Nr. 303 Der chtktzeatr Anzeiger erichrint täglich, »it AuSnochme bei Montags Die Gießener >«eirt<*IUltrx werde« dem Anzeiger Wöchentlich dreimal veigelegt. Erstes Blatt. Mittwoch den 25. December__________________ Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. 189» Vierteliührtg« >hMtae>(«rrrtll 2 Mark 90 Vfg. mit Dringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg. Viedaction, Exp.dilta» nnb Druckere»: Kchmlstratz, Zlr.7. Aernsprecher 51. Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. chrattsöeikage: Hießeuer Aamilienölätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag! für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bi! vorm. 10 Uhr, Abonnements^ Einladung Zum Bezug des ,,Gletzerrer Anzeiger" für das 1. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebens! ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mitthellungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben aus dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter,ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so fttrhzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschast wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in HauS- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Sietzener FamilienblLtter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärüge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zu- gesteüt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie sellher, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch' u. Steindruckerei ___________________(Pietsch & Scheyda)._________ Weihnachten. Rein anderes Fest ist so tief etngedrunge« in da» deutsche Familienleben und so iuutg mit ihm verwachsen als wie da» WeihnachtSfest. In dem Chrtstkindlein, da» in der Krippe liegt, wird uns das göttliche Geheimnis der Erlösung tu so holdseliger und kindlicher Gestalt offenbart, daß es unfern Kleinen faßlich, lieb und vertraut ist, ohne doch für uu» Große von seiner wunderbaren Erhabenheit zu verlieren. Welchen Reichthu» von biblischen Gestalten sührt un» die Weihnachtsgeschichte vor! Joseph und Maria mit dem Kinde, die Hirten mit den Eugelschaaren, Simeon und Hanna, die Weisen auS dem Morgenlande mit ihrem Stern! Welche Fülle von Liedern und lieblichen Melodien klingt und tönt durch die deutsche Weihnachtsfeier! Ihrer holdseligen Macht können sich selbst die Uoktrchlicheu und Ungläubigen kaum entziehen. Oder können sie sich ein Weth- uachtSfeft denken, mit ihrer Familie, mit ihren Kindern gefeiert, ohne die Bilder und Geschichten vom Christkind und vo« den Hirten, ohne die Lieder von der „stillen, heiligen Rächt" oder von dem .Röslein", das „entsprungen auS einer Wurzel zart"? Und über den fröhlichen Kreis von Groß und Klein, von Freund uud Nachbar verbreitet der schimmernde WeihnachtSbaum seinen festlichen Glanz als eta schönes, irdisches Abbild jenes himmlischen Lichtes, wovon Iuther Ragt: „DaS ew'ae Licht gehk da herein Gibt der Welt einen neuen Schein; ES leucht' wohl mitten in der Nacht, Und uns zu Lichtes Kinder macht." In der Sitte, zu Weihnachten die Kinder und die Anverwandten mit Geschenken zu erfreuen, will fich die Freude au der großen WeihnachtSgabe ausdrücken, die Gott der Herr den Menschen allen in seinem lieben Sohne gegeben hat. Aber weit über den engen Kreis der Familie hat daS Fest auf die ganze BolkSsitte eingewirkt. E» wird hoffentlich nicht viel Familien^ nicht viel Vereine geben, die nicht daran dächten, in diesen Tagen auch Armen, Kranken, verlassenen eine WeihnachtSsreude zu machen. ES soll, soweit eS die christliche Liebe vermag, kein Haus so arm, kein Herz so einsam und verlaflen sein, daß eS nicht auch von einem Strahl des WeihnachtSglanzeS erhellt würde. * Die deutsche, christliche Weihnachtsfeier hat in der ganzen Welt nicht ihresgleichen mit ihrer wundervollen Bereinigung innigen Familiengefühls und hoher christlicher Gedanken, über welcher eine eigentümliche Poesie ruht wie ein zarter Duft. Hier tritt uns einmal an einem Stück deutscher BolkSsitte sichtbar entgegen, daß der deutsche BolkS- geist sein Höchste» und Beste» nur in der Verbindung und Erfüllung de» deutschen Gemüthe» mit christlichem Geiste erreichen wird. Ein Kirchenvater hat einst da» tiefsinnige Wort gesagt, daß jede Menschenseele von Natur eine Christin sei, von Natur für daS Christentum bestimmt. Wie freudig möchte man daS von der Marien seele des deutschen Volkes sagen, daß sie von Natur eine Christin i st. Seit tausend Jahren steht sie unter der segen»reichen Macht des christlichen Evangeliums und verdankt ihr da» Beste, was sie in ihrer Entwickelurg gewonnen hat. Unsere größten Zeiten waren doch die, wo christlicher Glaube seine gesegnete Macht im Volke bewährt hat, so in der Zeit der Reformation wie in so manchen schweren Kriegszeiten bi» zum Kriege von 1870/71. Unsere besten Männer meisten» zeigen an fich diese Vereinigung deutscher Art mit christlicher GotteSsurcht von Luther bis zu Kaiser Wilhelm I. und Fürst BiSmarck. Darum, wer eS gut und treu meint mit unserem Volke, der helfe mit, daß unser Volk nicht bloß ein tüchtiges, arbeitsames, tapfere», sondern auch ein gotteSsürchtigeS, fromme», christliches Volk bleibe. AuS dem bitteren Hader der Parteien, der uns auseinander reißen will, müßten wir immer wieder zurückkehren zu der Liebe Gottes, die un» in Christo erschienen ist. DaS ist doch zuletzt die einzige Macht der Einigung. DaS ist unsere Hoffnung und Rettung. Darum wollen wir mit unfern Kindern fröhlich und dankbar fingen: „Alle Jahre wieder Kommt das ChristuSkind Aus die Erde nieder, Wo wir Menschen find." Deutsches Reich. Darmstadt, 23. December. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin find mit dem bekannten Gefolge am Samstag Nachmittag 5 Uhr lOMin. von ZarSkoje Selo in erwünschtem Wohlsein hierher zurück- gekehrt, nachdem die Prinzessin-Tochter Elisabeth bereit» am Tage vorher von Coburg hier eingetroffen war. Der kaiserlich Russische Ministerrefident v. Ozeroff und der GesandtschastSsecretär v. Botkin waren zum Empfang der Allerhöchsten Herrschaften am Bahnhof anwesend. — Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin begaben fich gestern, begleitet von der Schlüffeldame Freiin v. Granch, nach dem Slisabethenstist, um in der dortigen Stiftskirche der Be- scheerung der Armenkinder und der Kinder der Kleinkinder- schule betzuwohnen. Neueste Nnchrichte«. Wolff» telegrUphische» Eorrefpondenz-Bureau. Potsdam. 23. December. Der Kaiser empfing heute im Neuen Palai» im Beisein des Staatssecretär» de» Reich»- marineamt» und de» Chef» de» Marinecabinet» den Director de» Norddeutschen Lloyd, Dr. Wiegand, welcher dem Kaiser in längerem vortrage über die z. Z im Bau befindlichen neuen Schiffe de» Norddeutschen Lloyd Bericht erstattete. Rom. 23. December. Heute Mittag empfing der Papst in feierlicher Weise die Cardinäle, Bischöfe und Prälaten, welche ihm anläßlich des WeihnachtSsesteS ihre Glückwünsche aussprachen. Der Papst erwiderte auf die Ansprache de» Doyen der Cardinäle, Bischof Monaco la Valletta, daß die All, Annoucen-Bnreaux bei In- und ÄiillanM nehme« Anzeigen füx de« „Gießener Anzeiger" entgegen. zahlreichen weltbewegenden Prüfungen, denen die'Kirche unterworfen sei, e» zur Pflicht machen, die heißen Gebete zu vermehren, um der bereit» in mehreren Nationen wiedererwachtea katholischen Action vollen Ersolg zu geben, die Rückkehr der christlichen Disfidenten zu erreichen und den Geist der Gott- lofigkeit, der sich gegen den Willen de» Höchsten und gegen die religiöse Erziehung der Jugend auflehne, zu dekämpsen. Der Papst erinnerte im Verlaufe seiner Rede daran, daß die Fürsten und Völker öffentlich Gott anrufen, wenn e» sich darum handelte, unter feinem Schutze wichtige Schritte zu unternehmen oder feine Hilfe im Unglück zu erflehen. „Guter Gott," so schloß der Papst seine Rede, „wie sehr bedarf die gegenwärtige Zeit doch Deine» Segen»!" — Da» Aussehen de» Papste» war ein ausnehmend gute». Der Empfang dauerte mehr als eine Stunde. Malta, 23. December. Prinz und Prinzeffin Heinrich von Preußen find an Bord de» englischen Aviso» „Surprise" au» Syraku» hier eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegen. London, 23. December. Der Herzog von Leed» ist heute gestorben. Durch seinen Tod wird eine Ersatzwahl im Wahlkreise Brixton notwendig, dessen bisheriger Vertreter der älteste Sohn de» verstorbenen Herzog», Marquis von Carmarthen, ist, der nunmehr sein Nachfolger in der Peer» Würde wird und somit seinen Sitz im Unterhause verliert. Petersburg, 23. December. Wie man der „Nosti" zufolge sich gestern in finanziellen Kreisen erzählte, hat der Finanzminister Witte die Aufmerksnmkeit eauf die bedrängte Lage de» Geldmärkte» gelenkt, durch welche ein Fallen der Preise aller Wertpapiere ohne Rückficht auf ihren Einzelwerth verursacht wird und eine Reihe practiicher Maßnahmen zur Erleichterung der Benützung de» Credits entworfen. Die Ausführung dieser Maßnahmen unter Mitwirkung der Privatbanken werde bestimmt einen Einfluß zur Besserung de» Fondsmarktes auSüben. Newyork, 23. December. In den meisten Kirchen der Vereinigten Staaten wurden gestern Predigten gegen den Krieg gehalten. Eine Gemeindeversammlung der Plymouth-Brüder nahm die sriedenSsrenndlichen Worte de» Prediger» mit lautem Beisall auf. Depeschen bet »urmi „Herold". Berlin, 23. December. Der Kaiser sandte an den Norddeutschen Lloyd in Bremen anläßlich der Wieder- flottmachung deS Dampfer» „Spree" ein Glückwunsch Telegramm. Berlin, 23. December. Der Kaiser hat fich von dem leichten Unwohlsein, welche» ihn an der Teilnahme einer militärischen Festlichkeit verhinderte, wieder erholt. Er promenirte gestern etwa eine halbe Stunde im Park von Sanssouci. Berlin, 23. December. Der Entwurs de» Einführung», gesetze» zum bürgerlichen Gesetzbuch ist dem Bunde»- rath zugegangen. Da» bürgerliche Gesetzbuch selbst und da» LinführungSgesetz werden nach der Durchberathung im BundeSrath dem Reichstage zugehen. Berlin, 23. December. Der Herausgeber und Redaeteur des antisemitischen Blattes „Deutscher General-Anzeiger", Karl Sedlatzek wurde heute vor der 8. Straskammer de» Landgericht» I wegen Majestät»beleidigung zu drei Monaten Festung verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängniß beantragt. Budapest, 23. December. An Stelle des für die Zeit vom 25. bi» 27. d. Mt». geplanten, von der Polizei indeß verbotenen socialdemokratischen Congresse» wird bei der Polizei die Veranstaltung einer öffentlichen Landes- Versammlung angemeldet werden. Rom, 23. December. Der Papst bat den deutschen Gesandten beim päpstlichen Stuhl, Herrn v. Bülow, dem Kaiser seinen wärmsten Dank auszusprechen dasür, daß er die Beisetzung deS Cardinals Melchers im Kölner Dom gestattet hat. No«, 23. December. Es wird als vollkommen unbegründet bezeichnet, daß die italienische Regierung mit Ra» Makonnen in Frieden »Verhandlungen eingetreten sei nnb gegen die Anerkennung de» Vertrage» von Makalla und die Räumung de» Gebiete» von Tigre bi» zum Maab zur FriedenSschliehung geneigt sei. Paris, 23. December. Die hiesigen Blätter behaupten, daß Präsident Cleveland vor der Veröffentlichung seiner Botschaft mit Rußland einen Vertrag abgeschlossen habe, wonach Rußland im Falle eine» ConflictS der Bereinigten Staaten Nordamerikas mit England ersteren seine särnrntlichen Kriegsschiffe zur Verfügung stellt. Athen, 23 December. Au» Smyrna wird gr. ldet, rS feien von dort fünf Regimenter nach Creta abgegangen, nm dafelbst die Aufständischen zu unterdrücken. — Die Zeitung „Palingtnesia" bringt heute einen offenbar inspirirten Artikel, deffen drohender Ton Aufsehen erregt. In dem Artikel heißt e», wenn die Türkei den berechtigten Forderungen wiederum Gewalt entgegensetzen sollte, so möge sie sich in Acht nehmen. Heute wären andere Zeiten als vor fünf Jahren, wo England und Deutschland türkenfreuudlich gewesen seien. tocates unö Sieben, 24. December 1895. • • Feier der Wiedererrichtung de» Deutschen Reiche». In der Ueberzeugung, daß weite Kreise der Bevölkerung unserer Stadt übereinstimmen in dem Wunsche nach einer angemeffenen allgemeinen Feier der bevorstehenden 25. Wiederkehr des JahreSrageS der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, und angeregt durch eine Anzahl von Stadtverordneten hat Herr Oberbürgermeister Gnauth a if den 30. d». MtS. an eine Anzahl von Vertretern aller Kreise unserer Stadt Einladungen ergehen lasten zu einer vorläufigen Besprechung über Abhaltung und Gestaltung einer entsprechenden Feier. A Zur Wetusteuer. Mit Rücksicht auf den Beschluß des Finanzau-schuffeS der Zweiten hessischen Kammer, die Aufhebung des WeinsteuergesetzeS der Kammer ' icht zu empfehlen, hat der Centralvorstand des Rhein- Main Verbandes süddeutscher Gastwirthe einen Aufruf an die hesfiichen Gastwirthvereine gerichtet, allenthalben sofort Versammlungen einzuberufen, um Protest gegen die Wiedereinführung der Weinsteuer zu erheben. Den LandtagS- aogeordneten soll in den Versammlungen die Ueberzeugung beigebracht werden, daß die vollständige Aufhebung deS Wein- fteuergesetzeS nothwendig, um dem Lande die ständige Auf- icgung, welche bald durch dieses bald durch jenes Wein- besteuerungSproject hervorgerufen wird, zu ersparen. Die rhetnhessischen Abgeordneten waren bei der letzten Berathung deS Gegenstandes in der Kammer sämmtlich für gänzliche Beseitigung des WeinsteuergesetzeS, während der Widerstand gegen die Aufhebung hauptsächlich von Oberhesten ausging. • * Kaufmännischer Verein. Sonntag, den 22. er., Abends von */z9 Uhr an fand im Poftkeller die Weihnachtsfeier der kaufmännischen Fachschule statt. Es hatten sich dazu e rca 40 Kaufleute und 90 Besucher des LehrltugSheimS rtngefunben. Nachdem die Gesangs - Abtheilung durch ein mehrstimmiges WeihnachtSlted die Feier eröffnet hatte, wurde durch Herrn Lehrer Knauß eine längere Ansprache gehalten, worin derselbe daS Weihnachtsfest, die Bedeutung der Fachschule und des Lehrlingsheims beleuchtete und die jungen Leute aufforderte, ihren Dank dadurch zu beweisen, daß sie die Wohlthatösi, welche ihnen der Kaufmännische Verein durch Gründung dieser Institute erwiesen, fleißig benutzen und sich immer bestreben, tüchtige Glieder ihres Standes zu werden, um im Strome deS Lebens nicht unterzugehen. Sodann folgten Aufführungen, Prologe, Gesänge, Couplets, welche so gut ausgeführt wurden, daß reicher Beifall die Mit- fpielenden belohnte, und Einzelnes sogar wiederholt werden mußte. Zum Schluffe dieses Theiles der Feier hielt der Vorsitzende de» Kaufmännischen Vereins eine Ansprache, worin er den jungen Leuten sowohl, als auch besonders dem Leiter der Ganzen, Herrn Lehrer Knauß, dankte für den schönen, genußreichen Abend und ausdrücklich betonte, die jungen Leute möchten sich immer mehr dem Verein nähern, der durch feine zahlreiche Betheiligung auch heute wieder bewiesen, daß man eS mit ihnen wohl meint. Auch ein Schüler dankte im Namen seiner Kameraden dem Vorstände für die Bewilligung der Geldbeträge und dem Manne, welcher keine Mühe gescheut, diese schöne Feier zu Stande zu bringen. Hierauf erfolgte die Verloosung, wobei 78 Theilnehmer mit Ge» schenken erfreut wurden. Man sieht daraus, daß der Kaufmännische Verein eifrig bemüht ist, nicht nur für die geistige .'luSbtldung seiner angehenden Genossen zu sorgen, sondern auch durch geeignete Unterhaltungen sie immer mehr in seine Kreise hereinzuziehen, um sie von verderblichen Wegen abzulenken. Mit dem Wunsche, diese Feier möge sich alljährlich wiederholen, kehrten alle Theilnehmer in später Abendstunde wohlbefriedigt nach Hause. Sachbeschädigung. An der Staatsstraße zwischen Lang Gönß und Kirch-GönS vertrieben sich gestern Mittag zwei Handwerksburschen die Zeit damit, daß sie die Porzellanglocken an den Telegraphenstangen entzwei warfen. Die Thäter wurden von einem Straßenwart abgefaßt und gefänglich eingeliefert. • • Verhaftet. Der frühere Bürgermeistereigehilfe R. aus Lich wurde gestern hier in Haft genommen. Derselbe soll sich der Unterschlagung schuldig gemacht haben. • • Umgefahreu. Von einem Bierfuhrwerk wurde gestern Abend am SelterSweg, während eS dem Omnibus auSwich, eine GaSlarerne umgefahren. * * Rene Zweimarkstücke mit dem Bildnih de» Groß- Herzogs Ernst Ludwig gelangen dem „Darmst. Tägl. Anzeiger" zufolge soeben erstmals zur Ausgabe. • * Eine Erhebung über den Bestaub der deutschen Turner fchaft findet wieder am 1. Januar 1896 statt D>e auf Grund der regelmäßigen Berichte fottgeschriebenen Zahlen laffen auch diesmal ein erfreuliche» Bild deS Fortschreitendes TurnwesenS erwarten. * • Die Weihnacht» oder Schueerafeu, Heleborus niger, stehen, zum Theil mit Schnee bedeckt, in Blüthe. Auch sonst regt sich infolge deS verhältnißmäßig milden Wetters die Frühling-- Vegetation bereit». Der Winterling, Eranthis hicmalia, sproßt an einzelnen Stellen de» botanischen Garten» schüchtern au» dem Boden, die Pestwurz, Petasites nivens, treibt Blüthenftengel und hie und da blühen noch Gänseblümchen. Hoffen wir, daß die Letzten bald die Ersten find, daß sie nicht zu lange auf den Frühling warten wüffen. ♦♦ Zu Amerika »erstorbene Hestern New York City. Christian Gebhardt, 70 Jahre alt, auß Utphe. Catharina Romig geb. Kopp, 46 Jahre alt, auß Offenbach a. Main. Buffalo, N. Y. Elisabetha, Wittwe von Franz Häfner, 79 Jahre alt, au« Heffen-Darmftadt. Christian Schäsbuck, 82 Jahre alt, aus Harxheim. LouiS Eller, 62 Jahre alt, auß Bechtheim. Champaign, Jll. Philipp Schäfer, 73 Jahre alt, au» dem Kreise Gießen. Clarington, O. Johanne» Strauch, 79 Jahre alt, auß Busenborn. Maßcoutah, Jll. Margaretha Walte» geb. Seitz, 75 Jahre alt, auß Auerbach. Uppersandußky, Wyandot Co., O. Elisabetha Berg geb. Schneider, 69 Jahre alt, auß Gadernheim. Van Buren Township, Hancock Co., O. Johanneß Haub, 72 Jahre alt, auß Auerbach. Wheeling, W. Ba. Anna K. Brost, 66 Iah alt, auß Darmstadt. Ober-Wöllstabt, 23. December. Am 24. December werdru e» zwei Jahre, daß der Arbeiter Veith von hier über den Viaduct bei Friedberg herabftürzte. Die von der Wittwe erhobenen Ansprüche bei der Bauberufßgenoffenschaft wurden abgelehnt, da mit dem Verlaffen der Arbeitßstätte die VerficherungSpflicht aufhöite, wie alle Instanzen entschieden. Ebenso fruchtloß wurde eine Klage gegen den Bahn- fißcuS angestrengt, da Veith dem Bahnreglemevt zuwider außerhalb de« Bahnhofes eigenmächtig den Zug verlaffen hatte. Die Verhandlungen waren von einem Friedberger Anwalt kostenlos geführt worden, nachdem sie beinahe zwei Jahre dauerten. A Hungen, 21. December. In d-m benachbarten Inheiden wurde einem Händler auS der Rheinpfalz der Betrag von 4100 Mk. gestohlen. Der betr. Händler war de» Abends spät mit seinem Fuhrwerk in der außerhalb des Orte» gelegenen Wirthschasr Raab eingekehrt und hatte seinen Wagen in den dortigen Hofraum gestellt. Während der Nacht wurde der Wagen, auf welchem sich Kurzwaaren befanden, erbrochen, und dabei der darin befindlichen Baar- schaft beraubt. Der Mann wollte damit auf Weihnachten seine Ausstände begleichen. Gerichtliche Anzeige wurde sofort erhoben. Schotten. 23. December. Da» „Anzeigeblatt" schreibt: In voriger Nr. brachten wir eine unß auß Hirzenhain zugegangene (auch von unß veröffentlichte. R e d.) Notiz über eine aufgelöste anarchistisch - socialistische Versammlung. Wir haben diese Notiz bona fide aufgenommen. Heute erfahren wir durch einen auß WeningS batirten Artikel in ber „Darmst. Ztg.", welche ebenfalls genannte Notiz brachte, baß an der ganzen Geschichte fast kein wahres Wort ist. Der wirkliche Sachverhalt ist der, baß am 15. b. Mts. fünf junge Lehrer zu Hirzenhain zum Besten der Lehrer-Wittwen- und Waisenstiftung ein Concert mit darauffolgendem Tanz geben wollten. Bekannterweise darf in ber Abventszeit kein Tanz stattfinden, welche amtliche Mittheilung den Concertgebern aber erst vor dem Concert zuging. So wurde in letzter vor dem Concert erfcheineuden Nr. des „B. A. A." noch Tanz veröffentlicht. Die BerwaliunzS- behörde, die Annonce bemerkend und vielleicht befürchtend, daß die Verfügung nicht angekommen sei, vielleicht auch, daß trotz derselben auf die einmal geschehene Veröffentlichung hin dennoch Tanz stattfinden möchte, sandte sofort eine Eil- Verfügung sowohl an den Großh. Bürgermeister zu Hirzenhain als auch an die Gendarmerie in WeningS deS Inhalts, daß beide unter persönlicher Haftbarkeit dafür zu sorgen hätten, daß der Concertiaal um 11 Uhr geräumt werde. Allerdings war nun ba« Erscheinen ber Gendarmen zur angesetzten Stunde ein höchst peinliches, ba das Auditorium zum größeren Theile den befferen Ständen angehörte (Aerzte, Geistliche, Lehrer, Hüttenwerksbeamte mit ihren Familien) und in der ausdrücklichen Absendung der Gendarmen eine ehrenrührige Demüthigung erblickte. Verringert wurde dieser Eindruck nicht dadurch, daß die Gendarmen, in deren Verfügung nur von einer Räumung beß Saales die Rebe war, nun auch die anberen RestaurationSzimmer beß Gasthauseß von den theilweife von weit hergekommenenen Gästen zu säubern begonnen, welchen kaum Zeit gelaffen wurde, den nach dem dreistündigen Concert gewiß nöthigen kleinen Imbiß zu sich zu nehmcn. Eine Reihe von Aeußerungen gaben der erregten Stimmung Ausdruck. Und ber Hauptzorn richtete sich gegen die Persönlichkeit beS Großh. KreiSrathS, den man, wie gesagt, für den absichtlichen und bewußten Hervor- rufet biefer Scenen ansah, ohne zu ahnen, daß Alles Folge einiger Mißverständniffe und falscher Voraussetzungen war. Der Hauptfehler war ber gewesen, daß daS Concertprogramm schon vor erlangter Eclaubniß veröffentlicht und letztere viel zu spät nachgesucht worben roar; bann war e» auch ein großer Mißstanb, baß bie dem Wirth zugesanbte, die Tanz erlaubniß verweigernbe Verfügung den baß Inserat er laffenben Herren Concertgebern erst am Tage vor dem Concert zu Händen gelangte. Unter allen Umständen verdient eß Berurtheilung, wenn man durch eine derartige Persiflage sich zu revanchiren sucht. A Mainz, 23. December. In Folge einer Eingabe beß Vereins Mainzer Kaufleute beschäftigte sich heute die hiesige Stadtverordneten Versammlung mit ber Frage b:r Anlage einer electrifchen Bahn zwischen Mainz und Wiesbaden, fllß nächster Schritt, der in der Sache geschehen soll, will man sich mit der süddeutschen Eisenbahngesellschaft, welche baß Projekt angeregt hat, in» Benehmen setzen. — Z.emlich post festum kam in ber Heu- tigen Stadtverorbnetensitzung auch noch einmal ber vor Wochen erfolgte Haußeinsturz zur Sprache, inbem ber Oberbürgermeister ausführliche Berichte be» Branddirector» und beß Polizei Comm ffarS, welche die Rettungßarbeiten leiteten, zur Verlesung brachte. Auß den Berichten geht hervor, daß der verschüttete Dachdecker bereit» am Tage beß HauSeinsturze», Nachmittag» 3G für Weihnachten gesucht. Plactruvgs- bureau von E. Stiasny, Bahnhosstr.il. Ich suche für Weihnachten oder später ein einfaches Kinderfräulein, womogl. ausgebildete Kindergärtnerin 2. Klasse. 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Staatsbahu v. 1885 88.00 4o/o Eisend. Rentenb. 061. 102 5 8°/i Jtal. staatsgar. Msenb. 51.00 6®/o Buderus Obl. 101.50 3Vie/i Sraakfurter Hyp. Bk. 101.00 8Vi°/o Frkf. Hyv. Ered. B. 101.C0 40/0 LeutscheGrbschLtumk.r.1904 105.00 8«/|0/i dto. unk. b. 1906 101.40 3Vsl>/oHambrgr^yp.Brumk.d.l90ö 101.5 3V-°/oPreuß Hyp.A.Bk.unkch.1905 ?015t 4o/o Pomm.Hyp.A.Bk.unr.b.1904 105 5C 4% Franks- Landw. «red, Bk. 103.0C Darmft. Bk.-Nctien 20 Fremk«r»St. Engi. Sovereigns Dollars in Gold A»,«deo«rser 149.701 Oesterr. Eredit-Actten Brief 16.20 20.38 4.19 • albfatta* «-U. 16.16 | Franz. Banknoten 20.34 Oesterr. dto. 4.16 I Americ. 291.00 Brief Srid 80 95 — 168 60 4.14 Steins Saalbau. 10657 Au zweiten Weihnachtsfeiertag: GROSSES COXCERT auSgeführt von der Sapkttt des 2. Großh. Hrff. M-Regiments Pr. 116, Kaiser Wilhelm unter persönlicher Leitung des Großh. Musikdirectors Herrn C. Krauße. Anfang 4 Uhr, Entree 40 Pfg. Am dritten Feiertag: Kroßes Mier-Koncert ausgeführt von der Sa-elle des 2 Grotzh. Keff. Znf.-Regimtats Pr. 116, Kaiser Wilhelm unter persönlicher Leitung des Großh. Musikdirectors Herrn C. Krauße. Anfang 5 Uhr.__________Entree 30 Pfg. Bäcker-IBaJl. Dienstag, den 31. December 1895, Sylvesternacht im Saale des Caf£ Leib. Anfang Abends 8 Uhr. Herrenkarten ä 1 Mark sind Abends an der Kasse zu haben. Damen ohne Karten haben keinen Zutritt. 10655 Der Vorstand- Wmatian nun HiitzenlM. Einem geehrten Publikum mache die ergebene Mittheilung, daß ich die Restauration der hiesigen Schützen-Gesellschaft übernommen habe und bemüht sein werde, in Speisen und Getränken nur Vorzügliches zu bieten. Um gütigen Besuch bittet Hochachtend J. G. Zaenglein. Textors Terrasse während der Feiertage geöffnet. Elektrische Beleuchtung. Bockbier im Zapf. Mlipp Moö. E. A. V. Sonntag den 29. December, Abends 8 Uhr W eihnachts-Familienabend. im Leib'schen Festsaale. 10860 Gaben zur Verloosung werden am Sonntag Nachmittag von 3—5 Uhr im Festlocale entgegengenommen.______Der Vorstand. Restauration zum Lahnthal W Neustadt Nr. 48. dL Während der Feiertage: 10671 Bock-Bier im Anstich. Am 3. Feiertag: Früh und Abend - Concert wozu ergebens] einladet vhr. Wagner, Restaurateur. Lony’s Bierkeller. Für die Feiertage halte meine geräumigen Restaurations - Localitäten einem verehrltchen Publikum bestens empfohlen. Zum Ausschank gelangt: Pilsener und Kaiserbräu der Brauerei Pfungstadt. 10668 Vorzügliche Küche. Achtungsvollst ___________________Carl Heldmann, Restaurateur. WkWrien,ReßM«tjm Wie MW Zu bevorstehenden Feiertagen halte meine diesjährig vergrößerten Wirthschafts - Localitäten besonders empfohlen. Mache besonders auf die guten Zugangswege von der Frankfurterstraße sowie von der Actien-Brauerei aus aufmerksam. Der Thierbestand kann stets besichtigt werden. 10669 Hochachtungsvoll _____________Jean Borger, Restaurateur. INeue Gasglühlicht-Actiengesellschaft Berlin I Geuerai-Bertreter sür Gieße« und Umgegend: 7602I Rudolph Rüdiger in Giessen. | T ödes-Anzeige Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mit- theilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen innigstgeliebten, unvergesslichen Mann Herrn Jean Sandner Hötelier plötzlich zu sich in ein besseres Jenseits zu rufen. Um stille Theilnahme bittet Fran J. Sandner Wwe. Giessen, denW4. December 1895. * Die Beerdigung tindet statt: Donnerstag,W6. December, Nachmittags *|24 Uhr, vom Trauerhause, Bahnhofstrasse 89. Rrbflcdtm: 1. kcheyda. — Dr«k ertb Beda« brr vrchchNchen UntDrrfi^W-Bwt. mb «trtwbrwtfrrrf (Pietsch * «Leyba) in »rH Z»es Weiynacht-feste» wegtn erscheint »i« nächste Hlnmmer Kreita- Wachmittas. b*#®. Rmm f