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Unaufmerksamkeit und Schwerhörigkeit der Schulkinder. Von Dr. Hans Fröhlich. (Nachdruck verboten.) Anfang der 80er Jahre machten Aerzte tn Zeitschriften und polit schen Zeitungen wiederholt daraus aufmerksam, daß oiele Schulkinder ungerechter Welse alS „schlecht begabt" vernachlässigt oder alS zerstreut und unaufmerksam getadelt und bestraft würden, während sie in Wirklichkeit schwerhörig »ären. Seitdem hat man immer wieder Untersuchung» n yierüber angestellt und nun ganz unanfechtbar bewiesen, daß die Schwerhörigkeit im schulpflichtigen Atter sehr verbreltet ist und — waß höchst wichtig — daß sie die geistige Ent- «ickelung der Kinder und den Fortschritt tn der Schule bedeutend beeinträchtigt. Dr. von Reichard in Riga stellte in 1055 Schulkindern Hörprüfungen an, welche ergaben, daß fast der vierte Thetl derselben schlecht hörte. Neben den Kinderkrankheiten beschuldigte er Unreintichkeit und Er- kältungen als die häufigsten Ursachen. Dr. Weil in Statt- gart untersuchte 5905 Schulkinder mittelst Flüstersprache und Ohrspiegel. Infolge von Nachlässigkeit und Unreinlichkeit hatten von den Knaben 11 Procent und von den Mädchen 15 Procent Ohrenschmalzpf öpfe und waren nur deßhalb schwerhörig. Von 1918 Gymnasiasten und VolkS'chülern aller Altersklassen, die Dr. Bezold in München untersuchte, besaß mehr alS der vierte Thetl höchstens ein Drittel der normalen Gehörschärfe. Bezüglich deS En fluffes der Schwer- HSrtgkeit auf die Fortschri'te der Kmder tn der Schule stellte rr fest, daß der burchschnittltche Klaffenplatz der Kinder um s, weiter nach unten log, je schwerhöriger sie waren. Zur besseren Vergleichung nahm er die Schülerzahl der Klaffen zu je 100 an, so daß der mittlere Durchschnittsplatz für die ganze Schule durch die Zahl 60 ausgedrückt ist. Dann ergaben sich folgende Resultate: Die auf 8 bis 4 Meter hirenden hatten den DurchschntttSpiatz 54 statt 50, die auf 4 bis 2 Meter Hörenden hatten den Durchschnittsplatz 64 statt 60, und die nur auf 2 und weniger Meier Hörenden mite« den Durchschnittsplatz 68 statt 60. Diese Zahlen -e-weiser, also deutlich, daß nicht nur überhaupt eine Beein- floffung der Fortschritte stattgefunden hat, sondern daß sogar eine genau dem Grade der vorhandenen Schwerhörigkeit ent sprechende Steigerung dieses EinflusftS vorhanden ist. Schon tn der ersten oben dargesttlltcn Gruppe von Schwerhörigen spricht sich d,eß aus, obgleich diese zum Thetl nur einen io geringen Gekördefect anfwetsen, daß er im gewöhnlichen Verkehr gar nicht in Betracht gezogen wird und den meisten Betroffenen selbst, sowie deren Angehörigen verborgen bleibt. ES ist also der zahlenmäßige NachwerS geliefert, daß die geistige Entwickelung des Schülers eine dem Grad ferner Hörverminderung entsprechende Beeinträchtigung erfährt, während der Lehrer, weil er dies Leiden meist nicht kennt, daß arme Kind für faul und unaufmerksam hält. Der amerikanische Ohrenarzt Dr. S. Sexton fand 13 Procent Kinder mit stark geschwächtem Hörvermögen, aber nur in einem einzigen Falle war dem Lehrer etwas davon bekannt- unter den Kindern selbst kannten nur 19 von 76 ihren eigenen Gehörfehler. Die neuesten Untersuchungen hierüber stammen vom Kreißphysikuß Dr. Richter in Groß - Wartenberg. Von 700 Schulkindern hatten über 12 Procent geschwächtes Gehör vermögen und 16 Procent waren ganz schwerhörig. Als Durchschnittsplatz ergab sich, nach der Methode von Dr. Bezold berechnet, der 65. bis 66. Platz, so daß also auch diese Schwerhörigen stets zu den schlechtesten Schülern ihrer Klaffe gehören. Nur 12 Kinder wußten von ihrem eigenen Gebrechen und nur 7 waren auch ihren Lehrern als schwerhörend bekannt. Bei allen übrigen Kindern ahnten die Lehrer nichts von einer Schwerhörigkeit und konnten sie demnach beim Unterricht auch nicht berückfichiigen, sondern hielten die Schüler für unaufmerksam und leicht zerstreut. Häufig sagten die Lehrer, sie hätten wohl die Empfindung gehabt, daß etwas mit den Kindern „nicht richtig" sei, aber sie wären nicht darauf verfallen, daß die Kinder schwerhörig sein könnten, da dieselben, einmal energisch aufgerüttelt, daun dem Unterricht wieder gut zu folgen vermocht hätten. Natürlich! So lange nämlich aus großer Angst die Aufmerksamkeit mit aller Energie zuiammengenommen wurde und die Schüler vom Munde des Lehrers abzulesrn suchten, waS sie nicht mit den Obren vernehmen konnten. Keineswegs darf man aber etwa die Schule für die häufige Schwerhörigkeit verantwortlich machen. Im Gegenthetl pflegen in den oberen Klaffen weniger Ohrenleidende zu fein als in den unteren. Diese auffällige Thatsache mag verschiedene Gründe haben. Da ohrenkranke Kinder oft auch sonst körperlich schwächlich und leidend sind, so wird wohl ein Thetl derselben noch im Schalalter irgend einer Erkrankung zum Opfer fallen und ein anderer Thetl wird, wenn daS Gehö. leiden sich verschlimmert, auS der Schule genommen. Daher in den höheren Klaffen die Abnahme in der Zahl bet Gehörschwachen. Wie kommt nun aber die Schwerhörigkeit bet den Kinder« zu Stande? Die häufigsten Ursachen derselben find, wie die Untersuchungen ergeben haben, Unreinlichkeit, Erkältungen und ansteckende Krankheiten und zwar hauptsächlich dann, wen« diese Schädlichkeiten schwächliche, widerstandSunsähige, mit E bkrankheiten behaftete oder in der Entwickelung gehemmte Kinder treffen. Von den durch Dr. Richter untersuchte« 155 Gehörschwachen waren 48 allein durch Ohrenschmalz- pfröpfe in ihrem Gehörvermögen geschädigt. DieS ist jedenfalls ein höchst trauriges Zeichen für die Reinlichkeit der Kinder und — der Eltern! Wie ist daß überhaupt möglich? Betrachten wir einmal die morgtudliche „Katzenwäsche" der meisten Schulkinder. Da wird daß Kind, wenn eß höchste Zeit zur Schule ist, schnell aus dem Bette gejagt, spült fich dann, namentlich im Winter, mit dem kalten Wasser flüchtig den sichtbaren Schmutz von Geficht und Händen ab, während die „Mutter" den Kaffee kocht oder die „Frau Mama" ruhig im Bette liegen bleibt. An gründliches Reinigen der Obre« wird dabei ebenso wenig gedacht wie z. B. an Zähncputze«. Und gerade bei einem so zart und fein gebauten Organ, wie dem menschlichen Ohr, ist die größte Sauberkeit nöthig. Auch möge man zum Schutze deffelden gegen Erkältungen die jüngeren und schwächlichen Schulkinder bei sehr kalter und naffer Witterung Ohrenklappen tragen laffen. Merken aber die Eltern irgendwie, wenn auch nur zeitweise, eine Unaufmerksamkeit oder ein Ueberhören von Worten bei den Kindern, so müffen sie möglichst bald einen Arzt zu Rathe ziehe«. Zu Hauß wird bekanntlich so oft daß „Wie- und Wasfragen" als Unart gerügt, während tn Wirklichkeit vielfach nur schlechtes Gehör die Schuld trägt. Manches Unrecht gege« die armen, unschuldigen Kindlein würde durch rechtzeitige ärztliche Behandlung vermieden werden. Slhlif-Nerßkigermg Mittwoch den 27. Novbr. d. I, von Vormittags 9 Uhr an läßt bte Schäferei Gesellschaft dahier 130 Lchafe, darunter junges, kräftiges Bastardvieh, 64 Hammel-Lämmer, 31 Mutter- Lämmer und 1 Bock versteigern. Eberstadt, am 19. November 1895. 9802 Der Vorstand. (G. D. Gebauer Nacht) 88. LetterAweg 88. ■ M ■ ■ baar und mit PIANOS a ä rühmt Fabrik, zu billigst Vr.isen Vermiethung von Pianos. Reparaturen und Stimmungen. 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Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und de» wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. dergl., besonder» aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen. Eine Lifte zur Erhebung von Beiträgen wird oicht herumgegebe». Vielmehr bitten wir, die un» zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lastens Frl. Amalie Lansa (Nordanlage 41), Frau vr. Brüel (Neuenbäuen 41), Frau Amt».zericha- rath Gebhardt (Gartenstraße 15), Frau Rechnungsrath Kalbfleisch (Luowigstraße 7), Frl. Emckie Langermann (Südanlage 21), Fr« Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Lomse Otten» («umar* straße 11), Frau Auguste Schwan (Settersweg 64), Frl. Louije Wort- rn aun (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstatt sind de« reit, Gaben in Empfang zu nehmen. Gieße», den 13. November 1895. Der Vorstand der Kleinkinder-vewahranstalt. Dr. Raumann, Pfarrer. Aermiethungen. Familien-Wohnungen tn allen Pretslagen mtt autzführlichcr Auskunft empfiehlt in reichhaltiger Auswahl das Wohnungsnachwcts-Jnstttut von E. Sttu-ny, Bahnbosstraste 11. (9328 6734] Viarvurgerstr. Sr Mansardenwohnung, 4 Zimmer mit allem Zubehör, sofort zu oermietben. Näheres daselbst im zweiten Stock.__ 82 >4] Ebelfiratze 12 (zwischen Liebig, und Wtlhelmftrahe) der zweite Stock, 5 Zimmer, 1 Mädchenkammer rc, zu oer> anetben. Rädere« Liebigstratze 71, II- Ö266J In meinem Neubau ist der dritte Stock, 6 Zimmer, Badezimmer mbft allem Zubehör, per sofort zu oermieihen. ________H. Hansel, Löberstraße 17. 9672] Ein kleines Logis sofort zu ver- miethen- _________Ederfiratze 6. 9275] «oethestratze 38, zweiter Stock, 5—6 Zimmer, neu herger., sof. zu oerm. In Klein-Lindetsß sind 6 Wobnungen (2—3 Zimmer mit allem Zubehör) zu oermietben. Näheres bei Johs. 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