1893 Sonntag dm 24. Februar M 47’j Drittes Blatt. tnt Gießener freeUUeltlttn wctttn brwi Mnjrigtr bttimel Der Vwhtwx **|rte/z Procent ergeben. Von anderer Seite ist angeregt worden, kleine Familtenhäuser nach englischem Vorbilde mit Gärtchen zu errichten. Außerdem hat man I auch den Bau von Volkshallen zur Belehrung und Unter- Haltung in Aussicht genommen. Da der Kaiser selbst sich für die Sache intereisirt, so wird sie voraussichtlich in wetteren Kreisen ausgiebige Unterstützung finden und man darf annehmen, daß die Wohnungsfrage nunmehr auch in Oesterreich practisch und thatkräftig angefaßt werden wtrd. ♦ Kalte Jahre. Der „TempS" stellte kürzlich die Jahre dieses Jahrhunderts zusammen, tn denen es kälter war als sitzt. Am 15. Febr. zeigte daS Thermometer den tiefsten Stand 13 5 Grad. Es war kälter tn den Jahren 1802 (15.5), 1803 (15.5), 1820 (14.3), 1824 (14.6), 1829 (17), 1830 (17.2), 1838 (19), 1840 (13.6), 1846 (15.1), 1853 (14 4), 1860 (16.2), 1871 (21.5), 1879 (25.6), 1888 (15), 1890 (15). Es ist alfo dts j.tzt in 95 Jahren nur lömal kälter gewesen wie jetzt. Der „Tempo" Der# zeichnet auch die Jahre, tn denen es tm Februar kalter war wie tm Januar: eS sind die Folgenden: 1801, 1803, 1804, 1805, 1808, 1814, 1816, 1827, 1845, 1853, 1860, 1865, 1870, 1874, 1876, 1888. Vermischte». • Mannheim, 20. Februar. Eine trübselige Hoch zeitSreife nach Italien hat ein junges Ehepaar auS Breslau durchgemacht, das von der hiesigen Armencommtssion eine Retleunterstützung von 4 Mark erhielt, um nach Darmstadt fahrin zu können, wo es zur Weiterbeförderung aber- malS die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch nehmen mußte. W.e daS Pärchen, das den Eindruck trostlosester Niedergeschlagenheit machte, angab, hatte es mit einem Reisegeld von 900 Mark die Hochzeitsreise nach Italien angetreten. In Neapel war ihm das Geld ausgegangen und eine telegraphische Bitte um Nachsendung weiteren Geldes war zu Hause, wo man auf die Verbindung übel zu sprechen war, wirkungslos geblieben. Der deutsche Consul, an den sich der junge Ehemann tn seiner Verlegenheit wandte, konnte nichts thun, als für Rückbeförderung bis zur Grenze sorgen, von da ab reiste daS Paar auf Kosten der öffentlichen Armenpflege. • Aus Gnadengesuchen an Kaiser Wilhelm I. sei Folgendes mitgethetlt: „Nachdem mich August Schulze, waS der ober- faulste Schul »er hier am Platze ist, schon viele Monate durch Schwindeleien htngehalten hatte, sagte er, als ich ihn zum hundertsten Male mahnte, ich sollte nur die Hand auf- machcn, da würde ich daS Geld wtederbekommen. DaS ihat ich. Statt des Geldes spuckte er mir tn die Hand. Da habe ich ihm freilich mit der Faust einige Zähne entzwei geschlagen. Aber hatten es Ew. Majestät viel- leicht anders gemacht?" — Ebenso apostrophirt ein gleichfalls wegen Körperverletzung Bestrafter den Kaiser: „Ew. Majestät find ja auch einmal jung gewesen und reiften aus eigener Erfahrung, daß man auf dem Tanzboden leicht Krakehl bekommt, wenn man einen zu viel getrunken hat." — Wir schließen mit der wortgetreuen Wiedergabe eini'S Bittgesuches einer Schlesierin, daS sie für ihren wegen Diebstahls bestraften Sohn an den Kaiser richtet, und in welchem sich ein rührendes Vertrauen zu dem Landesvater funbgibt: „Hochgeehrte großmächtige Magisteetl Nehmen SeeS mer nid) für ungutt, wenn ich schreib an Sie. Ich machS kurz, weil Sie ja ooch nid) viel Zeit Ham wern. Nämlich Korle (Karl), m-1 elfter iß sonst a ganz gutteö Jüngel. A iS ock halt blüßlg (nur, bloß) et schlechte Kum- panl veigeroihen und da Hot er gelangfingert. Liebste, beste, Maglsteet, thun Se mer ock a eenztgsten Gefallen und be- gnodigen Se mer met Sohndcl. Ich wern schont wieder orml'ch kriegen. Sie Ham ja ooch 'n grüßen Jungen der wol ooch schont manches ausgefressen hat. Nu läben Se mer recht gesund, Magtstet, und grüßen Se mer Ihre Frau, de Kaiserin, recht schiene von Ihrer aller- unterthänigsten Dienerin, der Wittwe Nilschken." — Die Was der Anrufende Ule« pyontrt hat. Wien. JulrS Payer, der Letter der ersten Siordpot-Expedtlton, bat sich nach Breme,Haven gewandt, wo er alsbald eine neue Expedition auSrüsten will. Rom. Die Papiere der Jta- lienischen Bank Haven heut an den Börsen meilicne verloren; steno- tiiten ungefähr 755. (Stuttgart. Die soctaltstische Partei Württemverg puolktit Soeben ihre EantndatenUfte. Die Liste enthält 18 Personen, von denen einige in mehreren Wahlkreisen candidiren. Budapest. Offen wird in Budapest auszelprochen, daß Wekerle noch in diesem Jahr die Getchäfle wieder tn die Hand nehmen wird. Bangkok. Der Kronprinz von Siam, der an Asthma litt, hat ausgeliiten. Sein Htnscheiden Hai dir Bevölkerung tief erschüttert. Man rühmt ihm nach, daß er einen vortrefflichen Eharacler, wie sein Vater, besessen habe. «MNUtzme eoe Injtige* |u btr Nachmittag« für Ve i eiern btn Tag erscheinenden Nuipmer bi« Norm. 10 Uhr. gedruckt wurde. JuleS M^yer, der Leiter der ersten ö|lerre.ch,schen Nordbahn- Dluclion, ist in Bremen zum Grasen ernannt, weil er mit aller Gewalt eine neue Konfession, die der Christen, will. Die Füsi.iere der Italiener find krank, sie Haven heut ein böseS Reißen tn den Ohren; es deser- tiuen aus dem Heer 755. Bei dem socialistischen Lakai Hirrenberg explodirle soeben eine Glanatenkiste. Die Kiste enthielt 18 Patronen, von denen einige mehrere Maie leise detonirien. In Ofen und in BudweiS ist die Pc,r ausgebrochen, sodaß der Schrecken noch in diesem Jahr hestig überhand nehmen wird. Der Kronprinz von Siam, der auf dem Asphalt schritt, ist auS- geglttten. Sein Htngleiten hat die Bevölkerung lief erbittert. । Man rühmt ihm nach, daß er I vortrefflicher und compacter wie | sein Vater gesessen habe. * Mißverstanden, wie telephonirt! So lautet die neueste Variante der früheren Sentenz „gelogen, wie telegraphirt"- daß sie nicht ganz der Berechtigung entbehrt, beweist die nachfolgende ZeitungSnummer, welche auf dem heute üblichen Weg der telephonischen Berichterstattung entstanden ist. Wie es verstanden und Feuilleton. Wochenbriesc »us btt Mtfibenj. (Ortginalbericht beS „(Siebener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 21. Februar. Vo« Sarneval. - Fünftes Hofmufik-Concert. Vom Großh. Hostheater. Dom carnevaltsttschen Leben unserer Stadt will ich Ihnen heute belichten, obwohl Fastnacht noch n cht ge* wesen, die lustige Narrenzeit also noch nicht einmal zu Ende ist, ja, des Haupteff cies noch völlig entbehrt. Jndiffen die Beobachtungen, die ich angestellt habe, gestatten schon heute ein abschließendes Urtheil. Wer daß Carneoalsleben einigermaßen kennt, der weiß, daß für den, der einen wirklichen Genuß darin sucht, die Zeit vor dem Fastnachts-DienStag diesen mitbringt, der Fastnachts Dienstag mit seinem „Rummel und Trubel gehört der Masse- er bleibt sich gleich tn jedem Jahre, mag der Lärm, der ihn begleitet, nun etwas stäiker oder schwächer sein, in seinem Grundcharacteristikum «st er eben einzig und allein. Anders mit den carnevaltsttschen Veranstaltungen der vorhergehenden Zeit. Hier zeigt sich in den einzelnen Sitzungen, ob wirklich Humor und Pitz in einer Gemeinde lebt. Bei uns Darmstädtern ist ja daS eigentliche FaschingSleben noch verhältnißmäßig jung. Dor kaum einem Decennium erst sozusagen als Treibhauspflänzchen importin, ward es von sorgsamen Händen gehegt und gepflegt und hat sich nunmehr in recht imponirender Weise entwickelt. Nicht wenig Arnheil an dieser gedeihlichen Entwickelung hat aber unsere Nachbarstadt Mainz, jene Hochburg ächten FaschingStreibenS. Sie sandte schon seit Jahren ihre besten Kräfte, damit sie unter unS wirkten durch humoristische Borträge in den Sitzungen re. Zu bedauern ist nur, daß das EarnevalSleben unserer Stadt nicht in einheitlicher Leitung liegt. Zwei große Dere'ne stehen sich gegenüber: „Der Zug Verein" und die „Carnkvalgestllichasl", und d e Beziehungen der beiden zu einander find eben, wie es in der Natur der Sache liegt, nicht die besten. Ein FaftriachtSzug kam tn diesem Jahre nicht zu Stande, inbtft.n hat man schon jetzt begonnen, Vorbereitungen für einen tm nächsten Jahre, wo der „Zug-Verein" sein zehnjähriges Bestehen feiert, statt findenden zu treffen. Zwanzig Groppen sind schon äuge- meldet und wenn so rührig weitergeardettet wird, kann etwas Großartiges aus der Sache werden. Für dieses Jahr hat es der „Zug-Verein" bei einem Maskenball am Faftnachts- DienStag bewenden lüften. Die „Carnevalgesellschaft" hält ebenfalls einen Maskenball, hat indessen schon zwei Herren- und Damensitzungen und eine Herrensitzung veranstaltet, die unter ganz coloftolem Andrange des Publikums sämmtlich einen großartigen Verlauf nahmen. Die auflretenden Redner entfalten Witz und Humor in Fülle und auch die eigen« gedichteten carnevalistischen Lieder zeigten, daß den Darmstädiern der Fasching allmälig in Fleisch und Blut Übergeht. Daß auch die hohe Stadtverwaltung Gefallen an ihm findet, be» zeugte der von ihr zur Ertheilung des städtischen Segens eigens entsandte erste Beigeordnete Dr. Köhler. Die Bekanntschaft eines in unserer Stadt noch nicht gehörten TonwerkeS vermittelte daS am letzten Montag statt- gehabte fünfte Hofmufik-Concert unter Leitung deS HofcopellmeifterS W. de Haan seinen zahlreichen Hörern durch die Aufführung der Berlioz'schcn Symphonie „Harold in Italien". Ein eigenthÜmlicheS Werk, voll vcn groleSken, ja oft geradezu ungeheuerlichen und bizarren Motiven, das trotzdem eine geniale Eigenart des Schöpfers verräth, die auch den Beifall deS „Nicht Berlioz-SchwärmerS" heraus- fordert. AIS Solisten waren für den Abend gewonnen Fräulein Toni Can statt auS WormS, die besonders durch eine Anzahl neuer Lieder von Giehrl und Schumann sich lebhaften Dank erwarb, und der Dioloncellist'Car 1 Fuchs aus Manchester, der auch hier seinem Rufe als Künstler von ganz brillantem Können alle Ehre machte. Unser Hoftheater beherbergt feit zehn Tagen zwei illustre Gäste, die den vergangenen beiden Wochen die Signatur wahrer Festiage gaben: S gnonna Franceschina Prevost i abioloinc etn dreiabeadticheS Gasttpiel, das am vergangenen Sonntag setn Ende fand, und jetzt gastiit der Generaidtrector der bayerischen Hostheater, Ern st P o s sart, ebenfalls an drei aufeinanderfolgenden Abenden. U ber ihn werde ich nach Beendigung seines hiesigen Aufenthalts im näd sten Briefe beraten, heute meinem Versprechen gemäß Einiges über die ^evostt. Ihre Anwefenhett bot den Anlaß zur Hervorholung eines von unseren Theaierbesuchern fast ver- offenen Werkes, der dreiactigen Oper „Dworah" von Meyerbeer. Wohl dte geradezu beispiellosen Schwierigkeiten der Titelrolle mögen der Grund fein, weßhaib man feit mehr als 25 Jahren nicht mehr an eine Wiedergabe deS Werkes dachte- einer Prevosti gab sie willkommen Gelegen- he.t, die ganze sieghafte Meisterschaft ihrer genialen Gesangs- lauft zu zeigen. Rauschend war der Beifall, der die Leistungen der gefeierten Künstlerin begleitete, ja, am Sonntag bei der Wiederholung der Oper steigerte er fich zu dreizehn (I) Hervorrufen. Außer der Dtnorah fang die Prevosti die Partie der Violetta Valery tn Verdys „La Traviata", eine Rolle, die neben erheblichen gefänglichen Anforderungen auch solche schauspielerischer Natur tn großem Maße stellt. Daß der Gast auch diese in einzig dastehender Art befriedigte, ist un* nöthig besonders bemerkt zu werden. Ausverkaufte Häuser, prächtige Blumenspenden und biß zum Enthusiasmus gesteigerter Beifall waren dte unzertrennlichen Begleiter der Künstlerin bet jedem Auftreten. Zur Confirmation schwarze tCihttJOHeitC Cachemire in nur soliden Qualitäten, schwarze teilt tt>Olleiie in großartiger Auswahl, schwarze MohaNS, reizende Neuheit für das Frühjahr, in wundervollen Dessins, empfiehlt 1415 Carl Nowack, ___ Modewaaren und Damenkonfektion. Tpecial Haus für Leidenwaareu. Christian Arnold, Spenglermeister 13 Wolkengaffe 13 ■■ Bau- und Reparaturwerkstätte empfiehlt fich in allen oorkommenden Bauarbeitcn, ins esondere Neubautcu. Q0T Reparaturen gut und billig. "TWE lö79 Hamburger Fischhandlung von A. Koch Nachfolger, llklltllbsuk 21. Heute eiutreffend: Z xcbrnd frische ff. Tasesiander per Ksd 65 pfg., Ostender Srr|nngrn, Holl. LcheliSsche, Lablioo ohne Kopf. 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Kneipp in „Wörishofen empfohlenen Ärdutern und beautachiet von dem bek^nitfn „nnd cewtffenba'ten Chemiker Herrn Dr. Max Scheid, Leiter der „Oeffentlichen Untersnclinngs -Anstalt der Stadt Frel- „burg t Br'iSgau ist dem Vublikum ein Mittel geboten „daS den Appetit außerorden lich anregt, „bafc die Berdauurg befS dert. .daß die Magenneroen stürkt, „bi6 endlich auf das allgemeine Wohlbefinden wesentlich einwirkt. Dieser Bitt.rlilör nimmt vera öge seiner eigenartigen Zusammensetzung und seines angenehmen Geschmackes etm der allerersten Stellungen auf dem Weltmärkte ein und steht hinsichtlich seiner Wi ku g und seines guten Geschmack s irgend eil em französsichen, holländischen ob. sonst. Destillat in keiner Weise nach. Das Weinhaus: Jac. Kleinschnitz, 54 Schöne Aussicht 54 in Frankfurt a. Hain — (Hockenheim) bat die General» Vertretung dieses Likör« sür die Städte firai ksurt o. M. und Bockenheim, lür daS Großberzoglhum Hessen - Darmstadt und tür da» Fürstenthum Waldeck übernommen und wollen sich Interessenten wegen Er» langung von Niederlagen und wegen direkten Bemas an die'eS wenden. General-Depot für Wörishofen befindet sich bei Friedrich Zech daselbst. i 70 P. 8. Die amtlich beglaubigte Analyse ist auf meinem Cantor ein» zusehen lac. Klelnschnit?, Weinbaus •Ä Im Frisiren empfiehlt sich in und außer dem Fräulein Anna Vogt, 1046__Tonnen ftraße 14. Zur Anfertigung TOB Familien-DrücksachEn (Gebnrta-, Verlobnngi-, Vennählunga-Äntelgen, Trauerbriefen eto.) eepÄehlt sich die Bruhl’sche Druckerei Schulstrasse 7. «r-hllche» Ämd mtln (S •du« Bttl bt« Du » vötti lommeqli ben(4c lu >-te, iag Eainianbr i»ti|tln, t UWlrrebe ernhlich g Dtt llnza ftiltft gt lebest bt W Je Wbtlitai Eeeli UW, ti fei > M"‘l8n n "««, l,j । «»"ch,, ♦el‘ ‘"t«W