlich zum Abendmahl, und zwar in ganz strenger Inne Haltung nach Zeit und Alter. Der OrtSgeiftliche genießt volle Verehrung und jeder Ort nimmt für sich das Vorrecht in Anspruch, den besten „Pärner" zu haben. Werden Geistliche und Lehrer allzu vertraut und allzu leutselig, so geschieht dies auf Kosten der Hochachtung, die sie seither genossen. Der Hüttenberger entbehrt nicht eine- gewissen Ehrgeizes, dies beweist schon sein allgemeines Streben nach Wohlhabenheit, selbst schon nach dem Schein desselben. Ge- meinderathSmitglied zu werden, ist der geheime Wunsch der wiedergewählt. 5. Wahl je eines stellvertretenden Mitgliedes der Pferde- musternngSCommisfionen für den Bezirk Hungen und Großen- Linden und eine» stellvertretenden Taxator« für den Pferde- AushebungSbezirk Hungen. Der Großh. RegierungSrath Dr. M elior macht den Vorschlag, für den verstorbenen Großh. Bürgermeister Rückel zu Bettenhausen den Pachter Bornemann zu Obbornhofen als stellvertretendes Mitglied der Pferdemusterung^-Com- mission des Bezirks Hungen und als stellvertretenden Taxator im Aushebungsbezirk Hungen zu wählen. Bei den Kindtaufen geht es ebenfalls hoch her und wir können uns such noch der Zeit der gar nicht unbedeutenden Leichenschmäuse erinnern- Dinge, die die Hüttenberger von ihren Ahnen überkommen haben. Bestimmte doch schon die 1543 ebtrte DiSciplinarordnung Philipps deS Großmüthigen, daß Keiner, er sei reich oder arm, mehr denn einen Tisch Volks« zum Kinbett laden solle. Der junge Hüttenberger hat übrigens gut heirathen, gründet er doch in den allerseltensten Fällen einen eigenen Hausstand. Entweder er bleibt nach wie vor in seinem elter- ttchen Hause und die angeheirathete junge Frau versieht dort die Dienste einer Art Großmagd, oder er zieht in daS Haus des Schwiegervaters und erspart diesem den Großknecht. So findet man denn keineswegs selten vier Generationen auf einem Hofe einig zusammenlebend. Die Urgroßeltern, die daS Gut an die Großeltern abgegeben haben und sich nur den Einsitz und die Nutznießung von einigen Akckern vorbehielten, die Großeltern, die Haus und Hof, die „Sach", am Namen haben, die jung verheiratheten Eltern und deren Kinder! Die Urgroßeltern nennt man in diesem Falle „Aushälter", die Eltern „Beisitzer." Der Hüttenberger gibt sein Vermögen erst in vorgerückteren Jahren an seine Kinder ab und hieran thut er recht. Während die weiblichen Namen heute noch geradezu typisch für die Gegend find, hat man die männlichen modernisirt, der „Hannes", der „Hannconrad", der „Hannwellem" (Johann Wilhelm), der „Hannjer" (Johann Georg), der „Hanndeuel" (Johann Daniel) hat dem Karl, dem Robert, dem Julius, dem Bernhard und wie diese hübschen Namen alle heißen, Platz gemacht- dagegen erscheinen aber heute noch, wie vor Jahrhunderten, die Tine, Kathrine, KathrillieS (Katharina Glisabetha), AnnlieS (Anna Elisabethe), MarilieS (Marie Elisabethe), Annegriet (Anna Margarethe) auf der Bildfläche. Sieht man von der Zinne deS Schiffenberges bei Gießen nach südwestlicher Richtung, so liegt der hügelreiche, mit stattlichen Wäldern durchsetzte Hüttenberg mit seinen ziegel- gedeckten Dörfern und stattlichen Kirchen zum größten Theile vor uns und gewährt ein geradezu überraschend freundliches Geschehen Gießen, den 18. December 1895. Ginurrddreitzigste außerordentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen. Gegenwärtig: Der Vorsitzende eröffnet den Kreistag zur festgesetzten Leit und begrüßte hierauf die erschienenen Abgeordneten. Feuilleton. Der Hüttenberg. (AuS dem „Darmst. Tägl. Anzeiger"). (Schluß.) Den Zug selbst eröffnen lustige Weisen spielende Musiker. Rach der Trauung findet der obligate SchmauS statt, dyzu ertönen die Kunstleistungen der Dorfmufici, das Diner besteht, einmal wie das anderemal, aus RetSsuppe, Meerrettig und Ochsenfleisch. Jeder Gast hat sich Messer, Gabel und Löffel selbst mitzubringen. In zusammenklappbaren Eßbestecken entfaltet der Hüitenberger deshalb nicht geringen LuxuS. Solch eine große Hüttenberger Hochzeit dauert beinahe eine ganze Woche lang, hier entfaltet sich das Eigenartige des Hüttenberger Wesens am vollständigsten. Montags, Dienstags, Mittwochs ist das Brauthaus schon sehr belebt, da kommt die ganze nähere Verwandtschaft, um sich am Kuchenbacken, Bratenmachen und Zurickten zu betheiligen. ZwangSloS bilden sich so halbe Feiertage heraus und Kind und Kegel befinden sich jetzt schon in antmirter Stimmung- Donnerstage ist der Trauungstag und nun beginnt die eigentliche Hoch. zeitSfeier, zu der bei großen Hochzeiten Hunderte von Gästen erscheinen. Rach oem osficiellen, eben erwähnten MittagSeffen entwickelt sich ein bunreS Leben. Die Verheiratheten essen weiter, trinken und singen, dabei verschwinden Berge von Bratenfleisch und Kuchen, die Jüngeren tanzen, jauchzen und trinken, und so geht eS, unter fortwährender Begleitung der Dorf- mnstci, lustig weiter. Zur Abwechslung gibt es einen feierlichen Umzug im Orte. Manchmal ist erst die Feier zu Ende, wenn deS nächsten Montags Morgenrölhe anbricht. Die ganz beträchtlichen Kosten einer solchen Hochzeit werden gewissenhaft halbirt, die Familie der Braut zahlt nicht mehr als die des Bräutigams. In der geschilderten Weise sahen wir so manches Hütten- berger HochzeitSfeft sich vollziehen, der Tag der eigentlichen Trauung bildete auch zugleich einen Festtag für die Schuljugend, die mit Kuchen und Eiern herzhaft regalirt wurde. Er gedachte der feit der letzten Kreistagsversammlung auS dem Leben geschiedenen Abgeordneten Georg Buderus zu Lollar und Heinrich De Iren III. zu Großen-Linden, welchen Herren der Kreistag ein freundliches Andenken bewahren werde, und forderte die Versammlung auf, sich zum Zeichen hiervon von den Sitzen zu erheben. Dies geschah. Nunmehr wurde die Beschlußfähigkeit deS Kreistages festgestellt. Entschuldigt fehlten die Herren: Bürgermeister Bopp, Bellersheim, Rentner A. Heß, Gießen, Rechtsanwalt Hirschhorn, Gießen, Gutsbesitzer Sch lenke, Hardthof, Professor vr. Streng, Gießen, Oberforstmeister Thaler, Gießen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden werden die Herren Bürgermeister Sommerlad,Wteseck und Apotheker Weicker, Allendorf a. d. Lda., zu Urkundspersonen bestimmt. Als Protocollführer wurde der KreiSamtSgehülfe Schiff nie bestellt und durch den Vorsitzenden mittelst Handschlags als solcher verpflichtet. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. 1. Srgänzungßwahl zum Kreisansfchuß. Der Vorsitzende schlägt vor, die dem Dienstalter nach auSscherdenden drei Mitglieder, nämlich: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen, Bürgermeister Geißler, Lollar, LandgertchtSrath Dr. Schäfer, Gießen, per Acclamation wiederzuwählen. Hierauf werden genannte Herren gewählt. An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetcetenen Mitgliedes Rentner A. Heß, Gießen, wird auf Vorschlag des Abgeordneten Geißler der Großh. Oberbürgermeister Gnauth, Gießen per Acclamation, wogegen Einwendungen nicht erhoben worden sind, für den Rest der Dienstzeit des Herrn Heß — Ende 1898 — gewählt. 2. Wahlen zum Provivzialtag. Ende 1895 haben dem Dienstalter nach auszuscheiden: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen, Commerzienrath Hehligenstaedt, Gießen. Die Genannten werden auf Vorschlag deS Vorsitzenden per Acclamairon wiedergewählt. Für drei durch Tod oder Wegzug ausgetretene Mit- Der Vorsitzende, Großh. Provinzialdirector Freiherr v. Gagern, Großh. RegierungSrath Dr. Melior, „ KreiSamtwann Dr. Wüst, die KreiStagSwitglieder: Bürgermeister Balser, Albach, „ Geißler, Lollar, Fabrikant Georgi, Gießen, Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen, Oberbürgermeister Gnauth, Gießen, Commerzienrath Hehligenstaedt, Gießen, Fabrikant M. Homberger, Gießen, Bürgermeister Koch, Villingen, Gemeindeeinnehmer Maid, Watzenborn, Bürgermeister Meyer, Großen Buseck, 6. 7. Amtliche»« Theil. Bekmmtmachmlg, Gemäß § 39 der Kreisordnung wird nachstehend daS Protokoll über die am 18. December d. I. stattgehabte Außerordentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 21. December 1895. Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen, v. Gagern. Der ft4e*er Anzeiger trfdjetat täglich, »tt Ausnahme bei Montags. Die Gießener OlMmt/ienStttter werden dem Anzeiger ^wöchentlich dreimal beigelegt. glieder ist eine Ersatzwahl bis 1898 vorzunehmen. DaS Kreisausschußmitglied Faul st ich schlägt Wahl durch Acclamation vor. Einwendungen hiergegen werden nicht erhoben und wird der Vorsitzende ersucht, Vorschläge zu machen. Dieser schlägt die Herren LandgerichtSrath Dr. Schäfer, Gießen, Ingenieur Schiele, Gießen, Bürgermeister Geißler, Lollar, vor, worauf die Genannten durch Zuruf einstimmig gewählt werden. 3. Ersatzwahl eines Mitgliedes der Kor Commission für de« verstorbenen Heinrich Velten III. von Großen-Linden. Der Großh. KreiSamtwann Dr. Wüst als Referent schlägt vor, das Elsatzmitglied Rentner Georgi, Gießen, als ordentliches Mitglied und an dessen Stelle den Bürgermeister Volk von Allendorf a. d. Lahn als Ersatzmitglied zu wählen. Die Versammlung entsprach diesem Vorschlag durch Wahl der Genannten per Acclamation für den Rest der Dienstzeit deS rc. Velten. 4. Wahl zweier Mitglieder und zweier Stellvertreter für die verstärkte Ersatz-Commission. Auf Vorschlag des Großh. RegterungSraths Dr. Melior werden Bürgermeister Geißler, Lollar, Gießener Anzeiger s k । L • und Druckerei: Seneral-Anzeiger. Fernsprecher 5L ’ Ferner ist vorgrschlagen, für den verstorbenen Heinrich Belten III. den Wirth Georg Faber zu Leihgestern al- Mitglied und für diesen den Bürgermeister Heß von Steinberg als Srsatzmitglied der PferdemufterungS-Commisfion des Musterungsbezirk- Großen-Linden zu wählen. Der Vorsitzende eröffnet die DiScusfion. Wider« spräche erfolgen nicht. Die Wahl der Genannten wird hiernach dem Vorschlag gemäß per Acclamation vollzogen. 6. SehaltSverhältuiffe der BezirkSbauanffeher. Nachdem von dem Kreisingenieur Stahl die GehaltS-Ber- hältniffe der einzelnen Bezirksbauaufseher eingehend geschildert und mit denjenigen der gleichaltrigen Straßenmeister bei der Staatsstraßenverwaltung in Vergleich gestellt worden find, wobei fich ergab, daß die Bezirksbauaufseher Rohrer, Maringer und Senßselder in ihren Bezügen den gleichaltrigen Collegen im Staatsdienste nachstehen, wird dem Anträge des KreiSauSschuffeS gemäß der penfionSsähtge Gehalt der Genannten von 1760 Mk. auf 1980 Mk. mit Wirkung vom I. April 1895 ab festgesetzt. 7. SreiSstrahenneubaote»; hier: Die Bestimmung der Reihen« folge derselben in den nächste» Zähren. Mit der Einladung zur heutigen Versammlung war den Abgeordneten eine Ueberficht im obigen Betreffe nebst entsprechenden Erläuterungen zugegangen. Inzwischen find mehrere Eingaben wegen bevorzugten Ausbaues einzelner Kreisstraßen eingelaufen; der Vorsitzende ersucht den Kreisingenieur Stahl, dieselben zur Kenntniß der Bersamu.^ung zu bringen. Zunächst kommt ein Bericht der Großh. Bürgermeisterei Gießen zur Verlesung, worin um beschleunigtere Ausführung des Straßenbaues Gießen-Wißmar als vorgesehen und darum gebeten wird, die Straße nicht erst als das 7. zur AuS« fllhrung vorgesehene Project in die 1. Gruppe etnzuftellen. Der Vorsitzende gibt hierzu noch weitere Trläute« rungen und ist mit dem KreisauSschuffe der Ansicht, daß für fragliche Straße schon eine 1. Rate in das nächste KreiS- Budget eingestellt und sonach der Beginn des Baues ermöglicht werden könnte. Außerdem sei die Stadt bereit, meisten Erwachsenen, und bei einer Bürgermetfterwahl theilt sich mitunter das Ort, gemäß den BerwandtschoftSringen, in 2 bis 3 Gruppen, um fich dann aufs äußerste zu befehden — moderne Montechis und CapulettiS! Sämmtlichen Hüttenbergern, den hessischen sowohl, wie den preußischen, ist rin streng monarchischer Sinn eigen, insbesondere halten die ersteren treu und fest an dem angestammten Fürftenbause. Ebenso treu wie an Sitten und Gebräuchen hängt der Hüttenberger auch an seiner Heimath. Weilt er draußen in der Ferne, so zieht es ihn mächtig nach den Gefilden des Hütten- berge-, dem er ein für allemal sein Herz bewahrt. Auch in diesen Landstrich versetzte Beamte, Geistliche und Lehrer haben ihn stets bald lieb gewonnen und wie Manche haben viele Decennien lang in der neuen Heimath gewirkt! So ist es uns z. B. von einer alten verzweigten Lehrerfamilie bekannt, daß einzelne ihrer Glieder schon seit mehreren Generationen an einem und demselben Ort amtirten. Da wo der Ahne bereit- wirkte, lehrt heute noch der Urenkel! — Die Pfarrhäuser de- Hüttenbergs genießen auf weit und breit den Ruf edler Gastfreiheit und bilden verehrte Stätten, von denen Wohlthättgkcit und Opferwilligkeit ausstrahlt. Gewiß, auch der Hüttenberger Menschenschlag hat wie jeder andere seine Schattenseiten, aber er ist fürwahr nicht der schlechteste in den hessischen Gauen! Wenn auch von den alten Sitten, Gebräuchen und Trachten gar manches im Strome der Zeit, ehernen Gesetzen zufolge, abbröckeln mußte, so beweist das Dasetende doch noch genügend, daß wir eine erbangesefsene, ackerbautreibende Bevölkerung, einen Landstrich, deffen Acckrr seine Leute hinreichend nährt, heute noch vor uns haben? Den Acker, den die Urahnen schon bebauten, bepflügt heute noch der Nachkomme. Derartige Gauen gewähren in der heutigen Zett des Umsturzes wahrhafte Lichtblicke! Daran aber, daß wir dieser und er« freuen dürfen, hat die an ihren Trachten hängende und ihre alten Gebräuche bewahrende Bäuerin wohl den vornehmsten Antheil. Mithin Schutz den Volkstrachten, Abwehr de- städtischen Flitter-, der die Zersetzung mit in die Landschaft hineinträgi! R. Nach sehn Jahren. Weihnachts-Erzählung von Marie Treuter. (Schluß.) In den hellerleuchteten Läden drängten fich die Käufer, unter welche fich die Besitzerin der Villa au- der Vorstadt gesellte. Nach etwa einer halben Stunde standen Fräulein Merten- und ihre Zofe mit unzähligen Packeten und CartonS beladen in Begleitung eine- halbwüchsigen Buben, welcher einen kleinen glitzernden Ehristbaum trug, auf dem spärlich beleuchteten Treppenflur eine- baufälligen Hause-. „®o, nun zündet die Kerzen an und dann geht/ befahl da- Fräulein ihren Begleitern. Al- die Tritte der sich Entfernenden auf der Treppe verklungen waren, ergriff fie da- Bäumchen und öffnete leise die zunächst liegende Thür. Dunkelheit erfüllte den Raum. Plötzlich ertönte ein unterdrückter Schrei, dann do» Jauchzrn von Ktndersttmmen. „Da- Christkind! Da- Christkind!* jubelten die vier kleinen Blondköpfe und drängten fich um da- Sopha, auf welchem fich eben eine hagere, weißhaarige Frau mühsam emporrichtete. Fräulein Marten- setzte da- Bäumchen auf den Lisch und trat dann an da- Lager der alten Frau, welche, gedie weiteren Kosten unverzinslich vorzulegeu. Der Kreis- au-schuß schlage vor, die Straße Gießen-Wißmar al- 4. Project in Gruppe I. einzuftellen. Der Abgeordnete Roth befürwortet die möglichst baldige Inangriffnahme der Straße Muschenheim—Trais- Münzenberg. Abgeordneter v. Oven fragt an, ob ein Theil der Straßeubaukosten für Station Bellersheim bi- Obbornhofen und bis Bellersheim nicht auf den Bahn-Baufonds übernommen und die Gemeinden hierdurch entlastet würden. Der Vorsitzende erklärte hierauf, daß die Zufuhr- ftraße von der Bahnstation bis Bellersheim auf Bahnkosteu gebaut werden solle, daß jedoch für die Zufuhrftraße von der Station bis nach Obbornhofen ein gleiches Vorhaben bis jetzt noch nicht vorltege, dteserhalb aber von seiner Seite bereits Schritte bei der Regierung gethan worden seien. Auch sei ihm an competenter Stelle in Darmstadt in Aussicht gestellt worden, daß die Bahn die Zufuhrwege sowohl in Gemarkung Bcller-Heim wie auch in (Gemarkung Obbornhofen bis zu den zunächst gelegenen Feldwegen ausbauen werde. Auf Antrag des Abg. Dr. Gutfleisch wird zu Protokoll erklärt, daß der Kreistag dies als selbstverständlich erachte. Hiernach kommen die Eingaben aus den Gemeinden Bettenhausen, Langsdorf, Nonnenroth und Röthges wegen baldiger Inangriffnahme einer Kreisstraße Nonnenroth bis Langsdorf, sowie der Bericht der Bürgermeisterei Dorf-Gill bezüglich einer Straße von Ltch nach Dorf-Gill, der Bericht des Gemeinderaths zu Daubrtngen wegen der projectirten Straße von Staufenberg nach Daubrirgen und des Gemeinderaths zu WeiterShain wegen des StraßenprojecteS von WeiterShain nach Schadenbach zur Verlesung. Der Vorsitzende giebt zu den einzelnen Berichten die nöthigrn Aufklärungen und stellt die darin niedergelegten Anträge zur DiScusfion. Abgeordneter von Oven empfiehlt die Einstellung der Straße Nonnenroth—Lich bezw. Langsdorf in die Gruppe I und Abgeordneter Roth verwendet fich für einen Straßenbau Oberhörgern—Holzheim. Da fich Niemand weiter zum Wort gemeldet hat und weitere Anträge nicht vorgebracht find, so ertheilt der Kreistag auf die diesbezügliche Frage de» Borfitzenden fein Et»- verständniß zu dem Vorschläge des SreiSauSschuffeS bezüglich der in Gruppe I vorgesehenen Straßen mit der Maßnahme, daß daS Project Nr. 7 hinter da- Project Nr. 1 einzustellen sei. In Gruppe II. soll al- erstes Project die Straße von Nouuenroth nach Langsdorf oder Lich rangire» und sollen die Straßen WeiterShain—Schadenbach und Halz- heim—Oberhörgern vorerst der Gruppe IV zugetheilt werde», event. aber auch schon bei der III. Gruppe seiner Zeit berücksichtigt werden können. Hiermit war die Tagesordnung erledigt, woraus ber Vorsitzende den heutigen Kreistag für geschloffen erklärte. Der Borfitzende: Die UrkundSpersonen: v. Gagern. Sommer lad. Welcker. Der Protokollführer: Schtffnte. Versuches Reich. Berlin, 21. December. Die „Rat. - Zig." meidet: Die constituirende Versammlung der Sie dein ngS- gesellschaft für Südweft Afrika sand gestern unter dem Vorfitz de- Staat-Minister- Hofmann statt. Die Gesellschaft wurde nach Genehmigung de- Retch-kanzer- al» „Deutsche Colonialg efeilsch af t" mit eine» Grundkapital von 300 000 Mk. begründet. Dieselbe bezweckt die wirthschaftliche Erschließung der Schutzgebiete in Südwest- Afrika, kann Grundeigenthum erwerben, Handel-gewerbe selbstständig betreiben, und wird auf möglichst direkte und häufige Schiffsverbindung zwischen Deutschland und dem südwestafrikantschen Schutzgebiete Bedacht nehmen. Konstantinopel, 21. December. In der Rächt zu« Freitag wurden in Stambul an Privatquartieren und armenischen Kirchen Plakate angehefiet de- Inhalt»: „Wer Mohamed liebt, tödte d e Armenier." Die Pforte blendet von dem flimmernden Kerzenlicht, die Hand schulend über die Augen legte. „Verzeihen Sie, Frau Petersen/ sagte fie fast demüthig, — „ich — ich hörte, Sie wären krank, da wollte ich den Kindern ein —" „Ein Almosen, Fräulein Marten-, sparen Sie fich die Mühe für das Suchen nach einem milderen Worte," unterbrach die alte Frau in hartem Tone ihren seltsamen Gast. „Ja, ja, die stolze Frau Petersen ist ja arm. 'S wär kein Wunder, wenn man ihre Enkelkinder bei der öffentlichen Armenbescheerung beschenkt hätte." „Seien Sie nicht ungerecht, Frau Petersen," sagte das Fräulein vorwurfsvoll, „ich — ich wollte Sie nicht kränken, nur eine Freude wollte ich den Kindern, — seinen Kindern bereiten." „Seinen Kindern, der Sie betrog! O, Sie wollen feurige Kohlen auf seinem Haupt sammeln, Fräulein MertenS," antwortete die alte Frau bitter lachend. „Sie wollen un- demüthigen. — darum kauften Sie ja auch sein Hau-, darum — " „Frau Petersen, bei Gott, da- wollte ich nicht," rief da- Fräulein mit thränenerstickter Stimme, „ich wollte nicht, daß sein Hau-, in dem er glücklich war, einem Fremden gehören sollte — denn ich liebte ihn — ich liebte ihn auch, als er treulos war. Heute vor zehn Jahren nannte ich Sie „Mutter". Im Andenken an diesen Tag, welcher der glücklichste meine- Lebens war, flehe ich Sie an, denken Sie nichts Arge- von mir." Da- schöne stolze Mädchen hatte die Hände der Greisin ergriffen und drückte fie in leidenschaftlicher Erregung an ihre Brust. Die alte Frau blickte starr und finster vor sich nieder, bann murmelte fie fast unverständlich: //Zehn Jahre! Und er war so glücklich! Warum hast Du eö zugelaffen, daß eS geschehen konnte," rief fie dann laut und schrill. „ES wäre alles anders gekommen — und ich hätte ihn noch — er wäre nicht davongelaufen wie ein Geächteter — wie ein Dieb." „O Mutter, klagen Sie ihn nicht an, er hat schwer genug büßen müffen für da», wa» er Ihnen gethan." „Du vertheidigst ihn — Du —" sagte die alte Frau und starrte ungläubig in da- erregte Antlitz des Mädchen-. — „Warum?" „Weil ich ihn liebe, Mutter, weil ich nie aufgehört habe, ihn zu lieben. Und Du, Du liebst ihn auch — und wenn er jetzt heimkehrte, der unglückliche, verblendete Mann, dann würden wir ihm verzeihen, dann nehmen wir ihn wieder an unser Herz, gelt, mein Mütterlein?" DaS schlanke Mädchen umfaßte liebevoll die hageren Schultern der alten Frau und drückte da- leidenschaftlich erregte Antlitz an ihre Brust. Die Greisin streichelte leise über die thränengefeuchtete Wange de- Mädchen-. „Er kehrt nicht heim," murmelte die alte Frau. „Er ist schon heimgekehrt! — O Mutter, kannst Du mir vergeben?" Wie ein Schrei durchzitterten diese Worte da» Z'mwer, gleich darauf kniete ein großer bärtiger Mann vor dem Lager der alten Frau. Stumm und starr blickten die beiden Frauen auf den Kniernden — die Kinder kauerten verschüchtert in den Ecken. „Mutter, vergib mir!" stammelte der Mann und erhob flehend die Hände. „Johanne-, mein Sohn!" gellte e- durch den niedrigen Raum. Kraftlo- sank die alte Frau in die Kiffen zurück. Der bärtige Mann sprang auf. Mit bebenden Händen richtete er da- greise Haupt der Mutter empvr. „Ich habe Dich erschreckt, Mutter," rief er in leidenschaftlicher Erregung. „Aber al- ich die liebevollen Worte diese- Engel- hörte, diese- Engel-, den ich vor zehn Jahre» mein nennen durfte — den ich verblendeter Thor geopfert habe für ein Phantom, da hielt e- mich nicht länger an der Thür. O Mutter, um diese- Engel- Willen, vergib auch Du!" Mit dem einen Arm stützte er da- Haupt der Mutter„ der andere umschlang leidenschaftlich die Schultern der: einstigen Braut. „Mutter, — Geliebte, Ihr beide könnt e» nicht er» messen, wa- ich gelitten habe in den zwei Jahren, die ich fern von der Heimath al» AuSgestoßenrr, Geachteter durchleben mußte. Oft übermannte mich die Sehnsucht nach Mutter und Kindern — aber ich wollte nicht eher heim- kehren, al- bi- ich mir so viel erworben hätte, um damit den Meinen eine sichere Existenz bieten zu können. E- giückte mir über alles Erwarten. Da hielt es mich nicht: länger drüben in Amerika. Ich eilte, um die Heimath noch am heiligen Abend zu erreichen. Bei meinen Lieben wollte ich da» Fest der Freude verleben — und da», wa» mir der heilige Christ bescheerte, ist so groß, so herrlich, daß ich e» nicht faffen, nicht begreifen kann. Vergebung wollte ich erflehen, ein Engel that eS für mich. Um feinetwillen, um meiner unschuldigen Kinder Willen, Mutier, vergib!" Die alte Frau sah wie geblendet zu den beiden, do» dcn Strahlen de- Christbaume- überflutheten stattliche» Menschenkindern empor. „Vergeben, vergessen!" sagte sie laut und feierlich und legre die Hände de- Mädchen» in die de- Mannes. „Vielleicht fügt e» der Himmel, daß ich noch einen f» glücklichen Weihnacht- Heiligabend erleben darf wie vor -eh» Jahren," sagte fie mit einem hoffnungSseltgen Lächeln. Der große Mann sah da» heiß erröthete Mädchen mit brennenden Augen an. Verwirrt deutete er auf die Kinder, die, allgemach ihre Schüchternheit verlierend, neugierig die noch immer ver» schloffenen Schachteln und Packete betasteten. Leidenschaftlich drückte der heimgekehrte Vater der Reihe nach seine blondköpfigen Kleinen an da» Herz. Inzwischen hatte Fräulein Marten- die Herrlichkeiten von den Umhüllungen befreit. Ein Iubelsturm brach lo- und jauchzend hingen fich die Kleinen an die freundliche Geberin. „Morgen kommt Ihr alle mit der Großmutter und dem Bater nach Eurem schönen Hause in der Vorstadt." „DaS ist nicht mehr unser HauS," sagte der älteste Bube und sah fast finster trotzig zu der schönen, lächelnde» Fran empor. „Doch, mein Junge," entgegnete fie leise, „jetzt ist e- wieder Euer, Niemand soll e» Euch wieder nehmen." „Marie," sagte der tief erblaßte Mann mit bebender Stimme, „kann e-, darf e» wieder so werden, wie an jene« Weihnachtsabend vor zehn Jahren?" Sie reichte ihm wortlos die Hand. „Gott, ich danke Dir, der Du »ich solch einen Weihnachtsabend erleben ließest," betete die greise Frau. „O, du fröhliche, o du felige, gnadenbringende Weihnachtszeit," erklang eS au- jugendlichen Sehlen von der Straße herauf. „Welt ging verloren, Christ ward geboren," stimmten die drei grvhesten Kinder in den Geiang mit ei». Unter dem Christbaume hielt fich da» wieder vereinte Brautpaar fest umschlungen in überquellendem Glücke. hat den Botschaftern gegenüber bie Bermuthung ausgesprochen, daß die- ein Weik deS acmenijchea Comitvs sei, dazu bestimmt, Beunruhigungen hervorzurufen. — Eine Ordre deS Marineministers bestimmt, daß die Thurmschiffe „OSmanie" und „Azizie" sich bereit zu halten haben, um heute auSzu- lausen. — Die Operation gegen die Aufstäadtschen in Zeit un, die vorgestern die in ihren Händen befindlichen türkischen Gefangenen ermorden ließen, haben begonnen. Die hier verbreitete Nachricht, daß Zeitun bereits genommen sei, hat sich bisher noch nicht bestätigt. Der Krieg von 1870J71, zrschilberi durch Ausschnitte eu6 ZeitungS - Nummern jener Zeit (Nachdruck oerdotm.) 24. Deeemder. Wir haben uns über die Stärke von Paris, seine Hilfsquellen, sowie über die Schwierigkeiten der Herbeischaffung von Belagerungsmaterial gründlich getäuscht. Paris ist eine Armeefestung oder ein großer Waffenplatz, desien vorzugsweise Stärke in seinen zahlreichen Fort-, in Verbin- duag mit einer Armee besieht. Ohne eine Armee zwischen den FortS und Paris würden erstere nur den Werth kleiner F stungen haben, die tiozeln durch das Bombardement oder förmlichen Angriff angegriffen werden können. Mit einer Aimee wird das Terra n vor ^arts ein befestigtes Schlachtfeld, auf welchem alle Belagerungsarbeiten mit den g'ößten Schwierigkeiten verbunden sind. Als am 19. Seplember Mobilgarden und Truppen des Generals Binoy in wilder Flucht von Sceavx nach Paris geworfen wurden, zweifelten wir, daß es Trochu unter dem E »drucke der Niederlage gelingen würde, eine neue Armee in Paris zu bilden- wir glaubten, daß innere Unruhen Paris demoralisiren würden, sod »ß eine kurze Beschießung einiger der Forts genügen würde, um die Bevölkerung zur Uebergabe zu zwingen. — Wir unterschätzten hierbei die Schwierigkeit der H^rbeischaf fung von Brlagerungsmaterial, wie dies so leicht dem Fern- stehenden passiert. Als endlich die Wege geebnet waren, hatte Trochu mit anerkenncnswerther Energie Zeit zur ober* flächlichen Ausbildung bedeutender Mafien gefunden. Wer kann sagen, wie lange der Kampf noch währen mag? (Deutsche Ztg.) Die 19. Division rückte am 21. bis zur Brücke von TourS vor, fand Widerstand durch die Bevölkerung und warf dreißig Granaten in die Stadt. Diese zog darauf weiße Fahnen auf, und bat um preußische Besatzung. Die Division begnügte sich jedoch ihrer Jnstruclwu gemäß mit Zer- siörung der Eisenbahn und bezog die ihr angewiesenen Can- tonnements. v. Podbielski. 25. Decewber. ES ist ein eigenthümlicheS Weihnachtsfest, welches das deutsche Volk in diesem Jahre durch Frankreichs Schuld zu feiern genöthigt ist. Der Tag, der sonst Familiengli-der selbst auS weiter Ferne in den Kreis deS Hauses zurückfüh , läßt heute die Blicke von Millionen in Ungewißheit und Sorge nach dem fernen Lande schweifen, wo statt friedlicher FefteSstille der rauhe Lärm des Krieges herrscht, wo statt der sorgenden Liebe, bk Deutschlands Männern und Jüng* lingen an diesem Tage sonst zu Theil wurde, der blutdürstige Haß eines toll gewordenen Volkes ihnen entgegentritt. So schwer wiegt die Verschuldung des diesen Krieg muihwillig entzündenden und vernunftwidrig fortführenden Frankreichs, daß Millionen Herzen heute die Ruhe geraubt ist, daß Deutschlands schuldloses Volk büßen und dulden muß um den frevelhaften Ehrgeiz und die verbrecherische Leichtfertigkeit der Fremden. Und doch, wie erhebend ist zugleich UeS düster ernste Schauspiel! Die da draußen liegen im Feindes« land, wohl sehnt sich ihr Herz nach dem freundlichen Lichterglanze der Heimath, aber schwerer als die Sehnsucht wiegt ihnen die ManneSpflicht, zu deren Erfüllung sie auSzogen in dcn Tagen des Sommers, zu deren Erfüllung sie auSharren trotz Wunden und Strapazen in der winterlichen Killte des December. Diese unbegrenzte Treue im Dienste deS Vaterlandes, sie ist es, bi* alle erfüllt, vom königlichen Ober* felbherra an der Spitze oer deutschen Heere bis zu dem Letzten auf der militärischen Rangstufe, diese Treue stählt ihnen Geist und Körper, bah sie auShalten unb weiter ringen, bis ber Preis so vieler Opfer, so großer Tapferkeit, so mächtiger Siege thntn und unS, bis er dem Vaterlande ganz und voll zuTheil geworden. Wenn damals, nach dem Tage von Sedan zumal, von den Meisten ein rascher Friedens- schluß in Aussicht genommnn wurde, so haben doch die Erfahrungen, welche wir inzwischen in Bezug auf den BolkSgeist in Frankreich gemacht haben, vollends erkennen taffen, daß ein damaliger Friede ein vorzeitiger unb trügerischer gewesen wäre und daß die Fortdauer des Kampfes auf einer tieferen Nothwendigkeit beruhte, um Frankreich erst zum vollen Bewußtsein seiner Niederlage unb zum Aufgeben all beS Wahner zu bringen, mit welchem es sich selbst seither betrogen hat. Jetzt bleibt, so Gott will, die letzte Kriegsarbeit zu vollbringen, um einen ernsten, wahrhaften Frieden zu erringen. FriedcnSgcdanken find es vor Allem auch, mit welchem Deutschland die erste Frucht ber blutigen Aussaat, bie Erstehung deS neuen Deutschen Reiches, begrüßt. Wenn sich bie Hoffnungen erfüllen, welche die Fürsten unb Stämme bentscher Nation an Kaiser und Reich knüpfen, so wird daS neue Deutschland immer mehr ein Reich des Friedens unb des Wohlgefallens inmitten der Völker sein zur Ehre Gottes l Norbb. Allg. Ztg. Amiens, 24. December. Gestern siegreiche Schlacht ber 1. Armee an ber Hallue, anderthalb Meilen nordöstlich von AmienS, gegen bie 60,000 Mann starke feinbliche Norb- armee- dieselbe wurde nach Erstürmung mehrerer Dörfer mit sehr bedeutenden Verlusten über den Abschnitt L'Hallm zurückgeworfen. Bis jetzt 1000 unverwundete Gefangene ehr gebracht. Jagd und Fischerei- Verpachtung. Freitag d.Iv.Januar 1896, Nachmittags 2’/2 Uhr, werden im „Deutschen tzauS" zu Alsfeld die Jagden in den alleinftscalischcn und gemeinschaftlichen Waldungen der Oberförsteleien Maulbach und Wahlen, sowie die Fischerei in der Joßgleenbach in der Obersörfterei Wahlen aus weitere 12 Jahre öffentlich verpachtet. Bewerber, deren Qualification nicht notorisch vorliegt, wollen sich hierüber innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten genügend ausweisen. Maulbach, den 14. December 1895. I. A : Großherzogl. Obersörfterei Maulbach. _______ Ruths. 10483 iGsMBinnidilSgesellschiM G. G M. t>. H Wir vergeben den Beschlag unserer Pferde pro 1896, — Raum zu Reelameplaeateu in 6 Omnibus, wagen aus 1 Jahr. Offerten und Anfragen sind bis zum 60. d. Mts. an den Vor- ftaud zu richten______________10621 Feinste Mfina-LL Datteln, Feigen u. s. w. empfiehlt Heinrich Wallach. Kassenschrank, l mittl. Größe, gut erhalten, preiSwerth abzugeben. Wo? sagt die Exp. d. Bl. Werthv. Ukihuchtsprälkut. 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Bei der Anmeldung ist ein ärztliches Zeugniß vorzulegen, in welchem die Nothwendigkeit einer Badekur bescheinigt sein muß. — Es ist nicht ausgeschloffen, daß Kindern, welche bereits auf Kosten der Sparkasse eine Badekur durch gemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können. — Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die einlaufenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der betreffenden Eltern bis längstens Ende Januar k. I. zusenden zu wollen. Gießen, am 10. December 1895. Die Direktion des Spar- und Leihkasse-Bereins. 10507 I. E.: Wiener. General-Versammlung des Spar> und Vorschuß-Vereins Allendors an der Lumda, E. G. mit unbeschr. Haftpflicht. Dienstag, den 31. December 1895, Nachmittags 3 Uhr im Rathhans. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl zweier Aussichtsrathsmitglieder. 3. Vorlage des Revisionsberichtes. Allendors an der Lumda, den 22. December 1895. 10613 Der Borsitzende des Aufsichtsraths: Wallenfels. XUUXUUUUUUXoUUUNUUUUUUUUU den ver- daß 10292 ***m****x***ox*x**mxxx*** Uhrzeiger zu 10, 15 und 20 Pfg. Ketten in Double, Talmi und Nickel zu denkbar billigsten Preisen. Die noch oorräthigen Gold- und Silberwaareu kaufe weit unter Selbstkostenpreis. Indem ich noch besonders darauf aufmerksam mache, ich für jede bei mir gekaufte Uhr Garantie leiste, zeichne Hochachtungsvoll Willi. Böffer Gänzlicher Ausverkauf. Nach Vereinbarung mit meinem Nachfolger habe ich bis zur Uebernahme des Geschäftes mein Lager zu räumen. Es bietet sich daher für jeden I tereffenten günstige Gelegenheit, feinen Bedarf oortheilhaft zu decken. Ich offerire von heute ab: Goldene Remontoir-Uhreu von M. 25.— an. Silberne Remontoir-Uhren von Mk. 15.— an. Regulateure mit Schlagwerk von Mk. 11.— an. Prima Nickelwecker zu Mk. 3.60. Uebergehäuse (Capseln) zu 15, 20, 25 und 30 Pfg. Uhrgläser (Patent-, Flach- oder Savonette) zu 25 Pfg. 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